»Dort lebte der große Häuptling vieler Menschen. Er herrschte unter ihnen wie ein König. Er war der Häuptling des blaufarbigen Hornviehes. Es war zahlreich wie der dichte Nebel auf dem Kamme des Gebirges, seine Herden erfüllten die Ebene. Er dachte, die Menge seiner Krieger würde seine Feinde in Schrecken halten. Sein Volk rühmte sich seiner Speere und lachte über die Feigheit derer, welche aus ihren Städten geflohen waren. Ich werde sie schlagen und ihre Schilde an meinem Hügel aufhängen. Unser Stamm ist ein Stamm von Kriegern. Wer hat je unsere Väter unterjocht? Sie waren mächtig in der Schlacht. Wer ist nicht im Besitz der Beute alter Zeiten? Haben nicht unsere Hunde die Herzen der Edelsten unter unseren Feinden gefressen? Die Geier haben die Leichen unserer Feinde zerrissen. So sangen sie und so tanzten sie, bis sie auf jenen Höhen dort drüben den Feind herankommen sahen. Da verschlang die Nacht den Ton ihres Gesanges, da füllten sich ihre Herzen mit Traurigkeit. Sie sahen Wolken aufsteigen von den Gefilden. Es war der Rauch von brennenden Städten. Die Verwirrung eines Wirbelwinds erfaßte das Herz des großen Häuptlings über das blaufarbige Hornvieh. Es erhob sich ein Ruf: Es sind Freunde! Da verkündigten ihre Nähe die nackend einhermarschierenden Zulus. Die Männer ergriffen ihre Waffen und liefen hervor, als gelte es die Jagd auf schnellfüßige Antilopen. Ihr Angriff war wie die Stimme des Blitzstrahls, und ihre Speere erklangen wie der Herbststurm, der den Wald schüttelt. Aber die Zululöwen erhoben den Todesruf und flogen gegen ihre Schlachtopfer. Ihr Ruf war der Ruf des Sieges. Ihr zischender und heulender Schrei verkündigte ihren Fortgang unter den Erschlagenen. Nach einigen Augenblicken nur lagen Hunderte am Boden. Der Klang ihrer Schilde war das Zeichen ihres Triumphs. Unser Volk floh mit seinem Vieh auf die Spitze jenes Berges. Die Zulus drangen in die Stadt mit dem Gebrüll des Löwen, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, durchbohrten die Mütter mit dem Speer und warfen die Kinder in die Flammen. Die Sonne ging unter. Die Sieger kamen aus der rauchenden Ebene hervor, sie verfolgten ihren Lauf und umringten den Abhang jenes Berges. Sie schlachteten Vieh, sie tanzten und sangen, bis die Sonne wieder aufging, dann stiegen sie bergan und töteten, bis ihre Hände müde waren, den Speer zu schwingen.«
Der Bakoni schwieg, raffte eine Handvoll Staub vom Boden auf, blies ihn von der Handfläche weg und sagte: »Das ist alles, was übrigblieb von dem großen Häuptling des blaufarbigen Hornviehs.«
Die Richtung des Weges ward allmählich mehr südlich genommen, und große Wälder wurden durchschritten, mehrere Flüsse mühsam übersetzt. Starke Gewitterstürme überfielen tagelang den Zug und hinderten sein rasches Fortschreiten. Die Regengüsse waren so schwer, daß eine Überschwemmung durch die Ebene flutete. Der reiche schwarze Boden ward so mit Wasser gesättigt, daß es zwei Tage lang unmöglich war, weiterzukommen. Weder Menschen noch Tiere konnten sich darin bewegen. Die Räder des Wagens wurden zu einer Masse von Thon und Lehm und Erde, und nichts konnte diese zähe Masse entfernen. Die Hufe der Ochsen wurden zu riesigen Klumpen, so daß die Tiere sie nicht mehr zu erheben und weiterzusetzen vermochten. Doch die heiße Sonne trocknete alles wieder sehr schnell, und endlich kam der Zug in die Nähe von Ulundi, der Hauptstadt Tschetschwajos.
Zahlreiche Dörfer in der Nähe und vielfache Rauchsäulen in der Ferne, welche eine dichte Bevölkerung anzeigten, bereiteten die Reisenden auf den Anblick der Stadt des Zulukönigs vor. Humbati entfernte sich vom Zuge und ging ihm mit sechs Kriegern voran, um dem König den Besuch vorher anzumelden.
Der Wagen hatte einen Umweg zu machen, um die Furt durch einen kleinen Fluß zu finden, der diesseits der königlichen Residenz floß, und Molihabantschi machte den Vorschlag, die Weißen möchten mit ihm den geraden Weg machen, damit nicht eine Verzögerung entstände, während Titus Afrikaner mit seinen Leuten den Wagen begleiten und erst später eintreffen solle. Er schien ängstlich zu sein, daß der König vergeblich warten könnte. So stieg denn der Missionar am Tage nach der Entfernung Humbatis zu Pferde, und, von den Kafferkriegern begleitet, zogen die Weißen unter Führung Molihabantschis geradeaus, durchschwammen den Fluß und nahmen den kürzesten Weg nach der Hauptstadt. Am Flusse waren wohl hundert Leute versammelt, Einwohner benachbarter Ortschaften, und badeten, als die Reiter herankamen. Sie gerieten sichtlich in Schrecken bei dem Anblick der weißen Gesichter und Pferde und flohen in großer Hast. Dies zeigte den Reisenden, daß fremder Besuch weißer Farbe und daß Pferde hier eine seltene Erscheinung sein müßten.
Nach einigen Stunden, etwa um drei Uhr nachmittags, sahen sie das weite, von Hügeln und Bergen eingefaßte Thal vor sich, in welchem Ulundi, die Residenz des Königs, lag. An den grünen Hängen erblickten sie von weitem mehrere nebeneinander liegende dunkle Kreise, welche gleich großen Kränzen auf einer Wiese aussahen. Sie erfuhren, daß dies die Militärkraale, Garnisonen der Armee des Königs, seien. »Jener Kreis dort ist Umlambongwemja, der Kraal des verstorbenen Königs Panda, der darauffolgende ist Quikazi, der dritte ist Undabakaombi und der vierte ist Ulundi, wo der große Elefant wohnt,« sagte Molihabantschi erklärend.
Sie nahmen den Weg auf den letztgenannten Kraal, die Residenzstadt. Doch kein hervorragendes Gebäude zeigte die Stadt an, sondern nur der ausgedehnte Kreis von Rauchfähnchen, welche über konischen Dächern wehten, und eine große Menge von niedrigen dunklen Hütten. Auch war viel Volk am Wege zu sehen, welches durch das Gerücht von der Ankunft der Fremden herbeigelockt war. Die Residenz zeigte sich ihrer Form nach als eine Anzahl von Ringen, die ineinander steckten. Jeder Ring ward von einer Reihe Hütten gebildet, und inmitten des Ganzen war ein gewaltig großer freier Raum. Schon von fern war ein Blitzen und Funkeln in dem freien Raume und an dessen Rande zu bemerken. Die Reisenden konnten dies erkennen, da sie von der Höhe ihrer Pferde herab über die Zäune und Einfriedigungen hinwegsahen. Als sie dann bis in den äußersten Ring der Hütten gekommen waren, näherten sich ihnen einige Männer, welche vom Hofe zu sein schienen. Ihre Frisuren waren seltsam künstlich. Der eine hatte zwei hohe Spitzen von verklebtem Haar auf dem Kopfe, in welche hinein über der Stirn ein rundes Stück Elfenbein, so groß wie ein Fünfmarkstück, gelegt war. Der andere hatte unzählige kleine Wellen aus seinem Haar gebildet. Bei jedem war der Kopfputz anders. Sie trugen goldene Ringe sowie kostbare Mäntel von Affenfell und Kniebänder, von denen vor dem Schienbein weiße Ochsenschwänze herabbaumelten. Sie begrüßten Molihabantschi und die Weißen mit Verbeugungen und führten sie auf dem ferneren Wege. In der Nähe des großen freien Platzes standen auf jeder Seite wohl fünfhundert Krieger in vollem Waffenschmuck, welche Spalier bildeten, zwischen welchem die Fremden dahinzogen. Diese Krieger trugen sämtlich hohe, spitze Schilde, die ihnen vom Kinn bis zu den Füßen reichten, so daß sie den ganzen Körper schützen konnten. Die Schilde waren von Leder und verziert, und alle gleichmäßig rot bemalt. Außerdem trugen sie mehrere leichte Assagaien und einen stärkeren Speer mit blinkenden Eisenspitzen, dazu eine kurze Keule, den Kirri. Ihr Kopf war mit roten Federn, und Hals, Brust, Arme und Beine waren mit Behängen von Ochsenschweifen verziert. Sie standen unbeweglich in doppelter Reihe hintereinander, genau gerichtet, und Schilde und Lanzen in derselben Weise haltend. Nicht eine Feder rührte sich auf ihrem Kopfe, und nur die dunklen Augen rollten, und prachtvolle weiße Zähne leuchteten hier und da aus den schwarzen Gesichtern, welche im Gegensatze zu den andern Völkern Südafrikas einen Bart um Kinn, Wangen und Lippen hatten. Alle trugen die Haarkrone oben auf dem Haupte, während rundum über den Ohren und am Hinterkopfe alles Haar wegrasiert war. Die Haarkrone war mit Perlenketten umwunden. Es waren schöne, große Gestalten, alle von einer Größe, stark von Muskeln und glänzend von Fett.
Als die Weißen diesen lebenden Heckengang passiert hatten, traten sie in den weiten freien Platz ein, und sahen sich voll Überraschung um. Soweit ihr Auge umherblickte, fiel es auf Schilde, Speerspitzen und Kriegsfedern. Dichte Haufen von Kriegern umsäumten den Platz, Mann an Mann stehend, mehrere Glieder tief, unbeweglich und schweigend. Wohl zehntausend Mann mochten es nach der Schätzung des Engländers sein. Sie schienen in Regimenter abgeteilt und diese Regimenter durch Farben unterschieden zu sein. Denn hier war alles blau, Schilde und Federn, dort ebenso weiß, dort rot, dort schwarz und dort gelb, dort wieder gestreift, indem Rot und Weiß quer über den Schild gelegt waren. Überall aber blitzten über der rechten Schulter die breiten Spitzen der Speere.
Inmitten des tiefen Schweigens, welches über dem Platze lag, als sei es Mitternacht, ertönte jetzt ein Kommando hinter den Pferden, und das Rasseln vieler Speere und Schilde war zu vernehmen. Die tausend Krieger mit roten Schilden, welche Spalier gebildet hatten, zogen in vollkommen geordneten Zügen hinter den Gästen in den großen Platz ein und schlossen den Ausgang. Sie marschierten im Gleichschritt, machten Halt und Wendungen, daß alles ein Tritt, ein Schlag und ein Klirren war.
»Goddam!« rief der Lord voll Erstaunen, »diese Niggers exerzieren besser als die Garden der Königin!«
Jetzt wurde den Gästen bedeutet, sie möchten vom Pferde steigen. Sie kamen dieser Anordnung der Herren vom Hofe nach und faßten die Tiere am Zügel. Gleich darauf erhob sich gleichzeitig aus allen Teilen des weiten Platzes der Kriegsgesang, und die Pferde schnaubten ängstlich, als nach dem tiefen Schweigen plötzlich dieser mächtige Ton anhob. Es war eine Art von Harmonie in dem Gesange, und sämtliche Krieger stampften den Takt mit den Füßen, aber im ganzen rollte der Gesang wie Donner, der langhin hallend über die Erde zieht, und er hatte einen hohlen, erschütternden Klang, da die Krieger den Schildrand vor den Mund hielten und mit voller Kraft ihrer Lungen in die Wölbung hineinbrüllten. Nur an bestimmten Stellen ward dieser donnernde Klang von einer Musik unterbrochen, welche aus der Hölle selbst hervorzukommen schien. Das war, als wenn das Ächzen der Sterbenden auf dem Schlachtfelde nachgeahmt würde und sich mit diesem Ächzen die gellenden und zischenden Jubelrufe der Sieger vermischten.
Auf einmal aber hörte der Gesang auf, und wiederum trat eine Pause der Totenstille ein.
Die Fremden sahen sich verwundert um und fragten sich mit Blicken, was dies zu bedeuten habe, als nunmehr ihnen gegenüber die Reihen der Krieger sich öffneten und der Monarch erschien.
Der König trat aus der Mitte seiner Krieger hervor, und hinter ihm gingen eine Anzahl von Männern, welche Körbe und Schalen und Krüge trugen. Er ging den Fremden bis in die Mitte des Platzes entgegen, und diesen wurde ein Zeichen gegeben, zu ihm zu kommen. Der Missionar, der Lord und der Buernsohn ließen nun ihre Pferde zurück und gingen auf den König zu. Er war offenbar unterrichtet über die Art der Begrüßung bei den Engländern, denn er streckte seine rechte Hand aus und schüttelte den drei Weißen herzlich, aber so kräftig die Hand, daß sie glaubten, von einem Schraubstock erfaßt zu sein, der ihnen den Arm hätte aus der Schulter reißen wollen. Sie betrachteten den König voll Spannung. Er war sehr groß, fast einen ganzen Kopf höher als der schlanke englische Offizier, welcher der größte unter ihnen war. Aber er war auch sehr breit und dick. Da er nackend war und nur einen kleinen Schurz von Löwenfell trug, konnte seine Figur genau betrachtet werden. Sein Kopf war gewaltig breit und dick, ein dünner Bart zog sich um Kinn und Mund. Sein Nacken glich dem eines Stieres, seine Schultern bildeten wahre Berge von Muskeln. Seine Arme waren die eines Herkules, seine Schenkel schwollen von Kraft. Nur war der König um Bauch und Brust zu fett, um wahrhaft schön von Gestalt zu sein, und sein etwas kurzer Atem deutete an, daß er zu wohlgenährt war, als daß seine Lunge und sein Herz ganz frei hätten thätig sein können. Er trug keine Waffen, sondern einen langen Stab, eine Art von Scepter aus Elfenbein, mit goldenen Ringen verziert. In dem kurzen krausen Haar steckten drei Straußenfedern und ein goldener Pfeil. Um seinen Hals schlang sich vierfach eine Kette von echten Perlen, die vorn am Kehlkopf sehr groß waren und auf der schwarzen Haut herrlich schimmerten. Vier dünne Perlenstreifen, deren Ende aus goldenen Nadeln bestand, hingen vom Halsband herab. Dann trug er an Schmuck noch Perlenohrringe und zwei goldene Ringe an der linken Hand.
Nachdem er jedem der Weißen die Hand gegeben hatte, faßte er den Missionar in vertraulicher Weise am Arm, zeigte mit der andern Hand ringsum, so daß sie einen Bogen beschrieb, und sagte in der Sprache der Zulus, welche der Missionar ziemlich gut verstand: »Das Land liegt vor dir. Du bist zu deinem Sohn gekommen. Schlafe, wo es dir gefällt.«
Alsdann lud er die Weißen mit einem Wink ein, sich auf das Gras zu setzen, kauerte selbst nieder, indem er ihnen das Beispiel gab, und ließ die Diener ihre Körbe, Schalen und Krüge auf fein geflochtene Matten vor ihm und den Gästen niedersetzen.
Als er sich niederkauerte, brach ein ungeheures Getöse im Gefolge und in den Reihen der Krieger los. Alle riefen: »Der große König setzt sich! Der mächtige König des Himmels will speisen! Der starke Elefant hat die Gnade, sich niederzulassen!«
Mehrere Minuten lang rollte dieser Ruf donnerartig durch die dichten Reihen, dann wurde es wieder totenstill. Die Weißen sahen Humbati aus dem Gefolge hervorkommen und sich zur Rechten des Monarchen niederkauern. Sie erkannten jetzt deutlich die Stellung dieses Mannes. Doch blickte er bescheiden zu Boden, grüßte die Bekannten nicht, sondern erschien nur als des königlichen Winkes gewärtig. Ähnlich benahmen sich Molihabantschi und die Hofleute, welche den Weißen entgegengegangen waren.
Der König sprach kein Wort weiter, sondern aß und trank. In den zierlich geflochtenen Körben waren Apfelsinen, Melonen, Granatäpfel und andere Früchte, dazu allerhand Backwerk. In den Schalen war Milch und Honig, und in den Krügen reines Wasser. Zum Erstaunen der Weißen waren auch mehrere Champagnerflaschen auf die Matten gesetzt. Der Wein war nicht gekühlt und schäumte infolge der Wärme sehr stark. Er wurde deshalb auch nicht in Gläser gegossen, sondern in große Trinkbecher aus der Schale des Straußeneies, welche auf goldenen Untersätzen standen. Nach dem Könige griffen die Gäste zu und dann der Hofstaat, welcher heute nur aus etwa zwölf Männern bestand: Indunas, wie bei den Zulus die Männer vom Hofe, die hohen Räte und die Heerführer genannt wurden. Sie waren einfacher in ihrem Schmuck als die Truppen, aber trugen doch mehr Putz als der König. Alle trugen Schild und Speer, den starken Speer der Zulus, welchen sie im Kampf nicht schleudern, sondern in der Faust behalten, um im Handgemenge zu siegen oder zu sterben. Es war ein durchaus kriegerischer Hofstaat und nichts von Weibern zu sehen.
Das Mahl dauerte nur etwa eine Viertelstunde und hatte mehr die Bedeutung einer Ceremonie, mit welcher die Gäste willkommen geheißen wurden, als daß es hätte zur Sättigung dienen sollen. Während desselben ließ der König seinen Blick forschend auf den Gästen weilen, und ganz besonders schienen ihn der Pallasch und die Patrontasche des Engländers zu interessieren. Doch sagte er nichts. Stumm stand er wieder auf und winkte den Gästen zum Zeichen, daß sie entlassen seien, mit der Hand. Von neuem brach das Getöse los, indem Humbati laut rief: »Pezulu! Pezulu! Der König steht auf! Der mächtige Elefant hat gespeist!« Worauf alle Hofleute und hiernach alle Krieger den Ruf wiederholten. Unter dem rollenden Donner dieses Rufes schritt der König davon, wobei seine mächtige Gestalt sich in den Hüften wiegte, so daß er ähnlich dem Seemann auf dem Schiffe dahinging. Ihm folgte der Hofstaat, und nur Humbati blieb bei den Gästen zurück. Er gab ihnen Anweisung, ihm zu folgen, und ging voran, um sie zu ihrer Wohnung zu führen.
Im innersten der Straßenringe, welche sich um den freien Platz hinzogen, und nicht weit von diesem entfernt, führte er sie zu einem eingezäunten Raum, worin fünf Hütten standen. Sie waren ähnlich den Hütten der Betschuanen, doch hatten sie mehr die Form eines Bienenkorbes. In diesen Hütten, welche ziemlich geräumig und mit Fellen, Schemeln und anderm Hausgerät versehen waren, sollten die Gäste und die ihnen zugeteilten Diener wohnen. Jeder der Weißen bekam eine Hütte für sich. Auch die Diener fanden sich bereits vor, und zwei Hofbeamte standen bereit, um die nötigen Einrichtungen zu treffen. Doch erfuhren die Gäste, daß sie nur von Zulus umgeben sein würden, mit Ausnahme von Jan, Christian und Kobus, daß aber die ganze Begleitung aus der Schar des Titus Afrikaner fortgeschickt sei. Titus Afrikaner selbst, dessen Benehmen das Mißfallen des Königs erregt hatte, war mit seiner Anhängerschaft nach einer zehn Meilen weit entfernten Missionsstation geschickt worden, wie Humbati erzählte. Nur die Rücksicht auf den Missionar hatte den König abgehalten, ihn und seine Anhänger töten zu lassen. Der Befehl, nach der Missionsstation zu ziehen, war dem Häuptling entgegengesandt worden, so daß dieser Ulundi gar nicht zu Gesicht bekam. Zulukrieger sollten den Wagen herbegleiten. Es that dem Missionar leid, daß er nicht selbst fernerhin auf Titus Afrikaner durch seine Lehre wirken könne, doch mußte er sich wohl oder übel dem Willen des Königs fügen, und er vertraute darauf, daß seine Missionsbrüder das gute Werk fortsetzen würden. Tschetschwajo hatte mehreren Missionsgesellschaften den Aufenthalt in seinem Lande gestattet, duldete jedoch deren Anwesenheit nicht in der eigenen Residenz und in den wichtigsten Garnisonen seiner Armee, da er den verweichlichenden Einfluß der Missionare fürchtete.
Im übrigen zeigte er sich sehr gnädig gegen die Gäste. Während sie am Abend auf dem Hofe vor den Hütten saßen und sich über ihre Lage unterhielten, näherte sich ein Zug von Dienern. Sie trugen Körbe mit Früchten und Korn, Schalen mit Milch und Honig, gebratenes Fleisch von Ochsen und Ziegen an Bratspießen, auch gekochtes Fleisch in Töpfen. Voran gingen zwei Männer, welche eine Urne voll rauchenden Blutes trugen. Die Urne faßte wohl einen Eimer, und das Blut war flüssig, als wäre es eben erst aus den Adern des Ochsen gelaufen; denn durch eine besondere Art des Kochens und der Beimischung bestimmter Gewürze verstanden es die königlichen Köche, das Blut für lange Zeit flüssig zu erhalten. Die Übersendung des Blutes war eine besondere Auszeichnung, wie einer der ihnen zugeteilten Hofbeamten ihnen sagte. Aber der Missionar bat, das Blut wieder fortzutragen, da er und die weißen Männer überhaupt keine Bluttrinker wären. Die Hofbeamten waren sehr verwundert und erwiderten, nichts, was der König sende, dürfe zurückgeschickt werden. In dieser Verlegenheit halfen sich die Zulus aber, indem sie sich selbst über die Urne hermachten und mit Händen, Löffeln und kleinen Schalen binnen kurzem den Inhalt selbst vertilgten. Auch sechs schwarze Mädchen von schlankem Wuchse befanden sich in der Schar der Diener und wurden dem Missionar übergeben, damit er ihre Dienste benutzen solle. Aber der Missionar wies auch dieses Geschenk zurück, indem er sagte, daß er an männlicher Bedienung schon Überfluß habe, und die Hofbeamten erklärten, daß sie die Vermittelung Humbatis anrufen würden, damit der König es nicht übel nähme, wenn die Mädchen zurückgewiesen würden.
Am folgenden Tage erschien unangemeldet der König selbst. Er war von Humbati und Molihabantschi sowie von zwei andern Indunas begleitet. Er trat in des Missionars Hütte ein, wo dieser sich allein befand, und war sehr freundlich. Er legte seine linke Hand auf des Missionars Schulter, die rechte auf die eigene Brust und sagte: »Panda! Ich nenne dich Panda, denn du bist mein Vater gewesen. Du hast mein Herz so weiß wie Milch gemacht. Milch ist heute nicht weiß, mein Herz ist weiß. Ich kann nicht aufhören, mich über die Liebe eines Fremden zu wundern. Du hattest mich nie gesehen, und doch liebtest du mich! Du liebst mich mehr, als mein Volk mich liebt. Du kleidetest mich, als ich nackend war, du speistest mich, als ich hungrig war, du trugst mich an deinem Busen.«
Dann ergriff der König des Missionars rechten Arm und hob ihn die Höhe.
»Dieser Arm,« sagte er, »beschützte mich vor meinen Feinden.«
Der Missionar merkte wohl, daß Tschetschwajo auf den Schutz anspielte, den er den Gesandten des Königs gewährt hatte, und er sah aus den übertriebenen Ausdrücken des Monarchen, daß der feine Humbati, um sich selbst eine hohe Wichtigkeit zu geben, den weißen Gast in ein glänzendes Licht gestellt hatte.
»Ich weiß nicht, daß ich so etwas gethan hätte,« antwortete er. »Ich erinnere mich nicht, dem Könige so große Dienste erwiesen zu haben.«
Der König zeigte auf Humbati und Molihabantschi, welche ihm zu Füßen auf der Erde hockten.
»Dies sind große Männer,« sagte er, »Humbati ist meine rechte Hand. Als ich diese beiden von meinem Angesicht wegsandte, um das Land der weißen Männer zu sehen, da sandte ich meine Augen, meine Ohren, meinen Mund. Was sie sahen, sah ich; was sie hörten, hörte ich; was sie sprachen, das sprach Tschetschwajo. Du hast sie gespeist, als sie hungrig waren, du hast sie gekleidet, als es regnete, und als sie getötet werden sollten, da decktest du sie mit deinem Schilde. Das hast du mir gethan, du thatest es Tschetschwajo, dem Sohne Pandas.«
Der Missionar sah Dankbarkeit, aber zugleich Stolz aus dem Gesichte des Königs leuchten, und offenbar war es dem Herzen des Despoten schmeichelhaft, zu denken, sein Name sei so mächtig und so weit gefürchtet, daß der weiße Mann in weiter Entfernung und mitten zwischen den Buern doch dem fernen Könige einen Dienst habe leisten wollen. Ein leises Gemurmel kam von den Lippen der Hofherren, als der König geendigt hatte. »Pezulu! Pezulu!« klang es leise, »der König des Himmels, der König der Könige. Die Völker kennen seinen Namen, die Nationen fürchten ihn.«
Dann fing Tschetschwajo von neuem an. »Bist du ein Induna?« fragte er.
»O nein,« rief der Missionar, »ich bin kein Induna. Ich bin der letzte der Diener eines unsichtbaren Herrn.«
Tschetschwajo schüttelte den Kopf. »Ich bin ein König,« sagte er, »aber du bist Panda, Tschetschwajos Vater.«
»Ich bin ein Lehrer,« versetzte der Missionar, »ich bin ausgesandt von meinem himmlischen Gebieter, sein Wort zu verkündigen.«
»Du bist kein Engländer und kein Buer, woher bist du?« fragte der König.
»Ich bin ein Deutscher,« antwortete der Missionar. »Deutschland ist ein Land, welches weithin nach Mitternacht neben England liegt.«
»Ist in dem Lande auch ein König?«
»Ja wohl, ein sehr mächtiger König. Er heißt Wilhelm.«
»Was hat er dir gesagt, als du von seinem Angesicht gingst? Hat er dir aufgetragen, Tschetschwajo zu besuchen?«
»Ich habe ihn nie gesprochen.«
Der König geriet in das höchste Erstaunen. »Wie?« fragte er, »du kennst deinen König nicht? Du hast ihn nie gesprochen? Hast du mir denn nicht gesagt, dein himmlischer Gebieter habe dich ausgesandt?«
»Der himmlische Gebieter, von dem ich sprach, ist nicht der König Wilhelm, sondern Gott selbst, der über alle Könige, auch über Tschetschwajo, gebietet.«
Der König stieß einen Ruf der Verwunderung aus, doch fragte er nicht mehr nach dem himmlischen Gebieter, sondern nahm mehr Anteil an dem sichtbaren König in Deutschland.
»Sicherlich hast du deinen König gesehen,« sagte er.
»Auch gesehen habe ich ihn nicht. Ich bin seit vielen Jahren in diesem Lande. Nur Bilder kenne ich von ihm.«
»Wie sieht er aus? Ist er so groß wie ich? Ist er schon alt?«
»Er sieht aus wie ein König, das heißt, wie ein Gebieter über das Volk. Er ist fast so groß wie du, aber nicht so dick. Er trägt einen weißen Bart und weißes Haar und ist noch einmal so alt wie du, denn er zählt achtzig Jahre.«
»Und du hättest ihn nie gesprochen? Wer gab dir die Erlaubnis, das Land zu verlassen?«
»Tschetschwajo ist ein großer König,« sagte der Missionar, »und er hat viele Unterthanen, viele Krieger. Aber der König Wilhelm hat so viele Unterthanen, daß er nicht mit jedem sprechen kann und nicht jedem, der das Land verläßt, Erlaubnis geben kann. Seine Häuptlinge sorgen für solche Dinge.«
»Hat der König Wilhelm viele Ochsen?«
Der Missionar lächelte. »Er hat viele Ochsen,« entgegnete er. »Genau kann ich dir nicht sagen, wie viele es sind, aber ich kann dir mitteilen, daß in seiner Hauptstadt allein jeden Tag wohl mehr als tausend geschlachtet werden.«
Der König erschrak, und ein Ausdruck der Verwirrung zeigte sich auf seinem Gesicht. Dieses Beispiel der Größe der königlichen Macht traf ihn tief. Hastig sagte er: »Tschetschwajo liebt den Frieden, er wünscht nicht, mit dem König Wilhelm Krieg zu führen. Sage ihm, wenn du heimkehrst, Tschetschwajo sei sein Freund.«
Der Missionar erhob sich und ging an seine Bücherkiste. Es war ihm eingefallen, daß er ein Buch besaß, welches eine Abbildung des Deutschen Kaisers und viele andere Bilder enthielt, die den Zulukönig interessieren mußten. Es war die Beschreibung des deutsch-französischen Krieges von Hiltl, welche aus Leipzig ihren Weg nach Afrika gefunden und ihm in der Ferne die Kunde von den großen Ereignissen in der Heimat gebracht hatte. Dies Buch übergab er dem Könige und zeigte ihm die Bilder. Tschetschwajo geriet in das höchste Entzücken. Zwar war dies Entzücken zu Anfang mit Grauen gemischt. Beim ersten Anblick der Bilder und der schwarzen unzähligen Buchstaben verfärbten sich seine Lippen, und er packte den Arm des Missionars mit einem schreckensvollen Griff, der sich tief in das Fleisch eindrückte. Der Gebieter über Leben und Tod vieler Tausende fürchtete sich vor dem Buche.
»Hast du dem Dinge Medizin gegeben?« fragte er mit abergläubischem Schauder.
»O nein,« sagte der Missionar, ihn beruhigend. »Es ist ganz ohne Medizin. Alles ist mit Händen gemacht, das glatte Papier, die kleinen schwarzen Zeichen und die Bilder.«
Nun verlor sich die Furcht des Königs, er blieb wohl eine Stunde lang bei dem Missionar, ließ sich vieles erzählen und ging sehr befriedigt von dannen, indem er sich das Buch nachtragen ließ. Bald darauf kam eine Einladung zu einem Hoffeste, welches an demselben Abend stattfinden sollte.
Das Fest begann bei Sonnenuntergang und ward beim Scheine von tausend Fackeln gefeiert. Vor den ausgedehnten, doch niedrigen Palasträumen des Königs, vier Gebäuden aus Fachwerk, an welche sich eine große Veranda anschloß, war ein ebener großer Platz, ganz mit kurzem, weichem Grase bewachsen. Diesen Platz säumten einige tausend Krieger ein, welche die Fackeln in Händen hielten. Auf der einen Seite waren Herdfeuer, wo Ochsen gebraten und gekocht und Kuchen gebacken wurden. In der Mitte aber befand sich der König mit den königlichen Prinzen und Prinzessinnen und mit seinem ganzen Hofstaate, wohl hundert bewaffneten Männern, und hier nahmen auch die Weißen auf Rasensitzen Platz, die mit Tigerfellen überkleidet waren. Der Hauptteil des Festes bestand in einem Tanze. Der Harem des Königs war zur Stelle, mehrere hundert Frauen. Von diesen waren sechzig der schönsten ausgesucht und in lange, weiße, faltige Gewänder gekleidet. Diese schritten vorwärts und rückwärts, seitwärts und in verschlungenen Figuren durcheinander. Sie umhüllten sich bald mit den Gewändern und bewegten dieselben in verschiedenen Faltungen, bald ließen sie ihre schwarzen, von Fett glänzenden Glieder sehen, daß sie sich wie polierter schwarzer Marmor im Scheine der Fackeln von der Gewandung abhoben. Sie tanzten nach dem Takte eines Gesanges, den sie selbst und die übrigen, am Boden sitzenden Frauen erschallen ließen. Auch in diesem Gesange gleichwie in dem Kriegsgesang am vergangenen Tage war nicht nur Takt, sondern auch eine Art von Harmonie, nur ward er ebenfalls durch schrille Töne in einer für das Gehör der Weißen unangenehmen Art unterbrochen.
Tschetschwajo selbst leitete das Fest, indem er durch ein Nicken oder durch eine Handbewegung der ganzen Versammlung ihre Bewegungen vorschrieb. Jede seiner Anordnungen ward von Rufen der Bewunderung und der Schmeichelei begleitet, und wenn er sich setzte oder aufstand, aß oder trank, hallten Himmel und Erde von den donnernden Rufen Tausender wieder. Dazu umschwärmte ihn beständig ein Haufen von Männern, welche eine Art von Hofnarren zu sein schienen oder doch in der Mitte zwischen ernsthaften Hofleuten und Narren standen. Sie waren sehr phantastisch gekleidet, mit bunten Mänteln, hohen bunten Federbüschen und klirrendem Putz. In den Händen trugen sie Stäbe von Elfenbein mit geschnitztem Knauf. Sie gingen vor und hinter dem König, sprangen auf und nieder und umtanzten ihn. Zuweilen warfen sie sich wie in Anbetung vor ihm nieder und riefen mit großer Schnelligkeit der Zunge eine Flut von Schmeicheleien, dann schwangen sie ihre Stäbe und verkündigten laut die Siegesthaten des Despoten.
Als der Tanz der Frauen zu Ende war, setzte Tschetschwajo sich auf seinen riesigen, mit Löwenfell überzogenen Schild, den er heute trug, winkte den Missionar zu sich heran und fragte ihn, ob das nicht ein schöner Anblick gewesen sei und ob am Hofe des Königs Wilhelm ebenso schöne Schauspiele wären.
Der Missionar war einen Augenblick in Verlegenheit, was er antworten sollte. Es war nicht seine Absicht, den Stolz des von allen Seiten umschmeichelten Despoten zu kitzeln und seiner Eitelkeit Genüge zu thun. Gleichwohl sah er, daß des Königs kriegerische Brust sich hob beim Anblick so vieler Waffenträger und Weiber, die ihm gehorchten, und er wünschte nicht einen so gefährlichen Mann zu erzürnen. Endlich hielt er es nicht für klug, einzugestehen, daß auch in Europa zu Ehren der Großen Bälle, Maskeraden und Balletts gegeben würden.
»Wenn ich die stolzen Schauspiele der mächtigen Könige auf Erden sehe,« antwortete er, »so wendet sich mein Blick von ihnen hinauf zu den hellen Sternen, die am Himmel glänzen. Denn so viel heller und klarer die Sterne sind als rot brennende Fackeln, so viel größer ist die Macht des Unsichtbaren über den Sternen als die Macht der sichtbaren Könige.«
»Mein Vater liebt es, von dem Unsichtbaren zu reden,« sagte der König mit etwas unzufriedenem Tone. »Aber er kann von dem Unsichtbaren nichts wissen.«
»O doch, ich weiß von ihm. Ich kenne seinen Willen, auch ohne ihn gesehen zu haben.«
»Und was ist sein Wille?«
»Er will, daß alle Menschen einander lieben, weil sie alle Brüder sind. Er will nicht, daß die Könige sich mit Feuer und Schwert überfallen, die Länder verheeren und vieles Blut vergießen. Er lehrt: Du sollst Gott über alle Dinge lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Dies nennt man die christliche Lehre, und es sind Lehrer in deinem Lande, welche dies verkündigen.«
»Es ist so,« sagte der König, »mein Vater redet die Wahrheit. Aber mein Vater ist begleitet von einem jungen Häuptling der Engländer. Er kennt die Engländer. Sind die Engländer nicht auch Christen?«
»Allerdings.«
»Aber die Engländer führen Krieg. Sie haben die Buern bekriegt und haben die schwarzen Männer in den Nachbarstaaten unterworfen. Wenn sie ihren Nächsten liebten wie sich selbst, so dürften sie ihn nicht mit dem Feuergewehr tot schießen.«
Der Missionar antwortete auf diesen Einwurf nicht sogleich, sondern überlegte eine passende Erklärung.
»Du erzähltest mir von deinem König in Deutschland und gabst mir ein Buch, worin sein Bild und das Bild seiner Krieger ist. Aber ich sehe, daß sie Helme und Waffen tragen und abgebildet sind, wie sie in den Rauch der Feuergewehre und brennender Dörfer gehüllt sind. Wenn sie Christen sind, wie kommt es, daß sie Krieg führen?«
Der Missionar sah betroffen vor sich nieder.
»Mein König zog in den Krieg, weil er sich gegen seine Feinde verteidigen mußte,« entgegnete er. »Er hat nicht angegriffen, sondern er liebt den Frieden.«
Tschetschwajo lächelte triumphierend. »Und so macht es auch Tschetschwajo,« entgegnete er. »Auch Tschetschwajo liebt den Frieden, aber er hat seine Feinde. Er muß in den Kampf ziehen, um sein Land zu verteidigen.«
Er faßte nach diesen Worten vertraulich den Arm des Missionars und zog ihn zur Seite. Beide wandelten von dem Festplatze seitwärts, und niemand wagte, ihnen zu folgen.
»Mein Vater ist sehr klug,« sagte der König, »und er ist auch sehr gut. Du sagst die Wahrheit und schmeichelst nicht, darum vertraue ich dir. Wenn dir der Friede am Herzen liegt und du nicht willst, daß wieder Blut vergossen wird, so wirst du Tschetschwajos Wünsche gern erfüllen. Ich liebe den Frieden. Nie lebte ein König, der friedliebender gewesen wäre als Tschetschwajo, Pandas Sohn. Sage mir, sind die Engländer alle herübergekommen in das Kapland und Natal, oder sind ihrer noch in ihrem eigenen Lande zurückgeblieben?«
Der Missionar verstand die Frage nicht sogleich, und seine Miene verriet dies.
»Meine Boten sagen mir, daß viele Krieger in roten Röcken über das Meer gekommen sind,« fuhr der König fort. »Ich möchte wissen, ob alle Krieger der mächtigen Königin von England gekommen sind oder ob noch ein Heer zu Hause geblieben ist.«
Jetzt verstand der Missionar. Tschetschwajo wollte erforschen, ob die englischen Truppen noch Verstärkungen erhalten könnten, und hielt es in seiner Unwissenheit für möglich, daß bereits alle Engländer in Afrika wären. Hiernach wollte er offenbar seine Politik einrichten.
»O König,« sagte der Missionar, »die Macht der Engländer ist sehr groß. Sie beherrschen nicht allein ihre eigene Insel, auf der ihre Heimat ist, sondern sie haben überall auf der Erde viele Königreiche erobert, und für jeden Unterthan, den du hast, haben sie tausend. Ihre Heere sind sehr groß und sie haben noch nicht den zwanzigsten Teil ihrer Krieger nach Afrika herübergeschifft. Das Kapland und Natal sind nur ein Fußbreit ihrer Besitzungen.«
»Ha!« rief der König. Sein Gesicht war sehr finster, und Blitze schossen aus seinen Augen. Er ging schweigsam neben dem Missionar.
»Redest du die Wahrheit?« fragte er plötzlich mit drohender Miene.
»Ich rede die volle Wahrheit,« sagte der alte Mann.
»Du hast noch nicht alle Krieger Tschetschwajos gesehen,« fuhr der König fort. »Sie sind im Lande zerstreut, und du sahest noch nicht den vierten Teil. Die Engländer sind viel schwächer an Zahl. Es sind ihrer nicht mehr als drei meiner Regimenter. Darum halten sie auch Freundschaft mit den Häuptlingen an den Grenzen meines Landes, denn allein können sie den Kampf mit mir nicht aufnehmen. Habe ich nicht recht?«
»Was die Zahl betrifft, hast du recht,« sagte der Missionar. »Aber bedenke, daß die Engländer Feuergewehre haben, deine Krieger aber nur Schild und Speer. Dazu bedenke, daß die Engländer niemals eine Niederlage erleiden, ohne neue Krieger nachkommen zu lassen. Sie dürfen ihren vielen unterworfenen Königreichen nicht zeigen, daß sie geschlagen werden können, deshalb lassen sie immer neue Krieger kommen, bis sie siegen. Wenn du es deshalb möglich machen kannst, o König, mit den Engländern in Frieden zu bleiben, so rate ich dir, es zu thun.«
Dies war eine kühne Rede gegenüber einem Mann, der sich einbildete, der mächtigste Monarch und immer siegreich zu sein, gegenüber einem Herrscher, der die Sorgfalt seines ganzen Lebens auf die Ausbildung eines musterhaften Heeres verwandt hatte. Aber Tschetschwajo erzürnte sich nicht, im Gegenteil schwebte ein Lächeln um seinen Mund, als der Missionar davon sprach, daß die Zulus nur mit Schild und Speer bewaffnet wären.
»Du sprichst die Wahrheit,« begann er von neuem. »Tschetschwajo denkt ebenso wie du. Er wünscht mit den Engländern Frieden zu halten. Mein Vater möge dem Könige dazu helfen. Er möge dem jungen englischen Induna kluge Worte ins Ohr träufeln, damit dieser seinen Landsleuten des Königs gute Absicht mitteilt. Ich werde ihn wie einen Induna ehren und ihn nach seiner Heimat entlassen. Mein Vater möge ihm dies sagen und möge ihm noch folgende Worte Tschetschwajos mitteilen: Wenn die Engländer Land und Vieh erobern wollen, so sollen sie Krieg gegen die Buern führen. Die Buern haben mehr Vieh als Tschetschwajo. Ich will ihnen dabei zu Hilfe kommen. Wenn die englischen Truppen von Mittag her in das Land der Buern einrücken, wird Tschetschwajo mit dreißig Regimentern, jedes tausend Mann stark, vom Aufgang der Sonne her angreifen. Dann wollen beide das Land der Buern teilen. Die Engländer mögen alles nehmen, was jenseits der Drakensberge liegt, Tschetschwajo verlangt nur sehr wenig: er will das Land diesseits der Drakensberge nehmen.«
»Ich werde den Wunsch des Königs erfüllen,« sagte der Missionar. »Aber wird mir der König gestatten, meine Ansicht über dieses Unternehmen auszusprechen?«
»Tschetschwajo hört.«
»Du meinst, daß die Engländer Land und Vieh erobern wollen, aber ich denke, ihre Absicht ist eine andere. Die Engländer haben bereits das ganze Land der Buern für das ihrige erklärt. Du kannst ihnen nicht anbieten, was sie schon besitzen. Die Engländer haben eine andere Art, ihre Herrschaft auszudehnen, als du glaubst. Sie wollen den Buern nicht ihr Land und Vieh wegnehmen, sondern sie wollen nur, daß die Buern die Oberherrschaft der Königin anerkennen. Sie wollen, daß das Land, in welchem die Königin als Oberherrin gilt, glücklich und zufrieden ist. Sie wollen nicht, daß die schwarzen Menschen von den Buern unterdrückt werden, aber sie wollen auch nicht, daß der König Tschetschwajo Einfälle in das Buernland macht, um Dörfer zu verbrennen und Vieh fortzutreiben. Sie wollen den Oranjefreistaat und das Transvaalland beherrschen, aber auch zu einem reichen Gebiet machen und zu einem Gebiete, wo das Christentum gepredigt wird. Deshalb glaube ich nicht, daß der Gouverneur der Königin deinen Vorschlag annehmen wird.«
Tschetschwajo hatte aufmerksam zugehört. Dann schüttelte er den Kopf und sagte: »Du irrst. Mein Vater ist sehr weise, aber er kennt die Engländer nicht genau. Haben sie nicht schon einmal, als Tschetschwajo noch jünger war, mit seiner Hilfe gegen die Buern Krieg geführt? Die Engländer wollen alles Land in Afrika für sich nehmen, und sie wollen die schwarzen Männer zu ihren Knechten machen. Sie wollen ihnen ihre Waffen nehmen und sie weibisch machen. Die Engländer sind Handelsleute. Sie halten ihre Krieger, um ihre Handelsleute zu unterstützen. Denn solange Frieden zwischen ihnen und Tschetschwajo ist, kommen die weißen Männer mit Wagen und Ochsen über die Grenze und verkaufen den Zulus ein Gift, welches sie Rum nennen. Wenn die Krieger Tschetschwajos den Rum im Leibe haben, geht ihre Seele hinaus. Auch die Buern wissen wohl, daß die Engländer etwas anderes im Sinne haben, als das Christentum zu lehren und das Land glücklich zu machen. Denn sie sind erzürnt gegen die Engländer, weil diese ihr Land für das ihrige erklärt haben. Tschetschwajo kann nicht in Frieden leben mit den weißen Männern. Entweder muß er sie töten, oder sie töten ihn. Haben nicht die weißen Männer alles Land, welches sie besitzen, den Schwarzen weggenommen? Denn ehe die weißen Männer kamen, so erzählen unsere weisen Leute, gehörte alles den schwarzen Männern, alles Land bis an das Meer hin.«
Der König war stehen geblieben und blickte nachdenklich vor sich nieder.
»Nicht alle weißen Männer sind schlecht,« sagte er dann. »Du bist gut, du liebst mich. Rede mit dem englischen Induna, wie ich dir gesagt habe, und ich werde dir viele Ochsen und Weiber geben, wenn mein Wunsch in Erfüllung geht. Du liebst mich, und ich werde dich sehr reich und groß machen. Hat der König mit den Engländern vereinigt erst die Buern besiegt, so wird er mit den Buern vereinigt die Engländer besiegen, und dann soll das Vieh, welches meinem Vater gehören wird, nicht mehr zu zählen sein.«
Nach diesen Worten gab er dem Missionar durch eine höfliche Verbeugung zu verstehen, daß er das Gespräch für beendigt halte, und kehrte in den Kreis des Hofstaats zurück, wo das Festmahl auf Matten bereit gestellt wurde.
Der Missionar blickte ihm sinnend nach, wie seine mächtige Gestalt, ehrfurchtsvoll begrüßt, in die Menge der Krieger und Weiber eintrat. Ein phantastisches, zauberhaftes Bild bot sich dem Auge des alten Mannes und fesselte ihn, obwohl er an wunderbare Anblicke in Afrika gewöhnt war. Der Mond war aufgegangen und die Sterne funkelten. Der Himmel strahlte mit einer Klarheit auf die Erde nieder, welche in Europa unbekannt ist. In diesem silbernen Schein, der auf den großen Platz mit Tausenden von Menschen fiel, und das Feuer der Fackeln überstrahlte, sahen die Gestalten der bewaffneten Schwarzen und die vielen Frauen und Mädchen wunderbar aus. Die schwarzen, glänzenden Glieder mit dem blinkenden Schmuck der Waffen und der goldenen und elfenbeinernen Ringe und im Gegensatz zu den roten, weißen und blauen Schilden, den Straußenfedern und den Perlenketten, boten ein Gemälde, das so reich an Farben war und die natürliche Kraft und Geschmeidigkeit der menschlichen Gestalt so lebhaft darstellte, wie der Missionar Ähnliches nie gesehen hatte.
Er ging der mittelsten Gruppe näher, wo seine jungen Freunde, der Lord und Pieter Maritz, in Gesellschaft Molihabantschis und einiger anderer Hofmänner auf einer Rasenbank saßen. Gern hätte er dem jungen Offizier die Nachricht, daß der König ihn entlassen wolle, sogleich mitgeteilt, aber er hatte schon genug von dem überlegten und ceremoniösen Wesen des Hofes kennen gelernt, um zu wissen, daß er klüger thäte, seine wichtige Aufgabe nicht hier vor aller Ohren anzugreifen. Er wußte nicht, wie weit die englische Sprache verstanden würde, und der Anblick so vieler, nicht allein schön geformter, sondern auch intelligenter Gesichter unter dem Hofstaat machte ihn vorsichtig. Er verschob seine Mitteilung auf die Zeit, wo er mit dem Lord allein sein würde, und mischte sich unter die Männer, welche ihn die vornehmsten zu sein deuchten. Er hätte gern noch mehr Aufschlüsse über den Charakter des Königs erhalten, um deutlicher in den Verhältnissen zu sehen. Hatte doch Tschetschwajo noch vor kurzer Zeit Gesandte in das Buernland geschickt, um ein Bündnis mit den Buern gegen England anzubahnen. Nun wollte er mit den Engländern gegen die Buern ziehen?
So fing er denn ein Gespräch mit Humbati und einigen Männern an, welche mit diesem zusammen waren. Er gewahrte aber bald, daß er nicht weit kam. Sie antworteten ihm bereitwillig auf seine Fragen, aber in einer so vorsichtigen Weise, so diplomatisch, daß er bald sah, er habe mit Leuten von scharfem Verstande zu thun. Sie redeten in einem flüsternden Tone, als scheuten sie sich, in der Nähe des Monarchen die Luft zu erschüttern, und alle ihre Worte waren Ehrfurchtsbezeugungen für Tschetschwajo.
»Er ist der König der Könige,« sagten sie, indem sie sich verneigten. »Wer sollte nicht den Sohn Pandas fürchten, der mächtig ist in der Schlacht? Wo sind die Mächtigen vor dem Angesicht unseres großen Königs? Wo ist die Stärke des Waldes vor dem starken Elefanten? Sein Rüssel zerbricht die Äste der Bäume. Der Klang der Schilde kündigt den Sieg von Pandas Sohn.«
Der Missionar machte hier dieselbe Erfahrung, welche er bei den ihm zugeteilten Hofbeamten gemacht hatte: der Despotismus Tschetschwajos, obwohl gewiß von vielen seiner Großen hart empfunden, lag so schwer auf dem ganzen Volke, daß niemand auch nur zu murmeln wagte. Der Missionar begriff, daß die ihm zur Bedienung zugewiesenen Leute mehr seine Wächter und Aufpasser waren und daß sie über seinen Verkehr mit Fremden zu wachen und namentlich zu verhindern hatten, daß eine unerwünschte Mitteilung über den König zu ihm dränge.
»Es ist merkwürdig, welch ein Gemisch von Unwissenheit und Schlauheit in diesen Zulus steckt,« sagte der Missionar zu dem Lord, als er am Abend nach dem Feste mit diesem allein war. »Tschetschwajo ist vollständig unbekannt mit den Machtverhältnissen und Zuständen europäischer Mächte und möchte seine barbarische Politik auf sein Verhältnis zu unsern Landsleuten anwenden. Denken Sie, Mylord, er will Sie mit einem Bündnisvorschlage an den Gouverneur des Kaplandes senden.«
Der Lord errötete vor Freude. »Wahrhaftig?« rief er. »O, das ist herrlich! Ich werde mein Regiment wiedersehen!«
»Ja, aber unter der von mir soeben erwähnten Bedingung,« sagte der Missionar und erzählte dem jungen Offizier die Unterredung, welche er mit dem schwarzen Fürsten gehabt hatte. »Ich habe Tschetschwajo gleich gesagt, daß seine Botschaft schwerlich Erfolg haben würde, denn in der That kann ich nicht an deren Erfolg glauben, aber ich will doch mein Versprechen halten, und ich stelle es Eurer Lordschaft anheim, ob Sie die Sendung auf sich nehmen wollen.«
»O gewiß!« rief der Lord lachend, »ich übernehme jede Botschaft, um nur die Freiheit wiederzuerlangen. Es ist ja auf die Entschließungen der Regierung der Königin ganz ohne Einfluß, was ich vorschlage. Ich bin ein unbedeutender Leutnant. Übrigens ist Tschetschwajos Vorschlag nicht so ganz dumm. Jetzt freilich wird er zu spät kommen, er paßt nicht mehr in die politischen Verhältnisse, aber sonst — unter uns gesagt — ist der Vorschlag nicht dumm. Vor einigen Jahren noch war das Bündnis mit den Zulus sehr angenehm und nützlich für uns, denn die Buern sind unsere gefährlichsten Feinde in Afrika, und wir wären ihrer vor einigen Jahren nicht Herr geworden, wenn uns die Zulus nicht beigestanden hätten. Auch muß ich gestehen, daß der Anblick der Krieger Tschetschwajos mir Respekt eingeflößt hat. Wären diese Truppen mit Gewehren bewaffnet, so möchten sie leicht sowohl uns als die Buern unterkriegen. Wie die Kerls gut einexerziert sind, wie sie in Ordnung stehen, wie sie schwenken, und wie kräftig sie sind! Mit ihren Schilden und Speeren freilich können sie gegen europäische Truppen nichts ausrichten.«
»Sie sind also bereit, Mylord, dem Gouverneur den Vorschlag Tschetschwajos vorzutragen?«
»Gewiß, ich werde es thun. Welch ein himmlischer Gedanke, wieder nach Hause zu kommen! Und werde ich Pieter Maritz mitnehmen dürfen? Ich thäte dem armen Burschen so gern einen Gefallen, denn er hat sich gegen mich vortrefflich benommen, und ich werde ihm zeitlebens dankbar sein.«
»Das wird nicht gehen,« antwortete der Missionar. »Der König hat davon nichts gesagt, und er hat einen Groll gegen die Buern, weil diese seine Gesandten haben erschießen wollen. Er spielt ein doppeltes Spiel, denn wie Sie wissen, hat er Humbati und Molihabantschi zu den Buern gesandt, um mit ihnen ein Bündnis gegen die Engländer abzuschließen. Mir ist es nicht angenehm, in diese politischen Verhandlungen verwickelt zu sein, denn ein Missionar sollte sich niemals um Politik, sondern nur um die Erfüllung seines Lehramtes bekümmern. Ich hoffe zu Gott, daß sich aus dem allen kein Krieg entwickelt, und vielleicht gewinne ich, so Gott will, Macht über sein Gemüt und bringe ihn dahin, daß er aufhört, Blutvergießen für Heldenthat und für den Zweck seines Lebens zu halten.«
»Mein hochverehrter Herr und Freund,« sagte der Lord, »ich habe mit Bewunderung die Macht Ihrer Überredung bei Titus Afrikaner gesehen, aber ich muß Ihnen doch gestehen, daß ich nicht glauben kann, Sie würden jemals dahin gelangen, Tschetschwajo zu bekehren. Dieser König behauptet seine Herrschaft nur durch blutige Gewalt. Er hat alle die kleinen Könige, welche ehemals in seinem jetzigen Reiche herrschten, im Kriege unterworfen, und er hält sie nur durch Furcht im Zaum. Wollte er aufhören, sie zu bedrücken und jede Unzufriedenheit durch Hinrichtungen zu ersticken, so würden sie sich empören. Denn sie würden einen friedliebenden Herrscher verachten. Ich habe über diese Verhältnisse in England Leute reden hören, die mit der afrikanischen Politik genau vertraut sind. Und ich will Ihnen noch etwas sagen, indem ich für Ihr Wohl besorgt bin: Bleiben Sie nicht zu lange hier, sondern wenden Sie Ihren Einfluß beim Könige zu dem Zwecke auf, daß er Sie entläßt. Sie sind hier nicht sicher. Die Regierung des Kaplandes ist entschlossen, mit den Zulus aufzuräumen. Nachdem wir das Transvaalland für britischen Besitz erklärt haben, fühlen wir uns verpflichtet, für dessen Sicherheit zu sorgen. Es darf den Überfällen der wilden Zulus nicht länger ausgesetzt bleiben. Die Buern sind nicht fähig, sich selbst zu beschützen. Die Regierung Ihrer Majestät ist entschlossen, Tschetschwajo zu vernichten. Schon sind zahlreiche Truppen gelandet, es werden noch mehr nachfolgen, und Ende dieses Jahres oder spätestens zu Anfang des nächsten, werden unsere Truppen von mehreren Seiten aus in dies Land einmarschieren und mit der Zulumacht ein Ende machen. Dann aber sind die Weißen gefährdet, welche hier leben. Der erbitterte König oder auch seine Krieger werden sich für den Angriff an den Weißen rächen wollen, welche in ihren Händen sind. Suchen Sie also bald von hier fortzukommen, mein hochverehrter Freund!«
»Ich danke Ihnen für diese Mitteilung, Mylord,« sagte der Missionar. »Aber ich rate Ihnen doch, bei Ihrer Rückkehr dem Gouverneur Aufschluß über manches zu geben, was er nicht zu wissen scheint. Mich dünkt, die Engländer unterschätzen die Macht Tschetschwajos und auch die Stärke der Buern. Ich bin der Überzeugung, daß starke Truppenmassen nötig sind, um die Zulus zu besiegen. Was aber die Buern betrifft, so kennen die Engländer deren Macht gar nicht. Die Buern sind sehr wohl imstande, sich der Zulus zu erwehren, und ich halte es nicht für recht, daß England das Transvaalland annektiert hat.«
»Wenn ich nach der Tüchtigkeit dieses Buernknaben, des Pieter Maritz, urteilen soll, so sind die Buern allerdings als Krieger sehr hoch zu achten,« sagte der Lord. »Dieser Junge reitet und schießt wie ein junger Gott und hat ein Herz von Gold. Aber die Buern werden wohl nicht alle so sein. England hat eine große Mission in der Welt, und Transvaal sollte sich glücklich schätzen, unter der Königin Schutze zu stehen.«
»Ich wünschte doch sehr, Mylord, Sie wendeten Ihren Einfluß für den Frieden nach jeder Richtung hin auf,« erwiderte der Missionar. »Greifen Sie die Zulus nicht an! Überlassen Sie es dem Christentum, diese wilde Macht zu brechen!«
»Meiner Treu, was ich dazu thun kann, soll geschehen!« sagte der Lord. »Aber wer bin ich? Der Gouverneur wird sich um meinen Rat nicht bekümmern. Ich bin Soldat und habe nur zu gehorchen. Glauben Sie mir: Tschetschwajo ist verloren.«