An der Straße, welche von Thalheim nach Stollberg führt, steht auf der Höhe im Walde eine Restauration, »Tabakstanne« genannt, die ihren Namen von einer alten Tanne hat, in welche Handwerksburschen vor alter Zeit folgenden Reim schnitten:
In der Neuzeit ist an die Stelle der alten wurmstichigen Tanne eine junge gepflanzt worden, an der sich eine Tafel mit folgender Inschrift befindet:
(Nach Ziehnert bei Gräße a. a. O., No. 475.)
In Callnberg bei Lichtenstein, wo Kunz von Kauffungen die Gartenleitern (lederne Leitern mit Holzsprossen) für den Prinzenraub fertigte – der Ort gehörte seinem Vetter Dietrich – stehen noch heute ohngefähr 200 Schritte vom Rittergute an der Straße von Waldenburg nach Lichtenstein zwei sehr alte, jedoch nicht schön gewachsene Eichen, von denen man sagt, daß sie zum Andenken an den Prinzenraub gepflanzt worden sind. Die Scheune, in welcher jene Leitern angefertigt wurden, ist längst zerstört, der Platz aber mit einer Gedenktafel bezeichnet, deren Schrift mit der Zeit unleserlich geworden. Diesem Mangel wurde später durch folgende Inschrift abgeholfen:
(Hist. Nachricht von den Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz, 1734, S. 24. Gräße, Sagenschatz etc., No. 497, nach Curiosa Sax. und Ziehnert.)
Auf dem Pflaster der Schloßkirche zu Chemnitz sieht man einen dunkeln Fleck, der daher rührt, daß einst ein Mönch, der sich bei einer dort gehaltenen Himmelfahrtskomödie an der Maschine, die zum Hinaufziehen in ein oben befindliches Gewölbe oder Herablassen aus diesem diente, hinaufziehen ließ, im Herabfallen zu Tode stürzte. In derselben befindet sich auch das Bild des Abtes Hilarius, der dieselbe etliche Jahre vor der Vertreibung der Mönche hatte reparieren lassen. Dieses Bild darf aber von niemandem geneckt oder von seinem Orte weggenommen werden, wenn dem Thäter kein Unglück begegnen soll, wogegen es einst einer Hausmagd, die es hübsch gesäubert, diesen Dienst mit einem alten Thaler gelohnt hat.
Von den aus Stein gehauenen Bildern im alten Portal der Kirche wird gesagt, daß dieselben ein alchemistisches Geheimnis bedeuten sollen, und man zeigte auch das Gewölbe, in dem die Mönche Alchemie betrieben.
Ebenso sah man früher den Eingang zu der Höhle, durch welche die Mönche unvermerkt aus dem Kloster und absonderlich in das Minoritenkloster in der Stadt, bei welchem ein ähnlicher Gang unter der Erde gefunden worden war, hätten kommen können.
(Alfred Moschkau in der Saxonia II, S. 107.)
Im Keller des Hauses dicht neben dem Gasthofe zum Stern am Markte in Nossen soll ein altes, aus dem Kloster Altzella stammendes Steinbild eingemauert sein. Vor ihm haben sich, des zürnenden Blickes wegen, welches das Bild oft machte, die Dienstboten des Hauses so gefürchtet, daß es erst ohnlängst verblendet werden mußte.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, 495.)
Auf dem alten Schlosse Oberforchheim am Haselbache, an der Straße von Freiberg nach Annaberg, stand bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf dem Oberboden in einer Kammer ein alter Großvaterstuhl, den hieß man der Frau Mutter Stuhl und auf diesem lag eine hölzerne Statue, die aber sehr stark vergoldet war, und ein kleines Männchen vorstellte. Diese zwei Gegenstände kannte jedermann im Schlosse und im Dorfe, und alle hatten eine gewisse heilige Scheu vor denselben, denn man sagte, sie seien die Palladien des Rittergutes, und wenn jemand den Stuhl von seiner Stelle rücke oder das Männchen angreife und in eine andere Lage bringen wolle, der werde dafür schwer von demselben gezüchtigt. Da diente um diese Zeit auf dem Hofe ein Knecht, der sich vor dem Teufel nicht fürchtete und einst in seiner Vermessenheit sich gegen seine Mitdiener rühmte, er wolle doch sehen, ob ihm etwas geschehen werde, wenn er sich an dem Stuhle vergreife. Darauf ging er also hinauf, schob den Stuhl weg und gab dem alten Männchen einen Backenstreich; allein die Strafe blieb nicht aus, denn noch in derselben Nacht legte sich dasselbe im Bette auf ihn als schwerer Alp und drückte ihn bis es Tag wurde, in der nächsten litt es ihn ebenso wenig und in der dritten warf es ihn gar aus dem Bette heraus. Nun ward er zwar ängstlich, rückte auch den Stuhl wieder an seinen alten Platz, allein der Geist war auf immer seiner alten Wohnung abhold, denn er zog auf und davon. In den darauf folgenden Tagen brannte das ganze Rittergut ab, und so viel man sich auch Mühe gab, den Stuhl und das Männchen zu retten, das einstürzende Dach begrub beide unter seinen Trümmern und als man dieselben abräumte, war nichts mehr von ihnen übrig.
(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 1. Band, Schneeberg, 1750, S. 31.)
An der Landstraße bei Geyer stand ehemals das sogenannte Schächerhäusel, welches aus einem gemauerten Schwibbogen, so mit Schindeln gedeckt und vornen mit Staketen verwahret war, bestand; darin befanden sich drei Kreuzbilder. Dieses Schächerhäusel war wohl ein Überbleibsel des Papsttums, doch erzählte man, es diene dazu, die Reisenden vor dem Bergabgrunde, sowie vor Irrwischen und Berggeistern zu warnen.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 43.)
Diese kleine, nahe bei der Stadt Zwönitz gelegene Kirche, in welcher nur noch bei Begräbnissen und wenigen Festtagen gepredigt wird, soll ein Hufschmied aus Niederzwönitz zur Strafe getriebener Sodomiterei haben erbauen müssen. Zum schmachvollen Gedächtnis des Gründers hängen inwendig über der Thüre an einem Brette fünf vergoldete Hufeisen; fünf, weil er sein Verbrechen fünf Jahre lang soll getrieben haben.
Hufeisen kommen oder kamen an und in vielen Kirchen, z. B. an der Nikolaikirche zu Leipzig, in Nürnberg, Tangermünde etc., und zwar besonders an den dem heil. Nikolaus geweihten vor und das Volk verbindet damit verschiedene Sagen. So ist auch ein solches Eisen an der Domkirche in Wexiö in Schweden aufgehangen; dasselbe soll Odhins Roß Sleipnir verloren haben, als es beim ersten Geläute der ersten christlichen Messe einen gewaltigen Schlag gegen einen Felsen führte. Wo sich Hufeisen an und in den Kirchen finden, deuten sie vielleicht auf einen einst an demselben Platze gestandenen Tempel Wuotans hin. Die christlichen Bekehrer gestatteten, daß dieses Heilszeichen (nach einem noch heute weitverbreiteten Glauben bringt ein gefundenes Hufeisen Glück) dann an der Kirche aufgehangen wurde, um dem Volke wenigstem etwas von dem gewohnten Kultus zu lassen.
In den Nikolaikirchen bezieht sich das Hufeisen auf den heiligen Nikolaus selbst, der an die Stelle Odhins trat und als geharnischter Reiter gedacht wurde. In anderen Kirchen zeigte dieses Eisen vielleicht an, daß sich bei denselben eine Gesellschaft in »Not und Tod« befand, welche die an der Pest Gestorbenen bestattete und ihren Stifter, den Bischof Elegius, welchem das Hufeisen heilig war, als ihren Schutzheiligen betrachtete. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, 1858, S. 23.)
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Pros. Nachtrag, No. 2.)
In sächsisch Zinnwald steht (?), ohngefähr fünfzig Schritt von der Grenze entfernt, ein kleines hölzernes, von einem Bergmanne bewohntes Häuschen, an dessen hintern Deckbalken in der Stube folgender Vers eingeschnitten ist:
In den Jahren 1716 bis 1728 wurden nämlich die protestantischen Einwohner Böhmens ihrer Religion wegen hart verfolgt und sogar gezwungen, entweder zur katholischen Kirche überzutreten oder das Land zu verlassen. Wenige thaten das erstere, die meisten wanderten nach Sachsen aus. Unter letzteren war auch ein Bergmann, mit Namen Hans Hirsch. Er hielt fest an seinem Glauben und besann sich deshalb keinen Augenblick, was er thun solle; aber sein Häuschen, welches ohnweit der Grenze stand, hätte er gern mitgenommen. Darum beriet er sich mit seinen Freunden und Gevattern und endlich hatten sie's erklügelt. Das Häuschen ward auf Walzen gebracht und bei Nacht und Nebel glücklich nach Sachsen herüber gepascht auf den Fleck, wo es jetzt noch steht. Zum Andenken schnitt Hirsch obige Schrift in den Balken ein.
(Mündlich.)
Es wird erzählt, das Schloß Wildenfels habe in alter Zeit durch unterirdische Gänge mit Stein, sowie mit Wiesenburg, welches früher ein Raubschloß gewesen sein soll, in Verbindung gestanden. Ebenso soll ein Gang von dem Schlosse nach einer Burg geführt haben, deren Ruinen man noch vor Jahren in der »Loh«, einem sumpfigen Walddistrikte bei Schönau sah. Auf einen der Gänge ist man vor mehreren Jahren unter einem am Teichplatze des Städtchens Wildenfels gelegenen Hause gestoßen; man hat darin aber weiter nichts gefunden, als eine alte Grubenlampe.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 21; z. T. mündlich.)
Zum schnellen Anbau Oederans trug das nahe Freiberg mit seinem Silbersegen sehr vieles bei. Besonders waren es Eisenarbeiter, deren Arbeit und Erzeugnisse dem Bergbaue daselbst nötig waren, welche Oederan im Anfange bevölkerten. Für die Oederaner Ansiedler wurde zu dieser Zeit ein sogenannter Silberjude, der seine Wohnung im jetzigen Rathause hatte, der Mäkler und Gläubiger. Denn er lieferte die Silberstangen Freibergs größtenteils in das Oederaner Kloster, wo das Silber geschlagen und nach Nürnberg und Böhmen verpascht wurde, woraus man großen Gewinn zog und wobei man sich aber um die Unterstützung der Bewohner sehr wenig kümmerte. Nun zogen jener Jude und einige Mönche (es soll im Jahre 1236 gewesen sein) mit einem starken Silbertransport über Sayda nach Böhmen. Die erbitterten Oederaner schlichen ihnen bis Sayda nach, vereinigten sich dort mit den Bewohnern und besonders mit der Besatzung des dortigen Schlosses, überfielen und plünderten die ungetreuen Haushalter, schlugen den Juden tot und warfen ihn in einen Brunnen, welcher deshalb der Judenbrunnen genannt wurde.
Noch zeigt man am Gasthofe zum Bade in Sayda den Judenbrunnen. Nach einer anderen Überlieferung erinnert derselbe, ebenso wie eine Wiese, welche der Judenkirchhof genannt wird, an die alte Judenvorstadt, welche außerhalb der alten Stadtwälle etwas unterhalb des Judenkirchhofes auf einer Wiese lag, die jetzt noch den Namen »Flecken« trägt. Als im Jahre 1465 die Stadt abbrannte, wurde die Judenstadt nicht wieder aufgebaut, weil man den Juden die Schuld an dem Brande beimaß.
Man hat den Namen der Stadt und Burg Sayda (urkundl. Saydow, Seydowe) vom slavischen sid, der Jude, Adj. sidowy abgeleitet. Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge, Programmarb., Annaberg, 1866) stimmt dem jedoch nicht bei, sondern hält die Ableitung vom slav. sad, die Anpflanzung, der Garten, für richtiger. Er meint, daß vor den Juden die Slaven eine Ansiedelung gründeten, mit der Zeit sei aber aus sadowy, d. h. die zur Ansiedelung Gehörigen, saidow, seidow, Sidow geworden, welche letztere Form sehr gut wegen der Ähnlichkeit mit Zidow, Judenstadt, verwechselt werden konnte.
(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgeb. Dresden, 1847, S. 299. Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 591.)
Vom Fuße des Schloßberges Scharfenstein schiebt sich eine schmale, niedrige, kaum 10 Meter hohe Felsenrippe weit in das Thal hinein. Durch dieselbe wird die Zschopau genötigt, eine beinahe wieder zurücklaufende Krümmung zu machen und das Thal im weitesten Bogen an seinem äußersten Rande zu umkreisen. Bereits im 16. Jahrhunderte wurde ungefähr in der Mitte dieser Felsenbank ein 30 Meter langer Stollen durch dieselbe gebrochen, um das Flußwasser mit recht viel Fall zu der jetzt Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Im Jahre 1834 wurde derselbe erweitert, was später noch einmal geschah.
Die Sage erzählt nun über die Entstehung dieses Stollens folgendes: Nach dem dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern Scharfensteins wie anderwärts Räuber und Wildschützen, welche sich meist aus den entlassenen Söldlingen rekrutierten, umher. Ein Herr von Einsiedel, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß den Wildschützen mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von ihnen zu säubern, und es gelang ihm auch endlich, zwei derselben gefangen zu nehmen. Es gab damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der That ertappten Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr zögerte nicht, diese Strafe auch über die beiden gefangenen Raubschützen verhängen zu lassen. Dieselben sollten auf einen starken lebenden Hirsch, den man zu diesem Behufe eingefangen hatte, gebunden und dann ihrem weiteren Schicksale überlassen werden. Das war einen zehnfachen Tode gleich zu achten, denn man hatte Beispiele, daß nach Tagen und Wochen die geängstigten Tiere ihre schreckliche Last, zerfleischt und doch noch lebend mit sich herumschleppten. Als den beiden Missethätern das Urteil verkündigt worden war, erkannten sie sofort dessen furchtbare Bedeutung und sie flehten um Gnade. Den älteren von ihnen durchzuckte ein rettender Gedanke und er sprach zum Schloßbesitzer: »Gnädiger Herr, wir sind Bergleute unserem Berufe nach, und in diesem Fache gar wohl erfahren. Schon früher ist uns der Wunsch nahe gelegt worden, einen Stollen vom Wasserspiegel der Zschopau aus zu treiben, damit eine Wassermühle im Dorfe, an der es jetzt so sehr fehlt, angelegt werden könne. Erlaßt uns nur die furchtbare Strafe des Hirschreitens, und zur Sühne unserer Thaten machen wir uns anheischig, den besagten Stollen durch den hohen Felsen in Zeit von drei Tagen und drei Nächten zu treiben und zwar nur mit Schlägel und Eisen.« Der Schloßherr ging nach kurzer Überlegung auf den Vorschlag ein, und die beiden Verurteilten begannen sofort ihr schweres Werk. Es wurden ihnen Leute gestellt, welche die nötige Handreichung thun mußten, und genau nach Verlauf der ausbedungnen Zeit war der Stollen fertig. Die Wildschützen freilich waren vor Erschöpfung dem Tode nahe; halb entseelt lagen sie neben dem Stolleneingange. Doch erholten sie sich und der Ritter vom Scharfenstein hielt sein Wort und schenkte ihnen Freiheit und Leben.
Erzählt wird, daß der berüchtigte Raubschütz Carl Stülpner, Ende des 18. Jahrhunderts, ein Nachkomme des einen der Begnadigten gewesen sein soll.
(Meltzer, Hist. Schneebergensis, S. 1008.)
Im Jahre 1493 ist ein Schneeberger, namens Kegler, bestraft worden, weil er schmählich und leichtfertig von dem schneebergischen Frauenvolk geredet hatte, daß er alle frommen Weiber auf einem Karren vom Schneeberg führen wollte. Auf diese Rede hin, und weil er insgemein von den Frauen nichts gutes gesprochen, ist er gefänglich von den Gerichten eingezogen und ihm darauf zur Strafe auferlegt worden, daß er die große Pfütze zwischen dem Schnee- und Claußberge, da, wo jetzt das Rathaus steht, ausstürzen, und pflastern lassen solle. Trotz seiner Beschwerde wurde diese Strafe auch vom Herzog Georg bekräftigt. Das Pflaster aber, zu dem er über hundert Fuder Steine haben mußte, wurde lange Zeit nachher noch des Keglers Pflaster genannt.
(Mündlich.)
Unter den reichen Verzierungen in Steinmetzarbeit, womit das früher Trebra'sche Haus in Schneeberg ausgezeichnet ist, befindet sich auch als eine Art Wahrzeichen ein Kopf mit einer heraushängenden Zunge. Von dem Erbauer des Hauses, einem gewissen Bortenreuter, aber wird erzählt, daß derselbe seinem Vater, als ihm solcher einst Vorstellungen wegen des übermäßigen, an dem Hause angebrachten Luxus machte, in seinem Hochmute geantwortet habe, er sei so reich, daß er dies und noch mehr thun könne, er könne sogar die ganze Zobelgasse mit preußischen Thalern pflastern. Worauf ihm der Vater antwortete: »Du wirst es noch so weit bringen, daß Dich einmal in Deiner Armut die Läuse fressen!« Und so, wie es der Vater prophezeit, ist es endlich auch gekommen.
(Meltzer, Historia Schneebergensis, S. 1165.)
Zu der Kipper- und Wipperzeit, welche 1604 auf der Ostermesse in Leipzig ihren Anfang nahm und 1623 ihren Höhepunkt erreichte, so daß ein ganzer Reichsthaler 10 Gulden, ein rheinischer Gulden 13 fl. und ein Dukaten 17 Gulden gegolten, hat einer von Adel 1500 Gulden dieses leichten Geldes, nachdem es gefallen, beisammen gehabt, und da er noch die Unkosten darauf gewendet und das Silber und Kupfer von einander scheiden lassen, hat er nur so viel gehabt, daß er einen silbernen Löffel und einen kupfernen Fischkessel daraus hat machen lassen können.
(Meltzer, Hist. Schneebergensis, S. 912 und 920.)
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sollen einige Fundgrübner zu Neustädtel, die Meerbicken genannt, in ihrem Leben eine solche Pracht und sonst großen Überfluß im Essen und Trinken entfaltet haben, daß sie sich im Bade die Füße mit gebehetem Brot und Malvasier reiben ließen. Sie sind aber in kurzer Zeit so verarmt, daß sie zum Bettelstab greifen mußten und einer von ihnen in Neustädtel vor der Kirche um Almosen bat.
Ebenso ist auch von einem Fleischer, Nikol von Kirchberg, erzählt worden, daß er sich mit seinem Weibe in Malvasier gebadet habe, daß er aber später deswegen die äußerste Armut habe erfahren müssen. Dasselbe Schicksal traf auch einen Wolf Meyer, welcher sich in guter Zeit mit seinem Weibe in Rheinwein badete.
In Annaberg lebte eine vom Bergwerk sehr reich gewordene Frau, die unter anderer Verschwendung sich nicht nur in Wein gebadet, sondern auch ein Stückchen Landes, worauf Erdbeeren wuchsen, mit Malvasier begießen ließ. Als diese Frau hernach bettelarm geworden, sagte sie, sie danke Gott, daß er sie arm gemacht, denn sie würde sonst wenig an ihn gedacht haben.
(Meltzer, Hist. Schneeberg., S. 904.)
Daß man eine »Hengel-« oder »Vogelbirne« zu Schneeberg um 1500 Gulden verkauft, ist also zugegangen: Einer hat dem andern für eine solche Birne ein Stückchen Barchent, diesem ein anderer für den Barchent eine Nachtigall, und diesem wieder ein anderer für die Nachtigall einen Kux auf dem Gegentrum des Fürstenvertrager-Ganges, welcher anfangs nicht groß geachtet worden, gegeben. Und da der Kux so herrliche Ausbeute und zwar an die 1500 Gulden gebracht, hat man die Vogelbirne und die Ausbeute mit einander verglichen.
(H. Jacobi, Schneeberg, Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, 1881, S. 71.)
Von dem jetzigen Meichßner'schen Hause, Ecke des Marktes und Topfmarktes, erzählt man, daß eine Figur an der Marktecke ein Männlein mit 2 Broten, eins auf dem Kopfe und eins unter dem Arme vorstelle, was auf den Verkauf des Hauses um diesen Preis in der Teurung 1772 hindeuten soll. Ähnliches wird von dem ehemals Trebra'schen Hause berichtet, welches 1792 von einem Klöppelmädchen für 25 Thaler verkauft worden sein soll. Von dem Meichßner'schen Hause erzählt man übrigens noch, daß es jedesmal im Innern gespukt habe, wenn man das Bild an der Ecke entfernte, daß der Spuk aber wieder aufhörte, sobald die Figur an ihre alte Stelle gebracht wurde.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 80.)
Wie auf der St. Lorenz-Zeche zu Abertham eine Bergfeuchtigkeit aus einer Strossen gesintert und darunter das Liegende in den Strecken übersilbert und in den Klunsen des Trag-Tempels oder Kappen und Strauben »zeenicht Silber« gewachsen, da das Holz nicht viel über 20 Jahre im Berge gelegen, beschreibt Matthesius in seiner Sarepta mit diesen Worten: »Ich will euch eine wunderschöne Berghistorie sagen, von gediegenem Silber, das in St. Lorenz-Fundgrube auf dem Abertham innerhalb 20 Jahren in einem Stempel gewachsen und dies laufende 1556 Jahr aus der Grube gekommen ist.
Da sich der Steiger auf dem St. Lorenz in der Zeche umsiehet, wird er in einer Strecke gewahr, daß sich eine weiße »geharschte Art« im Liegenden, wohl halb Orts hoch angelegt hat, die sahe aus, als wäre das Gestein überzinnt. Solche sticht er ab und findet »in der Sicherung« weiß Silber, als wenn es von einem Thalergroschen abgefeilet worden wäre, und da er's probieren ließ, hielt es bis 17 Mark. Wie er sich aber umschauet, wann es dahin gesintert sei, wird er seiner gewahr in der First, daß es getropft sei aus einem schwebenden Feld, das oben und unten, hinten und vorn verfahren, welches nur seine Bergfeste noch hatte, kaum drei oder vier Spannen dick, und siehet, daß eine weiße Guhr oder molkenfarbiges Wasser erstlich auf den Stempel »gesiegen oder gesiefert«, und aus dem Stempel in das »Bunloch« geronnen, hernach im Liegenden herabgeflossen und sich allda »geliefert,« angelegt und »erherscht« hatte. Wie er aber den Stempel ausschlägt, findet er in »Strauben« und Spalten gediegen und »zänicht« weiß Silber, drein sich Haken schneiden ließen.«
(Chronica der fr. Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 36.)
Das Oberdorf von Mildenau hat wegen guter Ausbeute aus den vielen daselbst befindlichen Bergwerken »Reichenau« geheißen, daher auch noch hier bekannt, daß die Marktstraße der Oberdörfer nach Annaberg die Reichenauer Straße genannt wurde. Man soll vor Zeiten mit so großer Ausbeute begnadigt worden sein, daß die 12 Apostel in Lebensgröße aus Silber hergestellt wurden, welche darauf nach Grünhain gekommen sein sollen.
(Meltzer, Historia Schneebergensis, S. 144.)
Von etlichen alten steinernen Häusern zu Schneeberg, als der Fundgrübner Haus, des Koithen Haus, Dietrich Kadmanns, Wolf Meiners und Jacob Selings Haus findet man dieses sonderliche, daß dazu solcher Sand kommen sein soll, der weit mehr als die Häuser wert gewesen, welches man aber vor der Zeit, ehe man die Siebarbeit und nasse Pochwerke gehabt, nicht verstanden.
(Meltzer, Hist. Schneeberg., S. 917.)
Am hohen Gebirge auf der Unruher Gang bei Neustädtel ist eine Zeche gewesen, die Hundsfliegen genannt. Der Schichtmeister hat geheißen Georg Rücker, und sein Vorstand Brosius Teuschel; der Steiger hat geheißen Simon Tod, der Häuer mit dem Zunamen Teufel, und der Junge Leckhänsel. Zur Zeit sind Nürnberger, so da gebauet, herein gekommen, und da sie alle diese Namen der Amt- und Arbeitsleute auf der Zeche gehört, hat einer unter ihnen gesagt: »Ei Lieber, es ist kein guter Name auf der ganzen Zeche, und kein anderer, als Hundsfliegen, Rücker, Teuschel, Tod, Teufel, Lecker; was soll man da für gute Hoffnung haben? Ich will hinfort nicht mehr bauen.«
Es hat auch ein vornehmer Mann auf etlicher Leute Angaben am Gleeßberge geschürft und einen schönen Gang entblößet und die darauf angelegte Zeche »auf der fruchtbaren Sara« genannt. Aber auf eine Zeit hat er seinem Eidam, einem berühmten und hochgelehrten Manne, auch einen Teil angeboten und geschenkt. Da derselbe aber von ungefähr der Zeche Namen gehört, hat er gesagt: »Mein lieber Herr Vater, ich komme wieder zurück mit meinem Kuxbauen, der Name hat eine so gar böse Bedeutung. Sara ist 90 Jahre alt geworden, ehe sie fruchtbar gewesen; sollte ich nun auch so lange warten, so würde mir die Zeit zu lange und ich nimmer da sein. Ich will mich hiermit freundlich bedanket haben.«
(Meltzer, Hist. Schneebergensis, S. 1164.)
Als im Angehen des Schneebergs die köstlichen Erze in großer Menge zu Zwickau an dem Orte, da der Holzanger ist, geschmolzen und sehr viel guter Schlacken in die Mulde gestürzt worden, welche dann, wenn sie angeschwollen, dieselben fortgeführt, hat sichs über demselben Schmelzen einstmals zugetragen, daß man aus Mangel der Fuhre in bösem Wetter und Wege eine ganze Woche kein Erz nach Zwickau geführt. Da man nun drinnen vermeinte, daß man noch länger in der Schmelzhütte kalt liegen müsse, ist in solchen Gedanken ein Schmelzer nach einem Regen hinaus auf einen Schlackenhaufen spazieren gegangen, und weil ihm die Schlacken, als wenn Silberflitzschen darauf lägen, in die Augen geschimmert, hat er dieselben genommen, durchgesetzt, und so die Tage über mehr Silber aufs neue, als je zuvor daraus gemacht. Da nun der Hauptmann oder Verwalter (andere wollen wissen, es sei Römer gewesen), welcher zu ihm gekommen, gefragt, woher das Silber käme, und er dessen, was sich begeben, berichtet worden, ist er mit dem Schmelzer auf die Knie gefallen und hat Gott um Verzeihung gebeten, daß den Gewerken und Fürsten so übel vorgestanden und die herrlichen Gaben Gottes so unnütze, jedoch wider sein Wissen, umgebracht, und so viel köstlicher Schlacken vom Wasser weggeführet worden wären.
(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, 1863, S. 52. – Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., 1804, S. 52. W. Clauß, Führer durch das Weißeritzthal, 2. Aufl., S. 33.)
Einst gab der Höckendorfer Bergbau, und besonders das aus acht zusammengeschlagenen Zechen bestehende Berggebäude Edle Krone ungewöhnlich reiche Ausbeute an Silber, bisweilen auch an Gold, das man hier und in der nahen Gegend in Stockwerken fand. Mehrere Stellen alter Grubenrisse sind mit dem Ausdruck: »Das ist der rechte silberne Mandelmann«, bezeichnet. Die Herren von Theler wurden infolge dieses Silberreichtums sehr übermütig. Ein Conrad von Theler aber, welcher wie seine Vorfahren den Pferden silberne Hufeisen aufschlagen und wo er ritt, Geld ausstreuen ließ, auch das Aufheben eines dieser etwa verloren gegangenen silbernen Hufeisen von seiten seiner Unterthanen verbot, damit man wisse, welchen Weges die Theler gezogen, soll am 9. Sonntag nach Trinitatis, am 25. August 1557, um es in seinem Hochmut dem Herzog Albrecht in der St. Georgszeche zu Schneeberg gleich zu thun, der Ritterschaft der Umgegend ein glänzendes Gastmahl in seiner reichen Silbergrube »Zur Edlen Krone« gegeben haben, in welcher die Knappen Tische und Bänke aus den edelsten Metallen gehauen und alles Geschirr der Tafel von gediegenem Gold und Silber gewesen sei. Als man nun tief unter der Erde in wilder Lust geschwelgt und sogar mit silbernen Kugeln nach silbernen Kegeln geschoben habe, da sei von Bärwalde her ein furchtbares Gewitter aufgezogen und habe sich unter orkanähnlichem Sturme mit Wolkenbrüchen über das Thal der wilden Weißeritz entladen und der über sieben Ellen hoch anschwellende Fluß habe sich mit solcher Macht in das offen stehende Stollenmundloch der Edlen Krone gestürzt, daß der Ritter von Theler mit all' seinen Gästen und Dienern da unten ertrunken und all' kostbares Geschirr und zur Prunkschau aufgestelltes Silbererz verschüttet und verschwemmt worden sei. Seitdem ist der dortige Bergbau nie wieder recht in Gang gekommen; daß er aber einst schwunghaft betrieben worden, beweisen eine Menge Stollenmundlöcher, beraste Halden, Überreste eines großen Kunstgrabens und von Pochwerken, große Schlackenhaufen und dergl. mehr.
Eine angebliche Urkunde erzählt, es seien von dem Stollenmundloche aus, vor welchem man die Küche errichtet, die Speisen auf silbernen Schüsseln in die Grube getragen worden, und die Aufwartung von den Bergleuten der Edlen Krone und anderer Werke geschehen. Bei dem Banket habe ein ganzes Chor Musikanten aufgespielt und der Überschuß der Grube, 35000 Thaler in Silber, sei auf der Gasttafel zur Schau aufgestellt gewesen. »Als nun die Herren sich wohl bezecht und besoffen, da sei ein sehr schweres Gewitter von Frauenstein herunter nach Bärwalde gezogen, welches denn die aufwartenden Bergleute gesehen und es den Schmaußenden in der Grube vermeldet, auch erinnert auszufahren, weil man nicht wissen könne, was der große Gott etwa verhängen möchte, haben darauf einige von den Sauf- und Freßbrüdern gottloser und frevelndlicher Weise geantwortet: »Sie wären in der Grube sicher genug, es möchte draußen zugehen, wie es wollte«. Da denn sogleich im Moment ein schrecklicher Wolkenbruch vor Bärwalde hernieder gefallen, auch ein rechtes Erdbeben erfolget, und die Weißeritz in einem Nu so plötzlich angeschwellet, daß das Wasser das Stollenmundloch gleich erreichet und darinnen hinuntergelaufen, so viel nur hätte hinein gekonnt. Was nun im Abteufen auf Arbeit gelegen, ist sogleich umgekommen, die aber oben auf dem Stollen bei der Fresserei gewesen, sind zu den Tageschachten hinausgefahren, da sind fast alle beschädigt worden, weil von der grausamen Erschütterung die Tonnenbretter und ganze Zimmerung in den Schachten ab- und losgeworden und den Auffahrenden entgegengekommen, und dies ohne großen Schaden nicht abgegangen.
So sind denn in wenigen Minuten die sonst im ganzen Lande so sehr berühmten Bergwerke zu Grunde gegangen. Das Silber, das ganze Silberservice, die Musik liegt bis zu dieser Stunde samt allen verunglückten Menschen in der Grube«.
Auch diese Mitteilungen sind nur Sage, denn die zuverlässigsten sächsischen Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderts erwähnen nichts von dem Gastmahle. Historisch ist wohl nur die Vernichtung der Bergwerke durch einen Wolkenbruch am 25. August 1557. Wahrscheinlich hielten die Ritter von Theler bei den damaligen nur geringen Hülfsmitteln die Wiederherstellung der ersoffenen Gruben für unmöglich. Im Jahre 1565 verkaufte Benno von Theler Höckendorf mit dem Rechte des Bergwerks an den Kurfürsten August für 25000 meißnische Gulden. Bis in das 17. Jahrhundert müssen einzelne Zechen noch gangbar gewesen sein; spätere Bergbauversuche wurden hauptsächlich durch die Kriege im 17. und 18. Jahrhundert vereitelt; im gegenwärtigen Jahrhundert nahmen die Gesellschaften »Edle Krone« und »Unverhofft Glück und Gottes Segen Erbstolln« den dortigen Bergbau wieder in Angriff. (Sachsengrün, 1860, S. 19 und 20.)
(Sachsengrün, 1860, S. 20.)
In der Kirche von Höckendorf befinden sich unter dem Altare die Erbbegräbnisse der durch den Silberbergbau so reich gewordenen Ritter von Theler. Eine arme hülflose Somnambule, welche im Höckendorfer Pfarrhause längere Zeit Aufnahme gefunden, war in der Nähe des Altars jedesmal von einer fieberhaften Unruhe ergriffen worden und hatte dann erklärt, daß sie hier nicht bleiben könne, da unter ihren Füßen Metall vorhanden sein müsse. Die Sage geht auch, daß die Edlen von Theler in diesen Grüften in silbernen Särgen ruhen.
(Mündlich.)
Früher waren die Silbergruben in Niklasberg, Klostergrab und Moldau in starkem Betriebe; erzählt wird, daß sie in den Hussitenkriegen eingingen. In Niklasberg wurde der Stollen verschüttet und die Hussiten nahmen die Grubenzeichnungen, welche jetzt in Dresden liegen sollen, mit. In Moldau zeigt man noch die Orte, wo der Stollen mündete und die Wäschen waren. Im Stollen soll ein Ort sein, die »Schatzkammer« genannt, an welchem aus jener Zeit noch viel reiche Silbererze liegen sollen. Vor Jahren wollte man dieselben nach Freiberg verkaufen, der Handel zerschlug sich aber, weil man daselbst nicht genug Geld hatte.
(v. Trebra, Erklärung der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil der Gebürge im Bergamtsrevier Marienberg. Annaberg, 1770, S. 69. Darnach bei Gräße, Sagen des K. S. 2. Aufl., No. 584.)
Im Jahre 1728 hatten sogenannte Rutengänger Risse zu Erzgängen in dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau liegt, angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet, diese Züge zu noch mehrerer Gewißheit erschürfen zu lassen; man fing Röschen (d. i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufte) an, man trieb einen Stollen nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken, welche diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich niemand, der bloß auf diese Anzeichen der Rute hin sich damit einlassen wollte. Nun war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen Ansprung und Olbernhau, dem man schon längst schuld gegeben hatte, daß er gegossene Arbeit von einem Metall verfertige, welches dem Silber gleich komme. Er leugnete dies aber und wollte niemals zugestehen, daß er das Metall kenne, welches in seiner Fabrik verfertigt werde. Da führte der Zufall im Jahre 1735 den Richter von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des Hufschmieds, wo er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt, was er schmelze, und gestand, daß er Stücken von dem im Theesenwalde am Wege stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe, um zu sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter gerade wissen. Der Künstler mußte sich also entschließen mitzugehen, um den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem Wundersteine etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und zu einem Produkt geschmolzen, das wie Speise (Gemenge von Metallen und Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte gemacht wurde, hielt dieses Produkt 128 Lot Silber und 60 Pf. Garkupfer. Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte dergleichen Speise ein Lot gegeben. Tages darauf mutete der Richter unverzüglich und zwar gleich geviert Feld; in wenig Tagen wurde auf 20 Mutungen beim Bergamt eingelegt, in vier Wochen stieg die Zahl auf 80, und gegen 60 Lehnträger suchten ihr Glück und fast alle auf geviert Feld. Wenn man die Rute nach Kupfer und Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger Weise fast gar nicht in die Höhe zu bringen, man mochte auf dem Gebirge damit hingehen, wohin man wollte; was war also sicherer, als daß das ganze Gebirge Silber und Kupfer sein mußte? Alles lief nun nach dem Theesenwalde und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen zusammenbrachten. Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah also ein, daß nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse graue und braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht ganz ohne Silbergehalt waren. Die schon halb betrogenen Eigenlöhner und Gewerken verlangten nun ein Probeschmelzen im großen und es fand sich ein Schmelzer aus Beyerfeld, in dessen Geschicklichkeit die Gewerken ihre Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute mußten zurücktreten und den Fremden alles nach seinem Kopfe einrichten lassen. Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen Bergarten konnten nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere Einrichtung des Ofens und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von Katharina-Fundgrube zu Raschau und von Geyer brachten die Freiberger Hüttenleute das Gemenge zwar in Fluß, doch fiel nicht mehr Rohstein davon und dieser auch nicht reicher, als geschehen sein würde, wenn auch ohne Zusatz von den Theesenwälder Gebirgsarten die Kathariner und Geyerischen Kiese für sich allein geschmelzet worden wären. Dabei war auf einige Zeit das Geschrei vom Theesenwalde zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch ein Maler aus Bilin einfand, der mit verdoppelter Geschicklichkeit im Schmelzen diese Theesenwälder Gebirgsarten dennoch mit Vorteil zu Gute machen wollte. Er verlangte die Erlaubnis zum Anlegen eines Ofens, man erlaubte es ihm auch, aber alles ohne Erfolg.
So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständnis nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was kaum glaublich war, oder aber, um das Geheimnis seiner Nahrung zu bewahren, dieses Erzgeschrei veranlaßt hatte, oder endlich, ob die geheimnisvolle Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt hatte, weil ihr Schützling sein Geheimnis ausgeplaudert hatte. Dies war das Wahrscheinlichste, denn man hatte ja zuerst reiches Silber in dem Gesteine entdeckt.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 187. G. Geitner, Wegweiser durch die Treibgärtnerei zu Planitz, S. 14.)
Bei Zwickau ist ein brennender Berg (jedenfalls die Strecke zwischen Cainsdorf und Planitz, welche der Bockwaer Kommunwald bedeckt und wo man heute noch auf eine Menge Brandspuren stößt), daher manch Fuder Steinkohlen wird zu Markte gebracht. Dieser Berg ist um das Jahr 1479 mit einem Büchsenschuß angezündet worden, da ein Waidmann einem Fuchse nachgejagt und so unvorsichtigerweise ein Schuß in die Grube geraten, wodurch die Steinkohle angezündet worden. Obgleich zu gewisser Zeit wie im Sommer das Feld daselbst grünet, Laub und Gras trägt, so kommt dennoch das Feuer bisweilen bis unter den Rasen, zündet Berggebäude an und versenget Birken und andere Bäumlein.
Eine andere Sage erzählt von einem Bürger Zwickaus, welcher einen Fuchs aus dem Bau räuchern wollte und dabei nicht nur die oberen Kohlen, sondern auch den darüber stehenden Wald anzündete. Noch andere suchen die Ursache des Brandes in dem Anzünden eines Ameisenhaufens und endlich in dem Einschlagen des Blitzes in Stollen, wo die Kohlen zu Tage standen.
(Moller, Theatrum Freibergense, Chron. II., S. 38.)
Als Kaiser Adolf im Jahre 1296 mit großer Macht nach Meißen kam, zog er an Zwickau und Chemnitz vorüber nach Freiberg, in der Absicht, sich dieser Stadt wegen ihrer reichen Bergwerke und ihrer Treue gegen den Markgrafen Friedrich zu bemächtigen. Dabei begab sichs, daß sich einer seiner Obersten mit seinem Regimente auf einer hohen Halde lagerte, um die Stadt zu übersehen und ihre Mauern und die Tiefe der Gräben zu erkunden. Weil aber die Halde zuvor von Bergleuten durchfahren worden und voll heimlicher Schächte war, ist der ganze Berg mit großem Krachen und Prasseln eingegangen und der Oberst ist dabei elendiglich umgekommen. Dieser Fall hat den Kaiser also furchtsam gemacht, daß er sich wieder zurückgezogen und sich nicht eher lagern wollte, bis man alle Gelegenheit um die Stadt fleißig ausgekundschaftet hatte. Als dann seine Quartiermeister hartes und festes Erdreich antrafen, hat er sein Lager aufgeschlagen und darauf alles zum Angriff und Sturm auf die Stadt vorbereiten lassen. – Der genannte Erdfall soll vor dem Donatsthor auf dem dürren Schönberge geschehen sein.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 614–617.)
Am böhmischen Grenzgebirge liegen zwei alte wüste Schlösser, Himmel- und Hauenstein genannt; in und um dieselben haben sich lange Zeit grausame Gewürme und Schlangen, Wiesenbäume groß, sehen lassen, welche die Fische aus den Bächen, und die in Fallen und Dohnen gefangenen Vögel gefressen. Einst hat dergleichen Schlange auf den Hauensteiner Gründen einen Schützen von Joachimsthal vom Vogelherd weggejagt, die Vögel erbissen und gefressen, und als der Schütz nach ihr geschossen, hat er an der Spur im langen Waldgras abnehmen können, daß sie eines Scheitholzes dick und viel Ellen lang gewesen, dafür sich alle Bauern umher gefürchtet.
Als die Bergstadt Joachimsthal in Flor stand, ging im Jahre 1530 des Rats Schütze auf die Wälder, eben da die Himbeeren reif waren, etwas vom Wild auf Befehl zu schießen. Da wurde er unversehens eines aus den Himbeersträuchern hervorragenden Kopfes mit erhabenen Ohren gewahr, in Gestalt eines Fuchses, der die Beeren abfraß. Und weil er meinte, es wäre ein so vermutztes Reh, gab er Feuer und traf den Wurm an den Kopf, daß er 3 Ellen lang in die Höhe sprang, sich krümmete und überschlug, bis ihm der Schütze vollends den Rest gab. Er erschrak über das häßliche Wildpret, schlang es an eine Winde und schleppte es Wunders wegen nach Joachimsthal. Die Herren ließen den Balg abziehen und nach Prag bringen.
(H. Gerlach, Kleine Chronik v. Freiberg, S. 90. – Geschäftsanzeige der Bauerhasen-Bäckerei von A. Thümmel in Freiberg.)
Markgraf Friedrich der Freidige hielt sich gern in seiner getreuen Bergstadt Freiberg und in der Mitte ihrer Bürger auf. Im Jahre 1292 gab er daselbst ein großes Gastmahl, zu welchem viele weltliche und geistliche Herren eingeladen waren. Unter den letzteren befand sich auch der Abt Bruno aus dem Barfüßler-Kloster. Obschon derselbe oft gegen Unmäßigkeit predigte und behauptete, je mehr ein Mensch faste, um so eher komme er ins Himmelreich, so hielt er für seine eigene Person doch viel auf's Essen und Trinken und trug deshalb einen gewaltigen Schmerbauch vor sich her. Auch bei diesem Festmahle hatte er schon weidlich gezecht, als nach Mitternacht der Hofkoch Bauer einen duftenden Hasenbraten auf die fürstliche Tafel setzte. Schon wollte sich der Markgraf ein Stück davon auf den Teller legen, da rief der Abt ihm zu: »Durchlaucht halten zu Gnaden, es ist soeben ein Fasttag angebrochen, und Ihr wollt Euch doch nicht versündigen?« »Wäre denn wirklich die Sünde so groß, wenn wir zum Schluß noch ein Stück Hasenbraten zu uns nehmen?« fragte der Markgraf, und der Abt erwiderte: »Gewiß! Ich kenne auf Gottes weitem Erdboden keine größere Sünde. Auch habe ich mehr als einmal bemerkt, daß es Frevlern, die sogar am Feiertage Fleisch essen, sehr übel aus dem Halse riecht. Nehmt Euch ein Beispiel an mir; schon seit einer halben Stunde habe ich keinen Bissen mehr gegessen.« Alle sahen den geistlichen wohlgenährten Herrn betroffen an, schwiegen jedoch, und der Koch mußte den schönen Braten wieder abtragen. Obschon er ihn darauf selbst ohne Gewissensbisse verzehrte, so ärgerte er sich doch nicht wenig über den gestrengen Sittenprediger, welchen eine Stunde später sechs Diener in seinen Wagen tragen mußten. Bei einem späteren Gastmahle auf der Burg Freistein traf es sich nun, daß abermals ein Fasttag folgte, und jetzt brachte nach Mitternacht der lustige Koch Bauer wieder einen Hasenbraten auf die Tafel. Da konnte sich nun der Abt nicht enthalten, dem sündhaften Koch eine derbe Strafpredigt darüber zu halten, daß er den Fasttag nicht heilige und einen gottlosen Braten auf die Tafel setze. Der Koch aber sprach behaglich lächelnd: »Nun, das ist ein Hase, den jeder gute Christ am Fasttage essen darf, ohne sich der Sünde zu fürchten!« Während dieser Verteidigung hatte der Markgraf schon den Hasen angeschnitten und zu seinem Vergnügen bemerkt, daß der scheinbar wohlgespickte Hase nur ein mit Mandeln ausgestattetes Gebäck in der bekannten Form des Bratens war. Da wollte der Strafprediger selbst nach dem Gerichte langen; er erhob sich, verlor aber bei seinem schweren Kopfe das Gleichgewicht und riß dabei alles mit sich von der Tafel herab. Er war auch nicht vermögend, sich selbst wieder aus dem Wirrsal zu erheben, so daß auf Befehl des Markgrafen die Diener hülfreiche Hand anlegen mußten. Das Gebäck erhielt nun den Namen »Bauerhasen«; alle adeligen Herren wollten in der Fastenzeit solche Bauerhasen essen, die auch in den Klöstern nicht verschmäht wurden. Doch wollte man behaupten, auf manchen vornehmen Tafeln habe man aus Versehen auch an Fasttagen ganz ordentliche Krauthasen statt der Bauerhasen aufgetragen. Anfangs nannte man das neue Gebäck auch »Brunohasen«; allein der Abt protestierte lebhaft gegen diese Bezeichnung und so erhielt es seinen noch jetzt gebräuchlichen Namen zu Ehren seines Erfinders.
Die Bauerhasen aus Freiberg fanden gute Aufnahme an allen deutschen Höfen, wurden sogar kistenweise in fremde Länder gesendet, und auch noch in unsern Tagen verläßt selten ein Fremder die Stadt Freiberg, ohne den Seinen einen Bauerhasen mitzubringen.
(Marbach, Das in der Freiheit lebende Schöneck I. Schneeberg, 1731 S. 21. Ulrich Schneider in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung 1883. No. 31.)
Kaiser Karl IV. hatte 1370 der Stadt Schöneck verschiedene Freiheiten, welche auch Elbogen »von altersher redlich gehabt und gehalten hat«, verliehen, wofür die Stadt nur verpflichtet war, »fünf Pfund Schwäbischer Heller in einem neuen hölzernen Becher zu geben,« wenn der Landesherr in eigener Person dorthin kam, oder wie es in der Urkunde heißt: »So Wier mit unser selbst Leibe zu ihn kommen, nur einß in dem Jahre.« Von niemand aber kann man gründlich erfahren, wodurch der Kaiser bewogen worden war, der Stadt Befreiung von allen sonstigen Abgaben zu erteilen. Einige sagen, es habe dieser Kaiser, der ein Liebhaber der Jagd gewesen, sich in dortigen Wäldern einmal mit seinem Gefolge verirrt und sei hernach von einem Waldmann oder Holzarbeiter heraus nach Schöneck geführt worden. Nach einer andern Sage ist der Kaiser Karl, welcher sich oftmals in Karlsbad aufgehalten hat, von Räubern überfallen und verfolgt worden, so daß er sich mit seinen Leuten in den Schönecker Wald flüchtete, wo ihm die Bürger von Schöneck Beistand leisteten und von den Räubern erretteten. Zum Danke dafür hätten darauf die Schönecker ihre Privilegien erhalten.