Dr. Leopold, der Verfasser der Chronik von Meerane, führt den Ursprung dieser Sage auf den Umstand zurück, daß Leute, die stark schwitzend von der Höhe des Crimmitschauer Weges in den Tannicht hinabstiegen, sich verkühlten und von Blutandrang nach Kopf und Brust befallen wurden.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 135.)
Im Jahre 1719 fährt Abraham Friedrich einem Schmiede in Johanngeorgenstadt Kohlen ein. Da er nun Nachmittag um 1 Uhr wieder an die Meilerstätte kommt und den Schmiedegesellen, welcher ihm beim Aufladen helfen soll, nicht findet, im Gebüsch sich aber etwas bewegen sieht, so meint er, es sei der Gehülfe und ruft ihm daher zu, er solle sich herpacken und mit aufladen. Hierauf erschallt eine Stimme: »Jetzt gleich.« Es kommt auch wirklich jemand und hilft ihm etliche Kübel Kohlen auf den Karren laden, also daß Friedrich nicht anders meint, er habe seinen Gesellen. Nachdem sich aber der Kohlenstaub ein wenig legt, sieht er an dessen Unterleib eine seltsame Gestalt, er stößt ihn daher von sich und spricht, er solle sich packen, seine Hülfe begehre er nicht. Indem nun Friedrich weiter aufladet, kehrt der andere das Löschfäßlein um und belegt es mit lauter neuem kurfürstlichen Gelde. Dabei begehrt er, weil Friedrich ein armer Mann sei, solle er's nehmen, und so oft er etwas brauche, möge er wieder an diese Stätte kommen, da er ihm ein mehreres geben wolle. Darüber wurde Friedrich unwillig und stieß das Faß mit dem Gelde um, so daß letzteres über den ganzen Platz verstreut wurde. Der andere aber raffte es im Hui wieder in seinen Beutel und hielt es von neuem vor. Friedrich jedoch kehrte sich nicht daran und fuhr fort. Er mußte aber seinen Gefährten noch ein gut Stück Weges bei sich haben. Derselbe hielt ihm immer den Beutel vor, schüttelte mit dem Gelde und wollte es ihm aufdringen, bis endlich Friedrich aus Ungeduld ihn garstig gescholten und mit der Peitsche darnach geschlagen. Da ging der andere seitwärts ins Holz und hinterließ einen solchen Dampf und Gestank, daß Friedrich zu ersticken meinte und auch in der Folge krank wurde.
(Nach Mitteilung des Seminarist Richter in Schneeberg.)
In Pobershau bei Zöblitz sieht man neben der alten Schule eine große Steinhalde. Hier soll ein Gespenst sein Wesen treiben, denn schon oft hat man daselbst Stöhnen, Rufen und Gepolter gehört, und es wird überhaupt viel darüber gemunkelt. Nach der allgemeinen Sage soll dies Gespenst der Geist eines früheren Grundbesitzers sein, welcher als sehr hartherzig verschrien war.
(Mündlich.)
Ein Teil des Schloßwaldes bei Chemnitz trägt den Namen »Die sieben Ruten.« Jeder, der diesen Teil betritt, soll keinen Ausweg finden können. Der Sage nach soll hier einst einer besonderen Krankheit wegen ein Mann begraben worden sein, der jedem, welcher dies Gebiet betritt, den Ausweg verstellt.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 18.)
Zwischen den Dörfern Auerswalde und Glößa bei Chemnitz liegt ein Wald, die sogenannten Sechsruten. In diesem spukt der Schatten eines bösen Beamten, welchen die Volkssage den bösen Seidelmann nennt. Er hat bei seinen Lebzeiten die ihm Untergebenen übel behandelt und viele Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten verübt, wofür er zur Strafe im Grabe keine Ruhe findet. Sein spukender Geist führt die Wanderer irre und neckt und erschreckt sie durch gellendes Rufen. Niemand in der Umgegend weiß, was zu Seidelmanns Erlösung vonnöten ist.
Ein Walddistrikt zwischen Roßleben und Ziegelrode heißt »der Sechse«. Auch hier spukte einst in einem Zauberkreise ein dorthin verbannter Geist, der sogar Prügel austeilte. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 260.)
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 91.)
Unterhalb der letzten Häuser von Platten, welche an der nach Breitenbach führenden Straße liegen, erhebt sich jenseits des Baches ein ziemlich hoher, mit dunklen Fichten bewachsener Felsen, der allgemein »der Baslerfels« genannt wird. An der Stelle, wo dieser Fels emporragt, soll vor so und so viel Jahren ein stattliches Schloß gestanden haben, das der reiche Basler bewohnte. Er verdiente in der That diesen Beinamen, denn er war der reichste Bergwerksbesitzer in der ganzen Umgegend. Allein Reichtum erzeugt nicht selten Hochmut, und Hochmut führt leicht zum Fall. Auch Basler, pochend auf seine Gold- und Silberschätze, lebte in verschwenderischer Pracht und Herrlichkeit, bedrückte über die Maßen die Armen und ließ in frevlem Übermute seinen Pferden sogar silberne Hufeisen aufschlagen. Und als er in seiner Verstocktheit noch größere Frevelthaten verübte, ereilte ihn die Strafe des Himmels. Basler wurde samt der Burg zum warnenden Zeichen für alle Zeiten in harten Stein verwandelt. Seit dieser Zeit ist es beim Baslerfels nicht richtig.
Drei Bergleute, von denen einer taub war, gingen einmal nach beendigter Schicht nach Hause. Als sie bei der unteren Mühle anlangten, da, wo sich im Felsen ein Stollen befindet, vernahm der taube Bergmann deutlich das Getrabe von Pferden und das Gerassel einer Kutsche und machte seine Kameraden darauf aufmerksam. Dieselben sahen fürwahr aus dem Stollen eine vierspännige Kutsche herauskommen, doch hörten sie diese weder rasseln noch die Pferde traben.
Andere Leute wollen zu einer bestimmten Zeit bei der sogenannten Kühbrücke, die sich am Fuße des Baslerfelsens befindet, ein weißes Schaf gesehen haben, das manchen bis zu dem bereits oben genannten Stollen geführt haben soll.
Neben der Kühbrücke liegt heute noch ein großer Stein, auf welchem einst ein Mann, der eine schwere Bürde trug, ausruhte. Während seiner Rast schimpfte er gewaltig auf den Baslerwald, weil er sich darin verirrt hatte. Wie er vom Steine wieder aufstehen wollte, konnte er trotz aller Kraftanstrengung sich nicht in die Höhe erheben. Erst dann, als der Mann sein Fluchen bereute, kam er von der Stelle.
Auch führt es Holzleute, die in das Bereich des Baslerfelsens kommen, irre, so daß sie erst nach längerem Hin- und Herlaufen wieder den rechten Weg gewinnen.
Überdies soll sich im Baslerfelsen ein Hemann aufhalten, der Personen, welche sein ihm zugeteiltes Gebiet betreten, so lange herumtreibt, bis sie tot zu Boden stürzen.
(Mitgeteilt durch Lehrer Günther aus Lößnitz.)
Ein böser Graf von Wildenfels ist einst in ein Pfund Hirse verbannt worden. Er muß so lange darin bleiben, bis der Haufen, von dem jedes Jahr nur ein einziges Körnchen abfällt, verschwunden ist. Dieser Graf ist nämlich bei seinen Lebzeiten sehr unbarmherzig und geizig gewesen. Während einer großen Teuerung war ihm das Getreide noch nicht teuer genug, daher verkaufte er seine Vorräte nicht. Da kam ihm aber der Wurm hinein, der das ganze Getreide durchwühlte. Auch jetzt gönnte es der Graf niemandem, sondern ließ es fuderweise in die Mulde schütten. Zur Strafe wurde er nach seinem Tode in den Hirse verbannt.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
In dem Oberförstergebäude zu Karlsfeld wohnte in früheren Zeiten ein reicher Mann, der sehr geizig war. Nach seinem Tode mußte er, an einem bestimmten Erkerfenster des Hauses sitzend, zur Strafe für seinen Geiz ein Viertel Hirse zählen. Ob er damit fertig geworden und somit erlöst ist, weiß die Sage nicht zu melden.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 476.)
In der Nähe des Dorfes Wildbach bei Schneeberg liegen auf einem Vorberge des Muldenthales die Überreste der Isenburg, welche vielleicht eine Art Vorfestung von Schloß Stein war, mit welchem sie durch einen unterirdischen, unter der Mulde hinführenden Gang verbunden gewesen sein soll. Hier hauste nach der Sage im 14. Jahrhundert ein Raubritter, Konrad von Kauffungen, der solche Schandthaten verübte, daß ihm der Teufel den Hals brach und sein Geist verdammt ist, bis auf den heutigen Tag die Umgegend in Zwerggestalt zu schrecken.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 38.)
Nahe bei den Rittergutsgebäuden des Dorfes Tanneberg bei Geyer steht ein uralter viereckiger Turm. Seine starken Mauern sind noch jetzt an dreißig Ellen hoch und von einem Wassergraben umgeben. Viel erzählt man von ihm, aber wenig zusammenhängendes.
In uralter Zeit soll einmal ein Graf, der Besitzer dieser Gegend, eine große Jagd abgehalten und sich dabei verirrt haben und mit seinem Rosse in einen Sumpf gesunken sein. Dem Tode nahe, wäre er noch von den Jägern mit Mühe gerettet worden und hätte zum Andenken den Turm erbaut.
Jetzt noch soll in dem Turme der Geist eines der späteren Besitzer spuken, aber warum? weiß niemand. Auch wollen alte Holzhauer und Bergleute den Baum wissen, wo die Seele dieses unglücklichen Spukers eingespündet sein soll. Es wäre sonst ein eiserner Reif um den Baum gelegt gewesen, um die Seele recht festzuhalten, aber die Holzdiebe hätten zuletzt auch den Reif gestohlen.
(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
Die sogenannte hintere Aue, ein Thal von Dreihansen bis Niederlößnitz, war einst mit Wald bewachsen, und in diesem wohnten viele Geister. Der Wald wurde nach und nach gerodet, das Thal urbar gemacht und die Geister vertrieben. Dieselben kommen aber noch in den warmen Sommernächten auf ihre alten Spielplätze und führen ihre munteren Tänze das Thal entlang aus.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)
Ein altes Weib aus Joachimsthal begab sich einst in den Wald am Braunstein, um Beeren zu sammeln. Am Fuße des Berges bemerkte sie einen großen steinernen Wassertrog. Verwundert darüber blieb sie stehen und sprach halblaut zu sich: So alt ich bin, hab ich weder den Wassertrog gesehen, noch etwas von ihm gehört. In Gedanken vertieft, stieg das Weib weiter bergauf und erblickte auf einmal auf einem sonnigen Platze drei mit reifen Erdbeeren gefüllte Töpfe. Bist du doch nicht allein hier, dachte sie bei sich und ging an den Töpfen vorbei, ohne eine Erdbeere anzurühren. Kaum hatte sich jedoch das Weib einige Schritte entfernt, da vernahm sie hinter sich ein lautes Jammern und Schluchzen. Rasch drehte sie sich um. Als sie aber nichts mehr von den Töpfen mit den Beeren sah, überkam sie ein solches Grauen, daß sie im Sturmschritt über den Abhang des Braunsteins hinunterlief, um in kürzester Zeit aus dem Walde zu kommen. Daheim erzählte das Weib, was ihr begegnet war, verfiel in eine längere Krankheit, lebte aber noch viele Jahre.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 63 etc.)
Nach einer Überlieferung soll der Grauenstein ein verwünschtes, durch Zaubersprüche unsichtbar gewordenes Schloß sein. Einst veranstalteten die nächsten Umwohner eine Prozession, um die am Grauenstein polternden Geister und Gespenster zu bannen und zur Ruhe zu bringen. Auf einmal hörte man Musik und Gesang in den Lüften, ja noch mehr, ein ganzer Schwarm von Geistern kam auf die Herannahenden zu. Erschreckt ergriffen die Leute die Flucht, und der Grauenstein ward umsomehr gefürchtet.
Einem armen Bergmanne träumte drei Nächte hinter einander, er solle um 12 Uhr des Nachts auf den Grauenstein gehen, er könne das Schloß erlösen. Er machte sich auf den Weg, und als er sich demselben näherte, hörte er lärmende Musik. Er sah zwei Reiter dahersprengen, die zwischen sich ein leeres schmuckes Pferd führten und dem Erschreckten winkten. Da sank sein Mut, er kehrte den Reitern den Rücken, und mit Krachen und Zischen war alles verschwunden.
Andere Bergleute wollen zur Abendzeit Musik vernommen haben, die sich vom Grauensteine gegen die Schwedenschanze gleichsam fortbewegte und dort in die Töne des pfeifenden Windes sich auflöste; ja einer erzählte sogar, er habe einmal zwischen elf und zwölf Uhr des Nachts die erleuchteten Fenster des verwünschten Schlosses gesehen und sie gezählt, als er zu dieser Zeit Holz holte.
In dem Thalgrunde, wo jetzt bei Joachimsthal die große k. k. Cigarrenfabrik steht, wohnte vor etwa siebzig Jahren ein Mann, mit Namen Huß. Als derselbe eines Abends bei mattem Lampenscheine in seinem Stübchen saß, klopfte es plötzlich an sein Fenster. Er öffnete dieses mit der Frage, wer so spät da sei? »Mach' auf Kamerad!« war die Antwort des Klopfenden. Huß hieß ihn in die Stube treten und erkannte in dem Ankömmling seinen alten Kriegsgenossen aus Tirol. »Sage mir doch, mein Lieber,« sprach Huß, »was Dich in so später Nacht zu mir führt?« »Mir hat geträumt«, antwortete der Tiroler, »daß ich nach der Bergstadt St. Joachimsthal gehen und das unweit davon gelegene verwünschte Grauensteiner Schloß von seinem Zauber befreien soll. Du bist in der Gegend bekannt und wirst mir gewiß den Weg zum Grauenstein zeigen.« »Diesen Freundschaftsdienst kann ich Dir, Waghals, schon erweisen; wir gehen um elf Uhr hinauf,« entgegnete der treuherzige Huß seinem ehemaligen Waffengefährten. – Nachdem beide den freien Platz erreicht hatten, der im Volksmunde »Kuhplatz« heißt, hörten sie aus der Ferne eine liebliche Musik. Hier blieb Huß stehen, während der Tiroler bergauf in der Richtung weiter ging, woher die Wunderklänge drangen. Endlich kam er gegen Mitternacht am Grauensteine an und sah auf einmal vor sich das verzauberte Schloß, strahlend im wundervollen Lichtglanze, wie er sein Lebtag noch keinen gesehen. Furcht und Freude kämpften bei diesem Anblicke in seinem Herzen; aber jemehr er sich dem Schlosse, dem Ziele seiner Wünsche, näherte, desto größere Schweißtropfen traten auf seine Stirn. Schon stand er beim offenen Portale, da kehrte er, von Angst und Grauen überwältigt, wieder um; in demselben Augenblicke jedoch donnerte und krachte es und im Nu waren die Lichter samt dem Schlosse, das noch immer seiner Erlösung harrt, verschwunden.
(Mündlich.)
Fünfzehn Minuten von Platten liegt ein Wald, der Leidenswald genannt; in diesem soll vor vielen Jahren ein Mann nach seinem Tode seines gottlosen Lebenswandels wegen verbannt gewesen sein. Wenn man früher durch diesen Wald ging, hörte man ein leises Glockengeläute; dasselbe ist aber verstummt, seit man in dem nahen Platten des Nachts 12 Uhr eine Glocke läutet. Die Leute glauben nun, daß damit auch der Verbannte im Leidenswalde erlöst worden sei.
(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)
Als vor Jahrhunderten im Erzgebirge die Pest wütete, berührte sie auch den kleinen Ort Neidhardsthal. Die Leichen wurden auf einem Platze zwischen Neidhardsthal und Zschorlau begraben und ein Weg, welcher beide Dörfer verbindet, heißt noch heute der Leichenweg. Auf demselben sieht man zu Zeiten in der Mitternachtsstunde Gestalten ängstlich hin und her laufen, oder man erblickt auch eine Frau mit feurigen Augen. Der Begräbnisplatz ist jetzt eine Wiese voller Hügel und Löcher; er wird »das Gottesäckerle« genannt. Auch dort will man in der Mitternachtsstunde Gewimmer gehört haben. Alte Personen erzählen wieder, daß auf diesem Platze die Heiden begraben worden seien, welche einst auf dem nahen Steinberge wohnten. Auf dem Gipfel desselben sieht man noch jetzt ein Gemäuer und einen ebenen Rasenplatz. Dort sollen sie zu ihren Göttern gebetet haben. Das Gemäuer wird von den Bewohnern der Umgegend »Kirchel« genannt.
(Mitgeteilt von Heinr. Weißflog aus Raschau.)
Zwischen Mitweide bei Schwarzenberg und dem nördlich davon gelegenen Dorfe Schwarzbach befindet sich eine alte, nach dem Städtchen Scheibenberg führende Marktstraße, die Ämmlerstraße genannt. Dieselbe soll ihren Namen von einem früheren Bergherrn Ämmler haben, auf dessen Rat sie angelegt wurde. Von dieser Straße nun wird gar Schauriges erzählt. So soll daselbst des Nachts 12 Uhr, wenn alles recht ruhig ist, ein Leichenzug zu sehen sein, und den ihn begleitenden Gesang hört man über sich in der Luft. Dieser Gesang soll überaus lieblich klingen, so daß schon manche wie bezaubert stehen geblieben sind und gelauscht haben. Wer aber darauf hört, dem wird es verderblich, denn er findet seinen Weg nicht mehr. Erst wenn man irgend ein Kleidungsstück umwendet, so soll man sich wieder zurecht finden.
Auf der Ämmlerstraße soll auch in stürmischen Nächten das wilde Heer zu sehen sein. Neben dem »Hussa!« der vorüberjagenden Reiter hört man dann aber auch eine schöne, himmlische Musik.
(Nach der poet. Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 238.)
In das in der Nähe von Lauenstein liegende Dorf Dittersdorf ist auch das Dörfchen Neudörfel eingepfarrt, welches früher nur ein einziges Vorwerk war, zu dem der ohnweit davon im Grunde gelegene Eisenhammer, jetzt die Herrenmühle, gehörte. Beide Grundstücke waren vor langen Jahren im Besitz eines gewissen Pessel, der ein zwar reicher, aber ebenso habsüchtiger Mann war, dem alle Mittel recht waren, wenn sie nur zur Vergrößerung seines Mammons dienten. Einst ging derselbe in der Liebenauer Kirche, wohin das Vorwerk früher gepfarrt war, zur Kommunion und sah, wie der Lauensteiner Schösser ein funkelnagelneues Goldstück als Opferpfennig auf den Altar legte. Da gab ihm der Teufel den bösen Gedanken ein, sich dieses Goldstückes zu bemächtigen; er wartete also, bis alle übrigen Kommunikanten an den Altar getreten waren, und als er nun als der letzte hinzutrat, um die Hostie zu empfangen, stahl er mit gewandter Hand das Goldstück vom Altare herab. Der Geistliche hatte jedoch den Frevel bemerkt, und als nun Pessel auf der anderen Seite des Altars den Kelch empfangen sollte, zog jener ihn zurück, verkündete öffentlich seine Schandthat und verfluchte ihn. Pessel wankte nach Hause, allein der Schreck und die Reue warfen ihn aufs Krankenbett, von dem er nicht wieder aufstand. Als nun aber einige Tage darauf in früher Morgenstunde ihn seine Hammerknechte nach Liebenau zu Grabe trugen, überraschte sie beim Eingange des Trebnitzgrundes ein plötzliches Donnerwetter; sie stellten den Sarg am Rande einer Wiese hin und flüchteten in die im Grunde gelegene Mühle. Als nach einem furchtbaren Donnerschlage das Gewitter sich verzogen hatte und sie aus der Mühle heraustraten, um den Leichenkondukt wieder fortzusetzen, war der Sarg spurlos verschwunden und man glaubte, daß der Teufel denselben samt dem Inhalte entführt habe. Seit dieser Zeit aber erblickt man jede Mitternacht den Schatten des alten Pessel, der nach der Mühle zu umherirrt und mit schaurigem Geheul seine Leichenträger sucht und sie bittet, ihn doch zur Ruhe zu bringen. Durch diesen Spuk kam aber auch die Mühle selbst sehr bald in Verruf. Niemand wollte mehr dort mahlen lassen und noch weniger hatte jemand in ihr Ruhe, woher es kam, daß sie bald von ihren Bewohnern verlassen ward und als Ruine für ewige Zeiten von dieser schauerlichen Geschichte Kunde giebt.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 99.)
Auf einer Wiese am Abhange des Plattenberges bei Platten sah man vor längst entschwundenen Jahren öfters einen Mann umherwandeln, der auf der Achsel einen Grenzstein trug und schrie: »Wohin soll ich ihn setzen?« Das war ein gespenstischer Mann, der zu Lebzeiten, um seinen Besitz zu vergrößern, den Rainstein auf der Wiese zum Nachteile seines Nachbarn verrückte und deshalb zur Strafe für diese ungerechte Handlung so lange herumirren mußte, bis ihn jemand erlösen würde. Als an einem Abende einen Bürger aus Platten der Weg über diese Wiese führte, stand plötzlich der verwünschte Mann mit seinem Steine vor ihm und rief in kläglichem Tone: »Wohin soll ich ihn setzen?« Gefaßt erwiderte der Angesprochene: »Trag ihn hin, woher Du ihn genommen hast!« Diesen Worten folgte ein Blitz und Donnerschlag und der Mann mit dem Steine war verschwunden; man hat ihn auch seitdem nie wiedergesehen.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 31.)
Vor hundert und mehr Jahren lebte zu Joachimsthal ein ehrsamer Fleischhauer, der in einem Schlick'schen Hause wohnte. Eines Abends befahl er seinem Gesellen, des anderen Tages in aller Frühe zu Dorfe zu gehen, weil er dringend Schlachtvieh benötigte. – Der Fleischerbursche, welcher seinem Herrn mit größter Treue und Pünktlichkeit diente, hatte auf seinem Nachtlager keine Ruhe und Rast und machte sich, da der Mondschein so freundlich zum Wandern einlud, schon um die elfte Stunde auf den Weg. Dieser führte an dem auf dem steilen Schloßberge gelegenen Schlosse Freudenstein vorüber, dessen wiederhergestellte Türme noch heute auf der Westseite der Stadt Joachimsthal stolz in die Luft ragen. – In dem Augenblicke, als der Bursche daselbst seine Schritte vorbei lenken wollte, geriet er in einen tiefen grubenähnlichen Gang, den er vorher nie bemerkt hatte, und stand plötzlich in einem prachtvoll erleuchteten Saale, in welchem viele vermummte Ritter waren. Dieselben unterhielten sich mit Kegelspiel, wobei sie mit silbernen Kugeln schoben, schritten aber sofort auf den Fremdling, der wie Espenlaub zitterte, mit freundlichem Gruße zu und luden ihn zum Spiele ein. Jedoch erst auf wiederholtes Drängen nahm der erschrockene Fleischerbursche eine Kugel, die aus purem Silber war, in die Hand, schob und – traf alle neun, was die Ritter über die Maßen sehr erfreute. Beim zweiten Ausschub traf er gleichfalls alle neun Kegel. Wie er nun über abermalige Aufforderung zum dritten Male sein Glück versuchen wollte, schlug gerade die Uhr auf dem nahen Stadtturme zwölf, und alles war verschwunden. Der Geselle aber befand sich, ohne einen Gang zu sehen, auf demselben Platze, wo er früher seinen Weg fortsetzen wollte; er glaubte geträumt zu haben, allein die Silberkugel, die er noch in der Rechten hielt, belehrte ihn, daß alles Wirklichkeit gewesen. – Voll Entsetzen und Grausen eilte er beflügelten Schrittes nach Hause und erzählte seinem Herrn das seltsame, unheimliche Erlebnis. Da ihm derselbe jedoch keinen Glauben beimessen wollte, zeigte er als Wahrzeichen seiner Aussage die silberne Kegelkugel, durch welche beide, Meister und Geselle, reiche Leute wurden.
Derartige Sagen von kegelschiebenden Geistern oder dämonischen Wesen finden sich noch an zahlreichen Orten. Ein Ziegenhirt setzt auf dem Kyffhäuser Kegel auf, nach denen 12 ernste Ritter schieben. Er war während dessen 20 Jahre aus seinem Dorfe abwesend und niemand wollte ihn daselbst anfangs kennen. Auch ein Sängerchor aus Kelbra sah auf dem Kyffhäuser eine Gesellschaft, welche sich am Neujahrsmorgen daselbst mit Kegelschieben vergnügte. Der einem von ihnen geschenkte Kegelkönig verwandelte sich unten am Berge in Gold. (O. Richter, deutscher Sagenschatz, I. No. 5 und 10.) Im Hausberge im Mannsfeld'schen schieben verzauberte Herren Kegel. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld No. 60.) Mit goldenen Kegeln und Kugeln spielen stattliche Herren in der Dämmerung oder des Nachts in den Ruinen der Neu-Habsburg in Luzern und auf einem langen waldigen Hügel zwischen Sargans und Wallenstad. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 43 und 44.) Eine Kugel, mit welcher auf dem Löbauer Berge Zwerge Kegel geschoben hatten, verwandelte sich in Gold; auf dem Oderwitzer Spitzberge dagegen waren es Riesen, die mit 6 goldenen Kugeln nach 9 goldenen Kegeln schoben. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 29 und 91.) In den Gewölben der Ruine Schauenforst soll ein goldenes Kegelspiel vergraben sein. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 230.)
Schönherr hat vermutet, daß alle diese Sagen von kegelschiebenden Geistern Nachklänge von dem heidnischen Himmel, dem Asgard, sind, in welchem die Götter friedlich mit goldenen Tafeln und Würfeln spielten, »und wenn nach der Götternacht die goldene Zeit wiederkehrt, werden sie wieder mit goldenen Tafeln werfen auf dem Idafelde.« (Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 76.) Nach Anderen soll das Kegelspiel die fallenden und aufstehenden Kämpfer bei den allabendlichen Spielen der Einherien in Walhalla bedeuten, nach Nork aber stelle die goldenen Kugeln Gestirne vor. In der Annaberger Kirche soll sich ein Gemälde befinden, auf welchem kegelschiebende Engel abgebildet sind. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 91.)
Wenn nach der Sage im Kyffhäuser der deutsche Kaiser Friedrich mit seinen Knappen Kegel spielt und in der Johannisnacht ein Hirte, der dazu kam, einen silbernen Kegel oder nach andern Überlieferungen eine Kugel erhielt, welche zu Gold wurde, so erinnert dies an den gütigen Wuotan, der alle Wünsche erfüllen konnte. Auf ihn weist auch unsere Sage hin. In der deutschen Mythe ist das Kegelspiel jedoch auch ein Sinnbild des Donners. In der Mark Brandenburg sagt man beim Rollen des Donners: »Der liebe Gott kegelt.« Obschon nun Donar die eigentliche Gewittergottheit ist, so herrscht doch auch Wuotan oder Odhin im Gewittersturme.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863, S. 104.)
Ein Abt des Klosters Ossegg war der im Munde des Volkes noch fortlebende Hieronymus Bösneker. Unter den vielen Gerüchten, die von ihm verbreitet sind, ist folgendes das erheblichste. In einer Nacht, als der Nachtwächter der Abtei die Klosterhöfe durchwandelte, klopfte es an den Thoren und herein kam der erst verstorbene Abt Hieronymus. Da sich diese Erscheinung wiederholte, meldete er es am gehörigen Orte, wo man ihm seine Furcht zu benehmen suchte und zugleich dem Nachtwächter die Weisung gab, sollte ihm dies Gesicht noch einmal erscheinen, so möchte er sogleich zu dem Nachfolger im Vorsteheramte eilen. Beruhigt betrat der Hüter wieder seinen Posten. Um Mitternacht pochte es abermals am Thore gegen Herrlich. Das Thor öffnete sich und herein zogen vier schwarze Rosse schnaubend eine Kalesche, worin sich der Verstorbene befand. Auf das Rufen des Nachtwächters kam der damalige fromme und gottesfürchtige Prälat Cajetan im Ornate, ganz wie er beim Altare erscheint, herbei. Der Mann trat ab und es entspann sich zwischen dem furchtbaren Gaste und ihm ein Gespräch in lateinischer Sprache. Alsbald führte der fromme Cajetan seine Begleiter durch die Thür im Sommersalon, der schon vorbereitet war, hinaus in den Garten, und man sah durch die Lindenallee nach Herrlich wieder die greuliche Gestalt dahinfahren. Diese Allee wurde von dem Wiedererschienenen angelegt. Bald nachher entstand ein heftiges Gewitter, der Blitz schlug in eine Linde dieser Allee und die Krone kam in die Erde, die Wurzel aber oben zu stehen und seit dieser Zeit war nichts mehr zu sehen und zu hören. Der Enkel jenes Nachtwächters Woitzendörfer ist ein Mann von 70 Jahren und lebt als Lehrer in Rathschitz.
In Zittau jagt ein gespenstischer Ratsherr des Nachts um 12 Uhr in einem schwarzen, von dergleichen Rossen gezogenen Wagen durch die Straßen der Stadt. Ähnliches erzählt man von Görlitz, Köln, Bremen und a. O. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 154 und 155.) Der gespenstische Baron Hußmann von Tachau fährt in einem feurigen Wagen, der von vier schwarzen Pferden gezogen wird. (Grohmann a. a. O. S. 101.) Der Wagen ist der Höllenwagen oder die Höllenkutsche. Die Todesgöttin Hel führte die Seelen der Verstorbenen auf einem schwarzen Wagen, der ein Gegenbild vom Wagen Wuotans ist, in die Unterwelt.
Wie in unserer Sage der Geist eines Verstorbenen in einem Wagen wieder auf der Erde erschien, so läßt der Volksglaube in manchen Gegenden die Toten auch in einem Wagen abholen. In Komotau heißt es mit Beziehung auf diese Vorstellung in einem Volksliede:
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 944.)
Im Jahre 1674 wohnte in Brand, einem gebirgischen Dorfe unter Joachimsthal, eine Müllerin, die Mühl-Adelin genannt, welche die armen Bergleute und Zinnseifner auf Gottesgab mit Brot verlegte, dasselbe aber so armselig buk und gab, daß es fast eitel Spreu und Kleie war und in der Suppe zerschwamm. Da ihre Arbeiter sich beklagten und über das ärmliche Brot beschwerten, sagte sie mit Trotz: »Ei, meine Gottesgaber Säue könnens schon fressen!« Als sie aber gestorben war, ist sie oft wiedergekommen und hat den Mann geplagt. So oft der Müller seine Säue fütterte, ist allezeit eine fremde gespenstische Sau mit zugelaufen und hat samt den andern aus dem Troge gefressen.
(Mündlich.)
Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen Zeiten des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt stehen bleiben; nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich führte, konnte ungehindert seines Weges ziehen.
(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
Bei dem unweit Komotau gelegenen Dorfe Pritschapel erhebt sich ein nach allen Seiten ziemlich steil abfallender Hügel, auf dessen Gipfel noch im Jahre 1859 eine alte Kirche stand, welche jedoch im Juli 1860 infolge eines Blitzschlages gänzlich abbrannte, so daß von ihr gegenwärtig nur geringe Überreste vorhanden sind. Als diese Kirche gebaut werden sollte, so erzählt die Sage, war eigentlich schon ein Platz im Thale dazu bestimmt und ausgemessen worden. Als aber der Bau begonnen hatte, gewahrte man am folgenden Tage, daß Bausteine, Mörtel u. s. w. nebst der begonnenen Grundmauer sich auf dem Gipfel des Berges befanden. Man zerbrach sich wohl den Kopf, wie das zugegangen sein konnte, gelangte aber zu keinem Resultate und führte die Materialien wieder bergab zur alten Baustelle. In der Nacht darauf tobte ein furchtbares Gewitter, so daß die Leute nach dortiger Sitte aufstanden, um zu beten. Wie nun die Blitzstrahlen über den Himmel dahinfuhren, will man auf dem Berge ein übermäßig großes, sehr schönes weißes Maultier gesehen haben, das die Baumaterialien den Berg wieder hinauftrug. Man sah dies als einen Wink Gottes an, und die Kirche wurde auf dem Gipfel des Berges erbaut.
Bei dieser Sage ist wohl nicht, wie Naaff in der Comotovia 1877, S. 77 meint, an die jüdisch-römischen Wundergeschichten von den Tempelbauversuchen nach der Zerstörung Jerusalems unter Titus zu denken. Das weiße Maultier erinnert vielmehr an das weiße Roß Odhins oder des slavischen Gottes Swantowit, oder an die weissagenden Rosse, welche sowohl die heidnischen Germanen als auch Slaven besessen haben. Eine große Ähnlichkeit mit unserer Sage hat diejenige vom weißen Pferde in Löbau, welches jede Nacht die Baumaterialien vom Schafberge, auf welchem man ursprünglich die genannte Stadt gründen wollte, hinab ins Thal trug, so daß nun hier die Anlage der Stadt erfolgte. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 189.)
(Meißner, Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 430–32. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, 1855, No. 208.)
Am 24. Januar 1620, früh zwischen 4 und 5 Uhr, hat sich zu Altenberg der dritte und größte Bergbruch ereignet. Ob nun schon dadurch der größte Teil der Stadt überaus heftig erschüttert worden ist, so ist es doch durch des allmächtigen Gottes Fürsehung noch so abgegangen, daß nur eine bereits vorher gewesene Binge weiter und tiefer einging, sowie vier Zechen und ein Schacht verfielen und des Bergschmieds Wohnhaus versank. Die meisten Bergleute sind glücklich gerettet worden, obschon sie zum Teil 3 Tage und Nächte lang ohne Speise in der Tiefe ausharren mußten. Nur ein alter Bergmann von 79 Jahren, mit Namen David Eichler (oder Siemon Sohr), ist nicht zu finden gewesen, auf welchem die meiste Schuld hernach sitzen geblieben, weil er nämlich aller Warnung ungeachtet, alle Bergvesten, d. h. Pfeiler, welche man zum Schutze der Decken stehen läßt, nach und nach weggehauen habe. Derselbe soll auch sonst ein gottloser Mensch gewesen sein und an diesem Tage ohne Gebet und in Teufels Namen eingefahren sein. Nach Inhalt der folgenden Klagereime sind aber ihrer wohl noch mehrere an diesem Unglücke Schuld gewesen; sie lauten also:
Das Unglück aber ist nicht ohne Warnung von oben geschehen, denn man hat einige Zeit vorher, wenn die Bergleute früh zwischen 4 und 5 Uhr im Zechenhause ihr Gebet vor dem Einfahren abgewartet hatten, wahrgenommen, daß ein weißes Pferd im vollen Lauf von oben bis zum Ende der Binge sprang und alsbald verschwand. Man hat dies auch für eine Warnung angesehen, weil zuvor viele vor dem gemeinschaftlichen Gebet eingefahren, den das Gebet versäumenden Bergleuten zwei Groschen von ihrem Lohn für arme Leute abgezogen, wovon dann das sogenannte Aufrufen gekommen ist. Im Jahre 1729 hat man, als man das damals Eingestürzte wieder aufzuarbeiten suchte, was jedoch nicht gelungen ist, eine alte Bergmütze von Filz gefunden, die man für die Fahrmütze jenes Eichler gehalten hat.
(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 14.)
Die Straße zwischen Udwitz und Komotau durchschneidet eine Gegend, in der bei Nacht Geister und Gespenster ihr Unwesen treiben und den Vorübergehenden oder Fahrenden allerlei Schabernack spielen. So spukte während einer längeren Zeit daselbst ein schwarzer Hund, der gleichsam auf der Lauer lag und der, sobald sich ein Bauer mit seinem Fuhrwerke näherte, auf dessen Wagen sprang. Der Bauer konnte sich anstrengen und machen, was er wollte, er mochte dem Hund zurufen oder ihm Peitschenhiebe versetzen, um sich desselben zu entledigen, alles umsonst, der schwarze unheimliche Gast blieb liegen, bis der Bauer die sogenannte St. Josephsstatue passiert hatte; dann war sein Begleiter verschwunden.
Einmal mußte ein Bauer um die Mitternachtsstunde mit seinem Wagen den Weg passieren. Da gewahrte er plötzlich den schwarzen Hund, der, als er näher kam, mit einem Sprunge auf dem Wagen war. Der Bauer wurde leichenblaß; er bebte und zitterte an allen Gliedern, nahm die Peitsche, schlug nach dem Hunde und fing an entsetzlich zu schimpfen; allein das unheimliche Tier rührte sich nicht. Da der Bauer einsah, daß er im Bösen nichts ausrichte, fing er an zu beten und zu seiner Überraschung wurde der Hund auf einmal halb weiß, blieb aber immer noch liegen. Jetzt wußte sich der schlichte Bauer keinen Rat mehr; er rief nun mit lauter Stimme: »Lieber Herrgott, laß mich doch nur wissen, was dieses Höllentier von mir will!« Sobald er diese Worte gesprochen, wurde der Hund ganz weiß und verschwand, und eine Stimme rief dem Bäuerlein zu: »Tausend Dank! Du hast meine arme Seele erlöst und mich von meinem Leid befreit!«
Im Jahre 1867 ging am heiligen Weihnachtsabende ein mutiges Bürschchen, das bei einem Görkauer Meister in der Lehre stand, heim zu seinen Angehörigen nach Komotau. Furchtlos schritt der Jüngling vorwärts. Ein kalter Frost wehte ihn an, lautlose Stille herrschte ringsum, nur unterbrochen von dem Knirschen des Schnees. Schon hatte er Udwitz hinter sich; da, kaum noch 100 Schritte von der St. Josephsstatue entfernt, erblickt er den schwarzen Hund, dessen feurige Augen wohl auch dem Beherztesten Schrecken eingejagt hätten. Halbtot schleppte sich der arme Junge weiter, kein Auge von dem unheimlichen Begleiter wegwendend. Da griff er plötzlich in die Tasche, zog sein Messer heraus und stach auf die Bestie los. Zwar schwang der Arm das Messer, ein Schwefelgestank verbreitete sich, aber – ruhig schritt das Tier wieder neben dem Wanderer einher. Kalter Angstschweiß bedeckte die Stirn des armen Knaben; schon glaubte er, sein letztes Stündlein sei gekommen. Da faltete er die Hände und fing an zu beten. Kaum hatte er ein Vaterunser geendet, so war auch das Untier verschwunden. Bleich und verstört kam der Ärmste bei den Seinen an. Längere Zeit hindurch mußte er das Bett hüten.
In den frühesten Zeiten hat der Hund wohl allen Ariern als ein den Göttern geheiligtes und darum mit der Gabe der Weissagung ausgestattetes Tier gegolten. Später wurde er Hüter der Unterwelt und galt dann als Tod- und Unglücksverkündiger. Der eine von den beiden »Wege bewachenden« Hunden, welche nach der indischen Sage dem Todesgotte Yama beigesellt sind, ist der schwarze Sarameya, der die Sterbenden heimsucht. Auch die griechische Mythe weiß von einem Höllenhunde und geistersichtigen Hunden wie die germanische Sage. Nach letzterer wittern es auch die Hunde der Sterblichen, wenn die Nornen und Walkyren ausgesandt werden, oder wenn die Pestseuche naht. Odhin und seine Walkyren werden von einem Hunde begleitet. Gespenster erscheinen als Hunde, so z. B. der holländische Nachtgeist Lodder, welcher seinem Namen nach dem Bruder Odhins und Mitschöpfer der Menschen, Lothur, entspricht. (Rochholz, deutscher Glaube und Brauch I., S. 101.)
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 236.)
Auf dem Schönauer Berge bei Graslitz soll in der Nacht ein Hund herum gehen, mit einer brennenden, feurigen Zunge. Derselbe soll den Leuten, besonders Mädchen auf den Rücken springen und sich dann eine Strecke forttragen lassen.
(Mündlich.)
Kurz vor dem sogenannten Zigeunerwalde zwischen Rittersgrün und Pöhla sollen sich manchmal des Abends zwei weiße Pudel mit glühenden Augen und an feuriger Kette festgehängt sehen lassen.
Das Erscheinen weißer Tiere gilt als Tod verkündend. Wahrscheinlich hat sich diese Prophezeihung ursprünglich auch mit dem Erscheinen der beiden weißen Pudel, so wie eines weißen Widders und Schafes in den beiden folgenden Sagen verknüpft. Die Bewohner der Glarner Alpen sprechen, wenn ein Gemsenjäger in der Wildnis umkommt, er habe eine weiße Gemse gesehen, und ebenso verkündet auch nach einem Volksglauben in der Lausitz und in Böhmen ein weißer Schmetterling den Tod. Vielleicht hängt damit auch die weiße Trauerkleidung der Slaven zusammen. Rochholz (deutscher Glaube und Brauch I., S. 138.) vermutet, daß eine Zeit bestanden haben müsse, in welcher das Kennzeichen von Trauer und Freude durchgehend die weiße Tracht gewesen sei, da letztere ursprünglich »ein feierliches ins Leben treten und ein unergründliches Geheimnis des Wiederverschwindens« bezeichnete.
(Mündlich.)
Auf dem Gleeßberge bei Schneeberg heißt ein Felsen der Pandurenfelsen. Man erzählt, daß auf und an ihm einst die Bewohner von Aue mit Panduren gekämpft haben sollen. Noch läßt sich auf ihm zuweilen des Nachts ein weißer Widder mit feurigen Hörnern sehen.
(Mündlich.)
Bei dem nahe am Weinberge gelegenen Gottesacker zu Wildenfels soll sich zu nächtlicher Stunde früher ein weißes Schaf haben sehen lassen, welches die Vorübergehenden erschreckte.
(Mitgeteilt vom Lehrer G. Günther aus Lößnitz.)
In der Nähe der bei Niederschlema über die Mulde führenden Eisenbrücke stand vor Jahrhunderten und noch ehe Schneeberg gegründet wurde, ein Eisenhammer. Auch wurde das Eisenerz, welches damals am Schneeberge gegraben ward, über die alte Brücke nach Lößnitz gefahren, um es daselbst auf der Ratswage wiegen zu lassen. Die Brücke war mit einem Dache versehen und deshalb sehr dunkel, und weil außerdem auf beiden Seiten der Mulde bis an das Ufer finstere Waldungen waren, wurden an dieser damals schauerlichen Stelle viele Greuelthaten verübt. Unter andern wurde daselbst auch ein Mann erschlagen, welcher einen schwarzen Pudel mit sich führte. Dieser Pudel ist dann noch nach langen Jahren bei der Brücke gesehen worden, seinen Herrn suchend, und darauf ist er jedesmal plötzlich wieder verschwunden.
(Mitgeteilt durch Sem. Paul Mothes aus Bockau.)
Auf dem Hemberge bei dem Bergflecken Bockau ist ein bestimmter Kreis, in welchem ein schwarzer Hund haust. Wer sich in diesen Kreis verirrt, der sieht den Hund und trägt jedesmal eine Krankheit davon.
(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)
Noch jetzt hört man von alten Leuten, besonders Hüttenarbeitern in Grünthal die feste Behauptung, daß um den Kupferhammer daselbst ein großer schwarzer Hund schleiche, aber nicht wie andere dieser Tiere auf vier, sondern nur auf zwei Beinen, und daß er oft heimkehrenden Arbeitern ins Genick springe, sie auch wohl bis über die nahe Landesgrenze verfolge.
(Mitgeteilt von Ernst Michael in Niederhaßlau.)
An der Straße von Bockwa nach Niederhaßlau, auf der sogenannten »Köppe« oberhalb des neuen Bockwaer Friedhofes, soll sich öfters um Mitternacht ein schwarzer gespenstischer Hund sehen lassen, der entweder neben den ihm Begegnenden ein Stückchen hinläuft und dann plötzlich verschwindet, oder auch sich diesen eine Weile in den Weg stellt und sie im Weitergehen hindert. Den oder jenen soll er zuweilen auch genötigt haben den Straßendamm hinabzuspringen, wohin er darauf selbst gefolgt ist, um in den nahen Muldengebüschen, von woher er zumeist gekommen war, sich zu verlaufen. – Von den letzteren ist bekannt, daß sich darin etliche Personen erhängt, ebenso, daß in dem daneben rauschenden Muldenwehre mehrere Lebensüberdrüssige ihren Tod gesucht und gefunden haben.
(Mündlich.)
Auf dem Walksteige zwischen Dippoldiswalde und Ulberndorf läßt sich zuweilen ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sehen, den die Umwohnenden Walk- oder auch Waldpudel nennen.
(Mündlich.)
An dem Huthause bei Ober-Karsdorf oder beim Stollen an der Naundorfer Brücke sind schon viele von einem gespenstischen Hunde, welcher der Hüttenmops heißt, erschreckt worden. Der Hüttenmops erscheint auch in Olbernhau, Oberneuschönberg, Rothenthal, Grünthal und Umgegend. Er heißt dort meist »Hüttenmatz« oder »Hüttenmutz«, und die ihn gesehen haben, beschreiben ihn als einen großen, schwarzen Pudel mit feurigen Augen, der des Nachts umherstreicht, ja zuweilen sogar auf Bäumen angetroffen wird. Gesagt wird weiter, daß der Hüttenmops ein böser Geist sei. Einst ist er einem ruhig dahinschreitenden Fleischer auf den Rücken gesprungen, und trotz allen Schüttelns, Betens und Fluchens konnte ihn der Mann nicht wieder herunterbringen, bis er vor seiner Thür angelangt war, wo das Gespenst mit einem höhnischen Schrei verschwand. Der Fleischer aber starb nach drei Tagen.
Auch auf der Straße zwischen Freiberg und Erbisdorf ließ sich früher der Hüttenmops in Gestalt eines riesenhaften Pudels mit feurigen Augen sehen. Man hielt ihn für einen verwandelten Bergbeamten, der ohne Rast von Grube zu Grube wandern mußte. (E. H. Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, S. 4.)