Was lust und fleiss haben die leut
In iren gerten oft zur zeit
Mit setzung, impfung und aufsetzung
Etwan ein pflenzlein zur ergetzung?
Wie warten sie doch sein so eben,
Das sich das schösslein mög erheben?
Frü machen sie im raum zur sonnen,
Zu mittag sie im schatten gonnen;
Da pfropfens, biegens, understützen,
Beschüttens vor der frost zu schützen, 20
Messens bei ruten und minuten
Sein teglich wachsen zu vermuten;
Da gehen sie alle tritt hinzu,
Sehen wie es aufschiessen tu.
Und ist in süss all zeit und müh,
Die sie damit zubringen ie:
Wie viel mehr lust solt haben dann
Ein hausvater und iederman,
Dem gott die kinder tut bescheren,
Oder befihlet, die zu leren,
Das sie dieselben himmelspflenzlein, 20
Ir hauschösslein, ir ehrenkrenzlein
Ziehen und schmuckn zu gottes ehren
Sein wort gern hören und gern leren?
Das sie zu preis dem aller höchsten,
Auch mit der weil nutz sein dem nechsten?
Was schöners opfer kan man geben
Dem herren gott in diesem leben?
Denn das sind die recht frücht und güter,
Die gott gibt das man opfer wider;
Das sind die ölzweig und die reben,
Die fruchtbar deinen tisch umbgeben;
Diss ist des hauses benedeien,
Des alters früling, glenz und meien, 10
Das sind die beumlein und die palmen,
Von denen David singt in psalmen,
Das sie gebaut sind und gepflanzt
Neben die wasserbech des lands,
Welche kein hitz im sommer mindert,
Noch im winter kein frost nicht hindert,
Dann nicht erwelken ire bletter
Oder abfallen von dem wetter,
Die zu rechter zeit ir frucht bringen,
Damit erfreuen sie, die tüngen,
Vnd die zu letzt gott gar versetzt,
Ins paradeis, sie da ergetzt,
Sie macht zu ewigen himmelssprösslein,
Zu gnadenfeuchten engelsschösslein.
Wie solt ein lehrer und ein vater,
Wa er hat ein barmherzig ader,
Nicht han ein freud mit ihrer zucht,
Dieweil es ist ein schöne frucht,
Und noch viel mehr an inen wird 10
Natur lieblich anmutung gspürt,
Als in den aller schönsten geschöpfen
Daraus wir sonst ergötzung schöpfen,
Das macht die lebhaft freundlicheit,
Die anlachend gesprechlicheit,
Die in den kindern wir all spüren,
Wie sie schön all geberden zieren.
Dann was ist lieblichers zu hören,
Als wann die kinder reden leren?
Wanns herauslispeln bald die red 20
Und rufen: abba, vater, ett
[787],
Rufen der muter, memm und ammen,
Geben nach irer notturft namen,
Brauchen den ererbt Adams gwalt,
Der jedem geschöpf ein nam gab bald,
Wie ist im zuzusehen wol,
Und so halslemig
[790] ungwis tasten,
Und wie ein engelchen erglasten
[791]?
Solch freundlicheit und lieblich sitten
Solten die elter und ein ieden, 10
Reizen, das sie dess lieber mehr
Mit kinderzucht umgiengen sehr,
Dieweil solch blüend alter frisch
Umsonst so lieblich gstalt nit ist
Auch oft das wild und vieh bewegt,
Das es zu dem ein gfallen tregt.
Und dieweil die engel sich nicht schemen,
Der kindspfleg sich selbs anzunemen.
Wie Christus zeugt, das vor gott standen
Allzeit die kinder engels gsanden: 20
Wie wolt ir dann solch arbeit scheuen,
Weil es euch komt zu nutz und treuen?
Dann wen mags freuen mehr dann euch,
So euere kind sind tugendreich?
Wie kanstu bessere ruh dir schaffen
Und friedlicher in gott entschlafen,
Dann so du weist, das dein kind seind
Erzogen wol und drum gott freund?
Und weisst, das nach dem tod dein kinder
An gott han ein ewigen vormünder? 10
Zu dem solt euch auch darzu bringen,
Das ir gern mit der zucht umgiengen,
Dieweil Christus der herr verheisst,
Das, was man solchen kindern bweist,
Das wöll er halten und ansehen,
Als obs im selber sei geschehen:
Dann er in klar spricht: Wer ein kind
In seim nam aufnimmt, im selbs dient:
Wie kan man aber in seim namen
Kinder aufnemen von seim stamen?
Zwar
[792] anders nicht, dann so die
Zur gottsforcht anhallt zimlich frü,
Es sei obere oder herren,
Die sie in kirch und schulen leren,
So wird selbs Christi drinn gepfleget
Als ob man in im geren
[793] treget,
Und werden oberkeit und lerer
Dardurch sein seugam und sein nerer. 10
Dann was sein kleinsten gliedern gschicht,
Das rechnet er, das in anficht.
Drum thun wol, die als dahin schlichten,
Das man djugend mög recht berichten,
Zu kennen lernen iren gott,
Der sie von sünden, höll und tod
Auch mit seins sons blut glöset hat,
Und schenkt in als durch lauter gnad.
Hingegen treut der herr gross pein
Den, die der kleinsten ergern ein,
Dann dem ein mülstein besser wer
Am hals, und sein versenkt im mer.
Derhalben aus mit losem gschwetz
Welchs gute sitten nur verletzt!
O aus mit unzucht, völlerei,
Mit böser gsellschaft büberei!
Raumt
[794] weit von diesen zarten herzen
Das gottlos gsind, das schandbar scherzen,
Lasst solch wort nit mehr von euch hören, 10
Das djugend weltlichkeit muss leren
[795]:
Es dunkt mich, es leret sich früh,
Mutwill und frechheit komt ohn müh.
Ler du sie die recht gottsforcht vor,
Die ist zu weisheit tür und tor,
Und denk, das rechenschaft must geben
Für die verderbnus und bös leben.
Es lesst sich zwar nicht also schimpfen
[796]:
Und mit der weltlichkeit verglimpfen
[797]:
Du hörst wol, was dein Christus melt, 20
Sein völklein sei nit von der welt,
Wiltu dein kinder weltlich machen,
So stecksts dem teufel in den rachen:
Dann man sol brauchen so die welt,
Als ob mans
[798] nit brauch, noch was gelt.
Man kan nit dienen ie zugleich
Gott und der welt, des teufels reich,
Daher umsonst nit Christus spricht:
‘Ir Engel sehen gotts angsicht,’
Als sprech er, das sie die verklagen, 10
Die kindern hie bös vorbild tragen.
O weh der welt vor ergernus,
Welchs weltlichkeit heut heissen muss:
Damit man reizt gotts rach herzu,
Zu strafen das kalb mit der ku.
Dann wie wolt gott das leiden immer,
Das man sein grün setzling bekümmer,
Und im dasselb beschmutzen tut,
Was sein Son reinigt durch sein blut,
Das man die zarte gfess verwüst 20
Die zu seim lob warn zugerüst.
Bedacht
[799], das der prophet sagt dort,
Gott leg in kindsmund auch sein wort,
Und müssen auch ir sön und töchter
Sein aposteln sein und wechter,
Und aus der unmündigen stamlen
Will er seins namens lob auch samlen.
Wie samlet er aber diss sein lob?
Nemlich durch sein wort die recht prob,
Das lasst er treulich durch sein lerer 10
Teilen nach glegenheit der hörer,
Also das ers auch nicht verschweigt
Dein kindern, wie diss büchlein zeigt,
Darinn er in nach irm verstand
Durch kurze fragstück macht bekant,
Die fürnemst stück christlicher lere,
Wie man in recht nach seim wort ere.
Derwegen niemand nicht veracht
Die Fragen, hie kurz eingebracht,
Sondern denk, das wir müssen all
Zu kindern werden in dem fall,
Wollen wir andern glauben recht
Die gheimnus unsers glaubens schlecht,
Die kindlich einfalt muss uns füren,
Und müssen lassen uns regieren
Gotts worts, gleich wie das kind regiert,
Des vaters red, was der ordiniert;
Müssen von uns nit hoch ding halten,
Sondern wie kind demütig walten, 10
Welchs Christus damals hat gemelt
Da er das kind für djünger stellt.
Hierum so brauch, mein liebe jugend,
Diss büchlin zu ler und rechter tugend,
Die dann in gotts erkantnus stehet,
Das man nach seinen gboten gehet.
Darzu wöll gott sein gdeien geben
Und nach disem das ewig leben.