Kröten und Schlangen sind wie der Drache Hüter von Schätzen. In der Lausitz sagt man, daß, wo eine Kröte sitzt, ein Schatz liege. (Haupt, Sagenbuch d. L. I. No. 301.)

332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.

(Alfred Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella (o. J.), S. 11.)

Auf dem Rodigberge bei Nossen befindet sich ein großer Rundwall, in welchem angeblich die erste Burg Nossen stand, der aber jedenfalls ein heidnischer Wall sein dürfte. In diesem Walle giebt es Stellen, die beim Darauftreten hohl klingen und auf alte verschüttete Gewölbe jener Burg hindeuten sollen. Der Sage nach liegt darin ein bedeutender Schatz, der in der Mitternachtsstunde des Christabends gehoben werden kann. Schon viele Leute haben an erwähnten Stellen blaue Flämmchen herumhüpfen sehen.

333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.

(Alfred Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im Zellwalde, 1874, S. 7. Saxonia I., S. 172.)

Eine Stunde von Nossen entfernt und nahe dem Dorfe Marbach liegt die Stelle, auf welcher in den Jahren 1141 bis 1146 Thammo von Strehla ein Klösterlein gründete, welches aber endlich einging und dessen Gebäude abgetragen wurden. Nahe der jetzigen Bahnmeisterwohnung sieht man eine Vertiefung; diese war einst der Klosterbrunnen. In denselben hatten die letzten Mönche eine Glocke und vieles Gold- und Silbergeräte geworfen und den Brunnen dann mit 95 Klaftern Stöcke zugeschüttet. Diese Schätze harren noch der Ausgrabung. Nach einer Tradition bewacht sie ein Pudel mit feurigen Augen, der bereits oft nächtliche Wanderer des Zellwaldes, »die nicht mit Eisen oder Stahl versehen waren«, belästigte.

Die letzte Bemerkung vom Eisen oder Stahl bezieht sich jedenfalls auf den bei deutschen und Slaven verbreiteten Glauben, daß man auf den durch glühende oder erloschene Kohlen oder Flämmchen angezeigten Schatz eiserne und stählerne Gegenstände, besonders Messer u. dgl., aber auch Geldstücke, selbst Brot oder ein auf bloßem Leibe getragenes Kleidungsstück werfen müsse, um beim Heben des Schatzes alle Gefahr von sich abzuwenden. (Jac. Grimm, Deutsche Mythologie, 1835, S. 544. Veckenstedt, Wendische Sagen etc., 1880, S. 356.)

334. Der Schatz im Kloster Grünhain.

(Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen o. J. S. 453.)

In der Klosterkirche zu Grünhain liegt angeblich ein großer Schatz begraben. Im März des Jahres 1657 hat der Schäfer Eucharius Bömely zu Grünhain einen Bergmann 6 Tage und Nächte darnach graben lassen, aber als derselbe in der letzten Mitternacht gehoben werden sollte, so bewegte der Bergmann mit der Keilhaue eine Wand, ließ sie jedoch der Schwere wegen wieder gehen, worauf die Wand eine Viertelelle tiefer sank und mit ihr der vermeinte Schatz. Man ließ sofort einen gewissen Rutengänger Tippmann kommen, der das Vorhandensein des Schatzes mit der Rute feststellte, doch brachte man nichts zustande, da der Schatz unter großem Geräusche immer weiter vorrückte. Es ist ein »großer, reicher Schatz gewesen, so einst der Abt zu Ebersbach in Franken Siegmund Siegeln anvertraut, aber wohl sehr flüchtig und schwer zu erlangen und darum ist es auch mißlungen«, erläutert die Chronik.

335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.

(Nach Mitteilung des Ratsaktuars Fr. Köhler in Sayda.)

Ungefähr in der Mitte zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf erhebt sich in der Flur des letzteren Ortes auf dem höchsten Punkte des dasigen Geländes ein Gneiskegel, der »Alpstein« genannt. Vor einigen Jahren ist derselbe zum Teil abgetragen und beim Bau einer Scheune verwendet worden. Von diesem Alpstein erzählt die Sage, daß sich daselbst zu Zeiten ein Hund mit feurigen Augen, sowie ein schwarzes Männchen habe sehen lassen. Wer diesen Erscheinungen folge, der würde nach der Stelle geführt werden, wo bei dem Steine ein Schatz vergraben liege. Selten aber wird jemand zur Nachtzeit an dem Steine vorübergegangen sein.

336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.

(Mündlich.)

An dem auf der Höhe des rechten Muldenufers mitten im Walde zwischen Schloß Stein und Niederschlema sich erhebenden weißen Fels soll eine goldene Kette liegen, welche in gewissen Nächten aus der Tiefe steigt und sichtbar wird. Einst träumte einem Manne in Lößnitz, daß er an dem weißen Fels sein Glück machen werde, er solle nur in einer gewissen Nacht um die Mitternachtsstunde dorthin gehen. Der Mann that es, und da sahe er an dem genannten Felsen eine goldene Kette liegen, so groß wie eine Hemmkette. Beherzt ergriff er dieselbe, da sie aber zu schwer war, so faßte er sie am ersten Gliede und schleppte sie hinter sich fort. Auf dem Nachhausewege aber sah er neben sich allerlei Spuk und er hörte auch dicht hinter sich einen greulichen Lärm. Doch ließ er sich dadurch nicht stören, sah sich auch nicht um, sondern er zog die Kette mit sich fort bis vor seine Wohnung. Da er aber die Hausthüre öffnen wollte, wurde der Lärm noch größer und es klang, als ob alle bösen höllischen Geister dicht an seinen Fersen wären. Jetzt konnte er es nicht mehr verwinden, ohne einen Blick rückwärts in sein Haus zu treten, da er sich nun für geborgen hielt. Er sah sich um; plötzlich aber wurde alles still und die goldene Kette war verschwunden. Nur das erste Glied hielt er in seiner Hand. Es war jedoch genug, um ihn zum vermögenden Manne zu machen.

337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau.

(Mündlich.)

Es war einmal ein Krieg ausgebrochen. Da vergrub einer aus der berühmten und reichen Familie derer von Römer in dem roten Berge, welcher sich nahe bei der Stadt Werdau erhebt, eine Braupfanne voll Geld, um dasselbe vor den Feinden zu verbergen. Als dann jener Römer starb, hinterließ er den Schatz demjenigen seiner Nachkommen, welcher nur mit einem Auge auf die Welt kommen würde. Von da an sahe man lange Zeit hindurch alle Nächte von 11 bis 12 Uhr auf dem genannten Berge ein Licht, und es wurde gesagt, daß sich dasselbe gerade über der Stelle befinde, an welcher in der Tiefe der Schatz verborgen worden war. Ebenso zeigte man eine kleine Höhle als Anfang des Ganges, in welchem man zu der mit Gold und Silber gefüllten Braupfanne gelangen könne.

Da nun kein einäugiger Römer geboren wurde, so beschlossen endlich zwölf Männer, unter denen sich auch der Pfarrer von Werdau befand, den Schatz zu heben. Ehe sie aber an's Werk gingen, segnete der Priester sich selbst und die Teilnehmer in der Kirche ein, und sie nahmen darauf ein aus Wachs geformtes einäugiges Kind mit, welches bei Kerzenlicht feierlich getauft worden war. Mit brennenden Kerzen zogen darauf alle in der Mitternachtsstunde nach dem Orte, an welchem der Schatz verborgen war. Unter Furcht und Zittern waren sie vor der Höhle angelangt und unter Gebet bereiteten sie sich zum Eintritte vor. Da auf einmal that sich mit einem furchtbaren Getöse der rote Berg weit auf, und ein feuriger Hund kam wie ein Löwe brüllend auf sie zu und rief: »Welchen nehmen wir zuerst?« Eine Stimme aus der Tiefe aber antwortete: »Den mit dem roten Tuche!« Wie die Männer diese schreckhaften Worte hörten, flohen sie entsetzt und freuten sich, als sie aus dem Bereiche des Ungetüms gekommen waren, ihres glücklich geretteten Lebens. Sie erzählten zwar, daß sie noch im Innern des Berges die große, mit Geld gefüllte Braupfanne gesehen hätten, doch da sie bald darauf, einer nach dem andern, starben, so ist niemandem mehr die Lust angekommen, den Schatz zu heben.

338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.

(Nach v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, II., S. 415 bei Gräße, Sagenschatz, 2. Aufl., Nr. 590.)

Bei Christoph Müller, Besitzer eines Vorwerkes zu Elterlein, diente im Jahre 1702 eine gewisse Magdalena Gräßler, 18 Jahre alt. Dieser erschien 14 Tage vor Johannis ein kleines Männlein mit einem grauen Kopfe und Bart, in ein altes graues Röckchen gekleidet, und eröffnete ihr, daß bei dem Backofen ein Kästchen mit Geld, welches eine alte Frau in Kriegszeiten vergraben, sich befinde und 500 Thaler Geld enthalte. Der Geist forderte sie auf, ihn zu begleiten, um den Schatz zu heben, mit der Bemerkung, sie solle von dem Gelde 50 Thaler der Kirche zu Elterlein, 50 Thaler ihrem Dienstherrn geben, die übrigen 400 Thaler aber für sich behalten, aber nicht an Hoffart wenden, sondern ihren alten Vater damit erhalten. Das Mädchen verkroch sich vor Angst in ihr Bett, der Geist ließ sich aber nicht abschrecken, sondern kam in den folgenden Nächten immer wieder, auch forderte er sie dringend auf, den Schatz zu heben, bis sie am Abend vor Johannis ihm versprach, sie wolle am nächsten Tage zu Mittag, aber nicht in der Gespensterstunde, nach dem Schatze graben. Sie entdeckte sich nun ihrer Dienstherrin und am Mittag begannen beide zu graben. Jene überließ jedoch bald die beschwerliche Arbeit der Gräßler, indem sie sich neben derselben hinlegte. Nach längerem Graben kam diese mit dem Spaten auf einen breiten Stein, der bei dem Berühren des Eisens wie Kettengeklirr tönte. Das Mädchen erhob den Stein, erblickte darunter ein Kästchen von Eisen, etwa ½ Elle lang und 1½ Elle breit, erhielt aber gleichzeitig von ihrer Dienstherrin einen Schlag aufs Kreuz, so daß sie sich umsah. In diesem Augenblicke entstand ein heftiges Gepolter, das Kästchen aber war verschwunden. In der folgenden Nacht erschien der Geist dem Mädchen wiederum und sagte: »Du bist heute gestört worden, allein du kriegst es noch, in sieben Jahren komme ich wieder, es ist niemandem als dir beschert, bete fleißig!« Mit diesen Worten nahm das Männchen Abschied, das Mädchen vermietete sich auf ein anderes Vorwerk, aber Ende Juli 1705 hörte es die Stimme des Geistes, welcher sprach: »Ich bin vor drei Jahren bei dir gewesen, und weil dein gewesener Herr das Geld herausgegraben und gefunden hat, so melde ich es dir.« Die Gräßler verlangte es auch von ihm und zwar auf gütlichem Wege, allein Müller leugnete alles und gab nichts heraus.

339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.

(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 125.)

Auf dem Plateau des Seeberges oberhalb Eisenberg liegen die Trümmer einer Burg zerstreut, welche längst von Grün aller Art überwuchert sind. Der Volksmund weiß nicht anzugeben, ob es eine Grenzveste oder ein Jagdschloß gewesen, doch wird die Erbauung in das achte bis zehnte Jahrhundert verlegt. Die Sage erzählt, daß hier ein Burgfräulein die vergrabenen Schätze bewache, und daß solches auch Holz und Beeren suchende Leute schon zu verschiedenen Malen gesehen haben wollen; doch nur einem Menschenkinde reinen Herzens sei es vergönnt, ihr zu folgen. Ersteigt ein solches während der Passionsstunde den Berg, dann erscheint das Fräulein demselben auf dreimaligen Ruf und winkt – wortlos und ohne Furcht müsse man ihr folgen und könne dann Schätze ungemessenen Wertes heben – dann sei auch der Geist erlöst. Doch auf den ersten Laut verschwinde die Erscheinung mit Weinen und Gebärden des Leides.

340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.

(A. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 124.)

Auf dem Riesenberge bei Ossegg steht ein Turm, worin ein Schatz vergraben sein soll, und der Glückliche, der ihn einst heben wird, muß erst geboren werden. Es werden einst zwei leibliche Geschwister mit einander eine Ehe eingehen, und dieses Ehepaar wird vom Himmel mit einem Kinde beschenkt werden. Dieses Kind aber muß in einer Wiege »eingeschlummert« werden, deren Holz von einer Fichte stammt, die auf dem Flecke gewachsen ist, unter welchem derjenige ruht, der den Schatz in dem Turme vergraben hat. Wenn nun dieses Kind erwachsen sein wird, so ist es berufen, den Schatz zu heben und wird ihn auch finden, ohne daß es nach demselben sucht. Denn im Traume wird ihm gesagt werden, daß es den Schatz heben soll, und es wird ihm auch die Stelle genau bezeichnet werden. Dann erst, wenn der Schatz gehoben ist, wird auch die arme Seele erlöst sein, welche bei Lebzeiten den Schatz vergraben hatte.

341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.

(Nach einer Mitteilung des Seminarist Reinmuth.)

Eine halbe Stunde von Haslau entfernt liegt ein Wald, den man nach dem Kiefernbestande das Kiefrig nennt. Hier befindet sich ein Felsen, auf welchem einst ein Raubschloß gestanden haben soll, und darnach nennt man den Felsen jetzt auch gewöhnlich kurz das Raubschloß. Unter dem Felsen aber soll ein großer Schatz liegen. In dem genannten Dorfe glauben manche Leute, daß verborgene Schätze am Weihnachts-Heiligenabend gehoben werden können. Daher ging auch vor wenigen Jahren ein Oberhaßlauer Bergarbeiter zu dieser Zeit hinaus zum Raubschlosse, um daselbst den Schatz zu heben. Als er die üblichen Zeichen gemacht hatte und nun im Begriffe war nachzugraben, erblickte er auf einmal eine Gestalt, welche so zart wie Spinnwebe war. Diese gespenstische Gestalt sprang plötzlich auf seinen Rücken und klammerte sich an seinem Halse fest. Wie er dieselbe wieder los geworden, wird nicht erzählt, wohl aber, daß sich der Mann, als er glücklich nach Hause gekommen war, krank niederlegte und nicht wieder aufstand, sondern nach einem Jahre starb.