XX.
Tougenlichen lag verborgen
Bi liebe ein ritter wol gemůt.
Davon pflag der wahter sorgen;
Er sang:  ‚swer hie lit umbehůt,
Ob der behalten wil den sinen lip,
So weke in minneklichen, reine wib!
Er ist ze lange hie gelegen;
Davon so gebe er dir den morgensegen.‘
Des erschrak dú minnekliche.
Si daht: ‚owe der leiden zit!
Erst entslafen senftekliche,
Der hie an minen armen lit.
Den wil der liehte tag von mir verjagen;
Davon můs ich an froͤiden verzagen.‘
Si kust in slafent an den munt,
Und sprach: ‚der wahter tůt den morgen kunt.‘
Da wart ir kus vergolten;
Ein widerkussen da geschach.
Ach, si lagen als si solten!
Dú frouwe us rotem munde sprach:
‚Tů ritters ere an mir vil senden schin!‘
Er sprach: ‚vil herzeliebe frouwe min,
Ich wil dir mine froͤide lan;
Sich lieb, dú sol dir hie ze pfande stan.‘

XXI.
Sumer diner lieben kúnfte
Bin ich fro! Du hast gewalt!
Diner hohen sigenúnfte
Froͤit sich anger und der walt.
In dem walde hoͤrt man singen,
Kleine vogelin suͤsse erklingen;
Uf dem anger schone entspringen,
Siht man blůmen manigvalt.
Dú zit wart nie so wol gezieret.
Ich han des meien blůt erzwieret;
Die wil ich prisen mit gesange,
Swie doch min kumber wert ze lange.
Ich bin tumb, das ich min langes leit den lúten singe;[53]
Manger spricht: seht! dest war, es wigt in harte ringe.
Ich wer sicherlichen tot, wan das mich nert gedinge,
Das ich noch den kumber min ze liebem ende bringe.
Sol ich iemer fro bestan,
So Minne und dú vil minnekliche mich von sorgen lan.
Rehte blůmenzit des meien,
Vogel singen hilfet niht.
Sihe ich tanzen unde reijen,
Swes dú werlt ze froͤiden giht;
Doch so trurent mir die sinne.
Ungemuͤte wont mir inne,
Sit mir von der suͤssen Minne
Weder lieb noch trost geschiht.
Mich hat der wessen Minne strale
Verwundet niht zem ersten male;
Der alte kumber hat mich sere
Verwunt. Was sol dú rede nu mere?
Minne wil ir alten ungenade an mir nu núwen;
Ich gelebte nie so gar in kumberlichen rúwen;
Si wil mir in sendem herzen grosse sorge brúwen;
Der ich ie getrúwe was, dú wil mir niht getrúwen.
Sol ich iemer fro bestan,
So Minne und dú vil minnekliche mich von sorgen lan.
Mich nimt wunder, ob dú reine
Habe gesetzet in ir můt,
Das si mich in herzen meine,
Sam si mit den ougen tůt:
Seht, so můs ich gar verderben.
Moͤht ich liebe blik erwerben,
Darnach in ir gruͤsse sterben,
So wer doch das ende gůt.
Si smehet mich mit liehten ougen,
Wer ich ir in ir herzen tougen,
So muͤsten ougen nach dem herzen
Mir buͤssen kumberlichen smerzen,
Den ich nu vil lange han von sus getanen sachen.
Dú viel liebe wolte mir ze froͤide nie gelachen,
Doch můs ich ir mit gedanke nahtes dike erwachen,
Das man moͤhte hoͤren mir das herze us jamer krachen.
Sol ich iemer fro bestan,
So Minne und dú vil minnekliche mich von sorgen lan.
Swa man minnekliche lachet,
Hat da Minne nicht gewalt,
So ist ir hoher pris verswachet,
Sol si da sin abe gezalt.
Wan mag wol an miner vrouwen
Minnekliches lachen schouwen.
Ist dú minne an ir verhouwen,
So ist si doch dar nach gestalt,
Swer ir vil liehten ougen sehe,
Wie der nach minem sinne jehe.
Dú schone hat vil hoh gemuͤte,
Kúsche, und rehte wibes guͤte.
In gesach nie schoner wib und also wol gebaren,
In gesach so roten munt bi allen minen jaren,
In gesach nie wibes lib so reinen und so claren;
Doch kann si wol mit geberden mannes herzen varen.
Sol ich iemer fro bestan,
So Minne und dú vil minnekliche mich von sorgen lan.
Ob dú liebe fúrhtet súnde,
Dem tut si doch niht gelich.
Hat si gůter lúte kúnde,
Die sint mit ir súnden rich,
Das si ir nit gebent ze bůsse,
Das si muͤste mir vil sůsse
Lachen, und in liebem grůsse
Gegen mir nigen minneklich.
Ir bihter han niht rehter sinne;
Si geltent minne mit unminne:
So wirt der súnden deste mere.
Si solten wisen rehte lere.
Ob si mir ir grůs verseit, der ir han wol gesprochen,
Sa ze hant wirt minne mit unminne an mir gerochen,
Si hat an getrúwen frúnde trúwe gar zerbrochen;
Da von ist min hoher můt in leide gar betrochen.
Sol ich iemer fro bestan,
So Minne und dú vil minnekliche mich von sorgen lan.

(Die erste und die beiden letzten Strophen dieses Liedes stehen in der Samml. von Minnesing. Th. I. S. 60.)

XXII.
Ich wil der vil lieben singen
Disen sang,
Dú min herze tougelichen
Hat verwunt.
Si kan swere an allen dingen
Machen krank.
Nieman kan sich ir gelichen:
Dast mir kunt.
Nu warumbe lobte si,
Moͤht ichs niht beweren
Mit ir zúhten wol?
Si ist vor allem tadel vri,
Und vor boͤsen meren;
Dabi ist ir herze tugenden vol.
Frouwe, ir hant mich úberwunden
Sunderbar
Iu ze dienst in kurzen stunden:
Das ist war!

Tugentrichú, reine frouwe,
Selig wib!
Ougent an mir úwer guͤte
Und alle zuht.
Als dú rose in meijen touwe
Ist úwer lib,
Und der gelije in wunne bluͤte
An siner fruht.
Ich wil úwer diener sin,
Nach den suͤssen lone,
Das ir troͤstent mich,
Und ir wendent minen pin.
Aller tugende ein krone,
Gar an allen wandel, minneklich!
Frouwe, ir hant mich úberwunden
Sunderbar
Iu ze dienst in kurzen stunden:
Das ist war!
Wunneklicher ougenweide
Ich nie gesach,
Danne der vil wol getanen
Múndel rot.
Si ist vor allen herzeleide
Ein schirm, ein tach.
Swer si siht, der muͤs sich anen
Sender not.
Wil dú Minne mir gestan
Gen der minneklichen,
Seht, so wurd ich vro,
So wolde ich die sorge lan
Us den herzen slichen.
Minneklichú Minne, fuͤge es so!
Frouwe, ir hant mich úberwunden
Sunderbar
Iu ze dienst in kurzen stunden;
Das ist war!
XXIII.
Sumer ouget sine wunne,
Das ist an der zit.
Prúve er wol swer rihten kunne,
Was materie lit
An dem walde und uf der heide breit.
Wan mag schouwen,
Wie die ouwen
Stant bekleit,
Was der anger liehter blůmen treit.
Est ein alt gesprochen wort:
Swa din herze wont, da lit din hort!
Ich hab endelichen funden
Einen schoͤnen hort;
Den kos ich mir zeinen stunden;
Nust min herze dort
Bi dem horde, der mir fuͤget pin.
Dú vil reine,
Wandels eine
Můs mir sin
Hort in dem vil senden herzen min.
Est ein alt gesprochen wort:
Swa din herze wont, da lit din hort!

Min hort kan wol tugenden horden
Und hohen můt.
Dú mir ist ze horde worden,
Dest min frouwe gůt.
In der guͤte lose, wolgestalt
Ir gebaren
An den jaren
Mich tůt alt,
Swie ir tugende doch si manicvalt.
Est ein alt gesprochen wort:
Swa din herze wont, da lit din hort!
Maniger der hat hort verborgen,
Des er troͤstet sich.
Min hort git mir niht wan sorgen,
Unde smehet mich.
Min vil lieber hort ist mir also
Gar unnuͤtze.
Minne schuͤtze,
Cupido
Traf min herze, sit bin ich unfro.
Est ein alt gesprochen wort:
Swa din herze wont, da lit din hort!
Minne dú ist gewalteklichen
Allen dingen obe.
Ir kan niht uf erde entwichen,
Es gevahe ir klobe.
Wisheit, hort, du beide nigent ir.
Minne, suͤsse!
Kumber buͤsse
Nach der gir!
Twinge minen hort geliche mir!
Est ein alt gesprochen wort:
Swa din herze wont, da lit din hort!

(Die erste Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von Minnesing. Th. I. S. 61, nur mit einer verschiedenen Leseart in der dritten Zeile.)

XXIV.
Winter leide
Gruͤne heide
Hat verderbet, und den walt.
Wan mag schouwen
An den ouwen,
Da lit nu der rife kalt.
Ich wirde alt
Von selken dingen.
Noch klage ich ein ander not,
Das dú liebe mich wil twingen,
Der ich mich ze dienste ie bot.
Ich wil singen,
Zoren  bringen,
Das ich nach ir jamers won.
Jamers schrike,
Lide ich dike:
Das tůt minem herzen we!
Ich vil tumber
Disen kumber
Liden můs aber als e.
Swies erge,
Ich můs doch sorgen
Beide naht und ouch den tag,
Das ich abent noch den morgen
Si niht sol noch sehen mag.
Unverborgen
Můs ich worgen
In ir bande, dunket mich.
XXV.
Nu ist der arge winter hie,
Der uns wil betwingen aber (leider!)
Die blůmen und den kle.
Owe, der zerfuͤrt uns ie
Meijen sinú wunneklichen kleider!
Ich sorge, wies erge!
Wissent, wer den winter lang
Also můs vertriben
Ane lieben umbevanc,
Wie mag der beliben,
Sin froͤide werde kranc?
Liep gedinge tůt mich geil,
Ich gewinne heil.
Owe lieblich naher smuk!
Owe minnekliches umbevahen!
Und owe guͤtlich kus!
Owe herzelicher druk!
Wenne sol ich sender den enpfahen?
Joch singe ich umbe sus.
Doch gedinge ich,  das ir můt
Und ir wiblich guͤte,
Dú mich froͤlich singen tůt,
Hoͤhe min gemuͤte.
Si ist so rehte gůt.
Liep gedinge tůt mich geil,
Ich gewinne heil.
Wer gesach ie frouwen lip,
Der ir lachen also wol gezeme
Und ir vil werder grůs?
Es ist manig schone wib,
Dú doch niender ist also geneme:
Des man ir sprechen můs.
Swenne ir rose roter munt
Und ir liehten ougen
Blikent in mins herzen grunt
Lachelichen, tougen,
So wirt ich wol gesunt.
Liep gedinge tůt mich geil,
Ich gewinne heil.
Wol dir, minneklichú fruht!
Wol dir! du hast froͤiderich gemuͤte,
Und doch mit rehter scham.
Wol dir! du hast wiblich zuht.
Wol dir! du hast userwelte guͤte
Mit rehter kúsche alsam.
Wol dir! du bist userkorn,
Liep und  wandelbere.
Wol dir! wan du bist verer zorn
Und fúr sende swere
An dise werlt erborn.
Liep gedinge tůt mich geil,
Ich gewinne heil.
We, warumbe tůt si das,
Das si mir das herze niht enbindet
Von sender arebeit?
Sicherlich ir stuͤnde bas,
Sit si mich
So sigelosen vindet,
Das si min sendú leit
Uf genade neme an sich,
Doch in lieben troste,
Also das dú gůte mich
Von den banden loste:
So lepte ich wunneklich.
Liep gedinge tůt mich geil,
Ich gewinne heil.
XXVI.
Heide, walt und anger, wol bekleit,
Die hant sich entbloͤsset: dest min klage.
Kleiner vogelin truren ist mir leit,
Die der winter twinget alle tage.
Noch trage
Ich in minem herzen grosser swere,
Sunder strit,
Das mich lat in sorgen dú vil seldenbere
Lange zit.
Wol im, der ze liebe hat den trost,
Das er sender leide wirt erlost!
We mir! we der súftebernden not,
Das ich trost von liebe niht enhan,
Sit dú Minne dienen mir gebot,
Der ich bin mit trúwen undertan!
Ich lan
Mich an ir genade sicherlichen;
Si ist so gůt.
Wer mag nu an hohen froͤiden bas gerichen
Mir den můt?
Wol im, der ze liebe hat den trost,
Das er sender leide wirt erlost!
Reine kúsche, tugentriche sitte
Si hat in ir herze; rehte scham,
Selde und ere wont der lieben mitte
Noch in rehter wibes guͤte alsam.
Mir kam
In das herze ir minneklich gebaren,
Do ich si sach.
Des lide ich, vil sender, nu bi manigen jaren
Ungemach.
Wol im, der ze liebe hat den trost,
Das er sender leide wirt erlost!
Nieman mag der Minnen han gewalt.
Si tůt dike we und ofte wol.
Er mag wol ze selden sin gezalt,
Den si tůt mit willen froͤiden vol.
Ich sol,
Leider! noch bevinden, ob dú Minne
Froͤide gebe;
Si tůt ungenade mir in minem sinne,
Swie ich lebe.
Wol im, der ze liebe hat den trost,
Das er sender leide wirt erlost!

XXVII.
Wol becleidet stet dú heide,
Anger und der gruͤne walt.
Bi der liehten ougenweide
Hoͤrt man stimme manigvalt
In den ouwen, vogelin doͤne.
Meije wart noh nie so schoͤne,
Den ich mit gesange kroͤne,
Noch so rehte wolgestalt.
Frouwe, sich,
Du solt mich
Troͤsten, sit ich minne dich!
Sich froͤit aldú werlt gemeine
Gegen der wunneklichen zit.
Nieman truret, wan ich eine,
Sit si mir niht froͤide git,
Der ich diene in ganzen trúwen;
Dú wil minen kumber núwen.
Ich lebe in vil starken rúwen
Von den meren iemer sit.
Frouwe, sich,
Du solt mich
Troͤsten, sit ich minne dich!
Ane Got so hat min nieman
Den gewalt, als si wol hat.
Itewisset mich des ieman,
Stuͤnde es dem als es mir stat,
Er geloupte mir zeware.
Der ich diene sunderbare,
Wie dú miner jungen jare
Froͤide nider sigen lat![54]
Frouwe, sich,
Du solt mich
Troͤsten, sit ich minne dich!
Wer gesach ie creatúre,
Die man weis in wibes namen,
Also schone, also gehúre?
(Dú darf sich des niht beschamen!)
Also kúsche und also gůt,
Also tugenthaft in můt,
Und an eren so behůt?
Dú ist ein selig wib, benamen!
Frouwe, sich,
Du solt mich
Troͤsten, sit ich minne dich!
XXVIII.
Ich wil allen lúten
Belúten
Mins herzen klage,
Und wie grossen kumber
Ich tumber
Nu trage,
Wie mich sorge twinget,
Und singet
Doch mir der lip.
Seht! das můs ich liden
Durh miden
Ein wip.
Des můs ich den jamer schriken,
Leider! undertenig sin.
Ich lige in ir minnen striken,
Das ist an mir worden schin.
Si kan senden smerzen
Us herzen
Vertriben
Wol:
Rose ob allen wiben,
Man si nennen sol!
Wa ist nu dú schoͤne?
Ich doͤne
Und nige ir gar.
Ich wil aber gruͤssen
Die suͤssen
(Nement war!)
Schone mit gesange.
Swie lange
Ich ir froͤmde si,
Doch so hat ir jugende
Vil tugende;
Dabi
Hat si guͤte ein michel wunder
In den herzen zaller stunt;
Und si doch vorus besunder
Mir das herze hat verwunt.
Si kan senden smerzen
Us herzen
Vertriben
Wol:
Rose ob allen wiben
Man si nennen sol!
Wenne sun ir ougen
Mir tougen
Ze blike varn,
Und dú suͤsse junge
Mir swunge
Den arn,
Und mich umbevienge:
So gienge
Mir sorgen hin;
Seht! so wolt ich scheiden
Von leiden
Den sin.
Wafena, der lieben stunde!
Wenne sol ich die geleben,
Das ich von ir roten munde
Solte ein lieblich kússen nemen.
Si kan senden smerzen
Us herzen
Vertriben
Wol:
Rose ob allen wiben
Man si nennen sol!

(Die erste Strophe dieses Liedes steht in der Samml. v. Minnesing. Th. I. S. 61.)

XXIX.
Winter, din gewalt
Selwet blůmen manigvalt;
Dú zit ist also gestalt:
Und dú vogellin
Lident aber grossen pin;
Ir schal můs geswigen sin.
Wan mag schouwen
An den ouwen,
Da lit nu der sne,
Da man blůmen brach:
Uf der heide
Stent mit leide
Rife und ouch der sne.
Dast min ungemach.
Wes habe ich gedinge,
Sol min singen
Mir niht bringen
Froͤiderich gedinge?
Winter und der sne
Tůt mir niht reht so we;
Sorgen hab ich dannoch me.
Swies min herze gert,
Des bin ich noch niht gewert;
Est unneher danne vert.
Dú vil gůte
Minen můte
Sus hat angesiget,
Das ich bin unfro.
— — — —
— — — —
— — — — —

(So unvollendet steht dieses Lied in der Handschrift.)

XXX.
Sol ich nu verstummen
Dur den winter lang?
Des war ich wil uns tummen
Singen disen sang!
Mirst ein hohgemuͤte
In minen lip geflogen
Von ir, dú wibes guͤte
Ie was unbetrogen.
Sist mir zallen ziten in dem sinne,
Der ich nie vergas,
Wan si wendet minne mit unminne,
Der ich stete has.
Si kan truren swachen,
Das ist mir wol kunt;
Ach, froͤlich lachen
Kan ir roter munt.
Si mag mir wol bringen
Froͤidenrichen můt;
Darnach wolt ich ir singen,
Swie si mir joch tůt.
Es wiget ungeliche
Liebe mir gegen ir;
Ich bin ir sicherliche
Holder danne si mir.
Minne, wis geliche mit der wage,
Sit das ich bin din!
Neina, tůs, e mich der zit betrage,
Suͤsse troͤsterin!
Si kan truren swachen,
Das ist mir wol kunt;
Ach, froͤlich lachen
Kan ir roter munt.
Gib ein liebes ende
Mir, vil selig wib!
An alle missewende
Lebt din kúscher lib.
Lieb vor allen vrouwen,
Schoͤne, minneklich,
La dine tugende schouwen,
Unde troͤste mich!
Tůst du das, so bin ich froͤidebere.
Mines herzen trut,
Lieb, nu wende mine sende swere
Stille und úberlut!
Si kan truren swachen,
Das ist mir wol kunt;
Ach, froͤlich lachen
Kan ir roter munt.
XXXI.
Ich wil aber singen!
Doch moͤht ich von sus getanen dingen
Bas súften und klagen.
O we grosser leide!
Mich froͤit niht der anger noch dú heide,
Noch singen noch sagen;
Mich froͤwet niht der tamber noch dú gige;
Hoͤre ich harpfen und rotten, an dem můt ich sige.
Von der einen, der ich dike nige;
Můs ich die swere tragen.
Ich han leit und ungemach,
Sit ich si von erst gesach.
Ach! und aber ach!
Dú vil suͤsse reine
Achtet uf mich senden kleine,
Den tůt si wol gelich:
Da begat si súnde.
Swie vil ich des mit gesange kúnde,
Doch lebt si froͤmdeklich.
Mir tůt we, das si mich senden smahet,
Und dú liebe minen sang niht in ir ore enpfahet;
Davon kumber mir in herzen gahet,
Des bin ich sorgen rich.
Ich han leit und ungemach,
Sit ich si von erst gesach.
Ach! und aber ach!
Grůs von rotem munde,
Der vergat mich leider zaller stunde;
Des můs ich froͤiden lan.
Lieblich ougenblike,
Die vergant mich zwirent also dike.
Wie sol min leit zergan?
Mich froͤit niht dú sunne noch der mane.
Nieman kan mich troͤsten, wan dú reine, valsches ane.
Wil dú minnekliche, wol getane,
So mag ich fro bestan.
Ich han leit und ungemach,
Sit ich si von erst gesach.
Ach! und aber ach!

Ich hab ir gesungen
Und gesprochen vil mit lobender zungen,
Das beste das ich kan.
Wil si des vergessen,
So hat ungemuͤte mich besessen.
Trut Minne, sich daran!
Wig, das dú liebe ste geliche,
Ald das si mir us gedanke entwiche!
Jamer tůt vil dike sorgenriche
Mich froͤidelosen man.
Ich han leit und ungemach,
Sit ich si von erst gesach.
Ach! und aber ach!
Swer mir gůtes gunne,
Und der minen kumber merken kunne,
Der spreche ir iemer wol.
Der si lopt mit worten,
Der hat mine gunst an allen orten,
Das ich verdienen sol.
Ich bin ir gebunden gar fúr eigen.
Den si gůtes gan, der ist gescheiden von den veigen.
Wolde si genade an mir erzeigen,
So wurde ich froͤiden vol.
Ich han leit und ungemach,
Sit ich si von  erst gesach.
Ach! und aber ach!

XXXII.
Sumerlichú wunne
Zieret wol den gruͤnen plan.
Berg und tal
Sint bekleit;
Nach den touwe sunne:
Meijen disú kleider sneit,
Sunder wan,
Uberal.
Swer wil
Bla,
Rot, gruͤn, gel schouwen,
Uf den anger, in den ouwen,
Der siht da
Wunne vil.
Minne, twinge mir den sin!
Wiblich guͤte
Min gemuͤte
Zuket hin.
Swie vil meije bringet
Froͤiden und sin liehten tage,
Doch trure ich
Von der not,
Das mich Minne twinget
Und der lieben  munt so rot.
Dest min klage,
Sicherlich!
Ich han
Ir
Den můt erzeiget,
Das sich ir gebot neiget
Alse min gir,
Sunder wan.
Minne, twinge mir den sin!
Wiblich guͤte
Min gemuͤte
Zuket hin.
Mir ist wol ze můte,
Swenne ich die vil lieben sihe.
Alle zit,
Dur das jar,
Dú vil reine gůte
Tůt mich truren, das ist war.
Ich vergihe
Sunder strit,
So si
Tůt
Der not geliche
Sam trure herzekliche,
Sost min  můt
Froͤiden fri.
Minne, twinge mir den sin!
Wiblich guͤte
Min gemuͤte
Zuket hin.
Lieb, la liebe werben
Lieblich zwischent mir und dir!
Lieb, la mich
Liep dir sin!
La lieb niht verderben,
Liep, und tů mir helfe schin!
Frouwe min,
Minneklich!
Ich bin
Ir
So gar gebunden,
Dú mich twinget zallen stunden,
Das si mir
Nimt den sin.[55]
Minne, twinge mir den sin!
Wiblich guͤte
Min gemuͤte
Zuket hin.
Zuht und ellú schoͤne
Hat min frouwe, ach, selig wip!
Wiblich scham
Ouch dabi.
Fúrbas ich si kroͤne;
Sist vor missewende vri
Lieben lip
Ob alsam
— — — — —

(So abgebrochen steht dieses Lied in der Handschrift.)

XXXIII.
Winter, dine kalte rifen,
Kalde winde und ouch der sne,
Swas die gruͤnes mugent begrifen,
Des gesiht man jar lanc me
In so wunneklichen schine.
Seht! das las ich alles sin;
Wan ich lide grosse pine
Von der lieben frouwen min.
Des wil dú reine
Gelouben vil kleine,
Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,
Und lat mich sender not ze pfande ligen.
Von welhen schulden
Můs ich dulden?
Ald wavon
Hat si mir ir grůs verseit? Deswar ich bins ungewon.
Solt ich  wúnschen mir ze heile
Darnah als min wille stat,
So neme ich ze minem teile,
Fúr swas nu ieman gůtes hat,
Das dú reine in wibes guͤte
Spreche: lieb, ich bin dir holt!
Das froͤit min gemuͤte
Bas danne aller Kriechen  golt.
Des wil dú reine
Gelouben vil kleine,
Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,
Und lat mich sender not ze pfande ligen.
Von welhen schulden
Můs ich dulden?
Ald wavon
Hat si mir ir grůs verseit? Deswar ich bins ungewon.
Nieman ahte mir gen gůte
Froͤide und froͤiderichen můt!
Froͤide in edels mannes můte
Tůt bas dan alles sin gůt.
Wurde mir ein lieplich smieren
Von der frouwen min bekant,
Und ein minnekliches zwieren;
Das neme ich fúr tusent lant.
Des wil dú reine
Gelouben vil kleine,
Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,
Und lat mich sender not ze pfande ligen.
Von welhen schulden
Můs ich dulden?
Ald wavon
Hat si mir ir grůs verseit? Deswar ich bins ungewon.
Unwerde und gar unmere,
Húre unwerder danne vert,
Bin ich, der ich gerne were
Gar vor allen dingen wert.
Si tůt niender dem geliche
Sam si welle erhoͤren mich.
Nu neme ich fúr Tútsche riche,
Das si bas bedehte sich.
Des wil dú reine
Gelouben vil kleine,
Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,
Und lat mich sender not ze pfande ligen.
Von welhen schulden
Můs ich dulden?
Ald wavon
Hat si mir ir grůs verseit? Des war ich bins ungewon.

Frouwe, schoͤne, minneklich!
Frouwe, kúsche, wolgezogen!
Frouwe, in guͤte froͤiderich!
Wunsch hat an iu niht gelogen.
Ach, solt ich úch kússen tougen,
Das were unvergolten gelt,
An den munt und in dú ougen,
Das neme ich fúr alle die welt.
Des wil dú reine
Gelouben vil kleine,
Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,
Und lat mich sender not ze pfande ligen.
Von welhen schulden
Můs ich dulden?
Ald wavon
Hat si mir ir grůs verseit? Deswar ich bins ungewon.
XXXIV.
‚Der tag uns nahet!
Wer niht versmahet
Disen warn sang,
Den ich hie singe;‘
(Ein wahter lute schrige)[56]
‚Swer bi trut lige
An armen blang,
Der hebe sich ringe;
Uns nahet bald ein liehter tag;
Ich fúrhte melde, dú nie gelag
Ze solhem dinge.‘

‚Owe uns beiden!
Wir muͤssen scheiden!‘
Sprach das reine wib
Mit trehenden ougen.
Ein umbevahen
Und smuken nahen
Lieb an liebes lib
Ergienc da tougen.
Der ritter sprach ze der frouwen sin:
‚Gebút mir lieb! wan ich bin din,
Dast ane lougen.‘
‚Nu scheidest hinnen!
In minen sinnen
Wart mir nie so we‘
(Sprach dú vil reine). —
‚Des můs ich sorgen,
Vúr disen morgen
Nach dir iemerme;
Min froͤide ist kleine.‘ —
Dú frouwe sprach: ‚gedenke an mich,
Sit ich in rehten herzen dich
Mit trúwen meine.‘