Historisch ist festgestellt, daß die warmen Quellen von Karlsbad bereits vor Kaiser Karl IV. und zwar schon im 11. Jahrhundert den Umwohnenden bekannt waren. Eine alte Karte, welche den Zustand Böhmens zu Anfang des 13. Jahrhunderts darstellt, hat auf der Stelle, wo sich heute Karlsbad befindet, einen Ort Wary; dieses böhmische Wort drückt aber den Begriff Sieden oder Kochen aus. Jedenfalls entstand, nachdem die gelehrten, sich mit medizinischer Wissenschaft beschäftigenden Mönche der schon frühzeitig in dieser Gegend entstandenen Klöster auf die Heilkräftigkeit des Wassers aufmerksam geworden waren, dann in dem Tepelthale der Ort »Warmbad«, wie Karlsbad vielfach noch im Mittelalter genannt wurde. Historisch ist weiter, daß schon im Jahre 1325 dieses Warmbad vom König Johann, dem Vater Kaiser Karls IV., mit dem nahen Dorf Thiergarten belehnt wurde, und daß Karl IV. das Warmbad, welches er jedenfalls öfter besucht hatte, am 14. Aug. 1370 von Nürnberg aus zur Stadt erhob und derselben dabei seinen Namen verlieh. (S. Ausführliches bei Fr. Bernau, Die Kur- und Badestadt Karlsbad. Comotovia, 5. Jahrg. 1879.)
(Comotovia, 1877, S. 106. Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Auflage, S. 71. Josef Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, VI, 9. und 10. Heft.)
Da, wo heute das Dorf Settenz liegt, wohnte einst ein begüterter und mächtiger Wladik oder Edelmann mit Namen Kolostuj. Dessen Hirten hatten eines Tages von ihrer weidenden Herde einige Schweine verloren, welche sie nach vielem Suchen in der Mitte eines nahen Waldes fanden, wie sie mit ihren Rüsseln in einem heißen Sumpfe wühlten. Das Wasser des Sumpfes schien seine Wärme von einem unterirdischen Feuer erhalten zu haben. Eiligst trugen nun die Hirten die Kunde von ihrer wunderbaren Entdeckung ihrem Herrn zu, und dieser verfügte sich sofort an Ort und Stelle und ließ daselbst in der Folge eine wohlbefestigte Holzburg erbauen.
Zu dieser Zeit aber regierte in Böhmen der Herzog Nezamislaus. Da bewog Biela, eine Verwandte des Herzogs und Herrin von Bilin, welche den Wladik Kolostuj wegen des wunderbaren Wassers beneidete, ihren Gemahl Kostial, daß er sich der Quelle durch einen Ueberfall bemächtige. Kostial rückte auch sofort mit 20 Knappen gegen die Burg Kolostuj's, doch mißlang der Angriff, da die Burg unterdeß in Verteidigungszustand versetzt worden war; Kostial fand dabei seinen Tod.
Noch bis zum Jahre 1793 wurden die Fichten gezeigt, unter denen Kostial von dem tödlichen Pfeile getroffen ward, und ebenso zeigt man noch heute bei dem in die Kirchengasse ausmündenden Ausgange des Teplitzer Schloßgartens ein mit zwei Türmchen geziertes Haus, welches als das erste, noch von Kolostuj herrührende Haus der Stadt Teplitz bezeichnet wird. An der Wand eines der Türmchen sieht man ein verwittertes Frescogemälde, das eine Figur darstellt, welche zum Fenster hinaussieht. Es soll den Ritter Kostial darstellen, der an dieser Stelle erschossen wurde. Auch zeigt man an der Korridorwand im Stadthause eine aus dem 17. Jahrhundert stammende bronzene Relieftafel, worauf in guter Ausführung abgebildet ist, wie die ihren borstigen Schützlingen folgenden Sauhirten die warme Quelle entdecken. Eine lateinische Inschrift dabei erzählt in gereimten Versen diese Historie. Sie lautet in deutscher Übersetzung:
Die obengenannte Jahreszahl entstammt einer freilich unverbürgten Angabe des altböhmischen Chronisten Menzel Hajek von Libotschan, welcher auch als Tag der Entdeckung der Quelle den 29. August, den Tag Johannes des Täufers, anführt. Josef Schwarz teilt dagegen (Erzgebirgszeitung VI, S. 135) mit, daß man beim Abtäufen der Urquelle 1879 alte Silbermünzen gefunden habe, die dafür zu sprechen scheinen, daß die Wirkung der Teplitzer Thermen bereits den alten Römern bekannt war. Diese Münzen sind vielleicht aus Dankbarkeit für günstige Heilerfolge der Quellennymphe gespendet worden. Auch beim Abtäufen der Riesenquelle bei Dux fand man Bronzeschmuck aus der Heidenzeit.
Der gelehrte Bohuslaw Balbinus vermutet aus dem Umstande, daß sich Kolostuj's Nachfolger, Radobeil Fürst von Teplitz, Saaz und Leipa nannte, es möge Teplitz bald zu den bedeutenderen Städten gehört haben, da sich Herzöge nur nach solchen nannten. Ferner erzählt er, daß einst die Quellen, wie dies auch später im Jahre 1755 bei dem Erdbeben von Lissabon geschah, plötzlich vor den Augen der Anwohner verschwunden seien, was man als eine Strafe der Gottheit ansah, weil sich die Besitzer den Gebrauch der Quellen hätten bezahlen lassen.
Im Gegensatz zu Hajeks Angabe, nach welcher die Entdeckung der Teplitzer warmen Quellen 762 erfolgt sei, giebt der schon genannte Balbinus das Jahr 502 n. Chr. an; von anderen Schriftstellern werden noch die Jahre 507, 616 und 858 angeführt. Das in dem Teplitzer Stadtwappen befindliche Bild des Hauptes Johannes des Täufers, welches auf einer wagerecht gestellten Schüssel ruht, bezieht sich auf die sagenhafte Angabe, daß der Tag der Entdeckung der 29. August gewesen sei. (Erzgebirgszeitung a. a. O.) – Es ist nicht uninteressant, wie die Sage auch von andern warmen Heilquellen meldet, daß dieselben zufällig durch Tiere entdeckt wurden. So wird z. B. erzählt, die Schwefelquellen des Bades Warmbrunn in Schlesien seien im 12. Jahrhunderte bei einer Jagd des Herzogs Boleslaus von Schweidnitz und Jauer dadurch aufgefunden worden, daß man einen Hirsch aufspürte, welcher, seinem Instinkte folgend, in dem »warmen Borne« als leidendes Tier ein Bad nahm. (Vom Fels zum Meere. Sommerfrische, 1884, S. 500.)
(Tobias Schmidt, Chronica Cygnea oder Beschreibung der sehr alten, löblichen und Churfürstl. Stadt Zwickau. Zwickau, 1656, S. 8.)
Einige halten dafür, Zwickau habe vor Alters geheißen Cygna, sei also benannt von dem alten Fürsten Cygno, welcher einesteils für Herculis Sohn, einesteils für seiner Nachkommen einen, einesteils auch für seinen Wandergesellen gehalten wird. Diesem sollen Gottesdienst und Ehre in der Gegend von Zwickau mit Aufbauung der Tempel und Altäre in der Heidenzeit erzeigt worden sein. – Andere sagen, diese Stadt habe den Namen von Cygno des Harminii und Sachsen-Königs, so den Römer Quintilium Varum erlegt, Kriegs-Obristen einen, dem denn auch dieselbe Gegend, als einem Statthalter gegeben und zuletzt ganz erblich gelassen worden sei. – Etliche leiten diesen Namen von demjenigen der alten Fürstin Schwanhildis ab und sprechen, dieselbe ganze Gegend von der Mulde an bis an die Pleiße sei derselben Frauen zu Ehren durch König Karl, Karls des Großen Sohn, nach ihrem Namen Cignavia oder Schwanenfeld benannt worden, wie auch die Reime am Rathaus vor Alters bezeugt haben, welche also gelautet:
Dieser Name ist eine lange Zeit gebräuchlich gewesen, nämlich bis auf Kaiser Heinrich des Ersten Zeiten, der Ursach gegeben, den Namen zu verändern und die Stadt vom Verzwicken Zwicka zu nennen. – Etliche meinen, der Name sei daher gekommen, weil der Kaiser drei Schwanen zur Zeit der Erbauung habe sehen auf der Mulde schwimmen, so hätte er die Stadt davon genannt. Es haben zwar etliche noch andere Meinungen, aber sie können doch dieser nicht vorgezogen werden. Denn sie sagen, Zwicka habe des Namens Ursprung von Zwickbärten, welche die Zwickauer vor Zeiten getragen haben und sonsten nicht jedermann hat tragen dürfen, darauf sie auch sonderlichen sind privilegiert gewesen.
Immisch hat in seiner Arbeit über die slawischen Ortsnamen im Erzgebirge (Annaberg, 1866) die Ableitung des offenbar slawischen Namens Zwickau als von Wiki, der Markt, möglich hingestellt, so daß derselbe dann mit Wikow, dem wendischen Namen für Elsterwerda, gleichbedeutend wäre und so viel als Marktplatz heiße. Jedenfalls entwickelte sich die Ansiedlung infolge ihrer günstigen Lage sehr bald zu einem Handelsplatze; sie lag an den alten Verkehrswegen nach Böhmen zwischen Leipzig und Nürnberg, mußte also besonders im Mittelalter eine Station des Handelsverkehrs zwischen Nord- und Süddeutschland werden.
(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dresden, 1750, S. 12.)
Das Dörfchen Rittersberg bei Marienberg soll seinen Namen von einem Besitzer des Schlosses Lauterstein haben; und zwar, als es belagert worden, soll der Besitzer, welcher ein Räuber und Schwarzkünstler war, mit einem Pferde herab auf die Wiese gesprungen und das Pferd darüber in der Erde stecken geblieben sein. Hierauf habe er sich auf den Berg, wo das Dörfchen liegt, retirieret und er sei alsdann dort gefangen worden. Von diesem ritterlichen Sprung habe darauf erwähntes Dörfchen den Namen Ritterssprung und nach der Zeit Rittersberg bekommen.
(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißnergrundes. Zwickau, 1794, S. 267.)
Ein Bischof Egidius soll zu der Zeit, als die ganze Gegend noch Wald gewesen, an diesem Orte gejagt haben. Als er hier etwas ausgeruht und geschlummert hatte, sei ein Reh zu ihm gekommen, und da er gerufen: »Wer da!« habe sich das Reh vor ihm niedergeworfen und seine Läufte auf den Schoß gelegt. Da habe sich denn der Bischof entschlossen, die Bäume auszurotten, eine Stadt anzulegen und an dem Ort, wo das Reh zu ihm gekommen, das Rathaus zu bauen, und die Stadt habe daher den Namen »Werda« bekommen. Sie führt im Siegel einen Bischof mit einem Stabe.
(Schumann und Schiffner, Lex. von Sachsen, 15. B., S. 809.)
Den Namen der Stadt Frankenberg findet man in ältern Urkunden Vrankenberc geschrieben, und man will ihn von den Brüdern Franz und Anton Franke ableiten, welche das berühmte Silber- und Kupferbergwerk am Treppen- oder Trappenhauer jenseits des Schlosses Sachsenburg gründeten oder doch sehr erhoben. Andere aber bringen ihn mit dem Namen Sachsenburg in Vereinbarung.
Auf dem Treppenhauer, wo man früher Spuren von Wällen und Gräben sah, soll nach einer Überlieferung im 13. Jahrhundert die Burgwarte Gozne gestanden haben.
(Kirchengalerie v. Sachsen, 12. B., S. 207.)
Das Gebiet der Stadt Marienberg wurde am 29. April 1521 von Dr. Ulrich Rülein von Kalbe, Bürgermeister zu Freiberg, welcher im Jahre 1497 Annaberg hatte messen helfen, abgesteckt. Es soll nun Herzog Heinrich die neue Stadt deshalb Marienberg genannt haben, weil sie gleichsam wie eine Tochter aus den Annabergischen Bergwerken entsprungen wäre, oder weil sich bei neulichen Zeiten der Jungfrau Maria Eltern, Anna und Joachim, sehr wohl und reich im Bergbau dieser Gegend zu St. Annaberg und in Joachimsthal bezeiget, habe er solches zum guten Glücke gethan und gemeint, die Tochter werde nicht minder als die Eltern sich wohl lösen.
Es ist bemerkenswert, daß sich in den Städtenamen des Erzgebirges die ganze heilige Familie, nämlich die Eltern der Maria, Joachim und Anna, durch Joachimsthal und Annaberg und die Eltern Jesu, Josef und Maria, durch Josephsstadt und Marienberg vertreten findet. Aus Josephsstadt entstand durch Zusammenziehung Jöhstadt, das als Dorf Gißdorf hieß. Joachimsthal soll nach Meltzer, (Bergkläufftige Beschreibung der löblichen Bergk-Stadt Schneeberg, 1684, S. 26) anfangs von den Bergleuten blos Thal genannt worden sein, »dahero auch dieses Geschrey beym Anfang desselbigen Bergkwerks entstunde: Im Thal, im Thal, mit Mutter mit all!«
(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. Erzgebirges, 1. H., Annaberg, 1844, S. 57. Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 1. B., 1750, S. 99. Joh. Poeschel im Glückauf, Jahrbuch für das Erzgebirge, 1884, S. 168 etc.)
Vor Jahrhunderten breitete sich eine dichte Waldung von der Gegend von Elterlein bis Wiesenthal aus. Reisenden war in der Nähe, wo jetzt Elterlein liegt, ein Altärlein für die Andacht aufgerichtet, um welches sich bald einige Häuserlein erhoben, die Schutz und Nahrung gewährten. Sie hießen die Häuser am Altärlein und gaben Anlaß für die allmählige Erbauung des Städtchens, welches in seinem Ratssiegel ein Altärlein mit zwei Kerzen und einem Kelche bis zur Stunde führt. Lange Zeit noch erhielt sich die Tradition, daß die Reisenden gemeiniglich unterwegs den Vorsatz gefaßt: »wenn wir zum Altärlein kommen, wollen wir uns Messe halten lassen; daher sei es gekommen, daß der Ort selbst nach und nach Altärlein, oder wie man jetzt schreibt, Elterlein sei genennet worden.«
Nach Richters »Umständlichen aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragenen Chronica der im Meißn. Obererzgebirge gelegenen Königl. Kurfürstl. Sächs. freyen Bergstadt St. Annaberg, II. Theil (Annaberg 1738) S. 31, soll Elterlein so viel heißen als »das ältere Lehen«, respectu Schlettau, welches bereits vormals den Schönburgischen Herrn zugestanden.«
Nach anderen soll Elterlein ehedem »Quedlinburg« geheißen haben.
Bei den Beschwerden und Gefährlichkeiten des Reisens in früheren Jahrhunderten war es Bedürfnis, daß die Reisenden vor einer Reise Gott um Schutz anflehten und nach derselben für seinen Schutz dankten. Diesem Bedürfnisse kam die Kirche dadurch entgegen, daß z. B. im Jahre 888 auf dem Konzil zu Mainz durch Erzbischof Liutbert dem Reisenden gestattet worden war, in Ermangelung einer Kapelle oder Kirche unter freiem Himmel an geweihten tragbaren Altären Messe halten zu lassen. Ein solcher Altar mochte auch da, wo jetzt Elterlein steht, durch das Cistercienserkloster Grünhain errichtet worden sein. Das Recht, derartige Altäre im Freien anzustellen, gehörte mit zu den besonderen Privilegien der Cistercienserklöster. (S. Joh. Poeschel a. a. O., S. 169.)
(Richter, Chronica von Annaberg, II, 1748, S. 31.)
Es soll in Hermannsdorf ehemals einer von Adel gewohnt haben, Hermann genannt, von dem habe das Dorf seinen Namen bekommen. Dessen drei hinterlassene Söhne aber, als Simon, Walther und Konrad, hätten die drei nahgelegenen Dörfer Sehma, Walthersdorf und Konradsdorf angebaut und bewohnt.
Um Hermannsdorf hat auch früher ein großer Buchenwald gestanden, also, daß die Annaberg'schen Bergleute, die solches Holz oft geholt, die Hermannsdörfer nur die »Hainbuchner Bauern« geheißen.
(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 33.)
Einige Alten wollten wissen, daß der Anbau von Crandorf zur Zeit des Hussitenkrieges im 15. Jahrhundert seinen Anfang genommen habe, da einige von den Verfolgten aus Böhmen in die damals in dortiger Gegend ausgebreiteten Wälder geflohen seien. Sie hätten dann mit Holzschlagen und Kohlenbrennen ihre Nahrung gesucht. Weil nun in den Waldungen mancher »Kohl-Cram«, d. h. Häuschen für die Köhler, anzutreffen gewesen, oder weil sich die Ansiedler zu ihren Wohnungen anfangs nur solche niedrige Hütten gebaut, die einem »Kohl-Cram« nicht unähnlich geschienen, so hätte man den Ort anfänglich »Cramdorf« genannt, woraus später »Crandorf« geworden sei.
(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 34.)
Grünhain soll seinen Namen von dem grünen Hain haben, darin die Sorbenwenden ihre Götzen aufgerichtet, oder wenigstens haben sich die Mönche darin verliebt und ihr Kloster darinnen aufgebaut.
(Mündlich. Schumann, Lex. von Sachsen, 12. B., S. 548. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 31, 59, 60.)
Hermannsdorf oder Hermersdorf ist ein Ortsteil von Weißbach. Seinen Namen soll derselbe von einem gewissen Hermann erhalten haben, dessen Edelsitz nach der Volkssage im untern Teile des Ortes lag, wo man beim Kellergraben verschiedene alte Gefäße und in einem Garten tief in der Erde ein altes Hufeisen gefunden haben will. Man bezeichnet auch noch heute einen Felsen, welcher sich am Abhange eines kleinen, nördlich von Hermannsdorf im Walde liegenden Thales erhebt, als »Hermannsgrab.« Dicht an demselben führt ein Weg vorüber, welcher sich links von dem von Griesbach nach dem Orte führenden Wege abzweigt, und wenn man in unmittelbarer Nähe des Felsens auf diesem Wege scharf auftritt, so klingt es hohl, als ob man sich über einem Gewölbe befinde. Hier soll der genannte Hermann, welcher auch ein berühmter Heerführer gewesen sein soll, in einem silbernen Sarge begraben liegen. Manche erzählen, daß von dem Hermannsgrabe ein unterirdischer Gang bis nach Hermannsdorf führe. In dem anstoßenden Walde sind schon viele Leute des Nachts durch Lichter irre geführt worden, oder sie erblickten an dem oben erwähnten Felsen den Schlangenkönig mit goldener Krone. Früher war es Sitte, daß die Schützen von Hermannsdorf bei einem ihrer Feste jedes Jahr mit Musik nach diesem Platze zogen.
Am Hermannsgrabe sollen auch 1718 die acht Steinplatten mit uralten Inschriften gefunden worden sein, welche sich seit dem Jahre 1753 im Schlosse zu Wildenfels befinden. Die eine dieser Platten nennt einen »Hermin«, und man vermutet (jedoch mit Unrecht), daß dies ein Sohn Markgraf Eckarts I. gewesen sei, welcher zwischen 1029 und 1032 von den aufständischen Sorben erschlagen wurde. Auch verlegt die Volkssage in die Gegend, nämlich auf eine südlich von der Kirche zu Weißbach, dicht am Kirchhofe liegende kleine Anhöhe, welche früher mit einem Walle umgeben gewesen sein soll, die Stelle, wo einst die Rammels-, Rommels- oder Rummelsburg stand. Von dieser aus soll jener Hermann gegen die Sorben zu Felde gezogen sein.
Die genannten 8 Steinplatten bestehen bis auf eine, welche eine Grünschieferplatte ist, aus Thonschiefer. Adelung hat seiner Zeit die Inschriften für die ältesten Denkmäler obersächsischer Mundart erklärt. Sie lauten: 1. Voir glabbe alla in ainen Got Vade Vahan. (Nun folgen die Figuren einer Krone, einer Geißel und eines Kreuzes.) 2. Diser hogn ist im tuszend and tr… nati Chrs. 3. Da laitgodsa hermin was of a man Künglg anita vilil starn Amshabt and üm handa üm dar alaigt üm dar akogl haer um gumers din was dar bool bor. 4. Daristain haldi laits tuai. 5. sgrab dar harmit ludott bottai. 6. Dia Hermandr barrtn sundr sandan boolbor. 7. Das awas ab hagods. 8. Das Gebat (eine Überschrift des nun folgenden, aber nur bruchstückweise noch vorhandenen Vaterunsers) Voder onser du bist im Himel … dein Voill gescho …
Nach Joh. Gottfried Wellers Erklärung besagt die Inschrift Folgendes: Wir glauben alle an einen Gott, Vater von (wegen) der Dornenkrone, der Geißel und des Kreuzes (des Leidens Christi). Dieser Hügel ist im tausend und dritten (13ten oder 30sten) Jahre Nat. Christi. Da liegt Hermann, welcher war ein königlicher Mann hienieden, viel (vortrefflich) regierend amtshaft (amtsmäßig) und umhanden (um der Beschaffenheit oder Gelegenheit wegen). Darum er liegt am Ende des Eichhügels. Herr, um deines Jammers willen war er wohlgefahren. Der Stein enthüllt zwei Leute, des Grabs in dessen Mitte sie gelegt wurden. Die Hermunduren (Kriegsmänner) wurden (sind) wohlgefahren (selig gestorben) auch ohne Mönchskutten (santan wahrscheinlich von sanctum, weil hohe Personen sich im Mittelalter zum Beweis ihrer Frömmigkeit gern in Mönchskutten begraben ließen). Das war ihres Herrgotts wegen. Das Gebet. Vater unser u. s. w.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 71. Krieglstein in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. 3. und 4. Heft.)
Auf einem überaus stiefmütterlich ausgestatteten, unwirtbaren und frostigen Moorplateau des an Naturschönheiten aller Art reichen Erzgebirges liegt hart an der sächsischen Grenze Gottesgab, die höchstgelegene Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Ursprünglich Wintersgrün genannt, erhielt dieses Städtchen seiner Silbererze wegen, die hier im 16. Jahrhunderte zu Tage gefördert wurden, gar bald von frommen und dankbaren Bergleuten den bedeutungsvollen Namen: Gottes Gabe.
Der Sage nach verdankt Gottesgab die Entstehung seines Namens dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. Als derselbe nämlich eines Tages mit seinem Gefolge nach Wintersgrün kam, das dazumal zu Sachsen gehörte, und den blühenden Bergbau in Augenschein nahm, setzte man ihm einen aus einer Silberstufe ausgehauenen Sessel zum Niedersetzen vor. Der fromme Kurfürst aber soll dieses Anerbieten mit den Worten abgewiesen haben: »Das ist Gottesgabe, und so soll die Stadt hinfüro genannt werden.« Daher hieß in der Folge die Bergstadt Gottesgab.
Nach einer andern Sage kam der Kurfürst Johann Friedrich einst mit seinem Jagdgefolge in die waldreiche Gegend der Hochebene. Da traf es sich, daß sein edles Roß, mit dem Hufe die Erde stampfend, ein ansehnliches Stück Silbererz zu Tage förderte. Über solch reichen Bergsegen erstaunt, rief der Fürst aus: »Das ist eine Gottesgabe!« Und darnach wurde bald darauf die infolge der daselbst brechenden reichen Silbererze entstehende Ansiedelung genannt.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 83.)
An einem kleinen Bache, der roten Wistritz, liegt unweit am Fuße des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Pleßberges auf einem rauhen Hochplateau das alte Bergstädtchen Abertham, über dessen Namensentstehung die Sage folgendes berichtet: Als um das Jahr 1529 ein Bergmann in der Aberthamer Gegend eine Silberader verfolgte und bei seiner Arbeit einen Damm schlug, wurde er von einem Fremden, der gerade vorüberging, gefragt, was er hier mache. Der Angeredete, welcher sich in seiner Beschäftigung nicht stören ließ, sagte kurz und schnauzig: »Einen Damm.« Der Fremde ging seines Weges weiter, kam aber nach kurzer Zeit wieder zu dem Orte, wo er den emsigen Bergmann bei der nämlichen Arbeit beschäftigt fand. Diesmal werde ich mit der Antwort glücklicher sein, dachte der Fremde und sprach: »Guter Freund, sagt mir doch, was für Arbeit Ihr da vollführt?« Allein der Bergmann gab ärgerlich, weil ihm entweder die Arbeit nicht gelingen wollte, oder er den Fragesteller, dem er schon einmal Rede gestanden, wieder erkannte, zur Antwort: »Aber einen Damm!« Aus diesen Worten entstand für die neue Bergkolonie der Name: »Am Abertham,« der in der Folge als »Abertham« dem Städtchen verblieb. Manche Leute aus der Umgebung gebrauchen noch die alte übliche Benennung: »Am Abertham.«
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 48.)
Es geben etliche für, die Platten soll ihren Namen haben vom Petro Plateano, dem hochgelehrten Mann und wohlverdienten weitberühmten Schulmeister, welcher zu der Zeit, da er der Schul in Joachimsthal fürgestanden, bisweilen selbst am selben Ort geschurft haben soll, wie auch auf der Gottesgab. Soll des Morgens frühe mit etlichen großen Schülern aufgestanden sein, auf dieselben Gebirge hinaus gelaufen, geschurft und gearbeitet haben, bis zu der Zeit, da er in der Schul laboriren sollen.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)
Das ganze obere Erzgebirge war vor ungefähr 400 Jahren noch mit einem dichten Urwald von Fichten, Eichen und Buchen bedeckt, in welchem Eber, Dachse, Luchse, Elenthiere, Biber, Wölfe und Bären hausten. Auf das Vorkommen solcher Thiere weisen viele Bezeichnungen von Plätzen hin. So giebt es beispielsweise in der Umgebung von Platten einen Wolfsberg, eine Wolfspinge, einen Bärenfang, bei Salmthal am Abhange des Wölflings ein Bärenloch, bei Mariasorg einen Wolfsberg. Ja die Sage schreibt einem Bären sogar den Ursprung und Namen des Städtchens Bärringen zu. Sie lautet: Einst fuhr ein Bergmann von dem Dörfchen Irrgang nach dem heutigen Bärringen und bemerkte abseits des Weges im Walde, in der Gegend des sogenannten schwarzen Teiches, einen gewaltigen Bären, der mit seinen Tatzen die Erde aufwühlte, um sich ein Lager zurecht zu richten. Der Mann suchte, das grimmige Tier fürchtend, das Weite. Als er aber später auf demselben Wege nach Irrgang zurückfuhr, war von dem Bären nichts zu sehen. Deshalb ging er auf den Ort zu, wo der Bär gescharrt hatte, und erblickte erstaunt einen Schurf (Ring, Kreis), aus welchem Zinngraupen von ungewöhnlicher Größe hervorblinkten. An dieser vom Bären entblößten Lagerstätte von Zinnerz wurde im Jahre 1532 der Bergbau begonnen, dem das Städtchen, das durch Vereinigung der Wörter »Bär« und »Ring« den Namen Bärringen erhielt, seinen Ursprung verdankt. Darauf soll auch das Stadtwappen deuten, welches einen Bären vorstellt, der einen Ring in der Pfote hält.
Andere erzählen, daß Bärringen in seinen ersten Anfängen nur aus wenigen zerstreut liegenden, armseligen Hütten bestanden habe, welche Bergleute bewohnten. Eines Tages sahen mehrere Bergknappen zwei Bären im erbitterten Kampfe mit einander ringen. Als in der Folge mit dem Aufschwung des Bergbaues sich die Ansiedler mehrten und die Niederlassung zu einem zusammenhängenden und ansehnlichen Orte anwuchs, wurde dieser »Bär-Ringen« genannt, woraus sich im Laufe der Zeit das Wort Bärringen bildete.
Nach einer anderen Sage soll ein Bergmann mit einem Bären gerungen haben.
Ein jüngerer Bruder des ritterlichen Grafen Stephan Schlick, durch dessen vortreffliche Fürsorge Joachimsthal zu einer reichen, dichtbevölkerten Stadt emporblühte, verlor einmal auf einer Jagd im dunkeln Tannenforst der Bärringer Gegend einen prachtvollen Ring. Alles Suchen blieb erfolglos. Da bemerkte kurze Zeit darauf ein Bergmann auf einem alten Gemäuer einen Bären, der den verlorenen Ring des Grafen Schlick im Rachen hielt. Auch von dieser Begebenheit sucht man durch Verknüpfung der Wörter »Bär« und »Ring« die Benennung des Städtchens Bärringen abzuleiten.
(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirges, 1822, I, S. 134 etc. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 41. Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 105.)
Ein Wandersmann, mit Namen Jahn, irrte bei Nacht in der Gegend des Greifensteins im Walde umher. Da trat ihm plötzlich eine zwerghafte Geistergestalt entgegen und winkte, ihm zu folgen. Nicht ohne Grausen folgte Jahn. Über Stock und Stein führte ihn der Zwerg, bis sie endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie eintraten, mächtig erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die Wände waren von Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend krystallene Leuchter mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden Glanz über das ganze Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern und mit langen Bärten saßen an einer Tafel und speisten. Der Zwerg lud den erstaunten Jahn ein, sich zu setzen und am Mahl teilzunehmen. Der Hunger besiegte die Schüchternheit, – Jahn setzte sich und aß und trank von dem, was ihm der Zwerg bot. Noch nie hatte er so köstlich getafelt; er ward erquickt und allmählich getrosten und frohen Mutes. Die zwölf schienen sich über ihn zu freuen und geboten dem Zwerge, sein Ränzel zu füllen. Mit herzlichem Danke schied Jahn von seinen gastfreien Wirten. Der Zwerg führte ihn aus der Höhle, welche, wie Jahn jetzt bemerkte, im Greifensteine war, und geleitete ihn auf die Straße, welche nach Böhmen führte und auf welcher Jahn sich nicht mehr verirren konnte. Dann verschwand er.
Als nun Jahn sein Ränzel auspackte, um zu sehen, womit ihn die freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller Freuden gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in der Gegend des Freiwaldes bei Thum mehrere Häuser, welche er armen Leuten ohne Mietzins überließ, und that auch sonst allerlei Gutes an Kranken und Armen. Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte und ein ganzes Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum Andenken Jahnsbach genannt.
(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, 1880. S. 8.)
Zu der Zeit, da auf dem Mückenberge bei Graupen reiches Zinnerz brach, wurde noch nicht mit genügender bergmännischer Vorsicht gebaut, so daß infolge dessen ein großer Teil des Berges samt zwei Arbeiterhäuschen im 14. Jahrhunderte untergingen. Dadurch ist die große Pinge am Mückentürmchen entstanden. Damals lebten auch die drei Gebrüder Müchle als Zinngrubenbesitzer in der Gegend, von denen das Dorf Müglitz (Michlitz) abstammen soll.
(Köhler, Histor. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg, 1781, S. 3. O. Mosen, Reisehandbuch für das sächs. Erzgebirge, 1882, S. 65.)
Wolkenstein soll seinen Namen von der Höhe des Schlosses, indem es fast die Wolken erreiche, und von dem Steine oder Felsen, auf welchem es erbaut ist, führen. Nach anderen stammt der Name von seinem mutmaßlichen Erbauer Bolko von Waldenburg, weshalb es eigentlich Bolkenstein heißen müßte.
(Oettel, Alte und neue Historie der Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 1 u. 2.)
Man will vorgeben, es hätte ehedem an dem Orte, wo jetzt die Kirche von Eibenstock erbauet ist, eine Eibe gestanden, bei deren Stock die anfahrenden Bergleute sich versammelt hätten; davon soll der Name der Stadt herkommen. Auch wurde erzählt, es sei aus dem Stamme der Eibe das früher in der Kirche stehende Kruzifix, nach anderen aber der Pfeiler der Kanzel gemacht worden.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1880, S. 67.)
Der Name des Schlosses Pürstein ist erst seit diesem Jahrhundert eingeführt. In früheren Zeiten hieß es Birsenstein, Pirssinstein, Pirschanstein, Pirkenstein. Der Name soll von einem alten Ritter herstammen, der mit Vorliebe in dieser Gegend »auf die Birsche« ging.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 41. Kirchengalerie, 12. B., S. 180.)
Reitzenhain erhielt nach Angabe der Eingebornen auf eigentümliche Art seinen jetzigen Namen. Da in früheren Zeiten der ganze Verkehr den Straßenfuhrwerken überlassen war, haben die Fuhrleute jedes an der Straße gelegene Wirtshaus »Han« genannt. Da nach ihren Berechnungen dort, wo jetzt Reitzenhain liegt, der dreizehnte »Han« war, so wurde dieses einzelnstehende Wirtshaus der dreizehnte Han, dann Dreizehnhan, Reitzenhan und endlich Reitzenhain genannt. Man schätzte dabei den dreizehnten Han als gleichweit von Leipzig und Prag entfernt.
(I. Wilisch, Kirchen-Hist. von Freyberg etc., II. S. 300. II. Novellistisch in E. H. Müllers Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 6 etc.)
I. Das Städtlein Brand soll seinen Namen daher haben, weil anfangs lauter Wald und Busch allhier gewesen, welchen nach der Zeit eine unvermutete Feuersbrunst größtenteils verzehret; darauf Gott Bergwerke in dieser Gegend gezeiget, und so hätte man anfänglich schlechte Zechen und Hüttenhäuser, da aber der Bergsegen sich reichlich vermehret, Wohnhäuser zu bauen angefangen, und habe sich das Bergvolk häufig allhier vermehret.
II. In dem Walde, welcher einst die Gegend, wo jetzt das Städtchen liegt, bedeckte, wohnte einst mit seiner Tochter der Köhler Klaus. Derselbe hatte in seine Hütte einen jungen Mann aus dem Thüringer Lande aufgenommen, welcher ihm als Gehülfe dienete und sich bald um die Gunst von seines Herrn Tochter Margaretha bemühte. Da geschah es eines Tages, daß auch ein junger Bergmann in die Hütte kam, der im Walde in eine Wolfsgrube gestürzt war und sich dabei so verletzt hatte, daß er einen vollen Tag bei dem Köhler verleben mußte, um sich zu erholen. Er stammte aus dem nahen Freiberg, und bald wurde er der Liebling des Vaters Klaus und der Verlobte von dessen Tochter. Darüber wurde der fremd zugereiste Gehülfe ergrimmt und in der Nacht nach der Hochzeit Margarethens mit dem fremden Bergknappen führte er seinen Racheplan aus. Plötzlich wälzte sich eine Feuerwolke über dem Boden hin, von allen Seiten kamen die Flammen gezüngelt und ergriffen auch sehr bald die Hütte des Vaters Klaus, in welcher alle im friedlichen Schlummer lagen. Nur mit Mühe entgingen die Neuvermählten dem Tode, ihr Vater aber kam in dem grausigen Flammenmeer, welches den größten Teil des Waldes verzehrte, um. Das Feuer wütete den ganzen folgenden Tag und eine Nacht hindurch, bis am nächsten Morgen ein gewaltiger Gewitterregen den Flammen ein Ziel setzte. Das junge Paar flüchtete nach Freiberg, wo die Glocken stürmten und von wo aus eine Rettungsschar den Fliehenden bereits entgegenkam. Erst am vierten Tage zogen die Flüchtlinge wieder hinaus auf die Brandstätte. Sie gingen in Freiberg von Haus zu Haus, suchten ihre ebenfalls mit ihnen aus den übrigen zerstreuten Köhlerhütten geflüchteten Gefährten und sprachen: »Wir wollen auf den Brand gehen!« Von der Hütte des Vaters Klaus, sowie von den übrigen Wohnungen war nichts mehr zu sehen, nur hie und da fanden sich Menschengebeine, welche man sammelte und in geheiligter Erde, auf dem Kirchhofe in Erbisdorf begrub. Als man dann an den alten Plätzen wieder Grund zu neuen Wohnungen grub, fand der Knappe eine Stufe rotgültigen Erzes und er legte die erste neue Grube auf dem Brande an, welche man später zum Gedächtnisse des göttlichen Segens den »Segensfürsten« nannte. Der Ruf von dem Silberreichtume verbreitete sich weiter und bald zogen noch andere Bergleute herbei, welche sich daselbst anbauten. Später wurden diese Berghütten, Wald- und Zechenhäuser auf dem Brande unter der Regierung des Herzogs Georg des Bärtigen im Jahre 1515 zu einer Gemeinde vereinigt und der Ort erhielt von da an den Namen »Bergstadt Brand.«
(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 164.)
Das an der von Freiberg nach Frauenstein führenden Straße gelegene Dorf Weißenborn hat seinen Namen von einem unfern der Mulde vorhanden gewesenen Brunnen, welchem man Heilkräfte zuschrieb und bei welchem sich bisweilen eine weiße Frau sehen ließ.
(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 167.)
Conradsdorf, das einzige Dorf dieses Namens in Sachsen, liegt eine Stunde von Freiberg entfernt. Vermutlich hat es seinen Namen von seinem Erbauer und ersten Besitzer Conrad, obwohl behauptet wird, daß es dem Kaiser Conrad zu Ehren so genannt worden sei, der es mit besonderen Freiheiten begnadigte, die bis in die neueren Zeiten sich erhalten hatten.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 88.)
Der frühere Name des Dorfes Ursprung bei Hohenstein-Ernstthal ist Morspurg gewesen. In der Umgegend findet sich dafür die geläufigere Benennung Morspring. Nach einer sagenhaften Überlieferung soll der jetzige, um die Zeit der Reformation an seine Stelle getretene Name davon herrühren, daß aus dem oberen Gemeindeborne des Dorfes der Lungwitzbach entspringt, oder daß der Ort zur Zeit der Reformation das erste evangelische Pfarramt in dieser Gegend bekam.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 68.)
Nach einer Sage hat das Dorf Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal in uralten Zeiten einen anderen Namen gehabt, ist in der heillosen Zeit des großen Interregnum »verwüstet« und »verbrannt« und erst in der Folge unter den Hohenstaufen wieder hergestellt und mit seinem gegenwärtigen Namen belegt worden. Ebenso ist nach einer Sage Wüstenbrand als Filiale zu Pleise geschlagen worden, als das Dorf Gecksdorf, von dessen Lage zwischen dem Rabensteiner Walde und den Meinersdorfer Fluren sich bis auf die neuere Zeit Spuren erhalten haben, im Hussitenkriege völlig zerstört worden war.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 75.)
Laut Nachrichten aus einem alten Kirchenbuche stammt der Name des Dorfes Crossen bei Zwickau von dem slavischen Worte croszove, d. h. zerrissen oder zerstückelt, her. Denn da es von Slaven erbaut worden und sie, wie sie dem sumpfigen Terrain nach und nach trockenes Land abgewannen, dasselbe unter sich verteilt haben, so haben die Bewohner ihre Grundstücke vereinzelt und nicht beisammen.
Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge) ist nicht geneigt, den Namen für einen slavischen gelten zu lassen, vielmehr hält er unser Crossen, sowie alle Orte, welche dieselbe Benennung haben, für fränkische Ansiedelungen. Er verweist dabei auf die in deren Nähe liegenden Orte Frankenau (2 Stunden von Crossen bei Mitweida, 3 Stunden von Crossen bei Zeitz) und Franken (6 Stunden von Crossen bei Luckau); Crossen bei Zwickau ist von einem Frankenau ungefähr 3 Stunden entfernt.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet, 1766. Manuskript.)
Gersdorf soll vor Zeiten ganz anders gelegen und die Kirche oben im Hofgraben gestanden haben, bis sie durch Kriegsverwüstung ihren Untergang allda gefunden hat. Das Dorf soll nicht weiter als bis dahin, wo jetzt Hüllbert wohnt, gegangen sein. Die obere Hammermühle soll damals in einem dicken Walde gestanden haben und davon umgeben gewesen sein. Da aber der Bach vorher den Namen »Gersche« geführt haben soll, so hätte das Dorf, nachdem es weiter abwärts angebaut und auch die Kirche weiter herunter gesetzt worden wäre, vom Wasser den Namen Gersdorf bekommen.
(Meltzer, Historia Schneebergensis, S. 1102.)
Edelmann von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe, ein alter und getreuer Diener der Kurfürsten von Sachsen, brachte einst zu Zwickau bei einem Landesfürsten folgende Bitte mündlich vor: Dieweil aus Gottes Segen das reiche Bergwerk zu Schneeberg geoffenbaret und desselben Lob in aller Welt erschollen wäre, zögen viel Fürsten, Grafen, Herren, Ritter, Edel- und andere gute, redliche Leute nach demselben, und müßten dabei meist bei ihm durch, wodurch sein und seines Geschlechtes Namen weithin bekannt würde. Aber es stünde nicht wohl, wenn man fragete, wer er sei? und geantwortet würde: Es ist der von Uttenhoff auf der Armen-Ruhe. Da nun das Erz und Silber bei ihm nach Zwickau durchgeführt würde, so bäte er unterthänigst, man wolle ihm seines Gutes und Dörfleins Namen »die Armen-Ruhe« in der Landtafel auslöschen und dasselbe dafür die »Silberstraße« nennen zu lassen. Dies würde ihn in ein größer Ansehen bei den Leuten bringen, da er doch ohne das, wenn nur sein Name nicht also bekannt werden sollte, wohl mit dem alten Namen zufrieden gewesen wäre. – Diese Bitte wurde dem Uttenhoff gewährt, und der Armen-Ruhe Namen also geändert, daß bis diese Stunde noch das Dorf die »Silberstraße« und die dabei befindliche Muldenbrücke die Silberstraßer Brücke heißt.
(Mündlich, desgl. bei Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein, 1748, S. 19.)
Auf der jetzt in Ruinen liegenden Burg Rechenberg hausten einmal mächtige Ritter. Dieselben hatten in Frauenstein ihre Frauen, in Purschenstein ihre Burschen, in Pfaffroda wohnte ihr Pfaffe und in Rechenberg machten sie die Rechnung und teilten den Raub. – Die genannten Schlösser sollen auch durch unterirdische Gänge mit einander verbunden gewesen sein.
(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 579.)
Die Bewohner des Bergfleckens Bockau bei Schneeberg ernährten sich sonst vorzugsweise durch den Anbau von Arzneikräutern und den Handel damit. Sie zogen damit, sowie mit Pulvern, Tropfen, Pillen und dgl. mehr auf Jahrmärkte und waren einst wie die Königsseer häufig im deutschen Vaterlande anzutreffen. Die Sage erzählt, es habe sich einst in jenem Thale, in welchem jetzt der Flecken Bockau liegt, ein Bock, das einzige Eigentum eines armen Gärtnersohns, verlaufen. Sein Herr, der ihn gesucht, habe ihn endlich mitten unter den kostbaren Arzneikräutern wohlbehalten wieder gefunden, habe sich den Platz genau gemerkt und sei dann durch das Sammeln und den Verkauf jener Kräuter sehr bald wohlhabend geworden. Nach und nach hätten sich daselbst mehrere niedergelassen und den neuen Wohnort zur Erinnerung an seinen Ursprung Bockau genannt.
Historisch ist, daß der Kräuter- und Medikamentenhandel der Bockauer erst gegen das Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts begann. Die in dem Orte wohnenden Schachtelmacher, und unter diesen zuerst zwei Brüder Weiß, füllten ihre Schachteln anfänglich mit gedörrten medicinischen Wurzeln und Kräutern, welche sie an Apotheker und Laboranten und später auch als Hausmittel an andere Leute verkauften. (Körner, Nachrichten von Bockau, S. 346–355).
In der Einleitung zum ersten Abschnitte des Sagenbuchs wurde bereits darauf hingewiesen, daß der Name des Ortes nicht von dem slavischen bóh, d. i. Gott, sondern von dem slav. buk, die Buche, und dem davon gebildeten Adjektivum bukowy abzuleiten ist. Aus bukowy entstand Bockau, was wir demnach mit Buchwald oder Buchholz zu übersetzen hätten. Dasselbe gilt auch von dem Ortsnamen Bockwa bei Zwickau. Bockau und Bockwa wurden in früherer Zeit mit u geschrieben. (Immisch, a. a. O., S. 8.)
(Kirchengalerie von Sachsen, 12 B., S. 87.)
Der Name des Kirchdorfes Remse zwischen Glauchau und Waldenburg scheint auf das lateinische remissa, die Erlassung, hinzuweisen. Eine Sage erzählt, es habe sich in dem früher daselbst befindlichen und in dem 12. Jahrhundert gestifteten Nonnenkloster ein wunderthätiges Marienbild befunden, zu dem die Ablaß Suchenden aus der Nähe und Ferne wallfahrteten. Von einem Erker des jetzt sogenannten roten Stockes aus habe dann der Probst den Segen erteilt und die Gläubigen mit den Worten entlassen: »peccata sunt vobis remissa« (d. h. die Sünden sind euch vergeben). Daher der Name Remse.
(Comotovia, 2. Jahrg. 1876., S. 10.)
Es wird erzählt, daß im Jahre 1364 der Prager Bürger Johlin Rotlöw mit Bewilligung Karls IV. seinen besten Bergmeister in die Gegend des Gebirgs, wo jetzt Sebastiansberg liegt, sandte, um Erze zu suchen. Er hatte so glücklichen Erfolg, daß sich die Bergleute sogleich die ersten Häuser bauten. Man nannte nun den neuen Ort Paßberg, weil bereits der Berg, auf welchem die Stadt steht, und welcher die Grenze bildete und zum Aufpaß und zur Sicherung der Fuhrleute und Reisenden mit einem Militärposten besetzt war, den Namen Paßberg führte. Aus Paßberg soll mit der Zeit der Name Sebastiansberg entstanden sein. Nach einer anderen Sage soll jedoch Sebastiansberg anfänglich den Namen Neustadtl geführt haben.