Und waren sie dem Buben denn wirklich endlich einmal auf der Fährte? – Er mußte es sein – ein Irrthum ließ sich nicht mehr denken. Er hatte die beiden Backwoodsmen, wie er sie da zum Weiterritt schon gerüstet fand, erkannt und wußte, was ihm drohte, wenn er in ihre Hände fiel. – Wären sie nur gleich zu seinem Haus geritten, so lief er ihnen dort selber in das Garn – nein, blind und toll mußten sie die falsche Fährte annehmen, die er ihnen gegeben, und jetzt hatten sie ihm sogar Zeit gelassen, seinen Raub zusammenzuraffen und in die Wildniß hineinzureiten. – Aber ein Trost blieb ihnen – ein grimmer Trost, denn nicht plötzlich und unerwartet war der Verbrecher in ihre Hände gefallen und bestraft, nein, er mußte jetzt erst die Qualen des Verfolgten leiden. Er wußte die Rächer auf seinen Fersen, wußte, welches Schicksal ihm bevorstand, wenn nur sein Pferd strauchelte oder das Geringste ihn aufhielt, und kannte die Männer, die nur das eine Ziel haben konnten, seinen Tod, oder sie wären ihm nicht mit solcher Hartnäckigkeit selbst bis in diesen entlegenen Theil der Union gefolgt.

Erbarmen? – er hatte es nie gezeigt, also auch nicht zu hoffen und nur sein flüchtiges Thier konnte sein Schicksal noch hinausschieben – wahrlich nicht mehr ändern, denn nun, auf der frischen Fährte, ja den Buben fast in Sicht, dachten seine Feinde nicht daran, die einmal begonnene Verfolgung je wieder aufzugeben.

Noch an den Grenzen der Stadt begegneten diese einigen Deutschen, die theils aus dem Walde, theils von anderen Ansiedlungen vielleicht herüber kamen und erschreckt zur Seite bogen, als sie auf die wie rasend an ihnen vorbei sprengenden Männer trafen. Waren das die Räuber, die man in den letzten Tagen gejagt? – Aber voran ritt ja der Amerikaner, dessen Schwiegervater man gerade ermordet, während man die andern beiden gar nicht kannte. Floh er vor diesen, oder verfolgten sie alle ein und dasselbe Ziel? – Ehe sie sich aber nur denken oder vermuthen konnten, was hier vorgehe, waren die drei Reiter, die sich in längeren Zwischenräumen von einander hielten, auch vorbeigebraust, und diese drehten nicht einmal den Kopf nach ihnen um.

John und Jim hatten allerdings vollkommen ausgeruhte und auch zähe und kräftige Thiere, aber es zeigte sich trotzdem bald, daß sie keinen Fuß breit an dem Fuchs gewinnen konnten, den Hendricks ritt und der, von seinem Reiter nur noch zu rasenderem Lauf gespornt, wie ein Pfeil mit ihm über den Boden flog.

John behielt ihn allerdings noch, so lange sich die Straße fortzog, im Auge, oder kam wenigstens dann und wann wieder in Sicht von ihm, und einmal, als Hendricks zuerst einen ziemlich abschüssigen Hang erreichte, an dem er nicht so rasch hinabreiten konnte, schien es seinem Verfolger auch, als ob er an ihn gewönne. Aber unten lag wieder ebener Boden und der Fuchs benutzte den nach besten Kräften – ja der Weg zog sich hier mehr links in den Wald hinein und in dessen Schatten verschwand bald darauf der Reiter; deshalb entging er aber freilich seinem Verfolger noch nicht, denn hier war der Boden nicht, wie in der Nähe der Stadt, von den Hufen anderer Pferde zerstampft. Die Spuren prägten sich deutlich oder doch wenigstens erkennbar, dem Boden ein, und einen besseren Nachsucher auf einer Fährte als John Wells, gab es nicht in dem weiten Wald.

John ritt dabei ein besseres Pferd als Jim Jenkins, der auch bald merkte, daß er mehr und mehr zurück blieb, aber trotzdem folgte er den voran eingedrückten Fährten und wußte, daß er bei der geringsten Zögerung seines Feindes rasch das Versäumte wieder nachholen konnte.

So hatte diese wilde Jagd wohl sechs volle Stunden gedauert und einen Waldweg gab es schon lange nicht mehr – nur noch einen Pfad, der sich durch die Wildniß zog, aber dafür auch in dem abgefallenen Laub nur soviel deutlicher die Spuren zeigte. Die Thiere konnten vor Erschöpfung kaum noch weiter, aber immer wieder trieb sie der scharfe Sporn zu neuen Anstrengungen, und Jim besonders, der jetzt eine gute Strecke zurückgeblieben, fühlte, wie sein Thier anfing, zu ermatten.

Da erreichte er eine Stelle, an welcher sich der Pfad theilte. John selbst hatte keinen Moment dort gezögert, denn sein scharfes Auge erkannte die rechts abführende Spur sogleich und folgte ihr ebenso rasch. Jenkins dagegen zügelte sein Thier ein und als er sich der rechten Spur vergewissert hatte und es weiter treiben wollte, konnte es nicht mehr von der Stelle. So lange es in Gang geblieben, wäre es wohl fortgerannt, bis seine Kräfte vollständig erschöpft waren und dann wahrscheinlich mit einem Schlag zusammengebrochen; jetzt aber, wo die angestrengte Kraft und Erregung der Muskeln, wenn auch nur für wenige Minuten, bei dem todtmüden Thiere nachließ, war es nicht möglich, sie wieder von Neuem zu beleben. Es strauchelte und knickte in die Knie, wollte sich noch einmal emporraffen und stürzte dann auf die Seite nieder, wo es liegen blieb und alle viere von sich streckte.

Jenkins fluchte still und erbittert vor sich hin, aber an der Sache war weiter nichts zu ändern, und das Pferd jedenfalls zu fernerem Gebrauch, wenigstens in der nächsten Zeit unnütz. Nur das Einzige blieb ihm zu thun, den Spuren so rasch als irgend möglich zu folgen.

Allerdings hatte er eine Strecke zurück, seitwärts vom Weg eine kleine Farm gesehen. Sollte er sich dorthin wenden und um ein frisches Pferd bitten? wer hätte es ihm aber geborgt, kaufen konnte er sich keines, und wie viel Zeit verlor er ohnedies damit. Dagegen lag die Möglichkeit vor, daß er noch später eine Hütte im Wald oder vielleicht selber Pferde traf – das erste beste und wenn er es hätte stehlen sollen, er fühlte sich nicht in der Stimmung, besonders wählerisch zu sein, und mit dem Gedanken war sein Entschluß gefaßt.

Ohne Zögern sattelte er sein marodes Thier ab trug den Sattel in den Busch und verdeckte ihn dort mit Laub und Reisig – die Stelle war, an dem getheilten Pfad, leicht wieder zu erkennen. Dann nahm er den Zaum, hing sich denselben um und folgte nun, die Büchse auf der Schulter, zu Fuß den, deutlich genug in den Boden eingedrückten Spuren. Kaum eine Stunde mochte er aber so gewandert sein als der mehr und mehr verschwimmende Pfad an einer breiten Waldwiese vollständig aufhörte, oder sich vielmehr hier nach allen Seiten auszweigte. Es war ein gewöhnlicher Kuh- oder Wildpfad, wie sie sich so häufig im Wald finden und das Ziel desselben schien dieser Weidengrund – ein etwas tief liegender feuchter Wiesenplan zu sein.

Ueber denselben hin waren die Hufe der galoppirenden Pferde auch noch deutlich – ja sogar deutlicher als bisher zu erkennen. Weiter aber schien sich der Verfolgte mehr links und einem kleinen Höhenzug zugewandt zu haben; er hatte wenigstens plötzlich und in einer scharfen Biegung seinen Cours geändert. John konnte ihm aber dabei nicht in Sicht gewesen sein, denn er würde sonst jedenfalls diese Biegung abgeschnitten haben. Das war nicht geschehen, sondern seine Spuren blieben, wie bisher oder doch überall, wo es der Weg erlaubte, links neben denen des Flüchtigen sichtbar. Er war ihm also bis dahin nicht näher gekommen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach sogar noch eher weiter zurückgeblieben.

Jenkins hielt sich aber nicht lange bei Vermuthungen auf. Weiter ging die Jagd. Der Schweiß lief ihm in Strömen an der Stirn nieder, aber er zögerte auch nicht einen Moment in seinem Schritt.

Das Terrain wurde hier felsig und hatte die Reiter jedenfalls aufgehalten, denn wild zerstreut lagen große und kleine Granitblöcke über dem ganzen Abhang. Wie er aber wieder zu Thal lief, sah er einen, wenn auch nicht sehr breiten, doch ziemlich tiefen Bergstrom mit vollkommen klarem Wasser zu seiner Linken, den die beiden Reiter angenommen hatten. – Und sollte er selber da hindurch. Das Wasser war, wie er die Hand hinein hielt, eisig kalt; kam ihm wenigstens so vor, und er in Schweiß gebadet – er konnte den Tod von einer solchen Schwimmpartie haben. Doch nur ein Gedanke beseelte ihn: der der Rache, den Feind wollte er erreichen und was ihn selber betraf, vergaß er ganz. Nur Büchse und Kugeltasche nahm er in die linke Hand, um sie trocken zu halten, und warf sich ohne Zögern in den Strom.

Einen anderen Menschen hätte vielleicht unter solchen Umständen der Schlag gerührt; dem zähen Backwoodsman schadete das kalte Bad nicht allein Nichts, sondern es erfrischte ihn sogar nach dem heißen Lauf. Drüben angekommen war auch sein erster Blick nach den Spuren der Pferde – aber was war das? – nur die Hufe eines Pferdes und zwar Johns, dessen Spuren er genau kannte, sah er hier dem Boden eingedrückt – und herüber und hinüber gingen sie, als ob er selber nicht gewußt habe, welche Richtung er einschlagen sollte – oh wie viel kostbare Zeit mußte er damit verloren haben – weshalb hatte er sich nur nicht gleich stromab gewandt. Der Flüchtige konnte ja gar nicht gegen die Strömung angeschwommen sein.

Er selber suchte augenblicklich nach dieser Richtung zu, mußte aber eine lange Strecke am Ufer hinabwandern ehe er die Stelle fand, wo der gehetzte Räuber wieder an Land gegangen war, und erst als er hier den Spuren eine Weile gefolgt war, sah er, daß John die Fährte ebenfalls wieder aufgenommen hatte.

Jetzt kam ein weites rauhes Terrain von Stein und Kies, wo man die Spuren kaum erkennen konnte, und hier plötzlich theilten sie sich, ohne daß Jim im Stande gewesen wäre, die Ursache zu errathen, denn so deutlich war die Fährte immer geblieben, daß sie John nicht verlieren konnte. Und welches war jetzt Johns Pferd gewesen, denn auf den Steinen ließ sich kaum hier und da ein schwaches Zeichen erkennen. Er begriff das Ganze nicht und wählte endlich die links abführende Fährte, die ihn aber eine Weile in gerader Richtung abführte, dann rechts einbog, wieder links hinüber hielt und dann noch einmal einen andern Cours nahm.

Jetzt kam er auch auf weichen Boden und den Büchsenkolben stieß er verzweifelnd vor sich in die Erde – denn er hatte John's Fährte angenommen und der Verbrecher war jedenfalls entkommen.

Was nun thun? – Daß John den Wald hier nur auf gut Glück, bald herüber, bald hinüber abgesucht, war ihm klar genug, aber er begriff nicht, daß John hier die Fährte verloren haben konnte. Es gab ja keinen besseren Waldmann am ganzen Fourche-la-Fave. Sollte er jetzt zurück und an dem Bergstrom die andere Spur aufnehmen? Dadurch erhielt der Flüchtige einen Stunden weiten Vorsprung und dann – konnte er überhaupt noch fort? Die Sonne neigte sich schon dem Horizont und jetzt, da er endlich still stand, fühlte er erst, wie furchtbar müde er selber geworden war.

Die Knie fingen ihm an zu zittern, ein Frösteln lief über seinen ganzen Körper und er mußte sich unter einen Baum legen, um nur etwas auszuruhen. Menschliche Kräfte hielten es eben nicht länger aus.

So lag er etwa eine halbe Stunde, aber der Frost trieb ihn wieder in die Höhe, denn die nassen Kleider an seinem Körper kälteten ihn zu sehr. Er konnte auch wieder marschiren, denn die kurze Rast hatte wenigstens genügt, ihn in etwas aufzufrischen. Eine Zeitlang folgte er auch noch Johns Spuren, um doch vielleicht mit diesem wieder zusammen zu treffen, aber er mußte das bald als ein vergebliches Mühen aufgeben, denn nur zu deutlich sah er, daß dieser keine feste Richtung gehalten habe und trotzdem noch immer in wilder Eile fortgejagt sei. Brach aber die Nacht an, so verlor er die Fährten, die sich überhaupt nur sehr schwach auf dem Felsenboden zeigten, doch aus den Augen – ja er war jetzt schon unsicher geworden, ob er noch die richtige hielt. Hier herum hatten sich jedenfalls eine Anzahl Pferde auf der Weide herumgetrieben und als er der einen Spur noch eine Weile folgte, traf er mitten im Wald einen alten lahmen Schimmel, der sich ruhig an einem dünnen Baumstamm die Seite rieb.

Es war vorbei – nicht einmal die Hoffnung konnte er mehr hegen, daß John wenigstens allein sein Ziel erreicht habe, und durch das viele Hin- und Herziehen irre gemacht, wußte er kaum selber mehr, wo er sich befand, viel weniger denn, wo er einen Andern suchen sollte. An der untergehenden Sonne konnte er aber doch die Himmelsrichtung erkennen, und beschloß nun seine Bahn nach jenem letzten Hause zu nehmen, dessen Fenz er im Vorbeijagen gesehen – möglich, daß ihn John dort ebenfalls aufsuchen würde, und that er das nicht, so wollte er zurück nach Blumenthal kehren und ihn dort erwarten.

Elftes Kapitel.
Die Ueberraschung.

Jim war todtmüde geworden und hätte sich gern gleich da, wo er stand, zum Schlafen niedergeworfen, aber der Durst peinigte ihn außerdem; er mußte jedenfalls Wasser suchen, und hielt deshalb, da er sich von dem Fluß zu weit entfernt hatte, über den nächsten Hügelhang hinüber, an dessen anderer Seite er einen Bach anzutreffen hoffte. Dort konnte er auch ein Feuer anzünden, um sich zu trocknen, und etwas Brot und Fleisch trug er ja in seiner Kugeltasche bei sich.

Das Terrain war hier außerordentlich steinig. Es sah fast so aus, als ob sich irgend ein Riese den Spaß gemacht habe, Tausende von kleinen Felsblöcken über das weite Land auszustreuen, so dicht lagen sie beieinander, und zu Pferde wäre hier überhaupt schwer durchzukommen gewesen. Langsam schritt er dazwischen hin, traf endlich auf ein paar feuchte Stellen, an denen sich etwas Wasser gesammelt hatte, und kniete bei einer derselben nieder, um sich wenigstens erst einmal satt zu trinken. Es war auch die höchste Zeit gewesen, denn die rothen Abendwolken verriethen schon den Untergang der Sonne und das rasch eintretende Dämmerlicht legte sich über den Wald.

Er trank lange und um Athem zu holen, hob er endlich den Kopf, zuckte aber bis in jeden Nerv seines Körpers zusammen, denn kaum hundert Schritt von ihm entfernt – oh, nicht so viel, es konnten kaum mehr als achtzig sein, da die Dämmerung die Entfernung vergrößert, sprang ein Mann, eine Büchse in der Hand haltend, rasch über den hier ziemlich offenen Plan von einem Stein zum andern. Seine Richtung aber lag dem nicht weit davon wieder höher und dichter werdenden Holze zu, und Jim erkannte auf den ersten Blick seinen Feind. Es war Hendricks.

Fast krampfhaft griff er, in seiner gebückten Stellung verharrend, nach der neben ihm liegenden Büchse; aber wie hätte er jetzt, in schon halber Dunkelheit, sein Ziel treffen wollen; und die Glieder flogen ihm dabei, wie in Fieberfrost.

Hendricks konnte ihn da, wo er mit seinem dunklen Kopf kaum über die fast gleichfarbigen Felsstücke heraussah, nicht erkennen, schien auch kaum die Nähe eines Menschen hier zu fürchten, sondern nur allein darauf bedacht zu sein, keine Fährten mehr zu hinterlassen, was ihm auch auf den Steinen vollkommen gelingen mußte.

Wie in aller Welt hatte er John überlistet? – war sein Pferd ebenfalls gestürzt oder vielleicht absichtlich an einer Stelle aufgegeben, wo er seine eigenen Fährten gut verbergen konnte? Aber wild und verworren zuckten solche Fragen durch des jungen Backwoodsmans Hirn, und mit heftigen Schlägen klopfte ihm das Herz in der Brust, denn an ihm vorüber floh der Bube und wenn er jetzt im Wald verschwand – Langsam und vorsichtig, mit so wenig als möglich Bewegung, hob er seine Büchse und suchte sie auf einen der Felsblöcke zu bringen; aber der vor ihm liegende war zu niedrig – er konnte nicht darauf zielen; – er kroch etwas weiter nach rechts hinüber. Dort sah er einen passenden Platz, aber Hendricks, mit keiner Ahnung in welcher Gefahr er sich befand, sprang leichtfüßig von einem Stein zum andern und ehe Jenkins nur die Büchse an die Backen und den Feind auf's Korn bekommen konnte, war er in dem Gestrüpp, wenn auch nicht verschwunden, doch so in den immer stärker werdenden Schatten gekommen, daß ein richtiges Ziel zur Unmöglichkeit wurde. Einen gewissen Schuß mußte Jim aber haben oder der Verbrecher war nicht allein gewarnt und dann auf immer für ihn verloren, sondern er war auch viel stärker bewaffnet, als er selber. Jim hatte nur die eine Kugel im Rohr, Hendricks dagegen, außer seiner Büchse noch wenigstens einen sechsläufigen Revolver im Gürtel, und nur sein böses Gewissen oder seine natürliche Feigheit mußten ihn, bei seiner Uebermacht der Waffen, selbst beiden Verfolgern gegenüber, zur Flucht getrieben haben.

Jim sah sich jetzt, da wo er gerade lag, durch einen ziemlich hohen Felsblock gedeckt. Er wartete noch einen Moment und da Hendricks nicht auf der anderen Seite desselben wieder zum Vorschein kam, glitt er wie eine Schlange über den Boden und zu jenem Felsen hin, an dem er sich, die Büchse aber zum augenblicklichen Gebrauch im Anschlag, langsam emporrichtete, um darüber hin sehen zu können. Er schrak aber ordentlich zusammen, denn dort – kaum zwanzig Schritt mehr von ihm entfernt und an der nämlichen Quelle, an der er, etwas weiter unten getrunken, lag Hendricks – ebenso verdurstet wie er selber und ihm den Rücken zukehrend. Im Nu hob sich auch Jenkins Büchse und sein Auge suchte das Korn – aber es war nicht mehr möglich. Er selber stand hier vollständig gedeckt unter einem dichten Dogwood-Busch, und dort der Trinkende lag ebenso im tiefen Schatten, daß er wohl noch die Gestalt erkennen, aber nicht mehr darauf zielen konnte. Und selbst, wenn er es gekonnt hätte, sollte er den Buben mit einer Kugel tödten – ihn seiner selbst unbewußt von der Erde nehmen, der ihm so entsetzliches Weh angethan?

Jetzt hob sich die Gestalt vom Boden auf, und wieder suchte Jenkins' Auge das Korn seiner Büchse zu fangen; da sah er, wie Hendricks, der sich hier vollkommen sicher glauben mußte, seine Büchse nahm und an einen Baum lehnte, den Blick noch einmal vorsichtig umherwarf und dann alle Anstalten machte, als ob er dort, wo er sich gerade befinde, etwas ausruhen wolle. Die Nacht war eingebrochen, die Sterne traten heraus, und nur bei ihrem Schein konnte Jim erkennen, wie der wahrscheinlich ebenfalls zum Tod Ermüdete sich Laub unter dem nächsten Baum zusammenschob, um sich ein nur einigermaßen trockenes Lager herzurichten. Natürlich wollte er nicht im Dunkeln marschiren, wo er einer ihm drohenden Gefahr nicht hätte ausweichen können.

Jim Jenkins blieb unbeweglich hinter seinem Stein liegen, denn daß er selber dort keine Gefahr lief, entdeckt zu werden, wußte er gut genug. Er sah, wie sein Opfer noch einmal in langen Zügen trank und sich dann endlich, die Büchse und den Revolver neben sich, auf das Laub, das er rascheln hörte, niederwarf. Er war selber todtmüde gewesen, aber er dachte nicht mehr an Schlaf und überlegte sich nur jetzt, wann der Mond herauskommen müsse, um ihm zu seinem weiteren Handeln zu leuchten.

Gestern war der Mond ziemlich spät aufgegangen – wohl erst um neun Uhr – heute kam er noch später und ehe er nicht ziemlich hoch stand, konnte er Nichts beginnen – aber was that das. Und wenn er hätte zwölf Stunden da liegen sollen, er würde nicht gemurrt haben, glaubte er sich doch jetzt seiner Rache sicher. So regungslos wie der kalte Stein selber, an den er sich lehnte und ebenso erbarmungslos hielt er, als er selbst nicht mehr die Umrisse des Feindes in dem Dunkel erkennen konnte, die Augen noch immer fest auf den Platz gerichtet und horchte, mit Anspannung aller seiner Kräfte, dem geringsten Geräusch, was von dort zu ihm herüberdrang.

Hendricks mußte unruhig schlafen; er warf sich auf seinem Laubbett herüber und hinüber. War etwa der auf ihm haftende Blick seines Feindes daran Schuld? Jim dachte selber daran und wandte ihn ab, aber kein Rascheln eines Blattes entging seinem scharfen Ohr.

So stand er, oder lag halb an dem Felsen, viele Stunden lang – dort drüben war Alles ruhig geworden – endlich, endlich ging der Mond auf, stand aber noch viel zu tief hinter den Bäumen, um hell genug zu leuchten. Jenkins erwartete seine Zeit mit fast übermenschlicher Geduld und rührte sich nicht eher, als bis Mitternacht schon lange vorüber sein mußte, und jetzt rüstete er sich zum Handeln.

Geräuschlos streifte er Alles ab, was ihn an seiner freien Bewegung hindern konnte, selbst die Kugeltasche, Jagdhemd und Leggings – die Nacht war ziemlich kalt, aber ihn fror nicht, der Kopf brannte ihm sogar wie in Fieberhitze. Jetzt war er soweit fertig und nur nach seiner Büchse sah er noch, und setzte ein frisches Zündhütchen auf, daß sie ihm nicht im entscheidenden Moment versagte. Dann aber, wie ein Panther auf seine Beute, und ebenso mordgierig, ebenso geräuschlos verließ er den Stein, hinter dem er sich bisher verborgen und glitt auf sein Opfer zu.

Schlief Hendricks? – Er wußte es nicht. Lag er wach und hörte den Anschleichenden, so war es um ihn geschehen, aber was kümmerte ihn die Gefahr, in der er sich befand. Rache wollte er, Rache an dem Mörder seines Vaters und mit keinem Gedanken weiter, aber auch mit jeder nur möglichen Vorsicht, schlich er näher und näher an sein Opfer hinan, immer wieder horchend, ob er das Laub nicht könne rascheln hören. – Aber Alles blieb ruhig wie das Grab – ja, jetzt tönte schon deutlich das langsam schwere Athmen des Schlafenden zu ihm herüber.

Aber war das nicht etwa Täuschung? stellte sich der Bube nicht vielleicht nur schlafend und lag, mit gespanntem Revolver des Nahenden harrend? Vorwärts! Jetzt konnte er die ausgestreckte Gestalt deutlich im Licht des Mondes, der gerade einen Strahl durch die Baumwipfel warf, erkennen. Neben ihm blitzte etwas – es war der Revolver, auf dem seine Hand ruhte – die Büchse lag ebenfalls zum Griff bereit.

Jim zögerte einen Augenblick – aber auch nur einen – jetzt war er neben dem Schlafenden – geräuschlos legte er die eigene Büchse neben sich auf das Gras nieder, von dem Hendricks selber das Laub weggescharrt – ein Griff nach dem Revolver mit der linken Hand, und wie der Mörder wild und entsetzt durch die Berührung emporfuhr, traf ihn ein mit aller Wucht geführter Faustschlag Jims so kräftig gegen den rechten Schlaf, daß er bewußtlos und wie todt auf das Laub zurücksank. – Es wäre besser für ihn gewesen, er wäre todt geblieben.

Jim, den Revolver neben sich legend, warf sich auf ihn, riß aus seiner Tasche ein Stück derbes Seil, wie es meist alle Jäger bei sich führen, und schnürte ihm damit die Hände auf den Rücken – jetzt erst hatte er ihn sicher und nur der eine Wunsch drängte sich über seine Lippen: Oh, wäre John jetzt hier! – Aber dem Gedanken gab er sich nicht weiter hin, denn wer wußte wo der Freund jetzt war. Die Schnur reichte noch gerade aus, um den Gefangenen an einen jungen Stamm anzubinden. Nicht weit davon stand ein niederer Dogwood, dorthin schleppte er ihn und hatte sich seiner vollkommen versichert, als der bis dahin vollständig Bewußtlose seine Besinnung wieder gewann.

Aber er kümmerte sich in dem Augenblick gar nicht um ihn – und zu dem Felsblock sprang er, um von dort seinen Zügel herüber zu holen und als er jubelnd wieder zurück zu dem Gefangenen eilte, hatte sich Hendricks halb auf seinem Ellbogen aufgerichtet und starrte ihn mit stieren entsetzten Blicken an.

»Jenkins« – war Alles was sich seiner Brust entrang – »oh mein Gott!«

»Ja ruf Deinen Gott an, Schuft,« lachte aber der junge Backwoodsman, ingrimmig zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch. »Der, zu dem Du betest, ist der Teufel, der Dich so lange beschützt hat – aber Deine Zeit ist um. Du siehst die Sonne nicht wieder.«

»Jenkins,« sagte Hendricks mit leiser, heiserer Stimme, »Ihr wollt mich doch nicht hier in der Nacht mit kaltem Blut morden.«

»Gerade recht mahnst Du mich an das kalte Blut, mit dem Du meinen armen alten Vater und den alten Wells, Rankins Hogan und viele Andere ermordet hast. Scheusal wie es kein zweites die Welt trägt – aber Deine Zeit ist um; Erbarmen hast Du von mir nicht zu hoffen.«

»Jenkins,« stöhnte Hendricks – »ich bin reich – ich habe bei Blumenthal viel Geld vergraben – es soll Alles Euer sein, wenn Ihr mich nur dorthin führt, und ich bleibe ja doch in Eurer Gewalt.«

»Dein Blutgeld, nicht wahr, um das Du auch wohl den armen Deutschen ermordet?« – knirschte Jim – »Deine Zeit ist um und Bitten oder Versprechungen helfen Dir nicht mehr.«

Noch während er sprach hatte er den starken Zügel von dem Gebiß gelöst und eine Schlinge daraus geformt. Jetzt sah er zu dem Dogwood auf – einer der Aeste zog sich gerade etwa hoch genug über dem Gefangenen hin und so, daß er ihn bequem erreichen konnte. Hendricks suchte mit der Kraft der Verzweiflung die Bande, die ihn hielten, zu zerreißen und Jim hielt dabei vorsichtig den Revolver in der Hand – doch das Seil hielt; er schob die Waffe wieder in den Gürtel zurück, und ging dann kaltblütig daran, den Riemen über den Ast zu werfen und zu befestigen.

»Jenkins,« flehte Hendricks, »seid ein Mensch! Um Gottes Barmherzigkeit willen mordet mich nicht hier im dunklen Wald – o, laßt mich nur leben, bis der Tag anbricht, nur noch eine Stunde, um meine Sünden zu bekennen. Ich habe viel verbrochen. – Ihr müßt mich hören.«

»Ich weiß genug von Dir mein Bursche,« sagte der junge Backwoodsman trocken, »um Dir zehnfachen Tod zu sichern – komm! Du weißt, daß Du verloren bist und selbst der Teufel, Dein Cumpan, könnte Dich nicht mehr retten. Gieb Deinen Hals gutwillig her, denn ich werde noch genug Mühe haben, Dich da hinauf zu ziehen.«

Er warf ihm dabei die Schlinge um den Hals – und »Hülfe! Mörder! Mörder!« schrie mit gellender Stimme der Unglückliche durch den Wald, indem er sich am Boden wand und krümmte – »Hülfe! Hülfe!«

Jim lachte – aber plötzlich horchte er hoch auf und hielt mit seiner Arbeit inne. »Hülfe!« rief der Gefesselte wieder, und der Schrei wurde beantwortet – in weiter Ferne zwar, aber der junge Backwoodsman konnte genau einen Ruf unterscheiden. – Sollte der Bube wirklich noch Helfershelfer haben, – aber nicht zehn von ihnen hätten sein Geschick mehr wenden können.

Da hörte er wieder einen Ruf und Jim ließ den Riemen fahren, legte die Hände trichterförmig an den Mund und beantwortete selber den Ton. – Das war John's Jagdruf. – Wieder gab er das Zeichen – näher und näher kam der Gerufene – jetzt konnte er ihn schon durch die Büsche brechen hören.

»Ach John! bist Du das?«

»Wo steckst Du Jim – wer schrie da?«

»Hierher – ich hab' ihn!«

Ein gellendes Jubelgeheul, wie es sonst nur ein Indianer ausstoßen kann, schmetterte durch den Wald, und rücksichtslos um Dorn oder Schlingpflanze brach im nächsten Augenblick John durch die Büsche und jauchzte laut auf, als er den Gebundenen am Boden erkannte.

Doch die jetzt folgende Scene ist zu furchtbar, um sie zu beschreiben. Hendricks war in erbarmungslose Hände gefallen und seine verbrecherische Laufbahn zu Ende. Mit der Kraft der Verzweiflung kämpfte er wohl noch eine Weile gegen seine Richter an – vergebens, und bald schien der Mond auf die lang gestreckte, regungslose Gestalt, die an dem Ast des Dogwood-Baumes hing und langsam in der leichten Morgenbrise hin und her schwankte. Und die beiden jungen Leute lagerten so lange bei dem Baume, bis sie sich von dem wirklichen Tod ihres Opfers vollständig überzeugt hatten – dann nahmen sie die Leiche ab, um, wie John Wells meinte, den Wölfen ihr Recht nicht zu entziehen.

John untersuchte auch Hendricks Taschen – er trug drei Uhren, um den Leib einen selbstgenähten Gürtel mit den verschiedenartigsten Schmucksachen und Goldstücken gefüllt, und in der Kugeltasche ebenfalls ein Päckchen Geld, das noch nicht einmal geöffnet schien, wie eine Anzahl loser mexicanischer Dollar.

Seine Waffen nahmen sie ebenfalls und verließen dann nach Sonnenaufgang den schauerlichen Richtplatz, um ihren Weg vor der Hand nach Blumenthal zurückzusuchen – möglich daß sie, in den bei ihm gefundenen Gegenständen, Beweise seines mörderischen Wirkens hatten.

Aber es bedurfte deren nicht mehr. Als sie nach zwei Tagen, die sie gebraucht, um ihre Pferde wieder aufzusuchen, den kleinen Ort erreichten, hatte man schon, auf Peters Veranlassung, Hendrick's verlassene Wohnung untersucht und die zweifellosesten Beweise gefunden, daß er an allen kürzlich dort verübten Morden wenigstens betheiligt gewesen, wenn er sie nicht am Ende gar allein ausgeführt hatte.

Das noch eingenähte Geld hatte übrigens dem alten Fischer gehört, und Catharina selber das Päckchen für ihn zurecht gemacht – ebenso war eine der Uhren die seinige gewesen, wie sich auch sein Trauring unter den Sachen fand.

Was nicht reclamirt wurde, nahmen Jim und John auf ihrem Rückweg nach dem Fourche-la-Fave mit – es war ihr wohlerworbenes Eigenthum, so lange sie nicht die früheren Besitzer auffanden, – aber Jim litt es nicht lange in der alten Heimath, die zur viel der schmerzlichen Erinnerungen für ihn trug. Auch John zog von dem alten Platz weg, aber nur in ein anderes County über den Arkansas hinüber und Jim, nachdem er noch Johns Heirath mit seiner Schwester beigewohnt, setzte sich auf ein, seinen Bruder Bill auf ein anderes Pferd, und ritt zurück nach Texas, nach der kleinen, abgeschiedenen Colonie Blumenthal, in welcher er gesonnen war, sich häuslich niederzulassen.

Am Fourche-la-Fave herrschte von da an Frieden – aber der Frieden des Grabes. Die Jay-hawkers waren allerdings theils ausgerottet, theils vertrieben und die Anwohner des kleinen Stromes brauchten keine Meuchelmörder mehr zu fürchten: aber wie viele, wie entsetzlich viele sonst so friedliche Hütten, die glückliche brave Menschen und Familien bargen, lagen verwüstet, zerstört, eingeäschert. Rings umher der Wald war wild aufgewachsen und dornige Schlingpflanzen überwucherten die früheren Spielplätze des jungen Volkes.

Krieg und Mord hatten dem armen Land ihr Brandmal aufgedrückt; die wenigen Hinterbliebenen, ihre Ernährer und ihren ganzen Reichthum, ihre paar Kühe und Pferde verloren und Armuth und Elend war eingekehrt, wo sonst glücklicher Frieden und verhältnißmäßiger Reichthum herrschte – der wenigstens dem Besitzer Alles das gewährte, was er zum Leben brauchte und verlangte, so wenig das auch sein mochte.

Drei Jahre später ritt John Wells wieder einmal nach Texas hinüber, um Jim Jenkins bei seinem zweiten Sohn zu Gevatter zu bitten, und ihn zu überreden, nach dem Fourche-la-Fave zurückzuziehen, weil sich die Schwester so nach den beiden Brüdern sehne.

Bill, der ein tüchtiger Bursch geworden war, konnte abkommen und zog, wenigstens auf Besuch, mit zurück; Jim aber nicht. Er hatte im vorigen Jahre Catharine Fischer, die frühere Braut des Jay-hawkers geheirathet und – konnte jetzt gerade die blühende Ansiedlung und sein junges Weib nicht verlassen.

König Zambiri.
Afrikanische Skizze.

Erstes Kapitel.
Der Schooner.

An der ostafrikanischen Küste, aber noch nördlich vom Aequator, kreuzte einer jener amerikanischen Schooner die, aus den Yankeestaaten kommend, Küstenhandel in allen Theilen der Erde treiben und, wenn sie irgend einen Nutzen dabei zu finden glauben, eben so keck den Stürmen vom Kap Horn, wie den Typhoons des chinesischen Meeres trotzen.

Die Sarah Miles, wie das kleine Fahrzeug hieß, war denn auch, mit Zwiebeln, Wanduhren und Blechwaaren beladen, von Connecticut nach Surinam gegangen, hatte dort Zucker, Kaffee wie andere tropische Produkte für Chili eingetauscht, von da aus Mehl, Wein und Kartoffeln nach der Südsee geführt und von den Inseln Kokosnußöl, Perlen und Perlenmuttermuscheln nach Australien gebracht. In Sydney verkaufte Kapitän Oacutt diese Ladung sehr vortheilhaft an ein deutsches Handlungshaus und tauschte dafür theils Waaren für den afrikanischen Markt ein, theils nahm er bessere Sachen für die Kapstadt mit, um von dort echten Kapwein, oder was er sonst erhalten konnte, zurück in sein Vaterland zu führen.

Natürlich konnte er aber unterwegs der Versuchung nicht widerstehen, zuerst einmal ein paar der kleinen Königreiche an der Ostküste anzulaufen. Dort war jedenfalls noch ein Geschäft mit den uncivilisirten Wilden zu machen, es mußte wenigstens versucht werden, und möglich ja, daß sich Elfenbein, Gold, Gummi und wie die werthvollen Produkte dieses Himmelsstrichs alle heißen, um einen Pappenstiel erstehen ließen.

Hier befand sich aber Kapitain Oacutt – in dem, was die geographischen Verhältnisse dieser Länder betraf – völlig aus seinem Fahrwasser, denn er hatte wohl eine ausgezeichnete Karte von Connecticut an Bord, auch ein paar andere, alt gekaufte von dem Hoogly, San Franzisco, Rio de Janeiro und anderen Küstenstrichen. Wie es aber mit den Hafenplätzen jenes Erdstrichs aussah, dem er gerade entgegen hielt und ob er sich hier einem schon theilweise civilisirten oder noch vollkommen wilden Volke gegenüber befinde, davon wußte er kein Wort und, aufrichtig gesagt, kümmerte sich auch nicht darum.

Wenn er nur Menschen dort fand, mit denen er Handel treiben konnte, und die etwas des Handels Werthes besaßen, alles Uebrige fand sich von selbst, und Gefahren? Bah! seine Amerikaner, die er an Bord hatte, fürchteten sich vor dem Teufel nicht, viel weniger vor einer Horde nackter, schwarzer Wilden.

Die Sarah Miles führte auch in der That eine für ein so kleines Fahrzeug sehr starke Besatzung, und zwar schon der großen Schoonersegel wegen, mit denen nicht so leicht hantiren ist, wie mit Raasegeln. Außerdem war dem Kapitain in Sydney angerathen worden, sich an der afrikanischen Küste vorzusehen, da jenen Völkerstämmen nie zu trauen sei, und er hatte dort noch vier, einem Wallfischfänger entsprungene Matrosen, junge, kräftige Bursche, dazu geworben. Mit Waffen war er überdies reichlich versehen, sogar mit einer vortrefflichen Drehbasse, die vorn auf seinem Bug stand, und sich deshalb bewußt, nichts versäumt zu haben, um einer möglichen Gefahr auch kräftig zu begegnen.

Uebrigens hatten sich diese Vorsichtsmaßregeln bis jetzt als sehr nutzlos erwiesen, denn er sichtete, von Australien bis hieher, nicht ein einziges Mal Land und bekam deßhalb auch keine Prouen, Dschunken, Kanoes, oder was sonst noch auf Raub ausgeht, zu sehen. Ein paar Mal bemerkte er allerdings Segelschiffe: friedliche Kauffahrer, die vielleicht zwischen Indien und dem Kap fuhren. Diesen gefiel aber wieder der Schooner mit seinen keck gestellten Masten nicht, und sie machten gewöhnlich, daß sie ihm aus dem Weg kamen, während Kapitain Oacutt nicht das geringste Interesse hatte, sie aufzusuchen. An denen war nichts zu verdienen; das wußte er aus Erfahrung gut genug, und er steuerte sich ihretwegen auch nicht einen halben Strich aus seinem Kurs.

Mit einer allerdings sehr schwachen, aber doch günstigen Brise glitten sie so durch das tiefblaue Wasser des Ozeans und der Kapitain schaute sehnsuchtsvoll nach Land aus. Seiner Berechnung nach hätten sie nämlich unter der Länge, die ihm sein Chronometer angab, schon ein paar Meilen in Land auf der afrikanischen Küste sitzen müssen – Gott nur wußte, welche Zeit der hielt, – und noch war nicht einmal ein Ufer zu erkennen. Die ganze Nacht mußte deßhalb auch doppelte Wache an Bord bleiben, um, wenn sie nichts sehen konnten, nach der Brandung auszuhorchen, aber sie konnten ungestört ihren Weg fortsetzen, und erst am andern Morgen mit Tagesanbruch kündete der frohe Ruf der Leute: »Land!«

Sie mußten auch in der Nacht ziemlich nahe hinangekommen sein, denn deutlich ließ sich schon ein erhöhtes und waldiges Ufer erkennen, das verschiedene Einschnitte zeigte; welchem Theil der Küste es aber angehöre, war schwer zu bestimmen, denn Kapitain Oacutt hatte, wie gesagt, keine Spezialkarte von Afrika an Bord und verließ sich, im Auffinden von günstigen Landungsplätzen, wie gewöhnlich auf sein gutes Glück.

Die Brise frischte jetzt etwas auf, und um zehn Uhr etwa waren sie so nahe gekommen, daß sie schon mit bloßen Augen Menschen auf dem weißen Uferstrand erkennen konnten. Rauch stieg an vielen Orten auf, und die Gegend schien jedenfalls bevölkert.

Der Kapitain stand vorn auf der Back seines Schooners, das Fernrohr in der Hand, um wo möglich einen Landungsplatz zu finden, aber er bemerkte, daß die Eingebornen den Strand entlang, mehr in einer nördlichen Richtung liefen und errieth leicht die Ursache. An jenem Punkt, auf welchen sie zuhielten, lag wahrscheinlich kein günstiger Ankergrund, aber wohl weiter oben. Ohne sich auch lange zu besinnen, gab er Ordre, den Kurs des Fahrzeugs dahin zu ändern, und rief einen Mann vorn in die Rüsteisen, um das Loth zu werfen, damit sie sich nicht in zu seichtes Wasser wagten, – hatte das Meer doch hier schon eine mehr gelbliche Färbung angenommen.

Der Schooner gehorchte rasch dem Steuer, und auch die Eingebornen schienen mit der neuen Richtung einverstanden, denn sie hatten grüne Zweige abgebrochen und schwenkten sie in der Luft, ein Zeichen, daß sie die Fremden freundlich empfangen und friedlich mit ihnen verkehren wollten. Man darf jedoch diesen wohlwollenden Manifestationen nicht immer unbedingten Glauben schenken, denn es giebt auch verrätherische Stämme, die dadurch Beute heranzulocken suchen, ähnlich wie irische Stranddiebe Nachts durch falsche Signale Fahrzeuge verführen, an die gefährliche Küste anzulaufen.

Kapitain Oacutt traute auch diesen signalisirenden Betheurungen nicht weiter als nöthig; d. h. er nahm sie nur für einen Beweis von Höflichkeit, und erwiederte dieselbe damit, daß er seine Flagge aufzog. Zugleich beschloß er aber, dem Land nicht näher als nöthig zu kommen, ehe er nicht die Aufrichtigkeit der Eingebornen erprobt habe, auch nicht etwa gleich fest vor Anker zu gehen, sondern, wenn nahe genug, ein Boot abzuschicken und dann langsam dort auf und ab zu kreuzen. Dadurch behielt er nicht allein sein kleines Fahrzeug vollständig in der Gewalt, sondern konnte auch seinem Boot, wenn es etwa nöthig werden sollte, rasche Hülfe bringen. Außerdem befand er sich hier noch immer in einigen zwanzig Faden Wasser, also in einer Tiefe, bei der er nicht die geringste Gefahr lief.

Für das Boot, das sein Steuermann führen sollte, wurden jetzt Freiwillige aufgerufen, und diese selber vorsichtigerweise bewaffnet, um sich im Fall der Noth vertheidigen zu können. So liefen sie, vollständig bereit, es jeden Augenblick nieder zu lassen, direkt gegen die Küste, und bis fast in fünf Faden Tiefe hinan und erwarteten eben den Befehl zum vom Bord gehen, als der Mann am Steuer ein Kanoe bemerkte, das eben vom Ufer aus in Sicht kam und augenscheinlich zu ihnen heraus wollte. – Das mußte jedenfalls abgewartet werden, denn man sah da gleich, mit wem man es zu thun hatte; auch lag in dem Besuch nichts Außerordentliches. Freuen sich doch diese wilden, nur auf ihre eigenen Erzeugnisse angewiesenen Stämme jedesmal, wenn sie auf eine solche Art mit irgend einem fremden Fahrzeug in Verbindung treten können, da ihnen dieses doch immer viel Neues und oft auch Nützliches bringt. Was sie selber dafür an Werth geben mußten, rechneten sie nicht, denn es waren stets Sachen, die sie leicht wieder ersetzen konnten, und doch wie schmählich wurden sie dabei betrogen. Was für glänzende Geschäfte hatte Oacutt auch schon in der Südsee gemacht, wo er für Tabak und Branntwein, für Kattun, Tant, werthlose Knöpfe, ja oft für abgebrochene Nägel Kokosnußöl und nicht selten kostbare Perlen eingetauscht. Dieser Stamm war keinenfalls klüger als die dortigen, und ein Sortiment derartiger Dinge auch deßhalb schon hervorgesucht und bereit gelegt.

Das herankommende Canoe sah indessen nicht so aus, als ob es einen Handel eröffnen sollte. Es führte nur vier Mann an Bord. Einer saß am Steuer, zwei ruderten und der vierte stand, mit einem grünen Busch in der Hand, vorn im Bug. Sie waren sämmtlich nackt, nur mit einem blauen Schurz um die Lenden bekleidet und gaben die schwarzen Wollköpfe trotzig der Sonne preis, schienen aber keine Waffen zu tragen und eher eine Art von Gesandtschaft, die heraus beordert wurde, um vielleicht einmal zu erfahren, welche Waaren die Fremden brächten und was sie dafür verlangten. Jedenfalls blieb es gerathen, sie freundlich zu empfangen, und der Kapitän befahl deßhalb, die Fallreepstreppe hinab zu lassen, damit sie bequemer an Bord steigen konnten.

Die Leute im Kanoe mußten auch diese Erleichterung schon kennen, denn der Steuernde hielt rasch darauf zu, aber man konnte nicht sagen, daß sie neugierig seien, denn nur Einer von ihnen, der mit dem grünen Busch, ergriff dieselbe und lief daran empor. Die Uebrigen blieben im Kanoe, ergriffen nur die Taue und hielten sich fest, um nicht von dem, jetzt allerdings nur wenig Fortgang machenden Fahrzeug zurückgelassen zu werden und ihren Mann zu verlieren.

Der Botschafter blieb indessen noch immer, mit seinem Busch in der Hand, oben an Deck stehen, und schien vorher eine Einladung abzuwarten, um näher zu treten, zeigte aber keine Furcht und schaute sich ruhig und gleichmüthig an Bord um. Kapitän Oacutt war übrigens in Verlegenheit, wie er sich dem schwarzen Burschen verständlich machen sollte, denn an Bord kannte natürlich Niemand die Sprache dieses Volkes. Um aber seinen guten Willen zu zeigen, nahm er ein großes Stück Kautabak in die eine, ein Glas mit Branntwein in die andere Hand und ging damit auf den Botschafter zu. Den Tabak mußte dieser auch kennen, denn sein schwarzbraunes Gesicht verklärte sich ordentlich, als er ihn sah, und er griff rasch danach. Nicht so nach dem Branntwein. Vorsichtig roch er vorher an das Glas, schob es dann zurück und sagte in gebrochenem, aber doch verständlichem Englisch: »Danke – ich nicht Feuer trinken – bös – sehr bös!«

»Alle Wetter!« rief Kapitän Oacutt erfreut aus, »Du sprichst amerikanisch, mein Bursche? Das ist famos. Und was bringst Du uns?«

»Bringen?« sagte der Eingeborne erstaunt, »ich soll was bringen? Dafür schickt mich der König her, daß Du was bringen sollst. Geschenke, wie es bei uns üblich ist; dann erlaubt er Dir auch, daß Du landen und zu ihm kommen darfst.«

»Unendlich gnädig,« lachte Oacutt, »und vorher dürfen wir nicht?«

»Nein,« sagte der Schwarzbraune ganz ernsthaft, indem er ein Stück von seinem Tabak abbiß.

Der Amerikaner schüttelte mit dem Kopf. Der Abgesandte selber sah allerdings nicht so aus, als ob es in seinem Lande viel Werthvolles zu verhandeln gäbe, oder die Eingebornen irgend welche Bedürfnisse hätten. Er ging, bis auf den blauen Schurz, völlig unbekleidet, und trug auch nicht die Spur von Schmuck oder sonstigem Zierrath, viel weniger denn von Gold an sich. Lohnte es überhaupt der Mühe, sich mit diesem Volk einzulassen? Aber der Versuch mußte jedenfalls gemacht werden, denn der Weg, den sie dazu hierher gekommen, war zu weit und lang gewesen. Er brauchte auch Früchte und frisches Fleisch, um seinen Leuten eine Veränderung der Kost zu gewähren, und dann erfuhren sie dort vielleicht etwas über die benachbarten Küstenstriche, und wo es am Vortheilhaftesten sein würde, anzulaufen, um die werthvollsten Produkte dieses Welttheils einzutauschen und überhaupt zu finden.

Der Eingeborne, eine schlanke, kräftige Gestalt, der eben so hier hergekommen schien, wie er heute Morgen von seinem Lager aufgesprungen sein mochte, und nur sein schwarzes Wollenhaar in unzählige kleine Zöpfe geflochten und an den Spitzen mit einem weißen Baumwollfaden umwickelt hatte, erwartete indessen in aller Ruhe die Antwort des Kapitäns. Während er selber fast regungslos blieb, rollte er das Weiße seiner Augen nach allen Seiten des Decks. Er war sich jedenfalls seiner Würde als Abgesandter bewußt und durfte sich nichts vergeben.

Kapitän Oacutt hatte aber sein Boot ja schon bereit liegen, und es galt nur jetzt noch, die verlangten Geschenke für den König, die er allerdings nicht für nöthig gehalten, beizufügen. Das konnte rasch geschehen sein, und der Bote bekam deßhalb die Antwort, sie würden nicht versäumen, den König zu begrüßen und hofften dann einen freundschaftlichen Verkehr mit dem Lande herzustellen. Der Schwarze nickte auch bloß mit dem Kopf, drehte sich dann um, stieg die Treppe wieder hinab, und wenige Sekunden später blieb das Kanoe zurück und hielt dem Lande zu.

Zweites Kapitel.
König Zambiri.

Kapitän Oacutt ging jetzt augenblicklich daran, das auszusuchen, was er dem Oberhaupt der Wilden als Einführungsgeschenk überschicken wollte. Er zeigte sich aber nicht besonders wählerisch darin, denn er wußte aus Erfahrung, daß man einen derartigen Häuptling nicht gleich von Anfang an verwöhnen durfte, sonst wurde er gierig auf mehr, und ein einträglicher Handel war unmöglich.

Am Liebsten wäre er freilich selber mit an Land gefahren, aber er durfte als Kapitän das Schiff nicht verlassen, und sein Steuermann war wohl auf See tüchtig, und dabei keck und unerschrocken und nicht so leicht eingeschüchtert, aber doch kaum gewandt genug, wo irgend eine Form erfordert wurde. Da erbot sich Doktor Spruce, ein junger Irländer, den er als Passagier von Sydney nach der Kapstadt mitgenommen, das Boot zu begleiten, war es doch auch eine Unterbrechung der monotonen Seefahrt, und kurze Zeit danach, nachdem das Kanoe wieder zwischen den Büschen verschwand, folgte ihm die Jölle.

Uebrigens ging die Mannschaft ganz ordentlich bewaffnet; der Steuermann wie der Doktor trugen ihre Revolver, und die Matrosen hatten Jeder einen kurzen Schiffscutlaß im Boot liegen und ein doppelläufiges Pistol im Gürtel stecken, konnten sich also schon die Feinde im Nothfalle vom Leib halten.

Der Schooner drehte, wie ihn das Boot verlassen, etwas vom Ufer ab, denn sie waren dem Lande schon fast zu nahe gekommen. Er konnte ja dort auf und ab kreuzen, bis die Leute zurückkehrten und ihm Bericht abstatteten. Lohnte es dann der Mühe und hielt man sich für sicher genug, so war es noch immer Zeit, vor Anker zu gehen und einen Tauschhandel zu eröffnen. Unter der Zeit segelte das Boot mit leichter Brise dem nicht mehr so fernen Land entgegen, und es ist für den Seefahrer stets ein eigenthümliches Gefühl, in solcher Weise eine fremde, von wilden oder doch wenigstens uncivilisirten Stämmen bewohnte Küste zu betreten. Gibt man sich doch immer dadurch mehr oder weniger in die Gewalt oft sehr zweifelhafter Horden. Aber es hat auch wieder einen ganz eigenthümlichen Reiz, den Reiz der unbekannten Gefahr mit der Sehnsucht, die der Matrose stets nach festem Lande trägt, wenn er sich gar zu lange Zeit auf Salzwasser herumgetrieben. Er will wieder einmal den blauen Himmel durch Gesträuch und Baumzweige, nicht mehr durch das Gewirr seiner Taue betrachten. Er will Vögel und Frauenstimmen hören, sich an einer frischen Quelle satt trinken und die reife saftige Frucht selbst vom Ast pflücken; daß ihn dabei der Speer oder Pfeil eines Wilden bedrohen könne, kümmert ihn wenig – wenigstens nie genug, um den Versuch nicht zu wagen.

So betrachteten auch jetzt die anfahrenden Seeleute das immer deutlicher heraustretende Land mit steigendem Interesse, und nichts entging ihren spähenden Blicken. Schon konnten sie einige niedere Hütten erkennen und hielten diese Anfangs für die Hafenstadt, aber je näher sie kamen, desto mehr schob sich das Land auseinander, und nach rechts hinein öffnete sich plötzlich eine geräumige Bucht, an deren Rand, unter Palmen und hochstämmigen Laubbäumen, eine dichte Gruppe von Häusern stand.

Allerdings boten diese auch ein reizendes Landschaftsbild; denn das frische, saftige Grün der Baumwipfel mischte sich freundlich mit dem Graubraun der wunderlich geformten Dächer und dazwischen wirbelte der blaue Rauch langsam in die Höhe. Aber das Auge der Seeleute verließ im Moment das ländliche Bild und haftete auf einem anderen Gegenstand, der fest am Ufer und halb noch vom Gesträuch verdeckt in diesem Moment erst sichtbar wurde – einem Wrack.

Die Ueberreste eines verloren gegangenen Fahrzeugs sind für den Seemann immer von Interesse, denn unwillkürlich erinnern und mahnen sie ihn daran, daß sein eigenes Seeboot ein ähnliches Schicksal treffen kann. Hier aber drang sich ihnen unwillkürlich die Frage auf: Wie nur das Wrack dort hingekommen, wo es lag? Denn gestrandet konnte es an jener Stelle ganz unmöglich sein. Würde ja doch kein Seemann der Welt mit seinem Fahrzeug in diese landumschlossene und ziemlich seichte Bucht eingedrungen sein, ohne vorher genau zu untersuchen, wie weit er sich vorwagen könne. Ebensowenig konnte es ein Sturm, die außerdem nie in der unmittelbaren Nähe der Linie wüthen, herein verschlagen haben, denn dafür trat die eine Landspitze viel zu weit vor. Hatten die Eingebornen das Fahrzeug etwa überfallen, geplündert und hiehergeschleppt? Dann stand ihnen selber auch kein freundlicher Empfang bevor und fast unwillkürlich warf der Steuermann den Blick zurück, die Möglichkeit eines Rückzugs zu überschauen.

Dafür zeigten sich freilich im Augenblick schlechte Aussichten, denn erstlich waren sie mit der Brise eingelaufen, dann führte sie die steigende Fluth rasch in die Bucht hinein und außerdem bemerkte er auch jetzt, daß sich vier oder fünf Kanoes mit Eingebornen hinter ihnen vom Lande abgelöst hatten und ihnen folgten. Und sollten sie jetzt plötzlich Furcht zeigen? Nein! der Steuermann besaß überdieß kecken Muth genug, sich nicht durch eine, nur erst drohende Gefahr einschüchtern zu lassen, und beschloß zu thun, was er eben nicht mehr vermeiden konnte – gerade voraus zu halten, in die Bucht hinein.

Sie passirten jetzt das Wrack! Was es gewesen, ließ sich nicht leicht erkennen, denn die Masten fehlten und nur an einigen Stellen hing noch das stärkere Takelwerk unordentlich über Bord. Dem Steuermann schien es eine Brigg gewesen zu sein; er gab sich aber umsonst Mühe, den Namen heraus zu bekommen, denn obgleich es mit dem Stern der Bucht zu lag, schienen die Eingebornen das dort gewöhnlich angebrachte Namensbret entweder herausgeschlagen oder unleserlich gemacht zu haben, mußten also wissen, daß man daran das Schiff erkannt hätte, und fühlten sich also auch nicht ganz rein bei der Sache.

»Steuermann,« brummte der Doktor, als sie vorüberglitten, »dort liegt ein Memento Mori, eine Art von Todtenkopf und die alten Planken würden vielleicht viel zu erzählen wissen. Ein Glück, daß wir nicht gleich mit dem Schooner vor Anker gegangen sind.«

»Bah,« sagte der Steuermann, der sich nicht wollte merken lassen, daß er eben erst ganz ähnliche Gedanken gehabt; »vom Schooner sollen sie die Fäuste schon lassen.«

»Hm, ja – vielleicht – aber von uns?«

»Und was wäre bei uns zu holen? Nichts als heißes Blei!« lautete die ziemlich mürrische Antwort. »Zum Teufel auch, Kamerad, wenn Ihr Euch fürchtet, hättet Ihr an Bord bleiben sollen.«

»Fürchten?« lachte der Doktor; »ich habe wohl schon davon gehört, weiß aber nicht, was es bedeutet, und der Erfolg wird es lehren. Ich wäre auch der Letzte, der zurückginge, also vorwärts, Mate, wir sitzen einmal drin und müssen die Geschichte jetzt auch zu Ende führen.«

»Und dort ist die Landung!« rief der Steuermann, als er jetzt am Ufer eine Anzahl dunkler Gestalten bemerkte, die ihnen grüne Büsche entgegenschwenkten und damit zu winken schienen.

Hier bildete das Ufer wieder einen kleinen Einschnitt, aber es war augenscheinlich, daß sie den eigentlichen Landungsplatz des Ortes erreicht hatten, denn acht oder zehn Kanoes lagen dort ebenfalls angebunden, und Trupps von Mädchen, Frauen und Kindern schienen auch schon an jener Stelle die Ankunft der Fremden zu erwarten. Der Steuermann hatte ebenfalls ihren Dolmetsch am Ufer erkannt, jenen Burschen, der bei ihnen zum Besuch gewesen, und mit Recht vermuthend, daß dort der Punkt sei, wo man ihn erwarte, lenkte er den Bug seiner Jölle direkt auf ihn zu. Im nächsten Moment scheuerte ihr Kiel den Sand, und Einer der Leute, unbekümmert um den Schwarm, der draußen stand, sprang an Land, um das Springtau zu befestigen.

Der Doktor hatte sich indeß die Eingebornen betrachtet und sich eben nicht besonders über ihr Aussehen gefreut. Sie gingen fast sämmtlich bis auf den Schurz nackt. Nur die jungen Mädchen trugen noch ein oft phantastisch herausgeputztes Tuch um die Schultern und Schmuck – Glasperlen und Goldtand – in den Ohren und den künstlich und mühsam zusammengeflochtenen Haaren, und Einige von ihnen konnten sogar für hübsch gelten, wären die Lippen nicht so aufgeworfen gewesen. Die Männer sahen aber entschieden häßlich aus: mager und grobknochig, mit einem scheuen, mürrischen, gedrückten Wesen. Viele von ihnen trugen auch Waffen: lange, spitze und dünne Wurfspeere oder Keulen, und Einige von ihnen große geflochtene Schilde, und auf den Schultern und Armen eine häßliche Art von Tättowirung, welche die betroffenen Stellen wie aufgeschwollen erscheinen läßt. Feindliche Absichten schienen sie aber nicht zu hegen, denn selbst die Bewaffneten verhielten sich vollkommen ruhig und sogar theilnahmlos und standen nur in ungeordneten Gruppen umher, möglich um die Landung der Fremden zu überwachen.

Der Steuermann hätte nun am Liebsten seine ganze Mannschaft mit an Land genommen, denn es war ihm nachdem er erst einmal das Wrack gesehen, kein angenehmes Gefühl, sein kleines Häufchen noch zu trennen. Aber er durfte das Boot auch nicht ohne Wache zurücklassen. Wer wußte denn, was das Gesindel indessen damit vorgenommen hätte. Drei Mann genügten indeß dazu vollkommen und er mit dem Doktor wollten dann ihren Besuch bei dem Könige machen, während der Jüngste von den Matrosen das braunlackirte Blechkästchen tragen konnte, in welches Kapitän Oacutt die Geschenke für Seine Majestät gethan.

Der Schwarze, der zugleich als ihr Führer ausersehen schien, hatte indeß ruhig neben ihnen gestanden und sie betrachtet, jetzt aber, als der Steuermann ihn anrief, voran zu gehen und ihnen den Weg zu zeigen, sagte er erstaunt: »Ja, Freund, wo hast Du denn die Geschenke für den König?«

»Nun, in dem Kasten da!« erwiederte der Seemann.

»Und das ist Alles?« rief kopfschüttelnd der Schwarze. »Unser König ist groß und mächtig; er wird über das Wenige hinwegsehen.«

»Er soll zu Gras gehen!« brummte der Steuermann leise vor sich hin, setzte aber laut hinzu: »Und weißt Du denn, was da drinnen ist, Wollkopf?«

»Nein,« antwortete dieser etwas verblüfft; »wie kann ich's wissen – ich habe ja nicht hineingesehen.«

»Also vorwärts marsch, daß wir weiter kommen und das Mittagessen nicht versäumen,« nickte ihm der Steuermann zu und ihr Führer schien jetzt ebenfalls damit einverstanden. Wer wußte in der That, was für kostbare Dinge der kleine Kasten enthielt – der Weiße hatte recht. Erst mußte man es sehen, ehe man urtheilen konnte. Er schritt langsam, von den Fremden gefolgt, gerade auf den Schwarm von Mädchen und Frauen zu, die aber scheu zur Seite wichen und Raum gaben, wodurch sie eine Art von lebendiger Gasse bildete, und die Amerikaner sahen jetzt ein niederes aber breites Gebäude vor sich, auf welches sie direkt zuhielten.

War das wirklich das Palais, so wohnte Seine Majestät allerdings sehr bescheiden, konnte aber deßhalb natürlich doch von jeder orientalischen Pracht umgeben sein. Wie oft bargen in solchen wilden Ländern schlichte Rindendächer die bedeutendsten Schätze, und wer es da verstand, machte leicht bessere Geschäfte, als in den größten Städten und Hafenplätzen. Vergebens suchten aber sowohl der Doktor wie Steuermann einen Ueberblick über die Stadt selber zu gewinnen, denn die Wohnungen lagen nicht in geraden Straßen, sondern unordentlich durcheinander und meist so in Gebüschen und Fruchtbäumen versteckt, daß man nur hie und da einzelne Häuser und Dachspitzen zwischen Bananenhainen und Palmenwipfeln durch erkennen konnte. Es blieb ihnen überdieß keine lange Zeit, sich umzuschauen, denn eben betrat ihr Führer die Schwelle des niederen Gebäudes und winkte ihnen dabei zu folgen. Eine vorherige Anmeldung wurde also nicht für nöthig befunden.

Sie fanden jedoch bald, daß die Hütte mit ihrem ärmlichen Aeußern dem Innern vollkommen entsprach. Sie war von Pfählen und Reisig gebaut, luftig allerdings genug und dem heißen Klima zusagend und nur mit einem guten dichten Dach bedeckt, schien aber sonst sehr dürftig ausgestattet und enthielt nur einige Stücke europäischer Ausstaffirung, auf welche die Seeleute Anfangs jedoch nicht achteten, weil eine merkwürdige Gruppe im Mittelpunkt der Hütte ihre Aufmerksamkeit völlig in Anspruch nahm.

Auf einem dort ausgebreiteten Löwenfell – sonst aber auf der blanken Erde – lag nämlich ein großer, schwarzer, unförmlicher, aber lebendiger Klumpen, dem selbst der Doktor nicht gleich eine bestimmte Form und Gestalt geben konnte, während oben darauf ein kleiner, schlanker, kaffeebrauner Bursche, die Arme in die Seite gestemmt, gymnastische Uebungen auszuführen schien, denn er stieg und tanzte darauf herum, obgleich es eine Geschicklichkeit zu erfordern schien, das Gleichgewicht dabei zu erhalten.

Links in der Ecke balgte sich eine Anzahl von Kindern unter der Aufsicht von zwei jungen Mädchen, ohne indessen von dieser Produktion weitere Notiz zu nehmen, und der Doktor besonders gab sich die größte Mühe, nur erst einmal herauszubekommen, was er da eigentlich vor sich habe und was es bedeute. Aber es dauerte nicht lange, so begann er, trotz dem in der Hütte herrschenden Dämmerlicht, doch einige Umrisse an dem Klumpen zu unterscheiden, der sich bald als ein wirklich menschliches Wesen, wenn auch in wunderlicher Verunstaltung, herausstellte. Da war in der That ein dicker, wolliger Kopf, da war etwas, das wie Beine und Füße aussah, wenn auch nur im kürzesten aber dicksten Maßstab – alles Uebrige mußte aber Körper oder Rücken sein, denn das merkwürdige Geschöpf lag, wie er jetzt bemerkte, auf dem Bauch, und der kleine gelenke Bursche tanzte eine Art von Menuet auf seinem Rückgrat.

Erstaunt sahen sich der Steuermann und Doktor, während der Matrose mit offenem Mund daneben stand, nach ihrem Führer um, dieser winkte ihnen aber mit der ernsthaftesten Miene von der Welt zu, ruhig zu bleiben, und deutete dabei ehrfurchtsvoll auf den schwarzen, nackten Fleischklumpen. – War das etwa der König?

Der Dicke schien sich indessen unter der Operation sehr behaglich zu fühlen; er stöhnte ein paar Mal vor Vergnügen und fing dann an, erst die Arme und dann die kurzen Beine auszustrecken, wälzte sich auch bald ein wenig nach der, bald nach jener Seite, so daß der kleine Bursche ungemein aufpassen mußte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren und herabgeworfen zu werden.

Endlich schien aber der Koloß befriedigt; er grunzte fast vor Wonne, und nachdem er dem Kleinen etwas zugerufen, wornach ihn dieser noch ein paar Mal kräftig in's Genick trat und dann absprang, richtete er sich plötzlich in die Höhe, so daß er, den Fremden unmittelbar gegenüber, auf das Fell zu sitzen kam. In diesem Augenblick mußte er auch zum ersten Mal den Besuch bemerken, denn er sah sie einen Moment so verdutzt an, daß besonders der Doktor ein herauswollendes Lachen kaum verbeißen konnte. – Ob er sich vielleicht genirte, bei seinem »Tretbad« von den weißen Männern beobachtet worden zu sein? Das war wohl kaum der Fall, indeß gewann er seine Fassung sehr bald wieder. Er winkte dem Knaben und rief ihm ein paar Worte zu, wonach ihm dieser eine Art von Oberhemd aus rothem Kattun überwarf, was seine Toilette beendete. Dann redete er den Dolmetsch an.

Dieser machte eine ehrfurchtsvolle Verbeugung, nahm ohne Weiteres dem Matrosen das Blechkästchen ab und setzte es neben sein Oberhaupt nieder. Dem Steuermann entging auch der ungnädige Blick nicht, den dieser darauf warf, sich dann aber doch herabließ, es zu öffnen und hineinzuschauen. Der Doktor behielt indessen Muße, ihn etwas näher zu betrachten, und mußte sich gestehen, in seinem ganzen Leben noch kein ähnliches menschliches Wesen gesehen zu haben.

Der kleine dicke Bursche, wie er da vor ihm saß, konnte kaum mehr als vier Fuß hoch sein und war dabei in der That lauter Bauch. Ja es sah ordentlich aus, als ob der Kopf, ohne auch nur einen Zollbreit Hals zu gestatten, fest und tief in den unförmlichen Körper hineingeschraubt worden wäre. Beine und Arme zeigten sich dazu von ganz unmäßiger Dicke und an Gewicht mußte er wenigstens drei Centner wiegen – wenn nicht noch mehr. Frisirt schien er an dem Morgen nicht zu sein, die Haare standen ihm in struppigen, fest ineinander gerollten Wollbüscheln nach allen Seiten hinaus und aus dem dicken, fettglänzenden Gesicht stierten ein paar kleine, wie zusammengekniffene Augen eben nicht besonders freundlich bald die Fremden, bald seinen Dolmetsch, bald den eben geöffneten Blechkasten an. Sein Inhalt beschäftigte ihn aber doch vor der Hand am Meisten, und er schien das Gebrachte auch nicht etwa als ein Geschenk, sondern vollkommen als Tribut zu betrachten, für den er sich natürlich nicht zu bedanken brauchte.

Der dicke Bursche mußte übrigens schon öfters mit weißen Fremden verkehrt haben, denn der Steuermann, der sich jetzt etwas näher in dem Gemach umsah, bemerkte eine Menge von Dingen, die ihm nur Europäer oder Amerikaner gebracht haben konnten. Dort drüben war an der Reisigwand ein Spiegel in Goldrahmen aufgestellt, der genau so aussah, als ob er früher einmal in der Kajüte eines Fahrzeugs gehangen; in der einen Ecke lagen Sophapolster, mit dem Ueberzug aber schon lange heruntergefault; dann standen in der Ecke mehrere Musketen mit Bajonneten und daneben einige Schiffscutlasse, während ein sauber gearbeitetes Mahagonischränkchen mit Perlmutterschloß ebensogut früher in eine Kajüte gehört haben konnte, denn Messingbügel waren jetzt noch daran zu erkennen.

Der Dicke indessen, der das geöffnete Kästchen eine Weile halb neugierig, halb mißtrauisch betrachtet hatte, griff jetzt hinein und zuerst nach einer oben aufliegenden langen Tafel Kautabak, an der er roch und sie dann, augenscheinlich befriedigt, neben sich legte. Die Kinder, die gesehen hatten, daß es dort irgend etwas Neues gab, kamen jetzt herbeigelaufen. Sie waren sämmtlich in dem Alter von etwa fünf bis neun Jahren und gingen, wie das bei solchen Stämmen gewöhnlich der Fall ist, »bis an den Hals barfuß«. Auch ihre Wärterinnen, die ihnen schon folgen mußten, kamen näher; sie waren ebenfalls neugierig geworden.

Unter dem Tabak fand Seine Majestät jetzt eine große, dicke, aber unechte Uhrkette, auf welche sich der Kapitän, als er sie in den Kasten legte, nicht wenig zu Gute gethan. Der König griff auch rasch danach, hatte sie aber kaum in die Hand genommen, als er sie schon mißtrauisch betrachtete, dann – wie den Tabak vorher – an die Nase hob und scharf und lange daran roch. Die Untersuchung mochte aber nicht zu ihren Gunsten ausgefallen sein, denn er schüttelte mit dem Kopf und warf sie dann – ohne sie weiter eines Blickes zu würdigen – verächtlich unter die Kinder, die jubelnd darüber herfielen.

Das abgemacht, griff er zwischen die andern Dinge hinein, schien aber nicht viel Tröstliches herauszufischen: ein paar bunte, aber baumwollene Taschentücher – ein paar Schnüre Glaskorallen – einen kleinen Spiegel im Futteral – eine Scheere, und müde des nutzlosen Suchens drehte er endlich in etwas summarischer Weise den Kasten um, schüttete den ganzen Inhalt auf die Decke und wühlte in den Dingen, die Kapitän Oacutt als Kostbarkeit eingepackt, geringschätzig mit dem rechten Fuß herum. Es zeigte sich auch in der That nichts darunter, was er hätte gebrauchen können oder mögen; nur eine kurze Tabakspfeife nahm er noch für sich und schob dann den ganzen Plunder mit seinem dicken Bein den Kindern zu.

Von der Gelegenheit suchte auch eine der »Bonnen« Nutzen zu ziehen und griff nach einer Schnur hellblauer Glasperlen, aber ihr Herr und Gebieter war – unglücklicherweise für sie – nicht in der Laune, irgend eine Vertraulichkeit zu gestatten. Er schlug mit der rechten Hand aus und traf das arme Mädchen so derb gegen den Nacken, daß sie wie betäubt zur Seite taumelte und dann leise wimmernd aus dem Wege kroch. Der kleine Tyrann nahm aber keine Notiz von ihr – er war ärgerlich geworden. Sollten das etwa Geschenke für einen König sein, wie sie ein fremdes Schiff ihm als Tribut bringen mußte? Wollten die Weißen ihn verhöhnen? Und zornig wandte er sich an den Dolmetscher, der achselzuckend und gebückt, als ob er die Stellung schon einmal von einer deutschen Hofschranze abgesehen, ihm gegenüberstand und die Vorwürfe geduldig und demüthig mit anhörte. Kaum aber hatte der König geendet, als er sich auch, jetzt selber zornig und seinen Monarchen repräsentirend, an die Fremden wandte und all' die Vorwürfe mit fast schreiender Stimme wiederholte, die er eben mit angehört. Der Sinn der Rede war etwa folgender: »Aus welchem Lande kommt ihr, daß ihr glaubt, ihr dürftet dem Fürsten eines Volkes Kinderspielzeug zum Geschenk bringen? Geht fort und kehrt nicht eher zurück, bis ihr mit einer würdigen Gabe nahen könnt.«

»Alle Wetter!« rief der Steuermann überrascht aus, »wie mir scheint, müßt ihr selber hier sehr reich sein, wenn ihr das, was in unserem Lande als Kostbarkeit gilt, so verächtlich bei Seite werft. Wir geben, was wir haben, und es ist möglich, daß wir Sachen an Bord finden, die Deinem König noch besser gefallen, aber dann müssen wir auch vorher wissen, was ihr uns zum Handel bieten könnt und ob es der Mühe lohnt, mit euch zu verkehren.«

Der Dolmetsch übersetzte, was ihm der kecke Fremde gesagt, und die Antwort des Königs lautete, daß sie Sklaven zum Tausch hätten – Sklaven genug, um sein ganzes Schiff zu beladen. Brooks, der Steuermann, schüttelte aber mit dem Kopf und erwiederte: sie wären keine Sklavenhändler, die nur an die Küsten fremder Länder kämen, um Menschen zu stehlen. Sie wollten Waaren – Produkte des Landes haben – Elfenbein, Straußenfedern, Gummi, Goldsand oder was da wäre, und die Geschenke für den König sollten dann dem entsprechend ausfallen.

Dieser erhielt das Gesagte wieder übersetzt und bedachte sich einen Augenblick – er überlegte wahrscheinlich, ob er durch eine Antwort darauf seiner Würde nichts vergebe. Endlich nickte er leise vor sich hin und rief ein paar rauhe Worte, wonach dann der Dolmetsch den Fremden nur winkte, ihm zu folgen.

Der Doktor, der nicht gern eine Höflichkeitsform versäumen wollte, zupfte den Steuermann und flüsterte ihm zu, ob sie sich nicht vorher bei Seiner Majestät verabschieden müßten. Der Dicke schien aber gar keine weitere Notiz von ihnen zu nehmen, sondern drehte ihnen höchst ungenirt den breiten Rücken zu, wonach die Fremden es dann auch nicht weiter für nöthig hielten, irgend eine sonst vielleicht verlangte Ceremonie zu beachten.