»Was wollen Sie von mir?« rief Reuhenfels, und sein scheuer Blick verrieth deutlich genug, daß er kein reines Gewissen hatte. »Halten Sie mich nicht auf – ich habe eine Ehrensache abzumachen.«
»Weshalb wir kommen, mein Herr,« sagte der Beamte mit schneidender Kälte, »betrifft keine Ehrensache, sondern einen Bubenstreich – ja vielleicht eine Kette von solchen, und die Erledigung derselben muß diesmal der Ehrensache vorgehen. Sie sind mein Gefangener.«
»In wessen Namen?« fuhr Reuhenfels auf.
»Im Namen Sr. Majestät des Kaisers der Franzosen wegen Anklage auf Mord und Raub, wie anderer geringfügiger Vergehen.«
»Das ist eine schändliche Lüge!« rief der Verbrecher, aber Todtenblässe deckte seine Züge und der scheue Blick umher suchte nach Hülfe, vielleicht nach einer Waffe. Die Pistolen im Kasten waren aber nicht geladen und dieser auch verschlossen. Ueberhaupt gaben ihm die Polizeibeamten keine Zeit mehr, sich lange zu bedenken. Ehe er ernstlichen Widerstand wagen oder nur beschließen konnte, hatten sie sich auf ihn geworfen, und obgleich er sich jetzt wie ein Verzweifelter wehrte, fand er sich doch machtlos in der Hand der fünf baumstarken und gewandten Männer. Seine Kraft war auch gebrochen. Der Schlag hatte ihn zu rasch und plötzlich getroffen und zähneknirschend ergab er sich endlich in sein Schicksal.
Ehe man ihn abführte, verlangte er allerdings noch einmal seine Frau zu sprechen, der Beamte erklärte aber strengen Befehl zu haben, keine Unterredung weiter mit irgend wem gestatten zu dürfen. Er wußte überdies, daß ihm die Dame entflohen sei, und also keine Gefühlsrichtung diesen Wunsch hervorgerufen hatte. Der Gefangene wurde ohne Weiteres, mit Allem was man bei ihm fand (seine in Wiesbaden befindlichen Sachen waren schon mit Beschlag belegt) in Gewahrsam gebracht, bis der nächste Zug ging und dann fort transportirt, ohne daß die Leute im Haus weiter erfuhren, was mit ihm geschah.
Zwei Stunden später etwa kehrte Trautenau vom anderen Ufer zurück. Schon unten in der Hausflur erzählte ihm aber der Wirth, den er dort antraf, die Gefangennahme des fremden, gestern Abend angekommenen Herrn, der jedenfalls ein großes Verbrechen begangen haben müsse, denn als man ihn auf die Bahn gebracht, habe er Handschellen angehabt.
»Und die Damen?«
»Die Eine ist noch oben,« erwiederte der Wirth, »und wartet, glaube ich, auf den nächsten Zug, oder das nächste Boot – die andere ist mit einem jungen Herrn, einem Franzosen, gleich nachdem der Herr fortgeschafft wurde, oder etwa eine Stunde später, an Bord des zu Thal gehenden Bootes gefahren. Der Dampfer konnte ja kaum die Landung verlassen haben, als Sie heraufkamen.«
Trautenau war es, als ob das Haus mit ihm im Kreise herum ging. – Eine der Damen hatte das Hôtel mit einem jungen Franzosen verlassen – aber es war doch nicht möglich – nicht denkbar, daß Clemence –
Er drehte sich langsam ab und stieg die Stufen hinauf, die zu der oberen Etage führten. Dort lag das Zimmer, in welchem Clemence wohnte – Er klopfte leise an.
»Entrez!« lautete der ziemlich lebhaft gegebene Ruf, und als er die Thür öffnete, bemerkte er Jeannette, eben im Begriff, ihren Koffer zu packen, wie sie mitten in der Stube stand.
»Ah Monsieur Trautenau!« rief das junge Mädchen, indem sie auf ihn zuflog und seine Hand ergriff – »Sie sind zurückgekehrt? Ah das ist schön, das ist brav von Ihnen.«
»Mein liebes Fräulein,« erwiederte Trautenau, der das Alles noch gar nicht fassen konnte, »wollen Sie mir freundlichst sagen, was hier vorgegangen ist, denn der Wirth unten scheint mir verrückt – die ganze Welt muß wahnsinnig geworden sein, oder ich bin es am Ende selber.«
»Nein, Monsieur,« rief Jeannette lebhaft aber unter Thränen aus – »man hat Ihnen die Wahrheit gesagt. Das Unerhörteste ist geschehen.«
»Clemence ist wirklich fort?«
»Heute Morgen, mit Monsieur Armand.«
»Mit dem Franzosen?«
»Dem ich gestern noch in der Nacht mit Lebensgefahr, denn der gnädige Herr hätte mich umgebracht, wenn er es erfuhr – telegraphiren mußte. Solch' ein Undank ist noch gar nicht dagewesen.«
»Sie haben ihm telegraphirt?«
»Jawohl – für die gnädige Frau, und heute Morgen, wie er ankommt, entläßt sie mich aus ihrem Dienst und reist allein mit ihm ab.«
»Clemence?«
»Nun versteht sich – mit dem ersten Boot, das stromab kam, sind sie fort. Ich habe sie selber an's Ufer begleitet.«
»Und kannte Madame jenen Monsieur Armand schon früher?«
»Ah gewiß,« rief Jeannette in Aerger über die erlittene Unbill. »Das Ganze war eine abgekartete Sache, und Monsieur Armand hat uns ja selber dies Hôtel bestimmt, um auf ihn zu warten.«
»So?« sagte Trautenau und es war ihm zu Muthe, als ob ihn Jemand mit eiskalter Hand sein Herz gefaßt und zerdrückt hätte – »also eine abgekartete Sache – und ich selber –?«
»Ah Monsieur, diese Dame ist eine durchtriebene, gefährliche Kokette. Sie wären verloren gewesen, wenn Sie vollständig in ihr Netz fielen.«
»Wahrhaftig?«
»Was ich Ihnen sage – diesen Armand liebt sie wie rasend. Mit Ihnen hat sie nur ihr Spiel getrieben, weil sie Jemanden brauchte, der den Verdacht ihres Gatten ablenkte.«
»In der That?«
»Und mich – die mit solcher Treue und Aufopferung an ihr hing, jetzt mit so schmählichem Undank zu lohnen; oh es ist schändlich! abscheulich!«
Trautenau wandte sich langsam ab und wollte das Zimmer verlassen, als ihn Jeannette zurückhielt.
»Und was gedenken Monsieur jetzt zu thun?«
»Ich? – oh, Nichts, ich darf Madame natürlich nicht mehr belästigen, und denke auch gar nicht daran. Ich werde in meine Heimath zurückkehren.«
»Und was wird aus mir?« rief Jeannette, indem sie ihn bittend ansah – »wollen Sie mich, ein armes, unbeschütztes Mädchen hier allein in dem fremden Land zurücklassen?«
»Hat Sie Madame auch um Ihren – Lohn betrogen?«
»Nein das nicht – Monsieur Armand ist reich; er war generös.«
»Und was verlangen Sie noch von mir?«
»Ist es Sitte in Deutschland, daß man unbeschützte Frauen allein reisen läßt?«
»Mein liebes Fräulein,« antwortete Trautenau, dem diese kaum versteckte Zumuthung doch ein wenig zu stark schien, – »Sie haben der gnädigen Frau getreu geholfen und beigestanden – es war an ihr, Sie dafür zu belohnen. Sie werden von mir hoffentlich nicht verlangen, daß ich mich zum Cavalier ihrer Kammerfrau aufwerfe, da sie selber es vorgezogen, einen anderen Schutz zu suchen. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Reise –« und sich abwendend schritt er aus der Thür und hörte nur noch den Ausruf der Empörung Jeannettens: »Oh diese Deutschen – diese Menschen von Holz!« – Aber er war geheilt – vollständig geheilt von seiner tollen Leidenschaft, und als er etwa drei Wochen später nach M– zurückkehrte, konnte er Frank sein Abenteuer – oder vielmehr seine Kette von Abenteuern mit lachendem Munde erzählen.
Drei Monat später druckte ein deutsches Blatt in M– einen Artikel aus einer französischen Zeitung ab – einen Criminalfall, der für M– besonderes Interesse hatte. Es war die Verurtheilung eines Deutschen, eines Herrn von Reuhenfels, der beschuldigt und überführt worden war, seinen Schwiegervater, einen geborenen Franzosen Monsieur Joulard, mit dem er früher Wechselfälschungen und anderen Betrug getrieben, in Paris ermordet, und in einem Keller vergraben zu haben. Er hatte das Verbrechen eingestanden und war, da ein vorbedachter Mord nicht nachgewiesen werden konnte, zu lebenslänglicher Galeerenstrafe verurtheilt worden.
Von Clemence hörten sie Nichts wieder. Möglich, daß sie als Madame Armand irgendwo in Frankreich lebte. Trautenau dachte nicht mehr an sie – er hatte ihr Bild, die Copie, die er damals behalten, gleich nachdem er nach M– zurückkehrte, zerstört, aber mit desto größerer Vorliebe zeichnete und malte er sich in seinem neuen Atelier den Major in der alten Staffage an die Wand, und wo ihm einmal wieder das Herz mit dem Verstand durchgehen wollte, bedurfte es nur eines Blickes auf das Bild, um all die alten, fast begrabenen Erinnerungen wieder wach zu rufen. Damit war denn auch jede Gefahr beseitigt, denn er hatte sich den Teufel als Schutzengel an die Wand gemalt.
Wenn der Leser die Karte von Australien in die Hand nimmt, so sieht er, daß im Norden dieses Welttheils, zwischen Australien und der großen Insel Neu-Guinea, eine schmale Meerenge hindurchführt, die noch außerdem mit zahlreichen Punkten – nichts als bösartige Klippen – gesprenkelt erscheint. In der That füllen eine Menge von Korallenriffen und Sandinseln diesen schmalen Meeresarm aus, und nur einzelne Passagen mit kaum fünf oder sechs Faden tiefem Fahrwasser ziehen sich hindurch und müssen von den Schiffen sorgfältig eingehalten werden. Da diese aber, wenn sie aus dem Stillen in den Indischen Ocean wollen, durch die Meerenge ein tüchtig Stück Weg abschneiden, so benutzen sie doch häufig den Weg, und bei ruhigem Wetter und einiger Vorsicht ist auch nicht eben viel Gefahr dabei.
Anders stellt sich freilich die Sache, wenn gerade an der Einfahrt, besonders von Osten her, wo die Passage nicht so leicht zu finden ist, stürmisches Wetter einsetzt. Manches arme Schiff ist dann schon an jenen sogenannten barrier-reefs (Riffbarrière) gescheitert, und die Mannschaft hat sich, wenn sie nicht gar an einer zu bösen Stelle strandete, in ihren Booten retten müssen.
Einmal erst in der Meerenge – welche die Torresstraße genannt wird – und die Boote haben auch in der That Nichts mehr von den selbst stürmischen Wogen des Oceans zu fürchten, da diese Korallenriffe die schwere Dünung vollständig abhalten. Sie befinden sich in der Meerenge selber in ruhigem glatten Wasser, und eine Menge Inseln liegen dort überall, auf denen sie selbst landen können. Freilich bieten diese Inseln auch gar Nichts weiter als eben Land, und nur einige der größten haben dürftige Quellen. Zu gewissen Jahreszeiten wachsen aber auch auf den meisten sehr delikate, dattelähnliche Früchte, die wie unsere deutschen Pflaumen aussehen, und mit denen und den zahlreichen Fischen im seichten Wasser könnten sich Schiffbrüchige eine Zeitlang das Leben fristen.
Stranden sie freilich zu einer Zeit, wo diese Früchte nicht reif sind, und haben sie – wenn sie rasch von Bord flüchten mußten – keine Gewehre bei sich, um von den dort häufig vorkommenden Tauben zu erlegen, so sind sie sehr übel daran, und ihre einzige Aussicht bleibt, »Booby-island« so bald als möglich zu erreichen.
Alle diese Inseln – selbst Mount Adolphus, die größte von ihnen mit tüchtigen Hügelrücken, sind unbewohnt, und nur in gewissen Zeiten kommen einzelne australische Familien oder Stämme vom Continent herüber, um hier zu fischen. Selbst aus dem ostindischen Archipel, von Timor-laut und anderen kleineren Inseln segeln mit dem günstigen Monsuhn (temporären Wind) die Malayen herüber, um hier dem Fischfang obzuliegen, und kehren erst, wenn diese, regelmäßig fünf Monate wehende Luftströmung nach der entgegengesetzten Himmelsrichtung umspringt, in ihre Heimath zurück.
Die ganze Torresstraße ist derart mit kleinen Inseln angefüllt, und die westlichste davon, die schon eine ziemliche Strecke draußen im indischen Ocean und von sehr tiefem Wasser umgeben liegt, ist Booby-island, nach den von den Engländern boobies genannten großen Seemöven so getauft.
Sie besteht allerdings nur aus kahlem Felsgestein, mit immergrünen Rankgewächsen überwuchert, zwischen denen nur einige niedere, kaum sechs Fuß hohe Büsche hervorragen. Kein Baum giebt dort Schutz gegen die brennenden Strahlen der Sonne, keine Quelle entspringt dem dürren Boden, keine Frucht wächst darauf, kein Fischfang ist selbst in dem tiefen Wasser möglich, und da die Insel noch dazu weit ab vom festen Lande und den übrigen Inselgruppen liegt, so fanden weder australische Eingeborene noch die in der Nähe vorbeifahrenden Malayen je eine Veranlassung, dort zu landen und den Platz näher zu untersuchen.
Englische Seefahrer hatten das aber schon längst gethan und eine besondere Eigenthümlichkeit dieses kleinen Eilands entdeckt, nämlich eine tief in den Fels hineingehende, sehr geräumige Höhle, die aber durch vorspringende Zacken ziemlich versteckt lag. Längst schon hatte man dabei das Bedürfniß gefühlt, in einer Gegend, wo Schiffbrüche gar nicht zu den Seltenheiten gehörten und wenigstens kein Jahr verging, daß nicht ein oder das andere Fahrzeug auf oder zwischen den Korallen scheiterte, irgendwo ein Depot anzulegen, in welchem die gerettete Mannschaft Wasser und einige Provisionen finden konnte.
Dazu erwies sich eben dies Booby-island ganz vortrefflich, und die praktischen Engländer ergriffen den hier gebotenen Vortheil auch ohne Weiteres. In den englischen Zeitungen wurde bekannt gemacht, daß jene Insel für diesen Zweck benutzt werden solle, und dieselbe dem Schutz und der Pflege englischer Seeleute empfohlen. Vorbeilaufende Schiffe legten dann dort bei und schafften Fässer mit Wasser und Schiffszwieback, gesalzenes Fleisch, trockenes Obst und verschiedene andere Lebensmittel in die Höhle. Selbst eine kleine Anzahl Flaschen spirituoser Getränke wurde nicht vergessen, wie etwas Tabak für schiffbrüchige Seeleute. Oben auf dem Felsen befestigte man dann noch eine kleine Flagge und etablirte eine »Postoffice« – freilich ohne irgend einen Beamten oder Aufseher.
Es stand dort oben nämlich ein, nur durch ein einfaches Bretterdach gegen den Regen geschützter Kasten – eine der gewöhnlichen starken und angestrichenen Seekisten, wie sie Matrosen statt Koffer gebrauchen. Darinnen lag etwas Papier, Bleistifte, Oblaten, Couverte etc., und ein Schild daneben deklarirte den Platz als »Postoffice«, und deutete an, daß an der Süd-Ostseite der Insel in einer Höhle Provisionen lägen – falls dort landende Schiffbrüchige sie nicht schon vorher gefunden hatten.
Fahrzeuge, welche die Torresstraße, von Osten kommend, passirt hatten, legten nun hier bei, sandten ein Boot an Land und hinterließen in diesem merkwürdigen Postbureau Namen und Zeit ihrer Durchfahrt, und das nächste nach Sydney durchgehende Schiff fand dann den Brief, nahm ihn mit und brachte dadurch die Nachricht nach dem Port viel rascher, als dies auf eine andere Weise möglich gewesen wäre.
So bestand diese Einrichtung viele lange Jahre, und noch im Jahre 58 hatte kein australischer Wilder den Platz betreten oder, wenn so, die ziemlich versteckte Höhle entdeckt. Die dort eingelegten Provisionen blieben wenigstens unberührt, und wenn auch einzelne der dort aufgehäuften Sachen, z. B. manche Fässer mit gepökeltem Fleisch in dem heißen Clima verdarben, so wurden sie doch immer wieder von Zeit zu Zeit durch andere frische ersetzt, und manche Bootsmannschaft, die sich bis hierher gerettet, segnete die wackeren Geber, die mitten im Ocean einen Tisch für sie gedeckt und ihren Hunger und Durst in einer Wüste gestillt hatten.
Es war im November des Jahres 59, daß zuerst ein Canoe der Australier dorthin, vielleicht auf einer Entdeckungsreise kam. Möglich, daß sie untersuchen wollten, ob dies kleine Eiland doch vielleicht irgend eine Art Frucht trage – denn auf den anderen Inseln waren die Früchte in dem Jahr nicht gerathen, möglich, daß sie nur Möveneier sammeln oder den Versuch machen wollten, in der dortigen Gegend zu fischen, kurz sie landeten, und ein englisches, gerade vorbeikommendes Fahrzeug sah die dunklen Gestalten kaum oben auf dem kahlen Felsen, als es auch näher heran hielt, einen seiner kleinen Böller löste und zwei Boote absandte, um die Wilden zu vertreiben. Es bedurfte aber der Boote nicht einmal; schon bei dem abgefeuerten Schuß hatten sich die erschrockenen Eingeborenen Hals über Kopf den Felsen hinunter geworfen, sprangen in ihr Canoe und ruderten in wilder Hast dem Festlande zu. Die Boote folgten ihnen wohl noch eine Strecke, aber das Canoe konnten sie nicht einholen; wie ein Pfeil glitt es über's Wasser, und da sie sich auch nicht zu weit von ihrem Schiff entfernen durften, kehrten sie auf die Insel zurück, um zu untersuchen, ob die schwarze, diebische Bande dort schon Schaden angerichtet habe.
Den Kasten oben mußten sie gefunden haben, denn das kleine ihn umgebende Mauerwerk mit dem Bretterdach darauf wie der Fahnenstange daneben – an der der Wind freilich nur noch ein paar dünne verbleichte Lappen gelassen hatte, war zu deutlich erkennbar; aber sie konnten ihn nicht berührt haben, denn Alles fand sich noch in vollständiger Ordnung wie vorher, und die Höhle hatten sie gar nicht entdeckt.
Möglicherweise daß sie den Kasten oben für irgend eine Begräbnißhütte der »bleichen Männer« gehalten, für irgend einen Zauber auch vielleicht, denn oben im Sand waren die Spuren ihrer nackten Füße überall zu erkennen, nur nicht unmittelbar an der »Postoffice«, die sie, wie man deutlich sehen konnte, scheu umkreist hatten, ohne ihr näher als zehn oder zwölf Schritte zu kommen.
Die Höhle unten konnten sie aber keinenfalls gefunden haben, denn dort hätten sie sich schwerlich gescheut, zuzulangen, da sie in dieser Art sonst gar nicht blöde sind. Die Gefahr war deshalb noch für dießmal abgewandt und dies Canoe kehrte sicher nicht so rasch dahin zurück – und andere? – Man mußte der Sache eben ihren Lauf lassen, denn es gab keinen Schutz für die dort deponirten Provisionen, als eben die öde und entfernte Lage der Insel selber. Die Boote fuhren deßhalb noch einmal zum Schiff, brachten ein Faß frisches Wasser herüber und gingen dann an Bord, um noch vor Nacht den günstigen Wind zu benutzen und ein Stück in den indischen Ocean hineinzukommen. Oben in den Kasten hatte der Steuermann aber für nachkommende Schiffe die Notiz aufgeschrieben, daß er australische Wilde auf der Insel gefunden und sie davon verjagt habe. Andere Fahrzeuge wurden gebeten, ein wachsames Auge auf die Canoe's zu halten.
Ende November und Anfang December legten dort noch vier oder fünf fremde Schiffe bei und notirten, daß sie Alles in Ordnung und keine Spur von Indianern gefunden hätten.
Ende December, und die letzte günstige Zeit benutzend, von Ost nach Westen die Straße zu passiren, lief ein kleiner englischer Schooner gegen die Barrierreefs auf, als es gegen Abend tüchtig zu wehen anfing und eins der hier sehr häufigen und starken Gewitter von Süden herüber zog. Der Kapitän hoffte noch Raines Einfahrt zu erreichen, aber die Nacht brach an, ehe er den auf Raines Eiland errichteten hölzernen Thurm erkennen konnte. Nur die Brandung an den Riffen selber war deutlich sichtbar und das dumpfe Brausen der sich überstürzenden Wogen drang klar und deutlich herüber. Nach seiner Mittags genommenen Observation mußte er sich aber etwa auf der Höhe der Einfahrt oder wenigstens dicht davor befinden, und um nicht durch das Wetter zu weit nach Norden aufgetrieben zu werden, hielt er ein wenig von den Korallenriffen ab und legte dann bei, denn zum Ankern ist die See dort viel zu tief.
Nicht lange dauerte es, so fegte der Sturm über das Meer, wühlte die Wogen auf und jagte die Kämme derselben wie dünnen Wasserstaub über die kochende Fläche. Blitze zischten dabei, der Donner rollte und es wurde eine bitterböse Nacht, so daß das kleine, außerdem leicht geladene Fahrzeug, nur vor seinem Vorstengenstagsegel liegend, kaum die Nase den immer wilderen Sturzseen entgegenhalten konnte. Gegen Mitternacht drehte sich der Wind nach Süd-Ost und dann fast nach Ost herum, und der Steuermann rieth jetzt, ernstlich abzufallen, um lieber aus ihrem Cours zu treiben, als der dringenden Gefahr ausgesetzt zu sein, an die Riffe geworfen zu werden; der Kapitän sträubte sich dagegen und da er selber von zwölf bis vier Uhr die Wacht hatte, bedeutete er seinem Offizier, er würde sehen wie sich das Wetter mache, und wenn es noch eine Stunde so anhalte, die Mannschaft an Deck rufen lassen.
Der Sturm ließ in dieser Zeit allerdings etwas nach und der Himmel zeigte schon an einigen Punkten wieder Sterne, aber der Wogengang hatte sich indessen auch geändert und drängte das kleine, tanzende Fahrzeug mehr und mehr nach Lee herüber und den gefährlichen Barrier-reefs zu.
Gegen zwei Uhr sprang der Steuermann an Deck; er hatte nicht schlafen können und das Toben der gar nicht mehr so fernen Brandung unten in seiner, sogar vom Lande abliegenden Coje gehört.
»Kapitän, um Gottes willen, ich glaube, wir treiben auf die Riffe!«
»Noch nicht, Mr. Brown, aber ich denke selber, daß es Zeit wird, abzufallen; der Wind hat etwas nachgelassen und wir dürfen ein wenig Leinwand zeigen. Rufen Sie Ihre Wacht an Deck.«
Die Wacht kam, schlaftrunken nach der kurzen Rast, langsam herausgeklettert; der Bug fuhr, dem Steuer rasch gehorchend, herum, und die Leute hingen eben an den Fallen, um die Gaffel des schweren Schoonersegels aufzuhissen, als es von Osten her mit erneuter Wuth über die See brauste.
Es war »eine frische Hand am Blasbalg«, wie die Seeleute sagen, und in der Dunkelheit hatten sich die dort schon lange aufquellenden Wolkenmassen nicht erkennen lassen. Wohl versuchten jetzt trotzdem die Leute ihr Aeußerstes, das Segel zu setzen, aber die Flanke dem Sturm zugedreht, war es der überdieß schwachen Bemannung nicht möglich, mit so furchtbarer Gewalt legte sich riesenschwer der Wind hinein. Aufdrehen konnten sie auch nicht mehr dagegen, und abfallen vor dem Sturm, den Riffen gerade entgegen? – und doch blieb nichts Anderes übrig; der Versuch mußte wenigstens gemacht werden.
Zu spät! »Brandung voraus!« schrie einer der Leute, der nach oben gelaufen war, um eins der Falle klar zu machen, und »Brandung in Lee!« tönte der Schreckensruf dazwischen. Die Leute ließen die Taue los, während sich der Sturm in dem nur etwas aufgehißten Segel fing – der Kapitän sprang selber zum Rad, um den Versuch zu machen, das seinem Geschick verfallene Fahrzeug von der gefährlichen Küste abzudrehen – zu spät! Die Wogen hatten es gefaßt und jagten es mehr und mehr dem schon deutlich und unheimlich leuchtenden Gürtel der Brandungswellen zu; der Bug gehorchte zwar noch einmal dem Steuer, aber ein anderer Windstoß schlug das Segel zurück. Der Kapitän schrie seine Befehle über Deck, aber Niemand verstand ihn in dem Aufruhr der Elemente, in dem furchtbaren Toben der Brandung. – Willenlos setzte das Fahrzeug nach Lee zu und jetzt – eine einzige wilde Brandungswoge jagte über Deck, der Schooner wurde wie von einer Riesenfaust emporgehoben, im nächsten Augenblick krachten Masten und Balken – ein dumpfer Stoß folgte, und der Steuermann, der das Gangspill in dem entscheidenden Moment umklammert hatte, fühlte plötzlich, daß das Wrack in ruhigem Wasser lag und dieselbe Brandungswoge, die eben noch über ihr Deck gestürzt, das gescheiterte Fahrzeug nicht mehr erreichen konnte.
Wie es geschehen war, wer hätte es sagen können; möglich schien es, daß die Woge, die den Schooner zertrümmern wollte, ihn selber über eines der niedern Riffe hinübergehoben und dadurch, für den Augenblick wenigstens, in Sicherheit gebracht hatte; möglich auch daß der Kiel zufällig eine Lücke in den Korallen getroffen und hindurchgeschoben war. Jedenfalls saßen sie fest in die Riffe eingekeilt, und an ein Wiederhinauskommen in tiefes Wasser mit dem verkrüppelten Fahrzeug durfte nicht gedacht werden.
Jetzt sammelte sich die Mannschaft auf dem etwas höher liegenden Quarterdeck, denn wie sich nachher zeigte, war der Bug zertrümmert und das Wasser schon in den innern Raum eingestürzt – zwei Mann fehlten; die Brandungswelle mußte sie über Bord gewaschen haben, und dann war freilich an Rettung nicht zu denken; der Kapitän hatte sich, von der Fluth emporgehoben, noch in der einen »Want« gefangen und dort angeklammert; die Meisten schienen nur wie durch ein Wunder dem sicheren Verderben entgangen.
Vorderhand ließ sich indessen gar Nichts thun, es war stockfinster, der Sturm heulte, und das einzige Licht, was einen matten Dämmerschein über Deck warf, kam von dem leuchtenden Kamm der Brandungswelle herüber. Den Tag mußten sie jedenfalls abwarten, und nur darüber suchten sie sich vorderhand zu vergewissern, ob sie noch der Gefahr des Sinkens ausgesetzt seien. Dem schien aber nicht so; das Hintertheil des Schooners saß fest auf den Klippen, ja sogar in einer Korallenspalte drin, denn kaum zwei Fuß unter dem Wasserspiegel fühlten sie mit dem ausgeworfenen Loth an der Starbordseite Grund, während der Top des großen umgestürzten Mastes auf einer hohen Sandklippe lag, so daß man dieselbe auf diesem hin recht gut hätte erreichen können.
Erschöpft und aufgerieben warfen sich die Leute jetzt an Deck, um den nicht mehr so fernen Tag zu erwarten; der Wind heulte noch, der Donner rollte und ein prasselnder Regen schlug nieder. Was that's – eines der Segel schnitten sie von dem Mast herunter, um sich dadurch nur etwas gegen den Regen zu schützen, und sanken dann bald in einen unruhigen, kurzen Schlaf.
Und der Morgen kam endlich, schien aber keineswegs eine Erleichterung zu bringen, sondern ließ sie nun erst das Trostlose ihrer Lage vollständig übersehen.
Der große Mast hatte in seinem Sturz die auf Deck befestigte Barkasse vollständig zerschmettert, so daß an eine Reparatur derselben nicht gedacht werden konnte; das ganze Hintertheil derselben war abgedrückt, und es blieb ihnen nur zur Rettung die kleine Kapitäns-Jölle, die hinten am Heck hing und sich noch glücklicherweise in brauchbarem Zustande befand – aber wie diese in offenes Wasser bringen? – Nach See zu war es ganz unmöglich, denn keine Lücke selbst ließ sich in der wälzenden Brandungswoge erkennen, die jetzt für einen Moment von den zackigen Klippen zurückwich, um im nächsten mit neugeschaffener Gewalt wieder darüber hinzustürzen. Nach dem Binnenwasser der Riffe zu lagen hingegen ganze Reihen starrer Felsen, hie und da von grünem, und oft von blauem, also sehr tiefem Wasser unterbrochen; welche Gefahren es aber barg, ließ sich noch nicht einmal erkennen, da es vom heftigen Winde gekräußt gehalten wurde. – Und sollten sie hier an Bord bleiben? Es wäre nutzlos gewesen, denn selbst ein vorbeisegelndes Schiff hätte ihnen durch diese Brandung hin keine Hülfe bringen können; sie mußten sich selber helfen.
Vor allen Dingen war es nöthig, den inneren Raum zu untersuchen, ob sie noch möglicherweise Provisionen: Wasser und Zwieback bekommen konnten. Der Koch und der Schiffsjunge – der Stewards-Dienste versah – wurden zu dem Zweck beordert, nachzusehen, während der Kapitän in seiner eigenen Kajüte die Schiffspapiere und sonstige Werthsachen zu bergen suchte. Glücklicherweise fand sich ein Korb mit Zwieback, aber von eingeschlagenem Seewasser ganz aufgeweicht; es war aber immer besser als Nichts. Doch zum Wasser konnten sie nicht kommen, denn die zwei Fässer, die an Deck geschnürt gelegen hatten, waren mit der Kambüse und dem ganzen Vordertheil durch die eine Sturzsee rein über Bord gewaschen worden. Gegen zehn Uhr fiel aber wieder ein kleiner Regenschauer und das eine Segel wurde jetzt aufgespannt, um so viel als möglich davon aufzufangen – es genügte freilich noch immer nicht. Dann packte der Kapitän ein, was er an Blechbüchsen für den Kajütstisch oben in seiner Coje hatte, und brachte doch so viel zusammen, um für kurze Zeit gegen den Hunger geschützt zu sein. Vielleicht half ihnen dann der Himmel mit einem frischen Regenschauer weiter.
So lange der Sturm wüthete, ließ sich nichts unternehmen, obgleich sie im Binnenwasser keine unruhige See zu fürchten hatten. Gegen Mittag klärte sich aber der Himmel auf; der Wind ließ nach, und etwa vier Uhr Nachmittags, während die See noch da draußen unruhig wogte und bäumte, regte sich schon kein Lüftchen mehr und das Binnenwasser war spiegelglatt.
Jetzt gingen sie an die Arbeit, um das kleine Boot flott zu machen und ihre Ladung wenigstens erst einmal auf die Sandbank hinüber zu schaffen. Das ging verhältnißmäßig rasch; auch über den Sand weg konnten die Leute das leichte Boot tragen und ziehen und auf der andern Seite in's Wasser lassen. Weit schwieriger war es aber, über die nächste Reihe von Korallenklippen hinüberzukommen, die mit ihren schlüpfrigen und spitzen Zacken keinen festen Fußhalt gestatteten, und da sie hier ihre Fracht nicht ausladen konnten, sahen sie sich genöthigt, eine lange Strecke daran hin zu fahren, bis sie endlich zu einer Stelle kamen, wo sie im Stande waren, sich hindurchzuzwingen.
Jetzt hatten sie etwa fünfzig Schritt breit glattes Wasser und dann wieder einen Korallengürtel, der aber gefährlicher aussah als er war. Er bestand nur aus neben einander liegenden Klippen und bot zahlreiche Durchfahrten, und die kleine Bootsmannschaft, die aus neun Personen bestand, ruderte nun bei gänzlicher Windstille auf eine hohe Sandbank zu, die sie für das feste Land hielten. Glücklicherweise war es nur eine etwa hundert Schritt breite Barre, und dahinter, als der Steuermann hinauflief, um sich von oben aus umzusehen, entdeckte er das offene Wasser der Binnenriffe, von einzelnen Inseln und Sandbänken nur überstreut.
Hier blieb ihnen allerdings noch eine tüchtige Arbeit, das Boot und dessen Ladung hinüberzuschaffen, und es war dunkle Nacht, ehe sie damit fertig wurden, aber dann stand ihrer weiteren Fahrt auch kein Hinderniß mehr im Wege. Die Nacht lagerten sie auf der Sandbank, und der nächste Morgen fand sie schon beim ersten Schimmer des anbrechenden Tages unterwegs, um vor allen Dingen erst einmal in das Fahrwasser der Schiffe zu kommen und die Möglichkeit zu haben, von einem oder dem anderen vorübersegelnden aufgenommen zu werden.
Instrumente und Compaß hatte der Kapitän gerettet, und die Karte der Straße ebenfalls, da diese schon zum Gebrauch bereit hinter dem Spiegel in der oberen Kajüte stak. Außerdem fehlte ihnen aber jeder Leitfaden, denn Keiner der Leute war je diesen Weg gekommen. Nur der Koch wollte einmal eine Fahrt durch die Torresstraße gemacht haben, da er sich aber nicht um die Führung des Schiffes zu bekümmern brauchte, wußte er auch sehr wenig darüber anzugeben. Nur auf das erinnerte er sich, daß Booby-island draußen vor den Klippen im freien Wasser lag, und daß sie damals dort beigelegt und ein Faß Wasser, ein Faß Zwieback und ein halb Faß gepökeltes Schweinfleisch an Land geschickt hätten. Im Boot war er aber selber nicht mit gewesen und wußte deßhalb auch nichts über die eigentliche Beschaffenheit der Insel zu sagen. Seiner Aussage nach sollte es nur ein großer Felsklumpen sein, um welchen eine Unmasse großer schwarzer Möven herumschwärmte; das war Alles. Uebrigens behauptete er, ihn augenblicklich wieder zu erkennen, sobald er ihn nur sehen würde.
Der Kapitän hatte indessen auch nicht versäumt, die Schiffswaffen mitzunehmen, da die australischen Eingeborenen in einem wohlverdienten schlechten Ruf standen und man gar nicht wissen konnte, in welcher Art man mit ihnen zusammentraf. Uebrigens gedachte er nicht, sie muthwillig aufzusuchen, und an eine Insel zu landen, von welcher man sich nicht vorher sorgfältig überzeugt hatte, daß keine Eingeborenen an Land oder wenigstens in unmittelbarer Nähe wären. Er hatte zu viel über ihre hinterlistige Schlauheit und Grausamkeit gehört, um sie nicht zu fürchten und jeden Zusammenstoß mit ihnen ängstlich zu vermeiden.
Die Aussagen des Kochs, der als einzige Autorität in diesem Meere galt, dienten ebenfalls nicht dazu, ihn zuversichtlicher zu stimmen, denn der Bursche – nach Art solcher Leute, die alles Gehörte entsetzlich übertreiben und wo möglich noch ihren Theil dazu erfinden – wußte nicht genug von den Scheußlichkeiten zu berichten, mit welchen sie Schiffbrüchige, die in ihre Händen fielen, behandelten. Daß sie dieselben schließlich auffraßen, war noch das Wenigste.
Zu Mittag legten sie an einer nackten Sandbank an und der Kapitän nahm hier erst einmal seine Observation, die ihm zeigte, daß sie sich nördlich von der eigentlichen Einfahrt befänden und deßhalb mehr nach Süden hinunter halten mußten. Sie sahen auch selber, daß dies kein Kanal für größere Schiffe sein konnte, denn mehrmals hatten sie Plätze passirt, in denen sie die Korallen so dicht und deutlich unter sich erkannten, daß man glauben mußte, man könne sie mit der Hand ergreifen. Allerdings waren da noch immer zwei bis drei Faden Wasser, aber oft trafen sie auch Klippen, die bis unter die Oberfläche reichten und zwischen denen sie sich selbst mit dem schmalen Boot kaum hindurchwinden konnten.
Erst gegen Abend erreichten sie eine der wirklichen Passagen und blieben die Nacht auf einer kleinen, nur mit niederen Büschen bewachsenen Insel, wo sie wenigstens nichts von feindlichen Indianerstämmen zu fürchten hatten – aber kein Regen fiel und ihr spärlicher Wasservorrath ging zu Ende.
Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch ruderten sie weiter und setzten auch das mitgenommene Segel, aber die Brise war sehr schwach und trieb sie, allerdings mit günstiger Strömung, nur langsam vorwärts. Wieder kamen sie aber hier, irregeführt durch die verschiedenen Inseln und Sandbänke, in einen falschen Kanal und erreichten erst lange nach Dunkelwerden die größere Insel Mount Adolphus, wo sie wenigstens Wasser zu finden hofften, denn das vom Regen aufgefangene war in der glühenden Hitze vollständig ausgetrunken.
Allerdings befinden sich dort dicht am Ufer in dem einen Felsen ein paar kleine Süßwasserquellen, wie sie aber den Platz erreichten, war hohe Fluth, und weiter in das Land wagten sie sich nicht hinein, da sie in den schmalen Thälern in einen Hinterhalt zu fallen fürchteten.
Einige Früchte hatten sie allerdings auf mehreren der kleinen Zwischeninseln aufgelesen, auch Eier gefunden, welche die Möven in den heißen Sand legen, um sie dort von der Sonne ausbrüten zu lassen – sonst nichts. Tauben, eine weiße prächtige Art mit dunkelbrauner Abzeichnung, sahen sie genug und schossen auch ein paar Mal danach, aber ohne irgend welchen Erfolg, denn ihre Munition bestand nur in Rehposten, nicht in Schroth, und die alten Musketen schossen nicht so sicher, daß sie einen so kleinen Gegenstand wie eine Taube damit aus den hohen Bäumen hätten herausholen können.
Auf Mount Adolphus, wo sie aber nur beilegten und sich nicht einmal getrauten das Boot zu verlassen, blieben sie aber wieder nur auf den Rest ihrer mitgenommenen Vorräthe angewiesen, und ihre einzige Hoffnung lag jetzt darin, jenes Booby-island zu erreichen und von den dort befindlichen Provisionen so lange zu zehren, bis sie eben ein durch die Torresstraße kommendes Schiff anrufen und mit diesem Batavia oder Singapore erreichen konnten.
Der Kapitän wußte übrigens von hier aus, da er die genaue Beschreibung und sogar Zeichnung der Conturen dieser Insel auf der Karte fand, genau die Richtung, die sie zu nehmen hatten. Schon um vier Uhr Morgens setzten sie auch mit einer günstigen Brise in dem hier ziemlich breiten Kanal aus, und Nachmittags um vier Uhr endlich, von brennendem Durst fast zur Verzweiflung getrieben, sichteten sie gerade im Westen den einzelnen Felsen im Meer, der nach jeder Berechnung das angegebene Booby-island sein mußte.
Der Koch wollte freilich nichts davon wissen; er behauptete, Booby-island sei ein ganz spitzer kleiner Felskegel, und das hier lag breit und flach auf dem Wasser; der Kapitän ließ sich aber nicht irre machen, denn seiner Karte und Berechnung nach stimmte es und er hielt gerade darauf zu.
Die Leute selber hatten sich bis jetzt ziemlich gut gehalten, nur der Zimmermann, der aber auch auf dem Fahrzeug Matrosendienste versah, jammerte und klagte über Durst und schöpfte mit der Hand das Seewasser, um seine Lippen zu kühlen. Damit machte er freilich das Uebel nur noch ärger, denn wenn es auch für den kurzen Augenblick etwas Erfrischendes haben mochte, der salzige Geschmack hintennach reizte und trocknete nur um so viel mehr, und er wimmerte leise vor sich hin.
»Geduld, Mann, Geduld,« sagte der Steuermann zu ihm, indem er ihn auf die Schulter klopfte, »da vorn liegt Wasser; in zwei oder drei Stunden können wir dort sein, und so lange werdet Ihr's doch bei Gott wohl aushalten. Schämt Euch doch vor dem Jungen, denn der hat noch nicht einmal geklagt.«
»Was weiß auch so ein Junge von Durst, Steuermann,« sagte der Angeredete mürrisch, »der kommt erst mit den Jahren. S'ist gerade so, als ob mir die Zunge im Hals springen und bersten müßte – und wer weiß denn, ob auch nur ein Tropfen Wasser auf dem blutigen Felsen zu finden ist. Kahl genug sieht er aus.«
»Darüber tröstet Euch, Zimmermann,« sagte der Kapitän. »The Yorkshire lady«, die vierzehn Tage vor uns ausgesegelt ist, hat dort angelegt und von Sydney besonders Wasser und Zwieback für den Zweck mitgenommen, um es dort zu lassen. Finden wir aber nicht genug, um eine Zeitlang liegen zu bleiben, nun so nehmen wir, was wir für den nächsten Tag brauchen, und laufen damit zu einer der Inseln im indischen Archipel hinauf. So weit ist die Fahrt ja nicht, und hohe See haben wir dort auch nicht zu fürchten.«
»Geb's Gott,« sagte der Zimmermann resignirt, und von jetzt ab wurde kein Wort weiter gesprochen, während sich die Leute nur schärfer in ihre Ruder legten, um den verheißenen Platz desto rascher zu erreichen.
Die Brise wurde lebhafter, sie konnten das Segel setzen, die Strömung half ebenfalls nach und das Boot glitt verhältnißmäßig rasch über das glatte Wasser seinem Ziel entgegen. Die ersehnte Insel, die bis jetzt nur wie ein kurzer Streifen auf dem Horizont gelegen und dadurch weit entfernter schien als sie wirklich lag, hob sich mehr und mehr, bis sie die Form eines Topfkuchens annahm und man jetzt deutlich schon den Fuß derselben, gegen den die Strömung wusch, erkennen konnte.
Die Brise, die hier mehr stoßweise kam, lullte nach einiger Zeit wieder ein, und vier von den Leuten hatten deßhalb die Ruder wieder aufgegriffen, die Uebrigen lagen, so gut es eben ging, ausgestreckt im kleinen Boot, und nur der Kapitän saß, das Gesicht dem Lande zugedreht, am Tiller und betrachtete sich das nicht mehr so ferne Eiland. Plötzlich richtete er sich etwas empor und schützte die Augen mit der flachen Hand gegen die schon im Westen stehende Sonne, die ihn auch überdieß durch das Blitzen auf dem Wasser blendete; dann ohne ein Wort zu sagen, nahm er das neben ihm liegende Telescop auf und hob es an's Auge. Kaum aber hatte er einen Blick hindurch geworfen, als er wirklich erschreckt ausrief:
»Damnation! Die Schwarzen haben Booby-island besetzt!«
»Was?« schrie der Zimmermann voller Entsetzen – »oh du grundgütiger Himmel – dann sind wir verloren.«
»Verloren?« brummte der Steuermann, mit einem wilden Fluch durch die Lippen, »hat sich was von verloren – Wie viele sind's, Kapitän?«
»Der Strand schwärmt von ihnen, und oben drauf tanzt auch etwa ein Dutzend herum – aber ich sehe keine Canoe's.«
»Die liegen jedenfalls hinter der Insel in ruhigem Wasser. Also haben die schwarzen Bestien den Platz endlich richtig gefunden!«
»Und was nun?« sagte der Kapitän.
»Was nun? Ei, wir müssen ihn wieder erobern.«
»Gegen den Schwarm?«
»Geben Sie mir einmal das Glas, Kapitän, daß ich einen Ueberblick kriege – immer zu, Jungen, laßt die Ruder nicht schleppen, hier können wir doch nicht liegen bleiben.«
»Wenn wir landen, fressen sie uns mit Haut und Haar!« klagte der Koch, der sich bestürzt emporgerichtet hatte und nach dem jetzt gefürchteten Land hinüberstarrte.
»Was fressen,« knurrte der Steuermann ärgerlich, während er durch das Glas sah – »erst müssen sie uns haben. Alle Wetter! es ist eine hübsche Portion und wir sind auch jedenfalls schon bemerkt worden, denn wie die Ameisen klettern sie da an den lichten Felsen in die Höh'. Jungens, Jungens, und wie werden sie den Vorräthen mitgespielt haben!«
»Wie viele sind's, Steuermann?«
»Ich zähle siebenundzwanzig, groß und klein,« erwiderte dieser, »aber da links heraus kommen noch mehr aus dem Felsen, das ist jedenfalls die Höhle – da sind noch drei, vier, fünf, sechs, sieben – es ist ein ganzer Schwarm, und wir werden Teufelsarbeit bekommen.«
»Wie viel Gewehre haben wir eigentlich im Boot?« frug der Kapitän, nachdem er selber das Glas genommen und durchgeschaut; sie waren der Insel aber indessen so nahe gekommen, daß sie die schwarzen nackten Gestalten schon mit bloßen Augen erkennen konnten.
»Es sollen sechs sein,« sagte der Steuermann, »aber an dem einen ist der Hahn abgebrochen – und dann Ihre Doppelflinte.«
»Und Pistolen?«
»Vier; aber noch ein halb Dutzend Lanzen.«
»So nahe dürfen wir den Halunken nicht kommen,« sagte der Kapitän kopfschüttelnd, »daß wir die gebrauchen könnten, sonst spicken sie uns mit ihren verdammten Wurfspeeren, mit denen sie vortrefflich umzugehen wissen.«
»Wenn wir aber zu kanoniren anfangen,« sagte der Steuermann trocken, »und mit den alten, von Rost halbzerfressenen Schießprügeln nichts treffen, so machen wir sie erst recht übermüthig, und wer dann unverrichteter Sache abziehen muß, sind wir.«
»Den ersten Schuß,« rief der Kapitän, »müssen wir jedenfalls über ihre Köpfe feuern, denn ich möchte die armen Teufel nicht todtschießen, wenn ich es irgend umgehen kann. Ich denke aber auch, das wird genügend sein, denn wenn sie nur den Knall eines Gewehres hören, laufen sie schon was sie laufen können. Schußwaffen fürchten sie mehr als ihren sogenannten Devil-Devil.«
»Ich will's wünschen,« brummte der Mate oder Steuermann, »ich habe nur so eine Ahnung, daß ihnen unser kleines Boot keinen besondern Respekt einflößen wird. Ja wenn wir mit dem Schooner angesegelt kämen und einen der kleinen Böller hätten lösen können, dann wär's vielleicht 'was Anderes, denn die machen mehr Spektakel, und so ein Schuß klingt als ob er von allen Seiten auf einmal käme.«
Es wurde jetzt kein Wort weiter gesprochen, denn das Boot näherte sich rasch dem Lande, und die gerettete Mannschaft nahm zu viel Interesse an dem, was sie dort erwartete, um sich nicht selber durch den Augenschein von der Zahl der Feinde zu überzeugen. Selbst die Rudernden drehten die Köpfe über die Schulter zurück, und deutlich konnte man auch jetzt den Schwarm erkennen, der mit wildem Jauchzen auf der Insel herumsprang, während eine Anzahl von ihnen grüne Zweige von den Büschen brach und damit hinüberwinkte. Fast Alle aber, wie der Kapitän deutlich durch sein Glas erkennen konnte, trugen ihre Lanzen in den Händen, und legten sie erst zwischen den Steinen nieder, als sie vielleicht glaubten, daß man sie vom Boot aus mit bloßen Augen erkennen könne.
»Ach Kapitän,« sagte der Zimmermann, »die thun uns ja nichts, die schwingen grüne Büsche; das ist immer ein Zeichen bei den wilden Hallunken, daß sie's gut meinen – Einen Tropfen Wasser geben sie uns gewiß.«
»Ja trau' Du denen,« knurrte der Koch – »mit denselben Zweigen braten sie Dich nachher.«
Dem Kapitän gefiel übrigens das Winken mit den Zweigen auch nicht. Durch sein gutes Glas sah er deutlich, wie eine Anzahl der Schwarzen, die wieder zum Strand hinabgeklettert waren, ihre Lanzen in eine Vertiefung – wahrscheinlich den Rand der Höhle – stellten, aber dicht dabei stehen blieben und dann aus Leibeskräften mit den grünen Büschen wehten, als ein Zeichen, daß das Boot dort landen solle. Er änderte seinen Cours nicht, sondern hielt vielmehr noch etwas nach rechts hinüber, um die nördliche Spitze der Insel anzulaufen, und die Wilden, wie er deutlich erkennen konnte, griffen jetzt ihre Waffen wieder auf und verschwanden hinter der Insel, um vorn nicht damit gesehen zu werden.
Das Alles deutete auf Hinterlist, und daß die Eingeborenen dieser Küsten Alles daran setzen, um in den Besitz eines guten europäischen Bootes zu kommen, wußte er schon zur Genüge aus den Erzählungen anderer Kapitäne. Geld hat für sie nicht den geringsten Werth. Kleidungsstücke beachten sie nicht, und selbst von Eisenwerk können sie nichts gebrauchen, als vielleicht ein Beil oder Messer, da ihre Lanzen aus den harten und schweren Hölzern bestehen, welche ihnen die Wildniß in Masse liefert, aber ein sicheres Boot war für sie von unschätzbarem Werth, denn damit konnten sie das Meer in jeder Jahreszeit befahren, und daß sie kein Mittel scheuen würden, um sich in den Besitz eines solchen zu setzen, ließ sich denken.
Wie viel Wilde befanden sich aber überhaupt auf der Insel und hatten sie auch schon Alle gesehen? – wohl schwerlich, denn von dem Augenblick an, wo sie nahe genug gekommen, um die Eingeborenen mit bloßen Augen zu erkennen, waren höchstens noch acht oder zehn sichtbar, die sich aber dafür durch das Schwingen von grünen Büschen um so bemerkbarer zu machen suchten. Wo waren die Anderen? Jedenfalls irgendwo hinter den Steinen oder in der Höhle versteckt, und hatten sie wirklich friedliche Absichten, so würden sie sich ungescheut gezeigt haben – daß ihnen die Weißen nichts nehmen konnten, wußten sie ohnedieß. Das Wichtigste also war: einen ungefähren Ueberblick über ihre Zahl zu bekommen, und das konnte nur dadurch geschehen, daß sie in Sicht der Canoe's kamen. Die Insel war auch gar nicht so groß, um das nicht leicht zu bewerkstelligen, und der Kapitän, der auf die Nordspitze zugesteuert hatte, änderte plötzlich seinen Cours, hielt wieder vom Ufer etwas ab und ruderte nun, seine Distance vom Land auf ungefähr hundert Schritte haltend, um das kleine Eiland herum zur Westküste, wo er allerdings einen ganzen Trupp nackter schwarzer Gestalten überraschte, die nicht schnell genug den kahlen Hang hinan kommen konnten und sich nun, so gut das gehen mochte, hinter Korallenbänken und Steinen niederkauerten.
Außerdem entdeckten die Seeleute hier auch eine kleine Flotte von elf Canoe's, die nebeneinander auf den Sand gezogen waren, und stärker an Mannschaft wäre es ihnen jetzt ein Leichtes gewesen, die schwarzen Diebe festzuhalten und zu züchtigen. Aber sie durften ihnen nicht das einzige Mittel, sich zu entfernen, selber abschneiden, denn an Zahl waren sie ihnen doch zu weit überlegen und das Schlimmste von Allem, nur Wenige der Seeleute wußten wirklich mit Feuerwaffen umzugehen, und verstanden besonders nicht, ein einmal abgeschossenes Gewehr auch rasch und ruhig wieder zu laden.
Der Kapitän behielt aber indessen seinen Cours bei; er wußte jetzt genau, daß er es mit einer verrätherischen Bande zu thun hatte, und war nicht gewillt, dieser auch nur den geringsten Vortheil über sich einzuräumen. Das Boot glitt dabei, immer noch in der sicheren Entfernung, um die Insel hinum der Südküste zu, wo sie die wieder überraschten, die vorher an der Höhle Posto gefaßt hatten.
»Sind die Gewehre alle geladen?« frug er ruhig.
»Ja, Sir,« sagte der Steuermann.
»Setzt frische Zündhütchen auf; die alten könnten die Nacht über feucht geworden sein.«
Das geschah lautlos.
»Wollen wir hier landen, Kapitän?« frug der Steuermann; »ich glaube es wäre besser, wenn wir das so dicht als möglich bei der Höhle thäten.«
»Sie haben Recht, Mr. Brown,« nickte ihm sein Vorgesetzter zu, »wir müssen ihnen Gelegenheit zur Flucht geben, sonst wehren sie sich um ihr Leben – Alle Teufel, was ist das da oben?« Er deutete zugleich mit dem Arm hinauf, und seine Leute erkannten dort auf einer eben in Sicht kommenden Felsspitze eine allerdings wunderliche Gestalt, die sich von den Uebrigen wesentlich unterschied.
Alle anderen Indianer waren vollkommen nackt und trugen nicht einmal, wie doch die meisten wilden Stämme, einen Schurz um die Lenden. Der da oben aber – oder war es ein Frauenzimmer? hatte einen weißen, wehenden Talar an, der in der Sonne schimmerte und bis über die Kniee hinabreichte; nur die Arme schauten nackt daraus hervor. Dort wo er stand, als man ihn zuerst entdeckte, war er auch durch den höheren und mit Büschen bewachsenen Hügelrücken gegen den jetzt wieder frischer wehenden Wind geschützt gewesen. Nun aber, als er sich bemerkt sah, sprang er die wenigen Schritte hinauf und stand im nächsten Augenblick in der Brise, und das Zeug, was er anhatte, knitterte und knatterte dabei.
»Gott straf' mich, das ist Papier!« rief der Steuermann aus, und in demselben Augenblick riß sich ein Stück der Kleidung los und flatterte, ehe es der danach greifende Wilde erhaschen konnte, aus in See, nach dem Boot hinüber, von dem es nicht weit entfernt auf das Wasser niederfiel.
Es war in der That ein Bogen weißes Schreibpapier, und jetzt kein Zweifel mehr, daß die Eingeborenen dort oben die Postoffice gefunden und geplündert hatten; welche Verwendung sie für das Papier fanden, zeigte sich dabei. Die Umfahrt um die Insel hatte den Seeleuten die Versicherung gegeben, daß sie es hier mit einer großen Anzahl gutbewaffneter Schwarzen zu thun bekämen, und wären sie nur wenigstens mit Wasser versorgt gewesen, so würde der Kapitän kaum daran gedacht haben, einen so ungleichen Kampf zu wagen. Mußten sie doch sogar jedes Handgemenge auf festem Land vermeiden, blieben immer noch der Gefahr ausgesetzt, daß die Wilden, erst einmal gereizt und zur Rache angetrieben, vielleicht sogar mit ihren Canoe's einen verzweifelten Angriff auf ihr Boot machten.
Aber was blieb ihnen Anderes übrig? Zurück gegen Wind und Strömung nach Mount Adolphus konnten sie nicht wieder, noch dazu, da sie im Inneren jener Insel vielleicht gerade so gut auf Eingeborene trafen und dann erst recht, bei Theilung der Mannschaft, ihr Boot und sich selber in Gefahr brachten; Wasser aber mußten sie haben, und das war hier noch zu bekommen, dort draußen im Westen lag dagegen eine weite See vor ihnen, die sie ohne dies nöthige Lebensbedürfniß nicht durchschiffen konnten, also blieb ihnen schon nichts weiter übrig, als sich ihren Weg zu erzwingen, im schlimmsten Fall mit Waffengewalt, und wenn die Schwarzen dabei zu Schaden kamen, hatten sie es sich selber zuzuschreiben.
Das Boot umruderte indessen das Südwestende der Insel und näherte sich der Südost-Ecke, wo, wie der Kapitän von anderen Collegen erfahren, die Höhle liegen sollte. Dort standen auch immer noch Eingeborene und winkten wieder, als das Boot in Sicht kam, mit den abgebrochenen Büschen.
»Wenn wir's nun einmal versuchten, Kapitän,« sagte da der Steuermann, »ob sie uns im Guten in die Höhle ließen? Der Eingang muß dicht am Wasser sein, und wir könnten ihn mit unseren Musketen recht gut frei halten.«
»Ich will Ihnen etwas sagen, Mr. Brown,« meinte aber der Kapitän; »die Möglichkeit ist allerdings da, daß wir hinein kommen, aber schwerlich wieder heraus, denn die Kanaillen spielen da drin Versteckens. Auf Freundschaft ist mit ihnen nicht zu rechnen, und ich will die Verantwortlichkeit nicht auf mich laden, auch nur zwei von Euch an ein Experiment gewagt zu haben. Halten Sie Ihre Gewehre bereit; wissen die Leute, welche sie halten, auch ordentlich mit denselben umzugehen?«
»Die Meisten, Sir – mit einer Pistole verstehen sie es besser.«
»Die Pistolen helfen uns nichts,« sagte der Kapitän trocken, »und sind in dem engen Boot hier gefährlicher für uns selbst, als für die Schwarzen – ha, dort ist die Höhle – sehen Sie den dunklen Strich im Felsen?« – Er hatte sein Telescop wieder aufgenommen und sah hindurch.
»Ist das der Platz, Sir?«
»Ja – ich kann dort im Inneren schon aufgeschichtete Fässer erkennen. Sie wissen doch zu schießen?«
»Gut, dann seien Sie so gut und halten Sie einmal, wenn wir noch ein klein Stück voraus sind und den Eingang breit haben, mitten in die Höhle hinein – aber hoch – verwunden Sie noch keinen; möglich doch, daß wir sie mit einem einzelnen Schuß in die Flucht treiben.«
Der Steuermann nahm sein Gewehr an den Backen und zielte mitten in die Höhle hinein – jetzt waren sie gerad vor dem Eingang, etwa noch hundert Schritte vom Land entfernt.
»Feuer!« rief der Kapitän, und in dem Moment krachte auch der Schuß, dessen Echo sich wohl in der gewölbten Höhlung noch tüchtig brechen mochte, denn mit Blitzesschnelle sprangen plötzlich zehn oder zwölf schwarze Gestalten, ihre Lanzen und Midlas[1] in den Händen, aus dem dunklen Grund der Höhle hervor und kletterten wie Katzen an den Felsen hinauf nach oben. An Widerstand schienen sie in der That nicht zu denken.
[1]: Die Midla ist ein kurzer, etwa dritthalb Fuß langer Hebel, der mit einem kleinen Widerhaken versehen hinten in die Wurflanze eingreift und sie beim Schleudern mit vermehrter Kraft vorwärts treibt. Mit Hülfe dieser Midla ist der australischen Wilde im Stande, seinen einfach hölzernen Speer auf sechzig bis achtzig Schritte – ja vielleicht noch etwas weiter – mit großer Sicherheit zu werfen, so daß er selbst kleineres Wild, wie die Känguru-Ratte, damit trifft und tödtet.
»Aha,« lachte der Steuermann, der von der alten Muskete einen Stoß bekam, daß er beinah hinten übergestürzt wäre – »das hat richtig geholfen; die haben wir hinausgeräuchert, und meinen Hals wollt' ich darauf verwetten, daß keine von den Canaillen mehr da drinnen steckt. Was nun, Kapitän? Ich denke, die Luft ist rein, und ich dächte, das Beste wäre, wir benutzten den ersten Schreck und räumten was wir brauchen aus, indeß Sie uns hier mit ein paar von den Leuten die Luft rein halten.«
»Ich denke auch, Mr. Brown,« sagte der Kapitän, der seinem Steuermann indessen das Gewehr abgenommen hatte und rasch wieder mit einer Patrone lud – »Nehmen Sie sich drei Mann mit – wieder zu euern Rudern, meine Jungens, und nun scharf an Land – und sehen Sie besonders zu, daß Sie ein Faß mit Wasser finden – Zwieback soll genug dort liegen, packen Sie auf was Sie fortbringen können, der Junge soll Sie mit dem Provisionskorb begleiten – aber um Ihr Leben, halten Sie sich nicht länger auf als nöthig ist. Daß Sie indessen Keiner da drinnen stört, dafür wollen wir schon mit den Gewehren sorgen.«
»Jeder von euch nimmt eine Lanze mit – drinnen könnt Ihr vielleicht das Faß gleich auf die Schäfte legen und damit herauslaufen – aber daß ihr kein faules Wasser bringt, denn einzelne sollen schon viele Jahre dorten liegen.«
»Aber wer zum Henker kann sie erst lange untersuchen,« meinte der Steuermann verlegen, »denn flink muß die Geschichte gehen, sonst ist's gefehlt, und wenn sie die schwarzen Halunken zerschlagen haben, sind wir ganz verloren, denn was wissen die Bestien davon, wie man mit einem Faß umgehen muß.«
»Lange können sie noch nicht da sein,« entgegnete der Kapitän, der die Natur dieser wilden Stämme besser kannte als sein weit jüngerer Steuermann, »sonst hätten sie die Canoe's schon beladen und wären fortgerudert. Daß sie sich hier vor unseren Schiffen nicht sicher fühlen, ist gewiß, und das beweist auch, wie treffliche Wacht sie gehalten haben müssen, denn unser kleines Boot war ja kaum in Sicht, als sie es augenscheinlich schon bemerkt hatten. Aber da sind wir – jetzt an's Werk, das Reden hilft nichts – ehe sie nur wissen, was wir eigentlich wollen, müssen wir's haben. Vorwärts, Steuermann – Ihr, Bill, Ned und John, eure Lanzen – das ist recht, mein Junge, den Korb packst du voll Zwieback – liegt ein Faß bei der Hand, so rollt's nur gleich hier herunter: wenn's auch an den Steinen zerbricht, werfen wir in's Boot, was wir brauchen. Vorwärts!«
Die Seeleute bedurften keiner weiteren Mahnung, denn jeder Einzelne von ihnen begriff recht gut, was von ihm verlangt wurde, während an der raschen Ausführung desselben sein eigenes Leben hing. Von den Wilden schienen sie in der That nichts weiter zu fürchten zu haben, und es war fast, als ob der eine, blind gefeuerte Schuß vollkommen genügt habe, sie zu Paaren zu treiben. Nur einzelne schwarze Köpfe schauten noch vorsichtig einen Moment über die Felsen nieder und verschwanden eben so rasch wie sie gekommen. Hatten sie sich in ihre Canoe's geflüchtet und die Insel bei Annäherung der gefürchteten Weißen verlassen? – Alle freilich noch nicht, denn Einzelne kamen immer dann und wann wieder zum Vorschein. Aber es blieb jetzt keine Zeit, nach ihnen auszusehen, denn wie nur der scharfe, eisenbeschlagene Bug des Bootes den Korallensand berührte, sprangen die bezeichneten Seeleute, lauter kräftige Burschen und jeder seine Lanze fest in der Hand gepackt, hinaus an Land und waren auch mit wenigen Sätzen in der Höhle verschwunden. Die Zurückgebliebenen aber, jeder seine Muskete im Anschlag, behielten mit ängstlicher Spannung die benachbarten Felsen im Auge, ob nicht von dort aus ein versteckter Feind seine Speere auf sie hinabschleudern könnte, und kein Wort wurde mehr gesprochen.
»Da kommen sie!« schrie plötzlich des Kochs ängstliche Stimme; und als der Kapitän, der bis dahin eine oben in den Büschen lauernde Gestalt im Auge behalten, rasch den Kopf ihm zuwandte, sah er nach rechts hinüber vier oder fünf Canoe's um die Inselspitze kommen, und fast zu gleicher Zeit drückte der feige Bursche auch sein Gewehr blind in die Luft hinein ab.
»Holzkopf!« schrie der Kapitän und riß ihm die Muskete aus der Hand, »wenn ich wüßte, daß sie Dich brieten, wollte ich ihnen selber ein Feuer dazu anzünden.«
»Oh bester Kapitän,« jammerte der Mann, »es ging mir ja von selber los!«
»Ruhe da und aufgepaßt!« rief aber der alte Seemann, indem er das Gewehr rasch wieder lud. Er sah dabei, wie die Rudernden einen Moment innegehalten hatten, als ob sie selber erst sehen wollten, ob der Schuß einen von ihnen getroffen. Jetzt stießen sie plötzlich ein wildes Jubelgeschrei aus, und fast zu gleicher Zeit rief auch der Zimmermann:
»Habt Acht, bester Kapitän – von drüben herüber kommen sie auch. Jetzt haben sie uns fest.«
In demselben Augenblick schien es aber, als ob die Felsen selber belebt würden. Unmittelbar über der Höhle konnte allerdings Keiner niederklettern, denn die Steine ragten dort schroff und steil empor; aber rechts und links davon sprangen sie herab, und sechs, acht Speere wurden zu gleicher Zeit in das Boot hinabgeschleudert, von denen einer dem Kapitän den Hut vom Kopfe riß, während ein anderer dem Koch durch den Arm fuhr und diesen laut aufheulen machte.
Kapitän Powel warf den Blick umher, und dem Koch erst einmal mit dem Kolben seines Gewehrs einen Stoß in den Nacken gebend, der ihn vornüber sandte, rief er dem Zimmermann zu:
»Jetzt dürfen wir nicht mehr schonen – haltet in den dicksten Klumpen hinein, sobald sie näher kommen. In den schwanken Canoe's können sie mit ihren Lanzen doch nicht ordentlich treffen – Du, Peter, nimmst die Anderen, ziel' ruhig, Mann – wenn Du fehlst, sind wir verloren.« Zu gleicher Zeit hatte er sein eigenes, mit groben Posten geladenes Doppelgewehr angelegt und einen riesigen Schwarzen, der an der Höhle niederglitt, auf's Korn nehmend, feuerte er ihm den Schuß gerade in den Leib, daß er wie ein Sack herunterstürzte. Aber er sah nicht einmal nach ihm hin, denn die Feinde links nahmen seine Aufmerksamkeit ebensogut in Anspruch, während jetzt von den beiden Seeleuten ein eben so wirksamer, aber noch viel mehr Schaden anrichtender Schuß in die Canoe's hinein gefeuert wurde. Die Rehposten gingen in der größeren Entfernung mehr auseinander, und der Zimmermann besonders schien so gut gezielt zu haben, daß sich die fünf Canoe's nicht gleich weiter wagten oder auch vielleicht von den Verwundeten behindert wurden.
Zwei von den anderen dagegen kamen, so rasch sie die Fahrzeuge vorwärts treiben konnten, an, und alle trugen aus dem eisenharten Holz der äußeren Palmenrinde gefertigte Ruder. Diese aber, schwer und an den Kanten scharf geschnitten, können ebensogut als Keule dienen und sind dann eine furchtbare Waffe in der Hand eines starken Mannes.
»Noch einen Schuß, Zimmermann,« rief der Kapitän, während er in aller Hast sein eigenes Doppelgewehr wieder lud, »nehmt die geladene Muskete da neben Euch, aber zielt gut – der erste war vortrefflich.«
Wieder der Knall über das Wasser und dießmal hatte der Matrose nur das erste Boot voll auf's Korn genommen, in dem er aber eine arge Verwüstung anrichtete. Zwei der nach links überschlagenden Schwarzen drückten es sogar auf der Seite unter Wasser und es füllte. Wohl kamen die anderen Canoe's jetzt auch in vollem Lauf wieder näher, aber sie hatten ihre richtige Zeit versäumt. Kapitän Powel feuerte zuerst eine Ladung Rehposten zwischen einen Trupp hinein, der sich wieder an den Felsen zeigte, und schickte dann die andere Ladung mitten in die Canoe's, die jetzt dicht neben dem Boot an's Ufer liefen und wahrscheinlich einen Angriff zu Land versuchen wollten, da sie in den schwanken Fahrzeugen ihre Waffen nicht gebrauchen konnten. Kaum aber schoß der hohe Bug des ersten auf den Sand hinauf, als der Steuermann mit seinen drei Matrosen, die auf den Augenblick nur schienen gewartet zu haben, aus der Höhle sprangen und jetzt ihrerseits mit den Lanzen auf die Feinde einstürmten. Der Angriff kam aber zu plötzlich und aus zu unmittelbarer Nähe, und ohne sich nur zu besinnen sprang die ganze Mannschaft der Canoe's über Bord und tauchte unter. Wie durch Zauberei waren sie verschwunden.
In dem Moment schien es fast, als ob sämmtliche Schwarze von der Insel verschwunden wären; aber der Kapitän traute ihnen nicht und benutzte die ihm vergönnte kurze Zeit, um rasch die abgeschossenen Gewehre wieder zu laden, während die Seeleute indessen in aller Hast das schon bis an den Eingang gewälzte Faß Wasser jetzt aufhoben und heraustrugen. Allem Anschein nach war es das letzt hierhergeschaffte, denn es trug den Brand der Yorkshire lady. Auch der Junge war nicht müssig gewesen und mit einem gehäuften Korb von Zwieback angekommen, den er ohne Weiteres in's Boot schüttete und dann zurück in die Höhle sprang, um noch eine zweite Ladung zu holen. Den Zwieback mußten die Wilden nämlich zuerst entdeckt haben, denn das eine große Faß war auseinandergebrochen und der Inhalt über den ganzen Boden der Höhle zerstreut.
Ihr Boot wurde übrigens durch den neuen Proviant, besonders durch das Faß Wasser bedenklich tief geladen. In der Straße selber wäre das bei dem spiegelglatten Wasser gegangen, jetzt aber, wo sie in den indischen Ocean einlaufen wollten, mußten sie wenigstens darauf vorbereitet sein, unruhigere See zu bekommen – aber der Steuermann wußte Rath.
»Schafft das Canoe herbei, Jungens!« rief er, einen Blick umherwerfend, »das nehmen wir in's Schlepptau, bis wir draußen in See erst Alles richtig weggestaut und geordnet haben, und ein paar von Euch können damit nebenher fahren. Das Ding ist breit genug, Euch zu tragen – dort liegen auch Ruder.«
Es war im Nu geschehen; die Leute sprangen zu, schoben das Canoe in tieferes Wasser zurück und brachten es langseit. Die ganze Sache dauerte keine fünf Minuten. Trotzdem waren sie von den Wilden dabei beobachtet worden, denn wieder flogen vier oder fünf Speere nach ihnen herunter, aber zu kurz, denn die Schwarzen trauten sich nicht mehr in den Bereich der Schußwaffe.
»Fertig Alles?« rief der Kapitän.
»Alles klar, Sir,« lautete die Antwort.
»An Bord denn und fort – die Sonne ist gleich unter und nach Dunkelwerden möchte ich nicht mehr in der Nähe der schwarzen Halunken sein. Sie holten dann jedenfalls ein, was sie jetzt unterlassen haben – aus mit dem Boot!«
Der Befehl wurde fast so rasch ausgeführt, wie er gegeben worden, denn sie waren mit steigender Fluth gelandet und das Wasser mochte in der Zeit fünf bis sechs Zoll gewachsen sein. Die Leute sprangen alle in die Fluth, um es zurückzuschieben. Zwei von ihnen nahmen dann das Canoe und den eben mit einem anderen Korb Zwieback zurückkommenden Jungen ein, und wenige Minuten später stießen sie von der Küste ab – aber der Kapitän hielt noch nicht in See hinaus.
»Eine Lektion müssen wir den Burschen noch geben,« sagte er finster, »daß sie später das Eigenthum der Weißen mehr respektiren lernen oder wenigstens in einer heilsamen Furcht gehalten werden – Zimmermann, nehmt einmal Euer Beil und bearbeitet das Canoe dort drüben ein wenig.«
Der Zimmermann that dies mit Vergnügen und das Fahrzeug war im Nu unbrauchbar gemacht; dann nahmen sie ihren Cours um die Insel herum, um die übrigen ebenfalls abzuschneiden und die Schwarzen dadurch auf der Insel zu halten, bis ein größeres Schiff dort landete, das eher die Macht hatte, sie zu züchtigen. Die Eingeborenen schienen es aber vorgezogen zu haben, etwas Derartiges nicht abzuwarten, denn wie sie an den anderen Rand der Insel kamen, sahen sie die kleine Flotte von neun Canoe's schon unterwegs, und zwar in voller Flucht gen Süden, dem nächsten Festland zu haltend. Daß sie von dem schwergeladenen Boot der Weißen nicht verfolgt werden konnten, wußten sie gut genug, aber sie schienen auch gar nicht die Absicht zu haben, weit zu fliehen, denn draußen ein Stück in See lagen sie jetzt plötzlich auf ihren Rudern, um dort erst einmal abzuwarten, was die Feinde beginnen würden.
Der Kapitän war überzeugt, daß sie, sobald das Boot nur außer Sicht wäre, augenblicklich nach der Insel zurückkehren würden, nicht allein um ihre Todten abzuholen, sondern auch die begonnene Plünderung zu beenden. Das Alles ließ sich aber nicht mehr ändern. Der für den Seemann so wichtige Platz war einmal verrathen; die Schwarzen hatten das Geheimniß der Höhle entdeckt, und es durfte wohl schwerlich mehr an eine weitere Niederlage dort von Wasser und Provisionen für verunglückte Seeleute gedacht werden. Jenes diebische Gesindel revidirte jetzt gewiß regelmäßig die Höhle, um Alles mitzuführen, was sie fanden.
Das Boot – nachdem sich die Leute an dem erbeuteten Wasser gelabt – hielt eine nordwestliche Richtung bei, um irgend eine der Inseln des ostindischen Archipels anzulaufen, schon am zweiten Tag aber sichteten sie eine portugiesische Brigg, die, von Europa kommend, nach der portugiesischen Besitzung in Timor bestimmt war. Von dieser wurden sie an Bord genommen und gingen später mit einem holländischen Schiff nach Singapore, von wo aus sie leicht in ihre Heimath zurückkehren konnten.
Der Kapitän machte allerdings in Singapore die Anzeige des zerstörten Depots auf Booby-island, und ein nach Australien bestimmtes Kriegsschiff bekam auch Auftrag, dort anzulaufen; als es aber mit dem nächsten Monsuhn Booby-island berührte, fand es in der Höhle nur noch einen Haufen verdorbenes Fleisch, den die Schwarzen verschmäht hatten – alles Uebrige war ausgeräumt und selbst die »Postoffice« wahrscheinlich nach dem Festland geschafft worden.