Zweiter Gesang.

Erlösung.

Schon umhüllt Aegyptens Gefild’ in der Helle des Tages
Finstere Nacht. Wie sank sie jetzt, urplötzlich, am Mittag
Von dem Himmel herab, als über ihr herrlich der Sonne
Strahlendes Antlitz glüht, die Welt umher, und vor allen
Goschem, Israels Land, das einst voll Huld ihm zum Antheil
Pharao gab, als Jakobs Sohn ihm Segen gespendet,[1]
Freundlichen Blickes erhellt? Wer ist’s, der, göttlicher Macht voll,
So den Lüften gebeut, und das Licht verwandelt in Nachtgrau’n?
Moses, der Herrliche, that’s mit dem Wunderstabe Jehova’s.
Siehe, dem Horeb nicht fern, lief ihm sein älterer Bruder,
Aaron, entgegen im Feld, da er jüngst von Arabiens Steppe
Her mit den Seinen vereint, nach Aegyptens prunkender Stadt kam.
Freudig umarmten sich dort die lange Getrennten, und Moses
Kündigte nun Jehova’s Geboth’, und wirkte die Wunder
Alle vor Israels Volk’ und dem Könige: heischend den Abzug.
Aber umsonst, denn Pharao’s Herz, von eitelem Schimmer,
Herrschsucht, Eigendünkel und Stolz, gleich Felsen, verhärtet,
Horchte der Stimme des Warnenden nicht, und sah von dem Thronstuhl
Kalt auf den Jammer herab, der achtmal schon auf Aegypten
Lastete. Wie, unmenschlicher Fürst, so konntest du fühllos
Schauen die Noth, als Blut durchwogte die Ström’, und die Fisch’ all’
Tödtete? Schau’n, daß unzählige Frösch’ und gräuliche Kröten
Füllten die Stadt und das Land’ mit Gestank des Pfuhles; der Mücken
Rastlos quälenden Schwarm, und die Plag’ erbitterter Fliegen?
D’rauf Viehseuch’ in dem Land umher; der schwärenden Beulen
Schreckliche Qual; im Donnersturm hersausenden Hagels
Wüthen, und endlich den Zug verheerender Heuschrecken? Immer
Wandtest du zwar die Noth des Land’s: verheißend den Abzug
Israels Volk’. Aufdrang zu Jehova die flehende Stimme
Seines erlesenen Horts, und frei, wie Goschem geblieben,
Ward es davon; doch nie erfülltest du dann die Verheißung:
Eilend entgegen dem Sturz’ in die Nacht entsetzlichen Todes.
Furchtbarer wurde der Grimm des Herrn nach jeglichem Wortbruch.
Jetzt, als wieder getäuscht in Sclavenbanden das Volk blieb,
Senkt’, urplötzlichen Flugs, die Finsterniß sich auf des Landes
Reiche Gefilde herab, da Goschem noch in der Sonne
Heiterem Strahl, geschirmt von der Huld Jehova’s, erglänzte.
Nicht das Dunkel der Nacht, nein, schwarzumschleiernder Schatten,
Dampf, und fühlbarer Qualm, dem’s Licht verlischt in dem Bergschacht,
War’s, das drei entsetzliche Tag’ und Nächt’, auf Aegyptens
Fluren lag. Da hielt inmitten der Furche der Pflüger
Sein Gespann, und der Sclav’ an der Mühle den sausenden Stein an;
Fest an die Stelle, wo ihn auf der Flur Entsetzen ereilte,
Stand der Hirte, gebannt, mit der blöckenden Heerde; der Weidmann
Hemmte den Spürer, und sank in das Gras. Auf dem lärmenden Marktplatz,
Wo das unzählige Volk, gleich Wogen, hinauf und hinunter
Fluthete; so in dem hallenden Thor, wo die Aeltesten saßen,
Recht zu sprechen dem Volk’, als erwählete Richter; im Umkreis
Hoher Palläst’, in der Hütte zugleich und der emsigen Werkstatt —
Ueberall senkte die Angst auf den Fittigen finsteren Nachtgrau’ns
Sich auf die Menschen herab. Das Wort erstarb in des Redners
Mund; der rasch Hineilende stand, und das Leben verstummte
Ringsum, gräßlich dem Ohr’ und dem Aug’, in des Todes Umschattung.
Aber schrecklicher noch die Schuld, und des Sünders Bewußtseyn:
Wie er in grausamer Lust einst Israels wimmernde Söhnlein
Werfen hieß in den Strom, das Volk zu vertilgen, entschlossen,
Und der Ein’, im Schilf gerettete, jetzo mit Hoheit,
Macht und Wundergewalt von Jehova begabt, und gesendet,
Stand, ein furchtbarer Rächer, vor ihm; wie er solches in Banden
Hielt; der quälendsten Noth und des Frohnvogts eiserner Geißel
Preis gab, daß es nur bald erliege dem lastenden Jammer:
Denn nun sah er sich hier, umgarnt von der Finsterniß ringsum,
Selber in Banden, und regte sich nicht. Wie ein feuriger Blitzstrahl,
Fahrend urplötzlich im Donner herab, den einsamen Hirten
Unter dem laubigen Zweig des schirmverheißenden Baumes,
Lähmend, berührt: er schaut, und hört der nahenden Menschen
Aengstliches Müh’n nach Hülf’, in qualenvoller Erstarrung:
Also lähmte, herab von Jehova gesendet, die Sünder
Hier urplötzliche Nacht, und Angst war rings in Aegypten.
Ha, nun saßen sie dort, und bebten vor jeglichem Hauch schon:
Wenn entzündeter Qualm hinfuhr in den Lüften, erhellend
Schnell, wie ein Blitz, mit zuckendem Schein die umnachtete Gegend;
Wenn der Schlangen Gezisch’ um sie scholl, die, ernährt in dem Hofraum
(Ach, dem erhabensten Wesen gleich verehrten die Thoren
Solch’ verworfenes Thier)[2] hervor der Hunger getrieben;
Oder das Säuseln am laubigen Zweig’, einstürzender Felsen
Dumpfes Geroll, des Waldstroms brausender Fall, und des Wildes
Lautes Brüllen heran aus dem nahen und fernen Gefild’ drang:
Da wich jegliche Kraft aus ihrem erschütterten Herzen
So, daß, ohnmächtig, sie oft entschlummerten! Doch nicht erquickte
Sie der Schlaf: entsetzliche Grau’ngestalten der Hölle
Weckten, im wechselnden Flug, sie schnell zu erneuerten Qualen.[3]
Jetzt erscholl in der Königsburg die jammernde Stimme
Pharao’s. Angst und Entsetzen bezwang denn endlich des Wüthrichs
Wildaufgährenden Grimm: unzählige Diener und Sclaven,
Immer bereit sich vor ihm im Staube zu beugen in Demuth,
Jammerten, lautumschallenden Ruf’s, ihm jegliches Wort nach:
„Moses, Moses, erbarme dich, komm’, und schaff’ uns Errettung!“
Moses stand alsbald vor Pharao. Schrecklich erklang ihm
Durch umnachtendes Grau’n des Ungesehenen Stimme:
„Moses steht vor dir: warum ertönte sein Nahmen,
Jammerndgerufen, umher in des Königs weiten Gemächern?“
„Ach,“ so entgegnete jener ihm leis’, „entsetzliches Unglück
Hast du auf mich und Aegypten gebracht! Ich habe gesündigt.
Schaff’ uns des Tages Licht: es soll dir Jedes gewährt seyn.“
Moses nahte dem Fenster (ihm barg kein Dunkel des Himmels
Freundlichen Strahl) erhob, mit flehendem Blick’, in das Nachtgrau’n
Seinen gewaltigen Stab, und rief, erschütternd: „Entweiche!“
Plötzlichen Flugs entschwand die Finsterniß, und an dem Mittag
Sah aus unzähligen, ringsumher verkläreten Augen
Wieder der bläuliche Himmel herab, daß lange der Mensch noch
Vor dem blendenden Licht die Lieder verschloß, und, erstarrt, saß.
D’rauf erwachte Getös’, und Lärm, und unendlicher Jubel
Rings in dem Land’, und geschäftige Hast erfüllte die Straßen.
Pharao schritt, ergrimmenden Blicks, hinauf und hinunter
Durch den wölbenden Saal; ihm kochte der Zorn in dem Busen;
Jenen zu schau’n, der ihm und dem Volk so schreckliche Plagen
Schuf. Da sprach er zu ihm jetzt noch mit verhöhnendem Trotz so:
„Wohl, ihr ziehet denn fort, nach des Horebs wüsten Gefilden
Schreitend die Bahn — ihr alle, so Jung als Alt, mit des Hauses
Dienender Schar; nur bleibe das Vieh zurück’ in dem Land hier,
Dem es gehört nach Recht: hier mehrten sich alle die Heerden.“
„Nein,“ rief Moses im Zorn, „nicht die Heerde, nicht eine der Klauen
Bleibe zurück; nicht wissen wir noch, welch’ Opfer Jehova:
Ob er Brand- und ob Sühn’-Opfer er heischt in den Wüsten?“[4]
Jener tobte noch mehr, und rief: „So willst du mich täuschen?
Gier nach Herrschaft nur, nicht der Dienst und das Opfer Jehova’s,
Heißt dich empören das Volk, und entführen nach fremden Gefilden.
Mir aus dem Antlitz fort für jetzt und für immer, und wagst du’s,
Ihm zu nahen, so sollst du schnell mit dem Leben es büßen.“
Moses entgegnet’ ihm d’rauf: „Es sey — nie siehst du mich wieder!
Aber vernimm! So spricht Jehova: Ich will durch Aegypten
Gehen um Mitternacht, und die Erstgebornen der Armen,
Wie der Reichen, zugleich mit des Throns aufblühendem Erben
Und dem Erzeugten der Magd, die im Schweiß umdrehet den Mühlstein —[5]
Selbst auch jene des Vieh’s erwürgen in seinen Gefilden
So, daß Weinen erschallt, und Geheul, wie nimmer gehört ward.
Seines Heils harrt ruhig mein Volk: dann läßt du es fortziehn!“
Sagt’ es, und ging von dem Könige, der, verhärteten Herzens
Frevelnd an Gott, und von ihm verworfen, dem schwindligen Abgrund
Selber entgegen sich stürzt’, und dort den schrecklichen Tod fand.
Doch schon naht’ um die Mitternacht die Stunde des Grauens,
Wo sich Jehova’s Macht, verherrlicht an Israels Stämmen
Durch unendliche Huld — durch Straf’ unendlichen Frevels
An Aegyptens Volk’ und Könige, spätester Nachwelt
Noch zum Trost, zur Bewunderung, und zur Warnung erwiesen.
Sieh’, es war, nach Jehova’s Geboth, in den Häusern der Kinder
Israels schon geschlachtet das jährige Lamm, und besprenget
Dann mit dem Blute die Schwell’ und die Pfoste der Thüre zum Zeichen:
Daß sie gehorchend dem Herrn, sein harrten mit wachender Sorgfalt!
Haltend den Stab in der Hand, und zur Reise geschuht, und gegürtet,
Standen sie all’ um den Tisch, und verzehreten das, an dem Feuer
(Unzerstückt) gebratene Lamm,[6] mit bitteren Kräutern
Und mit ungesäuertem Brot, in freudiger Andacht.
Wer der Kinder Schar ermangelte, rief zu dem Mahl noch
Freund und Nachbar herbei, und tilgt’ in der Flamme den Abhub.
Also sollte hinfort, Jehova zum Ruhme, der Freiheit
Hehres Mahl von dem Volk gefeiert, und allen bekannt seyn:
Wie er sich sein erbarmt’, aus Pharao’s Banden es rettend
Dort in der grau’numhülleten Nacht, als rings der Aegypter
Klag’ um die Erstgeburt scholl, und vor Angst erbebten die Frevler.
Ha, nun blitzt’ es vom Himmel herab! Von Jehova gesendet,
Nahete schon (das flammende Schwert in erhobener Rechten,
Furchtbarn Ernst in dem Blick’, und Zorn auf den Lippen) des Todes
Engel heran. Verhüllt, wie im Nebel des Abends der Vollmond,
War sein strahlender Leib von düsterem Flor’, und die Locken,
Sonst voll himmlischer Schön’, aufsträubten sich ihm von der Scheitel.
Also schritt er einher, mit den Schrecken des Todes bewaffnet,
Durch die entschlummerte Königsstadt, durch Thäler und Eb’nen,
Wo ein Aegyptier wohnt’. Empor in die Höhen der Wolken
Ragte sein Haupt, und unter den Sohlen erbebt’ ihm der Boden,
Als er den Häusern genaht, das Schwert vor jeglichem aufschwang.
Sieh’, und es fuhr alsbald der Erstgeborne des Königs,
Wie des Aermsten im Land’, aus herzbeklemmenden Träumen
Auf von dem Lager! Er klagte sich selbst und die Seinen der Schuld an,
Und verhauchte den Geist, hinstürzend, in schrecklichen Qualen.
Da war Lärm und Getös’, war lautes Geheul und Verzweiflung
Allwärts. Keiner verschont, der, andern zuvor, an der Mutter
Brust die strahlende Sonn’ ersah; die blühendste Jugend
Schnell erwürgt; entsetzlich die Menge der Leichen, daß jetzo
Kaum hinreichte die Zahl der Lebenden, sie zu begraben,
Und nun alles und jedes erfüllt, wie es Moses verkündet.
Aber in freudiger Hast verzehrten Israels Stämme
Das, vom Herrn gestiftete Mahl der hohen Erlösung.
Sie gelobeten all’, einmüthig, mit heiligem Eidschwur:
Treu zu verharren Jehova’s Gesetz’ im Glück’ und im Unglück,
Und lobsangen dem Herrn, als draußen, nach jeglicher Richtung
Wehklag scholl, und Aegyptens Stolz im Staube, gestürzt, lag.
Sieh’, und noch in der Nacht hieß Pharao Moses und Aaron
Kommen, und sprach: „Zieht aus, ihr alle, mit Hab’ und Vermögen —
Schnell aus Aegypten fort, dem ihr unsäglichen Jammer
Spendetet; doch, erflehet auch mir noch Huld und Erbarmen!“
Sprach’s mit verhaltenem Grimm’ und weggewendetem Antlitz:
Denn in den Tiefen der Brust nährt’ er verderbende Rachgier
Noch, die jetzt nur die Angst bezwang in der Stunde des Unglücks.
Aber auch all’ die Trauernden, die vor des furchtbaren Engels
Todesschwert hinsinken sah’n die Erzeugten, bestürmten
Jetzt das versammelte Volk von Israel: „Ziehet von hinnen,“
Riefen sie laut, „ach, fort, daß wir nicht alle vergehen!“
Wie die Störch’ im Herbst, nach wärmeren Zonen zu wandern,
Sich versammeln am Moor’ um den selbsterkorenen Führer:
Er erhebt sich im Schwung’, und all’ ihm folgen, mit einmal
Schwebend empor zu den Wolkenhöh’n, in unendlichen, weiten,
Keilgestalteten Reih’n, mit Geschrei und der schlagenden Flügel
Lautem Gerausche, hinab g’en Süden zu ziehen: nicht anders
Sammelten sich, um Moses zugleich und Aaron, die Kinder
Israels, noch in der Nacht in die Wüste den Zug zu beginnen.
Jetzt erschien Mirjam, die gottgesegnete Jungfrau,
Moses und Aarons Schwesterkind,[7] und blickte nach jenem,
Mildverklärten Gesichts mit tiefer und inniger Ehrfurcht!
Schön war sie: wie im Lenz die Ros’ und Lilie, blühten
Ihre Wangen; ihr Aug’ erglänzt’ in des lieblichen Veilchens
Blau; wie der schlanken Zeder ihr Wuchs — des munteren Rehes
Sprung ihr Gang, und ihr Laut der Nachtigall wonniges Flöten.
Ging sie einher in dem Volk, da sah ihr mit staunenden Blicken
Jeglicher nach; ihr folgt’ aus jeglichem Munde der Beifall:
Denn noch schöner ihr Herz, der Seherinn göttlicher Weisheit:
Immer mild, und bereit beglückende Gabe zu spenden.
Jetzo kam sie heran, und sprach zu Moses und Aaron:
„Wohl, ihr führet denn Israels Volk aus den Banden der Knechtschaft
Frei von hier, nach dem Wink Jehova’s, des einigen Gottes!
Aber es klagt das Volk: nicht werd’ ihm Ersatz für den Boden,
Den es in Goschems Flur mit Haus und Habe verliere,
Nicht des blutigen Schweißes Lohn, den früher der Frohnvogt
Für den Zwingherrn karg bedingt’, und noch karger zurückhielt.
Aber ich seh’ es im Geist: schon drängten uns laut die Aegypter
Fortzuzieh’n aus dem Land, daß nicht alle Verderben ereile;
Jeglichen Eigens Herr ist Jehova: er will’s, und des Drängers
Herz wird mild: er spendet uns Gold und Kleider die Fülle.[8]
Einst soll’s ihm zum Dienst’ in der einsamen Wüste geweiht seyn.
Aber bedenket denn auch, was Joseph, dem herrschenden Pfleger
Hier des ägyptischen Land’s, da er sterbend solches noch heischte,
Euere Väter, gesammt, verhießen mit heiligem Eidschwur:
Führt des Frommen Gebein mit fort nach den Segensgefilden
Kanaans, daß er im Herrn dort ruh’, zu den Vätern versammelt.
Denket wie groß und rührend zugleich an dem heiligen Manne
Sich Jehova’s Huld, des ewigen Gottes, erwiesen:
Als er in blühender Jugend schon ein Opfer des Neides
Seiner Brüder, hervor aus der Todesgrube gezogen,
Schnöde verhandelt ward nach Aegypten, und dort in der Hofburg
Pharao’s, frech der Sünde gezieh’n, die er, reinen Gemüthes,
Von sich wies. Doch schmachtet’ er dann im schmählichen Kerker
Jahrlang, bis er die Träum’, ein gotterleuchteter Seher,
Deutend, von schrecklicher Hungersnoth die Völker Aegyptens
Rettete, Ruhm sich erwarb, und das Land beherrschte mit Weisheit.
D’rauf, als jene zu ihm die hülfbedürftigen Brüder,
Von dem Vater entsendet, geführt, nicht vergalt er das Unrecht,
Das sie geübt: denn bald nach der liebendersonnenen Prüfung,
Weint’ er an ihrer Brust — des grauenden Vaters gedenkend,
Selige Thränen. Er lockt’ ihn so nach Aegypten herüber,
Wie auch die Seinen, und schenkt’ ihm Goschems Fluren zum Wohnsitz.
Dessen gedenkt, und erfüllt des Frommen Wünsche mit Ehrfurcht.“
Also geschah’s: da ging in schauererregender Hoheit
Moses vor allen einher. Von Cair-Raemses nach Succoth[9]
Zog das Volk, geführt von Jehova’s Gesandten. An sechsmal-
Hunderttausend allein der streitbarn Männer gerechnet
(In dem Gefolg der Ihren, der Knecht’, und des frommenden Hausthiers)
Eileten jetzt, voll Hast, der langersehneten Freiheit
Heiligem Zufluchtsort, der Wüst’, entgegen im Nachtgrau’n.
Doch nicht im Nachtgrau’n irret’ ihr Fuß, und, nicht in des Tages
Glänzendem Licht von dem Pfad: denn sieh’, der Engel Jehova’s
Zog, erschütternd zu schau’n, bei Tag in des dunkeln Gewölkes
Thürmender Säul’, und bei Nacht im röthlichen Schimmer des Feuers
Vor den Scharen einher, und führete sie nach dem Ziel fort!
Erst an die Flur Etham’s, dann wieder zurück an des Schilfmeers
Bergumschlossenen Strand, unfern Pahachiroth und Migdol,
Wo die Quell’ aufwallt, gelangten die wandernden Stämme
Israels — so verfügt’ es der Herr: an Pharao’s Falle
Sein erlesenes Volk zu verherrlichen, noch bei der Nachwelt.
Schon zernagt’ ihm zuvor unendliche Reue den Busen,
Daß er das Volk zieh’n ließ, von dem Zauberer, Moses, bethöret,
Sich zum Spott’ und dem Lande zum Harm: da er solchem der Sclaven
Fröhnende Hand entriß, die ihm all den Reichthum erwarben.
Jetzt verkündeten ihm Eilbothen: verirrt, und verlassen
Von Jehova sogar, der ihm als Retter gerühmt war,
Irre das flüchtige Volk von Israel noch an des Schilfmeers
Felsigem Strand, voll Angst umher, und erliege dem Hunger.[10]
Alsbald rief er nach seinem Heer’. In brausender Schnelle
Waren die Rosse gezäumt — Streitwagen und Waffen geordnet
Dann mit dem Volk’, und er jagte den Flüchtigen nach zu dem Schilfmeer.
Jetzt versank die Sonn’ am westlichen Himmel; die Kühlung
Schwebt’ aus dem Meere herauf, und des Abends dunkeler Schleier
Senkte sich tiefer stets auf die schweigenden Fluren der Umwelt,
Als unendlicher Staub empor zu dem wölbenden Himmel
Drüben im Westen sich hob, und mit Sorg’ erfüllte die Scharen
Israels. Bald entstürzten zugleich die entsendeten Bothen
Alle den ragenden Höh’n, und verkündeten, lallend vor Schrecken:
„Pharao’s Macht stürmt an so zahllos, wie nach dem Meersturm
Sich aufhäufet der Sand am Gestad’, und im dunkelen Luftraum
Flammen die Sterne bei Nacht. Der Boden erzittert den Hufen
Seiner Ross’ und der Last zum Streit gerüsteter Wägen.
Wehe, nichts rettet uns mehr, wir sind verloren für immer!“
Jetzt erscholl alsbald unendliches Weinen und Klagen,
All’ die Scharen entlang: denn so, wie auf ruhiger Meerfluth,
Brausend daher ein Sturm urplötzlich die Wogen auf Wogen
Wirft, und im weitverbreiteten Forst die Wipfel an Wipfel
Schleudert mit lautem Geheul: so pflanzte die furchtbare Nachricht
Sich in den Haufen des lagernden Volks, im Toben der Angst fort.
Bald umgab, voll Wuth in dem Blick’, ein frecherer Haufen,
Der in Gefahr nur lärmt, nicht handelt, Moses und Aaron,
Beide Gesandten des Herrn, und immer lauter erscholl’s nun:
„Weh’ euch Führern, Weh’! Ihr seht dem gewissen Verderben
Preisgegeben das Volk durch euren unbeugsamen Starrsinn:
Denn ihr wandtet den Rücken uns nur, wenn wir in Aegypten,
Ahnend die dräuende Noth, euch sagten: viel besser, in Knechtschaft
Dort zu leben, als draußen im Grau’n unendlicher Wüsten
Sterben den Hungertod, den schrecklichen, oder des Feindes
Würgendem Schwert’, ohnmächtig und hülf’entblößt, zu erliegen.
So habt ihr uns bethört: wir fallen durch euere Schuld nur.“
Also die Kühnen, und rings erscholl noch empörteres Klagen.
Moses sah mit erhabenem Ernst nach den lärmenden Rednern
Hin; dann rief er laut zu den angstergriffenen Scharen:
„Fasset nur Muth: Jehova’s Arm ist erhoben, zu schirmen
Sein erlesenes Volk! Bald sind die unzähligen Gegner,
Die euch bedroh’n, nicht mehr — aus eueren Augen verschwunden.
Habt Vertrau’n zu Jehova, dem Herrn; verzaget nicht; ruht nur!“
Sagt’ es, und stieg den Hügel empor, der schroff an des Schilfmeers
Nacktem Gestad’ sich erhebt, Baalzephon nicht ferne, der Herberg’
Einst der Höhlenbewohner im Land’. Unzählige Höhlen
Birgt sein Schooß.[11] Die Wolkensäule Jehova’s, des Volkes
Führerinn, ruht’, als sollt’ es die Nacht an die Stelle gebannt steh’n!
Doch er beugte die Stirne zum Staub’, erhob sich, und rief nun:
„Herr, errette dein Volk!“ mit weitumschallenden Tönen
Auf in die Nacht. Da kam aus der Wolkensäule die Stimme:
„Dein Geschrei drang laut zu mir auf: Kleinmüthiger, zagst du?
Zieht nur weiter, sogleich!“ „Doch wie? Die Gegner im Rücken,
Vorne das Meer?“ „Streck’ aus den Wanderstab in der Rechten
Ueber die Fluthen des Meers — zertheile sie; führe die Scharen
Mitten durch, zu dem Strand jenseits, und, trockenen Fußes
Wandelt ihr. Bald folgt euch die Macht der Aegypter, empört, nach;
Aber an ihr, an Pharao’s Heer’, an Wagen und Reitern
Werd’ ich vor euch mich dann verherrlichen, daß sie bekennen:
Nur Jehova ist Gott, der Schöpfer der Erd’ und des Himmels.“
Siehe, die Wolkensäul’, und in ihr der Engel Jehova’s
Wich in Eile zurück’, und schied, errettend, im Rücken
Sein erlesenes Volk von Pharao’s drohender Heersmacht:
Dieser ein finsteres Nebelgewölk, das selbe die Nacht durch
Fest in das Lager gebannt steh’n hieß — ein strahlendes Feuer
Jenem: den hellen Pfad in des Schilfmeers Bette zu wandeln!
Moses stieg den Hügel herab, dem Strande des Meeres,
Eilenden Schrittes, zu nah’n. Jetzt sah das staunende Volk ihn
Dort, wie er, mutherfüllt, den Wanderstab in der Rechten
Ueber die Fluthen erhob. Alsbald herbraus’te des Ostwinds
Stürmender Hauch. Er warf sie, querdurchwühlend den Abgrund,
Links und rechts, und siehe, der Engel Jehova’s, des Volkes
Leitender Hort, fuhr jetzt aus der Wolkensäul’ in des Erdballs
Tiefen hinab![12] Dicht unter der erst empöreten Meersfluth
Kocht’ Erdharz und Naphta, vermengt mit bläulichem Schwefel,
Mitten im finsteren Raum der ringsumschlossenen Felsen.
Kaum berührte das feste Gestein, mit des schwebenden Fußes
Leisem Druck, der Himmlische, da hob, plötzlich, des Felsens
Berstendes Haupt sich empor — nachbrauste der feurige Brodem
Mit unendlicher Wuth und schreckenvollem Geprassel
Durch den gewaltigen Spalt, und drängt’ urschnell in des Meeres
Tiefgehöhletem Bette den Grund im donnernden Flug’ auf
So, daß erfüllet die Kluft, und Israels zagenden Scharen
Durch das Schilfmeer hin, allmächtig, geebnet die Bahn war:
Breit und getrocknet sogleich vom dörrenden Hauche des Ostwinds.
Moses wandte sein Aug’, umhüllt von Thränen des Dankes,
Erst g’en Himmel, und dann zu dem Volk, das, staunengefesselt,
Stand, und jetzt aufjauchzt’, ergriffen von Freud’ und Entzücken.
Alsbald hatten sich alle zugleich auf dem Pfade der Rettung
Vorgedrängt; doch Moses hieß je fünfzig, in Haufen
Wandeln. Angestrahlt von der feurigen Wolke die Nacht durch,
Zogen sie nun, lobsingend dem Herrn, wie auf grünenden Matten
Hüpfende Lämmer, dahin, und jubelten, ähnlich der Rosse
Munterer Schar, die, frei von der Halfter, zur Weid’ an dem Waldbach,
Wiehernd vor Lust, enteilt, bis jetzt am dämmernden Morgen
All’ erreichten den Strand, der, sanftgehügelt, emporstieg.[13]
Leis’ entschwand die Nacht. An dem Saum des östlichen Himmels
Wallt’ ein Purpurglanz empor, und glühete heller,
Feuriger stets, der bald aufschwebenden Sonne zur Feier.
Doch nicht sollte sie noch auf die weiten Gefilde des Schilfmeers
Strahlend, schau’n: denn siehe, die Wolkensäule Jehova’s,
Die dem erwähleten Volk zur Rettung leuchtete — grau’nvoll
Erst die Verworfenen hemmt’ im Lauf’, erhob in die Luft sich,
Gährend, und lag, ein Wettergewölk, das Blitze des Todes
Trug in dem finsteren Schooß, weit über dem Meere verbreitet!
Pharao schrie, als jetzt die hemmende Wolke sich aufschwang,
Und des Morgens Strahl erglühete, laut zu den Scharen:
„Auf, verfolget, erhascht, erwürgt die Verräther! Ihr sollt dann
Theilen die Beut’, und mit mir der Rach’ unendliche Sehnsucht
Kühlen in ihrem Blut. Nicht raste das Schwert vom Gewürg’ mehr.“
Also entflammt’ er das Volk. Zugleich ertönte der Schlachtruf —
Scholl das Wiehern der Ross’, und der rollenden Räder Getümmel
Rings dem Klirren der Waffen vereint, in dem weiten Gefild hin.
Wirbelnd erhob sich der Staub. Verblendete! Noch sind die Thränen
Kaum versiegt; noch bebt euch die Hand, die gestern die Leichen
Euerer Söhne begrub, und schon verfolget ihr wieder,
Treulos, Israels Volk, das ihr mit flehenden Worten
Fortgetrieben zuvor aus dem Land’ entsetzlicher Knechtschaft?
Also stürzet ihr euch den frechverschuldeten Strafen
Selber entgegen; ihr stürzt in die Nacht endlosen Verderbens!
Lärmender brauseten jetzt die Aegyptier fort auf dem Sandpfad,
Den, allmächtig, erst der Herr aus dem Meere gehoben,
Und ersah’n, jenseits an dem Strand, die entlassenen Sclaven
Schon, voll lechzenden Grimm’s, sie niederzuschmettern, verlangend;
Aber inmitten der Bahn ereilten ihr schreckliches Ziel sie.
Tiefer sank das Wettergewölk’:[14] ein flammender Blitzstrahl
Zuckt’ aus seinem Schooß vor dem Heere herunter; der Donner
Kracht’ unendlich ihm nach; des Erdballs Vesten erbebten;
Ringsum drönte die Welt, und Pharao rief voll Entsetzen:
„Laßt uns flieh’n vor Jehova: er kämpft für Israel selber.“
Alsbald wandt’ er das Roß, und die angstergriffenen Scharen
Folgten ihm. Da war Lärm und Getös’ — war grause Verwirrung
Und Verderben zugleich. Wild drängten sich alle mit einmal,
Durch die Reih’n, und es schlang der Mann, das Roß, und der Wagen
Sich zum verworrenen Knäul. Wie ein heißgetriebener Damhirsch
Sich in dem Netze verstrickt, das drüben am buschigen Waldsaum
Trüglich umher der Weidmann zog: erst haften die Klau’n ihm,
Dann sein ästig Geweih’ in dem Netz; doch, wie er sich abmüht
Sich zu befrein, schlingt er stets fester die hemmenden Fessel
Noch um sich her, und sinket dann athemberaubet zu Boden:
So verstrickte sich hier das Heer. Die flüchtenden Krieger
Schrien; auftobten die Ross’; an den schnellgewendeten Achsen
Brachen die Räder entzwei, und hemmten die Flucht und die Rettung.
Jetzt fuhr Blitz auf Blitz im brüllenden Donner herunter.
Sieh’, und wieder hinab zu den Felsenvesten des Meeres
Schwang sich im eiligen Flug der Himmlische; sah zu Jehova,
Anbethend, dort empor, und stieß mit des schwebenden Fußes
Leisem Druck’ an den Fels: da stürzte des flammenden Abgrunds
Wunderbar erst erhob’nes Gewölb’ urplötzlich zusammen;
Hoch aufwogte des Meer’s getrennete Fluth, und ergoß sich,
Rauschend daher links, rechts, in ihr versinkendes Bette.
Ha, welch Jammergeschrei? Wohin verschwinden die Völker
Pharao’s — Wagen und Rosse, wohin? Verschlingt sie der Abgrund
Alle? Ja, er verschlinget sie all’! Unzählige Leichen
Schwimmen über der Tief’; eintönig rauschen die Wogen;
Kein Blitz flammt; kein Donner rollt; die wetternden Wolken
Heben sich strahlend empor, und die Sonn’ erleuchtet den Erdkreis.
Drüben am breitaufragenden Strand des ruhigen Meeres
Hemmte Moses zuvor die Flucht der wimmelnden Scharen
Israels. Angstbetäubt, erzitterten sie dem Verfolger,
Da stets näher und näher sein Wuthgeschrei mit dem Wiehern
Seiner Ross’, und dem Rollen der streitgerüsteten Wagen,
Scholl; doch Schauer der Furcht, Verwunderung, Hoffnung, und Wonne,
Faßten, wechselnd, ihr Herz, da er scheu vor dem flammenden Blitz, nun
Wieder entfloh. Und als das Bette des Meer’s in den Abgrund
Kollerte; d’rauf im Tumult der lautaufrauschenden Wogen
Sich die getrennete Meeresfluth schnell wieder vereinte,
Und das unzählige Heer, die Wagen, die Ross’, und die Reiter
Pharao’s, dort verschlang: da hob aus den seligen Herzen
Sich kein jubelnder Laut herauf; es beugten, mit einmal,
All’ die Geretteten hier die Stirne zum Staub’, und benetzten
Ihn mit den Thränen des Danks: Jehova, den Retter, den starken,
Gütigen Gott verehrend im Staub’, in erschütternder Stille!
Aber es reiheten jetzt die Jünglinge, Frauen, und Jungfrau’n,
Vor den Männern, auf Moses Wink, in gesonderten Haufen,
Sich an dem Strande des Meer’s. Er stand auf dem ragenden Felsriff
Höher denn sie. Kein Laut erscholl. Da faßten die Künstler,
Jair und Bentubal, die goldenbesaiteten Harfen;
Sieh’, und bald erklang, wie im Blüthengezweige des Fruchthains
Säuselt des Windes Hauch, und bald, wie er brauset im Herbststurm,
Der den nächtlichen Forst durchfährt, der heiligen Harfen
Herzentflammender Laut, am Fuße des ragenden Felsens!
Moses sah zu dem Himmel empor. Er faltete, kreutzweis
Ueber der pochenden Brust die Händ’, und begann in der Saiten
Frohem Getön sein Jubellied. Laut sang ihm das Volk nach:
Mosis Siegeslied II. Buch 15. Cap.
„Laßt uns singen dem Herrn: denn herrlich erwies er sich — stürzte
Schnell das Roß und den Reiter in’s Meer.“[15] Die Seherinn Gottes
Mirjam, Aarons Schwesterkind, erhob in der Rechten,
Jubelnd, die Pauk’, und sang im Reigen der Frau’n und der Jungfrau’n:
„Laßt uns singen dem Herrn: denn herrlich erwies er sich — stürzte
Schnell das Roß und den Reiter in’s Meer.“ Mein Ruhm ist Jehova,
Meine Stärke, mein Heil! Er ist mein Gott — ich erheb’ ihn;
Aber auch meiner Väter Gott, und ich preis’ ihn auf immer:
Denn, ein tapferer Held ist er, und sein Nahmen ist Allmacht!
„Pharao’s Wagen und Heer stürzt’ er in die Fluthen des Meeres,
Und die erlesenen Führer versenkt’ er all’ in dem Schilfmeer.“
Sie bedeckte die brausende Fluth: wie Steine versanken
Sie in die Tief’. O Herr, mit Kraft verherrlicht, erwies sich
Deine Rechte. Sie schlug den Feind. Du stürztest die Gegner,
Strahlend in Fülle des Ruhms. Dein Grimm flog hin, und verzehrte
Sie, wie Feuer die Stoppeln im Feld’. Aufthürmte die Fluth sich
Deinem gewaltigen Hauch — die strömende stand, und der Abgrund
Hob aus der Mitte des Meer’s sich empor.[16] Da sagte der Gegner:
Will sie verfolgen, erhaschen, und theilen den Raub; in des Herzens
Freud’ entblöß’ ich den Stahl, und meine Rechte vertilgt sie.
„Doch dein Hauch stürmt an: alsbald bedeckt sie die Meerfluth,
Und wie Blei versinken all’ in den brausenden Wässern.“
Wer gleicht dir, Jehova, an Macht und der Heiligkeit Fülle?
Wer ist so herrlich an Ruhm, und wer so wundergewaltig?
„Ha, du erhobst die Hand, und schnell verschlang sie der Abgrund!“
Du warst deinem erretteten Volk’, erbarmend, ein Führer,
Und, voll Kraft, trägst du’s zu deinem heiligen Sitz hin!
Dann auffahren die Völker im Zorn’, und Philisthims Bewohner
Toben vor Wuth; doch Angst verwirret die Fürsten von Edom;
Moabs Gewaltige faßt die Furcht, und Kanaans Völker
Zittern. Schleudr’ Entsetzen und Grau’n aus der mächtigen Rechten,
Daß sie erstarren zum Stein, so lang’ auf jene herunter,
Als hinwandelt dein Volk, das du zum Eigen erwählt hast.
Herr, du führst es dahin; verpflanzest es rings um die Berghöh’n
Deines erkorenen Erbtheils — dort an dem dauernden Wohnsitz,
Den du erhöhst, und am Heiligthum, das du selber bereitest:
Herrschen wird Jehova, der Herr, auf immer und ewig!
„Singen wir dem Herrn: denn herrlich erwies er sich — stürzte
Schnell das Roß und den Reiter in’s Meer!“ so scholl es von drüben
Jauchzend heran, und in Wonn’ erbebte das horchende Weltall.
Heil dir, o Moses, Heil: erlös’t von den Banden der Knechtschaft
Hast du dein Volk, und mit Wundermacht in den Tiefen des Meeres
Ihm eröffnet die Bahn der Rettung vom Tod’ und Verderben!
Also solltest du hier dem Welterlöser vorangeh’n,
Der vom ewigen Tod’ und von gränzenlosem Verderben
Einst errettet das Menschengeschlecht. Verloren auf immer
Waren wir alle. Zerstreut, wie auf einsamer Steppe die Heerden,
Irreten wir. Er kommt, und nimmt freiwillig die Sühnung
Für die ererbte Schuld — die Schuld des Menschengeschlechtes
Nimmt er auf sich, und leidet, und stirbt. O Tiefe der Weisheit
Gottes, wer ergründet dich! Kann den Frevel am Heil’gen
Sühnen der Gottmensch nur? Nur er, der ewige Mittler,
Tilgen die Schuld? Ihr Völker der Erd’, o preis’t den Erbarmer,
Dem, von schauernder Ehrfurcht voll, sich beuget das Weltall:
Denn nur er vollbracht’ es — im Werk der hohen Erlösung!