Hühner sind mythische Tiere. Sagen erzählen von Hühnern, welche goldene Eier legen; auch nehmen nach einem böhmischen Aberglauben Kobolde die Gestalt schwarzer Hühner an. Sollte die schwarze Henne unserer Sage ein solcher Schatz hütender Kobold, und die Henne, welche der Schatzgräber mitzubringen hat, ein Opfer sein, welches den unterirdische Mächten darzubringen ist? – Auf dem Burgberge bei Mulda, wo ebenfalls nach der Sage ein Schatz vergraben liegt, läßt sich ein Huhn sehen, welches jedoch ein verzauberter Burgherr sein soll.

298. Das Aberthamer »Fels'l.«

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)

Nördlich von Abertham, dort, wo fruchtbarer Ackerboden und ein ziemlich ausgedehntes Torfmoor sich scheiden, erhebt sich eine eigentümliche Felspartie, im Volksmunde »das Fels'l« genannt. Der Sage zufolge sind diese Felsen eine Burgruine, in deren Innerem große Schätze an Gold- und Silbermünzen, Edelsteinen und Perlen verzaubert liegen. Der Zutritt zu denselben soll sich während der Christmette und der Passion am Karfreitage öffnen. Aber schon mancher, der die vermeintlichen Schätze an genannten Tagen heben wollte, holte sich durch das lange und vergebliche Zuwarten bei stürmischem Wetter nicht unbedeutende Krankheiten. Bis in die dreißiger Jahre machten Personen, deren Söhne heute noch leben, den Versuch, der Schätze habhaft zu werden.

299. Der Tümpelstein bei Klösterle.

(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 79.)

Der Tümpelstein ist ein großer, unterhalb Klösterle in den Egerfluß vorspringender Felsen. Sein Inneres enthält der Sage nach ungeheuere Schätze, die von verwunschenen Rittern bewacht werden; nur am Karfreitage während des Gottesdienstes ist der sonst unsichtbare Eingang offen, und die angehäuften Schätze sind sodann den Menschenkindern zugänglich.

Eine Mutter mit ihrem Kinde ging gerade am Karfreitage an dem Felsen vorbei und erblickte in der offenen Höhlung geschäftige Männchen, die ein Festmahl vorrichteten und ihr winkten, einzutreten und von den Schätzen zu nehmen. Die Frau trat schüchtern ein, setzte das Kind auf den Boden nieder und begann eifrig ihre Schürze mit Goldbarren und Edelsteinen zu füllen, als sich, da der Gottesdienst in der Kirche schon zu Ende war, das Felsenthor mit großem Getöse wieder schloß. Die Frau mußte nun ein ganzes Jahr im Felsen zubringen, während welcher Zeit das Kind kräftig und stark wurde. Am nächstfolgenden Karfreitag konnte die Frau frisch, gesund und mit Schätzen beladen nach Hause ziehen; von ihr erfuhr man auch, daß die Wächter, sobald der Eingang sich geschlossen, zu Stein verwandelt wurden.

Einst pflügte am Karfreitage ein Bauersmann in der Nähe des Felsens, erblickte ihn offen und sah darin allerlei Gestalten, die Vorbereitungen zu einer Hochzeit machten. Im Vorbeigehen rief er hinein: »Backet mir auch einen Kuchen mit!« Er ackerte dann rüstig bis zum Mittag fort, dann spannte er aus, gab den Ochsen zu fressen und nahm auch selbst sein mitgebrachtes Mittagsmahl ein. Schon hatte er eine Weile still gesessen, als ein winziges Männlein erschien und die bestellten Kuchen auf den Pflug legte. Der Bauer, eine Vergiftung fürchtend, hatte nicht den Mut, die Kuchen selbst zu verzehren; er zerbröckelte sie und fütterte seine Ochsen damit. Als er damit fertig war, erschien jenes Männlein wieder, drohte ihm mit dem Finger und sagte: »Weil du unsere Kuchen verschmähst, die du selber bestellt hast, so soll für diesen Undank deine Wirtschaft kein Glück und keinen Segen mehr haben.« Und diese Prophezeiung ging wirklich in Erfüllung, den Bauer traf Unglück über Unglück, er mußte endlich das Haus mit den Feldern verkaufen und wurde ein armer Mann.

300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein bei Zöblitz.

(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)

Unweit der Stadt Zöblitz an den Ufern der Pockau liegen die Ruinen der alten Burgen Ober- und Niederlauterstein. Die Burg Oberlauterstein, ¼ Stunde westlich von Zöblitz über dem rechten Pockauufer auf einer felsigen Bergecke, wurde schon im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben von der Verwüstung der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das Schloß Niederlauterstein, nur einige Minuten unterhalb davon am linken Pockauufer, erhielt sich über 200 Jahre länger. Vieles erzählt man sich von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf, deren einer 1530 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher Greis von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn, in Tücher gewickelt, zu einem der Fenster herablassen, allein die in der Eile nicht festgeknüpften Knoten lösten sich und der unglückliche Alte wurde an den Felsen zerschmettert. Nachdem im Jahre 1559 Kurfürst August das Schloß von Kaspar von Berbisdorf gekauft und zum Sitz eines Amtes bestimmt hatte, wurde es im März 1639, als am Gründonners- und Karfreitage Banners Schaaren die ganze Umgegend verwüsteten, von drei schwedischen Reitern in Brand gesteckt und nun von seinen Bewohnern verlassen. So weit die Geschichte.

In den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses Niederlauterstein sollen 3 Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und breit, mit lauter gemünztem Golde gefüllt. In einem andern Kessel liegen Edelsteine, Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene Krone aus den Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft. Vor alten Zeiten ist ein Mönchlein aus Prag gekommen in schwarzen Kleidern, klein von Person und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber im Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor Erstaunen. Die Gewölbe schlossen sich, und von ihren Kleinodien, sowie von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt.

Einst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des Abends nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah sie auf der Höhe eine kleine Kapelle, deren Thüre offen stand. Neugierig stieg sie hinauf, setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf die Erde, ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor dem Altare gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze, als sie tragen konnte; freudenvoll eilte sie damit nach Hause, ihr Kind und die Beeren vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben, gedachte sie ihres armen Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine ankam, war die Kapelle verschwunden, aber auch ihr Kind. Jammernd und klagend ging nun das arme Weib täglich zur Ruine; sie verwünschte das Gold und wollte es gar nicht wieder ansehen; das Liebste fehlte ihr ja – ihr unschuldiges Kind. So trieb sie es Jahre lang. Als sie nach drei Jahren an demselben Tage abermals mit verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte, siehe, da zeigte sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und traf vor dem Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken preßte sie es an ihr mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu denken, nach Hause. Als sie den Berg hinunter ging und sich umschaute, war die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier eine Grafschaft, gründete ein Kloster und that von ihren Schätzen den Armen viel Gutes.

301. Die Schätze von Oberlauterstein bei Zöblitz.

(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg., No. 5.)

Ein Holzhauer aus Zöblitz arbeitete vor vielleicht 300 Jahren in der Nähe des Oberlautersteins. Es war Abend geworden, und eben wollte er nach Hause gehen. Da trat aus einer verfallenen Burgmauer ein Mann in alter Rittergestalt hervor. Hinter ihm öffnete sich eine große Höhle, in dieser brannte ein helles Feuer, und deutlich sah der bestürzte Waldarbeiter eine Braupfanne voll rotglühendem Gold. Der alte Ritter winkte ihm freundlich und reichte dem Holzhauer einen ordinären Ziegelstein hin. Schüchtern griff der Mann darnach. Sogleich geschah ein Donnerschlag; die ganze Erscheinung war im Nu verschwunden, und der Arbeiter stand im Finstern, den Ziegelstein in der Hand haltend. Er ging nach Hause; aber da ihm der Ziegelstein zu schwer wurde und er sich nicht mit dem unnützen Gute herumtragen und zu Hause auslachen lassen wollte, so warf er ihn ins Gebüsch. »Nun, Mann, wie siehst Du nur aus?« fragte ihn zu Hause mürrisch und spottend die Frau; »Du glänzt ja, als wenn Du vergoldet wärst am Ärmel.« Der Mann sah nach und erblickte den reinsten Goldstaub an den Händen und seinen Kleidern. Nun erzählte er seine Geschichte am Schloßfelsen. Am andern Morgen suchte er bei guter Zeit nach dem weggeworfenen Steine mit Weib und Kindern. Allein umsonst; den edlen Stein hat niemand wieder gesehen.

Am Sylvestertage nachts 12 Uhr, wenn die Glocken zu Zöblitz das neue Jahr verkünden, erhebt sich mit dem ersten Glockenschlage der hohe Fels des Oberlautersteins und ein Zuschauer kann vom Thale aus die Braupfanne voll Gold betrachten und mittels eines wackern Geisterbanners heben. Mit dem letzten Glockenschlage verschließt sich die Höhle wieder und die Braupfanne sinkt in die Tiefe.

Die Sage von Ziegelsteinen, welche sich in Gold verwandeln, lebt auch im Fichtelgebirge. Ist sie von dort her in unser Gebirge verpflanzt worden? In Gestalt von Ziegelsteinen erscheinen nämlich die Schätze des Waldsteins. Wer den Fund als unscheinbar oder lästig von sich schleudert, erkennt an den goldglänzenden Spuren, die Kleid und Hand zeigen, mit Reue, daß er sein Glück weggeworfen. (L. Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 20.)

302. Der Silbermann bei Pürstein.

(Erzgebirgszeitung 1880, S. 67.)

In der Gegend des Pürsteins befindet sich Silbererz in der Gestalt eines Mannes, dessen Körper im Buchwald ruht, dessen Füße nach Joachimsthal und dessen einer Arm nach Sachsen hinausragt, während der andere Arm im Tannelberge liegt.

Auf Grund dieser Sage bildete sich 1870 eine Gesellschaft mit 128 Anteilen, die den alten Silberberg beim Friedhof wieder aufmachte. Die dabei aufgefundenen alten Gänge sind verfallen, sollen sich aber ununterbrochen bis gegen Joachimsthal ziehen, so daß der Sage nach ein Arbeiter von hier den andern von dort rufen konnte.

303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 130; z. T. mündlich.)

Ein ehemaliger Besitzer des Schlosses Rabenstein (die Sage bezeichnet ihn als einen Herrn von Carlowitz), der sehr mißgestaltet gewesen, soll in dem Schlosse an einem unbekannten Orte eine Pfanne voll Gold vergraben haben mit dem Bannspruche, daß ein Besitzer des Schlosses aus seiner Familie, welcher eben so bucklig wie er sei, den Schatz finden und heben sollte.

Erzählt wird noch, daß von dem Schlosse zu Rabenstein vor Zeiten ein unterirdischer Gang nach Schloß Chemnitz geführt habe.

304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.

(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 19. 20. Ziehnert, Sachsens Volkssagen. 4. Aufl., Pros. Anhang, No. 4; z. T. mündlich.)

Mitten auf der Rainung der beiden Dörfer Reichenau und Hermsdorf im Amte Frauenstein, am Kreuzwald, hart an der Straße nach Böhmen, steht ein kleiner Stein mit der Bezeichnung »Kapelle«; hier stand noch bis 1876 ein Teil des Mauerwerks der Kapelle zum heiligen Kreuz oder der sogenannten wüsten Kirche, welches in dem genannten Jahre abgetragen und als Straßenbaumaterial verwandt wurde. Von der Erbauung und Zerstörung dieser Kapelle weiß man wenig; wohl aber erzählt die Sage, daß unter derselben eine ganze Braupfanne voll Gold stehe und zwölf Fässer alten Weins vergraben seien. Viele haben schon danach gegraben; daß aber von den Schatzgräbern allen auch nur einer etwas gefunden hätte, davon will niemand etwas wissen. Auch soll sich daselbst des Nachts zwischen 11 und 12 Uhr zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen lassen, und man erzählt, daß um diese Zeit einmal an dem Orte einem früheren Pfarrer von Hermsdorf etwas passiert sei, was derselbe aber anderen nicht mitgeteilt habe.

305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg.

(Mündlich.)

Im Orte Rechenberg südlich von Frauenstein sieht man nahe der Kirche auf einem Felsen die Ruinen eines Schlosses, welches vielleicht zur Bewachung der alten Zollstraße nach Böhmen erbaut wurde und das nach der Sage durch einen unterirdischen Gang mit dem Schlosse Frauenstein in Verbindung stand. In der Nähe des Schlosses zeigt man noch die Überreste von Wällen, und als man am Fuße desselben die Schule baute, traf man auf alte Gänge, welche anzusehen viele Leute weit her kamen; doch konnte man nicht tief in die Gänge eindringen. In manchen Nächten will man oben in der Ruine ein Licht gesehen haben. Erzählt wird, daß in den Gewölben große Schätze in einer Braupfanne liegen, wer dieselben heben will, muß seine eigene Tochter zum Opfer bringen; dieselbe muß aber weißhaarig sein. Doch hat auch einmal ohne solches Opfer ein Mann einen kleinen Teil des Schatzes gehoben. Als nämlich einst ein Bierknecht des früheren Rittergutes vom Berge herab fuhr, sah er von ferne auf der Ruine ein Licht. Er ging hinauf und sahe darauf an dem Lichte dreihundert Thaler liegen, welche er einsteckte und mitnahm. Nach vier Wochen war er jedoch tot.

306. Der Schatz des Tschinnersteins bei Brandau.

(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)

Geht man von Brandau auf dem Fahrwege über den »Hof« hinaus in den Wald, so findet man links leicht einen nicht zu großen schräg liegenden Stein, über den die Kinder oft herabrutschen oder »tschinnern«. Dieser Stein soll den Eingang in eine reiche Schatzkammer verschließen, und Sonntagskinder können dort am Ostermontage um 12 Uhr ein Schloß sehen und den Schatz heben, wenn es ihnen gelingt, schnell die Thür des Schlosses zu erreichen. Doch schnell müssen sie sein, da das Schloß gewöhnlich entflieht und den habgierigen Schatzjäger irre führt.

Einige Frauen rupften in der Nähe des Tschinnersteins Moos und hatten ihre Körbe auf den Stein gestellt. Als sie dieselben um 12 Uhr holen wollten, um das Moos nach Hause zu tragen, waren sie verschwunden. Schreiend entfernten sich die Frauen, bis auf eine, die nach einer halben Stunde ihren Korb wiederfand, den Boden mit Gold bedeckt.

Ein Knabe hütete am Tschinnerstein. Da scharrte eine Kuh einen Topf von Silbergeld heraus, das er seinem Vater gab. Wenn das Geld auch nicht mehr gangbar war, so wurde dieser doch dadurch reich, indem er es verkaufte.

307. Der Heldenberg bei Seifen.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 78.)

Auf dem öden und rauhen Kamme des Erzgebirges erhebt sich bei dem böhmischen Kirchdorfe Seifen der Heldenberg, der vor vielen Jahren mit einem dichten, fast undurchdringlichen Hochwalde bedeckt war. In diesen ging einst ein blutarmer Holzhacker, um Holz zu fällen. Als er in die Mitte des Waldes kam, vernahm er mit einemmale im nahen Gebüsche ein ungewöhnliches Geräusch. Unverweilt schritt er darauf zu und sah unter der Erde durch das Moos reines gediegenes Gold hindurchschimmern. Dem Holzhauer klopfte das Herz voll Freude über den unerwarteten Fund, der nun für immer seiner bitteren Armut abhelfen sollte. Er lief über Stock und Stein, durch dick und dünn nach Hause, um sich zum Ausgraben des edlen Metalles die nötigen Werkzeuge, als Spitzhaue und Schaufel, zu holen. Als der Überglückliche aber zu derselben Waldesstelle zurückgekehrt war, fand er weder das Gebüsch, noch schimmerte ihm vom Boden Gold entgegen; alles war verschwunden. Darob war der Holzhauer tief betrübt; er mußte nun bis zu seinem Tode sein hartes Los, Holz zu fällen, ertragen.

Die Sage erzählt weiter, daß einmal eine ganz schwarze Kuh über diese reichen Goldlager gehen und sie aufwühlen wird. Dann soll aus dem jetzt unansehnlichen Orte Seifen eine große blühende Bergstadt entstehen, die den stolzen Namen Heldenberg erhalten wird.

308. Der Schatz des Braunsteins bei Joachimsthal.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 46.)

Ein Hirtenjunge aus der Petermühle weidete einmal in der Nähe des Braunsteins sein Vieh. Da sah er plötzlich, als er den Berg hinanstieg, eine offene Thür, die er sonst nie bemerkt hatte. Unwillkürlich trieb ihn eine innere Stimme an, in das Gewölbe hineinzugehen. Daselbst erblickte er eine Kiste mit großen Schätzen. Davon nahm er so viel, als seine Taschen fassen konnten, und ging vergnügt zu seiner Viehherde zurück. Zu Hause angekommen, versteckte er das Geld in seinem Koffer. Aber trotz aller Vorsicht hörte die Magd das Klingen der Münzen und zeigte dies ihrem Herrn, dem alten Mühlpeter, an, der den Jungen wegen des Geldes zur Rede stellte. Derselbe erzählte nun das wunderbare Ereignis und versprach seinem Herrn den Eingang zu den unermeßlichen Schätzen zu zeigen. Als jedoch beide am nächsten Tage zum Braunsteine kamen, war zu ihrer höchst unliebsamen Überraschung das Felsenthor unsichtbar. Der Mühlpeter kaufte bald darnach dem Hirtenjungen ein neues Gewand, gab ihm das größte Goldstück und schickte ihn in die Fremde. Das übrige Geld behielt er für sich und ward, freilich auf ungerechte Weise, ein reicher Mann.

Ein anderer Hirtenjunge, der gleichfalls am Fuße des Braunsteins hütete, sah eines Tages eine Menge kleiner, buntgefärbter Leinwandfleckchen auf der Erde liegen. Um den Kindern seines Herrn bei seiner Heimkehr eine Freude zu bereiten, suchte er die schönsten Flecke aus und steckte sie in seine Hirtentasche. Um die Mittagsstunde trieb er seine Viehherde nach Hause. Als er diese im Stalle versorgt hatte, ging er in die Stube und wollte die mitgebrachten Geschenke verteilen. Er griff in die Tasche, doch siehe! statt der bunten Flecklein zog er lauter funkelnde Goldstücke heraus. Darob herrschte unbeschreibliche Freude im ganzen Hause. Nur der geldgierige Herr gab sich mit dem erhaltenen Gelde nicht zufrieden, sondern schickte den Jungen eiligst zurück, damit er alle Leinwandflecke sammle und heimbringe. Als derselbe fast atemlos zur Fundstelle kam und mit einemmale ein Zwerg vor ihm stand, stiegen ihm vor Furcht die Haare zu Berge, und kein Wort kam über seine Zunge. Doch das Männlein, das die Ursache seines Kommens wußte, sprach zornentbrannt zu dem Jungen: »Du bist zwar unschuldig, aber Dein habsüchtiger und ungenügsamer Herr hat Dich hierher geschickt, um den ganzen Schatz zu gewinnen. Dafür soll er hart gestraft werden, er soll – verarmen!« Hierauf verschwand der Zwerg. Vor Angst und Schrecken eilte der arme Hirtenjunge durch dick und dünn heim, erzählte das eben Geschehene und starb bald darauf. Auch des Zwergleins Prophezeiung ging buchstäblich in Erfüllung; denn der Herr des Jungen kam an den Bettelstab.

So muß gar oft der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden.

309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine bei Joachimsthal.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 41.)

Geht der Wanderer von Schlackenwerth durch das enge, anmutige Weseritzthal nach Joachimsthal, und klettert er, bei der sogenannten Petermühle (Schöffl-Mühle) angekommen, zur Rechten am reichbewaldeten Bergabhange empor, so gelangt er zum Braunstein, einem Bergkegel, welcher vor einigen Jahren mit Wald gekrönt war, jetzt aber nahezu gänzlich abgeholzt ist. – Auf dem Braunsteine stand, wie der Volksmund erzählt, in uralten Zeiten ein Schloß, dessen Nähe jeder Umwohner scheute. Obgleich es unbewohnt war, sah man doch in stürmischen, finstern Nächten die Fenster des Schlosses prachtvoll beleuchtet, und mancher Pilgrim, der dasselbe aus Neugierde betrat, kehrte nicht mehr zurück. – Trotz alledem schlug einmal ein herzhafter Handwerksbursche alle Warnungen in den Wind und lenkte eines Abends, als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, seine Schritte dem gefürchteten Schlosse zu, um dort zu übernachten. Ringsumher herrschte tiefes Schweigen. Er stieg die Treppe empor, schritt durch das hohe Portal ungehindert fürbaß und gelangte in einen geräumigen, tageshell erleuchteten Saal, in welchem eine lange Tafel stand. An dieser nahm er Platz und verfiel allmählich gegen seinen Willen in einen festen Schlaf. Um die Mitternachtsstunde aber weckte den Handwerksburschen ein heftiges Klopfen. Er erwachte und erstaunte, daß die Tafel gedeckt und mit Speisen und Getränken in Fülle beladen war. Da öffnete sich plötzlich die Thür, und in den Saal trat ein graubärtiger Greis, dem seine Familie folgte. Nachdem die Angekommenen sich an die Tafel gesetzt hatten, unterbrach der Alte das Stillschweigen, indem er sagte: »Willkommen, Fremdling, in meinen Hallen! Hier hast Du Speise und Trank im Überfluß; iß und trink, was Dir beliebt!« Darnach wollte er ohne weiteres die Mahlzeit einnehmen, doch der Wandersmann sprang im Nu von seinem Sitze auf, gab dem Greise einen derben Backenstreich und rief: »Beten muß man, bevor man ißt!« – Diesen Worten folgte ein furchtbarer Donnerschlag, worauf der Alte sagte: »Habe Dank, braver Geselle, Du hast durch Deine Frömmigkeit mich und die Meinen erlöst! Vernimm in Kürze meinen Lebenswandel! Mein Vater war ein mächtiger Ritter, meine Mutter eine gute und fromme Frau. Als einziger Sohn war ich der Eltern Stolz und wurde mit größter Liebe und Sorgfalt erzogen; allein ich bereitete denselben für ihre Mühen und Opfer nur unsägliches Herzeleid. Denn am Gebete fand ich keinen Gefallen, verhöhnte alles, was dem Menschen heilig und ehrwürdig sein muß, und sank in meiner Verblendung immer tiefer und tiefer. Zuletzt zog ich als Familienvater Frau und Kinder mit ins Verderben. Aber Gottes gerechtes Strafgericht ereilte uns bald. Eins nach dem andern starb und wurde in dieses Schloß entrückt mit der Bestimmung, hier so lange zu hausen, bis ein frommer Mensch uns erlösen würde. Viele kamen schon vor Dir, allein da sie unlauteren Herzens waren, fanden sie insgesamt ihren Tod. Auch Dich hätte ein gleiches Los getroffen, wenn Du nicht gottesfürchtig gewesen wärest. Du kannst Dir nicht denken, welche Angst mich befiel, als ich Dich versuchte. Hättest Du die Probe nicht bestanden, so müßten wir noch länger in diesen Räumen verwünscht umherwandeln. Jetzt komm' und folge mir!« Der Handwerksbursche willfahrte dieser Aufforderung und so führte ihn der Greis abwärts in einen weiten Gang, wo dem Eintretenden Kessel mit Gold und Silber entgegenblinkten. »Nimm von diesen Schätzen,« hub der Alte an, »so viel Du tragen kannst; laß jedoch davon eine Kapelle erbauen, und gieb den Armen und Notleidenden reichliche Almosen.« Nach diesen Worten verschwand er. – Der Fremdling that, wie ihm geheißen, und verließ ungesäumt das Schloß, das schon längst von der Bergeshöhe in Staub gesunken ist. Er erfüllte aber auch aufs Gewissenhafteste des Greises Begehren und blieb glücklich sein Leben lang.

310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 296.)

In der Umgegend von Graslitz erhebt sich der Hausberg, von welchem viele Sagen erzählt werden. Früher sollen darauf die Überreste einer Burg gesehen worden sein; sie wurden aber zum Baue einer großen Fabrik verwendet.

Einem Weibe träumte einmal, sie solle in den Hausberg gehen, dort würde ihr ein schwarzes Zicklein mit feurigen Augen begegnen, dem solle sie folgen. Als sie erwachte, erzählte sie den Traum ihrem Manne; dieser aber ärgerte sich darüber und verbot ihr zu gehen. Da ihr aber in der zweiten und dritten Nacht das nämliche träumte, ging sie doch auf den Berg. Und wirklich, dort kam ihr ein schwarzes Zicklein entgegen, das hatte feurige Augen und meckerte ihr freundlich zu. Sie folgte dem Zicklein und kam in eine Höhle, wo das Zicklein verschwand. In der Höhle aber erblickte sie eine schöne Jungfrau, die winkte ihr zu und füllte ihr die Schürze mit den Steinen, die neben ihr lagen. Hierauf entfernte sich das Weib und als sie heimkam, hatte sie goldene Münzen in der Schürze. Der Berg soll sich regelmäßig am Karfreitage während der Passion öffnen. Eine Mutter, die zu dieser Zeit eindrang und von den Schätzen, die darin aufgespeichert sind, nahm, vergaß ihr Kind darin, fand es aber nach einem Jahre unversehrt wieder, von einer Jungfrau behütet.

311. Der Schatz zu Joachimsthal.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 34.)

Im nördlichen Stadtteile von Joachimsthal, im sogenannten Oberthal, stand vor Jahren hart an der Gartenmauer, welche sich rückwärts des Hauses Nr. 106 befindet, ein stark gewachsener Hollunderstrauch. Da die Wurzeln desselben immer tiefer in die ohnedies sehr schadhafte Mauer eindrangen, war diese dem Einsturze nahe, deshalb schickten sich die beiden Nachbarn Anton und Franz an, die Mauer abzutragen. In der Mitte derselben fanden sie beim Abräumen einen irdenen Topf mit Kirschkernen, von denen jeder eine kleine Öffnung hatte, als ob er von einem Käfer angebohrt worden wäre. Einer der Nachbarn nahm den Topf und schleuderte ihn an einen Stein, so daß die Scherben und Kirschkerne auf ein Häufchen zusammenfielen. Dies geschah um die Mittagsstunde, als auf dem nahen Kirchturme die Glocke ertönte. – Die beiden Männer begaben sich hierauf nach Hause, um ihr Mahl einzunehmen, und erzählten ihren Angehörigen von dem Funde im Garten. Diese gingen, von Neugierde gequält, sogleich an Ort und Stelle, um den merkwürdigen Fund zu betrachten; allein weder ein Scherben noch ein Kirschkern war zu finden. Auch die Nachbarn, die mit Eifer an der Abtragung der Gartenmauer fortarbeiteten, sahen nicht die geringste Spur von dem früher verschmähten Funde, der ein großer Schatz gewesen sein soll.

Bald darauf ging Elisabeth, die Wirthschafterin des Besitzers jenes Hauses, während des Abendläutens nach dem Hintergebäude, wo eine Fallthür in den Keller führte, und bemerkte darauf ein Häufchen glühender Kohlen. Bestürzt eilte sie zu ihrem Herrn und fragte ihn, ob er auf die Kellerthür Asche geschüttet habe, was er mit Entschiedenheit verneinte. Um sich aber zu überzeugen, liefen beide zur Fallthür, das Gluthäufchen jedoch war verschwunden.

Über der Gasse, dem oben bezeichneten Hause gegenüber, befand sich zwischen zwei Häusern ein überaus schmaler, freier Raum, wo viel Stroh- und Heugesäme abgelagert war. Daselbst fand ein Mann, der mit der Säuberung des Platzes beschäftigt war, ein schweres eisernes Kistchen und stieg mit seinem Funde, um ihn in Sicherheit zu bringen, auf die Leiter, die er zur leichteren Vollführung seiner Arbeit angelegt hatte. Als er mitten auf der Leiter stand, hörte er plötzlich seine Frau ängstlich rufen: »Hans, komm' herauf, das Kind hat's Bein gebrochen!« Vor Schrecken ließ er das Kistchen fallen und lief in die Stube, in welcher die Frau das lächelnde Kind in der Wiege schaukelte. Seine Verwunderung steigerte sich, als er erfuhr, daß seine Frau ihn gar nicht gerufen habe. Nachdem Hans den Vorfall seinem Weibe erzählt hatte, eilte er nach dem Orte zurück, um das in seiner Bestürzung weggeworfene Kistchen zu holen, welches er jedoch trotz allen Suchens nicht wiederfand.

Glücklicher war ein anderer Nachbar, der in späteren Jahren vor seinem Hause ein glühendes Kohlenhäufchen sah. Er nahm eine Schürze und deckte dasselbe vorsichtig zu. Dann ging er in sein Haus, holte ein Gefäß, in welches er das Häufchen schüttete, und trug es in den Keller. Des andern Tages sah er nach und siehe! aus den Kohlen waren lauter blanke Goldstücke geworden.

312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 39.)

Auf einer felsigen Anhöhe an der Ostseite von Joachimsthal erhebt sich die weithin sichtbare Johanneskapelle, die mit einem Wohngebäude in unmittelbarer Verbindung steht. Über die Entstehung dieses Kirchleins erzählt die Sage folgendes:

Als der Bau der Hospitalkirche zu Joachimsthal in Angriff genommen wurde, wohnte im sogenannten »Seidl-Koch-Haus,« dessen Ruinen seit dem gewaltigen Brande vom 31. März 1873 noch heute zu sehen sind, der Bergbeamte Vogelhaupt, welcher neben seinem Berufsamte die Geschäfte eines Spitalrechnungsführers versah. – Da geschah es, daß beim Grundgraben dieser Kirche ein Maurer eine eiserne Kiste fand, die sehr schwer war. Deshalb schaffte sie Vogelhaupt mittels eines Pferdegespanns auf heimliche Weise zu seiner Wohnung. Dabei zersprengte sich wegen der allzu großen Last eines der Pferde. In der Kiste lag ein Schatz nebst einer Urkunde, in welcher es hieß, daß derjenige, der die Kiste finde, von dem darin enthaltenen Gelde möge ein Kloster errichten lassen. Vogelhaupt eignete sich wohl die gefundenen Schätze an, erfüllte jedoch nicht die daran geknüpfte Bedingung. Erst seine Nachkommenschaft, die von dem reichen Funde genaue Kenntnis hatte, suchte ihr geängstigtes Gewissen durch den Bau einer Kapelle einigermaßen zu beruhigen. Und so errichtete denn Johann Jakob Vogelhaupt mit seiner Gattin Maria Sophie, geb. Makasy, im Jahre 1734 die Johanneskapelle. Selbige gelangte, da Maria Barbara, die Tochter des genannten Ehepaares, sich mit Franz Ludwig Pallas vermählte, in den Besitz der Pallasfamilie. Der spätere Besitzer Franz Pallas, Domdechant in Prag, vererbte die Kapelle am 4. Juni 1823 seiner Schwester Barbara, verehelichten Walz, mit der Bedingung, daß an die Kapelle ein Haus mittels Legates von 15000 fl. Wiener Währung angebaut und dieselbe für immerwährende Zeiten als Hauskapelle erhalten werde. Diese letztwillige Verfügung des Domdechanten Pallas ist in den Jahren 1838 und 1839 erfüllt worden.

Gegenwärtig gehört die Johanneskapelle dem Bürger Hilarius Seidl, der sie am 30. November 1867 käuflich an sich brachte.

313. Der weiße Fels bei Bäringen.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 171.)

Im Buchwalde bei Bäringen erhebt sich ein hoher Felsen, der heißt »der weiße Fels.« Am Karfreitage soll sich der Felsen öffnen und ein uraltes Bäuerlein herauskommen, welches hier die frische Saat fürs nächste Jahr beginnt. Am nächsten Karfreitage soll nämlich an dem Orte, wo dasselbe säet, Gold hervorwachsen. Wer an diesem Tage hier vorübergeht, der kann es sehen, und wer von dem Golde etwas aufhebt, der kann mit demselben sein Vermögen bessern.

314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.

(Nach Ziehnerts poet. Bearb. b. Gräße a. a. O. No. 580.)

In der Nähe von Glauchau befindet sich der sogenannte Schafteich, der fast eine halbe Stunde im Umfange hat und beinahe den ganzen ebenen Raum zwischen dem Scheerberge, der Mulde und der Lungwitz einnimmt. Nahe bei diesem Teiche befindet sich eine Art Stolln, der weit hinein in die Erde reicht, und den man gewöhnlich die Räuberhöhle nennt. In derselben soll es aber nicht geheuer sein. So erzählt man, daß einst ein armer Hirtenknabe an jener Höhle fast täglich gespielt habe und oft von brennender Neugierde gequält worden sei, einmal hinein zu kriechen, um zu wissen, was denn eigentlich darin sei. Nun getraute er sich aber, so beherzt er sonst auch immer war, doch nicht so recht hinein, weil er den Rückweg zu verfehlen gedachte. Da sah er einmal eine schwarze, goldgesprenkelte Henne in den Eingang kriechen und gackern, gerade als wenn sie legen wolle. In der Hoffnung ihr Nest zu finden, folgte er ihr einige Schritte, allein bald ward es ihm zu unheimlich und zu finster und so kehrte er wieder um. Da er nun aber die Henne auch die nächsten Tage immer wieder an demselben Orte fand, so dachte er darüber nach, wie ihm wohl die Henne den Weg in das Innere der Höhle zeigen könne. Er nahm also einen starken Knäuel Garn und band der Henne einen Faden desselben an das Bein, und diese zog ihn nun ganz langsam, gerade als ob sie seine Absicht merke, hinter sich in die Höhle. Schon war aber das Garn fast ganz abgewickelt, da sah er auf einmal vor sich ein brennendes Licht. Allein wie ward ihm, als er bemerkte, daß dasselbe aus den Augen eines schwarzen, zottigen großen Hundes mit furchtbarem Rachen und starken Klauen ausströme! Neben demselben stand aber ein Männchen in einem grauen Mäntelchen, das hatte einen großen Sack Geld in der Hand und rief ihm zu, er möge nur näher kommen. Allein der Knabe wagte es nicht und nur erst, als das Männchen ihm nochmals zurief, er könne es ohne Gefahr thun, wagte er es. Hierauf reichte ihm der Graumantel eine Hand voll Thaler und sagte, er könne hierher so oft kommen, als er wolle, er solle jedesmal eine gleiche Summe bekommen, nur dürfe er niemandem sagen, woher er das Geld habe, sonst sei er verloren. Der Knabe fand nun den Rückweg sehr leicht, allein da er niemandem, auch seinen Eltern nicht, sein Glück mitteilen konnte, so blieb ihm nichts übrig, als das Geld zu vernaschen. Dies that er auch nach und nach, und als dasselbe verthan war, begab er sich wieder in die Höhle und holte sich eine zweite Auflage des vorigen Geschenks. Weil nun aber der Knabe gar zu oft bei dem Kaufmanne Näschereien kaufte und stets in blanken Thalern bezahlte, schöpfte derselbe Verdacht, das Geld sei gestohlen, und teilte seine Wahrnehmung dem Vater des Knaben mit. Da dieser nun recht gut wußte, daß sein Sohn nicht Pfennige, geschweige denn Thaler haben könne, so suchte er erst durch Drohungen heraus zu bringen, woher das Geld sei, und als der Knabe es nicht gestehen wollte, schlug er ihn so lange aufs Unbarmherzigste, bis derselbe alles gestand, aber auch hinzusetzte, daß ihm gewiß sein Brot gebacken sei, weil er das graue Männchen verraten habe. Und so geschah es auch, denn als der Vater am andern Morgen seinen Sohn, der ihm zu lange zu schlafen schien, aufwecken wollte, war er tot; der Böse hatte ihm den Hals umgedreht.

315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.

(Mündlich.)

Vom Hammerberge bei Wittichsthal sagte ein Venetianer, als er den Berg vom Fenster seines Logis aus erblickte, in ihm liege noch ein Königreich. Er wollte damit ausdrücken, daß in dem Berge ein großer Schatz liege.

316. Der Eimer voll Silber.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 262.)

Eine Magd, die in Komotau in einem Hause am Graben diente, ging zu Weihnachten spät des Abends zum Brunnen und schöpfte Wasser. Wie sie aber den Eimer heraufzog, war er voll Silbergeld. Sie lief eiligst zum Herrn und meldete das Wunder. Als dieser aber mit ihr wieder zum Brunnen kam, war der Eimer leer.

317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg einen Schatz.

(Meltzer, Hist. Schneebergensis. 1716, S. 1146.)

Ungefähr im Jahre 1679 zeigte sich in dem Knappschaftshause zu Schneeberg ein Gespenst in eines alten, graubärtigen kleinen Mannes Gestalt einem Schüler, welcher daselbst seine Wohnung hatte. Es machte sich nach vielfältiger Erscheinung und Wortwechselung mit ihm dergestalt bekannt, daß er zuletzt nicht mehr so furchtsam sein konnte, sondern, um endlich Ruhe zu haben, einen angegebenen Schatz zu graben sich erkühnte. Obwohl nun der Schüler solchen Schatz, nachdem er des Tages immer darnach gegraben, endlich in vielen güldenen Ketten und Silbergeschirr, darauf die alten Schneeberger viel gehalten, erblickte, so hat er dennoch das betrogene Spiel in Händen gehabt. Denn als es zum Treffen und Heben gekommen, wie dazu das alte Männlein die Zeit gesetzet, hat der Schüler im Gewölbe, darin er allein gewesen, zwar gesehen, wie zwei anwesende Männer den Schatz aus der Erde gehoben und lauter Pretiosen auf den vorhandenen Tisch ausschütteten, wornach auch das alte Männlein ihn greifen heißen; aber wie er daneben von einem andern, der seitwärts auf einem Sessel gesessen, die Anrede gehört, wie er als ein armer Mensch sich erkühne, einen solchen kostbaren Schatz zu heben, darüber er, als der Herr der Welt, doch die Macht hätte: siehe, so ist darauf der Schüler voller Schrecken zurückgekehrt und in höchster Angst gewesen, bis der Seiger nachmittags 4 Uhr geschlagen. Denn eben bis auf diese Zeit hatte das alte Männlein die Gelegenheit zum Schatzheben gesetzt, und eben um diese Zeit hat ein Sturmwind gewütet und einen Baum im Garten gebrochen, dahin zugleich, wie das Gespenst bei letzter Erscheinung sagte, der Schatz aus dem Hause fortgerückt sein sollte.

318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 89.)

Vor etwa siebzig Jahren kamen nach der Bergstadt Platten einige Zigeuner. Da dieselben wegen der rauhen Jahreszeit nicht im Freien ihr Lager aufschlagen konnten, gingen sie von Haus zu Haus und baten flehentlich um Herberge. Allein überall wurden die braunen Söhne mürrisch und hartherzig abgewiesen, bis sie ein armer, aber ehrlicher Bergmann, mit Namen Friedrich, in seine windschiefe Hütte aufnahm. Beseelt von edler Menschenliebe, kochte die Frau des Bergmannes sofort eine Milchsuppe, welche den hungrigen Gästen vortrefflich mundete. Nach mehrtägigem Aufenthalte beschlossen die Zigeuner, an's Wandern gewöhnt, weiter zu ziehen. Zuvor aber wollten sie sich der braven Bergmannsfamilie dankbar erweisen. Deshalb legte eine Zigeunerin das Geständnis ab, im Auffinden von Schätzen gut bewandert zu sein, und hielt alsogleich im Hause Umschau. Sie nahm die Wünschelrute, begab sich aus dem Stübchen in den Küchenraum und ließ diese schlagen. Die Rute neigte sich gegen den Ofen, ein Zeichen, daß hier ein Schatz verborgen liege. Nach mehreren anderen Schwankungen bezeichnete sie genau den Ort, und den Andreasabend als die Zeit zum Heben des Schatzes. Mit Segenswünschen schieden die Zigeuner. Der arme Bergmann jedoch konnte den festgesetzten Tag gar nicht erwarten und schritt noch vor dem Termine an die Ausführung seiner geheimnisvollen Arbeit. Zu diesem Zwecke verfertigte er einen großen Kreis aus Papier, den er mit hunderten von Kreuzen beschrieb und legte ihn auf den Platz, wo der vermeintliche Schatz sich befinden sollte. Hierauf stellten sich der Bergmann und ein Nachbar in den Kreis und fingen zu graben an. Es dauerte nicht lange, da kam eine eiserne Truhe zum Vorschein. In dem Augenblicke aber, als einer der Schatzgräber mit der Haue auf die Lade schlug, entstand ein gewaltiger Donnerschlag, und der Kreis zerriß in tausend Stücke. Sprachlos und totenblaß standen beide Männer da, und als sie sich von der Betäubung erholt hatten, sahen sie einander nicht wenig erstaunt an, denn der Schatz war wieder in die Tiefe zurückgerollt.

319. Die Schatzgräber.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 100.)

Zwischen Platten und Jungenhengst steht am Wege, der in die letztgenannte Ortschaft führt, ein Bild, welches Jesum, wie er gegeißelt wird, darstellt und von den Umwohnern »schönster Jesus« genannt wird. Dort soll ein großer Schatz verborgen liegen. Denselben wollten vor vielen Jahren zwei Geschwister, Bruder und Schwester, heben. Nachdem beide sich mit den üblichen Beschwörungsformeln bekannt gemacht hatten, gaben sie sich das Versprechen, kein Wörtlein während des Schatzgrabens zu sprechen. In einer Nacht gingen sie nun an Ort und Stelle und gruben allda, bis sie nach längerer Arbeit auf den Deckel einer Geldkiste stießen. Allein welcher Schreck! Mit einemmale kommt ein Soldat gegen das schätzesuchende Geschwisterpaar heran. Nach einer Weile sprengt auf feuersprühendem Rosse ein Reiter daher, dem mit Blitzesschnelle sich eine ganze Schwadron Kriegsgefährten anschließt. Eisiges Grauen überfiel da die Geschwister, welche einander schweigend anblickten. Als aber eine Totenbahre sichtbar ward, der ein langer Leichenzug folgte, da rief die Schwester: »Jesus, Maria! Da tragen sie unsere Mutter!« Wie diese Worte ihrem Munde entflohen waren, stürzte im Innern der ausgegrabenen Grube ein mächtig sprudelnder Quell hervor. Immer höher und höher stieg das Wasser und überflutete in wenigen Augenblicken den Weg. Bald reichte es sogar den Geschwistern bis zur Brust, so daß sie, über die höchst sonderbaren Erscheinungen entsetzt, von dannen eilten. Als sie nach Hause kamen, waren sie – welch ein Wunder – ganz trocken. Das Geschwisterpaar verspürte nun keine Lust mehr, den Schatz zu holen.

320. Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Geld.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 288.)

Eine Frau fand eines Tages auf dem Hausberge bei Graslitz beim Beerensuchen ein Bündel Reisig, worin verschiedene Buchstaben zerstreut herumlagen. Sie nahm einige derselben und dachte sie ihren Kindern zum Spielzeug zu bringen. Als sie dieselben aber zu Hause aus ihrem Korbe nehmen wollte, waren es Silberstücke geworden. Nun eilte sie wohl nach dem Orte zurück, um die übrigen zu holen, allein das Bündel samt den Buchstaben war verloren. Ein andermal fand eine Frau ein Häufchen Hobelspäne, die daheim zu Thalerstücken wurden, und wieder ein andermal trugen Kinder Kohlen und Steinchen heim, die sich zu Hause in Gold verwandelten.

Dämonische Wesen besitzen die Wunderkraft, die verschiedensten Gegenstände in edles Metall zu verwandeln. Auch wo sie in der Sage bei einer solchen Verwandlung nicht ausdrücklich genannt werden, ist die letztere doch von ihnen ausgegangen. Im Fichtelgebirge schenkt eine weiße Jungfrau Laub, das zu Golde wird (Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 18), und im Harze verwandeln sich durch den Zwergkönig des Hübigensteins und die Prinzessin Ilse Tannenzapfen in Silber oder Gold. (Heine, Sagen, Märchen etc. aus dem Harze, S. 16 und 94.)

321. Kutter verwandeln sich in Geld.

(Mündlich.)

Einst ging eine Frau aus Bermsgrün in den Wald und fand daselbst mehrere wohl geordnete Häufchen von rundlichen, abgesprungenen Fichtenrindenstücken, die man »Kutter« nennt. Da sagte sie für sich: »Wer mag nur da gespielt haben?« und nahm solche Kutter von den Häufchen mit nach Hause, damit ihre Kinder auch damit spielen sollten. Als sie aber zu Hause ankam und den Korb aufdeckte, um die dahinein geworfenen Kutter ihren Kindern zu geben, fand sie statt derselben Geldstücke. Schnell ging sie darauf zurück, um auch die liegen gelassenen Kutter zu holen, allein sie konnte keine mehr finden.

322. Die sonderbaren Sägespäne.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 85.)

Vor vielen Jahren ging ein Weib aus Abertham in den in der Nähe liegenden Wald, der damals den Mühlberg bedeckte, um Klaubholz zu holen. Im Walde angekommen, stellte sie ihren Korb bei einem Kreuzwege nieder und lief in die Kreuz und Quer herum, um die Reiser zusammenzutragen. Als sie zu dem Korbe zurückkam, fand sie denselben mit Sägespänen angefüllt. Da sie jedoch ihrer nicht bedurfte, schüttete sie in ihrer Einfalt die Späne aus und legte in den Korb das Klaubholz. Wie war aber das Weib erstaunt, als sie, nach Hause gelangt, den Korb leerte und darin viele Goldstücke fand! Diese waren auf wunderbare Weise aus den Sägespänen, welche an dem Korbrande hängen geblieben waren, entstanden. Mit freudestrahlendem Gesichte eilte das Weib sogleich in den Wald zurück, um die verschmähten Sägespäne aufzuraffen, allein ihr Suchen war vergeblich, denn dieselben waren spurlos verschwunden.

323. In Goldstücke verwandelte Kartoffeln.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 98.)

Unweit von Platten steht an der Straße, die vormals von dieser Stadt nach Bäringen leitete, eine Johannes-Statue. Eines Abends – es mochte 9 Uhr sein – ging der Binder Fladerer aus Platten von Bäringen nach seinem Wohnorte. Als er bei der erwähnten Statue vorbeischritt, lagen mitten auf dem Wege frische, erst aus dem Felde genommene Kartoffeln. Ohne sich lange zu besinnen, griff Fladerer nach denselben und steckte sie ein. Wie er daheim die Kartoffeln aus den Taschen nehmen wollte, zog er lauter blanke Goldstücke hervor.

Nach der Sage soll unter der Johannes-Statue ein Silbergang sein.

324. Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen.

(Deutsche Sagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1. B. No. 158.)

Am Johannistag kamen zwei Hirtenknaben, indem sie den jungen Vögeln nachstellten, in die Gegend des Heilingsfelsen an der Eger und erblickten unten an demselben eine kleine Thüre offen stehen. Die Neugierde trieb sie hinein; in der Ecke standen zwei große Truhen, eine geöffnet, die andere verschlossen. In der offenen lag ein großer Haufen Geld, sie griffen hastig danach und füllten ihre Brotsäcklein voll. Drauf kams ihnen greulich; sie eilten nach der Thür, glücklich trat der erste durch. Als aber der zweite folgte, knarrten die Angel fürchterlich, er machte einen jähen großen Sprung nach der Schwelle, die Thüre fuhr schnell zu und riß ihm noch den hölzernen Absatz seines linken Schuhes ab. So kam er noch heil davon und sie brachten das Geld ihren erfreuten Eltern heim.

325. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges bei Kirchberg.

(Anton Bär im Glückauf, 2. Jahrg. S. 80.)

In der Schlacht an der Göltzsch, in welcher die Deutschen die Herrschaft der Sorbenwenden in den Flußgebieten der Saale, Elster und Mulde brachen, verlor auch ein adeliger Sorbe das Leben. Seine Burg lag inmitten seines ansehnlichen Grundbesitzes auf dem Borberge, welcher sich nahe bei der Stadt Kirchberg erhebt. Bevor er in den Kampf gezogen war, hatte er seine Schätze dicht neben dem Burgbrunnen, welchen man noch heute auf dem Borberge zeigt, vergraben, seine Kinder aber, drei Mädchen von großer Schönheit, hinausgeführt in den heiligen Hain und sie hier geloben lassen, dem Glauben ihrer Väter treu zu bleiben und die heiligen Gebräuche ihres Volkes fortzuüben. Als die Deutschen in die Gegend einrückten, brannten sie die Burg nieder, ließen aber die drei Schwestern, welche unterdessen ein kleines Gehöfte am Berge bezogen hatten, ziemlich unbelästigt in ihrer Verborgenheit leben. Allerdings traf auch sie, was jetzt über alle ihre Stammesgenossen in der Umgegend erging: sie mußten den Weisungen der deutschen Herrschaft willigen Gehorsam leisten und die Taufe und den christlichen Glauben annehmen. Letzterer Anordnung kamen sie indessen nur widerwillig nach, denn der neue Glaube stand im Widerspruch mit ihrem dem Vater geleisteten Gelübde und erlaubte ihnen nicht, manchen alten liebgewordenen Gebrauch weiter zu pflegen; sie fühlten sich darum oft in ihrem Herzen beschwert und gingen häufig zur Nachtzeit mit anderen Genossen hinaus zum zerschlagenen Opfersteine und übten allda ihre heidnischen Gebräuche.

Lange blieb das Treiben der Schwestern und ihres Anhanges verborgen, als aber aus dem Walde am Geiersberg heraus ein Kirchlein sich erhob und die Mönche dort das Seelsorgeramt mit Strenge übten, da setzten diese auch den Zusammenkünften am Opfersteine ein Ziel, und forderten die Schwestern, als die Veranstalter derselben, zu strenger Rechenschaft. »Ihr dient dem Herrscher der Hölle«, eiferten sie; »wohlan, da ihr unsere Warnungen und Mahnungen nicht beachtet habt, so sollt ihr auch dem Bösen verfallen sein. Wir sprechen den Bann über euch aus; freud- und friedlos sollt ihr sein, bis es euch gelingt, ein Christenkind zu herzen und zu küssen, das man aus dem Walde herein nach St. Margarethen zur Taufe trägt«. – In der That gewann es den Anschein, als waltete über den aus der Gesellschaft Gestoßenen von Stund an ein freundlicher Stern nicht mehr. Jedermann vermied den Umgang mit ihnen; sie hatten weder Rast noch Ruhe mehr und mußten öfters in der Nachtzeit, wenn die wilde Jagd dahin zog, wie das gehetzte Wild den finstern Wald durchirren. Das waren böse, harte Zeiten für die Schwestern, traurige Erlebnisse, welche endlich in ihren Herzen die Reue erkeimen ließen, dem Willen des Vaters gemäß gehandelt zu haben. Vergebens erwies sich auch das Bemühen, den wenigen, zufällig in ihre Nähe kommenden Menschen sich freundlich zu erweisen, vergebens die Bitte bei den Mönchen zu St. Margarethen, den bösen Zauber zu lösen, welchen ihr Bann über sie gebracht hatte, die Not blieb und nahm zu, je älter sie wurden. Manches Jahr war bereits verschwunden und noch immer harrten die Schwestern des Zusammentreffens mit einem Kinde, das im nahen Kirchlein die Taufe empfangen sollte. Zwar hatte der Zufall die Gelegenheit hierzu einigemale geboten, aber die Scheu vor ihnen war so groß, daß man bei ihrem Erscheinen stets zur Seite wich und schon aus der Ferne den Versuch einer Annäherung zu hindern suchte. Da gewahrte einst in einer Nacht die jüngste der Schwestern in der Gegend, wo, umgeben vom dichten Wald, eines Köhlers Hütte stand, noch helles Licht; von dem Wahrgenommenen unterrichtet, schlichen alle drei, begleitet von ihren zwei treuen Knechten, bis zur Hütte und bemerkten, daß des Köhlers Weib ein Kind geboren hatte. Sogleich stand der Entschluß in ihnen fest, dem Kinde, wenn es zur Taufe getragen würde, zu nahen und dessen Begleitung um die Erfüllung ihres Wunsches anzugehen. – Es währte auch nur kurze Zeit, als spät an einem Nachmittage der Köhler in Gesellschaft weniger Personen auf dem schmalen Pfade daher geschritten kam, um seinen Neugebornen nach St. Margarethen zur Taufe zu bringen. Alsogleich trat die älteste der Schwestern an ihn heran und sprach: »Lieber, laß mich Dein Kind sehen und herzen, Du sollst dafür auch diesen schönen glänzenden Stein haben, sieh' nur, wie er in der Sonne blitzt und funkelt.« Doch der Angeredete wandte sich ab und entgegnete: »Ich begehre weder Deinen Stein, noch sollst Du mein Kind sehen; halte mich nicht auf und laß mich weiter gehen.« Eine Strecke weiter kam die zweite Schwester und redete: »Lieber, sieh' dieses Goldstück, es soll Dir gehören, sobald Du mir erlaubst, Dein Kind einen Augenblick auf meinen Armen wiegen zu dürfen.« »Nein,« rief unwillig der Köhler, »Deines Goldstücks wegen gebe ich den Kleinen nicht aus meinen Händen; blicke nur empor, welch schweres Wetter am Himmel dräuet, ich will eilen, weiche zur Seite.« Abermals einen Steinwurf weiter kam die dritte Schwester dem Taufzuge entgegen. »Ei, lieber Köhler,« begann sie im muntern Ton, »Freya, die liebreiche, hat Dir ein Kind beschert, welches Du ohne Zweifel jetzt zur Taufe trägst; hier nimm diesen Wickel Flachs als Taufgeschenk, er soll Deinem Kinde Segen bringen, doch erlaube mir, den Kleinen auf einen Augenblick zu sehen.« Da reichte der Vater dem Mädchen, weil es gar so herzlich bat, das Kind und dieses drückte rasch einen warmen Kuß auf dessen Lippen. Noch redeten beide miteinander, als das Glöcklein von der Kapelle eifrig mahnte, das Gespräch einzustellen. Über den brausenden Bach auf schwankendem Steg eilte der Köhler hinauf zur Kapelle, die Jungfrau aber raschen Laufes zu den in banger Erwartung harrenden Schwestern. Wie fröhlich lenkten diese jetzt ihre Schritte dem Hofe zu, wie glücklich saßen sie, nachdem der jüngsten die Ausführung des längst gehegten Vorhabens gelungen war, dort beisammen! Die That, einst als Erfordernis bestimmt, den auf ihnen lastenden Zauber zu bannen, war erfüllt und von nun an sollte der Böse keine Macht mehr über sie haben.

Die Taufe in der Kapelle hatte längst ihr Ende erreicht, aber das inzwischen zum Ausbruch gekommene Gewitter hinderte bis zum späten Abend den Köhler an der Rückkehr zu seiner Hütte. Mit mächtiger Gewalt tosete diesmal der Donnergott. Mehr als einmal fuhr der blendende Strahl, wie von der Kapelle aus zu bemerken war, auf den Borberg nieder und mußte zuletzt auch gezündet haben, denn man sah im strömenden Regen dort dichten Qualm und Rauch aufsteigen. Dazu ließ sich ein Pfeifen und Rollen in der Luft vernehmen, als wenn der Fürst der Hölle selbst sein Wesen triebe. Letzteres war in der That auch der Fall; denn erzürnt darüber, daß drei durch den Bann ihm verfallene Seelen sich seiner Herrschaft zu entringen gewußt hatten, fuhr er grimmig und tobend im Wetter davon. – Endlich hatte die Natur ihre Ruhe wieder gefunden; am Himmel leuchteten bereits die Sterne, und in reicher Fülle sandte der Mond sein silbernes Licht zur Erde, als der Köhler mit seiner Begleitung den Heimweg antrat. Ohne Aufenthalt kam er auch diesmal nicht am Borberge vorüber. Mitten auf dem Wege, an derselben Stelle, wo vor wenig Stunden eine der Schwestern den Anblick seines Kindes erbeten hatte, hörte er plötzlich seinen Namen rufen. Er blickte empor und sah zwischen den Bäumen hindurch oben auf einem vorspringenden Felsen die drei Jungfrauen stehen und hörte zugleich, wie sie ihm zuriefen: »Lieber Köhler, habe Dank, daß Du dein Kind unserer jüngsten zum Kusse reichtest; Du hast uns dadurch aus schwerer Not und Drangsal befreit. Komm nur sonder Scheu herauf zu uns und nimm den Schatz, mit dem wir Dich belohnen wollen.« Aber dem Angerufenen und seinen Begleitern liefen bei diesen Worten die Schauer bald kalt, bald heiß über den Rücken; sie schlugen eiligst ein Kreuz und suchten schnell weiter zu kommen.

Gegen den anbrechenden Morgen hin mochte es jedoch den Köhler gereuen, der Einladung nicht Folge geleistet zu haben. Der Gedanke an den angebotenen, von ihm aber so leichtfertig verschmähten Schatz beherrschte seine ganze Seele, und über sein Vorhalten peinigten ihn umsomehr allerlei Vorwürfe, als ja die Schwestern sich ihm immer freundlich erwiesen hatten. Mit dem ersten Sonnenstrahl, der seine Hütte traf, war er darum auch schon auf den Beinen, ging auf den Berg und forschte nach den drei Jungfrauen. Er kam zu ihrem Hofe, doch dieser lag still und abgebrannt vor ihm; er stieg hinauf zum zerklüfteten Gemäuer der Burg, aber auch hier war nichts von den Gesuchten zu sehen und zu hören. Mißmutig lagerte er sich nunmehr in das Gras und rief mit fast weinerlicher Stimme und allerlei zärtlichen Worten nach den Schwestern. Doch auch diese Mühe schien lange des Erfolges zu entbehren. Endlich gewahrten seine Augen hinter einem Stein ein kleines graues Männlein mit langem weißen Bart, welches ihm also zurief: »Thörichter, warum störst Du die kaum begonnene Ruhe der Schwestern? Warum lohntest Du ihr Vertrauen nicht wieder mit Deinem Vertrauen? Du hast Dein Glück verscherzt, doch Deines Sohnes werden sie gedenken, sobald die Sonne achtzehnmal über die Erde gegangen sein wird. Wisse, die einst Vielgeplagten schlafen von jetzt an bei ihren Schätzen im Berge; wenn sie erwachen, erscheinen sie wieder an dem Brunnen; begegnet ihnen dann ein Menschenkind, dem sie wohlwollen, so beglücken sie es mit großem Gute.«

An des Köhlers Kinde ist die Verheißung zur Wahrheit geworden; ebenso sind im Verlauf der Zeiten die Schwestern mehreren nächtlichen Wanderern glückbringend erschienen. Aber noch sollen die von ihnen gehüteten Schätze so groß sein, daß sie davon noch vielen Erwählten zu spenden vermögen. Wer nun davon haben will, der gehe zur Zeit der Sommer- und Wintersonnenwende, sobald es nächtet, auf den Berg; vielleicht erscheinen die Schwestern und lassen ihn Gnade finden vor ihren Augen.

326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.

(Mündlich.)

Zwischen den Dörfern Lichtenberg, Burkersdorf bei Frauenstein und dem als Sommerfrischort in Aufnahme gekommenen Mulda erhebt sich der Burgberg, auf dessen Gipfel man noch die Überreste eines Doppel-Steinwalles und einen Brunnen, »Junfernbrunnen« genannt, sieht. Nach der Volkssage stand ehemals auf diesem Berge ein Schloß, und in einer weiten Felsenhöhle soll daselbst noch ein großer Schatz in einer Braupfanne liegen. Zuweilen hat man des Nachts zwischen 11 und 12 Uhr von Lichtenberg aus auf dem Berge ein Licht gesehen, und wenn man dann, wenn sich das Licht zeigt, den Gipfel erklimmt und einen weißhaarigen Jungen mitbringt, dann ist man fähig, den Schatz zu heben. Jedoch sind schon viele Personen, welche dies versuchten, von dem Lichte oder einem Hahne, welcher auf dem Platze des alten Schlosses erscheint, irre geführt worden. Der Hahn soll ein verzauberter Burgherr sein; derselbe ist erlöst, wenn es jemandem gelingt, den Schatz zu heben. Der Eintritt in den Geldkeller, und ebenso der Austritt, muß stillschweigend geschehen. Einer kam einst hinein und da sah er viel Gold und Edelsteine, von denen er sich eine große Menge mitnahm. Als er aber durch das Thor getreten war und in seiner Freude einen Laut ausstieß, schloß sich plötzlich dicht hinter ihm die Pforte und die Schätze, welche er soeben noch getragen hatte, waren wie ein Traum verschwunden.

Es lebte einmal in dem Dorfe Lichtenberg ein Junge, der sehr verwegen war, und den man deshalb den »Waldteufel« nannte. Derselbe kam einst mit zwei andern Jungen auf den Berg und kletterte an den Felsen, welcher nördlich von den Wällen steil abfällt. Hier sahen sie eine tiefe Felsenkluft und über derselben waren zwei Felszinken. Da hielt sich der »Waldteufel« an diesen Zinken fest und die beiden andern Jungen halfen ihm, so daß er sich etwas in der Spalte hinablassen konnte. Da sah er in der Tiefe einen großen Haufen Knochen, so daß er sich doch fürchtete, obschon er sonst beherzt war, und schnell wieder heraufstieg. Von Geld hat er aber nichts gesehen.

Übrigens sind auf dem Berge und in seiner Nähe schon viele Leute, auch bei Tage, so bethört worden, daß sie lange Zeit in der Irre gegangen sind.

Der oben genannte Brunnen soll immer Wasser gehabt haben, und wenn man versucht hat, dasselbe auszuschöpfen, so gelang es nicht.

327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.

(Mündlich.)

Da, wo sich jetzt die Schäferei von Voigtsdorf bei Sayda befindet, soll einst ein Schloß gestanden haben, das in einem Kriege, vielleicht im Hussitenkriege, eingeäschert wurde. Bei dieser Zerstörung wurde ein Schloßfräulein mit ihren Schätzen verschüttet. Ein Mann hat vor vielen Jahren wiederholt an dem Platze gegraben, um des Schatzes teilhaftig zu werden, jedoch nichts finden können.

328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.

(Richter, Chronica der Stadt Chemnitz I. 1767, S. 54.)

Der ehemalige Schulrektor in Chemnitz, Paulus Niavis, welcher sich gegen das Jahr 1494 von da nach Leipzig gewendet, erzählt, daß bei dem Bürgerwald, das ist der jetzige Zeisigwald, ein kleiner Hügel bei des Bürgermeister Arnold Felde wäre, da habe unten an dem Fuße des Hügels eine große ausgebreitete Fichte gestanden, und daselbst wäre eine Höhle, von außen mit Dornen und Brombeersträuchern verwachsen; von dieser würde erzählt, daß in ihr ein großer Schatz von Golde verborgen liege, dieweil die Leute in dem Hussitenkriege ihr Vermögen darin verstecket. Solcher Schatz aber wäre besessen; es hätten einige Schatzgräber denselbigen haben wollen, aber nichts ausgerichtet.

329. Der Schatz im Taurasteine.

(Chemnitzer Tageblatt, 1882, No. 89, und nach einer poetischen Bearbeitung, mitgeteilt vom Lehrer Drescher in Burgstädt.)

In dem Taurasteine bei Burgstädt soll ein Schatz liegen. Auch erzählt die Sage von einem unterirdischen Verbindungswege zwischen dem Taurasteine und dem Rathause in Burgstädt. Einst soll auch auf dem Taurasteine ein Altar der heidnischen Wenden gestanden haben, welche sich, von ihren Priestern gerufen, im Hahnbusche versammelten, wenn sie zum Opfer hinaufzogen. Die Wenden und ihre Priester wurden vertrieben, aber noch lassen sich auf dem Platze gespenstische Männchen sehen, welche den verborgenen Schatz hüten. Es geschah einmal, daß ein Bewohner Burgstädts durch den Wald auf den Stein ging. Von der Hitze ermattet, legte er sich im Waldesgrün, wo ihn wohlthätige Kühlung umfing, nieder und fiel bald in einen tiefen Schlaf. Plötzlich rief ihm eine Stimme zu: »Stehe auf, denn ich führ Dich zu Deinem Glücke!« Als er die Augen aufschlug, war es Nacht und vor ihm stand ein graues Männchen. Mit unsichtbarer Macht zog es ihn, dem Männchen zu folgen, wohin ihn dasselbe führte. Bald standen sie vor einer geöffneten Pforte, und im Innern der Höhle lagen Haufen von hellleuchtendem Golde. Da sagte das Männchen: »Jetzt sind wir am rechten Orte. Alles was Du hier siehst, soll Dein sein und Du bist alle Deine Sorgen los. Nur eine Kleinigkeit wünsche ich dafür von Dir: Dein Weib gebar Dir einen Knaben, den sollst Du mir für all dies Gold schenken, daß er mir mit Leib und Seele gehört.« Da nahm der fromme Burgstädter schnell ein Kreuz, der Christen heiliges Zeichen, das er bei sich trug, hervor und hielt es dem Verführer entgegen. Plötzlich stürzten die Felswände krachend ein und das Gold sank wieder in die Tiefe hinab. Der Arme aber fiel mit bleichem Gesichte wie leblos zwischen dem Gesteine nieder, und als er am Morgen erwachte, wurde gar freundlich in der nahen Stadt das Pfingstfest eingeläutet. Zu Hause angekommen, fand er sein Weib, welches ihm in der Nacht ein Söhnchen geboren hatte, und als sich die Kunde von dem Geschehenen in der Stadt verbreitete, da eilte jung und alt nach dem Taurasteine, ob man noch etwas von dem Golde sehen möchte; doch jede Spur von der reichen Schatzkammer war verschwunden.

330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen.

(Alfr. Moschkau in der Saxonia II. S. 107.)

Im Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen zeigt sich in der Nähe der Pfarrbrücke, besonders an herbstlichen Abenden, ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen, der sich einsamen Wanderern aufzuhocken pflegt. Er soll eine von 1813 hier längere Zeit lagernden Franzosen vergrabene Kriegskasse bewachen, die links unter der großen Linde liegt, des wachsamen Pudels wegen aber noch von niemandem gehoben werden konnte.

331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.

(Alfred Moschkau in der Saxonia I. S. 189.)

Den Burgberg zu Gleisberg krönt ein alter heidnischer Rundwall, in welchem angeblich im Mittelalter eine Burg stand. In dem Wallkessel, zu dem einige Stufen führen, soll ein großer Schatz liegen, dessen Dasein vielseitig bemerkte kleine blaue Flämmchen verkünden. Ein Nossener hatte sich einst daran gemacht, den Schatz zu heben, als er aber auf der Stelle, wo der Schatz liegen sollte, eine große Menge schwarze Kröten mit hellleuchtenden Augen sitzen sah, stand er von seinem Vorhaben ab. Mehrere Marbacher, die zu gleichem Zwecke auf dem Burgberge erschienen, wurden durch große schwarze Schlangen mit feurigen Augen veranlaßt, umzukehren.