Geister dieser Zeit, wer soll verstehen
Euch nach menschlicher Vernunft Gesetzen?
Pessimistisch haßt ihr dieses Leben,
Will jedoch die Kunst ein schönres schaffen,
Hei, wie ihr sie geifernd gleich verlästert!
Das, was aus dem Leben ihr verwünscht,
Möchtet in der Kunst ihr wiederfinden,
Nur nichts Froheres, um Gotteswillen,
Nichts, was unsre Seele könnt erfreuen,
Denn die reine Freude soll verpönt sein;
Nichts, was Lieb' und Hoffnung könnte wecken
Zu der Menschheit. Und erst Ideale!
Ideale hat nur der Philister.
Sonst ist Kunst auf lichten Höhn geschritten,
Heiter reigend um die ernstre Schwester
Religion. Sonst hat sie in Erz und Marmor
Mit des Lieds erhabnen Weiheklängen
Unsere Helden zur Unsterblichkeit geleitet,
Unseren ungezognen Leidenschaften
Maßvoll edlere Gestalt gegeben,
Und im Spiel ein Gottesreich gestiftet,
Munter Schnippchen schlagend der Materie.
Und dies lichte Reich wollt ihr vernichten?
Just den göttlichsten der Sinne ihr verlöschen?
Phantasie! Wozu denn ward sie euch?
Wollt ihr schon verstümmeln euer Wesen:
Raubt das Aug', das Ohr, die Sprache euch,
Nicht jedoch die Kraft, die aus dem Staub uns hebt.
Frei nach allen Keimen soll entwickeln
Sich der kleine Mensch. Schildert, Realisten,
Genial den Kot, die feuchte Fäulnis,
Wühlt und schwelgt darin, Naturalisten,
Nach Belieben; auch nach dieser Seite
Muß ausleben sich die Menschheit.
Düngt den Baum, auf daß er wachse, grüne.
Warum ihn verspotten, wenn er blüht?
Menschenbaum braucht Erdreich nicht allein,
Auch Sonnenschein. Und ohne üppig Blühen
Keine Frucht. Die Jugend sei gepriesen
Mit ihrem heitern, hoffnungsfrischen Herzen! —
Gern sei euch der Würmer Reich gelassen,
Achtet, wie sie kriechen, bohren, pissen,
Schildert, bitten wir, nur recht dramatisch
Und genau, man will ja alles wissen.
Uns doch sei gegönnt, als Schmetterlinge
Hoch die sonnigen Blüten zu umgaukeln,
Dieses Sein mit Phantasie zu schmücken,
Und mit freier Seel' die Totengräber,
Die aus Knochen Kunstgebilde machen,
Manchesmal ein wenig auszulachen.