Wo? wo?
Peter.
So wie er leibt und lebt
Steht er ja da, seht hin! was gebt
Ihr mir, wenn ich zu sprechen wage
Und selber nach dem Stücke frage?
Polykarp.
Wir alle sind Euch sehr verbunden,
Es währt vielleicht noch ein’ge Stunden.
Zum Amusiren hab’ ich vor der Hand
Wohl auf ’ne Stunde noch Proviant.
Mehrere Stimmen.
Nun fragt ihn, denn das kann nicht schaden.
Peter steht auf.
Verzeihen Sie, ich bitt’ in Gnaden,
Sie möchten unsre Bitte gewähren
Und uns in Unterthänigkeit belehren,
Was, wie und wo das Stückchen wird gespielt,
Nach dem ein jeder ein Begehren fühlt?
Lampenputzer.
Was schwäzt denn wohl da unten? he?
Michel.
Nun, Peter, hörst Du wohl? O weh!
Ein schwäbischer Dialekt? — oder irrt sich mein Gehör?
Nein schwäbisch spricht wohl nicht der Direkteur.
Peter.
Wir dachten, weil Sie mit dem Lichte
Die dunkle Finsterniß vertreiben,
Sie wären irgend einer vom Gewichte,
Sie könnten uns vielleicht beschreiben,
Von was für Ton, von welchen Arten
Das Stück sei, das wir hier erwarten.
Lampenputzer.
Wie? Schie erwarte da ein Stück?
Das istchs das erste, wasch ich höre.
Polykarp.
Das scheint noch alles weit zurück,
Indessen zieh’ ich draus die Lehre,
Daß man sich halte an dem was wir besitzen.
Was kann das Hoffen und Erwarten nützen?
Lampenputzer.
Man schikte mich, um ein’ge Lichter anzuzünden.
Michel.
Nun wird es sich ja doch wohl finden,
Der Oberste schickt ihn gewiß hieher;
Nicht wahr? der man, der ist der Direkteur?
Der Direkteur? der schickt? der man, —
Nein, nein, Schie irren schich in mir,
Scho viel ich von begreifen kann
Istch’s blos etwasch zu finster hier.
Peter.
Doch sagt, wer kümmert sich darum?
Lampenputzer.
Nun, nehmen Schie’s nur halt nicht krumm,
Wenn Schie’s Dunkelsein besser gustiren,
Scho will ich mich geschwinde retiriren.
Geht ab.
Michel.
Der Kerl kann wirklich nicht kapiren.
Anthenor.
Kommt Ihr nicht bald auf meine Hypothese?
Michel.
Herr! sei er still, er macht uns böse,
Man muß hier keine solche Reden führen,
Er weiß den Henker vom Dirigiren.
Wie kann er den Direktor läugnen?
Daß wir ihn nicht so derbe zeichnen,
Damit er sich nicht wieder untersteht
Und andern mit solchen Exempeln vorgeht:
Was würde aus dem ganzen Theater,
Käm jedermann auf sein Geschnatter?
Anthenor.
Doch mit Erlaubniß, seid so gütig nur,
Zeigt vom Direktor mir die kleinste Spur.
Gottloser Mensch! wie kann er alles so verachten,
Muthwillig zu verleugnen trachten?
Hat er kein Geld am Eingang denn gegeben?
Sieht er den Vorhang nicht? war nicht so eben
Ein Mann, ein edler Mann, ein Abgesandte
Vor unsern Augen da, der den Direktor kannte?
Fing nicht schon an ein schönes Licht zu leuchten?
Bis wir den edlen Mann mit unsern Reden scheuchten?
Was kann er dazu sagen? he?
Er wird sich nun auf’s Leugnen legen.
Anthenor.
Das wär ein wenig zu verwegen;
Doch wenn ich anders Logik recht versteh,
So können Sie daraus nicht schließen,
Daß ein Direktor hinten sei.
Michel.
Nun warte, ha! Das sollst Du büßen.
Er hebt einen Stock auf.
Peter.
Je, schlagt den Kerl doch zu Brei!
Stimmen.
Was ist denn da für ein Rumoren?
Peter.
Meine Herrn, wir werden von ’nem Kerl geschoren,
Der uns beweist, wir wären hier unnütze,
Der manchen hier mit seinem Witze
In seinem Glauben — irre leitet,
So weit in seinem Irrthum schreitet,
Daß er behauptet, vom ganzen Direktor
Gucke noch kein Härchen hervor,
Und der zu uns sagt, wir sind nicht gescheidt,
Wenn einer sich auf’s Schauspiel freut,
Er sagt, es wäre nur alles Trug,
Wir wären uns selber Komödie genug.
Baal.
Warum werft Ihr ihn nicht hinaus?
Stimmen.
Er gehört gar nicht in dieses Haus.
Anthenor.
Aber Leute, es gefällt mir noch weniger da draus.
Baal.
Wir werden ihn nicht lange fragen.
Michel.
Ich habe ihn schon hier beim Kragen.
Baal.
Hinaus mit dieser Lästerzunge.
Anthenor wird hinausgeworfen.
Polykarp.
Doch — sagt, wo ist der Kuchenjunge?
Das verzehrt sich schneller als man denkt.
Baal.
So haben wir’s nun zum besten gelenkt,
So können wir doch nun nach dieser harten
Bekämpfung wieder in Ruhe erwarten
Was uns das güt’ge Schicksal bescheert,
Und mancher wird noch durch seinen Fall belehrt.
Das Orchester fängt an sich zu füllen, die Musikanten stimmen auf ihren Instrumenten.
Peter.
Sagt doch, was soll denn das bedeuten?
Michel.
Sie wollen eine Musik bereiten.
Baal.
Bereiten? ’s ist ja schon Koncert,
Ihr seid der Harmonie nicht werth.
Hört, wie ein Ton mit dem andern kämpft
Und jeder sich doch selber dämpft.
Wer, ach! bei diesem Klang nichts fühlt,
Für den ist nie ein Stück gespielt.
Melantus.
Sie bereden mich nicht, daß Melodei
In diesem Schariwari sei.
Baal.
Je mehr Schariwari, je besser,
Der Genuß ist drum um so größer.
Sie scheinen nichts von zu verstehn,
Drum will ich als Exempel vorgehn,
Und damit nur jeder gänzlich schweige:
Ich spiele selber etwas auf der Geige,
Doch hab’ ich’s noch nie weiter getrieben,
Bin immer beim Schariwari stehn geblieben.
Melantus.
So dürften Sie auch gar nicht wagen
Ihr Urtheil hier so dreist zu sagen,
Ein jeder, der nur Ohren hat,
Ist dieses Kreischens lange satt.
Was gehn für Laster hier im Schwunge?
Herr, mit der groben Lästerzunge,
Sie verdienten, daß Sie’s wissen,
Sie würden wie Anthenor ’rausgeschmissen.
Melantus.
’s ist keiner, der sich’s unterstände,
An mich zu legen seine Hände.
Baal.
Hier ist er! denn es ist bekannt,
Auch davon bin ich Dilettant.
Er ergreift den Melantus.
Meine lieben Zuschauer und Freunde,
Entled’gen wir uns schnell unsrer Feinde,
So haben wir dann desto größre Ruh
Und sehn den Werken des Direktors zu,
Und werden im lieblich himmlischen Koncert
Nicht mehr von Flegeln der Art gestört.
Melantus wird hinausgedrängt.
Peter.
Das geht hier streng zu, wie ich merke.
Michel.
Der Kerl hat ’ne große Stärke.
Man darf nun nicht mehr disputiren,
Will man nicht seinen Platz verlieren.
Peter.
Die Leute waren zu ungenirt,
Drum wird an ihnen ein Exempel statuirt.
O weh mir! — ach! mein Herz will brechen —
Bin kaum im Stand — ein Wort zu sprechen —
Was fang’ ich armer — geschlagner Mann
In diesen — großen — Nöthen an?
Baal.
Da seht Ihr nun, was unsre Sinnen
Mit uns für schlechtes Spiel beginnen,
Ihr könnt gar leichtlich es ermessen,
Der Sünder hat sich überfressen.
Polykarp.
Ach nein! — es ist mein schlimmes Glück,
Ein hartes unverdient Geschick —
Sie meinen wohl die wen’gen Kuchen —
Ach! könnt’ ich irgendwo Hülfe suchen.
Baal.
Das ist die Strafe der Sinnlichkeit!
Polykarp.
Und ist es denn nicht Grausamkeit,
Die armen Dinger von Sinnen, uns angeschaffen,
So unerhört für Sinnlichkeit zu strafen?
Ach! — vor den Augen wird mir’s trübe,
Helft mir, o helft — aus Nächstenliebe!
Er sinkt um und wird von einigen hinausgetragen.
Peter.
Sollt’ das noch eine Weile währen
So wird das Theater sich bald wieder leeren.
Michel.
Wenn immer nicht neue wiederkämen,
So möcht’ das Publikum bald ein Ende nehmen.
Merkt’s Euch, Ihr lieben Nachbarsleute,
Da seht Ihr ein Exempel heute,
Wohin elende Sinnlichkeit uns führt,
Daß man Hoffnung zum Stück und alles verliert.
Ein reisender Engländer.
Der Henker hol’ ein solches Publikum,
Ich scheere mich den Teufel nichts darum,
God dam! macht Essen so viel Beschwerden,
Wird aus der Hoffnung auch nichts werden,
Und eben fällt mir’s ein: daß ich mich ennuyire,
’s ist besser, daß ich mein Eintrittsgeld verliere,
Als hier unter abgeschmackten Narren
Nichts thu’ als auf was Abgeschmacktes harren.
Baal.
Sie wollen, mein geliebter Freund,
Von dannen gehn, so wie es scheint.
Der Engländer.
Nicht anders!
Baal.
Haben Sie überlegt,
Was dieser Schritt für Folgen hegt?
Der Engländer.
Das hab’ ich nicht in Acht genommen,
Ich will den Narren hier entkommen.
Baal.
Die Narren werden nicht verschwinden,
Auch anderswo sind welche zu finden.
Der Engländer.
So ist’s doch eine neue Sorte,
Ich geh von dem verwünschten Orte,
Wo der dicke Kerl für sein bischen Geld
Sich für den Allerklügsten hält. Er geht ab.
Baal.
Wer wird das wen’ge Warten scheuen?
Es wird ihn warlich noch gereuen. —
Die Störer sind nun weggebracht,
Nicht wahr, nun hoffen Sie mit Macht?
Peter.
Sein Sie nur so gut mir vorzuschreiben,
Ich hoffe, und ich laß es bleiben,
Wie Sie es gütigst haben wollen,
Damit Sie mich nur nicht ’rausschmeissen sollen.
Michel.
Nein, nein, hier sitzt sich’s gut und schön,
Wir werden gewiß bald etwas sehn,
Wenn ich nur wüßte, ich muß mich schämen
So zu sprechen, — was für Sachen kämen.
Gottfried.
Sehn Sie, ich will’s Ihnen deutlich machen:
Vor’s Erste ist es nichts zum Lachen,
Vor’s Zweite, ist es nichts zum Spaßen,
Vor’s Dritte, schön ist es über die maaßen,
Und Viertens, keine Schlägerein,
Und Fünftens, keine Zänkerein,
Dann Sechstens ist es äußerst schön,
Und schließlich, werden Sie’s ja selber sehn.
Peter.
’s ist mir doch lieb, ich bin geblieben,
Er hat wohl selbst das Stück geschrieben.
Michel.
Mich wundert, wie der gute Mann
So klar und deutlich davon reden kann,
Als hätt er’s ehmals schon gesehn —
’s ist aber doch gewiß recht schön.
Ein zweiter Lampenputzer tritt auf.
Michel.
Da seh ich wieder ein Licht erscheinen.
Peter.
Was wird Herr Baal dazu meinen?
Michel.
Herr Baal, wir sind gar sehr gequält,
Weil es uns an einer tüchtigen Meinung fehlt,
Wollten Sie nicht etwas für uns denken?
Und uns dann Ihre güt’ge Meinung schenken?
Baal.
Lieben Freunde, das kann gar leicht geschehen,
Muß mir den Mann erst näher besehen.
Der Lampenputzer hat indessen Lichter angezündet.
Rüpel.
Das ist doch gleich ein andres Wesen,
Man kann nun die Avise lesen.
Lampenputzer.
Ich zündete die Lichter an,
Und sieh, das war sehr gut gethan,
Vorher war alles nur Schattenreich,
Jetzt sieht das Publikum doch Menschen gleich.
Das Publikum.
Wir sind Ihnen dafür in allen Stunden
In tiefer Unterthänigkeit verbunden.
Lampenputzer.
Ich hoffe, das Stück soll bald beginnen.
Wir trachten darnach mit allen Sinnen.
Lampenputzer.
Ich bin so dreist und will es wagen,
Ihnen kürzlich meine Meinung zu sagen,
Ich kenne den Herrn Direktor persönlich,
Es ist ein guter Mann, gewöhnlich
Seh ich ihn einmal Tag für Tag,
So daß ich wohl so von ihm sprechen mag.
Sein einzger Wunsch ist Ihr Vergnügen.
Ja er hat mir es nicht verschwiegen,
Daß wenn sie nur noch etwas sich gedulden wollen,
Sie sich gewiß verwundern sollen.
Michel.
Ob man das alles darf so glauben?
Peter.
Es ist noch manches loszuschrauben.
Wenn nur Herr Baal voller Güte
Sich mit einem kleinen Wink bemühte.
Das Publikum.
Herr Baal, wir sind sehr verlegen,
Sie wissen wohl, der Meinung wegen.
Baal.
Ganz recht und mir wird’s auf die Dauer
Wahrhaftig doch ein bischen sauer,
Für alle zu glauben, für alle zu denken,
Und so geschickt die Gemüther zu lenken.
Indessen mein’ ich, daß dieser Mann
Wohl schwerlich vom Direktor wissen kann.
Der Direktor macht sich nicht so gemein,
Er ist für solche viel zu fein,
Ich halte dafür, er macht mir Wind,
Und wir sind Thoren, wenn wir geduldig sind.
Ein Theil des Publikums wirft mit Aepfeln nach dem Lampenputzer, worauf sich dieser zurückzieht.
Rüpel.
Mir kommen jetzt Ideen nagelneu,
Und ich sage sie Ihnen ohne Scheu.
Wenn ich das Ganze überlege,
So können wir Nachbarn allewege
Hier gar nicht im Theater sein,
Es ist nur Lug und Trug und Schein.
Michel.
Sie führen uns auf neues Eis;
Doch wo bleibt denn nun Ihr Beweis?
Rüpel.
Ein Beweis so klar wie der Tag,
Wer ihn nur begreifen mag.
Wir bilden uns nämlich ein, wir sind,
Und daraus folgt denn nun geschwind,
Daß alle Dinge, die wir so erleben,
In uns nur als Phantome schweben.
Peter.
In uns? Es schwebte nur in mir
Das ganze große Theater hier?
Rüpel.
Nicht anders.
Peter.
Mit allen diesen Bänken?
Rüpel.
Natürlich!
Das wird mir den Verstand verrenken.
Michel.
Die Meinung verdirbt uns alle den Magen,
Wir haben genug an unsrer Seele zu tragen.
Rüpel.
Sie empören sich gegen meine Gründe,
Was gilts, daß ich’s mir noch komm oder erfinde?
Ich bin der einz’ge hier, der existirt,
Und sich die andern nur imaginirt,
Dann steht es billig kaum zu begreifen,
Wie ich so kann Erfindung auf Erfindung häufen,
Und daß ich hier so eingepresset sitze,
Und das Gedränge macht, daß ich schwitze,
Und doch kann ich’s verfluchte Imaginiren
Nicht lassen, ich muß dies alles produciren.
Michel giebt ihm eine Ohrfeige.
Darin scheint mir kein Menschenverstand,
Und drum bestraft Sie diese Hand.
Rüpel.
Daß ich mir diese Ohrfeig’ nur erdenk’, ist Ihr Glück,
Sonst bräch ich warlich Ihr Genick.
Michel.
Wo hab’ ich ein Genick? Sie stellen sich’s nur vor.
Rüpel giebt ihm wieder eine Ohrfeige.
Sie haben Recht und drum schlag ich Sie auch ans Ohr,
Es ist nur meine eigne Seele,
Die ich dadurch ein wenig quäle.
Peter.
Das ist ein wahres Ungeheuer.
Hier ist der gute Rath nun theuer.
Peter.
Nur zugeschlagen, ich helfe mit,
Denn bei dem Kerl ist doppelter Profit,
Denn erstlich kriegt er allewege
Von uns schwer abgewogne Schläge,
Dann kriegt er auch noch die, Ihr hört’s ihn selber sagen,
Die wir aus diesem Kampfe tragen.
Stimmen.
Ruhig, wozu soll das Gelärme?
Rüpel.
Es ist nichts, meine Herrn, als daß ich ein wenig schwärme.
Wir leben in aller Einigkeit,
Ich fingire mir nur ’ne Streitigkeit,
’s ist nur um ein wenig Geduld zu thun,
So wird die Imagination wohl wieder ruhn.
Baal, der aus dem Schlaf erwacht.
Nun weiß ich alles, lieben Leute,
Ein Familienstück giebt man uns heute,
Der Lampenputzer ist dem Direktor verwandt,
Wir haben gänzlich ihn verkannt;
Wenn der Vorhang sich nun endlich hebt,
So sehen wir, was jeder in seinem eignen Hause erlebt,
Wie der Obre sich um die Familie bemüht,
Die Kinder durch Lohn und Strafe erzieht.
Am Mittag ißt er sich wacker satt,
Beim Verdauen er Langeweile hat,
Läßt sich dann ein’ge Arien singen,
Und thuts in allen möglichen Dingen
Wie wir es immer haben gethan;
Und das sehn wir zur Erquickung an.
Wie wird es uns ergötzend laben,
Unser langweilig Leben im Spiegel zu haben!
Gottfried.
Ich freue mich schon jetzt darauf,
Ging’ doch der Vorhang endlich auf!
Doch hoff’ ich, werd’ ich auch erfahren
Was gestern für Leute beim Nachbar waren,
Und wer in das neue Haus gezogen,
Man hat so manches darüber gelogen.
Peter.
Wir sehn vielleicht auch Herrn Melante
Und manche andre Bekannte,
Meine Muhme die wollte nicht mit mir kommen,
Sie hat vielleicht auf’m Theater Platz genommen.
Michel.
Mir ist ein Knecht jüngst echappirt,
Der wird vielleicht mit aufgeführt:
Man sollte dann aber darnach streben,
Ihm ein’ge wenige Prügel zu geben.
August.
Ich glaube vielmehr, daß wir etwas sehen
Was vor noch nimmermehr geschehen,
Gemälde, die doch nicht Gemälde zu nennen,
Maschinen, die sich bewegen können,
Und bunte tausendfarbge Strahlen
Die alles schön und herrlich mahlen,
Daß wir vor Wolken und schimmernden Dunst,
Vor unbegreiflich schöner Kunst,
Am Ende nichts vom Theater werden gewahr;
Das ist meine Meinung auf ein Haar.
Philipp.
Meine Vernunft kann sich durchaus nicht bequemen,
Nur eine der Meinungen anzunehmen.
Es so zu glauben ist nur dumm,
Ich find’ einen andern Weg mir weit herum,
Denn ohngefähr glaub’ ich dieselben Sachen,
Nur muß ich mir darüber ein Systemchen machen,
Und daß bei Leibe sich nur nicht der Vorhang hebt
Bis mein System ist fertig ausgewebt,
Daß ich nicht unvorbereitet, wie ein Schwein,
In all die Freude plumpe hinein.
Baal zu Hanswurst.
Mein Sohn, Du sprichst kein einzig Wort,
Hab’ ich Dich dazu unterricht?
Nun sprich, bist gern an diesem Ort?
Wie? oder liebest Du ihn nicht?
Hanswurst.
Verzeiht, mein Vater, ich habe sacht
Indeß über alles nachgedacht,
Das ist noch nichts und zeigt von keinen Gaben
Irgend eine lumpige Meinung zu haben,
Doch das, dünkt mich, verräth Geschick,
Mit einem kühnen Adlerblick
Durch das ganze mannichfaltige Gebiet zu streifen,
Was roh ist, niedlich glatt zu schleifen,
Von Eichen Birnen abzuessen,
Den leeren Raum genau zu messen,
In jedem Unsinn Wahrheit auch zu finden,
Und alles zu einem Ganzen zu verbinden.
Eure Meinung, Vater, ist bekannt,
Ich nehme sie an und mache sie etwas galant,
Dazu nehm ich ein bischen vom Anthenor hinein,
So vermeid’ ich dadurch der Einseitigkeit Schein.
Auch ist Herr Polykarp nicht gänzlich zu verachten,
Nur muß man fleißig dahin trachten,
Es mit Herrn Philipps Sätzen zu vereinen,
Und auch zugleich, was Rüpel meint, zu meinen.
Ich nehme mich auch Herrn Melantens an,
Auch Gottfried und Herr August ist ein guter Mann.
Es muß uns allenthalben glücken,
Von einem zum andern zu legen Brücken,
Und so meine Freunde, bleibt es uns offen,
Auf die wunderlichste Weise zu hoffen,
Auf Sachen, die uns jetzt im Augenblick
Unsinnig scheinen, aber wir kommen schnell zur Ueberzeugung zurück.
Ich dächte, das wäre der beste Schwank,
Und die Zeit würde uns so am wenigsten lang.
Das Publikum.
Ja, ja, das ist die beste Methode,
Wir sind schon alle in der Mode.
Wie mir’s in allen Gliedern liegt!
Die Augen kann ich kaum erheben,
Bin durch und durch recht mißvergnügt
Und führe ein meschantes Leben.
Von allen geneckt, von keinem gefühlt,
Vergebens Poesie ausgespielt —
Da kommen sie dann und loben, wie’s scheint,
Ist eigentlich als Tadel gemeint,
Und drehn sich und winden sich närrisch herum,
Sind überklug, deswegen unterdumm. — —
Wo bist du, herrliche Frühlingszeit?
Wie liegst du von diesen Mauern so weit!
Kommt Sonne über die Dächer geflossen,
Scheint mitleidsvoll in die Kammer herein: —
Ich habe noch keine frohe Stunde genossen,
Mich nicht ergangen im lieblichen Schein,
Statt aller frohen freien Natur,
Druckfehler um mich in Korrektur,
Gewöhne mich alles zu korrigiren,
Die ganze Welt zu rektifiziren,
Schau ich von der Höh hinab in die Thäler,
Seh ich allenthalben nur Schöpfungsfehler,
Und fange zu brummen an, endlich zu hassen,
Möchte bogenweis umdrucken lassen,
Kömmt mir alles nur wie Stümperwerk vor,
Und fühle recht gut, ich werd’ ein Thor. —
Warum seid ihr entschwunden
Ihr fröhlichen Jugendstunden,
Als noch Baum und Blume mit mir spielten,
Und Erd’ und Himmel mit mir fühlten,
Mich alle als ihres Gleichen hielten?
Jetzt bin ich unter der Presse
Und leide schlimmen Druck,
Verhandelt auf der Messe,
Und komme täglich weiter zuruck.
Da ist an keine Ergötzung zu denken,
Kein Volksfest, kein fröhlich Gelag,
Man muß sogar am Feiertag
Mit Sorgen sein Gemüth nur kränken.
Will ich zum Wald die Schritte lenken,
So folgt mir die Erinnrung nach,
Und alle Sorgen werden wach,
Will nichts mir die Erquickung schenken.
Kurzum, soll andre amüsiren,
Daß sie vergessen ihr prosaisch Leben,
Und muß mich selber ennuyiren,
Vor mir will keine Hoffnung schweben,
Und da hilft auch kein Sperren und Zieren,
Ich muß es nur so dulden eben. —
Es klopft.
Herein!
Ein Fremder tritt herein.
Fremder.
Verzeihen, daß ich so dreist gewesen,
Ich habe gar manches von Ihnen gelesen,
Du mußt auch sehn den Mann so dacht ich,
Betrachten ihn mit großem Fleiß,
Bin jetzt auf einer gelehrten Reis’,
Einen Umweg von einer halben Meile macht’ ich.
Autor.
Bin Ihnen trefflich obligirt.
Fremder.
Sie sind doch wohl nicht occupirt?
Autor.
Ich bin es niemals, oder immer.
Fremder.
Sie deuten auf das Frauenzimmer,
Das im Meister die schöne Rolle spielt,
Natalie, die nie oder immer Liebe fühlt:
Hab’ bei dem Buche gar manches gedacht,
Geschaudert, geweint, mich erfreut und gelacht,
Es ist doch gar ein trefflich Werk,
Versteht man’s, ist überstiegen mancher Berg.
Autor.
Sie scheinen der Dichtkunst sehr ergeben.
Fremder.
Ich kann wohl sagen, sie ist mein Leben,
Doch lieb’ ich auch den Ernst daneben.
Autor.
Ganz Recht, der Ernst, den muß man lieben,
Treibt man ihn nicht, wird man von ihm getrieben.
Fremder.
Ach Lieber! es giebt so viel zu lernen,
Die Wissenschaften täglich um sich fressen,
Da darf man sich nur ein bischen entfernen,
Hat man das Beste gleich vergessen,
Und wenn man dann mit dem Zeitalter nicht geht,
Kommt man nur allenthalben zu spät.
Autor.
Die Unruhe sich jetzt schneller regt,
Die volle Stunde häufger schlägt,
Da muß die Uhr wohl vorwärts kommen,
Das Repetirwerk ist herausgenommen,
Eine neue Feder hinein endlich kam,
Die alte war etwas gar zu lahm.
Fremder.
Sehr wahr, und werth, sich zu notiren, —
Ich darf Sie doch wohl auch zitiren,
Wann ich die Reisebeschreibung edire,
Und Sie dort namentlich aufführe?
Autor.
Sie werden mir dadurch viel Ehre erzeigen,
Doch mehr noch, wenn Sie gänzlich schweigen.
Fremder.
So wenig mein Werklein wird bedeuten,
Kommen Sie doch zu lauter ehrbaren Leuten.
Was haben Sie jetzo unter der Feder?
Autor.
Jetzt hat die Feder mich unter sich.
Fremder.
Es scheint, mein Herr, Sie scherzen entweder,
Oder ich bin ihnen hinderlich.
Autor.
Das Erste so wenig wie das Zweite,
Es ist nur meine Art so heute:
Doch weil sie’s wissen wollen zumal
Arbeite an einem Poetischen Journal,
Vielleicht ist’s Ihnen auch schon bekannt.
Fremder.
Ei! ei! das ist ja ganz charmant!
Poetisch? das heißt, wie ich es fasse,
So gleichsam Gedichte von Zeit zu Zeit,
Das Ganze wird aber in der Masse
Ganz unpoetisch weit und breit,
Wir haben der Journale längst genug,
Poetisch Journal ist ein Widerspruch.
Autor.
Es wird sich eben nach jedem bequemen,
So wie er will, kann’s jeder nehmen.
Fremder.
So hab ich’s unter andern selber gern,
Der eine will die Schaale, der andre den Kern,
Müssen’s nur nicht am Interessanten fehlen lassen.
Autor.
Wenn man nur wüßte, was interessirt.
Fremder.
So intressirt zum Beispiel, über die maßen,
Was da und da für Komödien aufgeführt,
Wie der und der die Rolle genommen,
Was für Witz von Paris und London gekommen.
Autor.
In dergleichen Dingen bin ich unerfahren.
So müssen Sie sich mit andern paaren,
Um Korrespondenz und Konnexionen,
Karikaturen und Spionen,
Um Neuigkeiten, aus Wien und Berlin
Und dergleichen Amüsanten bemühn.
Autor.
Doch seh ich eben nichts Neues geschehen.
Fremder.
Man muß nur von sprechen, man kann es nicht sehn;
Wer wird die Dinge so schwerfällig nehmen?
Man muß sich eben zum Glauben bequemen;
Wer fodert, daß Gilreys Bilder witzig wären?
Es handelt sich drum, sie zu erklären.
Autor.