Eine Menge unbiblischer Gebräuche bei der Taufe.

Es läßt sich ohne große Mühe nachweisen, daß sehr viele abergläubische Zeremonien angenommen worden sind, welche der apostolischen Kirche und bis zum Ende des 2. Jahrh. völlig fremd waren. Im N. Testament ist die Taufe als eine öffentliche Handlung beschrieben. Dies blieb sie auch bis gegen Ende des 2. Jahrh., und es findet sich kein Beispiel von einer Geheimhaltung dieser Zeremonie, oder daß diese Handlung als eine mysteriöse galt. Seit dem 3. Jahrh. hingegen verschwindet die öffentliche Taufe, und man vollzog sie von da ab nur in Gegenwart solcher, die bereits getauft waren und dazu oft hinter verschlossenen Türen. Man findet also die Taufe mit einem Male als Mysterium behandelt. Aber die „Torheit“ Gottes ist weiser als die Menschen sind. Die Taufe, wie sie von Jesu eingesetzt ist, ist eine sichtbare Offenbarung seiner göttlichen Weisheit und Größe, wie man sie aber im 3. Jahrh. mit all den vielen menschlichen und abergläubischen Zeremonien kannte, hatte sie viel Ähnlichkeit mit den sogenannten heidnischen Mysterien. Man war der Meinung, durch diese Anhängsel den Glauben zu befestigen, aber sie trugen nur dazu bei, den Aberglauben großzuziehen. Durch sie wurde die ursprüngliche feierliche Einfachheit der Taufe, wie sie uns noch bei Justin dem Märtyrer (gest. 166) entgegentritt, gänzlich verdunkelt.[217] Einige der wichtigsten dieser Gebräuche seien nachfolgend in Erwähnung gebracht:

1. Die Teufelsbeschwörung oder der sogenannte Exorcismus.

Weder in dem Bericht von der Johannestaufe, noch in dem Taufbefehl Jesu, noch in einer der vielen Taufhandlungen, die uns im N. Testament berichtet werden — auch selbst nicht bei der Taufe der Heiden —, findet man eine Spur von Teufelsbeschwörung oder auch nur die Vorstellung von einem besonderen Einfluß Satans und der Dämonen.[218] Auch die ältesten Kirchenlehrer, wie Justin der Märtyrer und Irenäus (gest. 202), wissen noch nichts davon. Dr. Neander schreibt darüber: „Wir finden im 2. Jahrh. noch keine Spur einer solchen Bannungsformel gegen den bösen Geist.“[219] In Tertullians Schriften hingegen findet sich schon eine Art von Exorcismus vor, wenn auch noch nicht in so abergläubischer Entartung, wie man ihm im 3. und 4. Jahrh. begegnet. Tertullian führt aus: „Wir geben auch eine Zeitlang vorher in der Kirche unter der Hand des Bischofs die Erklärung ab, daß wir dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln widersagen.“[220] Nach Cyrill von Jerusalem (gest. 386) wandte sich der Täufling bei dieser Absagung nach Sonnenuntergang mit den Worten: „Ich entsage dir, Satan, und allen deinen Werken und allem deinem Gepränge und allem deinem Dienste.“[221] Hierauf wurde dem Katechumenen befohlen, den Teufel auszublasen und auszuspeien. Später, als das Christentum zu den germanischen Völkern kam, wurde dem Täufling die Frage gestellt, ob er den Göttern Donar, Wodan, Saxnot und allen bösen Geistern und Unholden entsage. Die Antwort lautete: „Ich widersage (ek forsage).“[222] Diese Teufelsentsagung führte zu der gänzlich unbiblischen Teufelsbeschwörung. Sehr richtig bemerkt Henke hierzu: „Die Absagung war ursprünglich weiter nichts als ein Versprechen, daß er Götzen, Götzendienst, heidnische Feste und Schauspiele verabscheuen und meiden wolle. Sie leitete aber auch weiter zu anderen Vorstellungen, und sie enthielt die Anlage zum Exorcismus.“[223] Der wesentliche Unterschied zwischen der Teufelsentsagung und -beschwörung ist der, daß bei ersterer die Absagung der Täufling selbst verrichtete, die Beschwörung oder der Exorcismus hingegen von dem Taufenden vorgenommen wurde. Daß sich aber solche Gebräuche nicht auf die hl. Schrift sondern nur auf die Tradition gründeten, dessen war man sich in der alten Kirche voll und ganz bewußt. Dies bezeugt Tertullian ausdrücklich, indem er sagt: „Wenn du für diese und andere Punkte der Kirchenzucht eine ausdrückliche Vorschrift aus der hl. Schrift verlangen wolltest, so wirst du keine auftreiben können. Man wird dir die Tradition entgegenhalten als die Urheberin davon.“[224]

Die erste Spur des Exorcismus bei der Taufe zeigt sich in den Verhandlungen jenes Konzils zu Karthago im Jahre 256, auf dem nicht weniger als 87 Bischöfe anwesend waren. Hier wurde verordnet, daß jeder, der zur Taufe zugelassen werde, zuvor (durch den Exorcismus) gereinigt werden müßte.[225]

Auf welche Art diese Teufelsbeschwörung vor sich ging, läßt sich klar aus einer Verordnung des Konzils zu Konstantinopel im Jahre 381, Kanon 7, ersehen. Da heißt es: „Wir behandeln sie (die Häretiker) so, wie man es mit den Heiden zu machen pfleget. Den ersten Tag machen wir sie zu Christen (d. h. wir erklären, daß sie in die christlich-katholische Kirche aufgenommen werden sollen); den zweiten Tag nehmen wir den Exorcismus mit ihnen vor, wobei ihnen dreimal in das Angesicht und in die Ohren geblasen (oder gehaucht) wird. Hernach unterrichten wir sie, lassen sie die gehörige Zeit über in der Kirche erscheinen und die Schrift hören. Sodann werden sie getauft.“[226] Andere Schriftsteller erwähnen dabei noch das Bestreichen mit Speichel.[227] Im 4. Jahrh. erklärten angesehene Kirchenväter den Exorcismus zwar für heilsam, weil selbst die Kinder von dem Einfluß der bösen Geister nicht frei wären, aber nicht für notwendig und in der hl. Schrift geboten.[228]

In der morgenländischen sowie auch in der römisch-katholischen Kirche ist der Exorcismus in dieser sonderbaren Form unverändert beibehalten worden.[229] Luther ließ in der zweiten Ausgabe seines Taufbüchleins zwar alle in der ersten Ausgabe noch beibehaltenen Sitten, z. B. daß Anblasen, Bestreichen mit Speichel u. a. weg, behielt dagegen die Entsagungs- und Beschwörungsformel bei. Er erklärte diesen Brauch wohl als nützlich, doch nicht für eine dogmatische Notwendigkeit.[230] Ebenso billigte Melanchthon den Exorcizmus und mit ihm die übrigen lutherischen Theologen. Zwingli wie auch Calvin mißbilligten ihn aufs entschiedenste. Von der reformierten Kirche wird er als eine abergläubische Zeremonie verworfen.[231] Baumgarten trifft wohl in diesem Punkt das Rechte, wenn er sagt: „Es ist eine willkürliche Handlung, die in keinem göttlichen Befehl oder Notwendigkeit der Sache gegründet ist, ein Adiaphoron, ein gottesdienstliches Mittelding, oder eine menschliche Kirchenverordnung.“[232]

2. Das Bestreichen mit Speichel

erfolgte nach dem Exorcismus, und nach Luthers Angabe wurden die Ohren und die Nase damit bedacht.[233] Die orientalische sowie auch die protestantische Kirche hat diese merkwürdige Sitte nicht angenommen.[234]

3. Die Bekreuzung.

Wie man im N. Testament von einer Teufelsbeschwörung nichts vorfindet, ebenso findet sich auch nicht die geringste Andeutung von dem Gebrauch der Bekreuzung vor. Es ist dies ebenfalls eine menschliche Einrichtung nach Ablauf der apostolischen Zeit. Die Kreuzbezeichnung des Täuflings geschah vor der Taufe gleich in unmittelbarer Verbindung des Bestreichens mit Speichel.[235] „Der Täufer bediente sich der Formel: „Nimm an das Zeichen des heiligen Kreuzes, beides, an Stirn und Brust.“[236] Dr. Augusti führt noch aus: „Bekanntlich schrieben die Alten dem Kreuzeszeichen eine außerordentliche Kraft und Wirkung zu. Man darf sich daher nicht wundern, wenn der feierlichen Kreuzbezeichnung bei der Taufe eine magische Kraft beigelegt wurde.“[237] Nach Dionysius soll die Salbung und Kreuzbezeichnung eine dreifache sein.[238] „In den alten Taufritualien der lateinischen Kirche findet man die einmalige Bezeichnung in Verbindung mit einem dreimaligen Anhauchen. Die evangelische Kirche hat zwar die Ölsalbung abgeschafft, aber dennoch die Kreuzbezeichnung beibehalten.“[239]

4. Die Salbung.

Nach der Kreuzbezeichnung folgte als weitere, die Taufe vorbereitende Handlung die Salbung (oleum), zu unterscheiden von der Salbung nach der Taufe.[240] Nach Cyrill von Jerusalem wurde diese Salbung im Taufhause gleich nach der Entkleidung vollzogen, und zwar am ganzen Körper.[241]

5. Die Weihung des Taufwassers.

Nach der Salbung ging der Priester oder auch der Bischof daran, das Taufwasser zu weihen. Das erste Beispiel davon findet sich bei Tertullian. „Tertullian fing unstreitig an,“ schreibt Münter, „mit der Lehre von der Taufe Aberglauben zu verbinden; denn er war der erste, der dem Wasser eine physische Kraft zuschreibt.“[242] Tertullian äußert sich darüber wie folgt: „Jedes Wasser erlangt vermöge der alten Prärogative seines Ursprungs die geheimnisvolle Wirkung der Heiligung durch die Anrufung Gottes. Denn es kommt sofort der Geist vom Himmel darüber herab und ist über den Wassern, heiligt sie aus sich selbst, und so geheiligt saugen sie die Kraft des Heiligmachens in sich ein. Also wird, nachdem die Gewässer durch Dazwischenkunft des Engels gewissermaßen mit Heilkräften versehen wurden, auch der Geist im Wasser leiblich abgewaschen und das Fleisch ebendaselbst geistig gereinigt.“[243] Nach Dionysius’ Angabe ging die Weihung in folgender Art vor sich: „Während der Priester die Salbung vollendet, geht der Bischof zur Mutter der Gotteskindschaft (denn so nennt er das Taufbassin), heiligt ihr Wasser durch heilige Anrufungen und vollendet es, indem er das heiligste Öl dreimal in Kreuzesform eingießt, er damit zugleich das Zeichen des Kreuzes macht.“[244] Cyprian erklärt, daß das Wasser erst durch den Priester gereinigt und geheiligt werden muß, auf daß es die Macht habe, die Sünden der Menschen wegzuwaschen. Auch Basilius erwähnt diesen Brauch, doch zeigt er dabei, daß derselbe nicht auf Verordnung der hl. Schrift beruhe, sondern in der mündlichen Überliefernng seinen Grund habe.[245]

6. Die Verwendung des Salzes bei der Taufe.

Dr. Freybe sagt: „Auf die Salbung folgte als weitere, die Taufe vorbereitende Handlung das Reiben mit Salz.“[246] In der protest. kurbrandenburg. Kirchenordnung wie auch in der Ottheinrichs heißt es: „Hier nehme der Priester das Kind und lege ihm Salz in den Mund und spreche: Nimm hin das Salz der Weisheit, die dich fördere zum ewigen Leben. Amen.“[247] Nach Dr. Augusti hat man für den Gebrauch des Salzes bis jetzt kein älteres Zeugnis als die Stelle in Augustin.[248] Die evangelische Kirche hat mit Recht auch diese Sitte fallen lassen.

Nachdem all diese gedankenlosen und fast durchweg mit Aberglauben verbundenen Gebräuche an dem Täufling zur Anwendung gekommen waren, wurde an ihm die Taufe durch dreimaliges Untertauchen vollzogen.

7. Die Salbung

mit geweihtem Öl schloß sich gleich an die Taufe an. Diese Sitte erwähnt schon Tertullian: „Aus dem Taufbade sodann herausgestiegen, werden wir gesalbt mit der gebenedeiten Salbung.“[249] „Die Salbung geschieht zuerst auf Brust und Rücken mit dem Spruche: zur Heilung des Körpers und der Seele; sodann an den Ohren mit dem Spruche: zum Gehorsam des Glaubens; hierauf an den Füßen mit den Worten: zur Beförderung deiner Schritte; endlich an den Händen mit dem Zurufe: deine Hände haben mich gemacht und gebildet.“[250] Nach Cyrill geschah diese Salbung an Stirn, Ohren, Nase und Brust.[251] Tertullian sowie auch Cyrill von Jerusalem gründen diese Salbung auf die „frühere Lehre, wonach man mit Öl aus dem Horn zum Priestertum gesalbt worden war“.[252] Wir müssen aber bei genauerer Untersuchung feststellen, daß die Salbung, wie sie im 3. und den nachfolgenden Jahrhunderten gehandhabt wurde, auch nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Priestersalbung hat. Luther zählt diesen Ritus mit Recht unter jene, die „von Menschen, um die Taufe zu zieren, hinzugetan sind“.[253]

8. Der dreimalige Umgang um das Taufbecken.

In der griechisch-russischen Kirche schließt sich der Salbung ein dreimaliger Umgang um das Taufbecken an. Den Vorgang dabei schildert Staerk mit folgenden Worten: „Ist die Salbung mit dem heiligen Myron vollendet, so schreitet der Priester mit dem Taufpaten und dem Täufling dreimal rings um das Taufbecken, während der Chor singt (griechischer und slawischer Ritus): Alle, die ihr auf Christum getauft seid, habt Christum angezogen. Alleluja. Der Umgang beginnt von der rechten Seite, d. h. von Westen nach Süden, indem der Priester und Pate Kerzen in der Hand tragen, um die Erleuchtung auf Christus, das wahre Licht, zurückzuführen.“[254]

9. Der Friedenskuß.

Jedem Neuaufgenommenen oder Getauften wurde der sogenannte Friedenskuß erteilt als Zeichen, daß er von nun an als Christ oder als Bruder im Herrn anerkannt sei. Gegen diese Sitte wäre auch durchaus nichts einzuwenden, denn wir glauben, daß dieselbe im N. Testament begründet ist und apostolische Praxis war,[255] doch nie können wir es glauben, daß dieser „Bruderkuß“ in der Urgemeinde so verabreicht wurde, wie es nach Einführung der Kindertaufe in den Tagen Cyprians geschah, nämlich — auf den Fuß des Täuflings.[256]

10. Die Anlegung einen weißen Kleides.

Seit dem 4. Jahrh. wurde es Sitte, den Täuflingen unmittelbar nach der Taufe ein weißes Kleid anzulegen, welches sie acht Tage hindurch tragen mußten, „und wurden in demselben an dem auf Ostern folgenden Sonntage, welcher eben daher den Namen: Dominice in albeis (der weiße Sonntag) erhielt, der Gemeinde vorgestellt“.[257] Womit will man diesen Gebrauch rechtfertigen? Durch das N. Testament kann es nicht geschehen, denn dasselbe berichtet uns nichts von einem achttägigen Tragen der weißen Kleider nach der Taufe.

11. Die Taufkerzen.

Ein weiterer unbiblischer Gebrauch war, daß man dem Täufling, auch den kleinen Kindern, sogenannte Taufkerzen in die Hand gab als Sinnbild der ihnen zuteil gewordenen Erleuchtung. Nach Dr. Angustis Angabe ist diese Sitte erst im 4. Jahrh. entstanden.[258]

12. Der Gebrauch von Milch und Honig bei der Taufe.

Tertullian schreibt, daß die Täuflinge, nachdem sie aus dem Wasser heraufgestiegen sind, eine Mischung von Milch und Honig genießen und sich von jenem Tage an eine ganze Woche hindurch des täglichen Badens enthalten.[259] Ob nun dieser Brauch biblisch ist, soll Tertullian selbst beantworten. Er sagt: „Wenn du für diese und andere Gebräuche eine ausdrückliche Vorschrift der hl. Schrift verlangen wolltest, so wirst du keine auftreiben können. Man wird dir die Tradition entgegenhalten als die Urheberin davon.“[260]

13. Die Tonsur.

Im 4. und 5. Jahrh. finden sich viele Zeugnisse von Mißbilligung und Verwerfung der Tonsur vor. Erst am Ende des 5. und Anfang des 6. Jahrh. fing die Tonsur an, bei dem geistlichen Stande eine allgemeine Sitte zu werden.[261] Später vollzog man die Tonsur auch an Laien und Kindern, und zwar in Verbindung mit der Taufe. In der griechisch-russischen Kirche sind beide Tonsuren üblich, „die tonsura clericalis und die Tauftonsur“.[262] Die Vollziehung der letzteren ging nach Staerks Angabe wie folgt vor sich: „Nach vorausgegangenem Gebet beschneidet der Liturg das Haupthaar des Täuflings in Kreuzesform, indem er spricht: Geschoren wird der Knecht Gottes N. N. im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Amen.“[263]

So gewiß es ist, daß weder im N. Testament noch in den ersten Jahrhunderten eine Spur von einer Tonsur aufzufinden ist, so gewiß ist es auch, daß dieser Brauch direkt dem Heidentum entnommen ist. Rabaud, Präsident des Konsistoriums zu Montauban, schreibt darüber: „Die Tonsur ist ein heidnischer Brauch, Sklaven, bisweilen auch Besiegten schor man den Kopf; es war das ein Zeichen der Erniedrigung, aber auch ein Symbol der Entsagung und der Aufopferung. So schnitten sich vor dem Angesichte gewisser Göttinnen die jungen Mädchen, welche sich ihrem Dienste weihten, ihren Haarschmuck ab; in Ägypten trugen die Isispriester rasierten Kopf. Nach der Entstehung des Mönchtums schlossen sich manche Ordensleute den Bräuchen alter Zeit an und ließen sich zum sichtbaren Zeichen ihres Geistes der Demut und ihrer Gelübde der Entsagung das Haar abschneiden, von dem sie nur einen Kranz rings um den Kopf stehen ließen.... Daraus ist die Tonsur hervorgegangen.“[264] Noch bestimmter äußert sich Staerk darüber: „Schon bei den alten Griechen war es Sitte, den Kindern die Haarlocken abzuschneiden und sodann zu gewissen Zeiten dieselben den Dämonen zu opfern. Durch das Christentum wurde dieser heidnische Brauch zu einem Kulte des wahren Gottes umgewandelt.“[265]

14. Die Abwaschung des Täuflings am achten Tage.

Nach Beendigung aller oben angeführten Zeremonien und noch vieler anderer mehr wurde am achten Tage der Täufling wieder in die Kirche gebracht, um abgewaschen zu werden. „Diese Sitte gründet in der griechisch-russischen Kirche darin, daß bei der Myronsalbung das Chrisam nicht gänzlich abgewischt worden ist. Das Kind muß daher während dieser Zeit sein Taufröcklein tragen und darf nicht gebadet werden.“[266]

Wir übergehen die übrigen Gebräuche, welche weder von beständiger Dauer waren, noch von den verschiedenen Kirchen einstimmig angenommen wurden.[267] Von den angeführten glauben wir aber den Beweis erbracht zu haben, daß sie alle durchweg eine menschliche Erfindung und Einrichtung sind und nie ihren Ursprung in der Bibel haben. Dies zeigte uns schon die oben zitierte Stelle aus Tertullian, der unverhohlen zugibt, daß der Exorcismus und einige andere Taufgebräuche sich allein auf die Tradition gründen. Dasselbe gibt auch in noch klareren Worten Basilius der Große (gest. 379) zu, was wir seinem Buch „Vom hl. Geist“, Kapitel 27, entnehmen: „Wir begnügen uns nicht mit dem, was die Apostel oder das Evangelium mitteilen, sondern wir haben noch eine ungeschriebene Lehre; wir segnen z. B. das Wasser der Taufe und das Chrisma der Salbung, ja den Täufling selbst: wo steht das geschrieben? Geschieht es also nicht nach einer verschwiegenen und geheimgehaltenen Lehre? Welches geschriebene Wort (der Bibel) lehrt die Salbung mit dem Chrisma? Woher ist es genommen, daß wir den Täufling dreimal untertauchen? Aus welchem Buche haben wir die übrigen Taufgebräuche, wie unter anderem, daß dem Teufel und seinen Engeln entsagt wird? Rühren sie nicht aus jener verborgenen Geheimlehre her, welche unsere Väter in der Stille aufbewahrten?“

Zu Luthers Zeit waren diese Taufgebräuche noch alle vorhanden und manche davon von Luther beibehalten und in Anwendung gebracht worden, doch seine Anschauung darüber ist die, daß sie alle in den Bereich der Menschensatzungen zu rechnen sind. Wir führen noch seine eigenen Worte zum Schlusse an. Er sagt: „So gedenke nun, daß in dem Taufen diese äußerlichen Stücke das Geringste sind, als da ist: unter Augen blasen, Kreuz anstreichen, Salz in den Mund geben, Speichel und Kot in die Ohren und Nase tun, mit Öl auf der Brust und Schultern salben und mit Chrisam den Scheitel bestreichen, Westerhemde anziehen und brennende Kerzen in die Hände geben, und was das mehr ist, das von Menschen, die Taufe zu zieren, hinzugetan ist; denn auch wohl ohne solches die Taufe geschehen mag und nicht die rechten Griffe sind, die der Teufel scheut oder flieht.“[268]

Ende des Kapitels