[5] Die Zschopau, Freiberger und Zwickauer Mulde.

[6] D. M. L. Doctor Martin Luther.

[7] M. D. L. V. (1555) starb die Witwe Kurfürsts Moritz.

794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem jetzigen Platze erbaut wurde.

(Nach einer Mitteilung des Pfarrers Friedlein in Oberwiesenthal.)

Von jeher hatten das Städtchen Böhmisch-Wiesenthal und das Dorf Stolzenhan gemeinschaftlich eine Kirche, welche früher an der Stelle stand, wo sich jetzt der Gottesacker beider Orte befindet. Als die Kirche sehr baufällig geworden war, wollte man eine neue bauen, jedoch konnte man sich nicht darüber einigen, wohin dieselbe gebaut werden sollte. Die Stolzenhaner wollten sie nach Stolzenhan und die Wiesenthaler nach Wiesenthal haben. Endlich kam man überein, die Kirche auf dem Grund und Boden derjenigen Gemeinde zu erbauen, wohin der Turmknopf, dessen Niedersturz man baldigst erwarten konnte, fallen würde. Der Knopf fiel auch endlich, und zwar auf Stolzenhaner Gebiet. Ein Einwohner von Wiesenthal aber, welcher zufällig auf seinem Acker in der Nähe arbeitete, zog die Turmspitze mit dem Knopfe eiligst hinüber auf die Wiesenthaler Seite. Somit wurde die neue Kirche in Böhmisch-Wiesenthal und nicht in Stolzenhan gebaut.

795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.

(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)

Die Hauptmannsgrüner wollten einmal eine Wiese nach einem andern Platze ziehen und schlugen einen Pfahl ein, daran befestigten sie ein Ortscheit und spannten Ochsen vor. Als nun der Wind die Schmielen bewegte, hielten sie dafür, daß die Wiese fortrücke. Und als die Ochsen noch mehr angetrieben wurden, rissen die Stränge und die Ochsen liefen bis nach Stenn. In Stenn ist das Ortscheit liegen geblieben und es soll noch heut dort liegen.

Ein andermal konnten die Hauptmannsgrüner das Zapfenloch eines Teiches, dessen Wasser abgelassen werden sollte, nicht auffinden. Da sagte der Richter: »Nun müssen wir'n aussaufen.« Er legte sich zuerst hin und nach ihm die Bauern, und sie fingen an zu trinken.

796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.

(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)

Von den Ebelsbrunnern wird erzählt, daß sie einst den aufgegangenen Mond dicht am Berge stehen sahen; da holten sie Stangen, um ihn herunter zu schlagen, und es entstand in Folge dessen das Spottlied:

»In Abelsbrunn
Sein se hameldumm,
Nehm' se lange Stang',
Woll'n den Manden fang'!«

Th. Schäfer, (Sächs. Volksfreund 1880, 1. Dez.) erzählt auch von den Eibenstockern, daß sie einst auf den Auersberg gezogen seien, um den Vollmond mit einer Stange herunter zu holen. Eine ähnliche Sage findet man im Fichtelgebirge. Auch den Zellern wurde von den Münchbergern nachgesagt, daß sie mittels langer Stangen den Mond vom Himmel »herunter zu stieren« suchten. Dabei weist Zapf (Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 185) darauf hin, daß zu dieser Sage uralte Vorbilder vorliegen, indem schon der griechische Arzt Hippokrates (geb. 460 v. Chr.) von Menschen spricht, welche durch magische Künste und Opfer den Mond herabziehen. Die Medea wurde in dieser Kunst von der Göttin Hekate unterrichtet, und ebenso waren ihrer auch insbesondere die Thessalerinnen mächtig.

797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.

(Rankewitz, Kurze Beschreibung des Schlosses Augustusburg. 1836. S. 5.)

Einige sagen, daß das Schloß Augustusburg so viele Fenster gehabt habe, als das Jahr Tage, so viel Feueressen, als es Wochen, und so viel Wetterfahnen, als es Monate enthält.

(In ähnlicher Weise sagt man auch von dem Schlosse Rothenhaus i. B., daß es gerade so viel Fenster habe, als Tage im Jahre.)

798. Sprüche von der Stadt Freiberg.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen. No. 289.)

Die Stadt Freiberg ist nicht bloß durch ihren reichen Bergsegen, sondern auch durch ihre Schönheit von alter Zeit her berühmt gewesen; davon sagt ein altes Sprichwort: »Wenn Leipzig mein wäre, wollte ich es in Freiberg verzehren.«

Obgleich das Freiberger Bier keinen besondern Namen hatte, wie es im 16. und 17. Jahrhundert Mode war, so gab es doch zu einem andern Sprichworte Gelegenheit. Dieses hieß: »Es kitzelt einem in der Nase, wie das Freiberger Bier.«

Ein anderes Sprüchlein, welches sich zugleich mit auf zwei andere Städte Sachsens bezieht und deren Untergang prophezeit, lautet:

»Meißen wird ertrinken,
Freiberg wird versinken,
Dresen
Wird man zusammenkehren mit Besen.«

799. Todaustreiben.

(Gottl. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes. 1794. S. 309. Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg. S. 99 etc.)

In Königswalde bei Werdau erhielt sich bis 1630 folgendes:

Am Sonntag Lätare ward jährlich ein Strohbild verfertigt, welches in dem einen Jahre einen Mann, im andern ein Weib darstellte. Diesem Bild ward von den ledigen Personen beiderlei Geschlechts mit Hülfe einer Leichenfrau als eine Leiche angezogen, mit grünen Blättern und Wintergrünkränzen geziert, das Haar ward aus Flachs verfertigt, und das ganze Bild an eine Stange angemacht. Nach Endigung des Nachmittaggottesdienstes ward es durchs ganze Dorf getragen, und eine Menge Volks, groß und klein, folgte mit Gesang nach. Endlich ward es auf eine Wiese gebracht, mit Ungestüm zerrissen und in den Bach geworfen. Die Wiese, wohin in Königswalde dieses Bild gebracht ward, heißt noch heut' die Todenwiese; sie liegt neben der heiligen Wiese nach Langenhessen zu. Man nennt diese Ceremonie den Tod austreiben, und der Sonntag Lätare hieß der Todensonntag.

An einigen Orten des böhmischen Erzgebirges wird noch gegenwärtig am Sonntage Lätare das Todaustreiben unter der Bezeichnung des Todaustragens (»Tudaustrog'n«) gefeiert. Von fünf Knaben zieht sich einer als Tod (Winter) an, ein anderer als König, der dritte als dessen Tochter (Lenz) und die übrigen als Diener (Sommer und Herbst.) Der König, wohl den Herrn der Jahreszeiten personifizierend, trägt eine goldpapierne Krone und einen Rocken als Szepter. Die Königstochter ist ihrer Würde angemessen aufgeputzt, verschmäht es indessen nicht, Geld und andere Geschenke entgegen zu nehmen. Die Diener tragen Degen, der weißgekleidete Tod ein Bund Späne. Alle aber, mit Ausnahme des Winters, sind mit bunten Bändern geschmückt; deshalb heißt dieser Gebrauch auch der »Bändertod«. Die Gesellschaft zieht von Haus zu Haus und führt ein kurzes dramatische Spiel auf, dessen Inhalt folgender ist: Die Diener, in der Folge auch der Tod, halten um die Hand der Königstochter an. Letzterer büßt seine Vermessenheit mit dem Leben, indem ihn der König niedersticht. Die beiden übrigen Brautwerber stehen zitternd da, weil sie eine gleiche Strafe befürchten. Der König überwindet indessen seinen Zorn bald und lächelnd legt er die Hand des Sommers in die seiner Tochter, welche er auffordert, daß sie sich von dem anderen Freier durch Darreichung der von ihr gesammelten Gaben loskaufe.

An andern Orten tritt diese Sitte in nachfolgender Gestalt auf: Mehrere Knaben gehen mit einer langen Stange, an die oben ein Querholz befestigt ist, von Haus zu Haus und sammeln alte Kleider, die dem den Tod darstellenden Holzgerippe angethan werden. Nach Vollendung dieser Toilette ist der Teil der Vorbereitung vorüber und nun geht der eigentliche Umzug vor sich, indem man den Tod durch das Dorf trägt und dabei singt:

»Tud aus! Tud aus!
Hätt'n m'r 'n Tud nich ausgetrog'n,
Hätt ar uns im Bett erschlog'n.
Tud aus! Tud aus!«

Zuletzt wird der Popanz ins Wasser geworfen. Dies ist das Signal für die Knaben, eilends die Flucht zu ergreifen. Wer am meisten zurückbleibt, heißt der »Tud'nvota« und wird als solcher das Jahr über geneckt.

Das Todaustragen ist ein Privilegium der Mädchen. Knaben bringen ihnen aus dem Walde ein kleines Fichtenbäumchen. Die Mädchen schmücken erst dieses und dann sich selbst aufs beste und schönste. Darnach tragen sie das Bäumchen von Haus zu Haus und singen in jedem ein Liedchen, wofür sie Kuchen, Kaffee und Geld erhalten. Letzteres wird zu Kerzen für die Kirche oder Kapelle verwendet.

Das Todaustreiben fand sich früher an vielen Orten Sachsens, besonders der Lausitz und des Vogtlands, ferner in Böhmen, Schlesien u. s. w. Meist wurde dabei von den jungen Burschen ein Strohmann, welcher den Winter, in der späteren christlichen Zeit aber den Tod vorstellte, angeputzt, unter Gesang durch das Dorf getragen und endlich ins Wasser geworfen oder verbrannt. Mit grünen Zweigen geschmückt kehrte die Jugend wieder heim. Im Vogtlande sang man dabei das Lied:

»Wir alle, wir alle kommen 'raus,
Und tragen heute den Tod 'naus,
Komm' Frühling wieder mit uns in das Dorf,
Willkommen lieber Frühling!«

In Deutsch-Böhmen sang man:

»Nun treiben wir den Tod aus,
Den alten Weibern in das Haus,
Den Reichen in den Kasten,
Heute ist Mitfasten!«

Das Todaustreiben war ein Nachklang des alten Frühlingsfestes, von dem wir auch Andeutungen bei den alten Griechen und Römern, ja selbst in Persien und Indien finden, und das jedenfalls die indoeuropäischen Völkerstämme aus ihren Ursitzen in Asien mitbrachten. Bei den heidnischen Germanen wurde es vielleicht zu einem Feste der Ostara, der Göttin des aufgehenden Lichtes, oder der mütterlichen Erdgöttin Nerthus oder auch Odhins, bei den Slaven zu einem Feste der Ziva, der Göttin des Lichts und der Fruchtbarkeit.

Es ist sicher, daß die in verschiedenen Gegenden gefeierten Maifeste, bei denen eine Maikönigin oder ein Maikönig einzog, oder ein Maigraf aus dem Walde in die Stadt eingeholt wurde, oder bei denen man den in Tannenrinde und Laub gehüllten Pfingstbutz zu Roß ins Dorf führte (s. Mannhardt, die Götter der deutsch. und nord. Völker, S. 144 etc.), mit dem Todaustreiben gleiche Bedeutung hatten. Wegen der in unsern Gegenden zu zeitigen Feier des Frühlingsfestes im März, da häufig noch Eis und Schnee die Fluren deckte, wurde dieselbe vielfach auf den sonnigen Mai verlegt und jetzt nun nicht mehr der Winter verjagt, sondern der vor der Thür harrende Frühling eingeholt und begrüßt. (S. über die Frühlingsfeier bei den Germanen und Slaven: Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, I. S. 142–152.)

800. Der Totenteich bei Tharand.

(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 101. Gräße, Sagenschatz etc. No. 268.)

Wenn man durch Tharand hinauf am Amthause vorbei nach dem Kalkofen und dann weiter im Thale fortgeht, so kommt man in den sogenannten Ebergrund und zur Ebermühle, bei welcher der von dem Mühlbache gebildete Totenteich liegt, der seinen Namen davon hat, daß früher bis an das Ende des vorigen Jahrhunderts die Sitte herrschte, wenn die Bewohner der umliegenden Dörfer den Tod austrieben, den diesen vorstellenden Strohmann hier hineinzuwerfen. Man behauptet, bei hellem Sonnenschein in der Tiefe noch heute das steinerne Bild desselben liegen zu sehen.

801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.

(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 757.)

Im Erzgebirge trägt man sich mit einer alten Tradition, daß wilde Waldleute bisweilen an die Waldhäuser gekommen seien. Solcher wilden gebirgischen Satyren erinnerten sich vor Alters die Einwohner und Bergleute bei ihrem »Quaß« und Fastnachtsspiel, bei welchem sie jährlich zwei wilde Männer verkleidet, den einen in Reisig und Moos, den andern in Stroh gehüllt, auf den Gassen umhergeführt, endlich aber auf dem Markt herumgejagt und endlich zum Schein niedergeschossen und gestochen haben. Die verkleideten Personen riefen dabei durch ihr Taumeln und ihre seltsamen Gebärden Gelächter hervor und spritzten dabei aus angefüllten Blasen Blut unter die umstehenden Leute, ehe sie als Tote niederfielen. Dann faßten sie die Jäger, legten sie auf Breter und trugen sie ins Wirtshaus. Die Bergleute gingen daneben her und bliesen durch ihre Pechpfeifen und Grubenleder auf, als hätten sie ein stattliches Wildpret gefangen. Dergleichen Aufzüge hielt man vor dem dreißigjährigen Kriege; aber darnach sind sie abgekommen.

Auch dieses Fastnachtsspiel war jedenfalls ein Überrest der alten Frühlingsfeste; seine Bedeutung ist aber hier sehr verwischt worden. Der in Reisig und Moos gehüllte Mann sollte den Frühling, der Strohmann dagegen den Winter darstellen. Ursprünglich haben beide wohl miteinander gekämpft, bis der Frühling den Winter besiegte. Daß solche Kämpfe zwischen den persönlich dargestellten Jahreszeiten Winter und Frühling (Sommer) wirklich, z. B. in Schweden und Gothland, dargestellt worden sind, dafür bringt Jac. Grimm in seiner deutschen Mythologie mehrere Beispiele; auf S. 440 heißt es daselbst: Ein vermummter Sommer und Winter, jener im Epheu oder Singrün, dieser in Stroh oder Moos gekleidet, traten auf und kämpften so lange miteinander, bis der Sommer siegte. Dann wird dem zu Boden geworfenen Winter seine Hülle abgerissen, zerstreut, und ein sommerlicher Kranz oder Zweig umhergetragen.

802. Der Streittag der Freiberger Bergleute.

(Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 271.)

In Freiberg kehrt alljährlich am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli, ein besonderer Bergfeiertag wieder, an welchem vormittags im Dome eine große Kirchenparade der Bergleute und eine Bergpredigt abgehalten wird. Bei Gelegenheit im Jahre 1737 angestellter Erörterungen ergab sich, daß die Freiberger Bergleute bis dahin den Maria-Magdalena-Tag angeblich seit länger als 200 Jahren am sogenannten Hungerborne gefeiert hätten, woselbst sogar zu Zeiten gepredigt worden sein sollte. Dieser Brunnen, welcher wegen seines guten und reichlichen Trinkwassers besonders von den benachbarten Huthäusern stark benutzt wurde, lag etwa eine Viertelstunde nordwestlich von dem Huthause »Beschert Glück« im Ratswalde und ist erst im Jahre 1790 infolge der von »Beschert Glück« betriebenen Grubenbaue weggefallen. Eine Meinung der damaligen Bergleute schreibt den Ursprung seines Namens einer Frau Maria Magdalena Hunger zu; die Veranlassung zum Festtage, dessen althergebrachte Feier sich die Bergleute 1737, als solche auf den nächsten Sonntag verlegt werden sollte, »erstritten« haben, soll sich aber daher schreiben, daß die Kurfürstin Magdalena Sybilla, Witwe des Kurfürsten Johann Georgs II, als sie ihren Namenstag am Hungerborne feierte, den Bergleuten für alle Zeiten ihren Namenstag daselbst zu feiern angeordnet habe. Gewiß ist, daß die Bergleute bis zum Jahre 1737 die Umgebung des Hungerbornes als einen gewohnten Versammlungsplatz betrachteten und als solchen benutzten; ja noch in unserm Jahrhunderte fand daselbst zu gewissen Zeiten im Jahre, besonders Pfingsten, ein großer Zusammenfluß von Personen aus der Umgegend statt. Man unterhielt sich dabei mit Musik und Spielen.

Die Feier des »Streittags« fand sich wahrscheinlich in allen sächsischen Bergrevieren vor. Meltzer schreibt in seiner »bergkläuffigen Beschreibung der Bergk-Stadt Schneeberg«, (1684. S. 3), daß die Bergleute daselbst diese Feier »mit dem Schwerte errungen hätten«, und er vermutet, daß solches bei dem Aufstande der Bergleute im Jahre 1496 geschehen sei. Herzog Heinrich der Fromme ließ den Maria-Magdalena-Tag bei Einführung der Reformation 1539 ausdrücklich als bergmännischen Feiertag fortbestehen, und derselbe wird auch noch gegenwärtig in Schneeberg durch Bergaufzug, Gottesdienst und eine Ergötzlichkeit der Bergleute gefeiert.

803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.

(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, S. 158.)

Am 18. Februar 1613 führten die Tuchknappen zur Feier des Faschings auf dem Markte zu Chemnitz den Schwerttanz auf. Dieser Schwerttanz ist noch heutzutage unter den Salzknappen Halleins und Hallstadts üblich, und er wurde von neun Tänzern, zwei Pfeifern, einem Trommler und zwei Hanswürsten aufgeführt, welche mit dem Spruche auftraten:

Wir treten herein ganz edel und fest,
Und grüßen alle anwesenden Zuschauer aufs Best';
Grüßten wir einen und den Andern nicht,
So möchtens meinen, wir wären die echten Schwerttänzer nicht;
Die rechten Schwerttänzer sind wir genannt,
Wir tragen das Schwert in unserer Hand.
Spielmann, mach' auf den rechten Schwerttanz!

Nun begann der Tanz, indem jeder die Spitze des Schwertes von seinem Nebenmann faßte, mit einem Rondo; alsdann Springen über Schwerter. Darauf legte man die Schwerter nieder, tanzte herum, hob sie wieder auf und bildete eine Schnecke, die sich wieder auseinander winden mußte, ohne daß ein Tänzer die Schwertspitze seines Nachbars losließ. Dann trat ein Hanswurst in den Kreis und kniete nieder. Die Tänzer hielten ihre Schwerter auf ihn, der Vortänzer schwang sich auf diese Schwerter und sprach folgenden Spruch:

Da bin ich heraufgestiegen,
Wär' besser, ich wär' unten blieben;
Der Fasching ist ein verthunlicher Mann,
Hat all sein Hab und Gut verthan;
Er hat verthan sein Hab und Gut,
Bis auf einen alten zerrissenen Hut.
Er reist das Land wohl auf und nieder,
Was er bekommt, versäuft er wieder;
So spring' ich aus dem grünen Kranz,
Spielmann, mach' auf den lustigen Schwerttanz.

Nun ward wiederum ein Rondo getanzt, aber schneller als das erste; die Tänzer traten einer nach dem andern ab, bis Vor- und Nachtänzer allein waren, die sich noch ein paar Mal herumdrehten, mit den übrigen die Schwerter zusammenschlugen und so unter dem Jubelruf der Zuschauer schlossen.

804. Strafe für zänkische Weiber.

(Oesfeld, Histor. Beschreibung von Lößnitz (1776) S. 10. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes (1794), S. 180.)

Auf der rechten Seite ohnweit der Hauptthüre des Rathauses in Lößnitz befanden sich zwei steinerne halbe Zentnergewichte, welche oben einen eisernen, sehr weiten Angriff hatten und auf der einen Seite glatt, übrigens aber rund und an einem Ring aufgehangen waren. Auf dem einen Steingewichte sah man ein Frauenbild mit einem Bund Schlüssel, welches sie über dem Kopfe hielt, als ob sie damit werfen wollte, und der Umschrift. »Du leugst wie eine Hure.« Auf dem anderen Gewichte war auch ein Frauenbild mit einem »Waschbleu« und den Worten: »Du bist eine Hure«, zu sehen, und die gemeine Sage war, daß in alten Zeiten diese Gewichte von zänkischen Weibern, welche sich geschlagen, öffentlich hätten herumgetragen werden müssen.

Eine ähnliche Strafe gab es in Crimmitschau. Wenn daselbst Weibspersonen einander geschimpft hatten, so mußten sie an der Rathausthüre einander gegenüber stehen und ward jeder eine Art von bleiernem Gewichte an den Hals gehängt.

In Bautzen war es im Mittelalter bis gegen Ende des 17. Jahrh. eine gewöhnliche Strafe für zänkische Weiber, daß sie sogenannte Schandsteine, welche die Form von runden Flaschen hatten, an einer eisernen Kette um den Hals durch die Stadt tragen mußten. Man nannte diese Strafe das Flaschentragen oder das trinken aus des Büttels Flasche. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 89.) Auch in Leipzig gab es für solche Weiber, welche sich auf dem Markte schlugen, rauften oder einander schmähten, Schandsteine, die der Rat 1624 neu anfertigen ließ. An manchen Orten wurden auch diejenigen Personen damit geschmückt, welche nächtlichen Straßenlärm machten. Da und dort hatten diese Steine Brotform, und daher schreibt sich wohl auch die Redensart: Ein schwerer Bissen Brod. In Lübeck hatten sie die Form von Schüsseln, und nach dem Dortmunder und Halberstädter Statut von 1348 sollten sie das Gewicht eines Zentners haben. Waren die »losmäuligen« Frauen wohlhabend, so konnten sie sich von dieser schmachvollen Strafe durch einen Sack voll Hafer, der mit einem roten Bande zugebunden sein mußte, loskaufen. (Schäfer, deutsche Städtewahrzeichen, I. S. 54.)

805. Strafe für liederliche Weibspersonen.

(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)

Es war sonst in Crimmitschau die Gewohnheit, welche auch an andern Orten, z. B. in Schmölln, eingeführt war, daß liederliche Weibspersonen sich auf den niedern Stadtturm begeben mußten, allwo oben auswendig ein großer Korb befindlich war. In diesen mußten sie sich setzen, worauf sie dann jählings in den unten am Thore befindlichen Teich herabgelassen wurden.

806. Wie das Lehen gereicht wurde.

(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)

Wenn sonst jemandem in Crimmitschau das Lehen gereicht wurde, so beobachtete man die Zeremonie, daß dem Empfänger vom Gerichtsdirektor oder Amtmann ein runder Hut dargereicht wurde, woran der Empfänger greifen mußte, und wenn mehrere etwas in sämtliche Lehn empfingen, so mußten ebenfalls alle diesen Hut berühren.

807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.

(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)

Eine Gewohnheit, welche in Crimmitschau ausgeübt wurde, war, daß die Witwen, welche sich zum zweiten Male verheirateten, der Gerichtsherrschaft ein Bett abgeben mußten.

Hidda, Friedrichs und Dedaus, Grafen zu Eilenburg Schwester, verordnete, daß jede Witwe, welche sich wieder verheiratete, dem Amtmann (praefecto arcis) zwei Schreckenberger in einem Beutel ohne Naht geben sollte.

808. Das Bärenprivilegium für Lößnitz.

(C. Lehmann, Chronik der freien Bergstadt Schneeberg. 1. B. Schneeberg 1837. S. 8.)

In der ältesten bekannten, aus dem Jahre 1284 stammenden Urkunde von Lößnitz erhielt die Stadt das Privilegium, daß sich in seinen Mauern kein Mönch oder Priester häuslich ankaufen sollte, sowie kein Edelmann. Letzteres soll der Sage nach davon kommen, daß ein Edelmann, mit Namen von Hagenest, im Jahre 1283 einen Bären gehabt, der sich von der Kette losgerissen und eines Bürgers Kind erwürgt. Darauf hätten die Bürger den Bären samt dem Edelmann erschlagen. Daher das Privilegium, welches deshalb auch das Bärenprivilegium hieß.