Undank für treue Liebe.

Ein junger Mann gewann ein Mädchen lieb. Er war Katholik und sie Protestantin. In seiner heimatlichen Gegend warf die Eingehung einer gemischten Ehe ungemein viel Staub auf. Um die Schwierigkeiten auf dem richtigsten Wege zu beseitigen, unternahm er eine Reise nach Rom. Hier erlangte er von der Kurie die Erlaubniß zu einer paritätischen Ehe. Auf der Heimreise hielt er sich eine Zeit lang in Triest auf, wo er, als Mechaniker, das Auskommen zu seiner gänzlichen Zufriedenheit fand. Er schrieb seiner Geliebten, daß ihm die Heirathsbewilligung ertheilt worden sei, und daß auch sie die weitern Schritte thun solle, wodann er ohne Verzug zurücktreffen werde. Die Eltern indeß, schon lange dem katholischen Freier ungünstig, wußten während der Abwesenheit des Liebhabers überwiegenden Einfluß bei der Tochter geltend zu machen. Kurz, sie knüpfte eine andere Bekanntschaft an.

Wem auch schon ruhige Augenblicke vergönnt waren, das Seelenleben nach seinen Ursachen und Wirkungen zu durchschauen, findet in der Liebe eine mächtige Triebfeder zu vielen eigenthümlichen und außerordentlichen Unternehmungen. Tief ergriff die Nachricht von der Untreue des Mädchens den Geliebten, welcher ein so großes Opfer, wie die Reise nach dem entfernten Sitze des römisch-katholischen Oberhauptes, nicht scheute. Es verdüsterte sich sein Gemüth in dem Grade, daß er Europens überdrüssig wurde. Er reisete nach Jerusalem, und von dort nach Kairo. In der Hauptstadt Egyptens suchte und erhielt er als musikalischer Instrumentenmacher eine Anstellung bei der Regierung, obschon er von der Musik so viel als nichts verstand, mithin auch die Instrumente nicht stimmen konnte. Musikanten von seiner Bekanntschaft halfen ihm aus der Klemme. Mittlerweile vervollkommnete er sich in der Kunst, bis er durch Ohrenbläsereien und durch geheime Untergrabungen von seiner Stelle verdrängt wurde. Später eröffnete er eine Bude, worin er arabische Bibeln[21], andere Bücher und auch andere Dinge feil bot. Hart prüften langwierige Ruhr und andere Mißgeschicke sein Leben.