2.
Die Aschermittwoche.

An diesem Tage ist es in den meisten Orten gebräuchlich, daß das männliche und weibliche Geschlecht, freilich gewöhnlich die erwachsene Jugend, mit Häckerling oder Heugesäme gegen einander zu Felde zieht und sich damit einäschert. Diese Motion ist freilich oft etwas derb und die Empfindungen dieses Aescherns sind ziemlich unangenehm, denn man fühlt ein immer währendes Jucken und Brennen, welches der auf die Haut und in die Haare geriebene Häckerling verursacht. Aber die gebirgischen jungen Leute sind nicht so überzart und überzuckert, sie lieben diese Motion sehr und verfahren dabei gegenseitig schonungsloos und ohne Mitleid, daß sie dann Stunden lang mit dem Auskämmen und Reinigen der Haare zubringen müssen. Niemand nimmt den Andern etwas übel, ein Gemeingeist, ein Frohsinn spornt Alle zur lebhaftesten Thätigkeit. –

Doch giebt es auch verschiedene Abwechselungen; Liebende oder junge Eheleute z. B. äschern sich oft mit Rosinen und Mandeln an diesem Tage ein. Freilich ist dieses nicht so unangenehm und beschwerlich, und mancher süsse Herr wird dieses auch finden. Ich wollte es euch nicht rathen, ihr zarten, duftenden Herrchen, deren Abgott das hoch gekräuselte, schilfähnliche Haar ist, – ich wollte es euch ja nicht rathen, bei einem Einäschern mit Häckerling und Heugesäme zugegen zu seyn! Verzweiflung würde euch tödten, wenn ihr im oft und gern betrachteten Spiegel euer zerstörtes Haargethürm mit so grobem Puder durchstreut sähet, wenn ihr alle eure Hoffnungen und Mühe so vernichtet erblicktet; denn die erzgebirgischen Mädchen kümmern sich wenig um eure Hahnenkämme, dadurch berückt ihr sie noch nicht! –