Wir haben am Schlusse dieser Sage eine Variante des alten Glaubens, daß der alternde Mensch oder der Verstorbene durch Zauberkünste wieder nach einem gewissen Zeitraume verjüngt aufersteht, wenn man seinen Körper in Stücke zerhaut. Der junge Graf de Villano hatte zu Salamanca in der Schule des Teufels auch gelernt, wie man alte Leute wieder verjüngt. Nachdem er selbst zu Jahren gekommen, wollte er zu seinem eigenen Vorteile von diesem Geheimmittel Gebrauch machen. Er ließ sich, als es mit ihm zu Ende ging, von einigen gekauften Mohren schnell in Stücke zerhauen, die Stücke in eine Glasflasche füllen und diese in den Pferdemist setzen. Auf der Folter jedoch gestanden die Mohren, leider zu früh, was sie gethan hatten, und als man nachgrub, fand man das Glas und darin ein bereits ganz wohlgestaltetes Kind. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch I., S. 121.) Nach Mannhardts Mythen (S. 66.) wurden der polnische Räuber Twardowsky und der ungarische Eisenlaci zerhauen und mit gekochten Heilkräutern begossen; nach sieben Monaten gewannen ihre Leichname wieder Kinder- oder Jünglingsgestalt. Auch der Arzt und Wunderdoktor Theophrast befahl vor seinem nahen Tode dem Diener, daß er seine Leiche in kleine Stücke zerschnitten in eine eherne Truhe lege und mit einem gewissen Pulver bestreuen solle. Nach 9 Monaten solle er die Truhe wieder öffnen. Der Diener öffnete sie aber bereits nach 7 Monaten und fand ein noch nicht völlig entwickeltes Kind, das sich krümmte und vom Zutritte der kalten Luft starb. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 672.)

277. Dr. Faust's Höllenzwang.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 128.)

Dr. Faust's Höllenzwang nennt die Sage ein Buch, in welchem die Kunst gelehrt wird, Geister zu citieren, ja selbst den Teufel sich dienstbar zu machen. Dieses Buch haben schon viele Freunde der schwarzen Kunst vergeblich gesucht, indem sie den Dornstrauch nicht wissen, unter dem es hinter dem Chemnitzer Schlosse, am Wege nach dem Küchwald, vergraben sein soll.

278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.

(Köhler, Volksbrauch etc., S. 552, Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 7. Jahrg., S. 132.)

In dem nur aus wenigen Häusern bestehenden Lauterholz bei Lauterhof und Stangengrün soll man keine Sperlinge finden. Man hat sie schon in Nestern dorthin verpflanzen wollen, aber sie sind nicht geblieben. Dasselbe erzählt man von Karlsfeld, wohin man Sperlinge aus Eibenstock brachte, ohne daß sie geblieben sind. Es wird erzählt, daß diese Vögel von Zigeunern weggebracht worden seien.

Als in früheren Zeiten zur Thomasmühle bei Falkenau noch ausgedehnte Felder gehörten, wurden dieselben sehr von Sperlingen besucht, welche an den Saaten bedeutenden Schaden anrichteten. Da kam eines Tages eine alte Zigeunerin, welche den Müller um ein Almosen anflehte. Der Müller bot ihr eine gute Belohnung an, wenn sie die lästigen Gäste vertreiben könnte. Da sprach sie über die Sperlinge einen Spruch und von jener Zeit an waren auf den Feldern der Thomasmühle und auch in dem benachbarten Hillemühl keine Sperlinge mehr zu sehen. Erst, nachdem 1867 die Bahn gebaut wurde, haben sich etliche in Hillemühl angesiedelt. Die Thomasmühle aber fliehen sie noch heute.

In Fürstenwalde bat ein Soldat in einem Hause um etwas zu essen. Der geizige Hauswirt aber erwiderte: »Da geben wir's lieber den Spatzen, als euch.« Der erzürnte Soldat antwortete: »Ihr werdet den Spatzen nicht mehr viel geben.« Er hat darauf die Sperlinge verwünscht und seit dieser Zeit sind sie in Fürstenwalde nicht mehr zu finden.

Daß die Sperlinge von Zigeunern, welche von den Bewohnern freundlich aufgenommen wurden, verbannt worden sind, erzählt die Sage auch von dem Dorfe Sora bei Bautzen. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 246.) In Böhmen giebt es noch verschiedene Orte, an denen sich keine Sperlinge aufhalten, weil sie daselbst verbannt wurden. Nach einem dortigen Volksglauben kann man sie von den Feldern verscheuchen, wenn man einen Span von dem Holze, woraus ein Tischler einen Sarg angefertigt hat, in's Getreide steckt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche in Böhmen und Mähren, S. 73.) Aus dem Erzgebirge ist mir noch Neudörfel bei Schneeberg bekannt, von dem ebenfalls erzählt wird, daß daselbst keine Sperlinge nisten; die Sage meldet jedoch nichts davon, daß hier die Sperlinge durch Zigeuner weggebannt worden seien. Alle Orte ohne Sperlinge liegen oder lagen fast ganz von Wald umschlossen, so daß in ihrer Nähe Raubvögel einen sichern Schutz finden; ebenso tritt in der Nähe kleiner Walddörfer der Ackerbau zurück und es fehlen demnach daselbst Körnerfrüchte und Insekten, denen unsere Vögel nachgehen; ist es doch nachgewiesen, daß die Sperlinge überall dem Ackerbau gefolgt sind.

Von Interesse erscheint es, aus den mitgeteilten Sagen zu erfahren, daß das Volk das Fehlen der Sperlinge für eine Wohlthat ansieht; nur in der letzten Sage wird dasselbe als eine Strafe dargestellt. Sollte damit auch zugleich ausgesprochen werden, daß in Fürstenwalde der Ackerbau zurückgegangen sei?

279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.

(Gräße, Sagenschatz des K. S., No. 619.)

Südwestlich von Zwickau liegt das Dorf Planitz, welches der Familie von Arnim gehört. Ein früherer Herr von Arnim konnte das Feuer segnen. Wenn irgendwo viele Meilen in der Runde eine Feuersbrunst war, holte man ihn oder er eilte selbst hin, ritt um das brennende Haus herum, sprach seinen Segen und augenblicklich verlöschte die Brunst.

280. Wie das Feuer gebannt wird.

(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)

Vor hundert Jahren lebte in der Umgegend von Nossen ein Rittergutsbesitzer, der konnte das Feuer bannen. War irgendwo ein Brand ausgebrochen, so kam er eilends angeritten, jagte dreimal unter geheimnisvollem Murmeln um das Feuer herum, dann schnell wieder fort und über ein fließendes Wasser, worauf das Feuer erlosch. Wäre er nicht über ein Wasser geritten, so würde das Feuer ihn verbrannt haben.

Zur Zeit, als die Leute ihr Brot noch selbst einteigten, pflegte man in der Nossener Gegend bei ausgebrochenem Feuer den Backtrog vor's Haus zu tragen und nach dem Feuer gerichtet an das Haus anzulehnen. Dann wendete sich der Wind vom Hause ab. Auch schaffte man beim Retten niemals zuerst die Betten aus dem Hause, sondern irgend etwas anderes, da sonst die Kräfte gelähmt wurden.