Blick auf den Fahrpreisanzeiger

»Gewiß,« sagte ich, »dazu sind die Zähldroschken extra erfunden. Das nächste Mal nehmt Ihr keinen Weißlackirten, sondern einen einfach Schwarzen.«

»Und dann fahren Sie mit,« sagte Tante Lina, »und zeigen uns Alles, damit ich zu Hause erzählen kann, wie Berlin eigentlich aussieht. Die Zwei Mark vierzig heute sind rein weggeschmissen. Gut, daß Oberlehrer Kranz das nicht erfährt, der behauptet immer, Frauen können nicht rechnen. Seine Frau versteht es allerdings nicht, sie giebt viel zu Unnöthiges aus; ihr Vater machte bankerott; das Geld lag in der Ofenröhre, und wer was brauchte, nahm welches, das konnte nicht bestehen. Und mehr als knappe Aussteuer brachte sie nicht mit. Kranz giebt ihr nie über drei Mark, aber die Leute sagen, sie läßt anschreiben. Er hätte sich besser mit Viedt's Tochter gestanden, Viedt's stehen sich breit...«

»Bitte, entschuldigen Sie mich; ich muß in die Küche.« — Halb verzweifelt flüchtete ich ins Kontor.

»Was ist? Was giebt's?« fragte mein Karl bestürzt, als ich, dem Weinen nahe, auf das Kanapee sank.

»Viedt,« stöhnte ich.

»Armes Weib.«

»Karl, eine Postkarte! Ich schreibe der Redaction: auf Architektur müßte sie Umstände halber verzichten. Aber spotte nicht. Ich bin so mürbe, so mürbe.«

»Minchen, weißt Du 'was? Wir Beide ganz allein machen hinaus nach Treptow. Ich habe im Weinhäus'l einen vorzüglichen Tropfen ausbaldowert. Wir ganz allein, Minchen.«

»Ja, mein Karl. Sicherer wäre am Ende nach dem Grunewald. Aber wie Du willst.«

Es giebt doch keinen heilenderen Balsam als ein liebendes Wort. Das empfand ich so recht einmal wieder.


Titel-Dekoration

Ein freier Tag.

Wenn es gewittert, fürchtet Tante Lina sich. Dann kriecht sie ins Bett.

Tante Lina kriecht ins Bett

Ottilie sagt, der Strauß macht es ebenso. Ich weiß nicht, ob der sich auch das Kopfkissen über die Ohren zieht, um den Donner nicht zu hören und bei jedem Blitz aufjucht wie Tante Lina, würde es ihm jedoch nicht übel nehmen, wenn er es thäte, weil er als Wüstenvogel für die neueren Erfindungen kein Verständnis hat, wie man von Mitgliedern des neunzehnten Jahrhunderts verlangen kann.

Tante Lina lebt und liest in der Jetztzeit und müßte daher wissen, daß Gewitter auch im Kleinen mittels Elektrisirmaschinen hergestellt werden können, wie Ottilie ihr beruhigungs- und aufklärungshalber aus Krüger's Lehrbuch der Physik vorgelesen hat, worin ein Papphäuschen abgebildet ist, das durch den positiven Funken auseinanderklappt.

Bei dem geringsten Gewitterverdacht bleibt sie daheim und bei dem ersten fernen Grollen des Horizonts flüchtet sie in die Federn.

Mein Karl findet das altfränkisch; Ottilie meint, es wäre Idiosynkrasie gegen elektrische Spannungsverhältnisse, obgleich im Meyer unter diesem Worte mancherlei steht, was ich von Tante Lina unmöglich annehmen kann und sich auch mehr in Widerwillen gegen Speisen äußert, der mir bis dato bei ihr nicht aufgefallen ist. Dorette beschwert sich über das mehrfache Bettenmachen, zumal wenn mehrere Gewitter am Tage sind, und schilt Monologe. Ich für meine Person behaupte, es ist das Alleinstehende, das sie ins Bett treibt.

Wenn es so recht graulich wird, beinahe Nacht am Tage, und ein Blitz fängt an, den anderen zu überbieten und das Rollen wird zum Knattern, dann gehe ich zu meinem Karl, oder er kommt zu mir, und ich fühle mich geborgen, denn ohne etwas Bänglichkeit ist man doch nicht, wenn Blitz und Schlag eins sind und man sich sagen muß: es steht gerade über uns, mit den dunklen Wolken, den Schwingen des Todes. Gottlob, wenn sie verschweben und der Himmel lichtet sich wieder.

Warum Tante Lina sich unvermählte, danach frage ich sie nicht. Vielleicht, daß Solche warben, die weniger sie, als ihr Vermögen begehrten, vielleicht, daß sie sich zu lange jugendlich dünkte, und als sie sich besann, mit Schrecken bemerkte, daß sie bereits zu den Kaltgestellten zählte. Und dann ist das Assortiment der Heiraths-Candidaten in kleinen Städten meist nur gering kompletirt, und ist keiner darunter, für den das Herz schlägt: warum den Prediger zu einer Traurede verleiten, die zum Höllensegen wird anstatt zur Segnung irdischen Glücks?

Und darum geht Tante Lina ins Bett, wenn es donnert.

Man darf die Schwächen seiner Nebenmenschen eigentlich nicht ausnutzen, aber wozu sind sie da, wenn sie nicht verwendet werden sollen? Als es wieder heiß und schwül war und Tante Lina ihre Zuflucht zur Baba nahm, weil sie das Gerummel eines Bierwagens in Kinderüberfahrgeschwindigkeit für die Stimme der erzürnten Vorsehung gehalten hatte, sagte ich zu meinem Manne: »Karl, sie liegt fest, ich habe frei. Was meinst Du, wenn wir zwei Beide alleine gingen? Ottilie sucht die Tante Lina mit dem Physikbuch zu bekehren und hat auch noch Briefe zu schreiben. In den nächsten Tagen kommen Ungermann's und dann Kliebisch's ... Die Gelegenheit ist heute günstig.«

»Ich muß so wie so hinaus und nachsehen, ob der letzte Regen meiner Ausstellung Schaden zugefügt hat. Der Reichsadler aus den schwarzen Socken auf weißem Grunde reicht dicht bis an das Glasdach.«

»Und die Blauholz-Brühe läuft in Strähnen herunter?«

»Nicht doch, die Strümpfe sind goldecht gefärbt.«

»Wie Dein Herz, mein Karl. Nein, Du stellst nichts Unredliches aus, selbst nicht in der dekorativen Verzierung. Dir müßte die Stadt eine Statue setzen.«

»Unter einer halben Million thäte die es schwerlich. Und noch leb' ich ja, und heute wollen wir vergnügt sein.«

»Nicht so laut, Karl! Du scheuchst Tante Lina auf. Seit einer Viertelstunde bullert kein Wagen, der sie niederhielte. Aber weißt Du was...?«

Ich hinaus nach der Küche und die Blechplatte geholt worauf ich familiäre Konditorwaare backe, und die zum Gewittermachen gebraucht wurde, wenn die Kinder Puppen-Theater spielten, wie Onkel Fritz ihnen gezeigt hatte.

»Karl, faß' es an den Ecken oben an und schüttle es; erst langsam, dann mit zunehmender Gewalt und dann ganz balbarisch.«

Er übte einige Male bei verschlossener Thür, und als er es konnte, brachte er auf dem Gange einen so natürlichen Donner heraus, daß ein staatlich angestellter Metereologe nicht im Stande gewesen wäre, ihn von einem echten zu unterscheiden.

Sogar Dorette eilte herbei und fragte, ob es eingeschlagen hätte.

Ich reichte ihr das Blech und sagte, der Herr hätte ein neues Rostschutzmittel probirt, weil sie das Geschirr nach dem Aufwaschen nie ordentlich austrocknete, worauf sie mit länglicher Gesichtsbildung abzog.

Wir haben aber gelacht, mein Karl und ich. Nein, wie haben wir gelacht! Immer wieder, und uns Tante Lina ausgemalt, wie sie sich ins Bett eingräbt und die Ohren verpanzert. Und lachenden Sinnes verließen wir das Haus wie die großen Kinder.

Wir hatten ja einen freien Tag.

Uns lächelte das Glück. An meines Karls Aufbau war der Regen vorbeigeglitten, um einen Konkurrenten einzunässen; der Adler prangte siegreich in seiner ganzen künstlerischen Schönheit. Wir betrachteten die Sündfluth nebenan, denn kein Mensch ist so hartherzig, daß ihn das Mißgeschick seines Nächsten nicht zur Begutachtung einlüde und als wir den Schaden verhältnißmäßig gering fanden, waren wir zufrieden. Es hätte uns ja das Nämliche blühen können.

In dem Hauptgebäude naschten wir hier und da im Vorübergehen an den gewerblichen Leistungen und strebten dem Freien zu. Im Grünen sitzen, das schöne Konzert der badischen Leibgrenadiere aus Karlsruhe anhören, das war unser Plan. Sie spielen ausgezeichnet, auch ältere Stücke aus altmodischen Zeiten, die mir besser gefallen, als welche die Jüngeren machen. Die fangen an, die Musik windet und krümmt sich, und wenn man meint, nun kommt da 'was, ist die Geschichte aus.

Der Blick auf das weiße Eß- und Trinkschloß mit dem Wasserthurm ist bei Nachmittagsbeleuchtung einzig. Von der Sonne angeglüht, hebt es sich italienhaft von dem blauen Himmel ab, und spiegelt sich in dem See, den Gondeln und Barken beleben. Auch die in den Park hereingeleitete Spree muß verdienen helfen, und das thut sie, indem Hunderte sich für einige Nickel nach dem Karpfenteich hin und zurück wricken lassen. Da ich ebenfalls Gelüste äußerte — Wasserfahrt mit Walkürenritt-Orchesterbegleitung ist eben zu ideal — willigte mein Karl ein, aber gerade, als er die Schwimmscheine für uns lösen wollte, redete ihn ein Herr an.

»Endlich erwische ich Sie,« sagte der.... »Kommen Sie man gleich mit. Sie haben mir versprochen, unseren Pavillon zu besuchen; jetzt hilft kein Sträuben.«

Mein Karl stellte ihn vor: »Herr Schulz, städtischer Beamter, Freund vom Stammtisch.«

Dieser Zusatz wirkte vergällend, denn alle Erfahrungen die ich bis dato mit diesem Möbel gemacht habe, sind unerfreulich. Ich halte den Stammtisch für eine Art Magnet, der nichts Gutes an sich zieht, wodurch die Besseren verdorben werden und sollte thun als wenn ich mich geschmeichelt fühlte. Diesem zu entgehen sagte ich: »Wir wollten gerade ein wenig gondeln.«

»Das ist bei Abend viel schöner,« entgegnete Herr Schulz, »und wir machen um Achten zu. Gehen wir gefälligst.«

Sich mit städtischen Beamten anlegen, halte ich für riskant; ich fügte mich daher, als hätte das Gesetz gesprochen. Auch kam mir unwillkürlich der Gedanke: sollte dieser Schulz wohl gar die Strafe für den Unfug sein, den wir mit Tante Lina getrieben?

Es giebt eine Nemesis, nur daß der Eine früher hineinrennt, der Andere später. Aber gerannt wird.

Herr Schulz hakte meinen Mann unter und zog ihn wie einen Arrestanten vorwärts. Ich folgte, bis vor einer Einbuddelung mit Mauerarbeit gehalten wurde.

»Nur heran,« sagte Herr Schulz. »Nur heran, Madamchen. Hier können Sie sich mit dem Haupt-Kanalisationsrohr der Stadt Berlin anfreunden und Ihre geehrten Vorurtheile gegen die Rieselfelder ablegen. Oder gehören Sie schon zu denjenigen, welche eine höhere Stufe erklommen haben und nichts gegen den Kohl einwenden, den wir bauen?«

»O nein,« erwiderte ich mit einiger Anstrengung zu lächeln.

»Schönecken. Womit die Stadt am meisten zu kämpfen hat, das ist der Unverstand. Sehen Sie dieses Rohr aus besten Klinkersteinen — bitte treten Sie ein — stellt die unterirdische Leitung dar, durch das die Abwässer entfernt werden. Hier an der Seite die Hausanschlüsse. In der Mitte der Einsteigeschacht.«

Wir also hinein in das Rohr. Es war trocken und propper, worauf es beim Gebrauch allerdings keinen Anspruch macht, aber trotzdem war ich froh, als wir es nach Herrn Schulz Meinung hinreichend kennen gelernt hatten. Wir waren doch gekommen, um uns zu vergnügen. Und Kanalisation ist kein Vergnügen.

Hierauf mußten wir uns die Filteranlage gefallen lassen, woran der Fachmann sieht, wie das Trinkwasser für Berlin gereinigt wird. Für die Stadt und ihre Bewohner ist dies von größter Wichtigkeit, Epidemien hängen davon ab und Armenpflege. Aber wenn man Lust hat, fein zu speisen, schwindet das Interesse an den unterirdischen Wohlfahrtseinrichtungen.

Mein Karl und Herr Schulz lagen bei der Besichtigung bald in Meinungsverschiedenheiten und fochten, wie mir schien, alte Stammtischscharmützel über die Stadtverwaltung aus.

Zuletzt legte ich mich ins Mittel und fragte, ob die Herren keinen Durst verspürten?

»Erst das Geschäft,« entgegnete Herr Schulz, »und dann die Weiße. Sehn Sie, Buchholz vertritt die Abfuhr an unserem Tisch...«

»Karl,« nahm ich strenge das Wort, um Herrn Schulz darauf zu stoßen, daß er Rücksicht auf meine weibliche Anwesenheit nähme, »Karl, was geht Dich die Politik an? Du geräthst noch so tief hinein, daß wir von dem schönen Abend nichts mehr haben. Verzeihen Sie, Herr Schulz, unsere Absicht war, uns zu amüsiren.«

»Sollen Sie auch. Kommen Sie man mit. Buchholz macht uns jedesmal Opposition im Bezirksverein, das muß ihm ausgetrieben werden.«

Ich war empört. Aber ein städtischer Beamter...!

Der Pavillon der Stadt Berlin gefiel mir. Außen ansehnlich und inwendig luftig und sinnvoll gemalt, gestattet er dem Steuerzahler einen Einblick in die Mühewaltung der Oberleitung für das Gedeihen und die Entwickelung der Residenz.

»Sind dies Telephondrähte?« fragte ich bei einem Plan, in den Stäbe gestochen waren, von denen feine Fäden nach einzelnen Punkten gingen, kurze und längere.

»Sehen Sie's man gründlicher an,« forderte Herr Schulz auf. »Das sind nämlich die Schulwege, wieweit die Kinder zu laufen haben, bis sie an die für sie bestimmte Bildungskrippe gelangen.«

»Da haben manche eine gehörige Ecke.«

»Irgendwo wohnt man in der großen Stadt immer weit ab,« sagte Herr Schulz. »Aber Sie sehn, wie durch solche Pläne Licht in die Sache dringt und darauf hin, wie es nur geht, Aenderung geschaffen wird. Jedoch wird trotzdem auf die Verwaltung geschumpfen.«

»Fällt mir gar nicht ein,« erwiderte mein Karl. »Ich behaupte ja blos: vom national-ökonomischen Standpunkt ist Abfuhr einbringlicher...«

»Karl, bist Du parlamentarisches Fractionsmitglied, daß Du denselben Ekel immer wieder aufrührst? Also Schluß. — Und was ist dieses?«

»Handarbeiten der Blinden, aus der städtischen Anstalt.«

Ich betrachtete die Sachen. Wie sauber das Geflochtene und Gehäkelte und die Pantinen und was sie Alles herstellen! In ewiger Nacht mit dem Tastsinn gearbeitet! Und viele, viele, die ihr Augenlicht haben, sind faul und ungeschickt. Führt sie her, daß sie sich schämen.

Aus den verschiedenen Fortbildungsschulen sind Fachleistungen ausgestellt. An die Stellen der Handwerksmeister sind Schulen getreten. Wie die Zeiten sich ändern. Ich hatte keine Ahnung davon, wie die Stadt in diesem Sinne sorgt und strebt. Gut, daß man es hier gewahr wird, wenn auch, wie es ja nicht anders durchführbar, blos in Proben.

»Herr Schulz,« sagte ich, »wenn ich eben solchen Hut trüge, wie mein Mann, würde ich ihn hochachtungsvoll abnehmen.« — Mein Karl lüftete pflichtschuldigst seinen spiegelblanken Cylinder, neu aufgebügelt, ohne die kleinste Krampfader darin, den er zur Erhöhung der Festfreude aufgesetzt hatte.

»Lassen Sie den Tintenproppen man sitzen, Buchholz,« entgegnete Herr Schulz. »Besser reden Sie am Stammtisch weniger Unsinn.«

»Wenn Jemand Unsinn redet, liegt es am Hörer,« fuhr ich auf.

»Stimmt! Es giebt Horchlappen, die auf Vernunftgründe nicht reagiren,« sagte Herr Schulz.

»Wie die geehrten Ihrigen,« wischte mein Karl ihm aus.

Ich wollte auch noch einen Satz hinzufügen, aber die Beiden sahen sich an und lachten. Es war nur eine kleine Neckerei gewesen, ein sogenanntes Wortgefecht ohne tödtliche Beleidigung, wie sie, hieraus zu schließen, unter sich gewohnt sind.

Herr Schulz erklärte uns das Rieselfeldmodell, die einzelnen Ackerflächen, wo Getreide gebaut wird und wo Gemüse und wie das Pumpstationswasser durchsickert, daß es klar und rein wird und selbst Goldfischen zum Aufenthalt dient, ohne daß sie an Typhus zu Grunde gehen, wie zwei lebende Beispiele kund thaten. Fischen ist bekanntlich in Gedichten und kleineren Erzählungen immer wohl, allein wer sagt, ob sie in Wirklichkeit nicht doch schon Leibschneiden oder Kollern haben, da sie in eins weg blos Glupaugen machen? Ich kenne nichts Melancholischeres als Goldfische.

»Muntere Thierchen, nicht wahr?« sagte Herr Schulz, als er sie wieder wegthat.

»Schon mehr Schlummerköpfe mit Flossen!« wollte ich antworten, aber ich nahm eine andere Wendung. So darf man städtischen Beamten doch wohl nicht kommen? »Was ist dieses inmitten der Rüben und Radieschen?« fragte ich, »dies Rothe und Weiße?«

»Wenn ich Ihnen das sage, das glauben Sie ja doch nicht.«

»Versuchen Sie's!«

»Das sind nämlich Rosen, Damascener Rosen und daraus wird hier in Berlin in der >Rothen Apotheke< Rosenöl destillirt.«

»Was Sie sagen!«

»Sehen Sie, wie ich schon wußte, kein Deibel will's glauben. Und doch ist es so. In Sachsen fingen sie mit den Rosenpflanzungen an und wir versuchen es jetzt auch mit Erfolg. Denn das deutsche Rosenöl wird in Paris um die Hälfte theurer bezahlt als das beste türkische, weil es mehr hergiebt, feiner ist und garantirt unverfälscht. Was sagen Sie nun?«

Ich war stumm. Dann rief ich verwundert aus: »Karl, was wir so nach Osdorf rieseln, wird Rosenöl! Das übersteigt die kühnste Phantasie.«

»Einfache Ausnutzung der Naturkräfte durch Stadtverordnete, weiter nichts,« sagte Herr Schulz mit bescheidenem Stolz, der hier auch am Platze war, wenn man bedenkt, daß die Behörde aus Abscheu köstlichen Rosenduft gewinnt, während die jüngste Dichterrichtung das Leben aller Kränze entkleidet und die Menschheit mit Sielschlamm begießt.

Die Riesen-Riesel-Kartoffeln, Kohlrabi, Salat, Hafer, Roggen- und Weizenstauden fesselten uns ebenso sehr wie die goldverzierten Fläschchen mit der Rosenessenz und, eh' wir es uns versahen, war Schluß des Pavillons. Wir dankten Herrn Schulz, der darauf bestand, uns zu einer Weißen einzuladen, die wir ihm als städtischem Beamten nicht abschlagen durften.

Mein Karl hatte eine kleine Verschwendung bei Dressel und Adlon nach der Gondelung vorgehabt, die fiel jetzt in Weißbier mit Sülzcotelette und Bratkartoffeln, was durstlöschend und sättigend war, wenn auch ohne die immense Vornehmheit, die wir uns dort unter den Spitzen Berlins angethan hätten.

Wir bauten daher bald ab. Herr Schulz erläuterte uns noch die Straßenpflasterung und kam dabei wieder unter die Erde auf die Rohrlegung, und die Kabbelei von vorhin stand vor erneutem Ausbruch. Der Vernünftige aber zieht rechtzeitig vor dem Streit Leine. Ich sagte: »Wir gehen!« Auf dem Heimwege fragte ich: »Was Tante Lina wohl macht? Das Wetter hat sich wundervoll gehalten.«

»Hoffentlich hat sie nichts gemerkt,« sagte mein Karl.

Als wir zu Hause anlangten, war weder Tante Lina vorhanden noch Ottilie. »Dorette,« rief ich, »Dorette, wo sind die Damen?«

»Mit einen jungen Herrn ausjefahren. Was die Tante is, meinte, mit den einen dollen Schlag wäre das Gewitter wohl alle jewesen.«

»Wer war der junge Herr?«

»Kennen duh ick'n nich, aber die Freilein Ottilie, die schien als wenn't en intimer Freind von sie sein dähte.«

»Es ist gut, Dorette, Sie können gehn.«

Ob es der junge Mann von neulich war? Oder ein anderer? Tante Lina und Ottilie haben sich auf ihren gemeinschaftlichen Gängen sehr aneinander geschlossen. Man hätte sie nicht ohne Aufsicht lassen sollen.

»Karl,« rief ich. »Da haben wir uns was Schönes zusammengedonnert.«

»Deine Idee, Minchen.«

»Du thust sonst doch nie, was man Dir sagt. Warum denn gerade heute den Unsinn?«

»Gute Nacht, Minchen. Weißt Du, das Schlafen in der Fabrik hat doch etwas für sich.«

Er ging. Ich wartete auf den rückständigen Hausbesuch. Als sie endlich kamen, that ich, als sei ich nicht im Geringsten neugierig. Ottilie erzählt mir von selbst bei Gelegenheit haarklein, was war. Und verschweigt sie den jungen Mann, zwick ich ihn aus Tante Lina. Was zwei Weiber wissen, ist so gut, als hätte die Dritte es schriftlich.


Titel-Dekoration

Kindervergnügen.

Als Großmutter ist man den Enkeln schuldig, ihre jungen Seelen mit Geistessämereien fürs Leben zu bestellen und, da ich ihnen von den Löwen und Elephanten und den Eisbären erzählt hatte, die, wenn sie auch weniger ins Gewerbliche, so doch ins Verdienliche schlagen und deshalb ausstellungsberechtigt sind, ließen die lieben süßen Wesen keine Ruhe, bis der Vater schalt: »Hat sie Euch den Kopf voll geschwatzt, scheert Euch zu ihr, ich gebe bei den schlechten Zeiten kein Geld für Allotria her.«

Dies vernahm ich unbemerkt im Nebenzimmer sitzend, auf meine Tochter wartend, die zu ihrer Schneiderin geeilt war, um bei der verabredeten Kinderpartie ihren Stand tadellos zu vertreten. Und beispiellos billig: einfach ein älteres Schwarzes aufgedoktert, mit einem maigrünseidenen goldgestickten Schultereinsatz durchaus nicht auffallend knallig, sondern hochdezent, nebst schwarzgarnirtem Hut, aus dessen Federn und aufgerichteten Schleifen schmale, ebenfalls maigrüne, mit Goldlitze eingefaßte Sammetbändchen hervorlugen, so daß durch die Mitwirkung ihres rosigen Teints meine Tochter in dieser Zusammenstellung sich als sogenannte Farbensymphonie sehen lassen kann.

Und dies Vergnügen wollte der eigene Gatte stören, weil ihm die Löwen zu theuer waren. Freilich kannte er das Kostüm noch nicht, da sie ihm wohlweislich nie mit der Kleiderfrage kommt, bevor sie drin sitzt und er sein Wohlgefallen äußert. Er mag es, wenn seine Frau liebreizend aussieht, und, wenn sie ihm vorrechnet, wie sparsam sie sich verschönert hat, giebt er ihr einen Kuß extra.

Ich wollte mein Maisgelbes anziehen, Betti hatte sich für helles verwaschenes Blumenmuster entschieden, Ottilie, wie immer, in ihrem Blauen, und Tante Lina Grünbräunlich-Changeant. Die Kinder waren sämmtlich in Weiß gedacht, die Knaben mit Marinekragen, weil, wenn man zufällig jemand aus maßgebenden Sphären anrennt, dieser sagt: »Sieh da, eine Familie, die die steigende Bedeutung des Seewesens erfaßt hat. Wer mag das sein? — Und man kann nicht wissen, ob solcher Zufall dem Fortkommen der Enkel nicht von Vortheil ist? In den Schicksalen berühmter Männer liest man stets, wie ähnliche Nebenthatsachen die Wandlung zur Größe verursachten.«

Und dann hatte ich Frau Butsch mit den beiden Stief-Kinderchen eingeladen. Sie möchte ihnen gern mehr gewähren, als Herr Butsch gestattet wegen ihrer Groschensiebe von Händen und da dachte ich: nimm sie auf Dein Konto, Wilhelmine, sie übertragen es auf die Stiefmutter, und in das Wurachen um den Erwerb scheint ein Tag der Liebe hinein, an dem die Herzen einander zublühen, wie Erika sagte, als ich ihr meine Ansicht mittheilte und sie fragte, ob sie und klein Wilhelmine sich anschlössen?

Sie hatte Lust, aber Onkel Fritz war verweigernder Meinung.

»Mein Töchterchen ist noch zu harmlos, die Verdienste des Arbeits-Ausschusses zu würdigen.«

»Wird auch nicht verlangt, für sie sind die übrigen Schaustellungen.«

»Zu zart.«

»Die wilden Thiere.«

»Zu ängstlich.«

»Aber die Aeffchen im Affenparadies?«

»Die Affen überläßt sie ihrem Vater.«

»Also Du willst nicht?«

»Nein!«

»Warum nicht?«

»Beantworte mir: Was bleibt dem Erwachsenen, wenn er als Kind schon alle Reizmittel durchkostet, die zum Todtschlagen der Zeit geboten werden? — Uebersättigung. Man badet einen Säugling in der Wanne und hält ihn nicht unter den Rheinfall.«

»Seit wann bist Du so weise.«

»Seit ich Vater bin.«

Er sprach das mit einem Ausdruck tiefinnerer Glücklichkeit, der alles weitere Anpurren hinfällig machte. Seine Liebe ist es, die über dem Kinde schützend die starken Arme ausstreckt. Und wenn Liebe übertreibt, wer möchte sie darum schelten?

Erika heißt stillschweigend gut, was er bestimmt oder vielmehr, er vollführt, was ihr Denken und Sinnen ist, und das Töchterchen gedeiht dabei; ein wahres Herzeken. —

Mein Grundsatz ist, wenn Kinder mitgenommen werden, sie erst tüchtig satt zu machen und am weitesten langt man mit Napfkuchen. Der ist nahrhaft, stopft und hält vor.

Es war ein liebliches Bild, als das halbe Dutzend Jugend um den Tisch saß und den Kuchenteller meuchelte: Fritz und Franz, Betti's Karla und Willi und Butschen's Peter und Edmund, alle in Weiß. Wir Aelteren tranken Kaffee, ebenfalls mit Napfkuchen, von dem Tante Lina sich sogar das Rezept ausbat. Daß sie sich in gehobener Laune befand, betrachtete ich als eine Mahnung aus öberen Regionen und als Gutheißung meiner Absicht mit der verlorenen Tasche, die sich endlich reumüthig angefunden hatte. Die Zahnbürste und das Gläschen Kölnisches Apothekerwasser hatten zum Besitzausweis genügt.

Tante Lina ahnte nicht, daß ihr sehnlich vermißtes Handgepäck im Nebenzimmer auf das Wiedersehen harrte und erst als abgegessen und ausgetrunken war, nahm ich Fritzchen nebenan, gab ihm die Tasche und sprach: »Wenn ich Dich rufe, kommst Du und überreichst sie Tante Lina mit einem höflichen Diener und sagst: >Liebe Tante<.«

»Ich hab' ihr garnicht lieb.«

»Doch, mein Fritzchen. Tante Lina wird großmüthig an Dir handeln.«

»Wir wollen bei die Löwen.«

»Erst giebst Du Tante Lina das Täschchen und sagst: >Liebe Tante, dies hab' ich gefunden, nimm es freundlich hin.< Dann umarmt sie Dich und küßt Dich.«

»Will ich nicht.«

»Doch, Fritzchen. Nun sei artig; gleich rufe ich Dich.«

Tante Lina erzählte der Butschen gerade eine Geschichte von Viedt's. »Viedt's haben die schönen Ländereien und könnten viel mehr daraus machen, aber sie sind mit Erlaubniß zu sagen für reichlichern Dung und nicht für das Auspowern der Aecker und sind so thätig im Geschäft, indem sie jede Kleinigkeit mitnehmen und dadurch das Ihrige erreichten. Sie sagen nicht, wie viel sie haben, aber man weiß es doch so ziemlich.«

»Rechnen Sie gern in Anderleuten Portemonnaie herum?« fragte die Butschen.

Tante Lina wurde spitznäsig und dann glimmt es in ihr. Es war höchste Zeit, den Vesuv auszutreten und deshalb sagte ich rasch: »Liebe Tante, bevor wir aufbrechen, wünscht Fritzchen Ihnen einen kleinen Beweis seiner Verehrung darzubringen.« Es war dies zwar nicht ganz zutreffend, aber in der Eile entwegen die Sätze leicht. »Komm, Fritzchen.«

Er kam nicht. Die Kröte tückscht, dachte ich und öffnete die Thür. »So komm doch, Fritzchen!«

Da kam er. Aber wie!

Ihm war wohl die Zeit lang geworden und neugierig, wie Kinder sind, hatte er in Tante Lina's Tasche gekramt. Ihre Korkzieherlocken hatte er sich über die Ohren gehängt und ihr neues Gebiß trug er in der flachen Hand wie ein Vogelnest, die geöffnete Tasche über dem Arm. Und so schob er seelenvergnügt auf Tante Lina zu.

»Meine Tasche!« rief sie und aufgesprungen und die Schönheitsbeihülfen an sich gerissen und weggestochen. Sie flog vor Aufregung und pustete. Mir war der Vorfall mehr als peinlich. »Liebe Tante!« begann ich.

»Schon gut! Schon gut!« stieß sie hervor. »Das war ein starkes Stück. Sie haben wohl nichts dagegen, wenn ich noch heute abreise?«

»Aber nein...«

»Aber ja, und dabei bleibt's.« Und mir einen furchtbaren Blick zuwerfend, fügte sie hinzu: »Wir sind für ewig geschieden — Mein bischen Hab und Gut vermach' ich dem Waisenhause, da sind artige Knaben drin und, mit Erlaubniß zu sagen, keine ungezogene Rangen.«

Emmi wollte Petroleum ins Feuer gießen, weil sie doch die Range nicht auf Fritzen sitzen lassen konnte, aber ich rief: »Wenn Jemand Schuld hat, bin ich es,« und entfernte mich mit Tante Lina. Es half jedoch kein Bitten und Beten, sie war zu aufgebracht und ließ keine Entschuldigung gelten.

Auf ihren Wunsch blieb Ottilie bei ihr, packen zu helfen, und wir karawanten nach Treptow.

Unterwegs machten mir Emmi und Betti Beide Vorwürfe: Was der Sanitätsrath sagen würde, wo ich doch hätte wissen müssen, daß die Tante den Knaben unbedingt etwas ausgesetzt hätte und sie deshalb ganz anders zu behandeln gewesen wäre. Die Butschen meinte, selbst im Schauspielhause fielen Stücke durch, ich hätte mir es wohl anders gedacht, wie es hinterher kam.

»Sie verstehen mich, Frau Butsch,« entgegnete ich. »Meine Absichten waren lauter und rein.«

»Wieviel hat die Olle denn?« fragte sie.

Ich war zu zerklüftet, um sie zurechtzustoßen.

»Mama,« sagte Emmi, »denke Dir, ich habe meine Börse vergessen. Du bist wohl so gut und legst aus?«

»Ich bezahle Alles!« erwiderte ich ergebungsvoll. — Durch diese Versicherung wurden sie heiterer und dachten nicht mehr so nagend und anhaftend an Tante Linas Testament. Und war es so bombensicher, daß sie die Enkel hineingenommen hätte, auch wenn nichts passirt wäre? Denn erstens ist die Verwandtschaft nur weitmaschig und zweitens: wenn irgend ein Viedt Wittwer wird... sie ist im Stande, in den heiligen Ehestand hineinzuschliddern.

Betti und Emmi wollten erst nach dem Damenheim, wo die neuesten Moden alle acht Tage wechseln, und dann mit den Kindern nach den wilden Thieren; die Butschen hatte ihren Beiden versprochen, den Walfischkopf in der Fischerei zu zeigen, worüber Uneinigkeit auszubrechen drohte.

Unter lebhaftem Für und Wider langten wir an. Ich löste die Eintrittszettel. In Summa fünf Mark.

Oben von der Ueberbrückung aus gewahrten die Kinder sogleich den Riesen-Elephanten, der als bewohnbares Symbol des Gregory'schen Exportbieres dasteht, das in Hunderttausenden von Flaschen in die heißen Länder versandt wird, wie die Inschrift besagt.

»Merkwürdig,« sagte die Butsch, »daß der Durst allerwärts derselbige ist. Oder kriegen sie ihn erst, wenn das Bier hinkommt?«

Es freute mich, hieran wahrzunehmen, daß sie anfängt, sich auf überseeische Kulturfragen zu werfen, was sie früher nie fertig gebracht hätte. Wegen der Kinder war jedoch eine gründliche Erörterung unstatthaft. Denn was ist, genau genommen, Durst? Wo fängt er an und wo wird er sträflich?

»Gehen wir jetzt ins Damenheim?« fragte Betti in einem Tone, als wenn wir uns nach ihr richten müßten. Ich verstand sie natürlich nicht und sagte: »Was meint Ihr zu einer Nordpolfahrt? Seht doch diese Gletscher und Eishöhlen, täuschend aus Gips geklackst, belehrend für jedermann, der keine Aussicht hat, je in seinem Leben den wirklichen Nordpol zu erreichen.«

»Ich habe mir erzählen lassen,« bemerkte die Butschen, »der Nordpol wäre blos, daß einer sich berühmen kann, dagewesen zu sein, und Butsch sagte, wenn man hinkommt, ist er es gar nicht! Ob sie dort auch wohl solche Sitzbänke haben, die von selbst in'n Gang gehen?«

Ich hatte mittlerweile für Fahrscheine eine Mark vierzig abgeladen, wir selbst luden uns auf die fahrbaren Bänke und sausten in den Gips hinein mit der sich steigernden Besorgniß: »Wo ist die Umstürzecke?« Wir hatten mehr Glück als Vergnügen, indem wir unzerbrochen landeten und waren herzlich froh, diese Belustigung hinter uns zu haben.

Betti beantragte nunmehr die elektrische Rundbahn. Wir rasch zur Haltestelle, für eine Mark Nickel zusammengesucht, den Automaten gefuttert, durch das Drehkreuz gezwängt und am Halteplatz waren wir. Die Bahn kam; zwei Wagen voll. Wir sahen ihr mit gemischten Gefühlen nach, als sie schnöde davon fuhr.

»Wir benutzen den nächsten Wagen.«

Der war noch völler.

Dann kamen wieder zwei mit Platz, aber schlecht gemessen für uns alle.

Der folgende Solowagen war auch zu klein.

»Wir lassen uns unser Geld wieder geben,« sagte Emmi ärgerlich.

»Von wem denn? Von dem Automaten? Der ist, wie die Steuer, nicht auf Herausrücken eingerichtet.«

»Wir müssen suchen, einzelnt mitzukommen und treffen uns bei den wilden Thieren,« schlug die Butsch vor.

Und so geschah es, wenn auch nicht gleichmäßig hintereinander, sondern je nach der Ueberfüllung in mehrfachen Abständen. Schließlich war ich allein die letzte, die eine Stehgelegenheit auf der elektrischen Ortsveränderung heranlauerte.

Die Fahrt war beharrlich genug, um an Tante Lina zu denken. So in Bitterniß scheiden.... das wurmte mich und gar zu gerne hätte ich sie wieder gut gehabt. Nicht wegen ihrer Groschen — nein. Aber wer weiß, ob wir je wieder zusammenkommen und wir haben den Groll nicht begraben, bis es zu spät ist. Ich hätte doch wohl bei ihr bleiben müssen? Aber ich hatte den Kindern doch auch den Nachmittag versprochen.

Seehund, der eine Pfeife raucht.

Die kleinen Lämmer — sie waren in ihren weißen Anzügen ganz wie Lämmer — freuten sich, als ich endlich anlangte. — »Wo bleibst Du, Mama?« schalt Emmi. »Wir stehen hier wie die Narren.« — »Kind,« entgegnete ich, »warum verdrießlich über so kleines Ungemach? Es giebt Schwereres, als ein bischen warten in schöner, freier Natur. Aber kommt.«

Der Hagenbeck'sche Thiercirkus war justement zu einer neuen Vorstellung geöffnet. Für drei Mark fünfzig bekamen wir Plätze, von denen der große runde Käfig gut zu sehen war. Die Kinder saßen vor uns und planschten in Erwartungswonne. Und als es los ging, als drei Seehunde gebracht wurden, die Pfeife rauchten, eine Wiege schaukelten und Pistolen abschossen, brach heller Jubel bei ihnen aus.

»Rauchen die Seehunde immer?« fragte Franz.

»Nur wenn sie müssen,« sagte Emmi. »Sie sind abgerichtet.«

»Ist Papa auch abgerichtet?«

»Dummes Zeug. Papa raucht zum Vergnügen.«

Die beiden Jungen warfen sich Blicke zu, aus denen ich entnahm: Nächstens spielen sie Papa oder Seehund, je nachdem ihnen der Tabak bekommt.

Vier Elephanten machten darauf ihre Kunststücke bewunderungswürdig. Ich bin überzeugt, es giebt Menschen, die nie lernen, auf Weinflaschen spazieren zu gehen, wie diese unvernünftigen Creaturen, oder es liegt am Erziehungswesen, daß sie hoffnungslos bleiben. Der Elephant kann solche Kunst in seiner Heimath allerdings nicht verwerthen, aber man sieht doch, was ihm beizubringen ist. Und wie viel muß der junge Mann sich einrammen, ehe er einjährig dienen darf. Und doch sollen zuweilen Professoren sich anmaßen, mehr wissen zu wollen als ein Einjährig-Freiwilliger.

Nun kam die Glanznummer. Hunde, schöne deutsche Doggen, sprangen herein. Drei Löwen folgten, zwei Tiger, zwei Jaguare, zwei Bären, ein Eisbär. Die setzten sich in der Runde, jeder auf sein Brett und der Bändiger ging mitten unter sie und ließ sie arbeiten. Ein ausgewachsener Königstiger fuhr Zweirad, ein anderer lief auf einer Kugel, ein Bär tanzte aufrecht gehend Seil, kaum wiedererzählbar unwahrscheinlich und doch ohne Augenverblendung. Ein Löwe fuhr auf einem Wagen, mit Krone und Purpurmantel angethan, von zwei Tigern gezogen und zuletzt bildeten alle Thiere, auf Säulen vertheilt, eine malerische Gruppe, worin der Eisbär oben lag, der vorher nie ruhig auf seinem Platz blieb, sondern die anderen wohlerzogenen Mitwirkenden störte und anschnauzte und von ihrer Pflicht abzulenken suchte.

Ich dachte mir mein Theil. Starker Wille und Unbeugsamkeit mit Güte und richtiger Erkenntniß zwingen selbst wilde Raubthiere zu friedlichem Zusammenleben. — Aber ohne einen Stänker geht es auch hier nicht ab.

Wir waren alle hochbefriedigt, nur die Kinder wünschten noch mehr Löwen und Tiger, gaben sich jedoch, als es hieß, nun gehen wir zu den Aeffchen.

Neben dem Thier-Cirkus ist das Hagenbeck'sche Affenparadies. Zweihundert Affen in einem Käfig, wo sie Holzpferde haben, russische Schaukeln und Klettergerüste, die Glieder geschmeidig zu halten. Und nur eine Mark vierzig für uns alle. Man athmete ordentlich über die Billigkeit auf, denn zuletzt kommt man sich auf der Ausstellung vor wie in Umlauf gesetzte Scheidemünze.

Die Kinder waren glücklich, und es läßt sich nicht leugnen, der Affe ist possierlich. An dieser alten Wahrheit rüttelt selbst der Ernst der Zeit vergebens. Aber er ist auch boshaft. Ein kleines Aeffchen war, wie man so sagt, drunter durch, wohin es kam, spielten die anderen Affen ihm übel mit, daß es gellend schrie und sich flüchtete. An die Stäbe des Gitters floh es, als wenn es weit, weit hinweg möchte und bewegte die Lippen und quäkte und schalt und zog Falten vor der Stirn und die blanken Augen flogen hin und her.

Da riefen die Kinder: »Das ist Tante Lina! Das ist Tante Lina!« Und lachten und riefen: »Tante Lina!«

Ich verbot ihnen die Unart. Es half nichts. »Wer das noch einmal sagt, kriegt 'ne Abrundung,« drohte Emmi mit einer entsprechenden Handbewegung. Das steuerte etwas. Aber sie lachten innerlich »Tante Lina.«

Ich dankte meinem Schöpfer, daß die Tante nicht zugegen war. Kinder wissen ja nicht, wie grausam sie in ihrer Einfalt sind. Ich nahm Betti abseits, gab ihr ein noch zum Versausen bestimmtes Zehnmarkstück und sagte: »Bleibt Ihr hier und amüsirt Euch, ich muß nach Hause.«

»Wegen Tante Lina?«

»Ja. Sie ist gekränkt, wenn auch das Donnern mehr Scherz war....«

»Welches Donnern?«

»Nichts! Nichts! Ich habe Eile! Geht mit den Kindern in die Milchhalle, wenn sie hungrig werden, und habt gut acht auf sie!« — Ich eilte heim.

Ich nahm den hinkömmlichsten Omnibus so besetzt er auch war. »Bitte,« sagte der Schaffner, »möchten die Herren sich nicht auf das Blumenbrett bemühen,« worauf die Stehgäste eine Etage höher stiegen. Ich blickte den Fahrdirektor fragend an. — »Wenn ich >Deck< sage,« antwortete der, »geht Keiner rauf, aber auf's >Blumenbrett< gehen sie, indem sie sich dann hübscher vorkommen. Und nächstens werden die Decksitze auch für die Damen freigegeben. Blos daß die Treppen noch die öffentliche Sittlichkeit scheniren. Da muß was 'rum.«

Da durchzuckte mich die Lösung der Gleichberechtigung. »Einfach Uniform,« hallte es in mir. Wenn die Frau erst Reservelieutnant wird, hat sie das Ziel erreicht. Und wie Mancher würde das zweierlei Tuch bezaubernd stehen. Blos auf Damen im Majorsalter wäre Rücksicht zu nehmen und ich für meine Person, ich glaube, ich bleibe doch lieber unten.

Tante Lina war nicht abgereist. Gottlob! Ottilie hatte ihr zugeredet. Das werde ich ihr gedenken.

»Mir war, mit Erlaubniß zu sagen, die Galle hochgekommen,« erklärte Tante Lina ihren Zorn, »und ehe ich reise, möchte ich, daß etwas Gewisses in die Reihe kommt.« Sie sah mich scharf an und fragte: »Finden Sie nicht auch, daß Herr Kriehberg ein sehr netter Mann ist?« —

»Kriehberg? Nein.«

»O doch, er erinnert mich etwas an Johannes Viedt. Und Ottilie ist ihm geneigt.«

»Ottilie,« rief ich, »hinter meinem Rücken, wo ich Dich so gewarnt habe?«

»Da ist nun nicht viel mehr bei zu machen«, sagte Tante Lina scharf. »Hätten Sie mehr Zeit bei uns übrig gehabt, hätte Herr Kriehberg uns nicht herumzuführen gebraucht. Wenn junge Leute sich lieben, so soll man ihr Glück nicht hintertreiben. Einmal verjagt, kommt es nimmer wieder. Niemals. Nie.«

Sie zog viele kleine Stirnfalten und auch ihre Augen glänzten bald mich an, bald Ottilie.

Ein Glück, daß die Kinder nicht da waren.


Titel-Dekoration

Verwickelungen.

Wo man nicht direct selbst dabei ist, werden Verkehrtheiten vollführt, auf die man nach mehrtägiger Ueberlegung nicht gekommen wäre. So auch dieses Mal.

Bei meinem Schwiegersohn, dem Sanitätsrath, hat es nämlich einen Krach gegeben. Und worüber? — Ueber mich!

Betti hat mir es wiedererzählt. Die hat es von ihrer Schwester, der Frau Sanitätsräthin, und hätte auch wohl damit hinter dem Berge gehalten, wenn wir nicht in einen Kampf wegen vier Mark fünfzig gerathen wären, die sie als Auslagen für die Kinder-Expedition nach Treptow heraushaben wollte.

»Betti,« sagte ich, »nachdem ich Unsummen für Eintritte in's Ganze und Sonderspecialitäten und ein freiwilliges Zusatz-Zehnmarkstück gespendet, verthut Ihr noch volle vier Mark und fünfzig auf mein Konto? Das finde ich heftig. Und ein für alle Mal — ich zahle nicht. Für Gewaltsachen habe ich kein Gemüth. Womit habt Ihr denn das viele Geld verprezelt?«

»Die Kinder mußten doch das Eismeerpanorama sehen!«

»Was war denn da los?«

»Denke Dir, Mama, eine riesige Eiskute.«

»Reelles Eis?«

»Warum nicht gar Vanille-Eis? Gott bewahre, aus Farbe, wie so Panoramen überhaupt. Vorne Gewässer mit Seehunden und Möven und im Hintergrunde mit mindestens elf Stück lebendigen Eisbären.«

»Betti, die Kinder hatten im Thiercirkus Bären genug gesehen und Kunstgletscher vorher. Das war unnöthig, weil verschwenderisch.«

»Und zwei Eskimos und eine Eskimofrau.«

»Was hatte die an?«

»Pelzjacke und Pelzhosen, gerade so wie die Männer.«

»So weit sind sie schon da oben in der Aufklärung?«

»Und denke Dir, die Eisbären nahmen der Frau Fische aus dem Munde, ganz zahm. Und kriegten was mit dem Stock auf den Rüssel und rissen aus wie die Hämmel.«

»Betti, sag' selbst, ist das noch Naturgeschichte? Wenn der Lehrer den Kindern erzählt, der Eisbär ist das gefährlichste und grimmigste Raubthier des Nordens, — Ottilie hat den Brehm mitgebracht, da steht es drin — das den Menschen auf dem Lande und in Schiffen angreift und nach blutiger Gegenwehr auffrißt, lachen sie ihn ohne Frage aus, weil sie den Gegenbeweis erlebt haben. Die Folge ist Nachbleiben, Strafarbeit, schlechtes Zeugnis und elterliche Senge. Und dazu gebe ich kein Geld her.«

Betti murmelte etwas.

»Wie meinst Du?«

»Du hattest uns doch eingeladen.«

»Du sagtest eingeladen?« — Ich verstand Blaak oder so ähnliches. »Mit den zehn Mark konntet Ihr übrigens gut rund kommen. Freilich Extravaganzen hatte ich nicht vorgesehen!«

»Sollten wir mit den Kindern verhungern und verdursten?«

»Ich rieth Euch ja die Milchhalle an.«

»Aber ehe wir dahin fanden bei der Hitze! Die Butsch entdeckte eine Weißbier-Niederlassung und wir waren alle so erschöpft, daß wir ihr folgten und ihren Falkenblick lobten.«

»Nun ja, Weißbiergläser kennt sie nachgerade auch von Weitem; aber es kostet doch enorme Anstrengung, zehn Mark in Weißen zu verprassen, selbst mit hinzugerechneten Stullen!«

»Wer that denn das?« brauste Betti auf. »Und dann wurde Karussell gefahren.«

»Das kann man Kindern nicht verweigern. Die sechs Groschen sind bewilligt.«

»Die langen nicht. Wir fuhren doch alle.«

»Die Butschen auch?«

»Sie kriesch nur immer so furchtbar, weil die Sitze sich wieder um sich selbst drehen wie ein Triesel. Mama, Du mußt nächstens mal mitmachen.«

»Damit mein Gehirn verschoben wird? Nein. Jedoch ist es mancher vielleicht heilsam, indem, was an der falschen Stelle saß, an den richtigen Platz hinkreist. Möglich, daß die Butsch sich aus unbewußtem Instinct in diese Drehkur begab.«

»Sie war so karmoisinvergnügt mit den kleinen Butschens.«

»Schön, dann nehme ich das Karussell auf mich. Es bleibt aber immer noch ein ansehnlicher Rest.«

»Der schmolz in der Milchhalle ein.«

»Was?« rief ich entsetzt. »Milch? Ihr habt Milch getrunken?«

»Wie Du uns anbefohlen hattest.«

»Kalte Milch auf das Weißbier und Karussell fahren? War nicht noch Gurkensalat bei der Hand, um die Speisefolge zu vervollständigen?«

Betti schwieg verlegen. »Der war nicht mehr nöthig,« sagte sie dann etwas bedrippt.

»Sind die Kinder noch am Leben?«

»Meine ja. Emmis auch. Von den Butschens haben wir keine Nachricht,« antwortete Betti lächelnd.

»Die haben abgehärtete Mägen, wenigstens wenn die Butschen noch so kocht, wie sie es früher nicht gelernt hatte.«

»Gerade die fingen zuerst an. Sie hatten vorher auch am meisten Napfkuchen vertilgt.«

»Mein Napfkuchen hat noch nie einen Menschen compromittirt, weil er von Hause aus mit Citronat ist, das ich weglasse, weil es schwer liegt und zweitens billiger kommt. Den können Sterbende essen, ohne daß er ihnen schadet. Na, also, Ihr mußtet nach Hause. Wo blieb der Saldo von dem Gelde?«

»Wärst Du bei uns gewesen, würdest Du es wissen.«

»Wieso?«

»Mama, es muß ja für alles draußen bezahlt werden.«

»Ja, ja! Kinder machen Sorge und Kosten, besonders bei ungesunder Verpflegung; das merke Dir für die Zukunft. Aber Fritz und Franz hatten doch keine weitere Anfechtung?«

»Ich möchte fast annehmen, daß Du Fritz übermäßig Napfkuchen zugesteckt hattest...«

»Betti, was hast Du gegen Fritzchen? Was hat denn das Kind gegessen? Knapp so viel als in einen hohlen Zahn geht.«

»Wenn Du Elephantenzahn meinst...«

»Betti, ich verbitte mir solche Scherze, selbst wenn wir allein sind. Ich will wissen, ob der Knabe ernstlich in Gefahr schwebte?«

»Der Vater hat ihm Medicin verordnet und nicht schlecht gescholten.«

»Sein gutes Recht.«

»Er hat gesagt...«

»Was hat er gesagt? Heraus damit. Warum stockst Du? Also was?«

»O, nichts.«

»Ich kann mir's schon denken — über mich hat er raisonnirt — hat er? Sag', hat er? Nicht wahr — er hat?«

»Nun ja. Aber sehr. Und dabei weiß er noch nicht einmal, wie Du die Kinder um Tante Lina's Erbschaft gebracht hast. Wenn er das erfährt, gerathet Ihr mindestens ein halbes Jahr auseinander.«

»Siehst Du, Betti, das hat man davon. Man opfert sich auf, man sucht alles zum besten zu wenden und, wenn man das Resultat besieht, hat man in Modder gegriffen. Ich geh' gleich und sehe, was der Junge macht.«

»Das würde ich nicht thun.«

»Nicht den süßen Engel auf seinem Schmerzenslager besuchen?«

»Der ist längst wieder kreuzfidel. Aber der Rath möchte noch grollen.«

»Den lad' ich auf Krebse ein. Ausgesucht, lauter Hengste und er kriegt die größten. Da wird er fromm. Und Du willst noch vier Mark fünfzig heraus haben?«

»Ja, Mama. Soll ich Dir jeden Posten einzeln vorreiten?«

»Nein, nein, laß nur. Aber merke Dir eins: Weißbier und kalte Milch vertragen wetterfeste Landbewohner kaum, viel weniger gebildete Stadtkinder.«

Ich gab ihr die Groschen, die sie schmunzelnd in ihr Portemonnaie knippste, wobei ich sofort ahnte, daß sie mich um eine heimliche Provision überlistet hatte. Aber was hilft die richtigste Rechnung, wenn sie nicht bezahlt wird? Ich lag drin, jedoch es blieb in der Familie. —

Mit diesem Kummer hatte ich mich abgefunden, nicht aber mit dem Verdruß, den Ottilie mir durch ihre Neigung zu Kriehberg bereitet. Nie wäre es dahin gelangt, wenn ich sie straff unter meiner Aufsicht gehalten hätte, anstatt sie während meiner Abwesenheit Tante Lina anzuvertrauen, von der ich alles erwartet hätte, nur nicht die Begünstigung eines Liebesverhältnisses, das, wenn auch nicht direct ins Armenhaus, so doch nicht weit davon führt.

Denn die Sache liegt so.

Kriehberg hatte noch eine kleine, mit dem Bauwesen verknüpfte Stellung, Ausbesserungen zu leiten, wenn die Bedachung undicht geworden und was es sonst gab, denn wenn auch alles ein Ende nimmt, die Reparaturen an einem Neubau hören nie auf. Und die ganze Ausstellung ist ein Riesengesammtneubau.

Man sagte mir, weil das richtigste bei einem vor der Verlobung Stehenden ist, seine Verhältnisse zu erkunden, er wäre nicht ohne Fähigkeiten, aber die Häuser, die er entwürfe, ständen schon irgendwo. Mit der bloßen Verlegung von Fenstern und Thüren, daß nachher die Treppe nicht hineinpaßte oder ganz dunkle Räume erzielt würden, sei selbstständiges Fortkommen unmöglich. Man würde ihn seines Fleißes wegen in zweiter und dritter Linie beschäftigen, wenn er nicht die Manier hätte, sobald er sich warm fühlte, alles besser wissen zu wollen. Das könnte er ja auch, aber er müßte seine Weisheit bei sich behalten.

Was thut jedoch mein Kriehberg? Er nicht auf den Bureau-Maulkorb geachtet und eigene Meinung gehabt und den Vorgesetzten und beleidigende Scharaden gekommen.

Was hat er über das Thorhaus zu quesen und zu sagen, es wäre nicht viel dahinter? Und wie sie ihn fragen, wie er sich erdreisten könne, einen gothisch-romanisch-altdeutsch-renaissancenen Bau so zu despectiren, hat er geantwortet, es wäre auch nicht viel dahinter, nämlich blos ein Stück Treptower Chaussee.

Da ließ sich freilich wenig drauf antworten, weil die Eingangsfluren zur Ausstellung einen überraschend nuttigen Eindruck machen, gegen den das rechts und links verstreute Bedeutende stark zu kämpfen hat, um die erste Enttäuschung allmählich zu verwischen.

Und auch was er über die Drahtgeflechtthür beim Hauptportal geäußert hat, ist nicht ohne Berechtigung. Er sagt: für einen Hühnerhof eignete sie sich einigermaßen, für eine Ausstellung, die der Welt zeigen sollte, was Berlin vermöchte, sei sie belemmert. Diese Kritik haben sie ihm besonders verargt.

Und dabei stehen in der großen Halle im Schatten, als vertrügen sie weder Sonne noch Regen, die schönsten Thore, die man sich denken kann, der Stolz der Berliner Kunstschmiede, deren Arbeiten es nicht nur siegreich mit jeder Concurrenz des Auslandes aufnehmen, sondern auch mit dem berühmtesten Mittelalter. »Wie man sich so im Lichte stehen kann!« hat Kriehberg gesagt. Und da gaben sie ihm Feierabend.