Auf grüner Wiese milde

Ließ er die Diener sein,

Und ging mit Schwert und Schilde

Keck in’s Burgthor hinein.

Da kam ein alter Mann,

Gar klein und krumm und bleich,

War schneeweiß angethan,

Sein Bart war licht zugleich.

Der sprach: was sucht ihr hier?

Still blieb der König stehen,

Und sprach: ich komme schier

Um die Gesicht’ zu sehen.

Der Alte ernsthaft sprach:

Kommt ihr zu diesen Dingen,

So folgt mir kecklich nach

Will euch zu ihnen bringen.

Der Alte ging voraus,

Der junge hinterdrein,

Sie treten in das Haus

Und in den Saal hinein.

Es glänzt der Saal von Pracht,

Von Gold und Edelstein,

Wo ihm entgegen lacht

Der grün’ und rothe Schein.

Es war im schönen Zimmer

Von tausend Farben Glanz

Wie nur ein einzger Schimmer,

Es war ein Kleinod ganz.

Der König sprach: zu Hause,

Hab’ ich viel Säle licht,

Doch gegen diese Klause

Ist alles nur ein Wicht.

Auf einer güldnen Stangen

Sah er den Sperber dann:

Tragt ihr nun noch Verlangen,

So sprach der alte Mann,

Das Abentheu’r zu wagen,

Der Sperber sitzet hie,

In Nächten und drei Tagen,

Dürfet ihr schlafen nie.

Könnt ihr nicht Schlaf vertreiben,

Und euch erhalten wach,

So müßt ihr allhier bleiben

Bis an den jüngsten Tag.

Doch könnt ihr es vollbringen

So steht euch dafür frei,

Zu nehmen von den Dingen,

Was es auch immer sei.

Doch eins ist untersaget,

Das ist der Fürstin Leib:

Nun geht mein Herr und waget

Den edlen Zeitvertreib.

Der König sprach: ich habe

Zum Wachen mich gestellt,

Ich bitte um die Gabe,

Die meistens mir gefällt.

Er dacht’ in seinem Sinne

Nur an das schöne Weib,

Und wenn ich die gewinne,

Bitt’ ich um ihren Leib.

Der Alte ging zurücke,

Es blieb der Junge da,

Und wagte nun sein Glücke,

Er blieb dem Sperber nah.

Er schaut bei Tag wie Nachte,

Nur diesen Sperber an,

Und unermüdet wachte

Der übermüth’ge Mann.

Nie ward es Nacht und dunkel

Beim Sperber im Kastell,

So glänzte der Karfunkel

Roth durch die Zimmer hell.

Darzu erklangen schöne

Gesänge durch den Saal,

Es sangen in die Töne

Auch Vögel drein zumal.

Und Speise war zugegen

Und auch der süße Wein;

Nur durft’ er sich nicht legen,

Mußt’ immer wachend sein.

Noch waren viele Zimmer,

In die ging er hinein,

In allen glänzt der Schimmer

Von Gold und Edelstein.

Gold waren alle Wände

Und bunte Blumen drauf,

Es rankten aller Ende

Sich Zweig’ und Kränz’ hinauf.

Und Rubin und Smaragden,

Demant und auch Sapphir

Sah man erschimmernd prachten,

Als Blumen herrlich hier.

Auch war in Farben schöne

Dort in dem Glanz und Schein,

Die sangen zarte Töne,

Wohl tausend Vögelein.

Auch Ritter abgebildet

Im wahren Conterfei,

Gehelmt und auch beschildet

Und wer ein jeder sei.

Darneben war geschrieben,

War keiner blieben wach,

Drum waren sie geblieben

Bis an den jüngsten Tag.

Drei andre Bilder standen,

Von Rittern, und dabei

Die Schrift von welchen Landen

Und Namens jeder sei.

Die hatten Tag und Nacht

Und ohne zu ermüden

Den Sperber wohl bewacht,

Drum waren sie geschieden.

Und hatten Gaben viele

Mit sich hinweggenommen,

Gar mannlich bis zum Ziele,

Glücklich zurück gekommen.

Wie er dies all betrachtet,

Ging er zum Sperber wieder,

Den er drauf wohl beachtet,

Und stark sind seine Glieder.

Drei Tage sind vergangen,

Der vierte Morgen kam,

Worauf die Angst und Bangen,

Sein Amt ein Ende nahm.

Mit lächelnden Geberden

Mit Schmuck in schöner Seide

Tritt nunmehr zu dem werthen

Im allerschönsten Kleide

Die Fürstin in den Saal,

Das überschöne Weib,

Er sieht der Augen Stral

Und ihren schlanken Leib.

Sie sprach: ein schön Gelingen

Hat euch das Glück bescheert,

Erwählt nun von den Dingen

Was euer Herz begehrt.

Der sah nur ihre Schöne

Und stand in sich entzückt,

Er sprach: das Ende kröne

Was mir so wohl geglückt.

Drum mag ich keine Steine,

Was frommte mir das Gold,

Ich wünsche nur das eine,

Das seid ihr Fürstin hold.

Drum will ich nichts begehren,

O wunderschönes Weib,

Doch sollt ihr mir gewähren

Den schlanken süßen Leib.

Mit zornigen Geberden,

Sprach drauf die Prinzessin:

Mein Leib kann euch nicht werden,

Wählt anderen Gewinn.

Der König sprach: an Schätzen,

An Edelstein und Gold,

Mag jeder sich ergötzen,

Ich hab’ es nie gewollt.

Drum will ich keine Gabe,

Als nur den zarten Leib,

Ihr seid die schönste Habe,

O edles holdes Weib.

Sie sprach: ihr seid vermessen

Und redet wie ein Thor,

Habt alle Punkt vergessen,

Die man euch sagt’ zuvor.

Verändert euren Sinn,

Kein Mann darf meine werden,

Ihr habt des nicht Gewinn,

So lang ihr lebt auf Erden.

Es schadet eurem Glücke,

Es schadet eurer Macht,

Drum kehrt, mein Freund, zurücke,

Seid witzig und bedacht.

Was ist die Weisheit nütze?

Verderben mag mein Leib,

Sprach jener drauf in Hitze,

Ich will euch, goldnes Weib.

Sie sprach: ihr habt gesprochen,

Und gleicht dem Reymund sehr,

Der auch den Schwur gebrochen,

Zu Kränkung seiner Ehr.

Ihr habt die Gab’ verloren

Wie er das Weib verlor,

Er hatte falsch geschworen,

Ihr seid ein junger Thor.

Und was ich nunmehr sage,

Das trifft gewißlich ein,

Von heut soll Gram und Plage

Nur euer Erbtheil sein,

Dein Vater, Gyot hieß er,

War meiner Schwester Sohn,

Und als er starb, da ließ er

Dir seinen mächtgen Thron.

Der Schwestern waren drei,

Und Melusina eine,

Sie machte Reymund frei,

Und wurde drauf die seine.

Wir hatten uns verbündet,

Am Vater uns zu rächen

Und haben schwer gesündet,

Ich mag davon nicht sprechen.

Die Mutter hieß Persina,

Sie straft das Unterfangen,

Samstag’s wird Melusina

Zu einer wüsten Schlangen.

Sie den Tag nie zu sehn

Hat Reymund ihr geschworen,

Er bricht den Eid, die Wehn

Sind da, sie geht verloren.

So sind wir alle drei

Gespenster für das Wüthen,

Ich muß im Schlosse frei

Den schönen Sperber hüten.

Die dritte ist Plantina,

Sie ward wie wir verflucht,

Wie ich und Melusina

Von Strafe heimgesucht.

Weil sie wie wir gewüthet,

Ist Arragon ihr Land,

Wo sie die Schätze hütet

Auf einen Berg gebannt.

Von unserm Stamme ihr

Habt euch nun schwer vergangen,

So daß euch für und für

Folgt Angst und Pein und Bangen.

Der König sah die Schöne,

In seinem jungen Muth

Hört er nicht ihre Töne,

Er fühlt nur seine Gluth.

Er schaut die zarten Glieder,

Den edlen schönen Bau,

Und ihn entzündet wieder

Das holde Bild der Frau.

Er springt und will sie fassen

Um ihren schlanken Leib,

Doch schnell muß er sie lassen,

Es schwand das süße Weib.

Gespenster stehn im Saal,

Die schlagen auf den dreisten

In wilder Wuth zumal

Mit ihren grimmen Fäusten.

Der König rief: Erbarmen,

Ihr schlagt mich ja zu todt!

Sie hörten nicht den Armen,

Und brachten ihn in Noth.

Sie stießen ihn wohl mächtig

Hinaus dann vor das Thor,

So daß er lag ohnmächtig

In bitterm Schmerz davor.

Halb todt schleicht zu den Seinen,

Der Fürst, im Antlitz bleich,

Die Herrn und Diener weinen,

Sie fragen ihn zugleich:

Ist euch bei Tag und Nacht,

Das schwere Amt gelungen?

Habt ihr dort gut gewacht,

Den großen Schatz errungen?

Er sprach: zu bösem Glück

Hatt’ ich es unternommen,

Bin hin zum Schloß, zurück

Zu meinem Leid gekommen.

Er ging, sein Regiment

Nahm nun von Stund’ an, ab,

Der Feind das Reich zertrennt,

Jung geht er in sein Grab.

———

Es hatte auch Persina,

Im Arragoner Land

Die Tochter, hieß Plantina,

Auf einen Berg verbannt,

Die mußten ob Schätzen theuer

Dort wohnen und sie hüten,

Und Wurm und Ungeheuer

Lief um den Berg mit Wüthen.

Es waren grause Schlangen,

Unthier und wilde Drachen,

Die trugen all Verlangen,

Die Schätze zu bewachen.

Es kamen viele Ritter,

Den’n nicht der Weg gelungen,

Sie wurden allsammt bitter

Von dem Gewürm verschlungen.

So kam von Engelland

Auch einst ein tapfrer Mann,

Er war als Freund verwandt

Dem herrlichen Tristan,

Mitglied der Tafelrunde,

Von König Arturs Leuten,

Er wollt zu guter Stunde

Die reichen Schätz’ erbeuten,

Mit Kraft und kühnem Muthe

Hinauf zum Berge gehen,

Er wollt’ mit Leib und Blute

Das Abentheur bestehen.

Der Bote ritt im Zagen

Mit ihm den Berg hinauf,

Allein im schnellen Jagen

Nahm er rückwärts den Lauf.

Der Degen blieb alleine

Und war in großer Noth,

Er sprach: ich seh das eine,

Das ist mein naher Tod.

Wo ich die Augen wende

Ist Dampf und wildes Wüthen

Und Würmer ohne Ende,

Die diesen Berg behüten.

Frisch auf und sei gerüstet,

Behalt den Muth, du Schwert,

Weil mich des Kampfs gelüstet,

Die Sache ist es werth.

So ging er ohne Zagen,

Ihm sprangen Würm entgegen,

Doch kein Thier durfte wagen

Zu stehn dem tapfern Degen.

Er schlägt sie alle nieder

Und dringt den Berg hinauf,

Es kommen andre wieder

Und sperren seinen Lauf.

Ein schmaler Pfad sich wandte

Zum steilen Berg hinan,

Wo manche wilde Bande

Bedroht den werthen Mann.

Er ging auf lauter Schlangen,

Auf Natter und Skorpion,

Er hat sich’s unterfangen

Und spricht dem Grausal Hohn.

Schmal sind und steil die Wege,

Kaum Platz für seinen Schritt,

Weit hallen seine Schläge,

Laut klingt sein erzner Tritt.

Da woll’n zwei wilde Drachen,

Im Sprung her zu ihm dringen,

Der zahnbewehrte Rachen

Klafft weit, ihn zu verschlingen.

Es rasseln ihre Flügel,

Und scharf sind ihre Klauen,

Womit sie in den Hügel

Und harten Felsen hauen.

An seinem Schild sie klirren,

Nicht bebt der tapfre Mann,

Er läßt sich gar nicht irren

Und schreitet risch hinan.

Der Drachen Auge blicket

Ihn an mit rother Glut,

Doch bleibt sein Schwert gezücket,

Im Busen scharf der Muth.

Mit zwei gewaltgen Schlägen

Haut er die Häupter runter.

Drauf stößt der wackre Degen

Zum Abgrund sie hinunter.

Den Weg ging er nun weiter

Zum steilen Berg hinan,

Der wurde nirgends breiter

Nur enger wird die Bahn.

Ein Bär kam ihm entgegen

Gar groß und ungeheuer,

Auf engen Felsen-Wegen,

Ein schlimmes Abentheuer.

Der Bär hat scharfe Klauen,

Und ist im Grimme wild,

Die in den Harnisch hauen

Ihm zerren ab den Schild.

Der Ritter muß sich wehren,

Er kämpft mit Mannes Muth,

Er trifft das Maul des Bären,

Weit spritzt das dunkle Blut.

Der Bär aufbrüllt im Grimme

Und richtet sich empor,

Weit tönt die rauhe Stimme,

Er springt zum Ritter vor.

Der schreitet keck entgegen,

Und gab ihm manchen Schlag,

Bald vor dem kühnen Degen

Die große Tatze lag.

Der Bär thut auf ihn dringen

In allergrimmster Wuth,

Es mußte mit ihm ringen

Der edle Ritter gut.

Der Harnisch reißt und trennet

Sich ab dem Ritter werth,

Mit Schrecken das erkennet,

Verliert zugleich sein Schwert.

Der Dolch muß ihn bewehren,

Den nimmt er tapferlich

Und giebt damit dem Bären

Gar manchen scharfen Stich.

Worauf des Bären Stimme

Noch einmal brüllt empor,

Er zuckt in seinem Grimme,

Das Leben er verlor.

Der Held sucht seinen Degen,

Er faßt ihn freudig an,

Und höher steigt verwegen,

Der wunderkühne Mann.

Ein jeder Schritt war Kämpfen,

Streit jeder Athemzug,

Die Ungeheur zu dämpfen,

Fand er da Kampf genug.

Er hört ein fern Getöse

Und tritt beherzt hinzu,

Da hielt der Wurm, der böse

Im Schatten seine Ruh.

Vor einer Thür von Stahl,

Lag breit das schlimm Gewürm,

Drinn war der Schatz im Saal,

Der Wurm der letzte Schirm.

Er schlief, sein Athem brauset,

Er selber ein Gebirge,

Der Ritter sieht, ihm grauset,

Tritt zu, daß er ihn würge.

So wie er schnarcht geht Feuer

Aus seinem offnen Schlund,

Es glänzt das Ungeheuer

Von vielen Farben bunt.

Die Zähne große Steine,

Den’n keine Waffen halten,

Die scharfbeklauten Beine,

Können wohl Felsen spalten.

Mit Brüllen thut er wachen

Und grimmt den Ritter an,

Sperrt seinen grausen Rachen

Thorweit dem tapfern Mann.

Das Schwert thut kühnlich blitzen,

Ihn schirmt das Schild zugleich,

Doch mag es ihm nicht nützen,

Das Thier fühlt keinen Streich.

Es faßt mit seinem Munde

Das Schwert im Augenblicke,

Zerbeißt es auch zur Stunde,

Speit wieder aus die Stücke.

Drauf schrie’s, es bebt der Wald,

Und an den Mann sich drang,

Den es im Schlund alsbald

Mit leichter Müh verschlang.

Den Freunden bracht der Bote

Die Kund nach Engelland,

Von dieses Ritters Tode,

Der sich dem unterwand

Plantina zu erlösen,

Die auf dem Schlosse harrt,

Doch leider von dem bösen

Gewürm verschlungen ward.

———

Geoffroy erhielt von diesem Thiere, auch von dem Tode des Ritters aus Engelland Nachricht, wunderte sich, daß es ein solches Ungeheuer in der Welt geben könne und nahm sich vor, es zu bekämpfen, und das wunderliche Abentheuer zu bestehn. Er rüstete sich, zog aus, ward aber unterwegs so gefährlich krank, daß ihm kein Arzt helfen mochte: als er dieses merkte, sagte er: ich habe zwei Riesen umgebracht, aber dieses wilde Thier wird meinem Schwert entgehen, will mich daher zu Gott wenden, und alle weltlichen Gedanken fahren lassen.

Legte sich hiemit auf sein Sterbebette, beichtete, machte sein Testament, bezahlte seine Schulden, und empfing alle Christliche Rechte, worauf der tapfre Mann selig und in dem Herrn verschied.

Dieses ist die Geschichte von der Melusina, die wohl recht ein Spiegel alles menschliches Glückes genannt werden kann.

König Rother.
Fragment.
1806.

König Rother zieht einer Jungfrau die Schuhe an.

In der Kammer ward es stille,

Da sprach die Königinne:

O weh, Fraue Herlind,

Wie groß meine Sorgen sind

Um den Herren Dietheriche,

Den hätt’ ich sicherliche

Verstohlen gern gesehn,

Und möcht’ es füglich geschehn

Um den tugendhaften Mann,

Fünf Ringe lustsam

Die möchte ein Bothe schier

Um mich verdienen,

Der den Held balde

Brächte zu meiner Kammer.

In Treuen sprach Herlind:

Ich will mich heben geschwind,

Ich geh zu der Herbergen sein,

Es bringe Schaden groß oder klein,

Doch pfleget er solcher Zucht

Daß wir seyn dürfen ohne Furcht.

Herlind ging balde

Zu einer Kammer

Und nahm ein theuerlich Gewand,

Wie manche Fraue hat,

Darin zierte sie den Leib,

Da ging das listige Weib

Zu dem Herrn Dietheriche.

Er empfing sie frommliche,

Viel nahe sie zu ihm saß,

Dem Recken sie in das Ohre sprach:

Dir entbietet holde Minne

Meine Frau, die Königinne,

Und ist dir mit Freundschaft unterthan,

Du sollt hin zu ihr gahn,

Dorten will die Magd

Dich selber wohl empfahn,

Nur um deine Ehre,

In allen Treuen Herre.

Du magst das wohl gewiß sein

An der Jungfrauen mein.

Also redete da Dietherich:

Fraue du versündigest dich

An mir elenden Manne,

Ich bin auch zu Kammern gegangen

Hievor da das mochte sein,

Warum spottest du mein?

Leider, so that man dem Armen ja,

Eure Fraue gedacht der Rede nie,

Hie sind so viele Herzogen

Und Fürsten in dem Hofe,

Daß ihr mit einem anderen Mann

Euren Scherz möchtet han,

Des hättet ihr minder Sünde,

Ihr verdienet die Abgründe

Daß ihr mich so thöricht wolltet han,

Ich bin ein so armer Mann,

Doch ehemals ich war

Daheim ein reicher Graf.

Herlinde sprach dem Herren zu,

Sie konnte ihre Rede wohl thun:

O nein, mein Herre Dietherich,

Nicht verdenke du also mich,

Ich habe dieses, weiß Gott, nicht gethan,

Mich hieß meine Fraue hieher gahn,

Es nimmt sie großes Wunder,

Daß du so manche Stunde

In diesem Hofe seiest gewest

Und sie doch niemals wolltest sehn,

Das ist doch selten nur gethan

Von einem so stattlichen Mann,

Nur verweist mir die Rede nicht,

Der Königinne wäre lieb

Welche Ehre dir gescheh

Wie du sie auch nie gesehn,

Wolltest du aber hingehn

So thätest du nichts übeles daran.

Dietherich zu der Frauen sprach:

(Er wuste wohl, daß es ihr Ernst war)

Hie sind so viele der Merker,

Wer behalten will seine Ehre

Der soll mit Klugheit gahn,

Es wähnet der elende Mann

Daß er nimmer so wohl thu,

Daß sie es alle für gut

Halten, die in dem Hofe sein;

Nun sage der Jungfrauen dein

Meinen Dienst, will sie ihn nehmen,

Ich mag sie jetzt nicht sehen

Vor der Helle des Tages,

Ich fürchte, daß es erschalle

Lästerlich uns Beiden,

So verbietet mir das Reiche

Constantin der Herre,

So muß ich immermehre

Flüchtig sein vor Rothere

Und mag mich nirgend erretten.

Herlind wollte von dannen gahn.

Der Herre bat sie da bestahn

Und hieß schnell seine Goldschmiede

Zween silberne Schuhe giessen,

Und zween von Golde.

Als er sie geben wollte

Da bat er Asprianen,

Daß sie nur zu einem Fuße kamen,

Daß er die beiden nehme

Und sie der Frauen gebe,

Und einen Mantel viel gut,

Zwölf Ringe Gold roth:

So soll man wohl belohnen

Einer Königinne Bothe.

Da sprang die fröhliche

Von dem Herren Dietheriche.

Herlind kam balde

Zu ihrer Frauen Kammer

Und sagete ihr von dem Herren,

Er pflege seiner Ehren

Sehre fleißigliche:

Das wisset wahrliche,

Ihm ist die Huld des Königes lieb,

Er mag dich darum sehen nicht,

Weil es sich nicht will fügen,

Nun schaue an diese Schuhe,

Die gab mir der Held gut

Und that mir auch Liebes genug,

Und einen Mantel wohlgethan,

Wohl mir, daß ich je zu ihm kam,

Und zwölf Ringe die ich han

Die gab mir der Held lustsam,

Es mochte nie auf der Erden

Ein schönerer Ritter werden

Als Dietherich der Degen

Gott laß es mich erleben,

Ich gafft ihn an ohn’ danken,

Daß ich mich des immer mag schämen.

Es scheint wohl, sprach die Königinne,

Daß ich nicht seliglich bin,

Nun er mich nicht will sehen

Magst du die Schuh mir geben,

Um des Herren Hulde,

Schnell ward der Kauf gethan,

Sie zog den goldenen an,

Dann nahm sie den silbernen Schuh,

Der ging an denselben Fuß.

O weh! Sprach die schöne Königinn

Wie wir nun gehöhnet sind,

Denn mit den Schuhen lustsam

Ist ein Missegriff gethan,

Ich bringe ihn nimmermehr an,

In Treuen du must zurücke gahn

Und bitten Dietheriche

Sehre gezogenliche,

Daß er dir den anderen Schuh gebe,

Und mich auch sehen wolle selber

Wenn er unter seinen Verwandten

Je gut Geschlecht gewanne.

O weh, sprach Herlind,

Wie doch der Schade nun ist

Fraue unser beiden,

Nun wisset es in Treuen

Sollt’ ich immer Schande han

Ich muß wieder zurücke gahn.

Da hub die Fraue wohlgethan

Ihr Kleid lustsam

Hoch auf an die Knie,

Denn sie gedachte der Zucht nicht,

Frauelichen Ganges sie vergaß,

Wie schnelle sie über den Hof gelaufen was

Zu den Herren Dietheriche,

Er empfing sie frommliche

In allen den Geberden

Als wenn er sie nie gesehen,

Da wuste der Held wohlgethan

Warume sie zurücke kam.

Herlind sprach zu dem Herren:

Ich must immermehr

In Botschäften gahn,

Mit dem Schuh ist Missegriff gethan,

Sie sind der Königinne

Gegeben um deinetwillen,

Noch sollten wir den einen haben,

Das heißt dich meine Fraue mahnen,

Daß du ihr den andern Schuh wolltest geben,

Und sähest sie auch selber

Wenn du unter deinen Verwandten

Je gutes Geschlecht gewannst.

Ich thät’ es gerne, sprach Dietherich

Nur die Kammerere die melden mich.

Nein, sprach Herlind,

Mit Freuden sie in dem Hofe sind,

Die Ritter schiessen den Schaft

Da ist großen Spieles Kraft,

Ich will hin vor dir gahn,

Nun nimm zween deiner Mann

Und hebe dich viel balde

Nach mir zu der Kammer,

Mit dem großen Schalle

Vermissen sie dein alle.

Herlind wollte von dannen gahn,

Da sprach der listige Mann:

Nun warte des Kammerers,

Ich will nach dem Schuhe fragen.

Schnelle kam Asprian,

Er sprach: O weh, was habe ich dir gethan,

Die Wege ich nicht erleiden mehr mag,

Du bemühest mich diesen ganzen Tag

Immer mit neuen Mähren,

Mehr als du sonst thatest, Herre,

Ihrer war hier ein großer Theil geschlagen,

Die haben die Knechte zu tragen,

Nimm nach deinem Gefallen,

Ich bringe sie dir alle.

Da nahm Asprian

Die anderen Schuhe lustsam,

Und einen Mantel sehr gut,

Und auch zwölf Armkränze roth,

Und gab alles der alten Bothin,

Da ging sie also verstohlen

Viel sehre fröhliche

Von dem Herren Dietheriche,

Und sagete auch schnelle

Ihrer Frauen liebe Mähre.

Des Mägdleins Schauen war sehnlich.

Sich berieth der Herr Dietherich

Mit Berther, dem alten Mann,

Wie es mit Fuge möchte gahn.

Verständig sprach der Herzoge:

An dem versammelten Hofe

Will ich machen großen Schall,

Der zieht die Leute überall,

So bemerket dich kein Mann.

Er hieß die Riesen ausgahn,

Selber bedeckt er sein Roß,

Sich hub der Laut da auf dem Hof,

Da führte der alte Jüngeling

Tausend Ritter in den Ring,

Widolt mit der Stangen

Fuhr her mit Klange

In aller der Geberde

Als ob er thöricht wäre,

Da überwarf sich Asprian,

Der war der Riesen Spielmann,

Grimme hin zwölf Klafter sprang,

So thaten die anderen alle mit sammt,

Er griff einen ungefügen Stein,

Daß von den Merkeren kein

Mann Dietherich vernahm,

Da sie begunnten umher gahn.

In deme Fenstere die junge Königinne stund,

Schnelle kam der Held jung

Ueber Hof gegangen.

Da ward er wohl empfangen

Mit zween Rittern herrlich,

Hin ging der Recke Dietherich,

Da wurde die Kammer aufgethan,

Darein ging der Held wohlgethan,

Den hieß die junge Königinn

Selber willkommen sein,

Und sprach was er dort geböte

Daß sie das gerne thäten

Nach ihrer beider Ehren:

Ich habe dich gerne, Herre,

Um deine Biederkeit gesehn,

Und um etwas anderes ist es nicht geschehn,

Diese Schuhe lustsam

Die sollt du mir ziehen an.

Viel gerne, sprach Dietherich,

Nun ihr es geruhet an mich.

Der Herre zu ihren Füßen saß,

Viel schöne seine Gebärde was,

Auf sein Bein satzte sie den Fuß,

Es wurde nie Fraue besser beschuht.

Da sprach der listige Mann:

Nun sage mir, Fraue lustsam

Mähre auf die Treue dein

So wie du Christin wolltest sein,

Dein hat nun gebeten mancher Mann,

Wenn es in deinem Willen sollte stahn

Welcher unter ihnen allen

Dir am besten gefalle.

Das saget er, da sprach die Fraue:

Viel ernstlicher im Treuen

Herre, auf die Seele mein,

So wahr ich getaufet bin,

Der aus allen Landen

Die theuren Wigande

Zu einander hiesse gahn,

So würde doch nie kein Mann

Der dein Genosse möchte sein,

Das nehm ich auf die Treue mein

Daß niemals eine Mutter gewann

Ein Kind also lustsam,

Darum mit Züchten Dietherich

Mag ich lieben und ehren dich,

Denn du bist in Tugenden ein ausgenommner Mann,

Sollte ich aber die Wahl han;

So nähm’ ich einen Helden gut und stark

Dessen Bothen kommen her in dies Land,

Die noch hie leben

In meines Vaters Kerker,

Der ist geheissen Rother

Und sitzet westlich über Meer,

Ich will auch immer Jungfrau gahn

Mir werde denn der Held lustsam.

Als das Dietherich vernahm,

Da sprach der listige Mann:

Willt du Rother minnen,

Den will ich dir balde bringen,

Es lebet in der Welt kein Mann,

Der mir so Liebes hätte gethan,

Er minderte ofte meine Noth,

Das lohne ihm noch Gott,

Wir genossen fröhliche das Land

Und lebten fröliche mitsamt.

Er war mir immer gnädig und auch gut,

Es hat mich auch nie vertrieben der Held gut.

In Treuen, sprach die junge Königinn,

Ich verstehe nicht die Rede dein,

Dir ist Rother also lieb,

Er hat dich auch vertrieben nicht,

Von wannen du auch fährest Held stark,

Du bist ein Bothe hergesandt,

Dir ist des Königes Huld lieb,

Nun verheele mir die Rede nicht,

Was du mir heute wirst anzeigen,

Das will ich immer verschweigen

Bis an den jüngesten Tag.

Der Herre zu der Frauen sprach:

Nun stell’ ich alle meine Ding

In Gottes Gnade und bei dir,

Ja, es steht dein Fuß

In Rotheres Schooß.

Die Fraue sehre erschrack,

Den Fuß sie aufzog

Und sprach zu Dietherich

Sehre freundlich:

Nun war ich doch nie so ungezogen,

Mich hat mein Uebermuth betrogen,

Daß ich meinen Fuß

Sazte in deinen Schooß,

Und bist du Rother so hehr

So möchte kein König nimmermehr

Bessere Tugend gewinnen,

Der ausgenommenen Dinge

Hast du von Meisterschaft List,

Welches Geschlechtes du aber auch bist,

Mein Herze sehnend,

Und hätte dich Gott nun hergesendet

Das wäre mir inniglicher lieb,

Aber ich mag dir doch vertrauen nicht

Du bescheinest mir denn die Wahrheit,

Und wär’ es dann aller Welt leid

So räumte ich sicherliche

Mit dir das Reiche,

So ist es aber ungethan,

Doch lebet kein Mann

So schöne, den ich dafür nähme,

Wenn du der König Rother wärest.

Also redete da Dietherich,

Sein Gemüthe war sehre listig:

Nun hab’ ich Freunde mehre,

An denen armen Herren

In dem Kerker,

Wann die mich sähen,

So möchtest du daran verstahn,

Daß ich dir wahr gesaget han.

In Treuen, sprach die Königinn,

Die erwerb’ ich von dem Vater mein

Mit adelichem Sinne,

Daß ich sie aus gewinne,

Er giebet sie aber keinem Mann,

Er muß sie denn auf den Leib han,

Daß ihrer keiner entrinne,

Bis man sie wieder bringe

In den Kerker,

Wo sie waren in Nöthen.

Des antwortete da Dietherich:

Ich will sie nehmen über mich

Vor Constantine dem reichen

Morgen sicherliche

Wann er wird zu Hofe gahn.

Die Fraue also lustsam

Küßte den Herren,

Da schied er von dann mit Ehren

Aus von der Kammern

Zu der Herbergen balde,

So wie Berther das ersah,

Wie schnell der Ring zerlassen war.

Da sagete der Herre Dietherich

Die Mähre also wunniglich

Dem theuerlichen Herzogen,

Des begunnten sie beide Gott loben.