Ein Marutse-Elephantenjäger.

Die getrockneten Fruchtschalen verschiedener Kürbißarten werden sehr häufig zu Gefäßen verarbeitet. Vor Allem dienen diese Kalebassen als Wasserbehälter sowohl im Hause als auch auf Reisen, da ihnen das geringe Eigengewicht zu statten kommt. Sie bieten noch mannigfachere Formen als die eben genannten Gefäßarten, die einestheils schon von der Natur mannigfach gegeben sind, anderntheils künstlich hergestellt werden. Für den öfteren Gebrauch sind sie gelblich, bräunlich, rothbräunlich, schmutzig- bis dunkelbraun oder ziegelroth polirt und oft mit einem Bast- oder Grasstricknetz umsponnen; jene zu seltenerem Gebrauche sind oft mit eingebrannten Zeichnungen versehen. Auf das Einbrennen der Zeichnungen verstehen sich namentlich die Mabunda, und dies insbesondere mit Rücksicht auf die Figuren. Ich beobachtete einfache und verschlungene Arabesken, Abbildungen von Menschen, Säugethieren, Vögeln, Amphibien, Fischen und Insecten; ferner von Hütten, allerlei Geräthschaften, namentlich Waffen, Rudern, Kähnen, Pfeifen; außerdem von Bäumen, Sonne und Mond; doch auch Jagdscenen auf dem Lande und zu Wasser und Schlachtscenen, von denen mir besonders zwei auffielen, welche die Eroberung einer befestigten Stadt versinnlichen sollten, und wobei die gegenwärtig bei diesen Völkern vermißten steinernen Brustwehren deutlich aufgezeichnet waren. Im Allgemeinen bekunden diese eingebrannten Zeichnungen großen Eifer und eine ziemliche Fertigkeit, sowie einigen für Wilde anerkennenswerthen Kunstsinn, obgleich ich sie nicht den Kunstproben gleichstellen könnte, wie sie die besseren Höhlengemälde der Buschmänner vor Augen führen. Im Allgemeinen nehmen die mit eingebrannten Zeichnungen versehenen Kürbißgefäße einen ehrenvollen Rang in der Industrie der Stämme am centralen Zambesi ein und übertreffen wesentlich die ähnlichen Erzeugnisse der südlich von diesem Flusse wohnenden Stämme. Die zu den Kalebassen nöthigen Kürbisse werden theils auf den Maisfeldern, theils um die Hütten und Häuser angebaut.

Die kleinsten Kalebassen werden zu Schnupftabakdosen, jedoch nicht so häufig verwendet, wie bei den Betschuana. Auch an Löffeln fand ich die schönsten Formen im Marutse-Reiche. Die großen Schöpflöffel werden aus langhalsigen gebogenen, am unteren Ende plötzlich verdickten Kürbissen verfertigt; sie sind nicht selten mit eingebrannten Zeichnungen geschmückt, ihre Farbe meist gelb, bräunlich oder rothbraun. Die zweite Art der Löffel sind Holzlöffel, und zwar gibt es große, bis sechzig Centimeter lange, zum Auftischen von Mehlbrei, eingedickter Milch, gekochter Früchte etc. und kleinere, deren man sich bei Tisch bedient. Unter den Holzlöffeln ragen jene der Mabunda’s durch die mühevolle Arbeit sowie die eingebrannten Zeichnungen nicht nur im Marutse-Reiche, sondern in ganz Afrika hervor. Zum Zerstampfen von Korn fand ich hölzerne, pokalartig aus einem Holzstück verfertigte Blöcke und Mörser. Ferner findet man aus breiten Holzspänen gearbeitete Kornschüsseln zum Sieben des gestampften Getreides.

Die Flechtarbeiten machen den Bewohnern des Marutse-Mabunda-Reiches alle Ehre. Zu den einfachsten gehören kugelförmige, aus Gras sowie ebenso einfach aus Baobabrinde verfertigte Kornsäcke (fünfzig bis siebzig Zentimeter lang und dreißig bis fünfzig breit), ferner eine dritte Art aus Rohr und den Stengeln staudenartiger Gewächse oder Fächerpalmblätter gearbeitet; diese sind größer und dienen zum Transport getrockneter Fische und nuß- bis faustgroßer Früchte. Auch die aus fingerdicken, geflochtenen Bastfasern genetzten und Garnsäcke werden von den meisten Stämmen gleich rasch und gediegen gearbeitet.

Die einfachste Art der Körbe besteht aus einer cylindrischen, nach unten abgeschlossenen und an der Mündung mit einem hölzernen oder aus einem Riemen verfertigten Henkel versehenen Röhre, welche aus einer, unserer rothen Birkenrinde ähnlichen Rinde gearbeitet und mit Bast zusammengenäht wird. Sie dienen meist zum Sammeln der Früchte. Flechtarbeiten im engeren Sinne des Wortes sind die Makuluani-Körbe, d. h. Körbe, die aus lancettförmigen Blatttheilen der Fächerpalme verfertigt werden. Sie sind sehr gediegen gearbeitet und entsprechen vollkommen dem Zwecke, mit ihrem dicht schließenden Deckel und dichten festen Gewebe als Verschlußkästchen oder Truhen zu dienen. Sie haben eine gefällige, jedoch in zahlreichen Exemplaren nicht ein einziges Mal übereinstimmende Form. Die in der Barotse angesiedelten Matabele arbeiten Körbe aus Gras und Stroh so fein, dicht und gediegen, daß sie ein vollkommen wasserdichtes, zum Biertrinken benütztes Gefäß vorstellen.

Zu der best gearbeiteten Flechtarbeit wie zu den besten Handarbeiten der Marutse-Mabunda-Reiche überhaupt gehören unstreitig die beiden in der Barotse von den Marutse-Stämmen gearbeiteten Arten der Makenke-Körbe. Sie werden aus einem verhältnißmäßig schwierig zu bearbeitenden Material, den Wurzelfasern eines ahornartigen Strauches, des Mosura, verfertigt. Man unterscheidet zwei Arten: die eine ist stets deckellos und wird beinahe immer in einer und derselben Form und Größe geflochten, die zweite ist mit einem dichten, falzförmig eingreifenden Deckel versehen und zeigt die größte Verschiedenheit in Bezug auf Form und Umfang. Im künstlerischen Werthe stehen sich beide gleich. Ich sah kein einziges Exemplar ohne Verzierung durch eingeflochtene, schwarz gebrannte oder dunkelgefärbte Fasern (Strähne) hergestellte Zeichnungen. Dies Alles macht diese Körbe selbst in der Barotse beachtenswert, in den anderen Theilen des Reiches bekommt man sie kaum zu Gesicht; ja es hatte große Schwierigkeiten, in Schescheke, am Hofe des Marutse-Herrschers, einige zu erstehen.

Die im Haushalte und von den Männern bei ihrer täglichen Beschäftigung gebrauchten Messer sind scheidenlos und bestehen aus einer dünnen, scharf zugespitzten, oft an der Schneidekante ausgebogenen oder im Ganzen sichelförmig gebogenen Eisenklinge, die fest in einen kürzeren, mit Leguan- oder Schlangenhaut überzogenen Griff eingefügt ist. Unter den Waffen unterscheide ich Wurf-, Stoß-, Hieb-, Schneide-, Schlag- und Schutzwaffen. Zu den ersteren gehören gewisse Arten der Assagaie und Stöcke; zu den zweiten andere Arten von Assagaie und Dolche; zur dritten Kategorie Schlachtbeile; zur vierten Messer, Dolche; zur fünften Stöcke und Kiri’s und zu der letzten Kategorie Schild und Stock.

Die Assagaie zeigen durchwegs gefällige Form, gute Arbeit, sind sinnig den verschiedenen Zwecken entsprechend erdacht und repräsentiren die besten Producte dieser Art, die ich bis jetzt in Südafrika zu beobachten Gelegenheit hatte. Ihre Assagaie stehen weit über denen der Betschuana und Makalaka. Von den verschiedenen Arten derselben erwähne ich die Häuptlings-Assagaie; sie gelten als waffenartige Abzeichen höherer Würdenträger, gehören zu den kräftigsten, aber auch selteneren Waffen. Sie sind 1½ bis zwei Meter lang, wovon ein Dritttheil auf den Eisentheil kommt; der Stiel ist der stärkste unter allen nördlich vom Zambesi bekannten Hand-Assagaien und gewöhnlich an seinem oberen, noch häufiger in der Mitte und am unteren Ende ausgeschnitten, zuweilen auch mit eingekerbten Linien, Ringen etc. verziert.

Der Hand-Assagai dient zur Bewaffnung der Rechten im Handgemenge und ist eine furchtbare Waffe, namentlich in der Hand der Matabele. Er zeichnet sich durch eine zur Hälfte ausgeschliffene Längsleiste an der Schneidefläche, durch einen starken, mit erhabenen Ringen versehenen Hals und einen kurzen festen Stiel aus, dessen unteres Ende durch ein fingerdickes Eisenband beschwert ist.

Der lange Schlacht-Assagai ist das Gegentheil des vorher genannten; er ist leicht, mit langem Stiel versehen und dient als Wurfwaffe. Er wird 1¾ bis 2¼ Meter lang gearbeitet, die Schneide ist einfach, der Hals von mäßiger Länge.

Im Gebrauche sind ferner kurze und lange Jagd-Assagaie, deren Hals mit einseitigen oder beiderseitigen Widerhaken versehen ist; der Hauptunterschied liegt darin, daß die Schneide, d. h. das Eisenblatt nach abwärts harpunenartig ausläuft oder die gewöhnliche Speerform zeigt.

In Bezug auf die Gebrauchsweise werden die letzteren in solche für kleine und mittelgroße Gazellen und kleine Raubthiere, und solche für starkes Hochwild, wie Büffel, Zebra, Gnu, Nashorn und große Raubthiere, Pardel, Löwe etc. eingetheilt.

Der eigentliche Krokodilspeer gehört zu den längsten Assagaien und zeichnet sich durch die Anheftungsstellen der Widerhaken aus, von denen er nur vier zählt. Die Schärfe gleicht jener der früher beschriebenen, der Hals zeigt an der Uebergangsstelle an der Schneide beiderseitig einen Widerhaken und ein gleiches da, wo er in den Stiel einläuft, doch hier sind dieselben nach aufwärts gekehrt.

Im Gebrauche stehen weiters zwei Arten von Wurf-Assagaien, deren man sich zur Erlegung der zahlreichen Ottern bedient. Die Schneide, ähnlich der des vorigen, ist zehn bis zwanzig Centimeter lang, schmal, sehr scharf und ziemlich stark. Der Leguan-Assagai ähnelt in Allem dem Schlachtassagai, nur daß seine Schneide um die Hälfte kleiner ist.

Der Fisch-Assagai entbehrt der lanzenartigen Schneide und ähnelt einem mit einer vierkantigen, ungezähnten, nur am Ende abgerundeten Spitze versehenen Leguan-Assagai. Die Widerhäkchen an den Kanten sind besonders scharf seitwärts und etwas nach aufwärts gekrümmt und zeigen vortreffliche Arbeit. Derselbe entspricht vollkommen seinem Zwecke und gehört zu den häufigsten Assagai-Formen im Reiche.

Der Nilpferd-Assagai ist der längst gestielte und einer der einfachsten, der Stiel ist zwei bis drei Meter lang und nur bei dieser Waffe aus weichem Holz verfertigt.

Die dreizehnte der wichtigen Assagai-Formen ist der Elephanten-Assagai. Derselbe ist ganz aus Eisen verfertigt, an seinem unteren Stabende verdickt oder breiter gearbeitet und in seiner Mitte mit einem kurzen ledernen Ueberzug versehen.

Die Fallgruben-Assagaie sind die am einfachsten gearbeiteten; sie werden in Fallgruben mit den Stielen eingegraben und mit den Schneiden nach aufwärts gestellt, um gelegentlich bei der Jagd auf Wasser-Antilopen verwendet zu werden.

Die Stoßwaffen schließe ich mit den Mabunda-Dolchen, welche unstreitig zu den niedlichsten Waffen des Marutse-Mabunda-Reiches gehören. Während die Bamangwato-Dolche nicht zu verachtende, jene der Matabele gefürchtete Waffen genannt werden müssen, zeichnen sich die im Marutse-Reiche durch ihre zierliche und lobenswerthe Arbeit aus. Das Auffallendste an ihnen sind die durchbrochenen, mehr oder weniger in der Form einer flachen Saturnuslampe gearbeiteten Scheiden. Dieselben wie die Griffe sind aus hartem Holz gearbeitet, mit Schnitzereien besäet und durch Einbrennen so gut geschwärzt, daß man bei dem ersten Anblick Ebenholz als Material vermuthen würde. Die Klinge ist aus minder gutem Eisen, sowie minder gut als die Assagaie, Schlachtbeile etc. gearbeitet, dafür ist jedoch große Mühe auf eingeschlagene Zierrathen verwendet, welche zumeist die breiten Flächen, der dünnen Klinge bedecken. Diese Zierrathen bestehen in Arabesken, symmetrischen Figuren, Menschen- und Thiergestalten.

Die Wurfstöcke sind 1 bis 1½ Meter lang, finger- und doppelfingerstark und in der Regel an einem Ende etwas verdickt.

Die Schlachtbeile zeigen, den Stämmen des Reiches entsprechend, eine sehr mannigfache Form. Sie übertreffen jene der südlich vom Zambesi wohnenden Stämme meist durch ihre gefällige Form, ihre Leichtigkeit, sowie durch die gute Eisen- als auch die gewählte Holzarbeit am Stiele. Während ich bei den Betschuana’s, Kaffern, Makalaka’s und den Matabele die dünnen Tomahawk-Klingen nie fest im Stiele sitzen sah, können diese nicht fester in den Stiel eingefügt werden. Dieser ist aus hartem Holz verfertigt, mit eingebrannten Zeichnungen versehen, einfach, doch entsprechend geformt, das Ganze leicht, geschmeidig wie eine Spielerei in der Hand eines Erwachsenen, und doch eine tüchtige Waffe im Handgemenge.

Die gewählteren Formen der Messer, die zumeist zum Holzschneiden und sonstigem Gebrauch, in seltenen Fällen zur Vertheidigung benützt werden, übertreffen die gewöhnlichen Küchenmesser an Länge und feiner Arbeit. Die sanft sichelförmig gekrümmte Klinge hat einen auffallend starken Rücken und zeigt oft eingeschlagene Zierrathen mannigfacher Art. Sie sitzt tief im plattgedrückten, oft recht anmuthig geschnitzten, bisweilen durchbrochenen und dunkelbraun polirten Stiele.

Die Kiri’s sind kurze rundliche, an einem Ende dick-kugelförmig angeschwollene Stöcke. Im Marutse-Reiche werden sie aus verschiedenen harten Holzarten und aus der Waffe des Nashorn’s gearbeitet; die aus dem ersteren Material sind mannigfacher, die kugelförmige Anschwellung des oberen Endes hühnerei- bis faustgroß, oft ausgeschnitzt, der Stock vierzig bis siebzig Centimeter lang, mit einem Stärke-Durchmesser von zwei bis vier Centimeter, oft polirt, das untere Ende gespitzt, abgerundet oder scharf abgestutzt, seltener mit einem Eisenreifchen versehen.

Zu den Schutzwaffen gehören vor Allem die Schilde, in deren Verfertigung die Stämme des Marutse-Reiches keine so hervorragende Stellung einnehmen als die südlich vom Zambesi wohnenden Eingebornenvölker. Ihre Schilde gleichen denen der Betschuana, sind größer als jene der Zulu-Race und der Masarwa und meist aus schwarzweiß-gescheckter Rindshaut verfertigt.

Ich schließe die Besprechung der Schutzwaffen und der Waffen im Allgemeinen mit den zur Abwehr üblichen Langstöcken; diese sind 1¾ bis 2½ Meter lang, 1 bis 1½ Centimeter stark (im Durchmesser) und meistens an beiden Enden mit spiralgewundenen Eisenreifchen versehen.

Zur Zeit meines Aufenthaltes im Marutse-Reiche bezifferte sich die Zahl der von Westen und Süden eingeführten Gewehre auf 500 Feuerstein-Musketen, 1500 gewöhnliche Percussions-Musketen, 80 Percussions-Gewehre auf Elephanten, 150 Rifles, 30 Percussions-Doppelgewehre aller Art, 10 Hinterlader und 3 Revolver. Nach meiner Abreise wurden sehr viele und zwar die besseren Gewehre von den Aufständischen in den Zambesi geworfen und da seitdem nur eine unbedeutende Anzahl neu erstanden wurde, so mag sich die gegenwärtige Zahl der Schußwaffen auf eilf- bis zwölfhundert belaufen.

Kalebassen für Honigbier und Korn bei den Marutse und Mabunda.

Die Bekleidungs-Industrie steht bei den Völkern des Marutse-Reiches nicht auf jener Stufe, welche andere Industriezweige einnehmen. Wohl ist der Schnitt an den Carossen und übrigen Kleidungsstücken ein gewählterer und zweckentsprechenderer, allein die Fertigkeit, gleichfarbige Felle, so anzureihen, daß die Farben selbst in sanfteren Nuancen ohne das Auge zu beleidigen zu einander passen, ja oft so geschickt zusammenzustellen, daß man sie beim Ansehen der behaarten Fläche gar nicht als Felle verschiedenartiger Thiere beurtheilen würde; ferner die Kunst, beschädigte Stellen an den Fellen (Schußlöcher, Bißwunden) mit genau entsprechend gefärbten und lang behaarten Einsätzen so auszubessern, daß dies in der Regel nur beim Ansehen der haarlosen Fläche erkannt wird, ist ihnen nicht eigen.

Tabaks- und Dachapfeifen der Marutse und Mabunda.

Während der Betschuana zu Bekleidungsstücken oder um einen guten Verkaufsartikel zu gewinnen, nur gleichartige Thiere ihrer Felle beraubt, ja, wo er z. B. viele Felle einer Art sammelt, dieselben in lichtere und dunklere, in dicht- und spärlich behaarte, oft sogar noch in große und kleine sortirt, und nur die in der Farbe, Behaarung und Größe einheitlichen Felle zu einer Carosse verarbeitet, finden wir im Marutse-Reiche zumeist die Felle verschiedener Thiere unsymmetrisch in einer Carosse zusammengeworfen, von Farben-Nuancen und Größen-Verhältnissen gar nicht zu reden. Auch vermißte ich an ihren Carossen die aus den Fellabfällen (wie Füße, Schwänze etc.) bei den Betschuana verfertigten Fransen und Umsäumungen werthvoller Stücke. In der Näharbeit, die mit der Ahle und gefaserter Thiersehne ausgeführt wird, stehen sich die Stämme nördlich und südlich des Zambesi gleich.

Bezüglich der Bearbeitung der Felle habe ich Folgendes beobachtet: die glattgar zu bearbeitenden, zu Schürzen, Sandalen, Riemen, Säcken etc. verwendeten Felle werden befeuchtet und einige Zeit hindurch eingerollt gehalten, dann die Haare mit der Hand oder mit einem stumpfen Messer abgekratzt und das Fell mit dieser Fläche nach abwärts gekehrt, auf einer glattgescheuerten Stelle ausgespannt und mit Holznägeln längs des Randes an den Boden befestigt. Mit Hilfe eines keilförmigen, vertical in einen daumendicken Stab eingelassenen Eisens oder eines Schabbeilchens »Pala« genannt, an schwächeren, an dicken Fellen mit Hilfe von zehn bis zwanzig in ein Bündel zusammengebundenen, zehn bis fünfzehn Zentimeter langen vierkantigen und scharfspitzigen Nägeln wird die Innenseite des Felles von allen noch etwa ihr anhaftenden Fleischresten, Sehnenfasern etc. freigeschabt, das Fell beiderseits mit fettigen oder öligen Substanzen gut eingerieben und der Proceß damit geschlossen, daß zwei bis sechs Männer in hockender Stellung im Tacte und unter Gesang, das Fell mit ihren Händen pressen, Stelle an Stelle an einander reiben, bis sich das Fell trocken und geschmeidig anfühlt.

Die schon früher erwähnten baumwollenen Tücher und Decken sind eine der besten industriellen Arbeiten des Marutse-Reiches. Das Gewebe ist ein gutes, d. h. ein festes und durchaus nicht grobes zu nennen, ja es zeigt sogar etwas Kunstfleiß, da wir oft dunklere Streifen symmetrisch in das hellere Gewebe eingewoben finden.

Das Ackergeräthe ist zwar sehr einfach, da wir es eigentlich nur in einer Grabhacke vertreten finden; allein dieser einzige Gegenstand übertrifft an Brauchbarkeit beinahe alle südlich vom Zambesi angewendeten Geräthe. Das Eisen am gewöhnlichen Holzbeil ist ungewöhnlich stark, ähnelt in Form einigermaßen dem Schlachtbeile und ist zuweilen mit erhabenen, ausgefeilten Zierrathen im Längendurchmesser versehen. Der Stiel ist 50 Centimeter lang, stark und gerade. Zum Aushöhlen der Canoë’s und Töpfe, zur Bereitung von brettförmigen Holzstücken bedient man sich der Beile, die in Form mit der »Pala« übereinstimmen, in der Größe je nach dem Gebrauchszwecke variiren. Auffallend gut fand ich Eisen an den Hämmern, welche an Brauchbarkeit jene der Betschuana weit übertreffen. Meißelartige Geräthe für weiches Material wie für Metall, sind klein oder größer, von viereckiger oder rundlicher Nagelform.

Bohrinstrumente werden mit Hilfe von mit Fidelbögen getriebenen Drehwalzen, in welche sie eingesetzt werden, gehandhabt. Hieher gehören auch uns nachgeahmte spiralförmig gearbeitete Kugelzieher, Schrauben etc., die wieder mit eigens gestalteten Feilen erzeugt werden. Zangen sind zwar sehr primitiver Natur, doch entsprechen sie ihrem Zwecke vollkommen. Nägel erzeugt man in der mannigfachsten Form und bedient sich dabei wie bei den Schmied- und Schlosserarbeiten überhaupt eines einfachen Ambosses.

An Rudern fand ich drei Arten vor: lange, kurze und Jagdruder; die letzteren sind ausschließliches Eigenthum des Königs und bilden mit dem größten Theile der beiden anderen Arten Tribut-Artikel. Die langen sind drei, die kurzen zwei Meter lang und stets aus hartem, astlosem Holze gearbeitet. Sie sind an ihrem breiteren Ende schmäler als die kurzen und hier gerade abgeschnitten, die kurzen schiffchenförmig in eine Spitze zulaufend, beide mit eingebrannten Zeichnungen und Schnitzereien, doch nicht so häufig wie bei den Jagdrudern versehen. Diese letzteren sind an ihrem unteren Ende gabelförmig gespalten, über der Spaltspitze geht quer eine Drahtklammer durch den Ruderstock, um das Bersten zu verhindern. Die Jagdruder sind in der Regel drei Meter lang und werden bei den während der Zambesi-Ueberschwemmungen unternommenen Letschwe- und Puku-Jagden gebraucht.

Die Tabakspfeifen sind in doppelter Form gearbeitet, die einfachere ist in der westlichen Hälfte des Reiches, die zweite im Süden vorherrschend. Die erstere ähnelt im Allgemeinen den türkischen Pfeifen und besteht aus einem einfachen bis einen Meter langen, daumendicken, geraden, zuweilen mit eingebrannten Zeichnungen versehenen Rohrstück und einem aus gebranntem Thon gearbeiteten, meist schwärzlichen oder grauen, mit eingebrannten Linien, Kreisen, Arabesken bedeckten, verhältnismäßig kleinen Pfeifenkopfe. Die zweite Form der Tabakspfeifen ist im Stiele abweichend, der aus einer länglichen, oft eingeschnürten Calebasse verfertigt ist; das obere, dünne Kalebaß-Ende dient als Mundstück. Auf kurzen Ausgängen vergißt der Eingeborne nie seine Tabakspfeife, namentlich dann nicht, wenn er in Gesellschaft des Weißen reist. Der Tabak wird in kleinen Tuch-, Calico-, meist jedoch Lederlappen an der Carosse oder am Gurte befestigt.

Als unzertrennlicher Genosse auf längeren Reisen gilt jedoch die Dachapfeife, die in ihrem Wasserbehälter eine große Mannigfaltigkeit zeigt. Dacha — sind die getrockneten Blätter einer Hanf-Art, die in ganz Süd-Afrika von den Eingebornen um ihre Behausung gepflanzt, als ein leicht berauschendes Mittel durch eine Wasserpfeife geraucht wird. Die Dachapfeifen bestehen aus drei Theilen, dem Kopfe, einem Rohrstab und dem das Wasser enthaltenden Horn, durch das der Rauch gezogen wird, wobei der Raucher mit dem Munde die breite Oeffnung umfaßt und so den Rauch anzieht. Dies erzeugt einen Hustenreiz und je heftiger derselbe, desto höher hält der Eingeborne den Genuß.

Obgleich wir Schnupftabakdosen bei allen südafrikanischen Eingebornen sowohl als eigene Fabrikate als auch in von den Weißen erhandelten Stücken zahlreich vertreten finden, so habe ich doch in keinem Eingebornen-Reiche eine solche Auswahl eigener Arbeit in diesem Artikel gefunden wie bei den Marutse. Man verwendet zu Tabakdosen Elfenbein- und Nilpferdhauer, Säugethier- und Vogelknochen (Röhrenknochen); Geweihhorn, Nashorn; Thierklauen; die Haut von Schlangen, Leguanen; Leder (Säckchen), Holz in mannigfacher Form; Rohr; Fruchtschalen von Kürbissen; Fruchtschalen kleiner, rundlicher oder länglicher Busch- und Baumfrüchte; Rinde und endlich von den Weißen eingeführte Metalldosen.

Die Dosen aus Elfenbein sind im Allgemeinen mit kleinen, ringförmigen eingebrannten Zeichnungen versehen und werden an Glasperlen-, Bast- oder Riemenschnüren befestigt, am Gurte oder an den Armringen getragen. Ich fand sie nur bei den Wohlhabenderen im Gebrauche. An Gestalt ihnen nächstverwandt sind die aus dem Horn des Rhinoceros verfertigten Schnupfdosen; beide Arten Dosen haben nur eine kleine Halsöffnung, während die Betschuana’s noch eine zweite Oeffnung an der Basis anbringen.

Die aus Rohr und Vogelknochen gearbeiteten gehören zu den einfachsten und werden meist von Knaben und Mädchen gebraucht. Die aus den Hörnern von Hausthieren und Wild geschnitzten sind von einfacher Form, oft jedoch durch Schnitzereien verziert, am häufigsten bei den Makalaka’s anzutreffen. Die gewöhnlichste Form haben jene aus Fruchtschalen, während andere zu drei bis fünf an einem Riemchen hängend, meist von Frauen an ihren Carossen befestigt werden; außerdem trachten die schwarzen Schönen diese kleinsten der Tabakdosen dunkel zu poliren, wodurch sie recht nett und glänzend schwarz, dunkelviolett oder bräunlichviolett erscheinen. Die meisten Schnitzereien und eingebrannten Zeichnungen verwendet man an den hölzernen, doch scheinen diese mehr den ärmeren Stämmen, wie den Mamboë’s, Manansa etc. eigen zu sein, die sich auch in vielen Fällen einfacher Tuch- und Lederläppchen bedienen. Ist eine Dachapfeife für einen reisenden Bewohner des Marutse-Reiches unentbehrlich, nimmt er bei kleineren Ausgängen einen Kiri, Stock etc. mit, so muß seine Tabakdose sein treuester Gefährte bei Tag und Nacht, beim Ruhen und Arbeiten, bei seinen kurzen Besuchen und langen Reisen genannt werden.

Als Schmucksachen gelten Gegenstände, die nebenbei einem anderen Zwecke dienen, wie Amulete, Kapseln, Schnupftabakdosen, Dosen für Heil- und Beschwörungsmittel und am Körper getragen werden. Das Material zu denselben liefern Metalle, massive und Röhrenknochen, Elfenbein, Zähne verschiedener Thierarten, ebenso Hautstücke und hornige Bestandtheile, Hörner, Krallen, Klauen und Schuppen größerer Amphibien, Schildkrötenplatten, Schuppen vom Schuppenthiere etc., Federn, Muschelschalen, Talg, Holz, Gras, Bast, Rohr, Früchte, Fruchtschalen und Samen.

Unter den aus Metall erzeugten Toilette-Gegenständen fand ich Ringe (Fingerringe), Armbänder, Fuß- und Wadenringe, sowie unbedeutende kleine Ohrringe aus Eisen, Kupfer und Messing; Gold vermißte ich vollständig. Die Eisen- und Kupfersachen waren theils aus eigenen Schmelzhütten hervorgegangen, theils waren sie aus von den Weißen erkauftem Eisen- und Kupferdraht, die messingenen nur aus dem von den Weißen erstandenen Messingdraht gearbeitet. Die eingeführten Toilette-Artikel werden sehr selten in ihrer ursprünglichen Form benützt, sondern ihr Material zumeist umgeschmolzen und dem Landesgebrauch entsprechend umgearbeitet. Unter den aus eingeführtem Metalle erzeugten Objecten stehen die fingerdicken und von den Frauen der Wohlhabenderen, z. B. von den Königinnen, zu zwei bis acht auf einem Fuße getragenen Fußringe im größten Ansehen. Ringe aller Art (Fuß-, Armringe etc.) aus heimischem Eisen und erhandeltem Eisendraht werden meist von den niederen Ständen getragen; ihre Menge ist jedoch geringer als jene der aus Messing verfertigten, am seltensten sind Armringe aus Kupfer. Gewöhnlich trägt man einen bis zwei, die Frauen der Koschi und Kosana zwei bis drei, selten vier je an einem Fuße. Da der Herrscher den besten und stärksten Draht selbst kauft, den Unterthanen nur die weniger gute Sorte zu erstehen möglich ist, so finden sich auch die meisten und ansehnlichsten metallenen Schmuckringe in der Residenz und in der Barotse, sowie im Makalaka- und Matonga-Lande (Tributzahler) und nehmen nach dem Norden und Nordosten des Reiches rasch ab, wo sie einigermaßen durch aus selbstgewonnenem Eisendraht verfertigte Objecte vertreten werden. Die einfachen, aus dünnem Messing-, Kupfer- oder Eisendraht gearbeiteten unansehnlichen Ohrringe weichen nur unbedeutend von denen der Betschuana’s ab.

Mannigfach sind die aus Bein, namentlich aus Elfenbein verfertigten Artikel; die wichtigsten sind jedoch die fingerdicken Arm- und Fußringe. Die Elfenbeinringe werden gedrechselt, passen genau den Stellen an, an denen sie getragen werden, sind stets fein, ich möchte sagen fehlerfrei gearbeitet, und wenn sie auch der Schnitzereien und eingebrannt Zierrathen entbehren, eine elegante Arbeit. Es kostete mich auch nicht geringe Mühe, einiger dieser Objecte habhaft zu werden. Außer den Bracelets verfertigt man aus Elfenbein allerlei kleine, längliche Kapseln, cylindrische Stäbchen, Plättchen mit eingebrannten Ringelchen und Linien, die man durchbohrt und mittelst feiner Bastschnüre in das Haar befestigt. Ziemlich häufig finden wir Haarnadeln vertreten, die gleich den vorigen Gegenständen auch aus den Röhrenknochen der Thiere und häufig aus Nilpferd-Elfenbein verfertigt, in ihrer oberen, stärkeren Hälfte mit eingebrannten Zeichnungen und Schnitzereien verziert werden. Mannigfach sind die kleinen Schmuckgegenstände, die aus Holzstäbchen und Plättchen, Fasern und kleinen Gazellenhörnern oder aus den Spitzen der Hörner größerer Thiere gearbeitet werden. Meist werden sie mittelst Baststrängen an das wollige Haar befestigt oder an Schnürchen gefädelt und als Bracelets getragen. Man sieht Miniaturstäbchen, cylindrische oder kleine Kegelchen, Zöpfchen etc. Als unerreichtes Product der Holzschnitzerei unter den südafrikanischen Stämmen, können die dünnen, anmuthig geschnitzten, langzähnigen Haarkämme der Marutse gelten.

Sklaven verfertigen sich Arm- und Fußringe, sowie Bracelets und sogar Halsringe aus ungegerbten Gnu-, Zebra- und Büffelfellen, die Masarwa erzeugen die Stirnbänder aus Zebra-Mähnen. In allen Fällen wird die Haarseite nach Außen getragen. Vielerlei Zierrath wird auch aus den feinen wie gröberen Haaren und aus den Borsten der Säugethiere verfertigt. Aus den feineren Haaren, sowie den steifen Widerrist-Haaren arbeitet man Büschelchen, Fransen, Quasten, kreisrunde Scheiben, einfache oder zwei bis drei aufeinander ruhend, von einem Durchmesser von drei bis fünfzehn Zentimeter, ferner Ballen und Wülste, an welche man Riemen befestigt, um sie beim Tanzen um das Kinn zu binden. Die meisten dieser Schmuckgegenstände werden mit Riemchen und Strängen versehen und zur Ausschmückung des Kopfhaares benützt. An diese Formen schließe ich den Kopfputz aus Vogelfedern an. Viele schmücken ihr Haupt mit zwei bis drei schönen Einzelnfedern. Diese Federbüsche werden bei der Ankunft in des Herrschers Residenz, ferner bei Tänzen, Jagdausflügen und während eines Raubzuges oder Krieges aufgesetzt. Bei den Matabele bilden sie einen wesentlichen Theil des Nationalschmuckes und ich erwarb einen, der größere Dimensionen aufwies, als der Kopf des Trägers.

Aus Gras, feinen Holzfasern, Bast und Stroh, werden nette Armbänder etc. geflochten, bei weitem kunstvoller von den Stämmen des Marutse-Reiches, als sie sich z. B. bei den Menons und Makalaka’s südlich vom Zambesi vorfinden, wo diese Industrie doch ziemlich im Schwunge ist. Der Masupia- und Marutse-Knabe ist schon in der Wahl des Grases vorsichtig; es muß nur bestimmten Grasarten angehören, zu bestimmter Zeit gesammelt und entsprechend zubereitet werden, um in dem einen Falle eine stechend gelbe, im andern eine carminrothe Farbe zu zeigen, dann wird auch die Flechtarbeit sorgsam ausgeführt — all’ dies kümmert die Makalaka-Knaben wenig, wenn sie auch so manche Stunde der Grasflechterei für Schmuck- und Haushaltungszwecke widmen.

Dachapfeifen der Mabunda, Marutse und Masupia.

Die Säugethier- und Vögelklauen werden aufgefädelt als Bracelets getragen oder je zwei an einer Schnur aufgefädelt, an der Hinterhauptwolle befestigt. Von kleinen Wasserschildkröten bedient man sich der Gesammtschalen, um von diesen eine in der Scheitelhöhe oder drei in Reihenfolge auf der Längsmittellinie des Kopfes zu befestigen. Kleine Muscheln, wie sie die Portugiesen von der Westküste bringen, kleine runde Tarsus- und Carpusknöchelchen, dunkel bis glänzend schwarz polirt, Samen und kleine hartschalige Früchte werden an Roßhaar- und Gras-Schnürchen gefädelt, und als Bracelets, als Fußringe und als Haarschmuck getragen.

Scene am Zambesiufer in Schescheke.

Die von den Händlern eingeführten Toilette-Artikel (insbesondere Glasperlen) cursiren als Geldmünzen, dabei herrscht bei diesem oder jenem Stamme der Geschmack für bestimmte Farben vor; manche, wie z. B. die hell- und dunkelvioletten, gelben und blaßrothen, werden gar nicht beachtet. Die gesuchtesten sind die himmel- und dunkelblauen, dann folgen zinnober- und rostrothe, weiße, schwarze, grüne, sämmtlich klein mit einem Längendurchmesser von etwa 1½ Millimeter. Unter den mittelgroßen (Längendurchmesser etwa drei bis vier Millimeter) strebt man meistens nach den hellblauen, rostrothen, und unter den großen (sechs Millimeter bis einen Centimeter im Längendurchmesser) nach den mehrfach gefärbten (mehrere Farben in einer Perle), weißgefleckt auf schwarzem, dunkelviolettem Grunde, hauptsächlich aber nach schwefelgelben und grünen. Die Form der Glasperlen ist den Stämmen gleichgiltig.

Wäre man noch so krank nach einer Reise im Marutse-Reiche, und hätte man noch so viele Träger nothwendig, man wird mit einem genügenden Vorrathe schöner blauer Glasperlen nie an Mangel leiden; weder Herrscher, Koschi und Unterthan, weder Frau und Kind, noch Freier und Sklave könnten dieser Verlockung widerstehen.

Die Ueberlegenheit der Völker des Marutse-Reiches über jene südlich des Zambesi in der Verwendung dieser Schmuckgegenstände besteht darin, daß die Glasperlen in richtiger Menge und geschmackvoll in Ringen, Strängen etc. über den Körper vertheilt werden; in richtiger Menge, d. h. über Glieder und Rumpf so vertheilt, daß sie den Körper nicht belasten, nicht überladen, was wir z. B. in Bezug auf die unteren Extremitäten bei den Bakwena’s, Bamangwato’s etc. und bezüglich der Arme, des Halses und Rumpfes bei den Menon’s, Makalaka’s südlich vom Zambesi beobachten können.

Als Anhang zu den Toilette-Artikeln will ich noch einige Worte über die Behandlung des Kopfhaares folgen lassen. Daß die meisten Stämme auch auf die Pflege des Kopfhaares viel Sorgfalt verwenden, konnte ich wiederholt beobachten, ja ich fand sogar sehr viele, die sich regelmäßig kämmten, während andere, wie z. B. der Stamm der Mankoë, von Natur aus ein längliches Wollhaar besitzend, dieses wie aufgepudert tragen, was diesem stattlichen Menschenschlage zur Zierde gereicht. Manche der Marutse flechten ihr kurzes Wollhaar in Zöpfchen, je zwei bis vier Stränge zu einem Zopfe vereinigend. Ich vermißte bei den Stämmen des Reiches, sowohl das bei den Betschuana übliche Betünchen der Haare mit Eisenstein, als auch die Ring- und Kronenfrisur der Zulu’s.

Spielsachen bestehen meist in Thongebilden, in deren Erzeugung sich die aufwachsende Jugend recht geschickt zeigt. Die zumeist gearbeiteten Figuren stellen Kischi-Tänzer in ihren Verzerrungen, Männer als Jäger und Reiter, gehörnte Thiere, ferner Elephanten, Nashorn und Nilpferde dar. Meist wird dazu dunkler Thon gewählt, und die menschlichen Figuren fünf bis zwölf Centimeter hoch, die thierischen fünf bis zehn Centimeter hoch und fünf bis zwölf Centimeter lang, gemodelt. Andere Spielsachen werden aus Holz ebenfalls in Figurenform geschnitzt, dies meist von den Mabunda’s, oder mit Figuren versehene Holzlöffel und Stücke den Kindern zum Spielen gegeben.

Matten finden sich in großer Mannigfaltigkeit vor, einfach, aber nett und mühevoll gearbeitet, oft mit dunkleren einfachen Bändern oder auch mit Figuren von gleichem Material durchflochten, zuweilen sind diese eingeflochtenen Zeichnungen von schwarzer, rother etc., von der gelblichen Matte gefällig abstechender Farbe. Sie sind verschieden geformt und werden zu verschiedenen Zwecken gebraucht, je nachdem sie aus Binsen, Gras, Stroh oder Rohr verfertigt sind.

Von den hölzernen Kopfkissen sieht man sowohl primitive als gut gearbeitete Exemplare; vorwiegend traf ich gefällige aus hartem Holz gearbeitete Stücke. Die hölzernen Stühlchen sind in der Regel kurz, zwanzig bis dreißig Centimeter hoch, zehn bis fünfzehn Centimeter im Breitedurchmesser, stellen durchbrochen geschnitzte, seltener solide, dann aber primitiv gearbeitete Holzcylinder dar, deren obere Fläche seicht ausgehöhlt ist. Die durchbrochene Schnitzerei des Stockes ist säulchenförmig, die Säulchen parallel zur Höhe laufend. Ein solcher wird hohen Personen bei allen Ausgängen stets von einem Diener nachgetragen.

Als vierten in diese Kategorie gehörenden Gegenstand muß ich noch die Fliegenwedel nennen. Sie bestehen aus zwei Theilen, dem Stiele und dem Wedel; der Stiel wird aus Holz, Rohr, Nilpferd-, Nashorn- und Büffelleder, in selteneren Fällen aus Gazellenhorn und dem Horn des Rhinoceros, der Wedel aus langen Widerristhaaren der Thiere, aus Mähnen und Roßhaar, aus den buschigen Schwänzen der hundeähnlichen Raubthiere und aus Federn gearbeitet. Am häufigsten sind jene aus Ochsen-, Gnu- und Schakalschwänzen. Der Wedel ist entweder in den Stiel eingelassen oder über denselben mittelst Bastfäden, Grasschnüren, Roßhaar, Thiersehnen etc. daran befestigt, der Stiel in der Mehrzahl der Fälle geschnitzt, mit eingebrannten Zeichnungen versehen, oder mit breiten Messing- und Kupferringen, mit aus Messing- und Kupferdraht und aus steiferem Roßhaar geflochtenen Ringen, oder aber mit Binden aus Schlangen- und Leguanhaut umspannt.

XIII.
Aufenthalt im Leschumo-Thale.

Abfahrt von Schescheke. — Renitente Bootsleute. — Ein treffliches Schreckmittel. — Die Fauna im Leschumo-Thale. — Diamond’s Jagdausflüge. — Der Häuptling Moja. — Eine interessante Naturerscheinung. — Sepopo’s Häscher. — Kapella’s Flucht aus Schescheke. — Schwere Gewitter. — Gährung im Marutse-Reiche. — Sepopo’s Niedergang. — Aufbruch nach Panda ma Tenka.

Lager im Leschumo-Thale.

Wie ich bereits am Schlusse des eilften Kapitels erwähnt, mußte ich, wenn auch mit innerstem Widerstreben, Schescheke verlassen, da ein längerer Aufenthalt daselbst mein Leben ernstlich gefährdet hätte. Nach einer Fahrt von einigen Stunden hielten die Bootsleute, die wohl wußten, daß ich Sepopo auf immer verlassen habe und sich deshalb um mich wenig kümmerten, an einigen Masupiahütten an. Ich ließ mich aus dem Boote heben und zu der nächsten Hütte führen. Sie war nur provisorisch von Masupia-Fischern errichtet worden, um die nöthige Abgabe an Fischen in den marschigen Lagunen ringsum zu erwerben. Ich erstand fünf Fische, gab jedem Diener einen und ließ einen für mich rösten.

Schon Nachmittags bemerkte ich, daß sich die Bootsleute unter keiner Bedingung kräftiger in ihre Ruder zu legen bemühten, und als wollte mich das Schicksal zu all’ den Mühen des Tages verspotten, hatten die Bootsleute eine Stelle für unser Nachtlager gewählt, welche nicht unwirthlicher und ungesünder sein konnte. Es war dies an einer kleinen hochbeschilften Insel unmittelbar vor einem Sumpfe, auf welcher sich zwei elende, periodisch von den Masupia-Fischern bewohnte Hütten befanden. Da mein Boot das letzte war, hatten die ersteren von den Hütten Besitz genommen, und es blieb meinen Dienern nichts übrig, als für mich eine Hütte zu erbauen. In 2½ Stunden war diese fertig, als sie hierauf mit Hilfe der Bootsleute mein Gepäck aus den Booten heraus und in die Grashütte geschafft hatten, zeigte es sich, daß diese zu klein, namentlich zu niedrig errichtet worden war und daß man mich eben mit Mühe hinein zerren und auf die Kisten zu legen vermochte. Mein Gesicht berührte das Gras des Hüttendaches, welches noch vom vorigen Jahre vom Hochwasser auf die Insel angeschwemmt, hier ringsum gesammelt worden war; es war feucht und ein widerlicher Geruch entströmte demselben, der sich mit der Ausdünstung des Sumpfes vermengte. An Schlaf war unter diesen Verhältnissen nicht zu denken. Mein Bootunglück, die mißlungene Weiterreise und zahllose andere folternde Gedanken ließen mich eine höchst unerquickliche Nacht verleben. Die Nilpferde, wie auch die Riesenreiher ließen sich mehrmals hören, die einzigen Laute, welche die Stille der Nacht unterbrachen. Vor Mitternacht tauchten mehrere kleine Wolken auf, die sich sehr schnell vermehrten und bald darauf den Himmel so verdunkelten, daß ich auch nicht ein einziges Sternlein mehr erblicken konnte. Mein durch die Krankheit ohnehin angegriffenes Gemüth empfand die zunehmende Schwüle in der Atmosphäre um so schwerer.

Nach Sonnenaufgang verließen wir die Stelle, um unsere Fahrt flußabwärts wieder aufzunehmen. Die Art und Weise, in der die Bootsleute die Kähne luden, und sich während der Fahrt benahmen, mahnten mich, auf Aergeres gefaßt zu sein. Je mehr ich auf rasche Fahrt drang, desto langsamer ging diese von statten, ja als sich ein leichter Wind erhob, landeten die Männer auf einer Sandbank und wollten sich nicht von der Stelle rühren; die Androhung der von Sepopo zu erwartenden Strafe hatte keinen Erfolg. Ich versprach Glasperlen, ich drohte, meine Diener schimpften, doch alles vergeblich. Die Leute fingen an zu lachen, die einen legten sich auf den Sand, um zu schlafen, die anderen, um sich an meiner Schwäche und Hilflosigkeit zu ergötzen. Als ich sah, daß alle meine Versuche erfolglos blieben, nahm ich meine Zuflucht zu einem Schreckmittel, um mir bei diesen Menschen Respect zu verschaffen. Ich saß am Bug des einen Kahnes, als es mir einfiel, den an die Musketen gewöhnten Marutse meinen Hinterlader zu zeigen. Ich ließ mehrmals das Gewehr in der Sonne blinzeln, wählte mir einen einzeln aus dem Wasser hervorragenden Rohrhalm, der sich auf einem freien Raume zwischen zwei Gruppen der widerspänstigen Bootsleute erhob und feuerte drei Schüsse auf denselben ab. Der erste Schuß traf, die wirklichen und die sich verstellenden Schläfer sprangen auf die Beine, rasch darauf fiel der zweite Schuß und schlug nahe seinem Ziele ein, worauf die Leute in ihre Boote sprangen, und als zufällig die dritte Kugel den übrig gebliebenen Stumpf rasirte, hatten die ersten Kähne schon abgestoßen und meine Bootsleute hinderten mich am abermaligen Gebrauche des Carabiners.

»Es saust zu viel in den Ohren, Herr! Wenn Du schießen willst, dann bringen wir Dich nach Impalera, und dort findest Du auch viel Polocholo (Wild).« Schon drei Stunden nachher landeten wir unter dem Makumba-Baobab. Der Himmel hatte sich aufgeklärt und von den bewaldeten Hügeln der Impalera-Insel wehte uns eine frische Brise entgegen, die auf mich wie ein erfrischender Labetrunk wirkte. Ich erhob meinen Carabiner, um einige der über mir hängenden Baobabfrüchte herabzuschießen. Während die Bootsleute die Kähne entluden, eilten meine Diener in den Wald, um Früchte für mich zu sammeln. Zu meinem freudigen Staunen traf ich Blockley hier an, er war eben im Begriffe, mit Gütern nach Schescheke zu gehen.

Am 13. gelang es mir, für sechs Meter Calico einen Miniatur-Ziegenbock und eine größere Quantität Korn sowie siebenundzwanzig lebendige Finken (verschiedener Art) zu erstehen, welch’ letztere ich leider schon am folgenden Morgen bis auf drei einbüßte. Als ich Morgens nach den Thieren sah, fand ich alle bis auf drei todt, sie waren von einer rostrothen Termite, die zu Tausenden in den Käfig gedrungen war, getödtet worden. Ich hatte diese Termitenart früher nie beobachtet; der Kopf war beinahe von der halben Körperlänge und die Fänge so stark, daß sie sich wie eine Zecke einbeißen konnten.

Am 14., an dem Tage, an welchem Blockley nach Schescheke gehen und ich nach Süden reisen wollte, kamen Masupia-Schiffer von der genannten Stadt und riethen meinen Bootsleuten sowie den Bewohnern von Impalera ab, Blockley nach Schescheke zu bringen, da der König sein Herz gegen Dschorosiana Umutunja verschlossen habe.

Am 15. setzte ich über den Tschobe und hatte das dreifache an Fährgeld zu bezahlen, um das Marutse-Reich verlassen zu dürfen. Da ich um keinen Preis im sumpfigen Tschobe-Thale übernachten wollte, sandte ich meine Diener mit einem Theile des Gepäcks sofort nach dem Leschumo-Thale ab, wo Blockley zwei leere Wagen stehen hatte, um mich in diesen bis zu Westbeech’s Ankunft einzulogiren. Ob meiner Schwäche jedoch konnte ich nicht sofort folgen, und als sich endlich einige Masupia’s von Impalera einfanden, um mich und den Rest meines Gepäckes nach dem genannten Orte zu tragen, brach ein Gewitter über das Thal herein, welches mich die Nacht in der elenden Grashütte zuzubringen nöthigte, in welcher der wenige Tage zuvor in Panda ma Tenka verstorbene Bauren zuerst erkrankt war. Wir machten uns gegen Mittag des nächsten Tages wieder auf den Leidensweg und erreichten das nur drei Stunden entfernte Leschumo-Thal erst nach zwölf für mich qualvollen Stunden. Ich mußte von hundert zu hundert Schritte stets einige Minuten innehalten, dabei triefte der Körper dennoch von Schweiß. Die Anstrengungen dieses Marsches zwangen mich am nächsten Tage zur vollsten Ruhe.

Am 17. fühlte ich mich etwas leidlicher, doch wurde meine Absicht, in der nächsten Nähe des Wagens zu botanisiren, durch ein heftiges, den ganzen Tag hindurch währendes Gewitter vereitelt. Ich hatte schon während der letzten drei Tage auf Westbeech’s Ankunft gehofft, sein Nichterscheinen vermehrte meine Aufregung, da mein kleiner, auf drei Tage berechneter Vorrath an Salz, Zucker und Thee zu Ende war. Zu meiner freudigen Ueberraschung kehrte der Diener Elephant von einem Gange durch den Wald mit reichlichem Honig zurück. Meine Hände und meine Stirne waren seit der am Tschobe-Ufer zugebrachten Nacht von besonders bissigen Mosquito’s zerstochen worden und jede dieser kleinen Verwundungen hatte sich zu einer Eiterpustel verwandelt, deren Spuren ich noch monatelang trug. In all’ diesem Ungemach freute mich die erlangte Ueberzeugung, daß ich zuverlässige und arbeitsame Diener besaß. Ich bedauerte nur, daß ich sie nicht dazu bewegen konnte, sich meines Hinterladers zu bedienen und etwas Wild für mich zu schießen, sie verstanden es nicht und fürchteten sich zugleich, von demselben Gebrauch zu machen. Mit ihren Assagaien war es ihnen nicht möglich, das Wild in dem sandigen Walde, durch den sich das Leschumo-Thal schlängelt, zu erlegen, denn dieses Wild bestand meistens in flüchtigen Gazellen, Büffeln, Nashorn und Elephanten. Zwei Nächte zuvor hatte eine größere Elephantenheerde das Thal einige Schritte unterhalb der Wägen gekreuzt.

Am 19. ließ ich mich in der nächsten Umgebung des Wagens herumführen und sammelte mit Hilfe meiner Diener Pflanzen und Insecten. Meine letzten zwei Bücher, welche ich aus dem Schiffbruche meiner Habe gerettet hatte, wurden nun als Pflanzenpressen benützt. Da sie nur Octavformat hatten, sah ich mich genöthigt, die Pflanzen zu zerlegen, um sie später wieder zusammen zu setzen. Ich widmete den Kindern Flora’s ein eigenes Tagebuch, in welchem ich von den meisten gesammelten Pflanzen nebst anderen Notizen, die Namen, die sie von den Masupia-Dienern oder den Manansa- und Matonga-Gehilfen erhielten, verzeichnete. Pflanzen und Pflanzentheile, die ich nicht pressen oder trocknen konnte, wurden abgezeichnet (dies gilt besonders von Schwämmen und Pilzen, an denen das Leschumo-Thal sehr reich war) und die Skizzen während der schlaflosen Nächte weiter ausgeführt. Die Insecten wurden in eine mir von Westbeech geschenkte weithalsige, mit einigen Papierstreifen gefüllte Picklesflasche gethan und diese mehrmals in das kochende Wasser in meinem Kaffeekessel eingetaucht, wodurch die Thiere getödtet wurden.

Die häufigsten unter den im Leschumo-Thale erworbenen Insecten waren Käfer, Heuschrecken und Wanzen, besonders fielen mir die artenreichen Lepidoptera auf, die ich zweimal zu sammeln versuchte. Leider mißglückte dieses Bestreben, eine Ratte, welche im Wagen zwischen den Gepäcksstücken hinreichende Schlupfwinkel gefunden haben mußte, zerstörte die angelegten Sammlungen, und ich fand jedesmal die Schmetterlinge bis auf die Stecknadeln aufgezehrt. Unter den Käfern waren die häufigsten Laufkäfer (Cicindela, Mantichora granulata, Carabus) Scarabaniden, Blattkäfer, Rüsselkäfer und Klopfkäfer (Psammodes). Die letztere Gattung findet man in zahllosen Varietäten, und fielen sie selbst den für solche Thiere unempfänglichen holländischen Farmern auf. Sie besitzen einen dicken, walzen- und herzförmigen Hinterleib, welchen sie heben, um mit ihm in Zwischenräumen von drei bis zehn Secunden einen leisen Schlag gegen die Erde oder den Zimmerboden, auf dem sie sich zufällig befinden, auszuführen. Sie »klopfen«, wie die Holländer meinen und rufen einer den andern heran. Viel Vergnügen machte mir im Leschumo-Thale die Beobachtung der Mantichorae und Anthiae thoracicae; diese leben paarweise in selbst aufgescharrten, bis einen Fuß tiefen oder in verlassenen Erdlöchern. Die selbst aufgescharrten sind höchstens 2½ Centimeter hoch, dagegen vier bis sechs Centimeter breit, und es wunderte mich oft, wie die Thiere diese Gänge im losen Sande graben konnten. Die Thierchen waren den ganzen Tag auf den Beinchen, sie unterscheiden sich von anderen großen Carabiden in ihrer Bewegung namentlich dadurch, daß sie sehr oft stille und auf ihren hohen Beinen ziemlich hoch stehen, man mochte sagen, förmlich Rundschau halten. Den Holländern sind sie durch eine Eigenschaft, welche sich dem Neuling, wie es auch mir einige Jahre zuvor geschah, schmerzlich fühlbar macht, aufgefallen. Trachtet man, diesen Käfer zu fangen, und ist man im Begriffe, denselben, mit dem Hinterleibe nach sich gekehrt, in die Sammelflasche unterzubringen, so spritzt das Thier eine Ladung ätzenden Saftes aus, welcher, da man beim Fange der Insecten meist gebeugt ist, in der Regel das Gesicht und oft die Augen trifft.

Da ich mich am 6. etwas besser fühlte und ein von der Jagd zurückkehrender Diener Westbeechs, »Diamond«, mit einigen Manansa bei den Wägen eingekehrt war, so unternahm ich, auf einen Diener gestützt einen kleinen auf sechs englische Meilen sich erstreckenden Ausflug. Es war mir namentlich darum zu thun, Vogelbälge zu erbeuten, da ich jedoch den Thieren weder nachlaufen noch sie beschleichen konnte, erbeutete ich nur einen gabelschwänzigen schwarzen Würger; um so reicher war die Ausbeute an Pflanzen und Insecten. Im Ganzen hatte mir mein Aufenthalt im Leschumo-Thale gegen dreitausend der ersteren und etwas über fünfhundert der letzteren eingetragen. Auf dem eben genannten Ausfluge stieß ich auf Eisenschmelzöfen, sie waren bis zu einem Meter breit, zwei Meter lang, niedrig und aus gebrannten Miniaturbacksteinen ausgeführt, und mochten wohl vor vierzig bis sechzig Jahren von einem der den Marutse unterthänigen Völkern gebaut worden sein, die vor der Gründung des Räuberstaates der Zulu-Matabele am südlichen Zambesi-Ufer wohnten.

Am 21. kamen Masupia von Impalera und brachten Korn, welches sie mir zum Kaufe anboten. Nachmittags kehrte der Jäger Diamond von einem Jagdausfluge heim; seine Diener trugen das Fleisch einer Büffelkuh, die er am Morgen erlegt hatte. Auch er klagte über die Unarten der Büffelstiere, welche namentlich im Sommer in Folge der dichtbelaubten Gebüsche des Waldes schwierig zu jagen sind. Der Genuß des Büffelfleisches verschlechterte meine Krankheit, da meine Verdauung durch die lange Entbehrung jeder Fleischnahrung sehr geschwächt war. Um so größer war die Freude der Diener über die erwünschte Abwechslung im täglichen Menu. Diamond erzählte mir bei dieser Gelegenheit die Jagdabenteuer Pit’s (meines früheren Dieners). Derselbe hatte vor einiger Zeit zwei Rhinocerosse erlegt und kehrte nach diesem glücklichen Jagdereignisse zu seinen Genossen (er war mit einer Truppe von Westbeech’s Leuten ausgezogen) zurück, um Träger zu holen; als er jedoch zehn Stunden später wieder an Ort und Stelle anlangte, fand er nichts als Knochen vor. Zufällig im Walde streifende Madenassana hatten die erlegten Thiere aufgefunden, und nachdem sie ein herrliches Mahl gehalten, die besten Stücke mitgenommen, während der Rest von Hyänen und Schakalen verzehrt worden war.

Meine Hoffnung, daß das höher liegende Thal des Leschumo-Flüßchens sich gesünder erweisen werde als das Tschobe-Thal, war eine trügerische. Stundenlang war dasselbe am Morgen von dichtem Nebel erfüllt, die Ausdünstung an manchen Tagen, namentlich nach heftigem Regen, höchst unangenehm; am unwohlsten fühlte ich mich in den frühen Morgenstunden, gegen Mittag besserte sich wohl mein Befinden, doch zitterte ich unter dem Einflusse auch des unbedeutendsten Windhauches, so daß ich auch an den heißesten Tagen in den Monaten Jänner, Februar und März nur mit einem schweren Mentschikoff und einem zweiten Ueberrock angethan, meinem Sammeleifer gerecht werden konnte.

Am 23. fand sich eine Truppe von Marutse-Männern bei mir ein, die zu meiner Verwunderung vom Süden kamen. Es war Moja, ein Häuptling und Bruder des Kommandanten Kapella, der von Sepopo ein Jahr zuvor zum Tode verurtheilt wurde, mit seinen Leuten. Sepopo fand nämlich eines Morgens eine Flüssigkeit vor seiner Thüre ausgegossen; er sah dies als Zauberei an und die Feinde Moja’s beschuldigten diesen der That. Da sich der König zufällig um diese Zeit unwohl fühlte, war er von der Schuld Moja’s überzeugt, und so wurde auch dieser verurtheilt; allein Moja zog es vor, sich durch Flucht dem Giftbecher und dem Feuertode zu entziehen, und flüchtete nach Süden zum Könige der östlichen Bamangwato nach Schoschong. Dieser nahm ihn freundlich auf und begriff auch wohl des armen Mannes Heimweh; da er annahm, daß Sepopo ihm eher glauben würde, sandte er Moja mit einem eigenhändigen Begleitschreiben, in welchem die Unschuld des Marutse-Häuptlings nachgewiesen war, zurück. Ich zweifelte daran, daß Sepopo Moja verzeihen würde, und rieth ihm ab, heimzukehren, doch dieser konnte der Sehnsucht nicht widerstehen, seine Frauen, Kinder und seine Heimat wiederzusehen.

Am 24. sandte ich zwei meiner Diener nach dem Zambesi, um die am jenseitigen Ufer wohnenden Masupia’s herüber rufen zu lassen und diese zu bewegen, womöglich Manza, einen Ziegenbock und Kafirkorn nach Leschumo-Thale zu bringen; leider verfehlten die Ausgesandten den Weg und ich sah mich gezwungen, am folgenden Tage zwei andere Diener senden. In den nächsten Tagen kamen Masupia’s von Impalera mit Korn, wobei es mir gelang, einige interessante ethnographische Objecte und einen riesigen Stoßzahn eines Nilpferdes zu erwerben.

Am Abend des 24. beobachtete ich eine äußerst interessante Erscheinung am Himmel. Die Sonne war eben im Untergange begriffen, über ihr und im Süden je ein schmaler Streifen des blauen Firmamentes sichtbar, während am östlichen Horizont ein Gewitter zog, aus dem zahlreiche Blitze niederfuhren. Als eben nur noch ein Segment der Sonne sichtbar war, erschien auf der gegenüberliegenden Stelle etwa fünfundvierzig Grad über dem östlichen Horizont eine feurige Röthe, welche die obere Hälfte eines Regenbogens zu decken schien, so daß nur sein nördlicher Schenkel in Ostnordost, der südliche in Südost zu sehen war. Mit dem vollständigen Untergang der Sonne erblaßte diese Röthe und verschwand dreißig Secunden später, während nun der ganze Regenbogen sichtbar wurde, wobei sich das Roth desselben intensiver zu färben begann, bis endlich ein sehr intensives und prachtvolles Carmin die anderen Regenbogenfarben im Zeitraume von einer Minute vollkommen deckte. Drei Minuten später erblaßte das Roth, um aber nach wenigen Secunden wieder am östlichen Horizont bis zu einer Höhe von etwa zehn Grad über demselben, von den schweren Regenwolken im Hintergrunde sich deutlich abhebend, zwischen den Regenbogenschenkeln zu erscheinen. Nach circa vier Minuten erblaßte die Röthe und die Regenbogenschenkel und eine halbe Stunde später hatte sich das Dunkel der Nacht über das Leschumo-Thal gelagert.

Am 25. erkrankten zwei meiner und einige der Diener Diamond’s an Kehlkopfkatarrh; eine verabreichte Dosis Brechmittel hatte sofortige Besserung zur Folge. Die äußerst ungünstige Witterung hatte auch in meinem Zustande wiederholte Rückfälle zur Folge, deren Heftigkeit ich wohl bald mildern konnte, welche aber stets ein Schwächegefühl zurückließen, das mich völlig arbeitsunfähig machte.

Wenige Tage darauf erkrankten zwei Diener Diamond’s an Typhus. In diese trüben Tage brachte die Jagd einige Abwechslung; auf einer solchen war es dem bereits erwähnten Basuto April gelungen, einen feisten Büffelstier zu erlegen, dessen Fleisch ins Lager geschleppt wurde. Die folgende Nacht gab es nun ein förmliches Fest, es wurde gesungen und getanzt und selbst die kranken Schwarzen sogen gierig an den halbgerösteten Fleischstücken, nachdem sie selbe nicht zu schlucken vermochten.

Am 2. Februar kehrte Diamond von einem zweitägigen Ausfluge an den Zambesi zurück; er war in den dichten Waldpartien, die sich zum unteren Laufe des Leschumo-Flüßchens erstrecken, auf eine Elephantentruppe gestoßen und unter sie gerathen, was ihn so einschüchterte, daß er auch nicht einen Schuß auf dieselben abzufeuern wagte.

Aus Impalera kam mir die Nachricht zu, daß ein Theil von Westbeech’s Elfenbein dahingeschafft worden war, und so konnte ich hoffen, daß Westbeech bald im Leschumo-Thale eintreffen werde. Mir war dies um so erwünschter, da ich mich unmöglich länger mit der dürftigen Kafirkornkost fortbringen konnte. Am 7. kam ein Trupp von etwa dreißig Marutse an, welche als Häscher von Sepopo ausgesendet waren, um — zu meinem grenzenlosen Erstaunen — Moja und Kapella einzufangen; ich vernahm auch, daß die Mehrzahl der in Schescheke und im Masupia-Lande wohnenden Häuptlinge, die den großen Rath bildeten, die vom Könige wegen Hochverrathes etc. Beschuldigten schuldlos sprachen, und sich den häufigen Hinrichtungen widersetzten. Sepopo wollte sich mit einem Schlage dieser Männer entledigen und verurtheilte zwölf der bedeutendsten Häuptlinge zum Tode, darunter Inkambella, Marancian, auch Kapella und Moja. Moja war erst wenige Tage zuvor, wie schon erwähnt, mit einem Briefe Khama’s in Schescheke angelangt; wie mir Westbeech später mittheilte, gab es bei der Ankunft Moja’s einen förmlichen Aufruhr in Schescheke; es war noch nie geschehen, daß ein zum Tode Verurtheilter nach Schescheke zurückgekehrt war. Westbeech, der gerade in seinem Höfchen beschäftigt war, wurde plötzlich in aller Hast zum Könige entboten, er fand den Hofraum Sepopo’s mit Leuten überfüllt. Der König reichte ihm aber sofort einen Brief, der in der Setschuana-Sprache geschrieben und von Khama, dem Könige der östlichen Bamangwato’s unterzeichnet war. Westbeech wurde ersucht, den Inhalt mitzutheilen, Sepopo fühlte sich durch denselben sehr geschmeichelt, ließ sofort von Westbeech einen Brief an Khama schreiben, daß er ihm zu Liebe Moja pardonnire, doch am selben Abend noch gab er Maschoku den Befehl, am folgenden Morgen jene zwölf, darunter auch Moja und Kapella hinzurichten; Maschoku aber, der sich fürchtete, so viele der einflußreichsten Männer zu tödten, erschien in der Nacht an der Hütte Kapella’s und warnte ihn. »Kapella, Du bist verurtheilt, morgen zu sterben!« Kapella wußte genug, weckte seine beiden Frauen und einen in der Hütte nebenan schlafenden Bruder Moja’s, sowie drei seiner zuverlässigsten Diener und seinen jüngsten Knaben und machte sich sofort auf den Weg. Am Flußufer suchte er Westbeech auf und berichtete diesem den Vorfall. Westbeech, der immer in solchen Fällen ein gutes Herz offenbarte, versorgte ihn mit Schießbedarf und anderen Reise-Utensilien.

Kapella nahm zu den zwei nächsten Kähnen seine Zuflucht und rasch glitten die Flüchtlinge stromabwärts im Dunkel der Nacht dahin. Nach Mitternacht waren sie schon circa zwanzig Meilen von Schescheke entfernt, hier ließen sie die Boote flußabwärts treiben und schlugen sich in die schilfigen Moore am Südufer des Zambesi, um die Niederlassung der Masupia’s zu erreichen, welche oberhalb Impalera am Tschobe gelegen, unter der Gerechtsame des Bruders des Masupia-Häuptlings Makumba, eines sehr warmen Anhängers Sepopo’s stand. Hier hofften sie so zeitlich anzukommen, daß sie sich noch vor dem Erwachen der Masupia’s einiger ihrer Boote zur Ueberfahrt über den Tschobe bedienen konnten. Der Gang in den Pfaden, dem hohen Schilf entlang, war im Dunkel der Nacht aus sehr vielen Gründen ein äußerst gefahrvoller und Kapella hätte ihn nie gewagt, wenn es nicht um sein eigenes und das Leben der Seinen gegangen wäre. Alles ging nach Wunsch und die Flüchtlinge langten kurze Zeit nach Tagesanbruch bei der genannten Niederlassung an. Trotzdem waren schon zwei der Masupia’s bei den Booten beschäftigt; bei dem plötzlichen Erscheinen der bewaffneten Gruppe, in welchen sie wohl Flüchtlinge aus Schescheke ahnen mochten, ergriffen die Männer die Flucht, um im Dorfe Lärm zu schlagen, versenkten jedoch, bevor man es ihnen wehren konnte, die beiden Boote. Die Flüchtlinge machten sich sofort an die Arbeit, die kleinen Kähne aus der seichten Bucht an’s Land zu ziehen, sie vom Wasser zu entleeren, und dann so rasch als möglich über den Tschobe zu setzen, was ihnen auch gelang.

Obgleich die beiden Männer ihren Häuptling davon benachrichtigten und Kapella’s Namen nannten, fand es dieser, da er den Commandanten als einen guten Schützen kannte und sich auch nicht zum Häscher hergeben wollte, für angezeigt, die Sache erst morgen zu überlegen; seinen Leuten gegenüber meinte er, daß man das Ganze wohl erwägen müsse, es wurden die Aeltesten des Dorfes zusammengerufen und ihnen die Sache auseinandergelegt. Unterdessen waren viele Stunden verflossen, so daß die Flüchtlinge einen bedeutenden Vorsprung erreicht hatten, als die Verfolger, jene erwähnten Marutse, im Leschumo-Thale erschienen, um nach Kapella und den Seinen zu fahnden. Diese Truppe zog erst in der Nacht auf den 8. wieder ab, sie hatten von ihrem Hauptquartier im Leschumo-Thale aus den Wald ringsum durchsucht.