Der edle Wein ist dem Deutschen der Sorgenbrecher, das Bier sein guter Kamerad. Der Rebensaft macht das Blut leicht, lockert die Gedanken, gebiert den Witz; das behäbige Bier macht Körper und Gedanken träge, weckt aber den Humor, jenes urdeutsche Etwas, das wie die Gemütlichkeit, nur das deutsche Volk und der deutsche Sprachschatz kennt.
Darum liebt der Deutsche auch sein Bier, und was sich liebt, das neckt sich. Wer schimpft, der kauft! Der Deutsche schimpft auf den Gerstensaft, legt ihm allerlei Namen bei, oft recht grobe, aber nichts destoweniger sehr bezeichnende, und sauft – pardon, kauft soll es heißen. Heute, wo wir feiner geworden sind, sprechen wir allerdings nicht mehr so despektierlich vom Bier, wie es unsere Vorfahren getan, denen eine Zote und ein Zötchen, wie Luther sagt, als Würze der Geselligkeit schienen. Wir sind nobler geworden – wir tun jetzt im Geheimen, was vordem die breite Öffentlichkeit nicht scheute und nicht zu scheuen brauchte, denn der Nachbar, sogar die Damen machten es ebenso. Und was die Ahnen ohne Bedenken ausführten, das benannten sie auch mit dem richtigen Namen – es klang freilich nicht immer zart und »passend«, aber die Prüderie war eben damals noch nicht Allgemeingut geworden. Man war rücksichtsloser und derber und heuchelte wenigstens noch nicht in Kleinigkeiten. Man trank sein Bier ganz öffentlich aus großen Töpfen, nippte nicht in Wirtshäusern aus gläsernen Tulpen, um im Geheimen Maßkrüge zu leeren. Man sagte nicht: »Gose bekommt mir nicht!« sondern
Wie viel gesitteter, aber langweiliger, klingt, was Friedrich Herm zweihundert Jahre später von derselben Gose singt:
Weniger affektiert aber bei weitem richtiger charakterisiert ihr Landsmann Edwin Bormann die Gose:
So wie die Gose hing der Deutsche fast allen seiner Lieblingsbiere einen Klaps an, sei es, daß er ihre Wirkung übertrieb oder ihren ursprünglichen Namen verballhornte. Aus dem Breslauer Stadtbier, dem Scheps, wurde der – Schöps, von dem es hieß:
oder wie das Original im klassischen Küchenlatein lautet:
Auf »durchschlagendere« Wirkung lassen die Namen etlicher anderer Biere schließen, so das Eckernförder, von dem Krünitz in aller Gelassenheit berichtet: »Von diesem wird erzählt, daß, als im Jahre 1503 der Kardinal Reymundus dahin gekommen und dieses Bier gekostet, habe es ihm so wohl geschmeckt, daß er ziemlich sich darinn berauschet; als er aber hier auch des Nachts etliche Stuhlgänge gehabt, habe er es Cacabella oder Cacabulle genannt, da es vormahls Quackeldeiß geheißen.« Und dieser anrüchige Name blieb auf ihm sitzen.
Ebenso bezeichnend hieß das Bier von Dasseln im Braunschweigischen der Hund, weil es im Leibe knurrte und murrte, ehe es sich gewaltsam einen Ausweg suchte.
Die Lust an Derbheiten bei unseren Altvorderen kommt in vielen Biernamen zum unverfälschten Ausdruck, so wenn sie das Gebräu von Dransfeld im Hildesheimschen Hosenmilch nennen – eine Zweideutigkeit, die gar nicht zweideutig ist, oder das Nauensche Bier Zitzenille benamsen, das ein Ungenannter also apostrophiert:
Das Bier aus Eisleben wird »Krabbel an der Wand« und »Mordundtotschlag«, das Bier aus Stade – Kater, das aus Boitzenburg Beißdenkerl und endlich das von Osnabrück – Buße getauft.
Am reichsten an Bieren mit absonderlichen Namen war Frankfurt a. d. O. Eine Durchsicht meiner Tabelle der Bierspitznamen ergibt für diese Mittelstadt an zwanzig verschiedene Biere, von denen ein großer Teil ihre Bezeichnungen bereits seit dem fünfzehnten Jahrhundert tragen.[70]
Unseres heiligen römischen Reiches deutscher Nation gesegnete Streusandbüchse war in der Vorzeit das Dorado des Bieres – ein Abklatsch des bierseeligen Bayerns unserer Zeit. Jedes Nestchen hatte sein eigenes Bier, dazu kam noch eine Hochflut fremder Gebräue – und doch schwärmte der Brandenburger für kein Bier mehr als für sein heißgeliebtes Bernauer.
Mit behaglichem Schmunzeln, nach einem Kuhschluck des schäumenden Trankes, tischt der behäbige Märker dem Fremden die Geschichte auf, wie ein Schusterjunge in Berlin, dem der Meister das bißchen Grips aus dem Kopfe gebeutelt, von der nicht minder handfesten Meisterin nach einem Krug Bernauer geschickt wird und statt nach dem Ratskeller zu gehen, sich gen Bernau trollte, der Residenz Wippchens und der Geburtsstadt des »Froschmäuselers« Georg Rollenhagen. Als ihm dann plötzlich auf dem Rückweg nach Berlin seine Torheit klar wurde und er sich die zahllosen Kopfnüsse ausmalte, die ihm winkten, vergrub er den Deckelkrug voll Bier am Wegrand und ging in die Fremde. Viele Jahre vergingen ehe der zu einem Kriegsobersten gewordene Lehrling nach dem Spreestrand heimkehrte und nach dem Krug Bernauer grub, den er unversehrt fand, ebenso das Bier in ihm, das zu einem wahren Göttertrank geworden war. Dieses Bernauer begeisterte einen Poeten um 1720 herum zu einem endlos langen Gedicht, dessen letzte zwei Strophen lauten:
Eine ähnliche Dichtung findet sich, sogar in drei Sprachen: lateinisch, hoch- und plattdeutsch, zu Ehren des Gardelegener Gartei. Ihr Verfasser ist der hochgelahrte Helmstädter Professor der Medizin und spätere Oberarzt in Lübeck, Heinrich Meibomius, der sich auch viel mit dem Geißeln beschäftigte und uns eine diesbezügliche, in gewissen Kreisen noch unvergessene Abhandlung »de flagrorum usu in re veneria« hinterlassen hat. Die Entstehungsgeschichte dieses Gedichtes ist folgende: Herzog Heinrich Julius von Braunschweig hatte verboten, in Helmstädt das Gartei an die Studenten zu verschänken. Das beklagte Meibomius im Namen seiner Studenten und des Gartei selbst mit den Worten:
Das Gedicht verrät dann, daß auch die Damenwelt dem Gartei nicht abgeneigt gewesen sei, denn, sagt das Bier von sich selbst:
Ebenso wie das Gartei, fand der Tangermündner Kuhschwanz und das Karthäuser aus Frankfurt a. d. Oder seine Sänger.
Aber trotz dieser guten Biere ergoß sich ein Strom fremden Stoffes über die Mark. Was man z. B. in Berlin um das Jahr 1711 alles hinter die Binde goß, ist aus dem nachstehenden »Bier-Carmine« zu ersehen.
Die umfassenden bierologischen Kenntnisse Rebels lassen darauf schließen, daß er entweder Student oder Gastwirt oder Bierbrauer gewesen. Das Selbstlob des Berliner Bieres am Schlusse seines Poems lassen beinahe auf letzteres schließen.
Eine verifizierte Biergeographie findet sich in der Falckensteiner Chronik von Schwabach. Sie ist interessant genug, um ihren Abdruck zu rechtfertigen.
Der »arme Mann im Tockenberg«[72] trank in Berlin zu des alten Fritz' Zeiten seinen »Krug Rußiner- oder Gottwitzerbier«.
Wie man das Bier zu trinken hatte, sagt der unbekannt gebliebene Verfasser des Büchleins »de generibus ebriosorum et ebrietate vitanda«:[73]
Dasselbe Werkchen gibt die etwas grobkörnige Unterweisung für den Trinker, die auch Fischart in seinem »trunken Gespräch« in der »Geschichtsklitterung« aufführt:
Ja, getrunken mußte werden, und wenn das letzte Kleidungsstück ins Leihhaus wandern sollte. Und so sangen denn die Altvorderen im kräftigsten Bierbaß:
Etwas Galgenhumor klingt aus dem Sprüchlein:
Unsere Vorfahren waren gar kluge Leute. Um niemals den Genuß des Bieres zu entbehren, den heutzutage hier und da ein übereifriger Doktor der Medizin seinem durstigen Patienten verbieten zu müssen glaubt, fanden sie darin ein unfehlbares Gegenmittel, daß sie dem edlen Gerstensaft allerlei Heilwirkungen zuschrieben und gegen jede Krankheit ein Bier als Heilmittel wußten.
»Obschon das Bier mit dem Wein sich in keine Kompetenz einlasset und demselben gern den Vorsitz vergönnet, dennoch wird es mehrmals von den verständigen Medicis manchen Patienten zugelassen und darf der sonst so redliche Wein nicht unter die Augen kommen, welches desto mehr die Ehre des Bieres und folglich des Bierbrauers vergrößert.«[74]
Schon der alte Plinius rechnet den Schaum des Bieres zu den Schönheitsmitteln, weshalb die Römerinnen auch gerne vom Schaum nippten – tout comme chez nous.
Wie man heute dem Magenkranken Pilsener Bier erlaubt, verordnete man ihm in der Vorzeit Einbecker, das überdies in Gelbsucht und Fieber gute Dienste leistete, so behauptete wenigstens Plakotomus in einem Buche »de natura cerevisiarum«, wie das Danziger Preußing bei Bluthusten und Brüchen, das Kniesenack und das Ducksteiner gegen den Stein, das letztere auch noch gegen Podagra von exzellenter Wirkung war.
Mit diesem bierologisch-medizinischen Blödsinn, »Braunbier, braunisch kuriert«,[75] ließen sich Bände füllen, da ebenso wie dem Bier im allgemeinen nachgesagt wurde:
fast jeder Biersorte eine andere Wundergabe zugesprochen wurde, – sollten doch gewisse Gerstensäfte Marienbad bei der Damenwelt und Aachen usw. bei den Herren ersetzen können.
Balthasar Schnurrens Regel:
erschöpft noch lange nicht die im Biere schlummernden Kräfte, denn
lobpreist ein anderer Bierkenner.
Über die medizinischen Eigenschaften des Bieres ergeht sich ein unbekannt gebliebener Gelehrter in folgenden Worten:
Von des Bieres Eigenschaft, Schaden und Nutzbarkeit.
Bier wird gekocht mit Weizen, Gersten, Haber und Hopfen. Es ist zweierlei: das dicke wird Doppelbier genannt, das andere ist lieblicher, subtiler und besser. Dickes Bier macht Feuchtigkeit, das andere, das lieblicher ist, nicht so viel. Bier mehret die Kräfte, Fleisch und Blut, ist von großer Nahrung, bewegt den Harn, bringt Linderung des Bauchs, zumal wenn es mit Hopfen gekocht ist. Mit zu viel Hopfen schadet es denen, die ein schwaches Hirn haben, dieselben macht es trunken, und diese Trunkenheit währet länger denn die des Weins. – Bier, das nicht wohl gekocht wird, da kühlet ein wenig und blähet den Bauch. Aber das saure beschädigt den Magen, das trübe verstopft und schadet denen, die den Stein haben, verursacht Blähungen oder Kürze des Athems. Bier, das übel gekocht wird, machet Wind im Magen und Bauch und bewegt die Bärmutter. Und solches, das nicht wohl alt und von seiner Hefen gereinigt ist, das wird nicht wohl verdauet, bringet Harnwind und eben die Schäden wie das übel gekochte Bier. Bier aus Gersten und Hopfen wohl gekochet, welches das temperirteste ist und gesundeste, öffnet die Verstopfung.«[76]
War nun das Bier gegen alle möglichen und unmöglichen Gebrechen gut, gegen eines half es niemals, im Gegenteil es beförderte dieses ebenso wie der Wein – den Rausch.
Um dieses Erbübel des Trinkers aus der Welt zu schaffen, ohne jedoch den gewohnten Trunk einzuschränken, griff man zu allerhand abenteuerlichen Mitteln.
Johannes Rasch zu Wien, der im Jahre 1582 das »Weinbuch von Baw, Pfleg und Bruch des Weins« herausgab, empfiehlt: – »ehe du ein wein trinkst, iß Wethamerwurtz oder Petulanakraut oder thue ein guten trunck Milch, so wirstu nit so leichtlich vol gemacht werden. Epheu hat diese Tugend und Kraft, daß es den Kopf vor des vergangenen tagsrausch und wehthumb behütet« – also Katzenjammer unmöglich macht. O du herrlicher Johannes Rasch, dein Andenken sei gesegnet. Von nun ab werden Epheupflanzungen wie Pilze aus der Erde schießen.
Christoph von Hellwig, der unter dem Pseudonym Valentin Kräutermann eine ganze Anzahl »kompendiöse« hirnverbrannte naturwissenschaftliche und medizinische Bücher in die Welt sandte, verbrach auch ein Werkchen »Der curieuse und vernünftige Zauber-Arzt«,[77] auf dessen Seite 61 er folgende »curieuse und vernünftige« Wundermittel gegen die Trunkenheit verzapft.
»Daß einer nicht truncken werde.
Ingemein pfleget man fünff oder sieben bittere Mandeln vor dem Trinken zu essen, weil man noch nüchtern ist.
Die Trunckenheit zu bewältigen, daß man nicht berauschet werde, so ist das beste Mittel der rothe Kohl, wenn man aus desselben Stengeln den Safft mit den Zähnen heraus presset, und ihn einschlucket: oder denselben gekocht unter die erste Gerichte zum Essen aufsetzet: Dieses thut die Portulacus Levius Lemnius. Oder man nähe Epheu oder Jelänger Jelieber in eine Mütze, und trage solche beym Trincken auf dem Kopffe.
D. Sebizius in seinem Buche vom Feld-Bau rühmet folgenden lateinischen Hexametrum, welchen man man noch, bey auffhabender Mütze von Epheu und Jelänger Jelieber, öffters bey sich heimlich recitiren solle, so würde die Verhütung der Trunckenheit desto eher geschehen; nemlich:
Jupiter his acta sonuit clementius Ida.
Das Sal volatile oleosum ist auch nich zu verwerffen, wenn man es offt gebrauchet.
Wer einen sauren Apffel früh nüchtern isset, und trinckt Wasser drauff, der wird denselben Tag nicht voll.«
So. Nun weiß man's.
Radikal aber wird die Trunkenheit nur dann ausgemerzt, wenn man ihrer Grundursache, dem Durst, zu Leibe geht, – so meinten die alten Herren, als ob man nicht auch ohne Durst trinken könnte!
Diesen bösen Durst vertreibt man gründlich nach einem Rezept des sechzehnten Jahrhunderts auf diese Weise:
»In dem Hahne findet sich ein Stein einer Bohne groß, durchsichtig wie ein Crystall. Er wird in den Kapphähnen erst in vier Jahren in der Leber des Hahns gefunden; wenn er bei dem Hahne gefunden wird, so trinkt er nicht mehr. Diesen im Munde gehalten, bekommt keiner keinen Durst und machet unüberwindlich vor seinem Feinde.«[78]
Kräutermann faßt die Sache ganz anders an. Entweder nehme man Saft von Hauswurz oder »die Tinctur von gefüllten Maßlieben oder blauen Mertzen-Violen, oder Rosen, mit Spiritu Vitrioli ausgezogen, ins tägliche Trincken davon getröpffelt, ist auch gut«.
Schließlich bekommt Kräutermann-Hellwig noch eine Vernunftsanwandlung und empfiehlt – horribile dictu – »frisch Brunnenwasser, thut dazu Candelzucker und eine zerschnittene Citrone, lasset es mit einander kochen, zuweilen getrunken. Es kühlet die Leber und löschet den Durst.«
Wer's nicht glaubt, probier's!
Ja, man konnte auch in der Vorzeit mitunter recht vernünftig sein, – wenn auch nur ausnahmsweise. Zuweilen dämmerte in einzelnen und vereinzelten Köpfen etwas auf, was sogar heute noch Geltung hat, – trotzdem es in der Gegenwart ebenso wenig befolgt wird, wie ehemals, weil es eben vernünftig ist.
Ein Beispiel hiervon ist die altehrwürdige »Ordnung des Trinkens«, die neben manchem veralteten Bombast auch manch beherzigenswerten hygienischen Fingerzeig enthält.
»Diese Ordnung soll ein jeglicher zugleich beim Morgen- und Nachtessen behalten, daß keiner trinke, bis er wohl gegessen hat, und daß er mehr esse, denn trinke. Denn mehr trinken, als sich gebühret, zerstört die Däuung, und aus Überflüssigkeit des Trinkers geschieht es, daß die Speisen aus dem Magen steigen in die Glieder, ehe sie vollkommen verdäuet werden, und bringet so viel der Gefährlichkeit, daß etliche Doktoren wollen, wenn man esse, daß man nicht trinken soll.[79] Aber das ist zu verstehen von dem Arzneitrank. Auch sagte Avicenna, daß wir nicht trinken sollen zwischen dem Morgen- und Nachtessen, denn davon wird die Däuung zerstöret, und sonst von anderer Ursache wegen sprechen alle Doktores, daß es fast schädlich sei. Und wenn eins gleich nach dem Essen dürstet, und begehret zu trinken, und dieser Durst ist nicht falsch, so soll er sittlich trinken, gleich als durch die Zähne.
Wenn einer will schlafen gehen, dem ist auch unnütz nach dem Essen zu trinken, von wegen der vorgemeldeten Ursach; es wäre denn ein natürlicher Durst und nicht trughaft von wegen vieler Einnehmung von Speis und Trank, oder daß er natürlich wäre in einem Menschen, der ein Cholericus ist, dem soll das Trinken zugelassen werden, wenn die Ursache des Dursts nicht herkommt von der Viele des Trinkens. Man soll auch die jungen Kinder und die, so cholerischer Complexion sind, nicht lassen Durst leiden, zumal in Sommerszeiten, damit sie nicht ausdorren.
Es spricht Rasis, daß die Menschen mittelmäßigen Fleisches, nicht zu feist noch zu mager, haben eine große Begierde zu trinken: diese mögen ohne Furcht Wasser trinken. Auch ein Durst von wegen überflüssigen Trinkens ist trughaft und nicht von nöthen, daß einer darauf trinke. Auch soll niemand nüchtern trinken, weder Wein noch Wasser. Das Wasser, so über dem Tisch getrunken wird, soll kalt sein, und nicht gemacht mit Schnee, auch nicht Schneewasser.«[80]
Ein anderer Medicus empfiehlt:
»In dem Winter sollt du deinen Wein nit kalt trinken, dann er viel schädlich ist und ferbläuet den Menschen inwendig; du sollt ihn lau machen. Oder sonst ein gemeine Lehre sollt du hie merken: die Speis sollt du gar wohl und klein zerbeißen in dem Mund und den Wein klein, gleich als ein Faden, hinein schlinden. Das ist ein Sach der Gesundheit und des langen Lebens.«[81]
Alle diese medizinischen Vorschriften würden natürlich in sich zusammenfallen, wenn sich die auf deutscher Erde seßhafte Menschheit des Trunkes gänzlich entschlagen wollte. Ein überaus kluger Kopf, dem die Mit- und Nachwelt eine, leider längst vergessene Podagraschrift verdankt, hat diesen geistvollen Gedanken schon vor ein paar hundert Jahren gehabt und ihn noch prägnanter als Luther in seinem
dahin ausgesprochen:
Ob der Mann recht hat!