»Und ich sag' Euch, es ist so!«
»Meister Gothart, Euer Wort in allen Ehren und alle Achtung vor Eueren grauen Haaren, aber was Ihr sagt, ist gar nicht möglich; eher sollen Mond und Sterne vom Himmel fallen und meine Kühe auf dem Maine grasen, als daß ich sage, ich glaube Euch!«
»Ihr seid ein Ehrenmann,« sprach Meister Gothart und nahm den Arm seines Freundes, des Goldschmiedes Winterholder, »jawohl, ein ganzer Ehrenmann seid Ihr; des ist Zeuge Euer Schmerz, der zu meiner Kunde so ungläubig das Haupt schüttelt. Ist aber doch so, wie ich gesagt habe. Wißt Ihr was? Wir gehen nach der Marienkapelle hin, da müssen sie uns begegnen.«
»Ich habe die Kraft nicht,« entgegnete Winterholder mit halblauter Stimme, rang die Hände und ließ das Haupt sinken. »Ich kann nicht! Freund, mir ist's, als gelte das Elend meinem eigenen Kinde! Herrgott im Himmel,« fuhr er plötzlich auf, und seine Augen flammten, »sind wir denn wie Hunde geworden, mit denen die Herren am Gerichte machen können, was sie wollen? Da soll doch —«
»Ruhig, Freund,« fiel Meister Gothart, der Bildschnitzer, seinem Freunde ins Wort. »Zürnet unserm Herrgott nicht, 's ist Frevel! Er hat das Ende aller Dinge in seiner Hand, und jedem Leide gibt er das Amen. Die Zeit ist blutig, und besser wäre es schier, im Grabe zu liegen, als dem Elend ins Auge zu schauen. Und doch — ich sage immer wieder, — unser Herrgott macht das Ende.«
»Meister Gothart, Meister Gothart!« rief ein junger Bursche, der die Domstraße heruntergelaufen kam.
Der Alte wandte voll banger Ahnung sein Haupt dem Lehrjungen zu, aus dessen blassen Zügen schlimme Märe sprach.
»Was soll's, Friedrich?«
»Sind gerade vom Schneidturme weg Knechte gezogen,« erzählte, nach Luft ringend, der Knabe; »sie wollen des alten Ratsherrn Göbel Edeltraut nach dem Gefängnisse führen.«
»Du schwatzest wohl im Fieber!« zürnte Gothart.
»Meister,« rief verletzt der Junge, »ich sage Euch reine Wahrheit!«
Gothart stand einen Augenblick regungslos wie ein Bild aus Stein.
»Und warum haben sie die Jungfrau gefangen genommen?« fragte er mit tonloser Stimme.
»Ei, weil sie eine Hexe ist,« gab Friedrich rasch zurück.
Der Alte zuckte zusammen. »Da,« rief er und gab dem Lehrburschen eine klatschende Ohrfeige, »da, bring' das den gelehrten Richtern und sage ihnen, sie seien entweder Esel oder Teufel!«
Der Knabe sah mit einer Mischung von Zorn, Scham und Mitgefühl zu seinem Meister auf. »Warum schlagt Ihr mich?« sprach er, »hab' ich's verdient?«
»Geh', Friedrich, geh'!« entgegnete der Alte und reichte dem Jungen die Hand. »Geh' heim! Ich weiß nicht, was ich tue, noch was ich rede. Mir schwindelt Kopf und Herz. Freund Winterholder, Euren Arm! Wenn ich nur weinen könnte! — Aber auch die Träne hat der Zorn mir aufgefressen! — Göbels Edeltraut als Hexe! — Freund, sagt mir, brennt Euch nicht der Boden unter Eueren Füßen, und ist's Euch nicht, als glühte die Luft? Ich meine just, ich stünde auf der Hölle!«
»Wollt Ihr denn nicht nach Hause gehen?« fragte teilnehmend Winterholder. »Euch schüttelt Schmerz und Zorn, als läget Ihr im Fieber.«
»Heim?« rief Gothart mit glühenden Augen; »ich nun heimgehen, indes der Satan unsere Stadt verwüstet? Geht, geht und schämt Euch dieses Wortes!«
»Aber um des Himmels willen, was wollt Ihr hier auf offener Straße — halb von Sinnen, schmerzgebeugt?«
»Was ich will? Ich will mein goldenes Patenkind beschützen, daß nicht Henkershände es berühren. Seht hier diesen Dolch, der, denke ich, kann spitzig reden.«
Aus der engen, winkeligen Judengasse, welche vom Marienplatze her in die Domstraße mündet, wälzte sich ein dichter Menschenstrom. Lautlos zogen dichtgedrängt dahin die Männer und Frauen, die jungen Burschen und Dirnen, Trauer, Mitleid und Entsetzen in den Mienen. Die alten Mütterlein, die mit der Menge gingen, und manche frische Maid hielten sich schluchzend das Tränentüchlein vor das Angesicht, in manchen Mannes Antlitz zuckte Schmerz und Zorn und Wut.
Nun vier Knechte.
Und zwischen ihnen Vater Gering, an seinem Arme Elsa und mit der Linken sein junges Ebenbild, die kleine Irma, führend.
»Du zitterst, Vater!« sprach das blinde Mädchen.
Der Alte antwortete nicht.
»Vater, warum gibst du deiner Elsa keine Antwort?« fragte die Maid und schmiegte sich inniger an den Greis.
»Ich kann nicht!«
»Du weinst, Vater?«
»Weil ich nicht sterben kann!«
»Sterben?« wiederholte Elsa. »Dieser Trost wird uns zuteil werden.«
»Sind wir noch nicht am Dome?« sprach das blinde Mädchen nach einiger Zeit.
»Ja, mein Kind!«
»Ich möchte beten.«
»Darf nicht sein!« herrschte der den Zug begleitende Vogt.
»Und warum nicht?« gab Elsa ruhig zurück. »Glaubt ihr Herren eure Macht so groß, daß ihr selbst das Gebet verbieten dürft? Ist's nicht genug, daß ihr Gewalt habt über Leib und Leben, wollt ihr auch unsere Seelen knechten? Vater, rede du, daß sie mir meinen Wunsch gewähren.«
»Henker sind stets ohne Herz und Mitgefühl,« versetzte bitteren Tones der Greis.
»Vorwärts!« rief befehlend der Vogt.
Das Volk blieb vor den Stufen des Domes, die Gefangenen umringend, stehen.
»Laßt sie beten!« riefen fordernde Männerstimmen, »laßt sie beten, Henker!« grollte drohend die Menge.
Tiefe Stille rings.
Das Volk liegt auf den Knien.
Elsa, Irma und der Greis steigen die Stufen hinan. Unter dem offenen Portale sinken auch sie in die Knie. Tief zur Erde beugt das blinde Kind das lockenreiche Haupt und spricht zu seinem Schöpfer des Herzens stille Sprache. Nun erhebt Elsa ihr Antlitz, breitet weit die Arme betend aus und ruft:
»Herr Jesu Christ, du süßer Gottessohn, du heilige Liebe meines ganzen Herzens! Sieh gnädig nieder auf meinen Schmerz, der zu dir um Hilfe aufschreit. Du, Gott der Liebe, des Erbarmens, sende einen Gnadenstrahl in mein Herz, das Leid und Todesangst umnachtet! Schau nieder auf die Erde! Die blinde Elsa, die dich reinen Herzens liebt, bringt sich zum Opfer für ihren armen Vater. Nimm mich an und rette ihn, den Besten! Ein wilder Wahn hat die Welt erfaßt; sie kennt dich nicht mehr, sie versteht nicht mehr dein Wort und deine Liebe. Statt unter dem Schatten deines Kreuzes allem Leide Heil zu holen, zwingt Aberglaube, Haß und Gottentfremdung den Satan auf die Erde und in die Herzen. Wie unter dem giftigen Hauche der Pest ungezählte Leben enden, nun altersmüde, nun zur vollen Knospe erst erblüht, und wie des Todes Sichel mäht, nicht achtend Kraft und Jugend: so faßt des Wahnes Wirbeltanz seine Opfer, gleichviel ob schuldig oder nicht, ob fromm, ob schlecht — der wilde Wahn hat weder Herz noch Verstand, er mordet, er mordet Schuld wie Unschuld.«
»Du weißt es, Herr, wie fremd mein Herz dem argen Frevel ist, dessen sie mich zeihen. Mein Weg führt auf die Richtstätte; denn Recht und Wahrheit sind der Erde jetzt fremd geworden. Noch bin ich nicht gehört, und doch bin ich verdammt. Ich weiß es. Aber ich klage nicht für mich. Ich steige aus dem Grabe, in welchem ich jetzt lichtlos atme, zu einem anderen Grabe nieder, aus dem die Seele lichtvoll zu dir sich aufschwingt. Darum zage ich nicht. Mir ist der Tod ein neues Leben. Aber, o Herr der Liebe, meinen Vater schirme, sein altes, ehrengraues Haupt, sein Herz voll treuer Liebe!«
»Und dieses Kind — ein Engel noch an Unschuld, rein wie die Lilien des Feldes und edel wie die Rosen — o schütze beide, Herr! Ich aber, großer Gott, ich will zum Opfer werden — zur Sühne für den Frevel, den die Welt mit deinem Namen treibt. Und nun segne mich, Herr, mit deiner Liebe, mit deiner Allmacht, mit deines Herzens Allerbarmen!«
»Wohlan,« sprach sie, sich erhebend und zum Volk sich wendend, »laßt uns gehen! Mein Blut, mein junges Leben gebe ich zum Opfer, zur Sühne — möge Gott es gnädig nehmen!«
Elsa stand hochaufgerichtet über der knienden Menge, ihr sonst so seelenloses Auge schien von einem himmlischen Strahle durchleuchtet, über ihrem Angesichte lagen Friede und Ergebung.
Lautes Schluchzen drang zu ihren Ohren. Ein schmerzlicher Zug lagerte sich über Elsas Antlitz.
»Ihr weint! — Ich kann euch mit des Leibes Auge nicht schauen und euere Tränen nicht sehen. Aber euere Klagen, euer Schmerz spricht laut zu mir. Ich will, wenn ich vollendet habe, eueren Jammer drüben vor dem Throne Gottes niederlegen und beten, beten ohne Ende, daß die Schmach, die auf uns und unserer Stadt lastet, daß der Frevel, der mit Gottes heiligem Willen hier getrieben wird, zur Rüste gehe und Friede, Freude wiederkehre.«
»Amen — Amen!« rief das Volk mit lauter Stimme. Und weiter ging der Zug durch Gassen, über Plätze, bis dort am Schneidturme des Kerkers gähnende Nacht ihre Opfer verschlang.
Fast zu gleicher Zeit, als Elsa mit ihrem Vater und der Schwester die Schwelle des Gefängnisses betrat, banden die Schergen die schönen Hände der Edeltraut Göbel, um die Jungfrau als Hexe gefänglich einzuziehen.
War Elsa Gering bei ihrer Gefangennahme das herrliche Bild edler Ruhe, unbedingter Hingebung in Gottes herbe Zulassung, so war Edeltraut, so sanft und milde sonst ihr Wesen war, bei der Ankündigung ihrer Schuld voll kraftvoller Entrüstung. Das Bewußtsein ihrer Unschuld erhob sich gegenüber der schmählichen Anklage und dem rohen Wesen der Schergen zu jenem Zorne, der nicht der Leidenschaft angehört, sondern dem strengen Rechtsgefühle, das jede Ungerechtigkeit verdammt. Stolz, ungebrochen, wenn auch das schöne Antlitz Totenblässe deckte, schritt sie, umgeben von den Schergen, nach dem Gefängnisse.
Das Volk murrte laut und immer lauter. So sehr es sich bei seiner geistigen Verworrenheit um so sicherer fühlte, je mehr die Herren am Gerichte gegen Zauberer und Hexen wüteten, so konnte es doch nicht glauben, Elsa und Edeltraut seien gleich der alten Ammfrau und dem fahrenden Gesindel in jenes gräßliche Laster verstrickt. Die beiden Mädchen waren der Stolz der Stadt, Elsa durch ihre unbegrenzte Liebenswürdigkeit, Edeltraut durch ihre hervorragende Schönheit und Tugend, die sie damit verband. —
— Der heutige Tag mit seinen Ereignissen hatte den Bürgern tief ins Auge und Herz gegriffen, und ein finsterer, banger, ahnungsvoller Geist durchzog die Stadt. Die Schenken standen leer, auf den Gassen schlichen die Menschen mit hängenden Köpfen dahin, hie und da stieß man auf flüsternde Gruppen mit zornglühenden Augen und schneidiger Rede. Jeden drängte es fort in sein Heim; denn wer war nun noch sicher, daß nicht im nächsten Augenblicke auch bei ihm die Henker eintreten und Weib und Kind als Hexen fesseln würden?
Angstvoll scharten sich die Kinder in der Familienstube um die weinende Mutter, finster und wortlos stand der Vater in seiner Werkstätte und schaute in eine Zukunft voll banger Sorge. Mancher Geselle vom Rhein und der Donau schnürte sein Bündel und kehrte der armen, schönen Frankenstadt den Rücken und trug die traurige Märe von Würzburgs Hexen hinaus in die weite Welt.
— — Und noch mehr Opfer!
Nikodemus Hirsch, Chorherr im neuen Münster, saß mit seinem Freunde Christophorus Barger, Vikarius an selber Kirche, in trautem Zwiegespräche.
Es war der Abend leise verdämmernd zur mondenklaren Nacht geworden. Im Rebgeranke, das sich um die Fenster schlang, schlug vollen Tones die Nachtigall ihr Lied, und draußen zirpten in den Gärten und den Wiesen muntere Grillen.
Die beiden Priester sahen schweigend aus dem offenen Fenster, durch das der blühenden Rebe balsamischer Odem in das Gemach strömte, nach den dichtbelaubten Hügeln, über denen leichte Nebelwolken tanzend hingen, einem Schleier gleich, den die schlummernde Erde über ihre Stirne zieht.
— »Nun ist's erst wieder schön auf Erden, nun ruht das wogende, drängende Leben und des Menschen Seele fühlt aus dem Atem der Natur des Schöpfers Nähe.«
»Sehr wahr, mein lieber Nikodemus. Der Mensch versteht seinen Gott am besten in der Einsamkeit. Und eben darum, weil der Mensch sich immer mehr dem Lärm der Welt vertraut, verliert er auch den Geschmack am Göttlichen und dessen Verständnis.«
»Und doch, zum Teufel laufen die Menschen, zu Gott aber hinken sie. Es will sich keiner mehr selbst verlieren, darum findet auch keiner mehr seinen Gott.«
»Und was man Gott entzieht, fällt dem Teufel zu.«
»Ein traurig wahres Wort, besonders in unserer Zeit, die sich so sehr dem Aberglauben in seiner schlimmsten Gestalt überläßt. Es ist dem Menschen ein natürlicher Gedanke, an Hexen und an Wesen, die mit den Geistern der Finsternis verbündet sind, zu glauben. Das Bewußtsein, daß der Mensch durch die Sünde unter die Herrschaft der bösen Geister gekommen sei, ist zur gräßlichsten Entartung verzerrt worden. Und was nun der von Gott losgerissene Mensch von seinem Schöpfer nicht mehr erhoffen zu dürfen glaubt, das meint er durch ein Bündnis mit dem Bösen erreichen zu können. Das Eingreifen der Geisterwelt in die Geschichte der Menschheit ist unleugbar; aber der Glaube ist zum Aberglauben und schlimmsten Wahn, zu trauriger Täuschung und teuflischer Vorspiegelung ausgeartet. Auf der einen Seite tiefe Unwissenheit, auf der andern ein in Glaube und Sitte verwildertes Volk; Fürsten, die den Glauben ihrer Untertanen heute so und morgen wieder anders festsetzen, als gälte es einen Steuerzettel zu bestimmen; dazu der Krieg mit seinen Lastern und Greueln; die Entfesselung aller Leidenschaften und nirgend eine dämmende, hemmende Macht; Menschenblut und Menschenleben ohne Wert; Bosheit, Neid und Mißgunst, giftige Zungen, die an jeder Ehre lecken: — wahrhaftig, solche Faktoren lassen allein die gräßliche Hexenkrankheit, an der die Menschheit leidet, erklärlich machen.«
»Und das Salz der Erde?«
Feste Männertritte, welche von der Stiege her ertönten, unterbrachen das Gespräch der beiden Freunde. Ihre Verwunderung war keine geringe, als sie den Vogt, der heute bereits eine so große Tätigkeit entwickelt hatte, bei sich eintreten sahen. Sein Wesen war etwas befangen, wenigstens fand er nicht den ihm sonst eigenen harten Ton, den er so meisterhaft verstand, wenn er im Namen »einer hohen Obrigkeit« seines Amtes waltete.
Er rieb sich die Hände und machte einige Verbeugungen, die wohl mehr seine Verlegenheit verbergen, als seine Hochachtung ausdrücken sollten.
»Ich komme in später Stunde,« stammelte er, nach Fassung ringend und nicht wagend, den beiden Priestern ins Auge zu schauen. »Nehmt es nicht ungütig, es ist die Pflicht, die mich hieher führt.«
»Dann sollt Ihr uns doppelt bereit finden, Eurem Willen zu gehorchen,« sprach der Chorherr. »Was verlangt Ihr von uns?«
»Daß die beiden Herren unverzüglich mit mir gehen.«
»Und wohin?«
»Ins Gefängnis.«
»Ins Gefängnis?« wiederholte Nikodemus Hirsch nicht ohne Überraschung. »Herr Vogt, mir scheint, Ihr irret Euch!«
»Nicht doch! Ich habe strenge Weisung, den Chorherrn Nikodemus Hirsch und den Vikarius Christoph Barger zu verhaften. Vier andere Priester sind bereits vor einer Stunde eingezogen worden.«
»Und nun bei finsterer Nacht? Scheut Ihr des Tages Licht für Euer Tun?« rief Barger unmutig.
»Nein! 's ist Rücksicht nur für eueren Stand, ihr Herren, daß ich zur Nachtzeit zu euch komme. Es gäbe zu viel Lärm und nutzloses Gerede unterm Volke, so man euch am hellen Tage nach dem Schneidturm führte.«
»Nach dem Schneidturme?« stieß der Chorherr voll Unwillen aus. »Dort verwahrt man ja die Hexen!«
»Und die Zauberer,« setzte der Vogt trockenen Tones bei.
»Man wird uns doch nicht —«
»Man weiß,« unterbrach der Vogt, der immer mehr seine Sicherheit wiederfand, »man weiß, daß ihr dem Teufel dient. Ja, ja, ihr Herren, das hohe Gericht kennt euere Schuld. Es ist freilich mehr als himmelschreiend, wenn selbst die Priester, statt das Volk zu lehren und zu retten, sich dem Dienst des Satans weihen und selbst unschuldige Kinder ins Verderben ziehen.«
»Spart Euere Worte!« entgegnete der Chorherr mit Würde. »Aus Euerer Rede läßt das Unheil sich erraten, das über unsern Häuptern hängt. In Gottes Namen, lieber Freund,« fuhr er zu Barger gewendet fort, »gehen wir den Weg des Leidens und der Schmach. Du siehst, selbst bis ins Heiligtum dringt schlimmer Wahn, und auch den Priester schützt sein Stand nicht gegen böse Zungen. Die Unschuld geht mit uns in das Gefängnis und vor die Richter, sie wird uns dort zum Retter werden aus Schmach und Schande, und Gott, der einen Daniel der Susanna sandte, wird auch uns seine Hilfe nicht entziehen. — Herr Vogt, wir sind bereit!«
— — Ein trüber Morgen brütet über der Stadt. Der Regen fällt in schweren Tropfen aus dem grauen Gewölke und ein scharfer Nordwestwind fegt durch die Gassen. Es ist so frostig draußen, daß die Blumen die Kelche hängen lassen und ihre bunte Kleiderpracht durchnäßt am Stiele klebt. Was Wunder auch, wenn leise der Himmel weint und rings die Blumen trauern, wenn sich die Sonne in der Wolken Trauerschleier verhüllt und nicht mit klarem Lichte die Stadt begrüßen kann, die eine Nacht voll Schrecken durchlebt hat!
Im hohen Rate hatte man der Ammfrau Bernin Aussage von den zwanzig Mädchen, welche dem Hexensabbate am Kreidenberge beigewohnt haben sollten, sehr ernst genommen. Man forschte nach Namen, und die Alte, stumpf geworden durch seelischen und körperlichen Schmerz und tief verbittert durch der Richter Unerbittlichkeit, nannte, was ihr an Namen eben in den Sinn kam. Möglich auch, daß Haß und Rache mit dabei im Spiele waren und sie, die ihren Tod gewiß vor Augen sah, ein möglichst zahlreiches Geleite nach der Richtstätte haben wollte.
Neben dem großen Eifer, der den Gerichtshof ohnedies schon in Verfolgung der Hexen und Zauberer bis zur äußersten Grenze beseelte, kam noch eine tiefe Mißstimmung der Herren, die in jenem Abende, wo Pater Spee in Gegenwart des Fürstbischofs so einschneidende Worte geredet hatte, ihren Grund fand. Man wollte durch massenhafte Anhäufung des Hexenmaterials die Rede des Jesuiten Lüge strafen, man wollte zeigen, daß das schreckliche Laster des Satansdienstes immer allgemeiner werde und der menschlichen Gesellschaft der Untergang drohe. Dadurch sollte auf den noch wankenden Fürsten ein Hochdruck ausgeübt, er mit dem peinlichen Verfahren der Hexenrichter versöhnt und endlich, was im ganzen Plane nicht das Geringste war, hiebei ein Schlag gegen die Jesuiten und ganz besonders gegen den Pater Spee geführt werden. — So viele Umstände nun der Verwirklichung dieser Absichten günstig waren, so war es doch geboten, mit äußerster Vorsicht zu Werke zu gehen; denn trotz all ihrer Macht waren sich die Herren nur zu wohl bewußt, daß Spee mit seiner apostolischen Unerschrockenheit und seinem scharfen Verstande ihnen um so gefährlicher werden mußte, je durchsichtiger ihre Pläne gehalten und je lockerer die Maschen gezogen waren.
Während nun die Räte und ihre Gesinnungsgenossen in Würzburg selbst ihre Tätigkeit aufs äußerste anspannten, schickten sie vertraute Leute aufs Land hinaus, um die Gemüter der Bauern gegen die Hexen aufzureizen. Die geängstigten Landleute, denen von jenen Sendlingen die schauerlichsten Bilder vorgemalt wurden, wenn sie nicht mit aller Macht gegen die Hexen ankämpften, wandten sich an den betreffenden Inquisitor und flehten um seinen Beistand. Er ließ ihnen dann gnädigst melden, er werde kommen und diese Pest vertilgen. Hierauf sandte er Steuereintreiber voraus, die von Haus zu Haus gingen, um eine reiche Sammlung vorzunehmen, als Handgeld, wie sie sagten. Nach Empfang dieser Summe erschien der Hexenrichter, regte aufs neue die ohnedies schon schwer geängstigten Gemüter durch Erzählung der Greueltaten und Verschwörungen auf, welche die Hingerichteten bekannt hätten, stellte sich dann, als wollte er wieder abreisen, bis die Frauen flehentlich baten, der gnädigste Herr Hexenrichter möge doch bleiben, bis alle Hexen bei ihnen vertilgt seien; sie wollten ja gerne nach besten Kräften zahlen; man möge ihnen nur um Gottes willen alle Zauberer und Hexen wegbrennen.[X]
In Würzburg selbst galt es, einen Hauptschlag zu führen. Gerings Elsa, sowie Göbels Edeltraut, als Hexen angeklagt, mußten nicht nur bei der öffentlichen Meinung — und wo und wann gälte diese arge Törin nicht? — sondern auch im Urteile des Fürsten schwer ins Gewicht fallen, noch schwerer die gegen einzelne Priester gerichtete Anklage des Bündnisses mit dem Satan: und nun erst noch die unschuldigen Kinder!
Der Oberschultheiß hatte einzelne Schulmeister zu sich entboten, um mit ihnen über etwaige auffallende Erscheinungen an den Kindern Rücksprache zu nehmen. Und was war damals nicht alles auffallend? Dann denke man sich einen Schulmeister damaliger Zeit vor einem gestrengen Oberschultheiß — die zitternde, ersterbende Demut vor der stolzen, kalten Macht!
Der Gestrenge hatte schon ziemliche Ausbeute aus den Unterredungen mit den Schulmeistern gewonnen. Dem einen schien es auffällig, daß gewisse Kinder beten, und wieder, daß andere fluchen; dem andern, daß selbst die Kinder schon von Hexen reden. Ein dritter erzählte, er habe einmal mit hellem Entsetzen gesehen, wie seine Schüler in der freien Zeit »Scheiterhaufen« spielten; da habe der, welcher den Angeklagten gemacht, ganz merkwürdige Dinge geredet und ein gar eigenes Wesen zur Schau getragen. Nun habe er aber gar in Erfahrung gebracht, daß das Unwetter, welches gestern über der Stadt sich entladen hatte, von einem Schulknaben gemacht worden sei. Derselbe habe nämlich auf dem Nachhausewege von der Schule einem Mitschüler gegenüber die höchst verdächtige Äußerung getan, es werde heute noch ein großes Gewitter über Würzburg gehen. Und sei zu jener Stunde noch gar kein Gewölke am Himmel zu sehen gewesen, während in der Nacht wirklich ein ganz unnatürliches Donnerwetter gehaust habe.
Diese und ähnliche Aussagen waren für den Hexeneifer des Oberschultheißen vollkommen ausreichend. Er ließ sich sowohl von der alten Bernin als auch von den einzelnen Schulmeistern jene Kinder bezeichnen, die im Verdachte des Bündnisses mit dem Teufel standen. Dann gab er Befehl, die bezeichneten Kinder zur Nachtzeit gefangen zu nehmen und nach dem Schneidturme zu bringen.
Es war gegen Mitternacht und alles lag in ruhigem Schlafe, als die Schergen in die einzelnen Häuser eindrangen und die Auslieferung der armen Kinder von den tödlich erschrockenen Eltern verlangten. Die Mütter lagen händeringend auf den Knien und schrien und weinten zum Himmel um Schutz für ihre Kleinen; die Väter fluchten und verwünschten Richter und Gericht und schwuren Rache, blutige Rache; die Kinder selbst aber klammerten sich mit der Kraft der Verzweiflung an ihre Eltern an, bis sie der rohen Gewalt weichen und gar manche aus ihnen von den heftigsten Krämpfen befallen nach dem Gefängnisse getragen werden mußten.
Dort hatte man bereits einen eigenen Raum für diese jungen Hexen und Zauberer bereitgehalten, und noch ehe der Morgen mit trübem Lichte durch die kleine, vergitterte Maueröffnung, die als Fenster diente, dämmerte, kauerten zwanzig Kinder in einem Alter von sechs bis elf Jahren weinend und wehklagend auf dem faulen Stroh, mit welchem der Boden des Gefängnisses bestreut war.
Die Stadt lag in tiefer Trauer. Die Männer standen finster grollend zusammen und stritten und schmähten. Die Mütter umringten die Altäre und bestürmten den Himmel mit glühenden Gebeten. Die Schulen wurden geschlossen und die Kinder einer strengen Aufsicht unterstellt.
Der Oberschultheiß aber stand in seiner Amtsstube und nahm mit hoher Befriedigung die Nachricht von der Gefangennahme der Priester und Kinder entgegen.
Pater Spee hatte sogleich, nachdem er Kunde von den neuen Gefangenen erhalten, sich aufgemacht um dieselben in ihren Kerkern zu besuchen, sie zu trösten und ihnen jede Hilfe zu bringen, die in seiner Macht stand. Für ihn, der die Leiden des Kerkerlebens aus täglicher eigener Anschauung kannte und sich schon glücklich fühlte, wenn er durch seine unermüdliche Liebe den Gefangenen einige Erleichterung verschaffen konnte, war der heutige Gang nach dem Schneidturme ein so unendlich bitterer, daß er zitternd und weinend erst in des Kerkermeisters Stüblein treten mußte, um sich dort zu fassen und Mut und Kraft zu sammeln, damit er all dem Elende ins Angesicht schauen konnte, das seiner heute wartete.
Der Alte empfing den Jesuiten mit ehrerbietiger Vertraulichkeit. »Nehmt Platz in meinem Sorgenstuhle, lieber Pater! Ist's doch ein echter Sorgenstuhl geworden!«
Dabei schüttelte er das Haupt und wischte mit dem Rücken der Hand über die Augen.
»Ich wollte,« fuhr er fort, »ich könnte dem hohen Rate die Kerkerschlüssel zurückstellen. Meine ich doch, ich könne es nimmer übers Herz bringen, die da drunten zu besuchen. Pater, Kinder, arme, unschuldige Kinder haben sie mir heute nacht gebracht, 's ist zum Herzbrechen! Und Priester und die ehrbarsten Jungfrauen der Stadt haben bei mir Quartier neben dem schlechtesten Gesindel. Sollen sie alle Hexen und Zauberer sein? Sagt mir, lieber Pater, glaubt Ihr das?«
»Gewiß nicht eines von ihnen!« antwortete Spee.
»Seht, Pater, da denkt Ihr wie ich. Die armen Kinderlein und die Edeltraut und die Elsa... es ist zum Rasendwerden!«
»Was machen die Kleinen?« fragte der Jesuit mit bebender Stimme.
»Ach, du mein Gott!« rief der Alte und faltete die Hände, »die armen Würmlein rufen nach ihren Eltern, daß es einen Stein erbarmen möchte. Dann knien sie sich wieder zusammen auf den Boden und beten und weinen. — Herr, ich konnt' es nicht mit ansehen, die hellen Tränen stürzten mir aus den Augen. O Pater, da müßt Ihr mit Euerer Liebe helfen, unsereiner hat für solchen Jammer wohl eine Träne, aber kein tröstendes Wort.«
Spee erhob sich rasch.
»Gott sei mit mir!« sprach er, einen flehenden Blick nach dem Himmel sendend. »Kommt, guter Alter, und führt mich zu den Kindern!«
Die beiden Männer gingen über den Hof, dann eine enge Treppe aufwärts und traten in einen düsteren Raum, in welchem nur ein schwaches Tageslicht mit der Finsternis rang.
Als der Kerkermeister die schwere Türe öffnete und die Kinder den Jesuiten erblickten, stürzten sie mit dem Rufe: »der gute Pater Spee!« auf ihn zu, hingen sich an seinen Talar und weinten und klagten ohne Ende.
»O führt uns heim zu Vater und zu Mutter, lieber Pater! Hier ist's so schauerlich, zum Sterben schauerlich! O wir haben's alle dem lieben Gott so fest versprochen, wir wollen nun gar fromm und folgsam sein, nur möge er uns aus diesem schrecklichen Gefängnisse befreien!«
Spee setzte sich zu den Kindern auf das Stroh und ließ es gerne geschehen, daß diese sich von allen Seiten an ihn drängten, ihre Ärmlein um seinen Hals schlangen, ihn küßten und immer wieder riefen: »Gelt, lieber, guter Pater, Ihr nehmt uns mit Euch fort, o bitte, bitte!«
Der Jesuit weinte bitterlich.
»Warum weinst du denn?« fragte ein Mädchen von acht Jahren. »Mußt du wohl auch hier im Gefängnisse bleiben? Dann bist du freilich so arm wie wir, guter Pater!«
»Nein, liebes Kind,« antwortete Spee, »ich weine nur aus Mitleid, weil ich euch, die ich so innig lieb habe, gar so unglücklich sehe. Aber, Kindlein, ihr sollet nicht verzagen. Der liebe Gott führt euch recht bald zu eueren Eltern....«
»Ach ja, recht bald, heute noch, gleich jetzt!« schrien die armen Kleinen.
»Kinder, ihr müßt geduldig sein! Der liebe Gott bestimmt die Zeit, und so lange müßt ihr warten. Ich glaube gerne, daß ihr alle brav und gut seid; aber saget mir aufrichtig, habt ihr nicht doch zuweilen eueren Eltern mit eueren kleinen Fehlern Kummer bereitet?«
»Freilich ja, aber nicht zanken, bitte!«
»Nein, ich zanke nicht. Allein seht, der liebe Gott im Himmel droben will euch ganz brav wissen und hat euch nun gestraft. Nun müßt ihr ihm versprechen, nie mehr böse zu sein, und wenn ihr das tut, dann werdet ihr wieder zu eueren Eltern heimkehren dürfen.«
»O, wir versprechen alles — alles!«
»Geh' du zum lieben Gott und sag' es ihm, daß die kleine Irma nicht mehr trotzen will.«
»Schön, mein Kind!« lobte Spee.
»Und Hans will nicht mehr lügen.... Und ich will schneller gehorchen!«
»Gut, gut, ihr lieben Kinder! Nun muß ich euch noch etwas fragen. Sagt mir, habt ihr nie von Hexen gehört?«
»Ach ja!«
»Und wißt ihr, wie eine Hexe ist?«
»Etwas recht Böses.«
»Seid ihr auch Hexlein und Zauberer?«
»Aber, Pater Spee, wie du nur so fragen kannst!« rief ein kleiner Junge voll Entrüstung aus.
»Böse Menschen,« sprach der Jesuit mit liebevollem Tone, »haben von euch ausgesagt, ihr wäret mit dem Satan im Bunde und treibet gar schlimme Dinge. Ist das wahr, liebe Kinder?«
»Nein, nein, es ist abscheulich, so auf uns zu lügen!« riefen die größeren, während die kleinen voll Angst sich an den Priester schmiegten.
»Ich glaub' euch gern, Kinder. Wie solltet ihr denn auch so böse sein? Seid nur zufrieden! Bald, recht bald führe ich euch wieder zu eueren Eltern. Bis dahin verhaltet euch ruhig. Es ist so düster hier, daß euere kleinen Herzchen gar zu leicht der Traurigkeit verfallen. Da müßt ihr selbst euch helfen. Du, Trine, mußt als die Älteste wie eine Mutter für die Kleinen sorgen. Du mußt mit ihnen beten, spielen und sie trösten. Und du, Jörg, sollst der Knaben Vater sein. Ich komme heute abend wieder, und da soll es mich recht herzlich freuen, wenn ich höre, daß ihr alle geduldig und brav gewesen seid.«
»Du lieber, guter Pater Spee!« riefen des Dankes voll die Kinder und umdrängten und küßten ihn von neuem.
»Und nun laßt uns noch zusammen ein frommes Gebet sprechen, liebe Kinder!«
Die Kleinen knieten sich um den Priester und falteten die zitternden Hände.
»Ave Maria...«
Spee erhob sich, segnete jedes Kind und schied. Vor der geschlossenen Kerkertüre blieb er stehen, lehnte das Haupt an die feuchte Wand und weinte.
Der alte Kerkermeister stand in einer Ecke, auf den Pater wartend. Ihm gingen Herz und Augen über, als er des Jesuiten Schmerz und Tränen sah.
»Das ist eine Liebe,« sprach er zu sich selbst, indes sein Auge an dem Priester hing, »die treuen Schrittes mit dem Elend geht. Was zwingt den Mann, Tag um Tag die Kerker heimzusuchen, als seine große Liebe! Möchte wissen, welchen reichen Erdenlohn ein anderer heischte, müßte er gleich unserem Spee solch traurigen Amtes walten! Er ist doch wohl der einzige und letzte Trost, der unseren Hexen wird; denn hätten sie den Pater nicht, sie verzweifelten an Gott! Mit diesem Jesuiten leben, wäre wohl nicht süß, aber mit ihm sterben, müßte herrlich sein. Denn wenn solche Liebe nicht den ganzen vollen Himmelslohn erkämpft, dann gibt es keinen Herrgott! — Ei, was schwatz' ich da an mich selbst hin! — Pater Spee, laßt euer Weinen! Ihr werdet sonst noch krank, und dann sind meine armen Gefangenen erst recht übel daran! Kommt mit mir! Im unteren Loche sitzt böse Gesellschaft; versucht auch an ihr Euer Wort; ich fürchte aber, Ihr erntet schlechten Dank!«
Spee folgte dem Alten in ein schauriges Verließ. Der Kerkermeister stellte seine Öllampe auf einen Stein. Das trübe Licht wollte in der dumpfen Luft schier erlöschen und warf kaum so viel Schein, um die auf dem Stroh gelagerten Personen erkennen zu können.
In einem Winkel kauerte Helena und die Schenkwirtin vom Waldhause bei Hettstadt. Auf der andern Seite saßen, an die Wand gefesselt, der Zuckerwastl, der Pappenheimer und der Neunaugen. Die drei Gesellen schauten wilden Auges auf, als sich die Türe ihres Kerkers öffnete; als sie aber den Priester eintreten sahen, blickten sie voll Trotz zu Boden und ließen den frommen Gruß des Paters unerwidert. Spee segnete die Gefangenen, doch keiner bezeichnete sich mit dem Kreuze; höhnisch lachte dazu der Zuckerwastl und geistlos stierte der Neunaugen.
Der Jesuit fragte teilnahmsvoll nach dem Zustande der Gefangenen, deren Schuld ihm bekannt war. Er baute auf der Schuld das Glück der Sühne auf und zeigte, daß auch der bösen Tat die hoffnungsfrohe Zukunft nicht fehle, wenn die Reue des Menschen Herz vom Bösen abwendet.
»Haha, Ihr macht mich lachen,« spottete der Zuckerwastl, »Ihr plaudert da von Reue und von Sühne. Mich reut auf Erden gar nichts, als der Wein, den ich nicht getrunken, und das Geld, das ich nicht gestohlen.«
»Und deine Seele?« fragte Spee mit Nachdruck
»Weiß ich denn, ob ich überhaupt eine solche habe? Ihr Herren, ja, ihr könnt prächtig predigen! Ihr sitzt in gutem Leben und im Überfluß. Wir armen Tropfen sollen uns mit einer Seele trösten, die doch am Ende zum Teufel fährt. Laßt mich in Ruhe! Ich will von euerem frommen Geplauder nichts wissen. Wenn mich die Raben draußen am Galgen fressen, so ist's mir einerlei. Denn Seele habe ich doch keine.«
Der Jesuit sah in tiefer Trauer auf den Verstockten.
»Verzeih',« sprach er, »ich wollte dir nicht lästig sein. Laß uns von anderem reden! Willst du mir wohl aus deinem Leben etwas erzählen? Dir kürzt das die Zeit, und ich lausche gerne deiner Rede.«
»Meinetwegen,« gab der Zuckerwastl etwas freundlicher zurück, »plaudern wir eins; nur laßt alles fromme Zeug aus unserer Unterhaltung. Ich will euch einmal ein volles Gaunerleben schauen lassen. 's ist wahr, es hat gar oft an Rad und Galgen hart angestreift, aber der Zuckerwastl war stets klüger als die weisen Herren vom Rate. Wäre es möglich, daß ein Mensch als wilde Frucht vom Baume fällt, so wäre es wohl bei mir geschehen. Von Eltern weiß ich nichts. Ich hätte ihnen wahrscheinlich auch nur wenig Freude gemacht. Ein Bauernweib fand mich eines Morgens vor der Haustüre und zog mich mit ihren Kindern auf. Gibt es einen Herrgott und hat sie damit ein gutes Werk getan, so soll sie dafür gesegnet sein. Gelernt habe ich gar nichts,« fuhr er lachend weiter; »ich glaube nicht, daß je ein Menschenhirn weniger von Weisheit, Schulmeisterei und Katechismus heimgesucht worden ist, als das meine. Ist nicht schade darum; gibt gelehrte Leute genug, die die Welt verkehren und verderben. Als ich anfing, Kraft in meinen Knochen und Witz in meinem Gehirne zu verspüren, entlief ich meinen Pflegeeltern und flog wie ein Vogel in die weite, prächtige Welt. Der Wald war mein Haus und der Himmel mein Dach. Unter jedem rauchenden Schornsteine ward für mich gekocht, denn jeder gab mir gerne, um meiner wieder ledig zu werden. Den Gerichten ging ich scheu aus dem Wege, aber unter dem Galgen schlief ich so herrlich wie ein König in seinem Seidenbette. Gestohlen — ihr reichen Herren nennt das Nehmen bei uns stehlen — gestohlen habe ich nach guter Gelegenheit, und diese ergab sich schier alle Tage; zuweilen habe ich auch ein wenig gemordet. Anfangs wollte es mir so eigen da drinnen werden, wenn ich das fließende Blut und die brechenden Augen sah. Da schrie es in mir: es gibt einen Gott und eine Gerechtigkeit, eine Strafe und eine Hölle.«
Der Erzähler machte hier eine Pause, kreuzte die Arme über die Knie und ließ das Haupt auf die Brust herabsinken. Es mochten wohl schreckliche Bilder der Vergangenheit in seiner Seele aufgestiegen sein, denn in seinem Angesichte spiegelten sich Ekel, Schmerz und Entsetzen.
Spee legte leise seine Hand auf den Arm des Verbrechers.
»Du bist so ernst,« sprach er mit dem Ausdrucke teilnehmender Liebe. »Was ist es, das deine Seele drückt?«
»Also meint Ihr gewiß, ich hätte eine unsterbliche Seele?« fragte der Zuckerwastl mit einem stechenden Blicke nach dem Pater.
»Ja.«
»Wie bestimmt Ihr das saget!« murmelte er und schüttelte den Kopf. — »Mit einer unsterblichen Seele müßte ich in eine Ewigkeit hinüber und vor einen Richter, der Gott ist. Nein, nein, das glaube ich nicht! — Ich mag nicht,« grollte er mit leiser Stimme fort, »ich mag nicht glauben, nein, es darf keinen Herrgott geben! He, was meint ihr dahinten,« rief er, den Kopf nach seinen Mitgefangenen wendend, »hat der Pater recht und gibt es einen Herrgott?«
»Wahrscheinlich,« unterbrach der Neunaugen sein dumpfes Brüten.
»Und ich glaube gewiß, daß es einen Herrgott gibt,« sprach Helena und stützte das Haupt auf die Hand, um den Schmerz, der aus der Tiefe der Seele auf die Oberfläche des Antlitzes trat, zu verbergen.
Spee hatte den Rosenkranz von seinem Gürtel gelöst und legte ihn mit dem daran befindlichen Kreuze in die Hand des Zuckerwastl.
Ein leises Zittern durchbebte für einen Augenblick seine Glieder. Sein Auge aber haftete mit einer durchbohrenden Kraft auf dem Bilde des Gekreuzigten.
»Es war um Weihnachten,« begann er in halblautem Selbstgespräche, »als ich mit drei Gesellen durch den Bayerischen Wald zog. Frost und Hunger quälten uns, und an den Türen der Menschen fanden wir karge Gaben und feindselige Worte. Ich sah, wie der Hofhund aus voller Schüssel fraß, und biß mit steigendem Grimme in die gefrorenen Brotrinden, die ich in meinem Schnappsacke trug. Und mit dem kalten, harten Brote aß ich heißen Zorn und Haß in mich hinein und ich schwur mir selbst, der erste Mensch, der mir des Weges käme, sollte sterben. Ich war so voll des wildesten Grimmes, daß ich schier vor mir selber Furcht empfand. Dicht fiel der Schnee vom Himmel, eisigkalter Frost schüttelte mir die starren Glieder, nur im Herzen kochte und brandete es, als säße der Teufel drinnen. Wir mochten etwa eine Stunde gegangen sein, der Wald fing an sich zu lichten und Glockengeläute drang zu uns herüber. Da trat an der Biegung des Weges uns ein junges Weib entgegen, einen Säugling auf den Armen tragend. In meiner Wut sprang ich mit gezücktem Messer auf sie zu, um sie zu morden; doch einer meiner Gesellen hielt mir den Arm. — Tu's nicht, 's ist eine junge Mutter! — Ich sah sie an. Sie lag auf ihren Knien, das Kind verzweiflungsvoll an ihre Brust gedrückt, und ihre Augen schauten so bittend zu mir auf, daß mir noch heute alle Sinne schwinden. — O schone meiner um des Kindes willen! rief sie flehend — es war ihr letztes Wort.«
»Hoch auf spritzte das Blut und rötete den Schnee. Da lag sie sterbend, das Kind noch an sich drückend, und indes ihr brechendes Auge mir bis zum Grunde meines Herzens drang, rief sie mit der letzten Kraft ihrer Stimme: Gott sei dir gnädig, du Mörder, wenn ich dich einst vor seinen Richterstuhl fordere.«
»Das Wort konnt' ich nicht ertragen. Ein zweiter Stoß, in blinder Wut geführt, durchbohrt ihr Kind. Pater, Pater, das war ein grauses Schauen, als der Mutter Blut mit dem des Kindes sich vereinte und niederträufelnd den Schnee auffraß, daß sich das Moos mit roten Perlen färbte. Das Messer war meiner Hand entfallen, und mit verschränkten Armen stand ich da, um glühenden Auges den Tod zu schauen, der sich zu beiden niederneigte. Das Kind am Herzen starb die Mutter, und ihr verglastes Auge hing noch fest mit seinem letzten Blicke auf mir. Ich war dem Wahnsinn nahe. Du bist ein Teufel! rief's in mir. — So sei's! Ich will ein Teufel sein, da ich kein Mensch mehr bin. Ich nahm das Kind aus starrem Mutterarme und trug es fort mit mir. Vor dem Dorfe stand ein offener Backofen. Dort verbrannte ich das tote Würmlein zu Asche, nahm diese und die abgehauenen Händchen mit mir und ging hinein ins Dorf.«
»Meine Gesellen hatten mich längst verlassen; ich glaube, es graute ihnen vor dem Muttermörder. Allein, in finsterm Grolle dahinbrütend, brachte ich die Nacht in einer Scheune zu. So arg der Hunger mich auch quälte, ich achtete seiner nicht. Mich quälte mehr als alles jenes jungen Weibes Wort: Gott sei dir gnädig, du Mörder, wenn ich dich einst vor seinen Richterstuhl fordere.«
»Christnacht war's, als ich mit meiner Qual allein in jener Scheuer schlaflos lag. Der Klang der Glocken drang wie Friedensbotschaft durch die sternenhelle Nacht. Ich habe viel erzählen hören von jener Seligkeit, die in der Christnacht über alle Menschen komme, und wenn ich solcher Märe lauschte, ward ich wie ein Kind. Da war ich glücklich, wenn auch nur für Augenblicke; aber glücklich war ich doch, ich sag's mit Stolz. Auch damals dämmerte durch all mein Elend wieder jene süße Friedensbotschaft wie mildes Sternenlicht durch dichte, finstere Nacht, ich fing schon an, die brennende Träne in dem Auge zu fühlen, da trugen die Kirchengänger des Weibes Leiche, die sie auf dem Kirchengange gefunden, hart an mir vorüber, die einen weinten, andere aber fluchten auf den Mörder, und wieder stiegen Schmerz und Grimm in meinem Herzen auf. Ich eilte fort aus dem Verstecke, quer über Au und Feld, bis ich zum Tod ermattet niedersank. Da war's ein Weib mit einem Kinde, das mir Labung reichte. Ich dankte nicht. Hätte die Not mir nicht die letzte Kraft gebunden gehabt, ich hätte ihr Erbarmen nicht ertragen.«
»Mein weiterer Lebenslauf war wild wie Teufelsleben. Ich log den Bauern vor, ich stünde mit dem bösen Geist im Bunde. Und jeder glaubte mir; und hätte ich gar gesagt, ich sei der Böse selbst, sie hätten es mir nicht widersprochen. Warum auch? War ich doch dem Satan gleich voll Menschenhaß und Wut und böser Tat. Ich trug den Teufelswahn landauf, landab, half Hexen schaffen in der Bauern und in der Richter dummen Köpfen, und trieb selbst Hokuspokus in des Satans Namen, daß den Leuten fast die Haare zu Berge standen. Geld gab's genug; was half's? Ich trank den besten Wein und glaubte Gift zu schlürfen; und was ich aß, das roch nach frischen Leichen; und sah ich eine Mutter, so schrie es in mir — Gericht!«
Er vergrub sein Angesicht in beide Hände und drückte dabei den Rosenkranz mit dem Kreuze fest an seine Lippen.
Die Mitgefangenen sahen verwundert zu ihm herüber; nur der Neunaugen lächelte und grinste gleichgültig vor sich hin.
Spee lag auf den Knien. Seine Seele flammte und flutete auf in heißem Beten für eine Menschenseele, die, so schlecht, so tief sie auch verdorben war, doch einen Angelpunkt noch hatte, an dem die Gottesgnade goldene Fäden anknüpfen konnte. —
Zuckerwastl erhob sein Haupt und schaute in starrem Staunen dem betenden Priester in das Angesicht, über welches bittere Tränen rollten. Und unwillkürlich kehrte dann sein Blick vom Pater auf das Kreuz zurück, das er noch immer fest in seinen Händen hielt. Es mochte ein eigenes Denken sein, das durch seine Seele zog; denn über dieses wetterbraune, von einem wilden Leben und jeder Leidenschaft zerrissene Gesicht kam allmählich ein Zug von weicher Milde, und das Auge gab nicht mehr den Blick des ungesöhnten Hasses, sondern den einer wenn auch noch unverstandenen Sehnsucht.
Der Jesuit erhob sich und reichte dem Verbrecher die Hand.
»Ihr habt gebetet?« fragte dieser.
»Ja, für dich.«
»Für mich? Das ist wohl eitle Mühe.«
»Nein. Wenn du die Hand zur Versöhnung mit Gott bietest, so sei versichert, daß er dich mit unendlicher Erbarmung in seine Arme schließt.«
Zuckerwastl schüttelte traurig den Kopf.
»Willst du nicht?« fragte Spee.
»Ich weiß, daß mir der Galgen diesmal gewiß ist. Die gemordete Hofbäuerin hat mir den Strick nur gar zu fest gedreht. Dazu bin ich der Zauberei auch angeklagt, und das allein genügt für sichern Henkerstod. Soll ich nun, weil's zu Ende geht, gleich einem Hunde winselnd zu Euerem Herrgott kriechen und um Gnade bitten? 's ist zu spät! Und jener Mutter Blut und letztes Wort — Pater, das sühnt sich ewig nicht! Ich habe Euch mit rohem Trotz empfangen, als Ihr zu mir in das Gefängnis tratet. Ich zwang mich fast dazu. Als ich in Euer Auge schaute, da kam ein eigenes Rühren über meine harte Seele. — Pater, ja, ich habe eine Seele — und einen Augenblick konnte ich auch glauben, Ihr könntet Frieden für mich bringen. Aber je mehr ich meine Schuld abwäge, desto tiefer sinkt die Hoffnung — Gott kann mir nimmer gnädig sein.«
»Er ist dir gnädig und sein Erbarmen übersteigt die Größe deiner Schuld.«
»Ihr lügt!« fuhr der Zuckerwastl heftig auf. »Ihr lügt auf Gott und auf sein Erbarmen.«
Spee nahm das Kreuz aus des Gefangenen Hand und küßte es.
»Nein, Ihr lügt und frevelt nicht!« rief jener wieder aus. »Ich habe — 's ist wohl lange Zeit — auf meiner irren Wanderschaft in einer Kirche das Wort gehört: Und wären euere Sünden rot wie Blut und zahllos wie der Sand am Meere — ich will sie alle tilgen. Pater, das Wort wenn Wahrheit ist, dann gibt es auch für mich noch Versöhnung und Frieden. Ihr könnt mir beides bringen — Ihr oder keiner. Gebt mir das Kreuz! Kann ich auch nicht verstehen, was es Euch, dem Reinen, sagt, so will ich doch so lange auf dasselbe schauen, bis auch in meine Seele das Licht der Hoffnung dringt.«
Spee breitete die Arme aus, den Sünder zu umfangen und zu küssen.
— Das ist ja Priesterglück, verlorene Seelen retten! —
»Und ihr?« sprach der Jesuit, sich zu den andern wendend. »Wollt nicht auch ihr den Weg des Friedens gehen?«
»An Eurer Hand läßt sich's zu Gott wohl wiederkehren,« antworteten der Pappenheimer und Helena.
»Ich möchte schlafen, laßt mich!« murrte der Neunaugen und streckte sich gähnend aufs Stroh.
Elsa und Edeltraut waren zwei Treppen hoch in einem engen Gemache des Schneidturmes untergebracht worden. Im Gegensatze zu den gräßlichen Räumen, in denen die anderen Hexen und Zauberer gefangen lagen, war die Lage der beiden Mädchen immerhin noch eine erträgliche zu nennen. Die Wände waren getüncht, durch das stark vergitterte Fenster floß das Tageslicht ungebrochen herein, das Lager bestand nicht aus verfaultem Stroh — es war also doch einige Milderung der für so hoch angesehene Jungfrauen immer noch schrecklichen Verhältnisse eingeräumt, die allerdings weniger auf Rechnung der gestrengen Richter, die bekanntlich mehr Kopf als Herz und manchmal keines von beiden hatten, als auf die Gutmütigkeit des alten Kerkermeisters zu setzen war.
Die Sonne spielte mit ihrem Lichte auf dem Boden des Gefängnisses, als wollte sie die Gedanken der Gefangenen mit ihren goldenen Lichtfäden hinauslocken in die freie, herrliche Gotteswelt, hinaus in den Wald mit seinen laubreichen Hallen und efeuumschlungenen Säulen und seinen duftenden Kelchen und glühenden Beeren auf schwellendem Moose.
Edeltraut sah mit bitterem Auge dem tanzenden Sonnenstrahle zu. Ihre Lippen waren zusammengepreßt, ihr Angesicht widerstrahlte ein tiefverwundetes Gemüt. Stolz stand sie inmitten des Gemaches, eine Königin im Kerker. Das volle blaue Auge blickte mit brennender Sehnsucht nach der Freiheit, die durch die kalten Eisenstäbe mit Himmelsbläue in den Kerker grüßte. In des Fensters Außennische saß eine Schwalbe und bog das Köpfchen voll Mitleid nach der armen Maid da drinnen, daß sie nicht auch gleich ihr in voller Lust der Freiheit Freuden trinken könne.
»Elsa!« rief Edeltraut.
»Schwester,« antwortete das blinde Mädchen, das Haupt langsam erhebend, »deine Stimme ist so scharf und dein Herz noch nicht im Frieden.«
»Nein! Sage mir, wann kommt denn endlich über deine Lippen der Klage bitterer Laut? Bin ich es allein, welche ihrem Schmerze Worte leiht und welche die Sprache der getretenen Ehre führt? Indes ich zürnend meinem Schicksal und meinen Quälern grolle und über den Wahn und die Bosheit jener Menschen klage, welche dich und mich an diesen Ort der Schmach gezerrt; indes meine Seele gleich dem Meere stürmt und brandet und hohe Wellen schlägt; und während über meiner Seele ein düsterer, sternenloser Himmel brütet: bist du der Ruhe voll und gleich dem Spiegel des stillen Sees in tiefem Tannengrund, den nicht der Sturm erregt und der keine Woge schlägt. Du bist wie eine Blume, welche aus der Flut der Wetter sich ihren Demant bricht und ihn als lieben Schmuck in ihrem Kelche wiegt.«
»Ich klage nicht,« gab Elsa mild zurück. »Glaube nicht, daß nicht auch hier an dieses Herz das Leid mit unbarmherzigem Finger pocht; glaube nicht, daß nicht auch mir die Seele blutet, wenn ich meines armen Vaters gedenke. Treu seiner Liebe ging er an meiner Seite, als sie mich zum Gefängnisse führten. Doch an der Schwelle, welche die Freiheit von dem Kerker scheidet, mußte er mich verlassen. Sein Wort war damals arm und doch so endlos reich. »Mein armer Engel, Gott mit dir! Mir bricht das Herz!« So sprach er und gab mir eine große, volle Träne zum Geleite ins Gefängnis. Nun sitzt er einsam in der Stube und sucht die blinde Elsa und die kleine Irma und kann sie nur dann finden, wenn sein Gedanke sich zu Schmach und Kerker wendet. Schmucklos ist die stolze Eiche geworden. Die Krone brach, als meine Mutter starb. Und nun sinkt Ast um Ast vom lebensmüden Stamme, und an dem Marke nagt der Wurm des Harmes und des Todes. Und ich kann ihn nicht trösten! Siehe, süßes Herz, du liebe Blume du, sieh, das ist Leid, dem kein Wort genügend Ausdruck gibt; das ist wie Grabesläuten, und du begräbst dich selbst dabei, dein Herz, dein Hoffen und dein Lieben!«
»Das, dächte ich, wäre Grund genug zu bitterer Klage,« entgegnete mit Schärfe Edeltraut.
»Grund genug; du hast wohl recht. Doch Recht dazu? sag' mir den Grund!«
»Kind, ich versteh' dich nicht. Du zählst selbst einen Teil der Leiden auf, welche deine Seele drücken und deine Liebe tief verwunden. Nimm noch dazu das schreckliche Geschick, das auf uns lastet, den häßlichen Verdacht, der unserem Namen anklebt, die Schmach, die wir ertragen. Nimm dann dazu, was uns erwartet: Richter, grausam, wahnbefangen, unerbittlich; Qualen, wie sie nur die größte Gefühllosigkeit erdenken kann, und endlich Flammen, die den jungen Leib zu Asche brennen und all das reiche Hoffen, das in einer jungen Menschenseele knospt, ertöten. Sterben ist ein schauriges Wort, am Scheiterhaufen enden, schrecklich; aber in der Jugend süßer Blüte dem Tode unschuldig verfallen, ist ungerecht von Gott!«
Elsa erwiderte nichts. Ihr Antlitz war von Schmerz und Mitleid erregt. Sie richtete das Auge, aus dessen toten Sternen eine klagende Seele sprach, nach der Freundin.
»Du antwortest mir nicht,« sprach Edeltraut verletzt.
»Was sollte ich dir sagen? Der Schmerz, der aus dir redet, ist mit Bitterkeit gemischt. Da laß mich schweigen, bis die Seele ruhig geworden ist und ein Wort des Friedens Widerhall in dir zu finden vermag.«
»Das klingt wie Tadel, Elsa?«
»Es soll gewiß nicht Tadel sein, mein armes Herz,« besänftigte die Blinde. »Du, Edeltraut, bist stolz gebaut an Leib und Seele und deiner Gefühle Wellenschlag ist ein lauterer und stürmischerer als der in meiner Brust; du bist wie eine Palme, ich wie des Feldes Blume; dich faßt des Sturmes wilde Vollkraft, über mich aber fegt er hinweg, kaum meinen Herzenskelch berührend. Komm her zu mir und laß dir sagen, wie es kommt, daß deine kleine Elsa inmitten solchen Leidens den Frieden und die Ruhe nicht verliert!«
Edeltraut kniete sich vor das blinde Mädchen, die Hände auf deren Schoß kreuzend und mit den blauen Augensternen bewundernd auf die liebe Maid schauend.
»Hier bin ich, Engel,« sprach sie mit voller Innigkeit. »Hier ist die stolze Palme; gib ihr von deiner Kraft, von deinem Frieden!«
»'s ist tiefes Leid,« sprach Elsa, »das seine dunklen Schwingen über uns breitet. Wir sind, wie heute der menschlichen Gerechtigkeit verkehrte Wege gehen, dem Tode verfallen, und unser Andenken wie unser Name gehört der Schmach und Schande, bis eine spätere Zeit die Schmach den Richtern zuwendet und dem Wahne, dessen fügsame Diener sie gewesen, dagegen den armen Opfern eine Träne warmen Mitleids weiht. Die Welt wälzt trübe, schmutzige Wellen vor sich her. Das Laster steigt, und stolzer hebt von Tag zu Tag der Sinne kecker Übermut das Haupt. Der Kirche Leib ist frevelhaft zerschnitten. Da sie den Glauben, wie sie sagen, reinigten, schnitten sie ihm die Lebenswurzeln ab und ließen üppig alles Unkraut wuchern. Der Gottesglaube ward zum Schleierbilde, das jeder sich nach seiner Willkür deutet. Und siehe, je mehr ringsum das Bild des wahren Gottes und seiner hehren Lehre in Erdenlust, in Übermut, ja selbst in haderndem Gezänke untersank, mit desto stolzerem Mute drang des Glaubens Fratze, der Aberglaube, vor. Gott haben sie verkannt; nun glauben sie dem Teufel und seiner Macht. Nicht Gott regiert das Weltall; nicht er gibt Sonnenschein und Regen und Mißwachs oder Segen; nicht er verteilt des Glückes Gaben, das Leid, die Lust, den Schmerz. 's ist alles Satanswerk, getan durch böse Kunst und schlimmen Bund. Die Menschen schwören ihrem Gotte ab, dem Teufel zu, und haben Gewalt, die Ordnung Gottes aufzuheben, und der Satan sitzt auf dem Throne. Das ist die Frucht der Glaubensdürre, an der die Menschheit heute sterbend siecht. Das Blut Gemordeter schreit nicht mehr zum Himmel auf, als jener finstere Geist, der nun die Welt beherrscht. Es ist das Opfer Kains, das auf zum Himmel qualmt, und auf das der liebe Gott nicht segnend schauen kann. Es fehlt Abels Opfer, das Gott zu sühnen strebt. Ich will es sein. Ich weiß, wie arm, wie klein und schwach ich bin dem Riesen gegenüber, der Gottes Rache herausfordert. Und doch verzage ich nicht.«
»Du edle Seele!« rief Edeltraud »Du willst dein junges Leben, dem so wenig Freuden blühten, für eine Missetat zum Opfer bringen, die nie an deiner Seele Anteil hatte! Wie groß und schön du bist im Lichte deiner Liebe!«
»'s ist wahr, mein Leben wiegt nicht schwer, sind Freuden, die mir geworden, das Maß, nach dem sein Wert gemessen werden soll. Und schaue ich in die Zukunft, so sehe ich nichts, das einer Freude gliche. Mein Vater ist ein Greis. Bald graben sie am Friedhof draußen sein Grab und ich stehe allein in fremder Welt. Sein Tod bricht meine letzte Erdenliebe, und das Herz kennt nur mehr der Himmelssehnsucht Pulsschlag. Doch nicht nach Freuden soll man des Lebens Wert messen, sondern nach Opfern, die das Herz entsagend bringt.«
»Ist's nicht des Opfers überviel,« unterbrach Edeltraut, »daß dir der Augen Licht versagt und deine Welt in finsterer Nacht begraben ist? Selbst deines Vaters Angesicht zu schauen ist dir versagt. Und allem, was du liebst, fehlt die Gestalt, selbst deine Schwestern, des Feldes Blumen, denen du dich so gerne vergleichst, sind dir ein ungelöstes Rätsel. Du lebst nur, wenn dich Träume mit ihren Bildern laben, wachend bist du des Leides voll.«
»Daß ich nicht Gottes Pracht in seiner Schöpfung und meines Vaters Antlitz sehe, ist ein Opfer, mit dem ich längst die Rechnung abgeschlossen habe. Gott, der euch Menschenkindern lichte Augensterne gab, gab mir die Nacht. Er tat's, ich bin's zufrieden. Und ist es ein Opfer, das ich Gott darbringe, so mag es für meine eigene Schuld als Sühne gelten. Doch für die Schuld, die nun auf vielen lastet, und deren Sühne zum Himmel schreit, will ich mein junges Leben zum Opfer bringen. Ist's auch nur wenig, wie wenn ein Tropfen Tau die dürre Erde tränken wollte, so habe ich doch getan, was in der Schwachen Kraft gelegen, und ist mein Tod die Rettung eines Lebens, so bin ich reich belohnt — denn ich habe gelebt vor Gott.«
»Wenn ich dich schaue, goldne Elsa, in deiner Seele hohen Pracht, so bricht der Stolz, die Lebenslust, der wilde Grimm über meine Quäler machtlos zusammen. Kind, du bist groß! Du schreitest mit festem Fuße über Leid und Gram und Schmach, und selbst der Tod ist dir nur eine Brücke, die zu Paradiesesauen führt. An dich willst du nicht denken. Die Welt, die du nicht siehst, umfängst du mit einer Liebe, die aus dem Herzen Gottes stammt.«
»Wie arm« — fuhr Edeltraut in leisem Tone fort — »wie arm muß sich die Erde dünken, wenn sie dich, liebes Blümchen, tot in ihrem Schoße birgt! Mag ihr wohl sein, als wär' der Lenz gestorben und alle Blüte sei zu Eis geworden und alles Leben starr und alle Liebe welk. Du hast mich viel gelehrt, Elsa. — Die Menschenliebe bricht vor deinem Wort und Geist in morsche Stücke, die Gottesliebe baut sich herrlich auf. Nun faß ich dich, nun dank' ich dir aus voller Seele, daß nie ein Laut der Klage deinen Mund bewegte. Ja, Gott ist groß in seinen Werken, am größten doch in jener Liebe, die er in reinen Herzen für sich weckt.« — —
Ein Geräusch an der Kerkertüre störte das Gespräch der beiden Jungfrauen. Der Kerkermeister trat ein. Ihm folgten Pater Spee und Elsas Vater.
»Gott sei mit euch!« sprach zum Gruß der Jesuit.
Elsa erhob das Haupt. »'s ist Sonnenstrahl,« rief sie, »den Gott mir schickt. Mein Pater, segnet mich!«
Spee hob die Augen auf zum Himmel. »Gott segne dich,« sprach er. »Und wenn mein Segen je auf ein frommes Herz fiel, so gelte er heute vor Gott.«
Der alte Gering sah mit feuchtem Auge seine Tochter auf dem Estrich knien.
»Elsa,« sprach er zitternd.
»Mein Vater!«
Der Alte weinte bitterlich, als er des Lieblings Haupt an seine Brust drückte.
»O weine nicht, du treues Herz,« sprach Elsa; »nun hat die Träne jegliches Recht verloren. Wir gehen hinüber, Vater, zu unserem Gott, zum Licht, zum Paradiese. Miß nicht die Zeit, die uns noch an die Erde bindet; gedenke nicht der Augenblicke, da noch der Leib der Seele Schwingen hemmt. Der Tod — das Grab, sie sind für uns goldene Schlüssel zu einem Liebesleben, das nimmermehr durch ein Leid uns stört. — Wie gut du bist, du lieber, lieber Vater, du suchst dein Kind im Kerker heim! Sei nur getrost, es naht die Zeit, da die Schwalbe in die Heimat kehrt!«
»Du bist die Schwalbe,« bestätigte tiefbewegt der Alte, »und der Himmel ist dein Heim. Fürwahr, du bist zu gut für diese Erde!«
»Elsa,« sprach Pater Spee, »du hast wohl recht, die Schwalbe zieht zur Heimat. Die Richter rufen dich und Edeltraut.«
Letztere erblaßte und ein heftiges Zittern schüttelte ihre Glieder. Aus Elsas Augen trat eine große Träne, ein Demant, den der Schmerz aus tiefem Seelenschachte sich gebrochen.
»Gott ruft, laßt uns nicht zögern!« rief sie heiter blickend. — »Mein teuerer Vater, deinen Kuß; und Eueren Segen, Pater!«
Die Richter sitzen stumm und ernst. Es liegt wie schwere Anklage auf ihnen, da sie nun über die edelsten Jungfrauen der Stadt in so schmählicher Sache richten sollten. Fühlten sie vielleicht selbst, daß sie auf dem betretenen Wege zum himmelschreienden Massenmorde kommen müßten? Oder fingen sie an zu begreifen, daß sie über ein Verbrechen zu Gericht saßen, in welchem sie blindlings umhertasteten, ohne irgend welches Verständnis, ohne irgend einen Halt als den, den ihnen die Torheit gab? Ahnten sie vielleicht, daß sie mit dem, was sie Gerechtigkeit nannten, in den Blättern der Geschichte in der Reihe der Henker, ja der Mörder stehen würden? Sahen sie das ferne Wetterleuchten jener ungeheuern Schmach, die ihrem Namen ankleben würde? Dachten sie vielleicht an jenen jungen, kühnen Jesuiten, der mit dem Schwerte der wahren Liebe und Aufklärung sich ihrer blinden Wut entgegengestellt hatte?
Nur der Oberschultheiß sah mit kaltem Auge auf die Angeklagten, seine Seele bewegten weder Leidenschaft noch Mitleid, sein starrer, stolzer Sinn kannte nichts, wovor er sich beugte, als das, was er seine Pflicht nannte, und das peinliche Recht. Ihm galt es gleich, wer vor ihm als Angeklagter stand; so spricht der Paragraph, so richte ich, das war seine höchste Weisheit!
»Elsa Gering,« brach er das Schweigen, »du weißt, was dich an diese Stelle führte!«
»Euer Befehl.«
»Und dein Verbrechen,« ergänzte der Richter.
»Was ich an Sünde an mir habe, das klage ich in Reue meinem Gotte und meinem Beichtiger. Von schwerer Schuld jedoch weiß ich mich frei, und jenes schreckliche Verbrechen, dessen Ihr mich zeihet, hat keinen Teil an mir.«
»Du leugnest, jedoch vergebens! Die alte Ammfrau Bernin sah dich und Edeltraut Göbel mit vielen anderen auf dem Kreidenberge, wo sich die Hexen um den Satan scharen.«
Edeltrauts schönes Antlitz färbte tiefes Rot. Ein edler Zorn blitzte aus ihren stolzen Augen.
»Ihr Herren,« sprach sie mit hoher Würde, »was ihr die arme Elsa fraget, werdet ihr auch mir entgegenhalten. Ich will euch darum zuvorkommen und ungefragt euch antworten. So hört! 's ist eine Schmach, die ewig über Würzburgs Mauern schweben wird, daß Männer zu Gerichte sitzen, die nicht viel besser sind als Mörder. 's ist eine Schmach, daß man, um dem tollen Wahne stets neue Opfer zu schlachten, jedem Worte Glauben beimißt, das wilder Schmerz, Verzweiflung, das euere Grausamkeit erpreßte. Noch mehr! Es ist eine Schmach, daß man an Hexen glaubt, wie ihr, daß man von dieser Stelle aus das Volk in seinem Glauben, seinem Glücke, in seinem Leben mordet. Ihr stolzen, harten Herren seid es, die in dem armen Volke das Gift nicht sterben lassen, ihr seid es, welche die Scheiterhaufen bauen und die Schwerter schleifen. Ihr habt nicht Herz noch Hirn; denn hättet ihr eines, so säßet ihr nicht hier. Ihr stürztet schamerfüllt hinaus aus diesem Saale und suchtet einen Erdenwinkel, wo euch die Schande nicht erreicht. Ich weiß, ich spreche kühn, und euere Augen sprühen Zorn. Und doch ist mein Wort, und tauchte es auch in Wermutfluten, nicht so herb als euer Tun! Euch ist nichts heilig mehr als euere Torheit. Den Räubern gleich dringt ihr in die Häuser und stehlt, um dann zu morden. Mich habt ihr herzlos weggerissen aus meines Vaters Armen, den nun der Schmerz um seine Tochter aufs Krankenlager warf. Daß Göbels Haus und Ruf ein Schmuck für unsere Stadt gewesen ist, daß an dem Namen, den mein Vater trägt, und der mir als heiliges Erbe galt, kein Makel hängt, das habt ihr schnell vergessen, seit euch ein altes Hirn im Schmerzenswahnsinn grause Märchen erzählte. Wo ist der Mensch, der mich auf schlimmen Wegen sah, wo ist die Zunge, die, ohne falsch zu zeugen, mir auch nur den Schatten des Lasters aufbürden kann, dessen ihr mich zeihet? Stolz nannten sie mich, die Edeltraut Göbel, weil sie nicht zum gemeinen Haufen niederstieg mit Kopf und Herz, stolz schalten sie mich, da ich mit Verachtung auf die klugen Köpfe niedersah, die keine höhere Weisheit kennen, als Hexen spüren. Jetzt sollt ihr recht bekommen. Ja, stolz will ich euch gegenübertreten, will euch sagen, daß ich euch tief verachte. Ich weiß, dies Wort macht euere Herzen noch bitterer; auch das verachte ich, wie ich die Welt verachte, die solche Richter trägt.«
»Laßt mich; noch bin ich nicht zu Ende. Bis jetzt sprach ich für mich. Nun laßt mich auch für Elsa Gering sprechen. Wenn in euch noch nicht der letzte Funke von Gefühl erloschen ist, wenn ihr als Väter noch von Liebe gegen Kinder wißt, so schaut mit kaltem Auge dieses Mädchen an, wenn ihr es vermögt. Als Kind der ›kleine Engel‹ von allen Lippen genannt, war sie der Schmuck der Stadt. Zur Jungfrau aufgeblüht, fand man sie nur im Gottes- und im Vaterhause. Auch nicht die schlimmste Zunge wagte sich an ihren Ruf. Sie ist wie eine Lilie, die aus dem Sumpfe blüht. Habt ihr sie beten sehen? Wohl kaum. Dazu habt ihr nicht Lust noch Zeit! Und hättet ihr sie beten sehen, so sprächet ihr nicht jenen Wahnwitz aus, Elsa Gering sei zur Hexe geworden. Ich will euch etwas sagen, gar weise Herren, was ihr wohl nicht versteht. Wollt ihr des Menschen inneren Wert ermessen, wollt ihr wissen, wie fest er in der Tugend begründet ist, so schaut ihn beten. Hier tritt des Menschen Seele auf die Oberfläche, hier könnt ihr wägen ihren Wert. Und hättet ihr nur einmal meine Elsa beten sehen, ihr hättet euch geschämt, sie als Hexe vor euch zu rufen. Dann nehmt das Leid, das auf ihr lastet. Ihr ist die Welt ein Buch mit ungelösten Siegeln. Sie kennt die Nacht mit ihrer Finsternis, doch nicht den Tag mit seinem Sonnenlichte. Was immer hier auf Erden lebt und was Schönes aus des Schöpfers Hand das Weltall schmückt, ist ihr ein Geheimnis, wie sie dem Bösen, das des Menschen Geist erdenkt, nicht Form noch Gestalt zu geben weiß. Sie, die die Nacht der Augen mit der Geduld des Engels erträgt, und deren Leben Liebe, Opfer und Gebet ist, sie soll im Bunde mit dem Satan stehen! Welche Weisheit! Oder sagt, ist Elsa wohl ein fahrendes Weib, das heimatlos aus unbekannten Fernen kam, und von dem ihr Herren gar nichts wißt, als was die böse Zunge einer Alten vor ihr redet? Ist sie nicht unter eueren Augen aufgewachsen, habt ihr sie nicht bis noch vor kurzer Zeit den Engel euerer Stadt genannt? Und nun? Fürwahr, ihr Herren seid große Geister, und euer Urteil ist fest wie Kartenhäuser, die das Kind sich spielend baut. Ein starkes Geschlecht fürwahr sind die Männer, nur schade, daß sie gleich den Windfahnen sind!«