(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.)
Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach ein Dörfchen Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen verwüstet worden wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt der Lützenbach und der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor alters eine Mühle unten in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle genannt worden ist. Alte Leute wollen von derselben noch Baustelle und Mühlgraben gesehen haben.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.)
Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen zeigt man eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt wird, daß hier einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen« erbautes Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen des Niklas sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das ist auch der Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren nächste Umgebung von Schatzgräbern ganz durchwühlt ist.
(Moller, Theatrum Freib. Chron. II, S. 67. Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.)
Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem jetzigen Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe Reichenau zu gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche stehet. Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen segnete, ist die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich mit der Kirche auf dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen Bewohner Frauensteins wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse gebracht, welche bei gefallenem Platzregen sehr stark waren und ihre Wohnungen schädigten. Man sah auf dem alten Stadtplatze im vorigen Jahrhundert noch die Gassen und Überreste von den alten Baustellen. Von dieser Verlegung der Stadt kam es auch, daß, was sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt ward, nicht die Stadtkirche, sondern die Begräbniskirche, als die Mutterkirche, erhielt.
(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874, S. 20.)
Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte man sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden, weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde und noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen.
Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück, der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem Jahre 1352 in den eigentlichen Bereich der Geschichte. Jedenfalls entwickelte sich infolge der Entdeckung von Silbererzen der junge Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien Bergstadt erhoben wurde.
(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend, 1881, Nr. 44. Mündliche Mitteilungen.)
Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen Abdachung des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke in dieser Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden der alten Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei Erbauung von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der Gottesacker dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das Königliche Amtsgericht befindet.
Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das Dörfel'sche Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe.
Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht des Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der Stadt am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit in Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage und errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den Ruinen des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich die jetzige Stadt Kirchberg.
(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.)
Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg, Herr der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau, im Jahre 1476 von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren, legten sie das Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren Unterthanen zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich wuchs.
Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes zu Grünhain, eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter Grenzstreit zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen der Pflege Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen, welcher zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten ihnen lag. Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen, und der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können: »Keinem von Euch beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb er plötzlich. Sein Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder Priester, welcher den Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung der inzwischen aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte. Dieselben kamen auf freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen und durch Händedruck und Bruderkuß wurde die Versöhnung besiegelt. An der Stelle aber, wo dies geschah, wurde ein Stein errichtet, den der Abt segnete und mit Weihwasser, geschöpft aus dem in der Nähe befindlichen heilbringenden »guten Brunnen«, besprengte. Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein Zwönitz ein frohes Fest gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter Stadt ein neues Wappenschild: Den buntgefiederten Sittich im blauen Felde. Der Stein aber wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei Grünhain und dem von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der Volksglaube gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver gerieben und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die ersprießlichsten Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später den Namen Streitwald, welchen er noch heute führt.
(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B. S. 305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.)
Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure Jahre, die Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere im niedern Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die letztgenannte Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun lebte aber in dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des Richters, welcher mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu Lengefeld verlobt war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden Tag neue Opfer forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater davon befallen wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo unterdeß die Pest nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber mehrere gewürzhafte Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt und damit sich selbst und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von welchem ihm die Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer berühmten Apotheke hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach Reifland zurück, und als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm er über die Flöha und gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch nach Lengefeld. Um den Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar zu spät, allein es gelang ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater und viele andere mit seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald verschwand die furchtbare Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die übrig gebliebenen Bewohner von Lengefeld, Rauenstein und Reifland feierten ein Wiedersehens- und Dankfest. Auf der Stelle, wo dies geschah und die Einwohner genannter Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung ein Stein aufgerichtet und dieser bewahrt noch heute die Erinnerung an jene traurige Zeit.
(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.)
Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet sich im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird:
Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und ward von einem Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein Chormantel ihm als Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten auf die Erde. Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam dem verwogenen Gesellen ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm lustig genug schien, auch zu versuchen. Er nahm also einen Mantel um, stieg auf den Turm und sprang herab. Aber wehe, der Mantel verwickelte sich, und kopfüber im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne Schieferdecker auf das Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod fand, setzte man zum Andenken an diese Begebenheit den roten Stein in das Pflaster.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.)
In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche an der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre 1428 ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein und drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben ändern würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei, ehe er dies thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn die Hussiten erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und stießen ihn hinab. An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank sein Leichnam in den Fluten der Zschopau.
(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.)
Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt sich der wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche Absätze und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam als ein Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf findet man einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte Charaktere gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu Sachsen auf diesem Steine gefrühstückt haben.
Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von Kursachsen (2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf dem Steine auch verwitterte Figuren von Tellern, Messer und Gabel zu sehen gewesen sein. Nach derselben Quelle war der in der Sage angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I., wenigstem will man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben.
(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.)
Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt Hans Meichsner zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren, G. Unger und Chr. Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander uneins worden und haben sich geschlagen. Solches haben sie so lange getrieben, bis Fröhlich mit einem Messer dem Unger gegen das Herz einen Stich gegeben, darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat Unger das Messer wieder herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen, doch hat sich dieser auf die Flucht begeben. Hernach ist über ihn auf dem Markte öffentlich Halsgericht gehalten, und damit diese schreckliche That den Nachkommen im Gedächtnis bleiben möge, sind 2 Messer in einen Stein gehauen, und solcher an der Ecke der Brotbänke, wo früher der hölzerne Esel stand, aufgerichtet worden.
(Mündlich.)
An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt, steht nahe vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz. Dasselbe soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege ein schwedischer Offizier begraben wurde.
(Mündlich.)
In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber dem Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus katholischer Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser Stelle ein vornehmer Soldat im Kampfe gefallen sei.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.)
Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün nach Waldkirchen, an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises, ein Stein mit eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich ein Schafhirte von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen worden sein. Der Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm zukam und als er deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward, wurde er grob; es kam zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit dem gewaltsamen Tode des Hirten.
(Mündlich.)
Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den gegenwärtig aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach vielleicht 20 Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen Meter hohen, an den Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten Steine, dessen Oberfläche zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt ist. Doch sieht man auf ihm noch zwei gekreuzte Messer und ein Brotchen eingehauen. Hier sollen sich einst vor vielen Jahren bei einer Hungersnot zwei Frauen, welche zusammen in Wolfersgrün ein Brot gekauft hatten, mit ihren Messern erstochen haben, weil jede von ihnen das Brod ganz haben wollte.
(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.)
An der alten Frühbußer Straße, welche sich zwischen Eibenstock und Wildenthal in der Nähe der Waldschenke von der Chaussee abzweigt, steht ungefähr 400 Schritte von genannter Schenke entfernt im Walde ein alter Stein mit eingehauenem schwarzen Kreuze. Anno 1799 ist an dieser Stelle ein Fuhrmann, welcher von Karlsfeld kommend, nachts mit seinem Fuhrwerk auf dieser Straße fuhr, von dem Hausknechte des Gasthofes zu Karlsfeld ermordet worden. Der Fuhrmann ließ sich gegen Abend vom Wirte des genannten Gasthofes für Silbergeld neue Kupfermünze geben. Dies sahe der Hausknecht, welcher jedoch das glänzende Kupfergeld für Goldstücke hielt. Ihn gelüstete nach denselben, und er ging deshalb, als der Fuhrmann bereits ein gutes Stück fort war, demselben nach, ermordete ihn und nahm ihm die vermeintlichen Goldstücke ab. Zur Erinnerung an diese That ist der Stein gesetzt worden.
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit u. s. w., 1845, S. 321.)
Auf Gotthelf Tittels Gute in Fürstenwalde steht ein Denkmal mit der Bezeichnung G. D. und einer Schneiderschere, nebst der Jahreszahl 1622. Einer Tradition zufolge ist dort im besagten Jahre ein aus Rudolphsdorf gebürtiger Schneidergeselle auf seiner Rückkehr aus der Fremde von einem Fleischerburschen ermordet, später in einem Reisighaufen versteckt aufgefunden und von Jakob Tittel hereingefahren und in Fürstenwalde beerdigt worden.
(Oesfeld, Histor. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 10.)
Vor dem Schneeberger Thore in Lößnitz lagen ehemals drei Kreuze aus Sandstein; auf zweien derselben sahe man deutlich ein eingehauenes Kreuz. Man erzählte, daß diese Kreuze als Denkmäler einer Mordthat hingesetzt worden seien, indem sich in alten Zeiten daselbst Fleischerknechte totgeschlagen hätten.
(Ad. Daniel Richter, Chronica der Stadt Chemnitz, I. 1767, S. 35.)
Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und vor derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis eingehauene Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei, und zwar einer den andern, erstochen haben sollen.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.)
Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen von alters her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt. Bereits im Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so vermorscht, daß an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den Jahren 1608 und 1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle der steinernen waren wieder solche von Holz gekommen. Von diesen Kreuzen aber erzählt der Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß in welchem, wäre Freiberg belagert worden und hätte eine hohe Summe Brandschatzung geben sollen, diese aber nicht sogleich aufbringen können, und deshalb drei Ratsherrn zu Geißeln gestellt. Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre, so hätten sie einen Boten in das feindliche Lager geschickt, der den Ratsherrn insgeheim kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie womöglich in der kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt sei nicht gesonnen, die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch die Ratsherrn ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager gekommen, hier aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch durch das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum Andenken ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben müssen, die drei Kreuze errichten lassen.
(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand ein von Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz, worauf ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist. An diesen knüpft sich folgende Sage:
Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten Ziska, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt Görkau und das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei vernahmen, welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber tönte. Sie verfolgten die Richtung des Krähens und verfehlten glücklich die Stadt, indem sie weiter östlich gelangten und schließlich nicht mehr zurückkehrten. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung aus drohender Gefahr ließen die Bewohner von Görkau das erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen, von wo es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz unter großen Feierlichkeiten übertragen wurde. Die kleinen daselbst stehenden Linden wurden damals von der Görkauer Schuljugend gepflanzt.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 63.)
Am südwestlichen Ende von Schmiedeberg, unweit des jetzigen Wirtshauses »Zum letzten Pfennig«, stand in alter Zeit eine Schenke, in welcher es oft sehr lustig herging. So auch einst an einem Sonntage, als ein schweres Gewitter heraufzog. Der immer näher erschallende Donner, wie der ganz verdunkelte Himmel mahnten zur Einstellung der Lustbarkeiten. Man achtete jedoch nicht auf diese drohenden Zeichen; die Ausbrüche wilder Lust verdoppelten sich vielmehr, die Musik begann ein munteres Tanzstück zu spielen und unter Lärmen und Johlen drehten sich die Paare im Kreise. Diesem frevelhaften Treiben konnte die Strafe des Himmels nicht ausbleiben. Das Unwetter hatte seine ganze Macht entfesselt, Blitze über Blitze durchzuckten grell das Halbdunkel und das betäubende Krachen des Donners vermischte sich mit dem Brausen des wütenden Sturmes. Den tollen Wirtshausjubel unterbrach plötzlich ein fürchterlicher Schlag, alle Gegenstände ringsum wurden eine Sekunde lang sonnenhell beleuchtet und dann von dichter Finsternis umfaßt. Ein mächtiger Blitzstrahl hatte die Schenke getroffen und die Erde zu einem gräßlich gähnenden Spalt geöffnet, in welchem das Gebäude samt allen darin Anwesenden spurlos versank. – An der Stelle, wo die Schenke stand, wurde später als Wahrzeichen ein rot angestrichenes Kreuz errichtet. Dieses ist zwar auch schon längst verschwunden, der Name »Beim roten Kreuz« jedoch bis heute geblieben.
(Mündlich.)
Im Dorfe Moldau erblickt man auf einer steil ansteigenden Höhe am rechten Ufer des Muldenbaches ein hohes Kreuz. Daselbst soll ein Mann mit schwerbeladenem Wagen herabgestürzt sein, ohne daß weder er noch seine Pferde Schaden genommen haben.
(Mitgeteilt vom Sem. Müller aus Bärenwalde.)
In Bärenwalde liegt am Berge, wo die Straße vorüberführt, ein großer Stein, in welchem man ein kleines eingemeißeltes Kreuz sieht. Die Sage erzählt davon, es seien an der Stelle einst bei einem heftigen Gewitter zwei Bettelknaben vorübergegangen. Als es heftig donnerte, spotteten sie in gottloser Weise und der eine sprach: »Dort oben fährt der liebe Gott mit dem Schubkarren herum!« Kaum aber hatte er diese Worte gesagt, so erschlug ihn ein niederfahrender Blitz. Der Knabe wurde darauf an dem Orte begraben, und zur Erinnerung an diese Begebenheit meißelte man ein Kreuz in den großen Stein, der bereits an dem Platze gelegen hatte, wo dies geschehen war.
(Chemnitzer Landbote, 1881, No. 34, Beilage. Flathe, Die Vorzeit des sächs. Volkes in Schilderungen aus den Quellenschriftstellern, 1860, S. 3.)
Wenn man von der an der Chemnitz-Annaberger Straße gelegenen Bergschenke nahe dem Dorfe Klaffenbach hinabwandert, so gelangt man sehr bald an ein auf einer Wiese des Gutsbesitzers August Bachmann stehendes uraltes, steinernes Kreuz, auf dessen einer Seite ein Schwert eingegraben ist. Hier soll Arno, Bischof der heiligen Kirche zu Würzburg, den Tod eines Blutzeugen erlitten haben. Als er nämlich, heimkehrend von einem Zuge gegen die Böhmen, an der Landstraße gegen Mitternacht in seinem Zelte, das er auf einem Hügel hatte aufschlagen lassen, Messe las, ward er plötzlich von einer feindlichen Schar ringsum eingeschlossen. Nachdem er darauf alle seine Gefährten in den Märtyrertod vorausgesandt hatte, brachte er sich zuletzt selbst dem Herrn dar an der Stelle, wo noch heutzutage brennende Lichter erblickt werden; daß aber diese die heiligen Blutzeugen sind, bezweifeln selbst die Slaven nicht. Dies war im Jahre 892, zur Zeit des Kaisers Arnulf geschehen.
Über den Namen des Dorfes Klaffenbach s. S. 7.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., 246.)
In Dorfchemnitz steht eine Linde, welche den Namen Marterlinde führt. Dieselbe wurde an der Stelle einer alten, welche sehr stark und zerspalten war, gepflanzt, und soll den Platz bezeichnen, wo ein Mensch verbrannt worden ist und viele Martern ausgestanden hat.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name »Marterlinde« von einem Kruzifix, welches zur Zeit des Katholizismus daselbst gestanden hat, herrührt. – Erwähnt mag noch werden, daß Albert Schiffner hier den Platz vermutet, an welchem 892 die Ermordung des Bischofs Arno von Würzburg durch die Sorben geschah. (Archiv für sächs. Gesch. 2. S. 175.) Es wird in dieser Beziehung auf die Vorbemerkungen zu den Göttersagen und auf die vorhergehende Sage verwiesen.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 246.)
In einem Garten in Dorfchemnitz stand vor Jahren ein Denkmal von Sandstein. Dasselbe bezeichnete die Stelle, wo sich einmal zwei Fleischergesellen (andere sagen, es wären Müller gewesen) mit Beilen gehauen haben, so daß beide gestorben sind.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 170.)
Ein Fleischhauer aus Falkenau fand einst auf dem bewaldeten und unbewohnten Kulmerberge, noch ehe daselbst das Kloster gestiftet wurde, in einer Haselstaude ein Marienbild, und er errichtete darüber ein Bretterdach, an dessen Stelle später eine Kapelle entstand. Auch wird erzählt, daß sich nachher in den umliegenden Berggruben eine Räuberbande niedergelassen und die Gegend durch Raub und Mord unsicher gemacht habe, bis die Unholde durch ein Damenbrett, das ein Ritter aus Falkenau gelegentlich eines Besuches zu Katzengrün in der Kapelle auf dem Kulmerberge vergessen hatte, entdeckt, eingefangen und dem Strafgerichte in Eger übergeben wurden.
(Köhler, Volksbrauch etc., S. 622.)
Über der Thür des Försterhauses in Weidmannsruhe bei Neudeck und Fraureuth in der Werdauer Staatswaldung befindet sich eine hölzerne Tafel mit geschnitzter weiblicher Figur, die einen Kranz in der Hand hält und folgende Umschrift hat:
An den unteren Ecken zu beiden Seiten des Bildes ist Gebüsch gemalt, aus welchem Wölfe und ein Jäger vorragen. Wahrscheinlich ist das Bild ein altes Wirtshausschild, aus der Zeit herrührend, wo die letzten Wölfe in dieser Gegend erlegt wurden. Erzählt wird, daß das Bild früher etwas weiter im Walde angebracht war und daß es die Stelle bezeichnete, wo ein Mädchen von Wölfen zerrissen wurde.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtl., S. 608.)
Dasselbe befand sich ehedem am herrschaftlichen Chore und soll von dem Diener eines Herrn von Römer ausgeführt worden sein. Über die Entstehung dieser Schnitzerei wird folgendes erzählt: Der Künstler sollte aufs Zuchthaus kommen; da bat er sich die Gnade aus, vorher diese Arbeit ausführen zu dürfen. Man gestattete es ihm, aber er soll seine Arbeit nicht vollendet haben, so daß er dem erhaltenen Worte gemäß niemals jene Strafe verbüßte.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 621.)
In dem Dorfe Zwota bei Klingenthal waren vor mehreren Jahren am Wege zwei sogenannte Walfischrippen, eigentlich Unterkiefern des Walfisches, zu einem Bogen zusammengestellt; später lagen dieselben in einem Garten des genannten Ortes. Dieselben sollen früher an dem jetzt eingegangenen Hammerwerke, welches nach der Überlieferung des Volkes das feinste und zäheste Eisen im Vogtlande herstellte, gestanden haben, und es wird erzählt, daß ehemals selbst aus den Seestädten Fuhrleute nach dem Hammer kamen, um das weit und breit geschätzte Eisen zu holen. Von solchen Fuhrleuten sollen die genannten »Walfischrippen« mitgebracht worden sein.
(Alfr. Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im Zellwalde, 1874, S. 7.)
Die große Glocke zu Marbach bei Nossen und die der Frauenkirche zu Dresden sollen von einem angeschossenen Eber in seinem verzweifelten Todeskampfe bei der »alten Zelle« im Zellwalde ausgewühlt worden sein.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, S. Martin genanndt, was man merkwürdiges von alters her, von mehr denn 200 biß 300 Jahren a) wegen der Kirchen, b) wegen des Thurms und c) wegen derer Glocken gefunden, und von mir dem dasigen Schulmeister besage derer Kirchen Bücher allhier aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)
Etliche sagen, es hätte bei Hohenstein von der Hüttenmühle am Grunde an dem Bächel hinauf ein Dorf gestanden, etliche wieder sagen, es wäre ein Städtchen mit Namen Kirchberg gewesen, und die Einwohner dieses Ortes hätten ein böses Geschrei gehabt und des sündigen Wesens so hoch getrieben, daß Gottes Strafe über sie ergangen und der Ort versunken wäre. Nach dieser Zeit sollen zwei Viehhirten ohnweit des ehemaligen Ortes Kirchberg ihr Vieh gehütet haben, und solche hätten wahrgenommen, daß eine wilde Sau zwei Glocken ausgewühlt hätte, davon der eine gesagt. »Diese Glocke will ich der Lungwitzer Kirche verehrt haben.« Der andere habe gesprochen: »Das laß ich wohl bleiben; ich will mit meiner Glocke mir etwas zu gute thun und wohlleben.« Darauf wäre solche Glocke wieder in die Erde gegangen und versunken. Und die allerältesten Männer haben erzählt und auch noch bekräftiget, daß sie es von ihren Vätern und Großvätern gehöret, wie die von dem einen Viehhirten gefundene Glocke hernach nach Lungwitz gebracht worden wäre. Sogar geben sie nach ihrer Einfalt vor, wenn diese Glocke geläutet würde, sie gleichsam taktweise ihren Klang hätte.
Über die Wüstung Kirchberg s. auch No. 640.
(Mitgeteilt vom Sem. Andrä aus Schneeberg.)
Da, wo jetzt von Wald umgeben der kleine Weiler Jahnsgrün bei Bärenwalde liegt, soll ein größeres Dorf mit demselben Namen gelegen haben. Dasselbe ist einst, man weiß nicht mehr auf welche Weise, untergegangen und es ist von ihm nichts weiter aufgefunden worden, als eine Glocke, welche eine wilde Sau aus dem moorigen Boden wühlte. Diese Glocke soll noch jetzt auf dem Kirchturme zu Bärenwalde hängen. Man hat über die Begebenheit folgendes Volkslied:
Auch Sachsen Kirchengalerie (8. B., S. 58.) erzählt, daß man aus manchen Spuren, z. B. aufgefundenen alten Schlüsseln, schließen will, daß die Gegend von Jahnsgrün vor der Zeit des Hussitenkriegs stark bevölkert gewesen sei. Hier ist besonders bemerkenswert, daß die Sage noch von zahlreichen anderen Glocken erzählt, welche durch Schweine aufgewühlt wurden. Dahin gehören die große Glocke zu Marienei und die Kirchenglocke zu Treuen, welche letztere ebenfalls brummt: »En wille Sau ausgegrob'n, en Bettelmann gefunne«. (Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 605.) Ferner mögen die Lobesdorfer Glocke, in der viel Silber war, so daß sie sich durch ihren schönen Klang auszeichnete (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 36.), die Glocken von See und Spree in der Lausitz (Haupt, a. a. O., S. 403.), zu Blankensee, welche summt: »Sau fand jenen Sand«, und zu Görzdorf mit dem unmelodischen Tone: »Sony woillt us« (d. i. Sau wühlt aus), genannt sein.
Nork (Sitten u. Gebräuche etc. S. 372.) versucht einen mythischen Zusammenhang zu finden, indem er meint, die Glocke, welche zuweilen aus Teichen und Seen aufsteigt, sei wie die Nebelkappe auf dem Wasser (Odhins Hut) ein Symbol für Stürme; ihr Tönen sei der heranbrausende Sturm. Er bringt damit die Benennung »Sauzagel« für Wirbelwind in Verbindung. Die Sau aber ist Finderin der im Dunkeln verborgenen Gegenstände, sonst ein der Finsternis geweihtes und darum als Juelschwein dem Lichtgott geopfertes Tier. (Haupt, a. a. O., No. 283 a.) Ein goldenborstiger Eber, auf welchem Freir und Freia ritten, erhellte die Nacht taghell.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Eine Viertelstunde von Weiters-Wiese liegt der Kranichsee, ein gegen 2 Stunden im Umfang haltendes, mit der Sumpfkiefer bestandenes Hochmoor, in welchem sich die Quellenzuflüsse der Wilzsch, Pyra und Rohlau befinden. Die Sage erzählt nun, daß auf dieser rauhen Fläche einst eine Stadt gestanden habe, deren Bewohner so gottlos waren, daß Gott zur Strafe die Stadt versinken ließ. Dies soll an einem dritten Pfingstfeiertage geschehen sein, und noch will man jedes Jahr an diesem Tage zu einer bestimmten Stunde die unterirdischen Glocken der versunkenen Stadt läuten hören.
S. auch No. 493. Ähnliche Sagen auch anderwärts in Deutschland. Da, wo jetzt der salzige See bei Mansfeld ist, stand einst eine Stadt, welche versunken ist; man hört noch die Glocken in der Tiefe. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 66.) Auf dem Gottesfelde, einer Wiese am Südabhange des Adlersberges in Thüringen, soll ebenfalls eine Stadt gestanden haben, welche Gott versinken ließ, weil die Einwohner gottlos waren. Hier hört man zwar nach der Sage nicht die Glocken in der Tiefe klingen, aber von einem Schweine wurde einst auf dem Platze eine Glocke ausgewühlt, welche jedoch, auch als man sie umgegossen hatte, einen abscheulichen Klang gab. S. übrigens die Bemerkung zur vorhergehenden Sage. (Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. 18.)
(Mündlich.)
Auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün sieht man ein Haufwerk großer Granitblöcke, der Gipfel selbst trägt auf einem Felsen die Überreste eines jüngeren Mauerwerks. Die genannten Blöcke sind die Produkte der Verwitterung, durch welche die Felsmassen des Berges angegriffen wurden, so daß nur Haufwerke der festeren Granitkerne übrig blieben. Die Sage erzählt aber, daß auf dem Berge einst eine Stadt gestanden habe, welche durch die Sintflut untergegangen sei.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No 36.)
Von der großen Glocke in dem Bergstädtchen Geyer, welche einsam auf einem alten viereckigen Turme an der Kirche hängt, erzählt die Sage, daß dieselbe auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch eine Sau mehrere Ellen unter der Erde hervor ausgewühlt und von den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden sei, aber nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben habe, bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung feierlich eingeweiht.
Im Jahre 1455 zersprang diese große Glocke von dem heftigen Sturmläuten, womit man auch in Geyer den Prinzenräuber Kunz von Kauffungen verfolgte, wurde aber auf Befehl und Kosten Kurfürst Friedrichs, des Vaters der Prinzen, sogleich umgegossen und der Prinzenraub darauf abgebildet.
(Deubener Zeitung, 1882, No. 70.)
Vor mehreren Jahrhunderten strömten zahlreiche Wallfahrtsscharen am Festtage der heiligen Barbara nach deren Kapelle in der Dippoldiswaldaer Heide. Nach Einführung der Reformation wurde jedoch diese Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen und das Altarbild sowie die Glocken in die Kirche zu Seifersdorf übergeführt. Nach der gemeinen Sage soll die 30 Schritt lange und 16 Schritt breite, jetzt in Ruinen liegende Barbarakapelle von einem Antonius, an welchen der »durch unvergleichlich helles und klares Wasser ausgezeichnete Antoniusbrunnen« erinnert, zu Ehren der heiligen Barbara erbaut worden sein. Dabei befindet sich auch die Antoniuswiese, auf welcher ehemals die Antoniusklause gestanden haben soll.
In »Über Berg und Thal« (6. Jahrg. No. 10) bemerkt Weißbach in Rabenau, daß die Angabe, die Barbarakapelle, auch Klausnerkirche genannt, sei eine Wallfahrtskirche gewesen, der historischen Begründung entbehre. Derselbe führt vielmehr den Namen »Klausnerkirche« auf Klausenkirche, d. h. Nikolauskirche, wie eine solche sich auch in Dippoldiswalde befindet, zurück. Nikolaus war der Patron der Kaufleute und an der an der alten Grenze von Meißen und Böhmen gelegenen Kapelle führte jedenfalls in früheren Zeiten die Handelsstraße aus Böhmen nach Dresden vorüber. Nach einer anderen Meinung war die Kapelle eine Station der nach Kloster Zelle Wallfahrenden, von dem auch das oben genannte, jetzt in Seifersdorf befindliche Altarwerk abstammte. Fraglich ist die Erzählung, daß die Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen worden sei, da eine andere Nachricht mitteilt, daß sie im dreißigjährigen Kriege eingeäschert wurde. (Beschreibung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, 2. Heft (1883), S. 9.)
(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß, 1719, S. 5–7. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 147.)
Da, wo jetzt Unterwiesenthal steht, war sonst nichts zu sehen, als ein finsterer, dicker Wald. Daselbst legten böhmische Fuhrleute auf einer grasreichen Wiese und nicht weit von dem roten Hammer einen Heuschuppen an, um nach Überschreitung des Gottesgaber Passes an diesem Orte immer Futter für ihr Vieh zu finden. Bei dem Heuschuppen aber stand eine hohle Fichte, in welche sie zum Schutze ihres Schuppens ein Kreuz mit dem Christusbilde aufstellten. Man nannte es den »gestempelten oder gestümmelten Christus«. Um die Fichte herum aber ist das Gras samt dem roten Klee aufs schönste wie auf einer grünen Wiese gewachsen. Als darauf das Städtchen Unterwiesenthal, dem erst später die Anlage von Oberwiesenthal folgte, gegründet ward, erbaute man an dem Platze, wo die Fichte gestanden hatte, eine Kapelle, nach derem Verfalle die Unterwiesenthaler den Neudörflern die daselbst befindlich gewesene Glocke unter der Verpflichtung liehen, sie ihnen zu gewisser Zeit wieder auszuhändigen. Später gaben die Herren von Schönburg, welche Besitzer des Grundes und Bodens waren, den Gerichten von Unterwiesenthal ein Siegel, und sie nahmen in dasselbe zur Erinnerung an den Ursprung des Ortes ein Kreuz auf, welches auf beiden Seiten und auch unten mit etlichen Kleeblumen versehen ist.
(Gumprecht, Lindenblätter v. Oberlungwitz, Zwickau, 1863, S. 17 u. 18.)
Auf der sogenannten heiligen Wiese im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz stand einst ein der Jungfrau Maria geweihter Altar mit einem wundertätigen Marienbilde, das zahlreiche Gläubige an sich lockte. Wenn dieselben die von den Mönchen des Klosters Grünthal gehaltenen Messen angehört hatten, besuchten sie die Märkte in Lungwitz, welche unter den »Linden«, die einst bei der jetzigen alten Post standen, abgehalten wurden. Der alte Weg, der vom Dorfe zu der heiligen Wiese führte und den die Wallfahrer ziehen mußten, hieß damals die Vorlage und besteht teilweise noch heute unter dem Namen »die Vorel« oder »Vurel« in der Nähe der jetzt Rügerschen Grundstücke in Abtei-Lungwitz.
Auf dem Turme der Oberlungwitzer Kirche befindet sich noch eine uralte Glocke, die wahrscheinlich aus irgend einem Kloster stammt und seiner Zeit an die alte Lungwitzer Kapelle abgegeben worden ist, und zwar vorzugsweise mit zu dem Behufe, um bei den Wallfahrten nach der heiligen Wiese gelauten zu werden. Nach einer alten Tradition hat man stets mit dem Läuten der Glocken auf der Lungwitzer Kirche begonnen, wenn die Wallfahrtsprozessionen bei dem Marienbilde im Hirschgrunde angekommen waren, und es hat überhaupt dieses Bild dort an dem Orte gestanden, von wo aus die Oberlungwitzer Kirche am besten zu übersehen war, um während des Lesens der Messe u. s. w. die erforderlichen Zeichen zum Anschlagen oder Lauten der Glocken vom Platze aus hinüber nach dem Turme geben zu können.
(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O., No. 560.)
Unter den Reliquien der Kirche zu Ebersdorf befindet sich ein Schiffchen von Holz, welches aus dem 14. Jahrhundert stammt und bei folgender Gelegenheit dort aufgehängt worden ist. Ein gewisser Junker Wolf von Lichtenwalde (?) war ins gelobte Land gezogen, um dort gegen die Sarazenen zu kämpfen; er hatte alle Gefahren und Anstrengungen des Krieges glücklich überwunden und kehrte jetzt mit Schätzen beladen nach seinem Vaterlande zurück, wo ihn eine liebende Braut erwartete. Siehe, da begab es sich, daß das Schiff, auf dem er nach Venedig segelte, von einem furchtbaren Sturme überfallen ward; keine Geschicklichkeit des seekundigen Kapitäns, noch die übermenschlichen Anstrengungen der Mannschaft vermochten dem Andrange der wütenden Elemente zu widerstehen und jeder sah dem Untergange des Schiffes in nächster Zeit entgegen. Da sank der sonst so mutige Kreuzfahrer in wilder Verzweiflung auf die Knie und gelobte der heiligen Jungfrau zu Ebersdorf, daß, wenn sie ihn aus dieser Todesnot befreien und glücklich in sein Ahnenschloß zurückkehren lassen werde, er ihr ein Schiffchen ganz mit gutem Gold gefüllt als Opfer darbringen wolle, und solle er auch sein ganzes Eigentum dabei aufwenden. Und siehe, fast augenblicklich legte sich der Sturm, die Wogen glätteten sich und ein günstiger Wind trieb das Schiff schnell und glücklich in den sichern Hafen. Der Ritter vergaß aber nach seiner glücklichen Heimkehr sein Gelübde nicht, er ließ von einem geschickten Künstler ein Schiffchen anfertigen, füllte es mit Gold an und hing es zum ewigen Andenken in der Kirche zu Ebersdorf am Altare der hl. Jungfrau auf. Zwar hat die Lichtenwalder Gutsherrschaft nach der Reformation sowohl dieses Gold als auch alle andern Kostbarkeiten und Nutzungen der Kirche an sich genommen, nachdem sie die Verpflichtung eingegangen war, dieselbe in allen Baulichkeiten zu unterhalten, ja, sollte sie einmal abbrennen, ohne Zuthun der Gemeinde und des Kirchenärars aus ihren Mitteln wieder aufzubauen, allein das Schiffchen ist heute noch zu sehen.
(Richter, Chron. v. Chemnitz I, 1767, S. 85.)
Im Jahre 1738 wurde in der Schloßkirche zu Chemnitz eine Geißelsäule wieder aufgerichtet, welche einige Jahre da gelegen hatte. Dieselbe befand sich vorher in dem sogenannten Geißelsaale nahe bei der Kirche und war aus einem Eichenbaume oder einer Linde gearbeitet. Die Sage erzählte, daß der Baum unten aus der Erde aufgewachsen und durchgeführt worden sei. Aus diesem ist nun durch die Bildhauerkunst eine Säule zugerichtet und an derselbigen, ohne Zuthun anderen Holzes, die ganze Geißelung Christi in Lebensgröße im ganzen ausgehauen worden. Dieses Kunstwerk haben viele hundert Personen von Fremden und Einheimischen jährlich zur Sommerzeit beim Spazierengehen ehedem besichtiget.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 23.)
Der Hauptaltar in der Annaberger Kirche besteht aus lauter italienischem und griechischem Marmor und ist von Meister Adolf in Augsburg verfertigt worden. Man erzählt davon folgende Sage:
Ulrich Mengemeyer, ein reicher Bürger zu Augsburg, hatte sich mit Andreas Tuchern, einem böswilligen Ratsherrn, verfeindet, und ward durch dessen heimtückische Nachstellung bewogen, seine Vaterstadt zu verlassen. Er wandte sich nach Annaberg, wo er schon seit längerer Zeit viele Kuxe an sehr gesegneten Fundgruben hatte, und ward Bürger daselbst, in der Meinung, vor Tuchers Verfolgungen nunmehr sicher zu sein. Aber er irrte. Am Freitag vor Pfingsten 1514 ward er auf dem Wege zu seinem Freunde, dem Guardian des Franziskanerklosters, von zwei Meuchelmördern überfallen und erstochen. Die Mörder flohen zum Frohnauer Thore hinaus nach dem Schreckenberge hin. Der eine aber, Wilwald Dyrmann, den sein wüstes Aussehen und das Blut an den Händen verriet, wurde im Thale von einem Bergmann festgehalten und nach der Stadt zurückgebracht; der andere, Hansel Unger, ward auch bald nachher in Pirna eingefangen und in Ketten nach Annaberg geführt. Im Verhöre sagte Dyrmann aus, Andreas Tucher habe ihn durch seinen Vetter, Philipp Weisenburgern, einen armen Edelmann im Dienste der Stadt Augsburg, zu diesem Meuchelmorde für 400 fl. dingen lassen. Deshalb ward sogleich an den Augsburger Rat geschickt und Weisenburgers und Tuchers Auslieferung gefordert. Aber Weisenburger nahm die Sache allein auf sich und schrieb an den Rat zu Annaberg, er habe gute Sache an Mengemeyern gehabt und allein, ohne Tuchers Geheiß, Dyrmann zu dieser That bewogen; darum möchten sie dem das Lehen schenken. Zugleich war Weisenburger aus Augsburg entwichen. Tucher schickte einen Sachwalter nach Annaberg, der ihn vollends rechtfertigte. Dyrmann und Unger aber wurden am Freitag nach St. Anna 1511 durch das Rad hingerichtet. So war die Sache mit dem Rate zu Annaberg beigelegt. Herzog Georg von Sachsen aber ließ es nicht dabei bewenden, sondern verklagte die Reichsstadt Augsburg beim Kaiser, und obgleich der Augsburger Rat sich vielfach entschuldigte, so ward doch auf dem Reichstage dahin entschieden, daß die Stadt Augsburg wegen verletzten Gottesfriedens der Hauptkirche zu Annaberg einen marmornen Altar verehren solle. Und dies geschah auch.
So erzählt die Sage. Geschichtlich glaubwürdige Nachrichten aber sagen, dieser Altar sei von den Annabergern, welche sich damals des reichsten Bergsegens erfreuten, mit 2551 fl. bezahlt worden, und Herzog Georg der Bärtige habe selbst 1000 fl. von seinem Grubenanteil abgegeben.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 134.)
Die Sage erzählt, daß in dem Dome in Freiberg ein Meister und sein Geselle jeder eine Kanzel gebaut habe, die des Gesellen aber besser geraten sei. Darüber sei der Meister so zornig geworden, daß er den Gesellen erschlagen habe. Noch jetzt kann kein Geistlicher auf des Gesellen Kanzel wegen jener Greuelthat predigen.
(Curiosa Sax., 1736, S. 171. Darnach Gräße, Sagenschatz, No. 286. Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 275.)
Auf dem sogenannten Donatsthore in Freiberg befindet sich ein runder und sehr starker Turm, dessen Mauern 9 Ellen dick sind und den angeblich die Bergleute, so jeder nur einen Pfennig von seinem Solde abgegeben, haben erbauen lassen. Wenn man um die Stadt Freiberg herumgeht, so sieht man, wenn man vom Erbischen Thore nach dem Donatthor zugeht, einen kleinen viereckigen Wachtturm, hinter den sich, sobald man demselben gleichsteht, der große Donatturm verkriecht, also daß man an solchem nichts mehr als den Knopf von der oben darauf stehenden Fahne sehen kann, trotzdem daß der große Turm mehr als einmal so hoch ist, als der nächst vorstehende Wachtturm.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)
Auf der Nordseite der Burg Hassenstein steht, einige hundert Schritte von dieser malerischen Ruine entfernt, im dichten Walde ein hoher, geräumiger Turm, von dem umwohnenden Landvolke insgemein der »Marterturm« genannt. Der Sage nach wurde dieser Turm von einem der ersten Hassensteiner Burgherren für gefallene Mädchen und ihre Verführer gebaut. Doch es geschah, daß die Tochter des sittenstrengen Besitzen die erste schuldige war, und deshalb in den Grund des Turmes eingemauert, ihr Verführer aber vor dem Turme enthauptet wurde.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 347.)
In einem der Zimmer des Schlosses zu Nossen befand sich sonst ein Gemälde, auf dem ein Mohr vorgestellt war, der in einer Wanne saß. Den scheuern zwei Bademägde mit Katzenzagel und Sandhadern recht nachdrücklich, also daß ihnen der Angstschweiß über die Wangen läuft, können aber doch kein weißes Fleckchen an seiner Haut entdecken, wie die darunter stehenden Reime bezeugen: