Förster, Karl.
Förster, Luise, geb. Förster.
Förster, Friedr.

Karl Förster, geb. den 31. April 1784 zu Naumburg, gestorben den 18. Dec. 1841 zu Dresden, wo er seit 1807 Professor am Kadettenhause gewesen. Als Uebersetzer des Petrarca, Tasso, Dante gerühmt, hat er auch einen „Abriß der allgemeinen Litteraturgeschichte“ geliefert, 4 B. (1827–30.) — Poesieen enthält das Buch: Raphael, ein Cyclus von Gedichten. Ueber des Dichters wie über des Menschen Werth sprechen am Schönsten die hier mitgetheilten Briefe der Gattin:

Luise Förster, geb. Förster, welche sie nach des edlen Mannes Tode an Ludw. Tieck richtete, der das Ehepaar herzlich liebte und achtete. Er auch hat die von der Wittwe herausgegebenen „Gedichte“ Karls, 2 B. (1842) mit einem Vorworte begleitet. Vier Jahre später erschienen, von Luisen verfaßt: Biographische und litterarische Skizzen aus der Zeit Karl Försters.

Luise ist die Schwester von

Friedrich Förster, geb. am 24. Sept. 1792, des tüchtigen Mannes, der das Schwerdt wie die Feder zu führen verstand, der weder im Kriege noch im Frieden hinter’m Berge hielt, der manch’ kühnes Wort sprach, ohne die anhänglichste Treue für den Thron in Zweifel zu stellen, und dem deshalb der berliner Witz den Beinamen „der Hofdemagoge“ beilegte. Preußischer Offizier kehrte er 1815 mit dem Ehrenzeichen der Tapferkeit geschmückt aus Frankreich heim, und zeigte sich als Lehrer, Historiker, Publicist, Redakteur und Dichter nach allen Richtungen, in den verschiedensten Gebieten. Oftmals hat er für momentane Zeit- oder Gelegenheitsstimmungen auf bewundernswerthe Weise den Ton getroffen, und Lieder von ausnehmender Schönheit geliefert, in Ernst und Scherz. Wie lange galt sein „Demagogisch: Es wollt’ einmal im Königreich &c.“ für eine Schöpfung Goethe’s, und als solche für eine der genialsten! — Er ist lange jung geblieben, auch mit ergrauendem Haare, und nachstehender burschikos-gemüthlicher Brief des Fünfundzwanzigjährigen liegt dem Wesen des hohen Sechszigers noch gar nicht fern.

I.

V. J., d. 20st. Juni 1831.

Innigst verehrter Herr Hofrath,

Seit drei Tagen sitze ich unter den Heften meiner Zöglinge, deren Arbeiten mir zur Correctur vorliegen; Sie verzeihen mir daher gewiß, wenn ich, was ich gestern und heute mündlich thun wollte, aber leider nicht konnte, jetzt mit zwei Worten schriftlich thue.

Ich war am Sonnabend in Retzsch’s Hause, fand ihn aber nicht und erfuhr, daß er seit längerer Zeit schon seinen Weinberg bewohnt und nur Donnerstag in die Stadt kommt. Wünschen Sie es nun, so gehe ich künftigen Donnerstag oder Freitag, wo er auch noch hier seyn wird, zu ihm.

Athme ich morgen freier, so hole ich mir selbst Ihre Antwort.

Mit immer treuer Verehrung und Liebe

ganz der Ihrige

Förster.

II.

Dresden, d. 28t. Juli 1842.

Hochverehrter theuerster Freund, Ihnen den treuesten liebevollsten Gruß!

Eine kleine Mittheilung, aus Ihrem Ziebinger Leben, wo Eine von Ihrer Milde Beschützte, Ihnen mit den Worten entgegen trat: „Verzeihen Sie daß ich noch lebe,“ rührte mich durch die innige Weise, wie Sie es erzählten, damals tief; jetzt möchte ich jene Bitte für mich und meine Wünsche wiederholen. Also — verehrter Freund: verzeihen Sie daß ich noch lebe und, flehend und vertrauensvoll zu Ihnen den thränenschweren Blick aufrichte und, Sie auf das allerinnigste bitte, Ihr treues Wort, welches Sie so liebevoll und bestimmt gegeben, ist es irgend möglich (und was wäre Ihrer Güte und hohen Gesinnung nicht möglich?) auf das Schleunigste zu lösen. Brockhaus läßt ohne die versprochene Einleitung den Druck nicht beginnen. Die Welt sieht eben so sehnsuchtvoll den einführenden Worten des ruhmbekränzten Meister Ludwig Tieck als den Dichtungen des unvergeßlich in seinem Leben, wie in seinen Schriften so ausgezeichneten Hingeschiedenen entgegen. — Die Subscribenten endlich sind des Harrens so müde, daß sie nach und nach sterben. Drei derselben, deren Namen auf den Listen stehen: Graf Einsiedel, G. Schwarz, Gräfin Dennewitz Bülow, sind wirklich indessen aus dem Leben geschieden.

Lassen Sie, viel Verehrter, alles dieses und meine Bedrängnisse, die Sie ja kennen, zu Herzen sich gehen und senden Sie mir in nächsten Tagen die verheißene Einleitung. Kenne ich doch Ihre edle hohe Gesinnung, und weiß daß Sie es mit Freuden thun werden; da Ihnen ja das Andenken an den Mann, — der Sie immerdar treu und warm und redlich geliebt, der Sie, wie vielleicht Wenige, ganz in Ihrem reichen Werthe kannte und erkannte, — auch theuer und heilig ist. — Ihre Worte werden dem Verklärten den wohlverdienten Ehrenkranz reichen, den er wohl noch im Leben zu empfangen berechtigt war.

Wäre es Ihnen vielleicht bequemer die Einleitung ohne biographische Notizen zu geben, so ließe eine kurze biographische Skizze sich wohl leicht beigeben, womit Sie nicht gemüht sein sollten. Wäre es Ihnen wünschenswerth bei der zu schreibenden Einleitung wiederum einen kurzen Blick in einige von Försters Poesien zu thun, so wären die Gedichte über Rafael wohl geeignet dazu, und Sie könnten sie leicht von Försters Freund, dem Regierungsrath Streckfuß in Berlin erhalten.

Nur um Sie nicht durch längeres Lesen zu belästigen, theile ich Ihnen nichts von Dresden mit, als was Sie wissen: daß Alle mit großer Sehnsucht Ihrer Rückkunft entgegen sehen.

Der theuren verehrten Gräfin sagen Sie freundlich mein und meiner Kinder ehrerbietigsten Grüße. Letztere rufen mit mir im Voraus Ihnen tausend Segensworte zu für das Liebesdenkmal, welches Sie unserm Verklärten bringen werden! —

In unwandelbarer treuer Anhänglichkeit und Verehrung

Ihre ergebene

Luise Förster geb. Förster.

III.

Dresden, d. 17t. Decb. 1842.

Als Sie, mein theurer hoher Freund, von uns schieden, folgten Ihnen meine treulichsten Wünsche, meine besten Dankes- und Segensworte für Ihr unwandelbares Wohlwollen, womit Sie viele schöne Jahre hindurch uns beglückt, und das Gefühl einer innigen wehmuthvollen Sehnsucht, welches jeder Verwaisung folgt, hat mich seitdem nie verlassen, denn daß ich seit Ihrer Abreise mich einer wahrhaft geistigen Verwaisung hingegeben fühle, glauben Sie mir gewiß. Da, als der größte Erdenschmerz meinen einst so hellen Lebensweg für immer umnachtete, fand ich in Ihrer Nähe Kräftigung für meine Seele, fühlte mich gefestigt den Forderungen, die das Leben noch von mir heischt, mit heitrer Energie zu begegnen, ja selbst der alte frohe Muth versuchte wohl zuweilen die gebrochenen Schwingen wieder zu regen, jetzt scheinen sie auf immer gelähmt; mögen auch Viele hier über Ihre Uebersiedelung trauern, tiefer und schmerzlicher, als ich, kann Niemand den Verlust dieser Trennung empfinden. —

Wie oft habe ich in diesen Tagen Ihnen die Hand gereicht, und Ihnen im Geist den vollsten heißesten Herzensdank zugerufen, für das ehrende Denkmal der Treue, wodurch Sie meinen hingeschiedenen Freund fortleben lassen, ja gleichsam ein Auferstehungsfest ihm bereitet haben. Sie haben den letzten Erdenwunsch des edelsten Geistes erfüllt und ich sehe die Aufgabe, an der mein Leben und mein Lieben hing, durch Sie gelöst, und von welchem Dankgefühl ich durchdrungen, — wo soll ich ein Wort finden, nur anzudeuten, was ich Ihnen sagen möchte! Die Segnungen meiner Kinder mögen beredter zu Ihnen sprechen als mein stummer Dank. — Der Druck der von Ihnen bevorworteten Gedichte, ist in diesen Tagen beendet, wovon Sie Freund Brockhaus schon unterrichtet hat. Das Werk ist in aller Weise würdig ausgestattet, und wird des herzlichsten Willkommens in der litterarischen Welt gewiß nicht entbehren; während der Correcturen sind die Herrlichkeiten dieser Dichtungen von neuem mir recht klar geworden; und es ist mir ein wohlthuender Gedanke, daß Sie beim Wiederlesen der gesammten Gedichte mit Freude und Theilnahme weilen werden. Ueber Anderes des litt. Nachlasses meines heißgeliebten Freundes hoffe ich später Ihren freundlichen Weisungen nachzukommen. Von dem Dresdner Leben weiß ich Ihnen nichts mitzutheilen, da ich bis auf Wenige, die ich zuweilen sehe, abgeschieden von der äußern Welt lebe: aber von der Ihnen so theuren Freundin, deren Eigenthum eine reiche innre Welt ist — von der ich sagen möchte: sie ist ein verkörperter Seelenhauch, Ihre liebste der Elfen, — es ist wohl überflüssig den Namen „Fr. v. Lüttichau“ erst zu nennen, — diese traute Freundinn grüßt Sie in inniger herzlicher Liebe, und fügt in Ihrer unnachahmlichen Schalkheit hinzu, der briefscheue Freund möge Ihr nur „eine Quittung über die jüngst ihm gesendeten Briefe zukommen lassen.“

So genügsam würde ich nun freilich nicht sein; wie wollte ich jauchzen, wenn einige Worte von Ihrer Hand mir sagten: meine Gesundheit hat sich gefestigt, und mit alten Gesinnungen gedenke ich Derer, die mich treu im Herzen trage. Gewiß werden Sie das liebe schöne Dresden nicht vergessen, noch weniger Derer, die darin voll Sehnsucht, Liebe und Verehrung Ihrer treulich gedenken. Der lieben hochgeehrten Gräfin, bringen Sie wohl freundlichst meine ehrerbietigsten Grüße.

Leben Sie wohl zu tausendmalen! Jede Freude und jedes Heil sei mit Ihnen. In treuer unwandelbarer Verehrung Ihnen immer ergeben.

Luise Förster geb. Förster.

IV. (Unvollständig.)

Dresden, d. Mai 1843.

Theuerster, verehrter Freund,

Ihre Huld gestatte mir, zu Ihrem nahen Festtage Ihnen schon heute, „Heil! Glück auf!zuzurufen, und gewiß nehmen Sie mit aller Freundlichkeit die herzinnigsten Wünsche getreuster Anhänglichkeit dahin. — Wenn vordem in seiner Lenz und Blüthenpracht der Mai wiederum die Erde grüßte, und ich mit meinem liebsten Förster hinaus wandelte in die frische verjüngte Welt, da meinten wir immer, die Erde habe sich zur Feier Ihres Lebensfesttages so leuchtend geschmückt, und jede Blume, die unser Auge entzückte, ward im Voraus in den Kranz geschlungen, der Sie erfreuen sollte. Zwanzig Jahre hindurch feierten wir mit Ihnen den Tag an welchem Sie geboren, als das schönste Fest des Jahres, und in unvergeßnem Erinnern stehen jene Tage hell vor meiner Seele, und klingen wie süße Lieder aus einer Zauberwelt in mein verödet Dasein. Denn meine Hand faßt nach keiner Blüthe mehr, die Blumen sind entfärbt und die Kränze zerflattert. Aber unverloren und unversehrt bleibt mir der eine Frühling: die Erinnerung an gute, schöne Stunden! Wie viele solche erwählte Stunden wir Ihnen dankten, wird durch die Tagebücher meines hingeschiedenen Freundes mir immer klarer und lebendiger, und wie theuer Sie seinem Herzen waren, davon geben jene Blätter das treuste Zeugniß.

Seit dem Frühlinge beschäftige ich mich wieder mit Auszügen aus diesen Tagebüchern, welche einen überraschenden Reichthum von Anschaungen aller Art bieten. Nach Ihrem weisen Rathe und freundlichen Wunsche werde ich diesen Fragmenten, welche jedoch eines Zusammenhanges nicht entbehren, die wissenschaftlichen prosaischen Arbeiten ein- und beifügen; wie oft ich bei dieser Arbeit, Ihren hellen Blick, Ihren feinen geläuterten Geschmack, die Sicherheit, die Andern freundlich den rechten Weg zeigt, vermisse, glauben Sie mir gewiß.

Läßt der Himmel diese Arbeit mich noch vollenden, so werden Sie in derselben sich vielfach erwähnt finden; immer in jener Verehrung und Anerkennung, in welcher F. Ihnen ergeben war; auch sind alle diese Mittheilungen von solchem Interesse, daß sie eine gemeinsame, allgemeine Theilnahme nicht entbehren werden, auch ist ihr Inhalt der Art, daß mir kein Zweifel über die Aufnahme und Ihre Zustimmung kommen kann. Um aber in aller Weise beruhigt zu sein, bitte ich Sie über nachfolgendes mir durch einige Worte zu sagen, ob dessen Veröffentlichung Ihnen recht.

Aus dem Tagebuch Juli 1825.

Frohes Wiedersehen mit Tieck, der gesund und heiter von seiner Reise zurückgekehrt — — — — — — Der vor Kurzem in Rom erfolgte Tod des Maler Müller veranlaßte den Freund zu einer Mittheilung deren Inhalt auch einer künftigen Zeit aufbewahrt bleibe. — Zwei verschiedene Werke, über ein und denselben Gegenstand: die heilige Genovefa sind von beiden Dichtern im Druck erschienen; im J. 1799 die großartige Dichtung Tiecks; die Müllersche, welche ein rühmlich Zeugniß eines nicht geringen Talents giebt und theilweise viel Treffliches enthält — war schon 1778 entstanden, wurde aber erst später bekannt. — Die thörigte Behauptung, Tieck habe sein Werk nach jenem geschaffen, fand Glauben, ja ja es giebt noch Kurzsichtige genug, welche von dem Gegentheil schwer zu überzeugen sind, heute wurde darüber mir folgender Aufschluß. Tieck äußerte sich sehr anerkennend über Müller. „Müller“ sprach er: „war ein Mensch von großem Genie; die frische Natur, die lyrische Leichtigkeit seiner Poesie, die echte Genialität in seinen Leistungen, haben mich immer entzückt, und es ist zu beklagen das dies schöne Talent sich nicht dem Studium der Dichtkunst ausschließlich zugewendet. Im Leben war er ein wunderlicher Kauz und nicht leicht mit ihm zu verkehren; seinen Golo und Genovefa, welche so viel Schönes bieten, gab er mir einst in der Handschrift zur Durchsicht mit dem Wunsche, einen Buchhändler dafür zu finden, was ihm bis jetzt nicht möglich geworden; aber auch mir gelang es nicht. — Die schöne rührende Legende, die mich immer so innig angezogen, wurde später von mir bearbeitet, ohne dabei das Mindeste des Müllerschen Werks zu benutzen; nur das Motto wiederholte ich, und das als Reminiscenz, welches mir zu einem Liede Veranlassung gab. Der gute Müller aber entblödete sich nicht, mich eines Eingriffs in sein Eigenthum zu beschuldigen. Um nun jenen thörigten Gerüchten Einhalt zu thun, gab ich selbst die Müllersche ...“ (Hier bricht der Auszug aus dem F.’schen Tagebuche ab, weil das letzte Blatt dieses Briefes, wahrscheinlich durch Schuld des Buchbinders, abhanden gekommen.)

V.

Dresden im Lenzmond 1844.

Theuerster hochverehrter Freund,

Das kleine Werk, welches vor beinahe Jahresfrist — an Ihrem letzten Geburtstage, ich Ihnen zu senden hoffte, da schon damals die ersten Bogen unter der Presse waren, ist erst jetzt vollendet abgedruckt, und so trage ich nicht die Schuld der Säumniß. Sie aber werden gewiß mit derselben Freude die Arbeit des verklärten, von Ihnen so treu geliebten Freundes dahin nehmen; sie ist ja auf einem Boden erwachsen, der Ihr unantastbarer Grundbesitz war und bleibt, denn: was im Reiche des Schönen Leben findet und Gedeihen, ist Ihr Eigenthum. Auch werden Sie mir nicht zürnen, daß ich diese Dichtungen Ihnen zugeeignet, Sie wissen ja daß dieses geringste Zeichen meiner Verehrung aus der tiefgehendsten Achtung, aus der allinnigsten Anhänglichkeit hervorgegangen, und Ihre wandellos wohlwollende Gesinnung, deren ich mich so viele unvergeßne Jahre hindurch erfreute — und welche ich immerdar zu meinen schönsten Lebensgütern zählte, giebt mir die Gewißheit, daß Sie diese Zueignung in alter Milde und Güte dahin nehmen.

Bei dem Ordnen und den Correcturen dieser Uebersetzungen, sind die hohen Schönheiten Torquato Tasso’s mir recht licht aufgegangen. Die üppigste Gedankenfülle bewegt sich in der süßesten Sprache, in den reizvollsten Bildern, der reinste Hauch der Poesie weht in den tiefempfundenen Liebesklagen, Liebeshoffnungen und Liebesschmerzen und voll unnachahmlicher Anmuth sind all die zarten Wendungen eines heiter kindlichen Witzes, und wahrhaft rührend der großartige Humor, der noch durch Thränen lächelt. Tasso steht als lyrischer Dichter gewiß sehr hoch, und ihn in seiner ureignen Schönheit der deutschen Sprache zu zuführen, war gewiß Förster vor Allen berufen. Daß ich dieser Uebersetzung eine Abhandlung F. über Tasso als lyrischen Dichter beifügte, werden Sie gewiß angemessen finden; es ist dieser Aufsatz eine tief durchdachte Arbeit.

Die Biographie Försters habe ich vorigen Herbst vollendet, und dabei die Freude gehabt, Ihr liebes Bild und manche reiche unvergeßne Stunde in frischem Glanze vergegenwärtigt zu sehen, da seine Tageshefte so manches mit Ihnen Durchgesprochene aufgezeichnet haben. Es hat überhaupt diese Arbeit mir einen reichen Quell des Trostes geboten; mein ganzes geistiges Sein in dieses reine Leben, in diesen reichen schönen Geist zu versenken, gab dem wunden Herzen den besten Trost. Ob, wenn und wie ich diese Arbeit der Oeffentlichkeit zuführe weiß ich noch nicht; der Muth, die Kraft zu den lästigen geschäftlichen Schritten einer Herausgabe fordern von einer Frau eine große Selbstverläugnung. Außer Ihren so freundlichen Aeußerungen über diese Arbeit, und der liebreichen Ermunterung zu deren Fortsetzung, könnte wohl auch außer der Billigung einiger Freunde das eigne Gefühl mich zur Herausgabe ermuthigen, denn mit tiefstem heiligsten Ernst habe ich die Aufgabe vollbracht.

Fragt Ihre Theilnahme nach meinem Leben — es ist sehr still, sehr zurückgezogen, aber in dieser selbst gewählten werthen Zurückgezogenheit, vermisse ich doch zuweilen die Masse geistiger Elemente, die vielgestaltig mich umgeben, deren Segen ich fast bewußtlos dahin genommen, die jetzt mir zeigen, wie doch mein ganzes Sein mit diesen Elementen verwachsen. So ist denn mein Leben, eines der Erinnerung und gehört in der Gegenwart nur noch den Pflichten an.

Der theuren verehrten Gräfin bringen Sie meine herzinnigsten Grüße, die meiner Kinder gehören Ihnen Beide.

Sie würden mir eine große, große Beruhigung geben, wenn Sie nur in zwei Schriftworten mir sagten, daß Sie in der Zuneigung des Tasso, keine Unbescheidenheit meinerseits sehen. In wandellos treuer Anhänglichkeit

Ihre

Luise Förster.

Sollte — indem Sie das Blättchen lesen — die treue Friederike mit dem Theebret vorüber streifen, so empfängt sie durch Ihre Güte diesen: Gruß!

VI.

Berlin, d. 26t. Febr. 1817.

Werthester Freund

Was man für Freunde zu besorgen hat, soll man nie einem andern übergeben — ja das wußt ich wohl, aber that nicht darnach. Nun frag ich heute in der Maurerschen Buchhandlung nach, ob Ihnen das gewünschte Verzeichniß zugeschickt worden sei — und zu meinem Leidwesen war es vergessen. Ich eile Ihnen nun das meine zu schicken; zum Glück daß auf den ersten Seiten sich nichts erhebliches findet, um so eher werden Sie mich entschuldigen. — — —

Noch bessern Trost hab ich eben noch von dem Versteigerer eingeholt — die Biestersche Auction ist noch auf 14 Tage verschoben und so behalten Sie Zeit sich denn nach Herzenslust auszuwählen, nur vergessen Sie die Bemerkung nicht, daß mit „dem Anhang“ der Anfang gemacht wird. —

Von den von Ihnen gewünschten Büchern ist nur wenig eingegangen, mich freut nur sehr, daß ich den Heywood noch habe auftreiben können, da Ihnen daran so viel gelegen schien. Von allen andern hab ich nur die „dreierlei Wirkungen“ erhalten und zwar nach der Versicherung meines Geheimen Oberhof-Hauptregulateur, aus der „einfachen Ursache“ daß Sie zu geringen Preiß angesetzt hatten.

Nun endlich will ich Ihnen auch Rede stehen wegen des Taschenbuches, dessen Ausbleiben aber mehr oder vielmehr allein dem Buchhändler und dem Kupferstecher zur Schuld zu rechnen ist. Es erscheint für das Jahr 1818 freilich aber schon zu guter Zeit in diesem Jahre; es ist in Leipzig gedruckt und die Bogen, die ich davon gesehen, sind schön und sauber und ohne Druckfehler; ich hoffe, daß es auch als ein spätgebornes Kind noch immer eine freundliche Aufnahme finden wird. Für die Kriegsbücher des Frontinus hat sich mein Buchhändler noch nicht entschieden, würden Sie mir aber die Handschrift zuschicken, so würde ich ihn wohl dazu bewegen oder ein andrer würde sich finden. —

Nun möcht ich Ihnen wohl auch noch einiges über mein Leben und Streben überhaupt mittheilen, wenn ich irgend hoffen darf, daß Sie einen armen, fahrenden Schüler anhören.

Obwohl ich 25 Jahre zähle, so bin ich doch ein zu Zeiten sehr unruhiger Kopf, einen festen Halt in wissenschaftl. Hinsicht hab ich, als Lehrer der Geschichte und Erdkunde an der hiesigen Artillerie-Schule (Freund, ich lese jetzt die Geschichte des 30jährigen Krieges, habe das theatrum Europaeum vor — neunzehn Folio-Bände! und noch viele andre alte Chroniken) daran läßt sich von der Dichtung immer einiges anknüpfen; und mag die Poesie auch schön und lieblich sein, wo sie an Wiesenbächen und Quellen sich zur Schäferin und ihren Lämmern gesellt, ich mag sie lieber da begrüßen, wo sie im Harnisch daherfährt und den Völkern einen lebendigen Odem in die Nasen bläßt; und so erscheint sie mir in der Geschichte. —

Aber da bin ich zugleich auch von einer andern Seite gefaßt worden; aufgeregt durch die neuste Zeit und durch die Hoffnungen, die mich eingeführt haben in diese — nahm ich thätigen und lebhaften Antheil an allem was Volk und Vaterland angeht, mit einem Wort ich bin ein heftiger Politicus, kann keinen Tag leben ohne Zeitung zu lesen und höre Jahn’s Vorlesungen über deutsches Volksthum und hasse die Juden.

Da ich freien Eintritt in das Theater habe, so bin ich da sehr oft zu finden, ärgre mich freilich mehr, als ich mich freue; wenn ich mich aber dort einmal freue, so geht es mir auch recht durch Blut und Leben; — wenn Scheakspeare — Göthe, Calderon — Mozart sich vernehmen lassen, so daß sie sich uns wirklich offenbaren, da fühlt sich wohl einmal auch eine Menschenseele gestärkt. — Dies ist also der eine Halt meines Lebens, den andern möcht ich nicht gern verschweigen und dennoch wird es mir schwer zu sagen. — Ich würde mehr noch mit Ihnen davon plaudern, wenn mich die Dämmerungsstunde nicht ermahnte — meine Augen zu schonen? — ach nein — zu meiner Braut will ich und mit ihr den Phantasus lesen. Leben Sie wohl, geliebter Tick, und erfreuen Sie bald mit Ihrer Gegenwart

Ihren

Freund Förster.