Das bisher beschriebene gäbe nun das Kunstbuch der Schule. Nun zeigt sich diese Kunst, und ihr Leben schreitet fort, in Organisation eines Stoffes. Inwiefern dieser Stoff wirklich schon organisirt ist, ist er aufgenommen in die Kunst und in derselben Buch, und es bedarf für ihn keines besonderen Buches; inwiefern er aber noch nicht durchdrungen ist, und er also die weitere Aufgabe für die Kunstschule enthält, muss diese Aufgabe irgendwo in fester Gestalt niedergelegt seyn, und die Schule bedarf, ausser ihrem Kunstbuche, auch eines Stoffbuches. Dies ist nun zum Theil schon vorhanden an dem ganzen vorliegenden Buchwesen, und muss nur die Schule dieses kennen. Die dahin gehörigen Einrichtungen sind schon im vorigen Abschnitte angegeben, und es lässt in dieser Kenntniss ein Fortschritt nur so sich denken, dass diese Kenntniss des vorhandenen Buchwesens vervollständiget, und das allgemeine Repertorium desselben besser geordnet und einer leichteren Uebersicht im Ganzen zugänglicher gemacht werde, auf welchen Zweck auch unsere Schule in alle Wege anzuweisen ist. Jenes auf diese Weise schon vorhandene grosse Stoffbuch selber soll nun fortschreiten: zuvörderst, indem es seiner äusseren Form nach erfrischt und erneuert wird, sodann, indem in Absicht des Inhaltes es theils berichtigt und von den darin vorhandenen Fehlern gereinigt, theils immerfort ergänzt und erweitert wird. Das Letzte geschieht durch neue Entdeckungen auf dem Gebiete der Geschichte und der Naturkunde; welche Entdeckungen immerhin bei ihrer ersten Erscheinung zur Aufnahme in die Einheit sich nicht qualificiren mögen, dennoch aber, bis ein Mehreres zu ihnen hinzukommt, aufbehalten werden müssen. Durch diese neuen Entdeckungen verlängert sich wiederum das Stoffbuch nach der Peripherie hin, das nach der Seite seines Centrums immer mehr verkürzt und von dem Kunstbuche aufgenommen wird.
Dieser Fortschritt, des Stoffbuches sowohl wie auch des Kunstbuches, kann sich nun begeben entweder bei uns, oder bei anderen; wo wir im letztern Falle die Ausbeute in unsere Schule und unser Buch aufzunehmen haben, damit das gesammte Buch des Menschengeschlechtes und sein wissenschaftlicher Fortschritt Einheit behalte.
Zum Fortschritte dieses gesammten Buches gehören auch diejenigen Bestrebungen, dasselbe zu verbessern, die nur noch Versuche und noch nicht zu der Festigkeit gediehen sind, dass man sie in einem Buche niederlegen könne. Auch diese Versuche, wenn sie bei anderen angestellt werden, kennen zu lernen, wenn wir sie anstellen, uns dabei der Beobachtung anderer nicht zu entziehen, müssen wir Anstalt treffen.
Um über den Fortschritt der wissenschaftlichen Kunst, die im Kunstbuche dargelegt werden soll, ganz verständlich zu werden, legen wir unsere Gedanken dar an einem Beispiele.
Wenn also z. B. mit der Universalgeschichte es dahin zu kommen bestimmt wäre, dass man einsähe, sie sey nicht ein Zufälliges, das auch entbehrt werden könne, sondern sie habe eine bestimmte, dem Menschengeschlechte sich aufdringende Frage nach bestimmten gleichfalls im menschlichen Geiste schon vorliegenden Frageartikeln zu beantworten, als etwa: wie unser Geschlecht zu menschlicher Lebensweise, zu Gesetzlichkeit, zu Weisheit, zur Religion, und worin noch etwa sonst die Ausbildung zum wahren Menschen bestehen mag, sich allmählig erhoben habe, — hier einseitig, dann zurückfallend, um auch andere, bisher vernachlässigte Bildungsweisen in sich aufzunehmen; — und man über diese Fragen zu einigen bestimmten und unveränderlichen Resultaten gekommen wäre: so würde man sodann auch einsehen, dass die bisher abgesteckten Epochen nach Entstehung oder Untergang grosser Reiche, nach Schlachten und Friedensschlüssen, die Regententafeln u. dergl. nur provisorische Hülfsmittel, berechnet auf eine Denkart, die nur durch die Erschütterung des äusseren Sinnes berührt wird, gewesen seyen, um die Sphäre jener besseren Ausbeute indessen zu erhalten; und man würde nur an jene, inniger an das Interesse der menschlichen Wissbegier sich anschmiegenden Epochen die Geschichte anknüpfen, welche nun allerdings auch jene ersten weniger bedeutenden mit sich fortführen würden, damit das Gemälde sein vollkommenes Leben bis auf den wirklichen Boden herab bekäme. Man würde z. B. nicht mehr sagen: unter der Regierung des und des wurde der Pflug erfunden, sondern umgekehrt: als der Pflug erfunden wurde, regierte der und der, dessen Leben vielleicht auf die weiteren Begebenheiten des Pfluges, auf welches letzteren Geschichte es hier doch allein ankommt, Einfluss hatte. Die Kunst der Geschichte wäre dadurch ohne Zweifel fortgeschritten, indem man nunmehro erst recht wüsste, wonach man in derselben zu fragen, und worauf in ihr zu sehen habe; sie wäre mit einem klaren Begriffe durchdrungen.
Dadurch wäre auch die ganze Bearbeitung derselben an unserer Kunstschule verändert. Vorher bestand ihre eigentliche Aufgabe darin, jenen klaren Begriff und die festen Data, die eine Uebersicht der Begebenheiten nach seiner Leitung giebt, zu finden, und in diesem Finden bestand die gemeinschaftliche Arbeit unserer Kunstschule. Jetzt ist dies da: es wird abgesetzt im Buche, das unser Zögling selber lesen mag. Vorher musste er ein nach anderen Epochen eingetheiltes Buch lesen, das ihm jetzt auch in alle Wege nicht ganz erlassen werden kann, das aber ihm, der einen Leitfaden von höherer Potenz hat, weit leichter haften wird, als seinem früheren Vorgänger. Die unmittelbar zu treibende Kunst an unserer Schule erhält in Beziehung auf die Geschichte eine andere Aufgabe; ohne Zweifel die, jene Data weiter auszuarbeiten und zu verbinden, und so mehr des bisher noch nicht durchdrungenen Stoffes der Facta durch den Grundbegriff zu durchdringen.
So in allen anderen Fächern. Die Kunst gräbt fortgehend sich tiefer in bisher unsichtbare Welten; die in dem nunmehr ausgegrabenen Schachte gewonnene Ausbeute legt sie im Kunstbuche nieder, als Ausgangspunct und als Instrument ihres weiteren Verfahrens.
Und so wäre denn 1) in unseren Jahrbüchern des Fortschrittes der Kunst an unserer Schule, als Hauptbestandtheile und als Epoche machend, niederzulegen die encyklopädischen Ansichten jedes unserer Lehrer von seinem Fache; kurz, versteht sich, und im Grossen und Ganzen. Sollte ihm, wie dies also zu erwarten, diese klare und ewig dauernde Rechenschaft auch nicht während der Ausübung seines Lehramtes angemuthet werden können, so kann sie dennoch nach dem Austritte ihm nicht füglich erlassen werden, und hat er darauf schon während der Ausübung zu rechnen.
2) Da unsere Schüler auch Bücher lesen sollen, und wir ihnen überhaupt nichts zu sagen gedenken, was ebenso gut im Buche steht, so gehört zu jener encyklopädischen Rechenschaft eines Lehrers allerdings auch die Angabe, welche Lectüre er vorschreibe. Diese Lectüre mag für den Anfang in schon vorhandenen Büchern bestehen, und es wird in diesem Falle genug seyn, diese zu citiren.
Späterhin aber werden wir, theils um die allenfalls veraltete äussere Form anzufrischen, theils aber und vorzüglich, wegen des durch den Fortschritt der Kunst ganz veränderten Ausgangspunctes der von uns wirklich zu treibenden Kunst, Lesebücher für unsere Zöglinge (ein corpus jedes einzelnen Faches, wie es bisher nur ein corpus juris gab) eigens drucken lassen müssen. In Absicht des ersten — des Auffrischens — wird zu beachten seyn, dass dies nicht von dem Ermessen des Einzelnen abhängen könne, sondern mehrere die Tüchtigkeit eines Einzelnen für diesen Behuf anerkennen müssen, indem nicht in jedem der gesammte lebendige Zeitgeist sich ausspricht, und mancher versucht wird, seinen individuellen Geist für jenen zu halten. In Absicht des zweiten haben wir, sowie im Lehren, den Grundsatz, nicht zu sagen, was schon gedruckt ist, im Schreiben den, nicht zum zweitenmale drucken zu lassen, was einmal gedruckt ist. — Wird einmal das Bedürfniss solcher eigenen Lesebücher eintreten, so werden uns die Mittel nicht abgehen, demselben abzuhelfen, und können wir recht füglich von denen, die bei uns Meister oder Doctor zu werden verlangen, dergleichen Probestücke begehren.
Wir erhielten an jenen encyklopädischen Rechenschaften, von denen jede künftige die vorhergegangene entweder formaliter, durch Klarheit und Leichtigkeit, oder materialiter, durch weitere Umfassung des Stoffes, übertreffen müsste, — oder sie könnte nicht aufgenommen werden, und dies wäre ein Beweis, dass die Kunst dermalen bei uns stille stände — eine fortgehende und eng zusammenhängende Reihe von Fortschritten in der Wissenschaft, welche der Nachwelt, die einen beträchtlichen Theil derselben übersehen, und vielleicht das Gesetz dieses Fortschrittes entdecken könnte, wiederum als Mittel weit höherer Fortschritte dienen könnte. Wir erhielten an dem, mit jener und ihrem Gesetze gemäss fortschreitenden Lesebuche, das nicht gerade in den Context jener Jahrbücher eingewoben seyn müsste, sondern selbstständig existiren könnte, ein äusserliches Document und einen Exponenten der Jahrbücher.
Dieses Lesebuch würde, sowie es von einer Seite durch Steigerung der Gesichtspuncte anwüchse, von der anderen durch Auswerfung des sattsam bearbeiteten Stoffes abnehmen. Wir machen dies deutlich an demselben Beispiele der Geschichte. Wenn man durch Erfassung etwa des angegebenen Standpunctes für diese — die Geschichte — vielleicht auch den Zweck aufgeben wird, in derselben Psychologie oder Staatswissenschaft zu lernen — Zwecke, die man leicht für Vorspiegelungen halten dürfte, um dem Philosophen gegenüber sich aus der Verlegenheit zu ziehen, einen Zweck ihres Studiums deutlich anzugeben, — begreifend, dass man diese Zwecke weit wohlfeileren Kaufes mit der Philosophie erreichen könne; dass aber die Regierungskunst, die durchaus etwas Anderes ist, denn die durch Philosophiren zu schöpfende Regierungswissenschaft, eine leichte und sich von selbst findende Zugabe des rechten Studiums der Geschichte sey: — wenn man, sage ich, diese Zwecke aufgeben wird, alsdann wird man einer Menge Untersuchungen, die nur dem psychologischen oder politischen Zwecke unter die Arme greifen sollen, sich gern überheben. — (So lange es, um über die Aechtheit eines gewissen Documents urtheilen zu können, auf die Untersuchung, welchen Zuschnitt der Bart eines gewissen Kaisers gehabt habe, ankommt, muss man in alle Wege diese Untersuchung gründlich treiben. Sollte aber durch einstige Vollendung dieser Untersuchung die Aechtheit oder Unächtheit des Documents, gemeingültig für alle künftige Zeit, ausgemittelt seyn, so mag man nun den Bart immer fahren lassen; ja dieses um so mehr, wenn sogar an der Aechtheit oder Unächtheit des Documents selber uns nichts mehr liegen sollte, indem, was dadurch entschieden werden soll, indess anderwärtsher entschieden worden. Freilich müsste man zu diesem Behufe auch darüber mit sich einig seyn, dass es in allen Fächern Gewissheit und eine feste, unwidersprechliche Beweisführung gebe, und nicht etwa gerade in das blinde Herumtappen, und in die Wiederholung desselben Kreislaufes durch jegliche Generation, die Perfectibilität des Menschengeschlechtes setzen.)
So, wenn nun jemand durchaus kein anderes Mittel hat, um über den Werth einer gewissen Meinung zu entscheiden, ausser daraus, dass sie die Meinung eines gewissen alten Philosophen gewesen, dabei aber doch noch immer Zweifel hegt, ob dieselbe nicht vielmehr die Folge der Gesundheitsbeschaffenheit dieses Philosophen, als seiner Speculation gewesen: so ist diesem die Frage über die Hypochondrie oder Nichthypochondrie des Mannes allerdings höchst bedeutend; wer aber auf anderem Wege über den in Frage gestellten Werth Bescheid hätte, der könnte jenen Philosophen sammt seinem Gesundheitszustande ruhig an seinen Ort gestellt seyn lassen.
Neben diesem ersten und wesentlichen Theile der Jahrbücher, den encyklopädischen Rechenschaften der Lehrer, giebt es noch einen zweiten, zum ersten nothwendig gehörenden Theil, die Ausarbeitungen der Schüler. Denn es soll ja nicht bloss die Kunst der gesammten Schule in Bearbeitung des wissenschaftlichen Stoffes, es soll auch die besondere Kunst der Lehrer gezeigt werden, selber Künstler aus dem ihnen gegebenen Stoffe der Zöglinge zu bilden, und, so Gott will, der Fortgang auch dieser Kunst. Ueber die Lehrmethode derselben wird schon ihre encyklopädische Rechenschaft, auch ohne ausdrückliches Vermelden, die nöthige Auskunft geben. Ueber so viele andere, in Worten auch nicht füglich zu beschreibende Kunstmittel mögen sie schweigen, und dieselben eben üben; aber ihr Werk, den Künstler, der aus ihren Händen hervorgeht, mögen sie vorzeigen.
Im Anfange zwar, und in den ersten Jahren werden wir noch nichts dieser Art vorzuweisen haben; einen sicheren Anfang aber müssen dennoch auch die Jahrbücher sich setzen, indem es ausserdem wohl immer bei dem Versprechen bleiben könnte. Dieser Anfang könnte erscheinen zu Anfang des zweiten Lehrjahres, und er müsste enthalten: 1) die encyklopädischen Ansichten der angestellten Lehrer jedes Faches, die sie ja ohne Zweifel bei der Vorbereitung auf dieses ihnen grossentheils neue Collegium schriftlich entworfen, und während des mündlichen Vortrages und der mit den Lehrlingen angestellten Uebungen verbessert haben werden. 2) Die Probeaufsätze der Studirenden, welche gebilligt, und deren Verfassern die Befugniss, das Regulat nachzusuchen, gegeben worden. Sollte das Letztere zu weitläufig ausfallen, so könnten aus den gelungenen nur die gelungensten ausgewählt, der anderen aber nur im allgemeinen mit dem gebührenden Lobe gedacht werden.
(Der zweite Punct wäre zugleich die den Lehrern, die das Regulat zuerst besetzen, allerdings nicht zu erlassende öffentliche Rechenschaft, dass sie hierbei nach festen Grundsätzen und keinesweges willkürlich verfahren; ingleichen die Weisung an Studirende und deren Eltern, was bei künftigem Anspruche auf dasselbe Regulat von ihnen wenigstens gefordert werden würde. Wenigstens; denn es könnte so kommen, dass das erstemal, um denn doch überhaupt ein an Personal nicht gar zu schwaches Regulat einzusetzen, nach ein wenig milderen Grundsätzen verfahren werden müsste, denn späterhin.)
Aus denselben Bestandtheilen, Nachträgen der Lehrer zu ihren encyklopädischen Ansichten, und Probeaufsätzen neuer Candidaten des Regulats würden die Jahrbücher auch zu Anfange des dritten, vierten etc. Lehrjahres bestehen, so lange bis wir Aufsätze von solchen, die bei uns das Meisterthum erhalten hätten, mittheilen und so die Aufsätze der Schüler ungedruckt lassen könnten. Erst mit diesen ginge die eigentliche Rechenschaftsablegung des Lehrers über seine Lehrkunst an.
Hier auch hebt die eigentliche Rechenschaft der gesammten Kunstschule über den Fortschritt des Lehrtalentes und der Künstlerbildung an ihr an. Werden, noch abgerechnet die Steigerung des Begriffes selbst (wovon in §. praeced.), in der Form die Aufsätze der künftigen Meister klarer, gewandter, freier, leichter, denn die der früheren, so steigt die Kunst; das Gegentheil davon wäre ein Beweis, dass sie wenigstens in dieser Rücksicht fiele, und die gesammte Akademie hätte zusammenzutreten und Anstalten zu treffen, ne detrimenti quid capiat respublica.
Schon in den anderen mit den Lehrlingen anzustellenden Uebungen, recht eigentlich aber, und auch andern sichtbar in diesen Jahrbüchern, kann ein Lehrer sehen, ob ein anderes, jugendlicheres und gewandteres Lehrertalent neben ihm aufkomme, und er hat sodann ohne Säumen auszutreten, und diesem seinen Lehrstuhl zu überlassen. Der eigentliche Vater dieses Studiums, und der fortdauernde Berather und Warner in demselben bleibt er immerfort.
Der hier entworfene Begriff solcher Jahrbücher wäre dem ersten anhebenden Theile derselben in einer, das grosse Publicum befriedigenden Deutlichkeit voranzusetzen, und hätten wir in dieser Einleitung uns auf alle hier aufgestellten Grundsätze für uns und unsere Nachkommen, vor Welt und Nachwelt, auf ewig zu verpflichten.
Betreffend den Fortgang insbesondere des Stoffbuches durch uns, geht dieser, wie sich versteht, auch bei uns, sowie in der übrigen Welt, seinen Weg fort. Es wäre hierbei nur folgendes anzumerken. Zuvörderst ist wohl von keinem unserer Akademiker zu erwarten, dass er, entweder um das Daseyn seiner Person kund zu thun, oder um an den Ehrensold irgend eines schlecht unterrichteten Buchhändlers zu kommen, Geschriebenes schreibe, und compilirend aus zehn Büchern ein eilftes mache, und hätte, falls dergleichen doch einem beikäme, die gesammte Akademie die gemeinschaftliche Ehre zu retten, und die Schmach des Einzelnen von sich abzuwehren. Sodann: dergleichen Vermehrungen des Stoffbuches von Seiten unserer Akademiker müssten zunächst auf das gegenwärtige Bedürfniss unserer Kunstschule gehen und bestimmt seyn, diesem abzuhelfen; und es wäre den Arbeiten von dieser Beziehung der Vorzug vor anderen zu geben. Im Falle eines solchen Bedürfnisses könnten wir auch Auswärtige zur Mithülfe durch Aussetzung eines Preises auffordern; der Akademiker selbst ist für den Preis zu hoch; dem Bedürfnisse der Familie abzuhelfen, wenn er kann, ist ihm ohnedies Pflicht wie Freude, und sind die vom Rathe der Alten recht eigentlich für dieses Geschäft, auch in Absicht des Buchwesens, eingesetzt.
Einen Theil des fortschreitenden Stoffbuches jedoch müssen wir als ein nothwendiges Glied in unseren Plan aufnehmen, und die regelmässige Fortsetzung desselben organisiren; ich meine die Niederlegung der an unserer Akademie gemachten neuen Entdeckungen für Geschichte und Naturwissenschaft, zu welcher letzteren auch das in der ärztlichen Praxis Entdeckte, das einen wissenschaftlichen Aufschluss über die Natur verspricht, gehört, und wir deswegen auch, ohnerachtet wir die ärztliche Praxis ganz von uns auszuschliessen gedenken, für diesen letzteren Behuf einen, oder etliche Männer unter unseren Akademikern haben müssen. Es ist unsere Pflicht sowohl, als unser Vortheil, dass diese Entdeckungen, sobald sie zu einer bestimmten schriftlichen Relation haltbar genug geworden, nicht innerhalb unserer Gesellschaft bleiben, sondern auch das auswärtige Publicum, das uns ja auch diesen neuen Stoff bearbeiten helfen soll, Kunde davon erhalte. Es müssten drum angelegt werden Jahrbücher der Wissenschaftlichen Entdeckungen an unserer Akademie. Ob der Stoff so reich ausfalle, dass er einer selbstständigen periodischen Schrift bedürfe, oder ob diese Jahrbücher mit dem tiefer unten zu erwähnenden Werke, der Bibliothek der Akademie, vereinigt werden sollten, mag entschieden werden, wenn es an die wirkliche Ausführung geht. So viel ist klar, dass wir kein Bändchen der Fortsetzung solcher Jahrbücher liefern können, wenn wir innerhalb der Zeit nichts Neues entdeckt haben, dass sie somit keinesweges bestimmte Termine ihrer Erscheinung halten können.
Noch ein Hauptgegenstand der Beachtung unserer Akademie ist die Benutzung des ausserhalb unser, und anderwärts fortschreitenden Stoff-, sowie auch Kunstbuches; und die Nutzbarmachung desselben für diejenigen unserer Mitglieder, die wegen anderer Geschäfte nicht Zeit haben aufs blosse Gerathewohl zu lesen (die ausübenden Lehrer und Studirenden), von denjenigen aus uns, die diese Zeit haben (dem Rathe der Alten).
Es ist dazu erforderlich zuvörderst, dass man diesen Fortschritt, d. h. die neu erschienenen Schriften historisch kenne. Für diesen Behuf erscheint nun zu Leipzig der bekannte Messkatalog, als das Verzeichniss ihrer zu Markte gebrachten Waare, dessen Besorgung, wie sich versteht, eine Sache des Verkäufers der Waare ist. Es mochte gut seyn, dass sich fertigere Federn fanden, welche diesen Messkatalog paraphrasirten; doch war und blieb dies immer eine rein mercantilische Sache, zum Dienste des Käufers und Verkäufers; und eine allgemeine Literaturzeitung kann durchaus auf keinen höheren Werth Anspruch machen, als auf den eines Journals des Luxus und der Moden. Dass diese subalternen Handarbeiter durch schlecht unterrichtete Schmeichler sich überreden liessen, sie verwalteten zugleich das Geschäft der Kritik, und dieses lasse sich eben mit der durchaus mercantilischen Rücksicht, den ganzen Messkatalog herunter zu recensiren, vereinigen; dass, nachdem die Meinung einmal entstanden, sogar solche, die da wohl fähig gewesen wären, das Amt der Kritik zu verwalten, sich verleiten liessen, zuweilen ein treffenderes Wort in jenen unwürdigen Context hineinzuwerfen, ist in unseren Tagen eine der ergiebigsten Quellen des literarischen und anderen Verderbens geworden, und es ist darüber auf Handlanger und Unternehmer solcher Paraphrasen des Messkatalogs ein grösseres Maass von Spott gefallen, als sie Kraft hatten, zu verdienen. Da die Liebhaberei unserer Leser noch immer nach dergleichen Literaturzeitungen sich hinzuwenden scheint, und, so viel dem Schreiber dieses bekannt ist, der eigentliche Grund ihrer Verwerflichkeit selten rein ausgesprochen und ins Auge gefasst wird, so sagen wir noch bestimmt, dass dieser unser Entwurf anmuthe, zu begreifen folgendes: dass, wenn auch etwa überhaupt, was wir hier an seinen Ort gestellt seyn lassen, die Zeit sich herausnehmen dürfe, die Zeit zu kritisiren, diese Kritik wenigstens nicht an der Allheit der erscheinenden Bücher, sowie die einzelnen uns unter die Hände fallen, geübt werden könne, indem ein solcher Vorsatz selbst einen absolut unkritischen, unphilosophischen, der Einheit unempfänglichen, planlosen Geist voraussetzt, und nur eine planlose und verworrene Geburt erzeugen kann; sondern dass sie an ganzen Klassen und Arten von Büchern, die nach inneren Kriterien schon vorher unterschieden worden, geübt werden müsse; dass jener Vorsatz, alles aus der Presse Hervorgegangene zu recensiren, offenbar die Rücksicht auf gleiche Gerechtigkeit gegen alle Verleger, als Waarenlieferanten, darthue, wie es denn auch die Verleger sind, welche auf die Vollständigkeit der Literaturzeitungen am meisten dringen, und über Vergewaltigung laut klagen, wenn einer ihrer Artikel unangezeigt geblieben; dass demnach der mercantilische Zweck der wesentliche, den Plan und das Grundgesetz solcher Unternehmungen bestimmende, der kritische aber nur hinterher als Vorwand hinzugekommen ist, und dass man sogar auch darüber sich niemals ernsthaft berathschlagt, ob eine Vereinigung dieser beiden Zwecke auch wohl möglich sey.
Möge wenigstens von unserer Akademie eine solche Verwirrung, welche ihr und der Kunstschule Wesen sogleich im Beginn zerstören würde, fern bleiben!
Uebrigens mag in Gottes Namen, und es wäre dieses sogar höchst rathsam, in der Hauptstadt unserer Monarchie, neben dem Sitze der Akademie, auch eine solche vollständige Paraphrase des Messkatalogs erscheinen; wäre es auch nur darum, um die anderwärts erscheinenden aufgeblasenen Zwitternaturen von unseren weniger unterrichteten Mitbürgern abzuhalten. Es sey dies ein Privatunternehmen eines, etwa des akademischen Buchhändlers. Die Sache ist Handarbeit, welcher der Leipziger unparaphrasirte Messkatalog zur Basis diene. Der Referent versichert als Augenzeuge, dass das Buch wirklich erschienen sey, und er es unter den Augen gehabt habe; das sey sein Titel, so viel koste es, und hierauf lässt er die Inhaltsanzeige und irgend eine Stelle aus dem Buche abdrucken. Ueber die Wahl dieser Stellen, auch etwa über ganz auszulassende Schriften, mag er die Akademie derjenigen Klassen, die ohnedies aus anderen Gründen diese Bücher durchzulaufen haben, befragen dürfen, und wäre diesen eine allgemeine Aufsicht und Censur dieses Messcatalogus, jedem in seinem Fache, zu übertragen. — Halte zu diesem Behuf der Unternehmer sich einige Zugewandte, wiewohl auch ganz unstudirte Kaufmannsbursche das Geschäft versehen könnten.
Was dagegen der Akademie als solcher in Beziehung auf die auswärtige Vermehrung des Buchwesens recht eigentlich zukommen würde, wäre folgendes:
1) Die Mitglieder des Rathes der Alten nehmen, jeder für sein Fach, die durch die letzte Messe erfolgte Vermehrung des Buches für dieses Fach vollständig in Augenschein, welches, wenn die Literatur der Deutschen ihren bisherigen Charakter noch lange behält, grossentheils mit Durchsicht der Inhaltsanzeigen, der Register, der Vorreden, und einigem Durchblättern sich wird abthun lassen. Sollte in dieser Durchsicht dem Einen etwas vor die Augen kommen, das nicht eigentlich zur Competenz seines Faches gehörte, und hier sich nur in dasselbe verloren hätte, so macht er den, in dessen Fach es eigentlich gehört, aufmerksam.
2) Was nun in dieser dermaligen Vermehrung des Buches sich findet als Fortschritt, d. i. als Verbesserung oder Erweiterung des Stoffbuches in diesem Fache, oder auch als Erhöhung des Kunstbuches, nach dem oben angegebenen Maassstabe einer solchen Erhöhung, wird niedergelegt in einem anderen periodischen Werke, welches man Jahrbücher der Fortschritte des Buchwesens, oder auch die Bibliothek der Akademie, nennen könnte. Was blosse Wiederholung des schon Bekannten ist, wird mit Stillschweigen übergangen. Rückfälle in schon widerlegte Irrthümer mögen, falls nemlich zu befürchten wäre, dass ein Mitglied unserer Akademie dadurch geirrt werden könnte, angezeigt werden. Da eine solche Uebersicht ausgeht von der bisherigen Literatur des Faches, die ihre feststehenden Abtheilungen schon haben wird, so kann sie recht füglich an diese, als den Grundleitfaden sich halten, zeigend, wie jeder dieser Theile bereichert worden sey, und so das Buch, wo diese Bereicherung sich vorfindet, auf Veranlassung des Inhalts, keinesweges aber den Inhalt auf Veranlassung des Buches, wie dies die Paraphrase des Messkatalogs thut, anführen.
Bücher, in denen gar nichts Neues steht, ohne dass sie doch auch als eine Auffrischung des bisherigen Buchwesens in diesem Fache gelten könnten, und die daher gar nicht existiren sollten, werden in dieser Bibliothek ganz übergangen. Es würde ganz zweckmässig seyn, dass dergleichen, nach Angabe dieser Referenten in der Bibliothek, die man darüber zu befragen hätte, auch in dem Messkatalog übergangen würden, damit, sowie wir selbst auf die blosse Buchmacherei Verzicht thun, wir auch die Unterstützung der auswärtigen Buchfabriken durch den Ankauf unserer weniger unterrichteten Mitbürger verhindern. Das Publicum wisse, dass es desjenigen, das sogar unser Messkatalog übergeht, sicherlich nicht bedarf.
Diese Bibliothek ist unserer Akademie Bibliothek, und zunächst für deren Gebrauch geschrieben. Mit dem ersterwähnten Durchwühlen des ganzen, durch die Messe herbeigeführten Schuttes braucht keiner unserer Lehrer oder unserer Schüler sich zu bemühen; selber der alte Akademiker und Mitarbeiter an der Bibliothek braucht es nur mit dem, der auf seinen Theil gefallen ist; die übrigen Theile haben andere für ihn übernommen. Und so hat denn unser Akademiker nur diese Bibliothek zu lesen, und findet in ihr die bestimmte Nachweisung, was er etwa noch ausserdem neu Erschienenes zu lesen habe. Für ihn ist daher diese Bibliothek allerdings Kritik, Scheidung des zu Lesenden von dem nicht zu Lesenden, des ganzen neuesten Buches.
Will auch das auswärtige Publicum, und unter ihnen die Verfasser und Verleger dieses gesammten neuesten Buches, diese Bibliothek, die durchaus nicht ihnen zu Liebe geschrieben ist, dennoch lesen, so steht ihnen dies ganz frei. Wollen sie ferner dieselbe als allgemeine und so auch für sie geltende Kritik ansehen, so thun sie das auf ihre eigene Verantwortung. Wir wenigstens uns auf die unsrigen beschränkend, haben niemals einen solchen arroganten Anspruch gemacht, unsern Richterspruch der ganzen Welt aufzudringen; dringt er sich ihnen aber etwa von selbst in ihrem eigenen Bewusstseyn auf, so ist dies ein desto ehrenvolleres Zeugniss für uns. Was daraus entstehen möge, so haben wir mit Verfassern oder Verlegern nichts abzuthun, indem wir uns diesen niemals für etwas verbunden haben.
(Dass, weil wir nicht blind herumtappen, sondern nach einem festen Plane einhergehen, wir gar bald zu grossem Ansehen gelangen werden und dass dies mächtig zur Verbesserung des ganzen Literaturwesens wirken werde, lässt sich voraussehen. Jedoch ist sogar diese grosse Folge nur eine zufällige, die wir nicht beabsichtigen; denn zu bescheiden, das Heil der ganzen Welt auf unsere Schultern laden zu wollen, denken wir zunächst nur auf unser eigenes Heil.)
Noch sind allein übrig die oben erwähnten Anstalten, wodurch wir von den Bemühungen anderer wissenschaftlicher Körper, welche Bemühungen noch nicht Festigkeit genug erhalten haben, um im Buche niedergelegt zu werden, zeitig Notiz erhalten, und diese Körper in die Lage setzen, von den gleichen Bemühungen bei uns Notiz zu nehmen. Es wäre in dieser Rücksicht vorzuschlagen: 1) dass wir an allen bedeutenden Akademien und Universitäten des deutschen Vaterlandes sowohl, als des Auslandes, uns einen besonderen Freund und Repräsentanten erwählten aus den Mitgliedern eines solchen Corps; gegenseitig diesen erlaubend und sie einladend, dasselbe bei uns zu thun. Diese Repräsentanten wären ersucht, alles, was an ihrem Orte von der eben erwähnten Art sich zutrüge, davon sie glaubten, dass es die befreundete Akademie interessiren könnte, derselben durch Correspondenz zu melden. 2) Damit wir jedoch, tiefer denn diese fremden Berichte, die nur die erste Aufmerksamkeit erregen sollen, und selbst dasjenige, was diese etwa mit Stillschweigen übergehen, mit eigenen Augen zu sehen uns in den Stand setzen, sollen, wo möglich ununterbrochen, junge Männer aus unserer Mitte zu ihnen gesendet werden und bei ihnen einige Zeit sich aufhalten; die nach erfolgter Rückkehr uns mündlichen Bericht abstatten, wie sie alles befunden. Diese sind zu allernächst an unseren Repräsentanten adressirt, der ihnen mit Rath und That an die Hand gehe. Es versteht sich, dass wir dasselbe den verbündeten Gesellschaften zugestehen, und die ihrigen also behandeln, wie wir wollen, dass die unsrigen von ihnen behandelt werden. So wünschen wir ohne Zweifel, dass die unsrigen den unbeschränktesten Zutritt zu allen wissenschaftlichen Uebungen der Auswärtigen erhalten, und müssen drum diesen denselben Zutritt bei uns geben. Keinesweges aber wünschen wir, dass den unsern bei diesen Besuchen etwa das Sehwerkzeug des Auslandes untergeschoben werde, sondern dass sie sich ihres eigenen Auges, sowie es bei uns gebildet worden, bedienen; wir sind darum ebensowenig befugt, oder, falls wir unseren Augpunct für besser zu halten berechtigt seyn sollten, verpflichtet, ihn unseren Gästen zu leihen, sondern mögen sie das Vermögen zu sehen eben schon mitgebracht haben. Der hierüber nöthigen Politik mögen sich sowohl unsere zu diesen Gesandtschaften gebrauchten Mitbürger, als alle unsere Akademiker befleissigen; und es haben z. B. die ersten nicht gerade nöthig, dem Ausländer gegenüber laut über ihn zu denken, sondern sie mögen sich berichten lassen, ihres Herzens wahre Gedanken aber, bis zu ihrer Rückkehr in unsere Mitte, für sich behalten.
Die zu diesen wissenschaftlichen Gesandtschaften am besten sich qualificirenden Subjecte wären bei uns gezogene und gelungene Regulare, und könnten sie damit sehr füglich die Zeit zwischen ihrem Austritte aus dem Regulat und ihrem Eintritte in die Akademie ausfüllen.
Vorzüglich würden zu diesen Geschäften gebraucht werden und, falls sie nur gerade so gut wie andere sich dazu qualificirten, diesen sogar vorgezogen werden müssen die Söhne aus der Universitätsstadt, und besonders die unserer Akademiker; es versteht sich, wenn die Hauptbedingung, dass sie gelungene Regulare wären, von ihnen erfüllt wäre. Dieses zwar keinesweges als ein persönliches Vorrecht, dergleichen bei uns keine Geburt giebt, sondern vielmehr als Gleichstellung mit den übrigen, und Entschädigung dafür, dass sie die Universitätsstadt an ihrem Geburtsorte finden, und im Grunde aus dem Umkreise der Ihrigen zu einem völlig selbstständigen Leben noch niemals herausgekommen sind, und so die hiermit verknüpften, oben erwähnten Vortheile bisher verloren haben.
Unsere Akademie, an und für sich betrachtet, giebt in der von uns angegebenen Ausführung das Bild eines vollkommenen Staates: redliches Ineinandergreifen der verschiedensten Kräfte, die zu organischer Einheit und Vollständigkeit verschmolzen sind, zur Beförderung eines gemeinsamen Zweckes. An ihr sieht der wirkliche Staatskünstler immerfort dieselbe Form gegenwärtig und vorhanden, welche er auch seinem Stoffe zu geben strebt, und er gewöhnt an sie sein, von nun an durch nichts Anderes zu befriedigendes Auge.
Dieselbe Akademie stellt in ihrer Verbindung mit den übrigen, ausser ihr vorhandenen wissenschaftlichen Körpern dar das Bild des vollendet rechtlichen Staatenverhältnisses. Alle, in sich übrigens allein, geschlossen und selbstständig bleibend, kämpfen aus aller ihrer Kraft um denselben Preis, die Beförderung der Wissenschaft und der wissenschaftlichen Kunst; aber ihr Wettkampf ist nothwendig redlich, und keiner kann den errungenen Sieg verkennen oder schmälern, ohne sich selbst der, allen gemeinschaftlichen und bei unendlicher Theilung dennoch immer ganz bleibenden Ausbeute des Sieges zu berauben. Ihr Wettkampf ist liebend; das beleidigte Selbstgefühl des Ueberwundenen hebt sogleich sich wieder empor an der Freude über den gemeinsamen Gewinn, und die augenblickliche Eifersucht geht schnell über in Dank an den Förderer des gemeinen Wesens.
Diese Form einer organischen Vereinigung der aus lauter verschiedenen Individuen bestehenden Menschheit vermag in ihrer Sphäre die Wissenschaft zu allererst, und dem Kreise der übrigen menschlichen Angelegenheiten lange zuvorkommend, zu realisiren. Als einzelne Republik darum, weil zuvörderst das Interesse, das in dieser Sphäre scheiden, trennen und das zu Vereinigende voneinanderhalten könnte, hier bei weitem nicht so dringend und gebieterisch herrscht, als das der sinnlichen Selbsterhaltung, welches im Gebiete des Staates entzweiet und sich befeindet; sodann weil selber das Element, das die Wissenschaft bearbeitet, die Denkart veredelt und die Selbstsucht schmählich macht. Als ein Verein von Republiken darum, weil alle genau wissen und verstehen, was sie eigentlich wollen; dagegen die politischen Entzweiungen der Völker und weltverheerende Kriege sich sehr oft auf die verworrensten und finstersten unter allen möglichen Vorstellungen gründen. In dieser früheren Realisirung der für alle menschlichen Verhältnisse eben also angestrebten Form ist sie Weissagung, Bürge und Unterpfand, dass auch das Uebrige einst also gestaltet seyn werde, der strahlende Bogen des Bundes, der in lichten Höhen über den Häuptern der bangen Völker sich wölbt.
Aber selbst, indem sie noch verheisset, erfüllet sie schon und ist gedrungen zu erfüllen. Die einzige Quelle aller menschlichen Schuld, wie alles Uebels, ist die Verworrenheit derselben über den eigentlichen Gegenstand ihres Wollens; ihr einiges Rettungsmittel daher Klarheit über denselben Gegenstand; eine Klarheit, welche, da sie nicht uns fremd bleibende Dinge erfasst, sondern die innerste Wurzel unseres Lebens, unser Wollen ergreift, auch unmittelbar einfliesst in das Leben. Diese Klarheit muss nun jeder wissenschaftliche Körper rund um sich herum, schon um seines eigenen Interesse willen, wollen und aus aller Kraft befördern; er muss daher, sowie er nur in sich selbst einige Consistenz bekommen, unaufhaltsam fortfliessen zu Organisation einer Erziehung der Nation, als seines eigenen Bodens, zu Klarheit und Geistesfreiheit, und so die Erneuerung aller menschlichen Verhältnisse vorbereiten und möglich machen; durch welche Erwähnung der Nationalerziehung wir wieder am Schlusse unseres ersten Abschnittes niedergesetzt werden, und so den bis ans Ende durchlaufenen Kreis schliessen.
(Ungedruckt.)
1) Soll ein solches Werk der Universität Ehre machen und zugleich den steigenden Flor derselben befördern, so muss dasselbe auf dem Gipfel der wissenschaftlichen Bildung der deutschen Nation anheben, und seine Fortsetzung kann nichts Anderes seyn, als das fortlaufende Document des ununterbrochenen Fortschreitens jener Bildung auf der vorausgesetzten Universität.
2) Es muss wirklich das Werk der Lehrer und Mitglieder dieser Universität, und das Resultat des wissenschaftlichen Geistes und seiner Leistungen auf derselben seyn, und das öffentliche Urtheil muss darüber nicht in Zweifel bleiben können. Es ist daher nicht hinlänglich, dass jenes Werk etwa nur in der Stadt, wo auch die Universität sich befindet, gedruckt oder auch von Gelehrten, die zugleich Lehrer an derselben sind, geschrieben werde: es muss die Rechenschaftsablegung enthalten über den Geist und die Resultate ihres Treibens. Die Ehre, welche bei Vernünftigen dadurch der Universität zu Theil würde, dürfte sonst vielleicht der jenes Glockenziehers, der zu einer vortrefflichen Predigt eingeläutet zu haben sich rühmte, nicht ungleich seyn: die Rechnung auf das Vorurtheil der Unvernünftigen aber ist, wenn man sich auch herablassen wollte, darauf Rücksicht zu nehmen, nicht sicher auf die Dauer.
3) Der dadurch zu liefernde Beweis der Superiorität des wissenschaftlichen Geistes auf der vorausgesetzten Universität muss nicht indirect geführt werden, so dass man sich nur zeige, als fähig die Schwächen oder auch die Vorzüge Anderer einzusehen, durch welche unabhängig von uns die Wissenschaften bearbeitet werden; denn das ist seinem Wesen nach untergeordnete und Schülerarbeit.
(Dergleichen sind alle Recensiranstalten, Bibliotheken, Literaturzeitungen, und wie sie Namen haben mögen. Sie tragen das Gepräge ihrer Unselbstständigkeit und Inferiorität dadurch an sich, dass sie für die Möglichkeit ihrer eigenen Existenz Bücher voraussetzen, und gründen sich auf den Wahn des Zeitalters, dass die einzige und rechte Bearbeitung der Wissenschaften die Buchmacherei sey. Entweder das Buch wird herabgesetzt in der Recension: welche Ehre aber ist es für den vorauszusetzenden Professor-Recensenten, dass er mehr ist, als der arme Stümper, den er uns vorführt? Oder es wird erhoben: entweder der Verfasser ist ein Fremder. Welche Ehre erwächst sodann durch sein gutes Buch unserer Universität, als die sehr untergeordnete der Anerkennung fremden Verdienstes? Oder er ist einer unser gelehrten Mitbürger: wer wird uns recht glauben?
In Deutschland waren diese Unternehmungen in neueren Zeiten gar nicht für den Flor der Universitäten ersonnen, sondern bloss ein mercantilisches Institut, das den Buchführern zum Absatz ihrer Waare verhelfen sollte, zuerst selbst von einem Buchführer, sodann von einem bekannten industriösen Schriftsteller, der einen dürftig besoldeten Professor für seinen Plan gewonnen. Von ohngefähr und durch ganz andere Ursachen — die Lehrer, denen Jena vorzüglich seinen Ruf verdankt, sind nie fleissige Recensenten, noch die Redactoren der Literaturzeitung je vorzügliche Lehrer gewesen, — gewann die verfallene Universität, an deren Spitze das letzterwähnte Werk dieser Art gedruckt wurde, eine neue Blüthe; und nun machte der grosse Haufen den gewöhnlichen Fehlschluss vom Zugleichseyenden auf das Verhältniss von Ursache und Wirkung; welcher Fehlschluss denn auch, da ihn der grosse Haufen gemacht, einige Zeitlang gute Dienste geleistet hat. Dennoch fing Jena schon vorher an zu verfallen, ehe es die Schützsche Literaturzeitung verlor, und jetzt hilft es ihm nichts, dass es sogleich wieder eine andere errichtet hat, welche unstreitig an innerem Werthe die alte bei weitem übertrifft. Auch hat zu Leipzig, Erlangen u. s. w. durch den Abdruck von Recensionen, die meist von Lehrern dieser Universitäten verfasst sind, wie in den Göttinger Anzeigen, sich kein grösserer Flor dieser Universitäten ergeben wollen, als wie sie ohne dergleichen Literaturzeitungen auch besitzen würden.
Ueberdies, falls wir uns auch auf das Alte und Mittelmässige bescheiden wollten, ist sogar dies nicht einmal mehr uns zugänglich. Aus unseren eigenen Mitteln, ohne fremde Beiträge, vermögen wir eine Literaturzeitung nicht einmal auch nur zum Scheine anzufüllen: durch den Conflict der alten und der neuen Jenaischen Literaturzeitung aber sind alle Federn schon in Beschlag genommen, und es giebt gewiss keinen Gelehrten von einigem Verdienste, welcher zu Arbeiten dieser Art sich nicht für zu gut hält, der nicht bei einer dieser beiden, oder auch wohl bei beiden in Diensten stehe.
Ahmen wir lieber dies Bestreben in dem einzigen Puncte nach, dass wir, so wie jene zu ihrer Zeit, etwas Neues unternehmen, wobei sie uns meines Erachtens zugleich den Vortheil gelassen haben, dass das Rechte noch neu ist.)
4) Der zu führende Beweis muss direct geführt werden, — sagten wir: also, dass das periodische Werk der Universität den steten Fortschritt der Wissenschaft und des wissenschaftlichen Geistes auf derselben, unmittelbar und aus der ersten Hand darlege. Jenes Werk enthalte ganz eigentlich, was die ältere Benennung: acta literaria Universitatis N. N. ausdrückt.
Den Fortschritt der Wissenschaft und des wissenschaftlichen Geistes aus der ersten Hand, sagten wir ferner. Die Wissenschaft ist ja nicht zunächst das Buch, noch lebt sie im Buche, sondern sie lebt in dem, was im wirklichen Forschen, im Conflicte der Geister und im Vortrage sich ergiebt. Dieses nun werde zum Buche und Buchstaben zunächst in jener Relation. Die akademischen Lehrer sind ja als Lehrer angestellt, und nichts verhindert, dass sie nicht auch überdies noch unter sich selber, gleich einer Akademie, in geistigen Wechselverkehr treten; nicht aber werden sie vom Staate dazu besoldet, dass sie in die weite Welt hinein Bücher schreiben. Jene literarischen Acten der Universität würden nun ihr gemeinschaftliches Buch, wenn sie von Amtswegen zu schreiben hätten, und wohin Alles, was sie des Druckes für würdig achteten, zunächst gehörte.
(Es bliebe ihnen dabei unbenommen, auch noch auf eigene Hand Bücher zu ediren. Vom ehrenvollen Falle tiefer unten. Als Buchfabricanten oder Compilatoren aber im Dienste von betriebsamen Verlegern Sachen drucken zu lassen, die nur die Masse des bedruckten Papieres, keinesweges aber die Wissenschaft vermehren, ist ohnedies unter der Würde eines Lehrers an einer solchen Universität, und wäre durchaus den sogenannten Privatgelehrten zu überlassen.)
Den Fortschritt der Wissenschaften sollten diese literarischen Acten documentiren. Es gehörte daher in sie nur das Neue, Weiterbringende, keinesweges aber blosse Wiederholungen oder neue Aufstutzungen des Alten, Bekannten.
Die Wissenschaft kann fortschreiten, theils in der Materie durch neue Entdeckungen und Ansichten, theils in der Form durch bessere Lehrmethoden und immer begriffsmässige Beherrschung und Durchdringung des Lehrstoffes. Alles dieser Art von den Lehrern Erfundene in allen Zweigen der Wissenschaften, welche auf dieser Universität bearbeitet werden, wäre in den Acten niederzulegen.
Ausgezeichnete und den Standpunct des wissenschaftlichen Unterrichts an der Universität durch den Erfolg bezeichnende Arbeiten der Zöglinge des Instituts wären nicht auszuschliessen. Bringen sie auch die Wissenschaft nicht weiter, so können sie doch einen bei Jünglingen nicht gewöhnlichen Grad der wissenschaftlichen Ausbildung documentiren, und sollen es. Keiner derselben müsste der gelehrten Würden der Universität theilhaftig werden, welcher nicht einen, nach jenem Grundsatze wenigstens aufnehmbaren Beitrag zu den Acten geliefert hätte; wodurch die von dieser Universität ertheilten Würden Achtung gewinnen würden vor denen anderer Universitäten, wo dieser Maassstab nicht angelegt werden kann.
Es würde solchen Acten nicht zum Vorwurfe gereichen, wenn selbst widerstreitende Ansichten derselben Gegenstände von verschiedenen Verfassern in ihnen nebeneinander ständen. Denn es kommt hierbei fürs Erste nicht darauf an, ob die Ansichten wahr, sondern nur ob sie neu sind, und ob man sich von ihnen versprechen kann, dass sie auch zu einer neuen Wahrheit führen könnten. Ueber die Wahrheit soll erst die Zukunft und die fortgesetzte Forschung entscheiden, und so kann selbst ein neuer Irrthum ein Fortschritt auf einem wissenschaftlichen Gebiete werden, wenn er auf eine neue Wahrheit leitet, welche allein ihn zu widerlegen vermag. Aus demselben Grunde würde es dem Werke auch nicht zum Vorwurfe gereichen, wenn etwa die Fortsetzung die früheren Lieferungen zum Theil widerlegte; denn dadurch würde ja gerade der Fortschritt bewiesen.
5) Zur Lieferung von Beiträgen wären die Lehrer nur insofern zu verbinden:
a. dass sie ihre auf Erweiterung der Wissenschaften gerichteten Bestrebungen, die so weit gereift sind, dass sie einer Berichterstattung durch den Druck fähig geworden, zuerst den Acten anböten;
b. dass jeder Lehrer im Verlaufe seines Wirkens denn doch etwas liefere und dadurch seine Berechtigung, an diesem Platze zu stehen, darthäte. Späterhin, nach Einführung der Acten, könnte es ausschliessende Bedingung der Berufung zu einer Stelle an dieser Universität werden, dass man einen bedeutenden, im Geiste des Instituts verfassten Beitrag geliefert hätte. Wer seinen fortschreitenden Geist nicht schon bewährt hat, der taugt nicht zum Mitgliede einer Gesellschaft, die lediglich für den Fortschritt der Wissenschaft arbeitet. Keinesweges aber wären sie
c. also zu verbinden, dass sie binnen halbjähriger oder Jahresfrist so viel Neues in ihrer Wissenschaft entdeckt haben müssten, dass der zweckmässige Bericht darüber so und so viel gedruckte Bogen füllen könne. Vielmehr liegt es in dem Begriffe solcher Acten, dass ihr Erscheinen durchaus an keine bestimmten Zeiträume gebunden ist: sie mögen fortgesetzt werden, sobald Stoff dazu sich gesammelt hat; keinesweges aber soll ihre Erscheinung an das Kalenderdatum oder an die Buchhändlermessen gebunden seyn.
6) Unter den, keinesweges von den Beitragenden selbst, sondern von Anderen, die sodann für diesen Fall eine Direction bildeten, zu entscheidenden Fragen ist die erste: ob eine Ansicht oder eine Verbesserung wirklich neu sey und der Wissenschaft einen Fortschritt verspreche? (Was keinesweges gleichbedeutend mit der Frage ist: ob sie wahr sey?) Die Beantwortung dieser Frage würde für jeden besonderen Beitrag der Facultät (dem bestimmten Lehr- und Erkenntnissfache) des Beitragenden anheimfallen. Diese hätte ihre verneinende Antwort mit Gründen zu belegen und diese dem Beitragenden zu eigener reifer Ueberlegung schriftlich mitzutheilen. Dies wäre die erste Instanz. Würde er durch diese Gründe nicht überzeugt und zur Rücknahme bewogen, so sollte es noch eine höhere Instanz für Entscheidung dieser Frage geben, wofür in einem grossen Staate eine zweckmässig besetzte Akademie der Wissenschaften in der Hauptstadt sich am besten qualificiren würde. Es möchte im Falle der Billigung des Beitrags in dieser Instanz, im öffentlichen Drucke bemerkt werden, dass die locale Facultät des Beitragenden denselben verworfen, die Akademie der Wissenschaften aber ihn gebilligt habe. Im Falle der Verwerfung auch in dieser Instanz hätte die Akademie ihre Gründe dem Beitragenden gleichfalls schriftlich mitzutheilen. Von dieser Instanz verworfen, könnte sein Aufsatz nun freilich nicht in den Acten der Universität erscheinen; es müsste ihm aber erlaubt bleiben, denselben nebst den angeführten Gründen der Verwerfung in beiden Instanzen, auf eigene Verantwortung vor das Publicum zu bringen, und die Mit- und Nachwelt zum Richter des erhobenen Streites zu machen. Selbst seine Verhältnisse zur Universität und zu den Acten derselben bei anderen, den Streitpunct nicht berührenden Gegenständen müssten dadurch nicht gestört, vielmehr seine bürgerliche und persönliche Sicherheit, sein öffentlicher guter Name, seine Schrift- und Lehrfreiheit unter den besonderen Schutz des Staates genommen werden; denn das gelehrte Publicum seines Staates in seiner sichtbaren Repräsentation ist ihm gegenüber zur Partei geworden, und das Richteramt zwischen ihnen ist einer höheren Instanz übergeben, welche zu ihrer Zeit Ehre und Schande austheilen wird. Und insbesondere halte die öffentliche Gewalt sich fern von der Möglichkeit der Berührung mit dieser Schande.
Man sage nicht, dass durch dieses Hindurchgehen durch verschiedene Instanzen Zeit verloren gehe. Der einem respectabelen Corps anderer Gelehrten einzeln gegenüberstehende Gelehrte soll Veranlassung und Zeit gewinnen, seine Sache reiflich zu überlegen; auch bedarf es bei wahrhaft originalen Ansichten keiner Eile, etwa aus Furcht, dass etwa Andere sie uns vorweg nehmen dürften.
7) Eine zweite von einer Direction zu entscheidende Frage wird seyn über die Form des Vortrages; denn auch der Vortrag eines solchen Werkes muss mustermässig seyn und auf der Spitze der Kunst des Vortrages im Zeitalter stehen.
Zur Entscheidung darüber müsste ein bewährter und zwar philosophischer Schriftsteller herbeigezogen werden, welcher mit dem ursprünglich Beitragenden so lange den Aufsatz verbesserte, bis dieser seine Gedanken durchaus als wiedergegeben anerkennte, und jener mit der Form zufrieden wäre. Ohne die Approbation der Form durch diesen Schriftsteller, welcher über diesen Punct ganz allein dem Curatorium und dem Publicum verantwortlich wäre, dürfte kein Aufsatz in den Acten abgedruckt werden.
8) Die Unterstützung, deren ein solches Werk von der Regierung bedürfte, würde, falls nur das Personal der Lehrer richtig gewählt wäre, sich auf den ersten Vorschuss zum Verlage, und auf die Direction der Verlags- und Debitsgeschäfte, mit denen die Gelehrten durchaus nichts zu thun haben müssten, ferner auf den Schutz derselben gegen Nachdruck überhaupt und gegen Wiederabdruck einzelner Aufsätze, beschränken. Ein solches Werk würde in kurzer Zeit eine Abnahme finden, die die Zurücknahme des vorgeschossenen Capitals mit den Interessen erlaubte, die Kosten des mercantilischen Geschäfts dabei deckte, und dennoch einen ansehnlichen Ueberschuss zur Vertheilung an die Beitragenden übrig liesse. Dieser Ueberschuss wäre, nach Abzug der Correctionsgebühren, welche bei jedem besonderen Aufsatze nach Verhältniss der aufgewendeten Mühe besonders zu bestimmen wären, nach der Bogenzahl der gelieferten Beiträge an die Beitragenden gleich zu vertheilen, und ihnen und ihren Erben und Erbnehmern, auf ewige Zeiten, so lange noch ein Exemplar des Bandes, in welchem ihre Beiträge stehen, verkauft wird, als unantastbares Eigenthum zuzusichern. Dass die Regierung diesen Gegenstand zu einer Finanzoperation mache, wäre unter ihrer Würde. Wiederum lässt von der anderen Seite von anständig besoldeten und an einer zahlreich besuchten Universität, deren Studirende auf eine zweckmässige Weise angehalten werden, die gebührenden Honorarien zu entrichten, arbeitenden Gelehrten sich nicht erwarten, dass sie nach dem Schriftstellersolde eilen werden, so wie der Bogen abgedruckt ist. Vielmehr würden sie das allmählige Eingehen ihres Antheils ruhig abwarten; auch wohl dieses Nebeneinkommen gern für die Ihrigen, die sie möglicherweise doch als unversorgte Wittwen und Waisen hinterlassen könnten, stehen lassen.
1) Vor diesem Plane möchte mancher Bescheidene erschrecken und das Ziel zu hoch gesteckt finden. Es ist dabei zu erwägen, dass, wie bei allen im blossen Begriffe vorgezeichneten Plänen, also auch hier, die Ausführung hinter dem Vorsatze zurückbleiben werde, und dass dieses ohne alles unser Vorhaben sich schon von selbst findet. Es ist daher um so nöthiger, sich sogleich den einzig rechten Zweck in seiner ganzen Klarheit zu setzen, weil man sodann doch immer hoffen kann, mehr zu erreichen, als wenn man sich gleich von vornherein vornimmt, mit dem Mittelmässigen oder Falschen sich abfinden zu lassen.
2) Besonders könnte bei Erwähnung des Neuen und des Erfindens nach Inhalt oder nach Form gesagt werden: wenn nun aber auf der vorausgesetzten Universität nichts Neues in beiderlei Richtung erfunden wird? Ich antworte, dass jene Acten dadurch desto nöthiger werden, um über die eigentliche Beschaffenheit des Gelehrtenpersonals an der Universität aufzuklären. Sie können dem Curatorium derselben deutlich einen Maassstab geben, an welcher Stelle es eigentlich fehle, und wo nachgeholfen werden müsse. Ein solcher nicht mehr fortstrebender, weder in Erweiterung des Inhaltes seiner Wissenschaft, noch in Bewältigung ihres Stoffes zu geistigerer Form Neues leistender Gelehrter kann auch nicht mehr zu den guten Universitätslehrern gezählt werden; er müsste durch einen anderen ersetzt werden. Im Ganzen aber müsste einer Universität, welche dergleichen Acten herausgäbe, kein einziges, im gemeinsamen Vaterlande aufblühendes Talent entgehen, welches sie nicht wenigstens für die Zeit seiner besten Blüthe sich aneignete. Ein Curatorium könnte auch sodann besser beurtheilen und dem Zweifelnden augenscheinlich nachweisen, welche Personen in den ehrwürdigen Rang der Veteranen zu versetzen wären, die von nun an entweder bloss zur Tradition des Erlernten oder zur Anwendung desselben im praktischen Wirken zu gebrauchen, aus dem Umkreise des wachsenden Lebens aber zu entfernen sind. Ueberhaupt hängt dieser Plan zusammen mit einem grösseren Plane zur Errichtung einer wahrhaft deutschen Nationaluniversität, durch welchen er, und welcher wiederum durch ihn, erklärt und die Ausführung erleichtert würde.
Hochgeehrte Herren!
Ich weiss nicht, ob es der Universität anständig seyn würde, sich zu verwundern, dass sie in Berlin ist, so wie viele ausser ihr dermaassen darüber erstaunt sind, dass sie um der Wunderbarkeit willen die Wahrheit der Sache noch immer nicht recht glauben können. Einer Facultät inzwischen, die nun gar allhier Doctoren creirt, wird diese Verwunderung über sich selbst oft so aufgedrungen, dass es in der That sehr nöthig wird, sich wohl zu besinnen, was man eigentlich thue, und, so man kann, in sich selbst Fuss zu fassen, um ernsthafte Haltung zu gewinnen nach Aussen.
Erlauben Sie mir daher, dass, ehe wir zu dem angesetzten Promotionsact gehen, ich diese nöthige Selbstbesinnung laut vor Ihnen vollziehe.
Als im neueren Europa zuerst Universitäten entstanden, stellten sich diese eine Aufgabe, welche ihnen keinesweges von der Gesellschaft oder vom Staate, welche dafür blind waren, übertragen wurde, sondern die sie allein erblickten und mit hochherziger Freiwilligkeit auf sich nahmen, — die Aufgabe, den menschlichen Geist zu befreien und ihn nach allen Richtungen hin und durch alle Mittel, die ihnen bekannt werden möchten, zu bilden. Wem diese akademische Würden ertheilten, den erklärten sie dadurch für tüchtig, an der Erreichung dieses Zweckes mitzuarbeiten und nahmen ihn auf in ihren grossen, freien Bund. Von ihnen sind die akademischen Würden aus Hand in Hand bis auf uns herabgekommen, und es giebt Keinen unter den jetzt lebenden Graduirten, auf den sie nicht durch eine stete Reihe der Ueberlieferung von jenem ersten Bunde aus gekommen sey.
Auch dauert das Bedürfniss eines solchen freien Bundes noch immer fort. Uncultur und Barbarei umgiebt uns noch allenthalben; wie derselben beizukommen sey, welcher Punct jedesmal in dem Fortgange der geistigen Menschenbildung an die Tagesordnung komme, wer ein tauglicher Mitgehülfe sey an dieser grossen Arbeit: dieses Alles zu bestimmen möchte wohl noch immer der Staat ebenso unfähig seyn, als er es vor Jahrhunderten war, und es möchte die Lösung dieser Fragen wohl noch immer anheimfallen jenem grossen Bunde. Unser Staat, bei der Stellung unserer Universität in die höchste Leichtigkeit versetzt, von allem Althergebrachten abzugehen, und von Stimmungen umgeben, die nicht geneigt sind, irgend eine Auszeichnung anzuerkennen, welche nicht unmittelbar vom Staate herkommt, — hat dennoch, zu seinem ewigen Ruhme, durch die trefflichen Männer, die ihn hierin vertreten, jenen Grundsatz ausdrücklich anerkannt, indem er die vorhergegangene feierliche Aufnahme in den grossen europäischen Gelehrtenbund zur Bedingung der öffentlichen Anstellung an der Universität gemacht hat, die freilich nur Er ertheilt. Tiefer bekennt er sich daher auch zu dem Grundsatz, dass die neue Universität ihm nicht bloss eine Pflanzschule seyn soll für künftige Beamte, sondern eine freie Pflegerin in jeglicher Richtung und im weitesten, von ihm ungeschmälerten Sinne.
Die akademische Würde ist darum noch immer, was sie ursprünglich war: feierliches Symbol der Aufnahme in den grossen Bund der Veredlung des Menschengeschlechts durch wissenschaftliche Bildung; und wer sie annimmt, übernimmt dadurch feierlich vor Gott und Menschen die Verpflichtung, dieser Bestimmung allein sein Leben zu widmen, und alle andern Zwecke desselben aufzugeben.
Mag doch nun immer diese Würde oft an Unwürdige ertheilt worden seyn! Der Unwürdige hat sie in der That nicht empfangen, sondern nur die äussere Benennung. Es kann sie Keiner erhalten, der sie nicht schon trägt in sich selbst. Der Promotionsact fügt bloss die äussere Anerkennung hinzu: es kann aber Keiner anerkannt werden für das, was er nicht ist. Auch wird der Würdige von dem, der selber würdig ist, sicherlich anerkannt. Was der, der Ideen unfähige, Pöbel dazu sage, und ob dieser unseren Grad auch ehre oder seiner zu spotten sich bestrebe, darnach fragt der Eingeweihte nicht; denn dieser Pöbel ist für ihn überhaupt nur da, als ein Gegenstand, der entpöbelt werden soll. Der rechte Doctor, der von seiner akademischen Würde, von der Würde eines geistigen Bildners der Menschheit innig durchdrungene, würde sich sogar entehrt finden, wenn er auf einmal anfinge, dem Pöbel wohlzugefallen: er würde in sich gehen und sich ernstlich prüfen, ob ihm nicht etwa eine Leichtfertigkeit angeflogen sey.
Dass es der Eine grosse, im neueren Europa zur Verbreitung der Wissenschaften geschlossene Bund ist, welcher die akademischen Würden ertheilt, spricht sich auch dadurch aus, dass jede dieser Würden in ihrer Art nur Eine ist und dieselbige, die auch überall als die Eine und selbige anerkannt wird. Die besonderen Universitäten und Facultäten sind in dieser Beziehung nur Glieder und Bevollmächtigte des ganzen Bundes, und übertragen die Würde in seinem Namen. Um dies deutlich auszusprechen und den Promovirenden sogar zu nöthigen, nicht etwa den örtlichen Grad des Doctors, sondern den Grad schlechthin zu ertheilen, haben die Universitäten eine gemeinsame Form dieser Ertheilung verfügt und auch die Sprache als die gemeinsame aller Gelehrten dabei gewählt, u. s. w.