das warme Fußbad (mit Asche und Salz),

die Überlegung eines Schals,

der Fußdampf,

der Kopfdampf mit kaltem Abguß und wieder

der Schal.

Diese Anwendungen, täglich eine derselben, heilen den stärksten Kopfrheumatismus, der gewöhnlich durch Zugluft, Verkühlung und sehr oft durch zu raschen Wechsel von Hitze und Kälte entsteht.

Kein Rheumatismus darf vernachlässigt werden, ein jeder könnte der Anfang zu vielen und schweren Krankheiten sein: zu Krankheiten der Lungen, der Augen, Ohren etc., zu Entzündungen, Blutvergiftung, zu Geschwüren usw.

Ein Student, der ziemlich viel getrunken hatte und in diesem Zustande in die kalte Luft gekommen war, bekam plötzlich Rheumatismus auf der Brust. Er meinte, seiner Jugend und seiner Tapferkeit könne so etwas nicht schaden; die „leidige Geschichte“ werde sich von selbst wieder verlieren. Aber es wurde für die Eltern und deren Angehörige eine leidvolle Geschichte. Es entstand trockener Husten, der schnell einen bösartigen Charakter annahm. Nach zwei Monaten war das blühende und hoffnungsvolle Leben ausgelöscht. Hätte der junge Mann nur täglich vier- bis fünfmal Brust und Unterleib mit kaltem Wasser kräftig abgewaschen, in 1–2 Tagen wäre die Brust frei und der Arme außer aller Gefahr gewesen.

Anna Maria, die viel und streng arbeiten mußte, erhielt rings um das Knie herum eine Geschwulst. Sie beachtete dieselbe mehrere Wochen gar nicht und machte später, als sie heftig schmerzte, in ihrem Unverstande dichte kalte Umschläge. Das Knie wurde nicht besser, sondern schlimmer, und sie befragte einen Arzt. Dieser gab eine Salbe zum Einreiben, die indessen ohne Wirkung blieb. Zu allem Unglück bog sich der Fuß unter dem Knie am Schienbein abwärts. Um die Steifheit zu verhindern, verordnete der Arzt, während 14 Tagen jeden Tag den Fuß mit Schweinefett kräftig einzureiben, später mit Karbolsäure zu waschen. Das Knie wurde immer schlimmer. Zuletzt wandte er einen Gipsverband an und verhieß der Kranken, nach dessen Wegnahme könne sie sicherlich gehen. Nach neun Wochen wurde der Gipsverband weggenommen; aber die arme Magd konnte auf dem Fuße weder stehen noch gehen. Dieser elende Zustand währte fort bis vor wenigen Wochen.

Derlei Verhärtungen an und um die Knochen können nur aufgelöst werden durch längere Zeit fortgesetzte Überschläge mit geschwellten Heublumen, die stets ganz warm aufgelegt werden. Ist die Auflösung geschehen, so wird das Blut auch wieder nach diesen Teilen dringen, dieselben nähren, und die Kraft wird wiederkehren.

Nach achttägiger Anwendung besagten Umschlages konnte die Kranke bereits auf dem Fuße stehen. In 8 bis 10 Wochen konnte sie auch wieder gehen.

Ein Herr von Stand kommt und erzählt: „Ich bin vom Kopf bis zum Fuß voll von Rheumatismen und Krämpfen, habe beständig Katarrh, bald schwächer, bald stärker, ich mag im Zimmer oder im Freien sein; ich weiß mir nicht zu helfen. Ich bin meistens fast ohne Schlaf, ohne Appetit, und wenn ich nicht besser werde, muß ich in Kürze mein ganzes Berufsleben einstellen. Ich trage schon lange ein Jägerhemd und ein Jäger-Unterbeinkleid. Über dieses Jägerhemd trage ich ein zweites Hemd von Wollbarchent, dem stärksten Stoff, den ich bekommen konnte. So trage ich auch noch eine zweite Jäger-Unterhose vom stärksten Wollstoff, dann ein Gilet von Tuch mit dickwollenem Unterfutter, auch eine Buckskinhose, endlich einen Rock und einen Überwurf. Mein ganzer Körper ist vorherrschend kalt und wie mit Teer von übelriechendem Schweiß bedeckt. Es kann kaum noch ein unglücklicheres Geschöpf geben, als ich bin.“ Nun zur Wasserkur!

Zuerst wurde ein Oberguß genommen und die schmierige Haut abgewaschen, ebenso ein Knieguß mit Waschungen. So wurde drei Tage täglich zweimal diese Anwendung vorgenommen. Am dritten Tage wurde das Jägerhemd und die Jägerhose entfernt und gleich darauf ein Halbbad und eine Stunde später ein Oberguß genommen. Am fünften Tage wurde die Doppelunterhose ausgetauscht mit einer leinenen. Am siebenten Tag wurde das Hemd mit einem leinenen ausgewechselt, und so wurde auch das mit Ärmeln versehene Gilet entfernt; dann wurden täglich zweimal Oberguß und Unterguß im Wechsel mit Halbbädern genommen. Nach 14 Tagen war der ganze Organismus von jedem Rheumatismus und Krampf frei; die Haut transpirierte wie bei einem Gesunden, Schlaf und Appetit stellten sich vortrefflich ein, und der gute Herr freute sich, wieder neu hergestellt, am Schluß der Ferien seine Berufstätigkeit wieder aufnehmen zu können. Über das Ganze äußerte er sich mit folgenden Worten: „Hätte ich mein kleines Übel, meinem eigenen Urteil folgend, so verschlimmert, könnte ich mir nur gram sein. Doch ich tat nichts ohne Anleitung der berühmtesten Ärzte.“

„Mein ganzer Oberkörper,“ berichtet jemand, „ist voll Rheumatismus; an der rechten Seite im Oberkörper bin ich gar nie ohne große Schmerzen, und läßt der Schmerz etwas nach, dann kommt er auf eine oder auf beide Schultern. Ich werde dann so steif, daß ich die Schultern nicht mehr zu rühren vermag; kommt aber der ganze Schmerz auf den Magen, dann ist es, wie wenn sich alles umdrehe; ich kann dann auch gar nichts essen. Am allerärgsten aber ist der Schmerz am Hinterteil des Kopfes, besonders auf der linken Seite. Die Füße werden mir gar nicht mehr warm. So ist mein Leben recht elend, und ich kann meinem Berufe gar nicht nachkommen. Für das, was ich verbraucht habe an ärztlichen Mitteln und sonstigen Medikamenten, habe ich eine große Summe aufgewendet; geholfen hat mir gar nichts. Seit mehr als einem Jahr trage ich auf Befehl eines Arztes Wollhemden, bin aber dadurch noch viel empfindlicher geworden.“

Die Anwendungen waren: 1) In der Woche dreimal ein grobes Hemd anziehen, 1½ Stunden lang, in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden. 2) Zweimal in der Woche ein Wickel von unter den Armen an bis ganz hinunter, das Tuch ebenfalls in warmes Heublumenwasser getaucht. 3) In der Woche zweimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen mit kaltem Wasser und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett. So 14 Tage lang, dann als weitere Anwendungen: 1) Täglich ein Oberguß und Knieguß. 2) Täglich Wassergehen, 2–4 Minuten lang, dann Bewegung. 3) Zweimal in der Woche ganz waschen.

Nach 4 Wochen war der Patient von seinem Leiden frei und nimmt jetzt noch in der Woche zwei Halbbäder.

Ein Vorstand einer öffentlichen Lehranstalt erzählt:

„Ich leide fast Unsägliches an meinen Armen, Schultern und Füßen; bald bin ich wie in Rheumatismus gewickelt, bald sind wieder einzelne Stellen um so empfindlicher, wenn der Schmerz von anderen gewichen ist. Atemnot besteht fast fortwährend, oft so stark, daß ich fürchte zu ersticken; zudem leide ich auch an Kongestionen und habe so selten eine frohe Stunde.

Ich wurde magnetisiert, elektrisiert und gebrauchte vieles andere — ohne Erfolg. — Die Wasserkur hat mir in 10 Tagen allen Schmerz genommen, und von meinem Leiden fühle ich nur noch unbedeutende Spuren. Ich habe die Überzeugung, eine Fortsetzung von leichteren Anwendungen wird mir auch den letzten Rest nehmen.“

So der Kranke.

Die Anwendungen waren: Täglich ein Oberguß und zwei Schenkelgüsse, am zweiten Tag der spanische Mantel; vom vierten Tag an ein Halbbad täglich statt Oberguß und einmal wöchentlich Kopfdampf.

Ein Mann, 46 Jahre alt, erzählt: „Irgendwo habe ich immer Schmerzen, entweder auf der rechten Seite oder oben auf der Schulter; es bleibt der Schmerz nie lange an einer Stelle; kommt aber das Leiden in den Kopf, dann bin ich voll Schwindel; aus dem rechten Auge läuft viel Wasser heraus; fährt mir aber der Schmerz in den Fuß hinunter, dann wird dieser ganz steif; kommt er mir auf die Brust, dann weiß ich kaum mehr zu atmen. So leide ich schon Jahre hindurch und habe, wenn auch nur auf kurze Zeit Erleichterung, doch nie Hilfe gefunden.“

Dieser Kranke wurde in fünf Wochen geheilt durch folgende Anwendungen:

1. In der Woche dreimal einen kurzen Wickel, 1½ Stunden lang;

2. viermal in der Woche ganz waschen vom Bett aus;

3. zweimal den Oberguß; so 14 Tage lang. Dann:

1. einmal den kurzen Wickel,

2. zweimal die Ganzwaschung,

3. jeden Tag Oberguß und Knieguß.

So geheilt nahm der Patient als zeitweilige Fortsetzung der Kur, sowie zur Erhaltung seiner Gesundheit jede Woche ein Halbbad und zweimal Oberguß und Knieguß.

Rotlauf (Gesichtsrose)

ist ein giftiger Krankheitsstoff, der sich zwischen Haut und Fleisch sammelt und lagert und an irgend einer Stelle einen Ausgang sucht. Er kann entstehen an einem Fuße, an einem Arme, am Kopfe oder an jeder anderen Stelle des Körpers. Wo er sich zeigt, tritt große Spannung ein, als ob die Haut zu eng sei, als ob sie auseinanderspringen möchte. Manchmal tritt er lange nicht auf die Oberfläche, und der davon Befallene leidet oft große Schmerzen. Beim Ausbruche zeigen sich zuerst einzelne Bläschen mit bräunlicher Flüssigkeit, nach und nach eine Unzahl derselben, kleinere und größere, die so giftig sind, daß sie ganze Teile der Haut auffressen. Der Rotlauf kann gefährlich werden und leicht den Tod bringen, wenn er nicht imstande ist, nach außen sich zu entfalten, wenn er im Inneren eine Blutvergiftung bewirkt, die sich rasch verbreitet, da nach der entzündeten Stelle viel Blut hinströmt. Gar oft kommt noch der Fall vor, daß der Rotlauf, wenn er sich nach außen entwickelt, von der ursprünglichen Stelle weicht und im Inneren an eine Stelle tritt. Derlei Fälle haben meistens einen tödlichen Ausgang.

Ich kannte einen Knecht; der bekam den Rotlauf am Arme. Er wollte dem Übel kein Gewicht beilegen; „das sei eine Weiberkrankheit“, meinte er. Der Rotlauf verschwand, faßte aber nach kurzer Zeit Posto im Gehirn, und in Bälde war der Kranke unterlegen.

Desgleichen ist mir ein Priester bekannt; diesem setzte sich der Rotlauf an einen Fuß. Wie er den leidenden Fuß gepflegt hat, weiß ich nicht. Der Rotlauf verschwand, und der Patient glaubte sich von dem Unhold befreit. Doch bald zeigte sich der unliebe Gast von neuem, jetzt am Oberarm. Wiederum verschwand er, aber nur, um sich zuletzt im Kopfe festzusetzen. Nach 4 Tagen war der Priester eine Leiche.

Jeder, der diese Krankheit aufmerksam beobachtet hat, wird von einer Reihe von Todesfällen erzählen können, die eintreten durch Vernachlässigung des Rotlaufs.

Bei der Heilung ist vor allem darauf zu achten und muß dem vorgebeugt werden, daß der Rotlauf nicht auf Wanderung gehe. An der Stelle, wo er zutage tritt, muß er so bald wie möglich geschwächt und der Giftstoff ausgeleitet werden. Auch die Zuströmung des Blutes soll man nach Möglichkeit verhindern, d. h. mindern.

Wer Rotlauf am Fuße hat, soll am besten einen kurzen Wickel nehmen. Dieser schneidet der Rotlaufstelle die Zufuhr ab. Nach dem kurzen Wickel kann er den Fuß oberhalb der Rotlaufstelle gegen den Körper zu umwinden (Fußwickel). Man kann aber auch den Rotlauf direkt angreifen. Dieses geschieht, indem man ein recht weiches, ausgenütztes linnenes Tuch in warmes Wasser taucht, damit die brandige Stelle überlegt und mit einem trockenen Tuche oder mit Wolle jenes nasse einhüllt. Dieses verteilt und leitet aus.

Bekommt jemand den Rotlauf am Arm, so kann er wieder zuerst durch einen kurzen Wickel die Strömung des Blutes von oben her ableiten. Dann soll er einen Schal umlegen und diesen öfters erneuern je nach der Stärke der Hitze. Auch gegen das direkte Einwirken auf die kranke Stelle läßt sich (wie oben beim Fußrotlauf) nichts einwenden.

Sollte der Rotlauf am Kopfe entstehen, so wird ein Oberaufschläger kräftig nach unten ableiten und ein Halswickel rasch den Rotlaufstoff vermindern. Sind diese Anwendungen ein paarmal vorausgegangen, so kann man direkt auf die Rotlaufstelle selbst einwirken, anfangs mit warmem und, wenn ein großer Teil des Krankheitsstoffes abgeleitet ist (was das Nachlassen der Röte und der Geschwulst angibt), auch mit kaltem Wasser. Die Anwendungen geschehen stets in Form von Linnen-Auflagen oder Wickeln, im letzteren Falle in Form des Kopfwickels.

Ein Geistlicher aus M. berichtet: „Vielleicht infolge einer Erkältung trat ein heftiger Rotlauf (Gesichtsrose) bei mir ein. Die Hitze des Körpers war groß, der Schweiß heftig, das Gesicht bedeutend geschwollen. Es wurde mir in diesem Zustande täglich vier- bis fünfmal die Brust, der Unterleib, der Rücken und die Arme, zuweilen auch die Beine, aber nicht das Gesicht mit kaltem Wasser abgewaschen und zwar in vollem Schweiß. Später waren die Waschungen weniger. Dies hatte den besten Erfolg zur Heilung der Krankheit und war zugleich sehr wohltuend. Nach 4 Tagen war das Fieber vorüber, und am neunten Tage konnte ich das Zimmer wieder verlassen. Da noch eine kurze Zeit hindurch nachts Schweiß sich einstellte, stand ich auf, wusch denselben mit kaltem Wasser am ganzen Körper ab, zog ein frisches Hemd an und legte mich wieder zu Bett. Ich habe bereits früher dieselbe Krankheit gehabt. Bei dem damaligen Heilverfahren dauerte es vier Wochen, bis ich wieder hergestellt war, jetzt durch Anwendung des Wassers nur neun Tage.“

Rückgrat.

Ein hochgestellter Offizier hatte sich beim Fahren einen Wirbel des Rückgrates eingedrückt und, wie die Ärzte behaupteten, das Rückenmark so verletzt, daß er meistens die gräßlichsten Schmerzen zu dulden hatte und sein Zustand nur zeitweise erträglich war. Das Leiden wirkte noch mehr auf das Gemüt, als es Schmerzen verursachte. Kein Arzt konnte ihm Hilfe bringen, obwohl er die ersten und berühmtesten Ärzte der Großstadt aufsuchte. Auf die Erklärung des berühmtesten Arztes der Gegend, daß da keine Heilung mehr eintreten könne, und daß mit der Zeit die Schwindsucht sich einstellen werde, suchte der Herr seine Hilfe beim Wasser. — In 6 Wochen war er hergestellt und erfreut sich heute noch guter Gesundheit, obgleich die Heilung bereits vor mehr als 25 Jahren stattgefunden hat. Auch das Gemütsleiden verschwand mit dem körperlichen Leiden vollständig.

Welche Anwendungen in unserem Falle vorgeschrieben waren, weiß ich genau nicht mehr zu sagen. Aber wenn du, lieber Leser, an genanntem Übel leiden solltest, so würde ich dir folgendes raten: Laß dir dreimal in der Woche den spanischen Mantel umlegen; nimm dreimal in der Woche ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers und zweimal einen Ober- und Unterguß! Dieses setze mehrere Wochen pünktlich fort! Der ganze Organismus muß sich kräftigen und erstarken, und die von der verletzten und kranken Stelle ausgegangenen Gebrechen werden eines nach dem andern schwinden. Auch der eingetriebene Wirbel wird Ruhe geben und verknöchern, wie wenn nach einem Beinbruch der wunde Teil vernarbt. Abermals wiederhole ich: Wenn ein Teil am Körper schwer leidend ist, so kränkelt der ganze Körper. Der ganze Organismus nimmt gleichsam teil an dem Schmerze des Gliedes oder Gliedchens. Wirf einen Stein ins Wasser, und die ganze Oberfläche des Baches oder Teiches wird bewegt und zeigt Wellenkreise. Der Stein ist der eingedrückte Wirbel. Die Schmerzenskreise durchziehen den ganzen Körper.

Dieses sind treffliche Winke für das Heilverfahren. Sonach muß man beim Heilen immer auf den ganzen Körper einwirken, damit er stark werde, und damit die gesunden Teile des Körpers die kranken und geschwächten unterstützen, gleichsam hegen und pflegen; die Organe stehen ja untereinander in innigstem Zusammenhange. Sie sind die nächsten Glieder einer Familie, die sich nur wohl befinden in einträchtigem, friedlichem Zusammenwirken.

Ruhr.

Die Ruhr ist eine Schwester der Cholera. Beide sehen einander überaus ähnlich. Diese Krankheit beginnt in der Regel mit gräßlichen Krämpfen im Unterleib und mit starkem Abweichen. Neben anderem geht viel Blut ab.

Am schnellsten heilt man die Ruhr, indem man ein doppelt gefaltetes Tuch in recht warmes Wasser mit Essig eintaucht und auf den Unterleib bindet. Ganz auffallend wirkt nach innen ein Gläschen Heidelbeergeist, den man sich selbst leicht machen kann, und der in keiner noch so kleinen Hausapotheke fehlen sollte. Zweimal im Tage kann man zwei Eßlöffel dieses Geistes in heißes Wasser gießen; der Labetrunk wird vortrefflich munden. Sollte der Zustand am zweiten Tage nicht wesentlich besser sein, so erneuert man die Auflage auf den Unterleib und nimmt nochmals eine Portion Heidelbeergeist.

Joseph krümmte sich im Bett wie ein Wurm. Manchmal drehten ihn die Krämpfe herum wie eine Kugel. Er schrie vor Schmerz. Im Stuhl war mehr als ein halbes Liter Blut. Zwei Löffel des oben erwähnten Heidelbeergeistes, am Morgen und am Nachmittag genommen, haben in kurzem alles wieder gut gemacht.

Anna, eine Frau von über 50 Jahren, jammerte in entsetzlichen Krämpfen. Abweichen mit viel Blut ließ sie befürchten, es sei die ausgebildete Cholera. Das Essigtuch am Leibe, der Heidelbeergeist nach innen haben die Kranke in einem Tage wieder hergestellt. Sollten keine Heidelbeeren zu finden sein, so tut Milch, mit Fenchel abgekocht, gleichfalls recht gute Dienste.

Säuferwahnsinn.

Ein Mann, 36 Jahre alt, hatte viel Bier getrunken, wenig gegessen und sich so ziemlich vom Bier genährt. Hatte er Bier im Leib, so fühlte er sich kräftig; war aber der Bierdampf verraucht, so jammerte er über Entkräftung.

Bei dem armen Manne war bereits der Säuferwahnsinn so stark entwickelt, daß selbst junge Leute merkten, er sei nicht mehr recht. Dabei klagte er besonders viel über rheumatische Schmerzen, Krämpfe und zeitweilige Kopfschmerzen. Ist die Trunksucht auch äußerst schwer heilbar, so hatte dieser Patient doch guten Willen und wollte auch mit allen Opfern von seinem Elende frei werden.

Innerhalb drei Wochen haben nachfolgende Anwendungen den Mann vollständig hergestellt. Jeden Tag bekam er zwei bis drei Anwendungen, und zwar der Reihe nach, wie sie hier folgen: 1. Tag: a) Oberguß und Knieguß, b) Wasserstehen, Wassergehen und die Arme ins Wasser, c) Rückenguß. 2. Tag, a) Halbbad, b) Oberguß mit Knieguß. 3. Tag: a) Sitzbad, b) Oberguß. 4. Tag: a) Halbbad, b) Vollbad. So wurde fortgefahren bis zur Heilung; alle krankhaften Zustände hörten auf, das Aussehen hat sich vollständig gebessert, guter Appetit sich eingestellt, und die Lust zum leidenschaftlichen Trinken hatte ganz nachgelassen. Besonders muß betont werden, daß während der Kur an den verschiedensten Stellen des Körpers Ausschläge mit Ausscheidung der giftigen Stoffe auftraten.

Scharlachfieber.

Der Scharlach tritt meistens ein- oder auch zweimal im Jahre auf und verlangt nicht selten zahlreiche Opfer. Gewöhnlich trifft er die Kinder, verschont aber auch die Erwachsenen nicht. Die Zeichen vor dem Eintreten sind Kopfweh, Drücken auf Magen und Brust, Müdigkeit, Wechsel von Hitze und Frost. So viele Kinder diese Krankheit wegrafft, so leicht ist mit Wasser zu helfen. Kinder sind meist schon in zwei Tagen vor Gefahr gesichert; bei Erwachsenen geht es etwas langsamer. Scharlach kann auf zweierlei Weise recht leicht geheilt werden. Sind bei einem Kinde, gleichviel ob es noch auf den Armen getragen wird oder schon in die Schule geht, alle Zeichen dieser Krankheit vorhanden, so tauche man ein Hemd in heißes Wasser, in das man etwas Salz geworfen, winde es aus, so daß es nicht mehr träufelt, und ziehe es dem Kinde, das im Bette liegt, an. Dann wickle man es gut in eine Decke ein, so daß jeder Luftzutritt verhindert ist, und lasse es so eingehüllt eine Stunde liegen. Dann ziehe man das Hemd aus, und der ganze Körper des Kindes wird übersät sein mit dem Scharlachausschlage. Sollte die Hitze übergroß werden, so wasche man das Kind ganz, aber schnell ab und lege es wieder ins Bett. In schwierigen Fällen, in denen die Hitze sich steigert und es dem Kranken bange wird, kann in einem Tage das Hemd zwei- bis dreimal, seltener auch viermal angelegt werden müssen. Es kommt lediglich auf die Hitze und Stärke des Fiebers an. Nimmt die Hitze und das Fieber ab, so kann der Zwischenraum zwischen den Neueintauchungen des Hemdes verlängert werden. Man merke sich nur, daß bei diesen späteren Anwendungen stets kaltes Wasser (mit Essig) gebraucht wird. Zudem sei man recht sorgsam bei der Umhüllung und dem Zudecken, — gut, aber nie übermäßig. Nach Entfernung des nassen Hemdes bekleide man das kranke Kind mit einem sauberen Hemdchen. Bei solcher Behandlung wird in vier, höchstens in sechs Tagen der Scharlach völlig geheilt sein.

Eine Bemerkung sei hier beigefügt. Selten ist Appetit vorhanden. Dränge man dem Kinde ja keine Nahrung auf! (Wie der Ausschlag nach außen dringt, so ist er auch im Innern.) Der Durst ist gewöhnlich stark. Das Wasser bleibt das beste Linderungsmittel. Etwas Zucker, auch ein wenig Wein (roter oder weißer) kann gut beigemischt werden. Landkinder trinken am liebsten Milch. Als Grundsatz gilt: wenig trinken, aber öfter. Ich glaube nicht, daß ein Kind, das so behandelt wird, stirbt.

Ludwig, ein Knabe von 10 Jahren, kann vor Hitze kaum mehr reden. Das Gesicht ist gerötet, und er klagt, alles tue ihm weh. Ludwig wird, weil die Hitze stark und die Bangigkeit groß ist, jede Stunde gewaschen, und dieses zwei Tage lang. Am dritten Tage fängt der Knabe schon an zu essen. Das Waschen geschieht nur noch zweimal während des Tages. Am fünften Tage fühlt sich Ludwig wohl; am sechsten geht er im Zimmer umher, und bald spielt er wieder im Freien mit anderen Kindern.

Maria, 20 Jahre alt, kann nicht mehr gehen, hat heftigen Kopfschmerz, fühlt sich wie zerschlagen in allen Gliedern; dazu hustet sie immer ganz trocken, und es drückt sie schrecklich auf der Brust. Sie weiß vor Bangen nicht, was tun, kann keinen Augenblick aus dem Bette sein. Ekel quält sie vor jedem Essen, aber sie kann nicht genug trinken. Maria wird in einem hohen Grade das Scharlachfieber bekommen. Was tun? Alle Stunden soll ihr der Rücken kräftig mit kaltem Wasser, in das etwas Salz gemischt wurde, gewaschen werden, ebenso die Brust und der Unterleib. Ist sie auf diese Weise gewaschen, was aber so schnell als möglich geschehen soll, dann decke man sie ordentlich zu, aber ja nicht zu stark.

Zwei Tage hindurch wurde die Kranke derart gewaschen. Gegessen hat sie gar nicht, um so fleißiger getrunken. Der Hals brennt fort und fort schrecklich. Fleckenweise steht der Scharlach ab (verschwindet, Häute und Krusten bildend). Der Durst läßt etwas nach. Noch 2–4 Tage lang soll die Kranke täglich zwei- und, wenn die Hitze noch nicht nachgelassen hat, dreimal gewaschen werden.

Nach weiteren 3 Tagen war Maria vom Scharlach befreit.

Johann, ein Knabe von 13 Jahren, hat seit einigen Tagen kein Leben und keine Liebe mehr zur Arbeit, die sonstige Fröhlichkeit ist geschwunden. Da fängt auf einmal der ganze Leib an zu schwellen; Kopf und Füße werden dick, den Unterleib bläht es in ganz unheimlicher Weise auf. Das Kind bekommt die Wassersucht. Woher das? Johann ist vor kaum sechs Wochen vom Scharlach aufgestanden, und dieser war nicht zur rechten Entwicklung gekommen.

Der Kranke hat sechsmal innerhalb 8 Tagen ein Hemd, das in warmes Salzwasser eingetaucht wurde, angezogen und sich jedesmal gut in eine wollene Decke einwickeln lassen. Nach 10 Tagen war er wieder munter, frisch und gesund. Bei dieser Gelegenheit sei gesagt: Wenn der Scharlach nicht ganz ausheilt und kranker Stoff im Körper zurückbleibt, so tritt gern die Wassersucht ein. Auf die angegebene Weise ist sie aber auch jedesmal zu heilen.

Kreszentia, eine Frau von 65 Jahren, liegt bereits zwei Tage zu Bett. Sie klagt über gewaltiges Stechen auf dem Rücken, über Brennen und Stechen auf der Brust. Weil sie so schrecklich gefroren habe, sagt sie, habe sie sich ins Bett gelegt und fühle sich jetzt ganz heiß. Essen kann sie nichts. Durst leidet sie viel. „Waschet,“ so lautete mein Rezept an den Fragesteller, „der Kranken einen Tag lang alle Stunden den Rücken mit kaltem Wasser; Brust und Unterleib kann sie selbst jede Stunde waschen. Am zweiten Tag braucht sie dieses nur noch viermal zu tun, am dritten Tag werden zwei Waschungen genügen.“ Die Kranke befolgte meine Weisung. Am vierten Tage war die Frau bedeutend besser und, nachdem sie innerhalb dreier weiterer Tage noch ein paarmal die Prozedur wiederholt hatte, gesund wie früher. Getrunken hat sie Wasser und geronnene Milch, gegessen sehr wenig.

Ein Mädchen, ungefähr 24 Jahre alt, bisher recht gesund, frisch und ziemlich stark, bekommt einen Ausschlag, den Scharlach. Der Ausschlag steigerte sich innerhalb 8 Tagen in einer Weise, wie nur wenige Fälle werden aufgewiesen werden können. Die Kranke verlangte als Heilmittel sofort das Wasser, auf das sie alles Vertrauen setzte, hauptsächlich weil ihre Schwester durch Wasser von einer bedenklichen Krankheit geheilt worden war. Der Hilfesuchenden wurde geraten, Rücken, Brust, Unterleib, sodann Arme und Beine (Füße) allstündlich entweder selbst sich zu waschen oder waschen zu lassen. Der Zwischenraum von einer Stunde war ihr zu groß. Die Hitze steigerte sich dermaßen, daß mehr als fünf Tage lang nie über eine halbe Stunde das Waschen ausgesetzt werden durfte. Gegessen hat das Mädchen fast gar nichts, getrunken nur wenig in kleinen Portionen. Erst nach 10 Tagen, bei dem gewissenhaftesten Gebrauche des Wassers brach die Hitze; der Ausschlag ließ fleckenweise ganz nach, bis er am 14ten Tage gänzlich entfernt und das Mädchen vollständig gesund war.

Ich frage: Wie wäre es dem armen Wesen ergangen, wenn bei solcher Glühhitze, bei einer derartigen förmlichen Feuersbrunst im Körper nichts angewendet worden wäre als löffelweise kleine Gaben nach innen zur Kühlung? Jeder gebe sich die Antwort selbst und erwäge noch, daß bei solchem Fieber der innere Organismus ganz und gar untätig ist! Von dieser Heilung eines der höchsten Grade von Scharlach kann man schließen auf geringere Grade desselben. Das Wasser, richtig angewendet, hilft sicher und leicht.

Schlaflosigkeit.

Ein Pfarrer litt seit 9 Wochen an Schlaflosigkeit. Seine Kräfte nahmen täglich ab, und der Geist wurde zur Denkarbeit mehr und mehr unfähig. Gedrücktheit, Müdigkeit, Mutlosigkeit traten an Stelle des früheren Fleißes und der gewohnten Berufsfreudigkeit.

Große Anstrengung und widrige Verdrießlichkeiten hatten den guten Herrn in heftige Aufregung, das Gemüt in große Bitterkeit versetzt. So etwas rächt sich immer. Der Arme befand sich beständig wie in einem hitzigen Fieber. Das gehetzte Blut wollte wie ein verfolgtes Reh in wilder Flucht davonrennen. Man brachte dasselbe zur vollen Ruhe durch den Kopfdampf, den spanischen Mantel, den Oberguß mit dem Knieguß, den Fußdampf, den kurzen Wickel, den Ober- und Unteraufschläger, welche Übungen man 12 Tage hindurch in täglich zwei, öfters drei Anwendungen wirken ließ. Schon am dritten Tage schlief der Herr drei Stunden. Heute noch lebt er unter uns als einer der Gesündesten.

Die Schlaflosigkeit, diese aufsässige Verfolgerin vieler, kann in mancherlei Ursachen ihren Grund haben: in Störungen des Blutumlaufes, in unterdrückter oder mangelhafter Transpiration, in Gasen, welche Magen und Unterleib quälen, usw.

Sie belästigt mit Vorzug solche Menschen, welche oft den lieben langen Tag mit angestrengter Kopfarbeit zubringen und hierin des Guten zu viel tun.

Die zuerst angeführten Ursachen sind an anderer Stelle zur Genüge behandelt worden.

Ob wohl auch für die letzteren, die Kopfarbeiter, ein Kräutchen wächst oder ein Wässerchen fließt, das als Schlaftrunk dienen kann?

Ich kenne einen vornehmen Herrn, dessen Körper wenig, dessen Geist sehr viel Arbeit tut. Am liebsten hätte er gar keinen Magen und keinen Leib und keine Füße. Solchen Herren ist oft der Kopf nicht gut, nicht leicht zurechtzusetzen. In unserem Falle ging es. Der Mann gönnte dem armen Genossen der Seele, dem verkümmerten Leibe, wenigstens einige Brosamen. Er machte es sich zur Gewohnheit, wöchentlich ein- bis zweimal den spanischen Mantel anzuziehen. Die Schlaflosigkeit ließ bald nach, auch all die kleinen Übel, gleichsam die Störenfriede, die sie verursacht hatten.

Ein anderer Herr ließ jeden Abend in sein Schlafzimmer ein Gefäß mit frischem Wasser bringen. Dieses stellte er auf einen Stuhl neben das Bett. Kam in einer halben Stunde oder in einer Stunde der ersehnte Freund noch nicht, dann wusch er sich den ganzen Körper und stieg, ohne je sich abzutrocknen, wieder ins Bett. Er nickte ein. Die nächste Stunde fand ihn vielleicht wieder wach. Sofort griff er neuerdings zum Wasser und dieses ein drittes Mal, wenn er zu frühe aufwachte. Ich habe den Herrn später über Schlaflosigkeit nie mehr klagen hören.

Kinder können oft nur mit großer Mühe in Schlaf gebracht werden und erwachen bald wieder. Man hat ihnen zu viel Nahrung gegeben; der kleine Körper seufzt unter der Last, und die Blähungen lassen mit dem Leibe auch das Köpflein nicht zur Ruhe kommen. Man nehme ein kleines Handtuch und lege es naß in Form eines kurzen Wickels um. Das Kleine wird bald schlummern.

Landleute hört man oft sagen: ein warmes Fußbad schließt die Augen, wenn Anstrengung und Müdigkeit nicht einschlafen lassen. Bei geistiger Ermüdung wird jenes kaum ausreichen.

Wer von letzterer betroffen ist, ebenso allen jenen, welche wegen Hämorrhoiden, eingebannten Gasen und anderen Unterleibsbeschwerden nicht zum Schlafe kommen, rate ich kalte Sitzbäder, 1–2 in einer Nacht, von je 1–2 Minuten Dauer.

Eine letzte Ursache der Schlaflosigkeit kann sein die ungleiche Erwärmung des Körpers, rühre dieselbe von was immer her. Im Kopf und auf der Brust hat man zu viel Blut, deshalb Hitze, in den Extremitäten zu wenig, deshalb Blutarmut und kalte Hände und Füße. Wie diesem Übelstande abzuhelfen sei, wurde schon an verschiedenen Stellen gesagt.

Niemandem rate ich, zu künstlichen, betäubenden Schlafmitteln zu greifen. Sie gelten mir, um es mit einem Worte zu sagen, als unnatürlich, und was unnatürlich ist, kann der Natur niemals förderlich sein.

Schlaganfälle.

Paulus hat der Schlag gerührt. Die rechte Seite ist zur Hälfte gelähmt, der Mund schrecklich verzogen, das rechte Auge eingefallen, der Augendeckel gelähmt, mit der gebrochenen Sprache auch aller Mut gebrochen. Der rasch gerufene Arzt erklärte, es lasse sich vorläufig nichts machen, man müsse abwarten, ob nicht ein zweiter Schlag folge; indessen könne der Kranke täglich etwas Bitterwasser trinken. Mit dieser Antwort gab sich der Patient nicht zufrieden; sofort machte er Versuche mit dem Wasser, und in 12 Tagen war er wieder hergestellt. Dieses geschah vor 13 Jahren, und der rüstige, wenn auch ältere Herr hielt noch manches Jahr seine Vorlesungen.

Wie kam die Heilung zustande? Wird das in Eintracht zusammenwirkende Räderwerk einer Uhr durch was immer, durch Fall, Schlag oder Stoß verschoben und in seiner Ordnung gestört, so tritt ein Stillstand ein. Alle Rädchen bis zum kleinsten mögen unverletzt sein; aber es ist vielleicht etwas dazwischen gekommen, oder sie spannen und drücken sich gegenseitig, und so kann es nun einmal nicht weitergehen. Man muß sie neu zurechtrichten oder den Störenfried herausnehmen, dann werden alle Teile in gewohnter Untertänigkeit dem Ganzen dienen. Geradeso kann es gehen mit dem lebendigen Uhrwerk des menschlichen Körpers. Ein innerer Störenfried, vielleicht eine jener Anstauungen, wie sie im Alter, in welchem die Räder, d. i. die Organe, ohnedies fast von selbst aus den Fugen gehen wollen, so leicht vorkommen, hat den Mund, das Auge, die Zunge usw., diese feinen Rädchen, zwar nicht verletzt, aber aus ihrem ordentlichen und angewiesenen Platze weggetrieben. Entferne den Friedensstörer, und alles wird wieder in Ordnung und Frieden kommen. Ich will mithelfen.

Ein Kopfdampf mit folgendem Guß wird in den oberen Partien des Körpers auflösend wirken, ein Fußdampf in den unteren Partien. Der Kranke nehme alsdann ein warmes Bad im Wechsel mit kaltem Bade oder kalter Abwaschung. Auch diese Anwendung wird lösend wirken und den Blutandrang zum Gehirn vermindern. Sind so die Anstauungen gehoben und der Blutlauf geordnet, dann öle man die ganze Maschine durch eine kräftige, nahrhafte Kost — ja nie zu viel auf einmal —, vermeide aber sorgfältig alles Reizende, wie starke Weine, Spirituosen, Gewürze usw. Auch alle geistigen Reizmittel (Anstrengungen, Aufregungen) sollen weislich vermieden werden.

Ein Pfarrer wurde vom Schlage getroffen. Eine Hand, ein Fuß, die eine Seite waren total gelähmt, die Sprache und alle Besinnung geschwunden. Mehrere Tage hindurch wurden ärztliche Mittel angewendet ohne Erfolg. Der Arzt erklärte zuletzt, die eine Seite sei lahm und bleibe lahm, die andere Seite werde durch einen zweiten Schlag auch gelähmt werden und damit das Leben zu Ende sein. Ein Versuch mit Wasser, dachte ich, kann also auf keinen Fall etwas schaden. Gedacht, getan! Der kalte Fuß und der kalte Arm wurden kräftig mit kaltem Wasser gewaschen; zwei warme Fußbäder mit kräftigen Waschungen der Füße und vier Waschungen des Oberkörpers waren die Anwendungen des zweiten Tages. Am dritten Tage schon konnte man bemerken, daß in beiden gelähmten Gliedern noch Gefühl und Leben sei. Das gab Mut. Dem unbehilflichen Körper legten wir am vierten Tage mit Mühe einen Unterwickel um auf eine Stunde und stellten die halbtoten Füße zweimal in ein warmes Fußbad mit Asche und Salz. So ging es 14 Tage fort. Nach 14 Tagen unterstützte uns der Kranke durch die wieder brauchbare gesunde Hand und den gesunden Fuß, und mit Freude zeigte er, wie er auch die gelähmte Hand schon etwas in die Höhe zu heben imstande war. Es folgten nun Ganzwaschungen im Wechsel mit Kopf- und Fußdampf, wöchentlich je einer der Dämpfe, und täglich eine Waschung des Ober- und Unterkörpers. So drei Wochen. Neue Kraft erfüllte den niedergeschmetterten Lebensbaum, der Appetit wuchs. Warmbäder im Wechsel mit kalten, in der Woche eins, wöchentlich ein Kopfdampf, ein Fußdampf und drei Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers (eine Minute lang) füllten die folgenden drei Wochen aus. Den Schluß des Heilverfahrens bildeten Ober- und Untergüsse im Wechsel mit dem spanischen Mantel. Freilich war’s eine langwierige, schwere und recht anstrengende Arbeit; aber der Herr erholte sich insoweit, daß er täglich die heilige Messe lesen, die Kranken besuchen, Ämter halten, alle Schreibereien besorgen konnte. Das Einzige, was ihm nie wieder gegeben wurde, war das Predigen. Die Zunge hatte zu stark gelitten und konnte manche Worte nur mehr recht schwer aussprechen.

Ein Mann, 45 Jahre alt, wurde plötzlich vom Schlage getroffen. Die rechte Hand und der rechte Fuß waren ganz lahm und ohne alles Gefühl; der Appetit fehlte gänzlich. Dem Kranken wurden täglich der Oberkörper und die Füße mit halb Wasser und halb Essig ganz warm gewaschen. Dreimal täglich nahm der Kranke 30 Tropfen von Wermut, Salbei und Bitterklee. Nach 14 Tagen hatten Hand und Fuß wieder die gehörige Wärme und das rechte Gefühl; auch war der Mann wieder imstande, im Zimmer zu gehen. Der Appetit nahm zu, die gelähmte Seite bekam wieder nach und nach Kräfte, und nach einigen Tagen war der Körper wieder in Ordnung. Bemerkt sei hier, daß dieser Kranke viel Schnaps getrunken hatte und daher sein Übel gekommen war. Zur vollständigen Heilung und Kräftigung gehören noch 8–10 Bäder von gesottenem Haberstroh oder auch von gesottenen Fichtenreisern. Die Wärme betrage 30° R. 10–15 Minuten lang; darauf folge eine kräftige kalte Abwaschung oder kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers.

Eine allgemeine Bemerkung könnte vielleicht manchem einmal dienen. Wird jemand vom Schlage gerührt, ist teilweise Lähmung eingetreten, so nehme man ungesäumt und zuerst kräftige kalte Waschungen vor auf Rücken, Brust und Unterleib, täglich zwei-, drei- bis viermal. In das Wasser kann etwas Salz oder Essig gemischt werden. — Ebenso wasche man die Füße und Arme, damit das Blut allseitig und gleichmäßig sich verteile, die Körperwärme eine allgemeine werde. Sämtliche Waschungen (ich kann dieses nicht streng genug einschärfen) geschehen so schnell wie möglich; keine dauere über eine Minute.

Ist die Lähmung nur eine kleine, und vermag der Kranke zu sitzen, so ist ein Kopfdampf von 20 Minuten mit nachfolgender kräftiger Abwaschung des Oberkörpers die erste, trefflichste Anwendung. Nach ungefähr 4–6 Stunden geschehe die zweite: Fußdampf, gleichfalls von 20 Minuten mit folgender Abwaschung oder Unterguß. Diesen können sodann die oben angegebenen Waschungen folgen.

Man hüte sich besonders anfangs vor ganzen Wickeln; die Naturwärme ist zu schwach und kann nicht ersetzt werden. Mir ist ein Fall bekannt, in welchem ein Arzt den Kranken durch Einwickelungen retten und heilen wollte. Der erste Wickel tat gut. Beim zweiten Wickel blieb der Kranke kalt, und der ganze Körper wurde blau. Nur durch Wärmezufuhr konnte er wiederum zurechtgebracht werden.

Ein Mann wird vom Schlage getroffen. Eine Seite ist ganz gelähmt, ebenso die Zunge. Derselbe ist im bewußtlosen Zustande. So blieb er 10 Tage — behandelt von einem Arzt; der erklärte, es lasse sich nichts mehr machen, ein zweiter Schlaganfall werde nicht mehr lange ausbleiben. — Auf dringendes Bitten machte ich den Versuch und ließ allererst einen Kopfdampf anwenden. Der Kranke lag im Bett; auf einem Schemel wurde ein mit strudelndem Wasser (ein paar Hände voll Heublumen daran) halb gefülltes Gefäß aufgestellt, der Oberkörper an den Rand des Bettes gebracht und mit einer Decke zugedeckt, so daß der Dampf unter der Decke auf den Oberkörper und Kopf drang. Der Kranke kam in 10 Minuten in Schweiß und schwitzte so ungefähr 15–20 Minuten am ganzen oberen Körper, daß das Wasser tropfenweise hinunterlief. Gleich darauf wurde der Oberkörper und Kopf mit frischem Wasser und Essig daran kräftig gewaschen und der Patient zum Ruhen ins Bett hineingebracht. Am selben Tage wurde die Waschung ohne Dampf nochmals vorgenommen. Am zweiten Tage wurde ein Fußdampf angewendet (25 Minuten lang) im bewußtlosen Zustande. Der ganze Körper kam in den größten Schweiß und wurde daraufhin wieder gewaschen. Am dritten Tag folgte Kopfdampf, am vierten Fußdampf; am fünften Tage kam wieder Bewußtsein und Leben in die Seite, der gelähmte Arm und Fuß konnte wieder bewegt werden. An den nächsten drei Tagen wurde er täglich zweimal mit Wasser und Essig gewaschen am ganzen Körper. Jetzt kehrte auch die Sprache teilweise zurück; bis zur vollkommenen Wiedererlangung derselben gingen drei Wochen vorbei. Von da an wurden dreierlei Anwendungen vorgenommen: a) Ganzwaschungen, b) Ober- und c) Unteraufschläger abwechselnd vormittags und nachmittags. In wenigen Tagen hatte sich der Kranke so erholt, daß jeden Morgen ein Knieguß und nachmittags ein Oberguß vorgenommen werden konnte. Neben diesen Anwendungen wurde gewechselt mit einer Ganzwaschung. Als der Kranke zum Gehen gekommen, wurden Halbbäder und Oberguß mit Knieguß — im Wechsel jeden halben Tag — genommen.

Die Heilung war so glücklich, daß der Herr jetzt volle 17 Jahre seit dem erlittenen Schlaganfalle noch rüstig seinen Beruf versieht.

Anmerkung. „Bei jedem Schlaganfalle soll sobald als möglich ein mit der Wasserkur schon gut vertrauter Mann (am besten Arzt) gerufen werden. Nur ein Erfahrener kann für den Fall das Rechte treffen. Bis zum Eintreffen solcher Hilfe kann und soll ohne Ausnahme, ohne Bedenken die Waschung des Rückens, der Brust, des Unterleibes, der Füße und der Hände der Reihe nach kalt und kurz vorgenommen werden. Diese Teilwaschungen sollen in 2–3 Stunden wiederholt werden.“

Schleimfieber.

Dürfte ich den Katarrh mit einem kleinen Kinde vergleichen, so wäre das Schleimfieber das ausgewachsene Kind. Schleimfieber entsteht regelmäßig aus Katarrhen, und aus beiden kann alles werden, wie an anderer Stelle gesagt ist. Die Heilung, also auch die Anwendungen sind bei beiden Übeln dieselben. Wer Katarrh schnell und leicht kurieren will, der lege sich ins Bett, wasche sich selbst alle Stunden Brust und Unterleib, den Rücken lasse er sich von einem andern kräftig abwaschen. Drei bis vier solcher Waschungen in einer Nacht heilen einen erst begonnenen Katarrh. Macht der Katarrh Fortschritte, d. h. entzünden sich Teile im Halse, im Kopfe, in der Brust, so haben wir das ausgebildete Schleimfieber, welches demnach nichts anderes ist als ein den ganzen Körper quälender Katarrh. Dabei bleiben jene Stellen, an denen der Katarrh begonnen, sei es die Rachenhöhle, sei es die Brust, bis zu eingetretener völliger Heilung stets die empfindlichsten.

Schweiß.

„Ja, das ist ein Kreuz, dieser Fußschweiß, der sich nun schon so lange an meine Sohlen heftet und mich überallhin auf der Ferse verfolgt!“ So klagen manche, ja sehr viele. „Was ist doch das?“ fragen sie, „häufig ganz kalte Füße, dann wieder ein Brennen und Stechen, und — dieser Geruch!“

Wahr ist’s; aber noch größeres Kreuz, die traurigsten Folgen bringt nicht selten, sogar meistens vertriebener Fußschweiß. Mir ist ein Herr bekannt, dem geraten wurde, er solle täglich ein paarmal die Füße mit kaltem Wasser waschen; der Schweiß werde schon nachlassen. Freilich der Fußschweiß ließ nach, er hörte zuletzt ganz auf. Die Folgen? Die letzten Dinge wurden ärger als die ersten; eine lästige und gefährliche Krankheit rächte den vertriebenen Fußschweiß. Jeden Vernünftigen frage ich: Ist’s denn auch anders möglich? Wer den Fuchs aus seinem Erdverstecke treiben will, darf die Höhle, das Fuchsloch doch nicht zustopfen. Einen solchen Jäger würden die Spatzen auspfeifen, und die Hasen würden ihm zum Spott Männchen machen.

Der Fußschweiß besteht in nichts anderem als in faulen Säften, welche auch die Gefäße, die sie anfüllen und verpesten, halbfaul machen. Dieses die Ursache des schrecklichen Geruches, der Menschen, selbst Tiere aus dem Hause treibt, den Fußschwitzern zur großen Plage gereicht und sie zu gemiedenen Menschen macht.

Was ist da zu tun? Ein Kleid, das in Teer gefallen ist und weithin üblen Geruch verbreitet, wird niemand zu reinigen suchen, indem er von Zeit zu Zeit es mit einem Schwamme abwischt. Die Wäscherin wird eine gute Lauge machen, das schmutzige Stück einbeizen und so den harzigen Teer ausziehen. Ein guter Wäscher des Fußschweißes wird sein, wer alle faulen und faulenden Säfte, so tief dieselben dringen mögen, auflöst und aus- und abwäscht resp. ausleitet. Nebenbei muß er die Haut und die Gefäße, soweit sie durch Fäulnis gelitten haben, heilen und kräftigen.

Am besten und sichersten werden beide Füße ganz eingewickelt in Tücher, die in Heublumenabsud oder in Absud von Fichtenreisern getaucht sind. Diese Umschläge saugen die faulen Stoffe auf, und die beiden Kräuter haben zugleich kräftigende und heilende Wirkung. Man nehme 5–6 solcher Wickel innerhalb zehn Tagen; hernach vierzehn Tage lang täglich ein warmes Fußbad (das bis an die Waden hinausreicht) von je zehn Minuten mit dreimaligem Wechsel und jedesmaliger kalter Abwaschung (höchstens eine Minute dauernd). Schließlich wird ausreichen in der Woche ein obenbeschriebener Fußwickel oder ein solches Fußbad. Nach gestillten Fußschweißen ist’s vortrefflich, zuweilen eine Viertelstunde im nassen Grase barfuß zu gehen. Wer das nicht kann, gehe vor dem Schlafengehen einige Minuten in seinem Zimmer barfuß auf und ab. Man sollte nicht glauben, wie vorteilhaft, wie erfrischend, kräftigend und abhärtend die frische Luft auf so entblößte, dem Wollstrumpfzwange entrissene und einige Minuten der goldenen Freiheit sich freuende Füße wirkt. Probatum est! d. i. Übung macht den Meister!

Körperschweiß, ungesunder.

Nicht bloß Fußschweiße gibt es, es gibt auch ungesunde Körperschweiße. Ein Herr von Stand schwitzte jede Nacht so, daß am Morgen die ganze Matratze durchnäßt war und das Kopfkissen und das Oberbett trieften, ein nächtliches schweres Kreuz, das ihn immer mit Angst vor dem Schlafengehen erfüllte.

Zu dieser Last gesellte sich noch eine zweite, nicht geringe Unannehmlichkeit. Bei der größten Sorgfalt und der sorgfältigsten Einhüllung und Vermummung nämlich konnte der Herr im Winter des ewigen Katarrhs nie los werden. Dazu das stete Schwitzen; man roch die Kleider selbst schon von weitem. Ein lästiges Übel in der Tat! Und nun das Mittel aus der Apotheke?

An schnelle Heilung darf bei diesem Leiden nie gedacht werden, nur an allmählige Kräftigung, Stärkung des durch so vieles Schwitzen entkräfteten Körpers und an fortgesetzte Ausleitung der krankhaften Säfte. Ungeduldig darf so ein Patient nicht werden. Der unsrige hat bewiesen, was bei Ausdauer und Pünktlichkeit die Anwendung von Wasser vermag. Als Lohn seiner Treue erhielt er die volle Gesundheit wieder. Doch das genügt mir nicht, sagt ein barscher Leser. Wenn ich so ein Leiden bekomme, was müßte ich tun? Ziehe dreimal in der Woche, so gebe ich ihm zur Antwort, den spanischen Mantel an. Hindert dich während des Tages dein Beruf, so lege ihn beim Schlafengehen als Nachthemd um auf 1½–2 Stunden. Wasche dich zwei- bis dreimal wöchentlich, oder wenn du, wie unser Patient, schlaflose Nächte hast, zwei- bis dreimal in der Nacht vom Bette aus! Solltest du gerade im Schweiß sein, so wasche dich doppelt kräftig, aber schnell, gehe gleich wieder, ohne dich abzutrocknen, zu Bett und decke dich gut zu; habe indessen, wenn möglich, das Bett nicht in einem ganz kalten Zimmer! Merke dir gut: mit dem spanischen Mantel mußt du die Anwendungen beginnen. Und wenn du seine wohltätigen Wirkungen erfahren hast, wirst du — es ist dein eigenster Vorteil — schon aus Dankbarkeit es nicht verabsäumen, ihn wöchentlich wenigstens einmal auf 1½–2 Stunden zu tragen. Auch eine einmalige Ganzwaschung in der Woche als weitere Zugabe sollte dir den Wasserappetit nicht verderben. Eine große Zahl von Leuten könnte ich nennen, die nach Ablegung des Vorurteils, „man könne sich durch solche Anwendungen nur schaden,“ aus wasserscheuen Individuen ebenso große Wasserfreunde geworden sind. Wie stemmt sich das Schoßhündchen, und wie winselt und keucht es, wenn ich’s ins Wasser werfen will! Wie viel solcher Helden habe ich gesehen! Doch die früher nur „hundelten“ (eine verpönte Art des Schwimmens), sind allmählich prächtige und gewandte Schwimmer geworden.

Viel- und Leichtschwitzen.

Es gibt Naturen, die sehr leicht und viel in Schweiß kommen, die bei jeder, selbst der geringsten Anstrengung wie im Schweiß gebadet und deshalb, abgesehen von der Mattigkeit und Müdigkeit, den Katarrhen, Erkältungen, Entzündungen usw. recht ausgesetzt sind.

Ein Beamter, der mich eines schönen Tages aufsuchte, klagte mir, er sei eben nicht gesund, er leide viel an schwerem Atem, und die Ärzte halten ihn für leber- und nierenleidend. Das größte Unglück aber bestehe darin, daß er keine Medizin ertragen könne; jeden Löffel voll müsse er stets wieder herausbrechen. „Das größte Glück, wollen Sie sagen,“ unterbrach ich den Herrn, dessen Leiden sich durch einen scharfen, peinlichen Schweißgeruch schon verraten hatte. Und ich begann als Wahrsager zum Staunen des Beamten: „Sie schwitzen viel beim Gehen, auch morgens beim Aufstehen.“ „Ja, so ist’s! Woher wissen Sie das?“ Statt der Antwort gab ich den Rat, er möge sich eine Badewanne mit kaltem Wasser anfüllen lassen. Wenn er, in Schweiß gebadet, heimkomme, dann solle er sich rasch ausziehen, bis an die Magengegend sich in diese Wanne setzen und den Oberkörper schnell und kräftig abwaschen; das Ganze dürfe höchstens eine Minute dauern. Schnell, ohne abzutrocknen, solle er seine Kleider wieder anziehen und auf seinem Zimmer zirka eine Viertelstunde sich Bewegung machen. „Was,“ rief der Herr Beamte aus, „Ew. Hochwürden treiben bittern Spott mit mir! Gott bewahre! Da würde mich ja augenblicklich der Schlag treffen! Wie oft bin ich vor der geringsten Vernässung und Verkältung gewarnt worden, und Sie heißen mich in eine Badewanne steigen, in kaltes Wasser!“ Ich blieb ruhig, aber ich mußte alle Beredsamkeit aufbieten, dem Herrn das Unschädliche dieses Verfahrens begreiflich zu machen. Unter anderem fragte ich ihn. „Wenn Sie so im Schweiße nach Hause kommen, schwitzend, daß Ihnen das salzige Wasser über Gesicht und Stirne rinnt und die Finger aneinander kleben, haben Sie Furcht und nehmen Sie den geringsten Anstand, sofort die Hände und das Gesicht zu waschen?“ „Nein, das tue ich jedesmal.“ „Haben Sie je den geringsten Nachteil verspürt?“ Der Herr besann sich — er fürchtete meine Folgerung —, sagte alsdann aber ein kräftiges: „Nein.“ „Nun gut,“ erwiderte ich, „lassen Sie diese Wohltat auch einmal dem ganzen schwitzenden Körper zukommen; versprechen Sie mir, es auch nur einmal zu tun.“ Nach kurzem Schweigen gab er das Versprechen. Nach 14 Tagen begegnete ich ihm wieder. „Nun, leben Sie noch? Wie ist’s gegangen?“ „Wie dankbar bin ich Ihnen, Herr Pfarrer!“ sprach er. „Alle Furcht ist mir nun benommen. Kann ich’s denn nun öfter so machen? Es tut gar so gut!“ Ja, es tat gar so gut: alle Armseligkeiten und körperlichen Übelstände wurden allmählich beseitigt. Der Herr lebt noch; er wird zu 80 Jahren nicht mehr weit haben. Wären alle, denen ich schon freundschaftlich geraten, so folgsam gewesen (leider ist oft Spott und Hohnlachen der Lohn), sie hätten sich selbst viele bittere Stunden und das zu frühe, schmerzensvolle Ende ihres Lebens erspart, sie lebten vielleicht heute noch. Die Konservierung eines Gebäudes ist nicht schwer, wenn man jedes Jahr das Ganze durchmustert und jeden Fehler an Dach- und Mauerwerk gleich ausbessert. Die täglichen Launen, verkehrten Stimmungen und Unaufgelegtheiten sind Schäden am Mauerwerk unseres oft recht armseligen Seins, und wie viele hundert solcher Launen und Unaufgelegtheiten schleppt der beladene Mensch mit sich jede Woche, wie viele tausend jeden Monat und jedes Jahr!

Vielfach, ja meistens haben all’ diese Dornen und Brennesseln, oder wie sie heißen, ihre Wurzel in kleinen Indispositionen, Störungen des Körpers. Es sind Dachmoose oder Mauerfresser an der gebrechlichen Hütte deiner Seele, nicht gefährlich, aber lästig; sie rauben vielfach die Heiterkeit, die Fröhlichkeit, die innere Zufriedenheit. Manche können dem Körper und Geiste mit der Zeit auch schädlich werden, sie können einem das Leben verleiden. Die einzige Anwendung, wie sie der Beamte machte, reicht oft aus, dem Menschen einen neuen Humor, eine andere Stimmung zu geben. Mancher verhöhnt vielleicht diese Bemerkung. Das ist mir gleich. Der Hohn benimmt ihr nicht die Wahrheit.

Noch eine Bemerkung schulde ich an dieser Stelle. Wohl kaum etwas wird im Leben, selbst von einsichtsvollen Menschen, so sehr gefürchtet, als wenn sie im Schweiß das kalte Wasser anwenden sollen. Diese Meinung mag von der Wahrnehmung herrühren, daß solche, die im Schweiß gebadet plötzlich an die Kälte kommen oder sich der frischen Luft, besonders der Zugluft aussetzen oder sich gar vernetzen, sich schon oft gründlich verdorben haben. Das gebe ich alles gerne zu. Es kommt eben hier wie sonst im Leben nicht allein und nicht in erster Linie auf das „Was“, sondern auf das „Wie“ an, wie die Leute die Anwendung mit Wasser vornehmen. Meine nach so langer Erfahrung und Übung gewonnenen Grundsätze sind:

a) Wer naß ist durch Schweiß, Regen usw., darf sich nicht der Kälte oder Zugluft aussetzen; das würde sich rächen.

b) Wen friert, der soll ja nichts mit Wasser anfangen.

c) Wer vom Regen usw. durchnäßt worden, soll sich so rasch als möglich trocken umkleiden.

d) Wer aber schwitzt, sei es krankhaft oder durch Gehen oder durch Arbeit, darf ganz kurz (wie bei der Beschreibung der Anwendung genau besagt ist), ein kaltes Bad nehmen oder eine kalte Ganzwaschung vornehmen; er muß aber (ohne abzutrocknen) schnell trockene Kleidung anziehen und sich Bewegung machen, bis auch der Körper trocken ist. Dieses sollte doch einmal selbst die heißblütigsten Sanguiniker beruhigen und befriedigen!

Schwermut.

Ein Herr zog sich durch Überanstrengung und Geschäftssorgen folgendes Leiden zu: Ohrensausen, anhaltendes Eingenommensein des Kopfes, Abnahme des Denkvermögens sowie auch des Gedächtnisses, so daß er für seine Berufstätigkeit ganz unfähig war. Dabei befand er sich in unbeschreiblich trüber Gemütsstimmung, und häufig traten Angstzustände auf. Schlaf meistens schlecht. Die Körperkräfte des sonst robusten Mannes schwanden, das Körpergewicht verminderte sich erheblich. Der äußerst schwermütige Kranke unterzog sich in Wörishofen folgender Behandlung: Oberguß, Rückenguß, Wassergehen, in der Woche zwei Wickel, einen spanischen Mantel und zum innerlichen Gebrauche Wermuttropfen, teils allein, teils mit Arnika und auch mit Tausendguldenkraut gemischt. Von diesen Tropfen rühmt er eine ganz besondere Wirkung. Nach achtwöchentlicher Kur fühlte er sich vollkommen gesund und arbeitsfähig; seine Gemütsstimmung war wieder gehoben und heiter und ist es auch geblieben. Das Körpergewicht hatte jetzt 22 Pfund zugenommen.

Schwindel.

Ein Priester in den besten Mannesjahren fühlte eine fortschreitende Abnahme der Kräfte, besonders in den Beinen. Nur mit der größten Anstrengung konnte er eine Viertelstunde weit gehen und hatte das Gefühl, seine Beine brechen zusammen. Außer diesem Leiden hatte er sehr viel Schwindel, so daß er in einem offenen Raum gar nicht auf längere Zeit stehen konnte, ohne sich an einem festen Gegenstande anzuhalten. Wollte er sich am Altare umwenden, so mußte er sich stets festhalten. War der Schwindel etwas leichter, so fühlte er gewaltigen Druck in der Brust und eine Bangigkeit, als treffe ihn ein Schlaganfall.

Patient gebrauchte viel Mineralwasser und Medikamente; alles ohne Erfolg. Sein Aussehen war nach dem allgemeinen Urteile sehr gut, Appetit in Ordnung, aber Schlaf mangelhaft.

Erfolg: Bereits drei Wochen lang von seinem Berufe entfernt ging er täglich viel barfuß (im Gras, auf nassen Steinen und im Wasser bis unter die Knie), bekam anfangs täglich zwei Obergüsse und einen Knieguß, später Halbbäder und Bäder im Schweiß. Am Schlusse seiner Kur machte er den Versuch, in einem Tage 4 Stunden weit zu gehen, was gut gelang ohne Ermüdung. Er fühlte sich nun ganz gesund und war freudig gestimmt für seine Berufstätigkeit.

Schwindel bei einem Greis.

Ein Herr, 74 Jahre alt, erzählt:

„Ich habe häufig starken Schwindel und mitunter einen gewaltigen Druck auf dem Kopf; zeitweilig sind meine Füße ganz kalt, und wenn’s im Kopf gut ist, so habe ich regelmäßig große Beschwerden im Unterleib. Stuhlgang ohne Hilfsmittel habe ich gar nie. Das Buch „Meine Wasserkur“ hat mich veranlaßt zur Fragestellung, ob man in meinem hohen Alter auch noch Wasser anwenden könne mit Erfolg; wenn nicht, dann übergebe ich mich ruhig meinem Schicksale in diesem Alter. Wenn es noch anwendbar ist, gehe ich ins kalte Wasser wie der Jüngste.“

In drei Wochen war der alte Herr so gut, daß er bereute, seine Berufstätigkeit schon einem anderen übergeben zu haben.

Die Anwendungen bestanden in folgendem: Erster Tag: am Morgen den oberen Körper mit Wasser und Essig waschen, nachher einen Knieguß nehmen; am Abend ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang. Zweiter Tag: am Morgen wieder Oberguß mit einem Gießer, gleich darauf auf nassen Steinen gehen (5 Minuten lang); nachmittags: ein kaltes Sitzbad, eine Minute lang. Dritter Tag: am Morgen im Wasser gehen, zwei Minuten lang; gleich darauf die ganzen Arme ins Wasser halten; nachmittags: ein Oberguß, gegen Abend ein Sitzbad. Vierter Tag: in der Frühe im Wasser gehen bis an die Knie (drei Minuten lang); gleich darauf die Arme ins Wasser (zwei Minuten lang); am Nachmittag: ein Rückenguß. Fünfter Tag: am Morgen einen Rückenguß, am Nachmittag ein Halbbad (eine Minute lang). So wurden die letzteren stärkeren Anwendungen fortgesetzt. Der Schwindel verlor sich ganz, der Stuhlgang kam in Ordnung, die schlechten Gase waren beseitigt, die allgemeine Naturwärme war wieder hergestellt, und so war die Maschine wieder in Ordnung. Der Greis bekam geradezu jugendliche Frische und den besten Humor.

Es mag vielleicht auffallen, warum man bei diesem hochbetagten Mann nur eine einzige warme Anwendung vorgenommen hat und nicht länger mit warmen Anwendungen verfahren ist.

Der Grund ist einfach dieser, weil noch ziemlich viel Kraft und Naturwärme vorhanden war; sonst hätte er durch Waschungen vom Bett aus und wieder ins Bett entweder mit warmem Salzwasser oder mit Essig und Wasser zu einer größeren Naturwärme gebracht werden müssen. Wird die Naturwärme bei alten Leuten durch warme Waschungen erhöht, und man nimmt dann versuchsweise eine kalte Waschung vor, so verschmähen sie recht bald das warme Wasser und ziehen das kalte vor, weil sie dadurch bessere Wirkung und vermehrte Naturwärme verspüren.

Ein 78jähriger Priester hatte solchen Schwindel, daß er gar nicht mehr in die Höhe schauen und nicht sicher auf dem Wege gehen konnte; er war ziemlich beleibt. Das ganze Aussehen machte den Eindruck, daß der arme Greis keine Naturwärme mehr habe. Trotz all dieser Gebrechen, die zu der Annahme verleiten konnten, es sei doch mit dem Wasser nichts mehr anzufangen, verjüngte sich sein Aussehen ganz auffallend. Der Schwindel verschwand, sowie alle Furcht beim Gehen, kurz, der Hochbetagte wurde einer Lampe gleich, welche Aufguß zum Weiterbrennen bekommt.

Wenn ein Hochbetagter es liest, wird er fragen: Was geschah mit ihm? Die Antwort lautet:

Am ersten Tage von unter den Armen ganz einwickeln, das Tuch in heißes Wasser eingetaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden, 1½ Stunden lang; am nachmittag: eine Waschung mit Wasser und Essig, ganz warm. Am zweiten Tag: in der Frühe einen Fußdampf, 20 Minuten lang; gleich darauf mit frischem Wasser ganz kurz abgießen; am nachmittag: wieder eine Ganzwaschung wie am ersten Tage. Am dritten Tag: einen Kopfdampf (20 Minuten lang), gleich darauf einen Oberguß. Am vierten Tag: in der Frühe einen kalten Oberguß, darauf einen Knieguß; nachmittags: ein nasses Hemd anziehen, 1½ Stunden lang. Am fünften Tag: am morgen ein warmes Fußbad mit Asche und Salz; nachmittags: einen Oberguß und Knieguß. Von dieser Zeit an nur mehr kalt, und zwar im Wechsel: Oberguß und Knieguß vormittags; zwei Stunden später: im Wasser gehen und die Arme ins Wasser halten; nachmittags: bloß Oberguß. So ungefähr 6 Tage fortfahren, und es reicht aus, in der Woche ein oder zweimal in der Nacht vom Bett ganz waschen und wieder ins Bett. Zu Haus ist nichts mehr notwendig, als in der Woche zweimal im Wasser gehen und die Arme ins Wasser halten. In der Woche ein Sitzbad nehmen, dies kann auch warm genommen werden. — Innerlich einen Tee von Fenchel, Schafgarbe und Salbei.

Schwindsucht.

Wie eine Schlange im Grase oder Gerölle versteckt auf ihre Beute lauert, so steckt und herrscht oft schon lange die Schwindsucht im Körper, ehe sie sich zeigt. Ihr Anfang ist eine Fäulnis, die an irgend einer Stelle entsteht, nach und nach durch Vereiterung um sich greift und Organe des Körpers zerstört. Es kann dieses geschehen in der Brust: in der Lunge, im Rippenfell; im Unterleib: im Darm und in den Nieren; im Hals: in der Luftröhre, im Kehlkopf usw., an den edelsten und wichtigsten Organen. An jeder Stelle, an der solche Fäulnis sich zeigt, treten alsbald auch Störungen ein im Blutumlauf, im Blute und in den Säften. Dem Menschen, den es trifft, ergeht es wie dem Baume, dessen Blätter anfangen, zur Unzeit gelb zu werden und abzustehen. Seine Lebensadern haben aufgehört, den Lebenssaft zu geben. Der Baum wird nicht mehr recht genährt, daher das Welken und Absterben. Und da hilft keine Sonne und keine frische Luft. Dasselbe können wir vom Schwindsüchtigen sagen. Das Blut, dieser Lebenssaft, nimmt ab, der Kranke „fällt ab“, wie der Volksmund sagt, und erlischt am Ende wie ein Licht, lebensunfähig.

Hat die Schwindsucht einmal tief sich eingefressen und bereits ein Organ des Körpers zerstört, dann ist der Mensch verloren. Hat sie sich aber an dem einen oder anderen Teil des Organismus angesetzt, so kann gerade mit Wasser eine Heilung ganz leicht eintreten. Das Traurigste bei solchen Kranken ist, daß die ersten Zeichen scheinbar so unbedeutend sind. Der Kranke hat nur ein Hüsteln, das ihm auch gar nicht besonders wehe tut. Nicht einmal ausspucken muß er oder doch höchst wenig. Kommt von Zeit zu Zeit der Husten stärker, so tröstet sich der Kranke: „Es ist nichts weiter als ein gelinder Katarrh, hab’s schon oft gehabt, wird bald wieder nachlassen.“ Selbst wenn der Körper welker wird, der Schwindsüchtige eine Abnahme der Kräfte spürt, immer hat er seine Entschuldigung. „Der Katarrh dauert diesesmal etwas länger; aber ich kann ja meinem Beruf doch noch vorstehen.“ Gewöhnlich haben derlei Kranke bei diesem Stadium der Krankheit schon mehr gelitten, als sie selbst glauben: die Blutbildung hat abgenommen, die Säfte haben sich vermindert, die kranken Stellen dehnen sich immer weiter und weiter aus. Sucht dann der Kranke nach Hilfe, so ist er sicher schon zu spät daran, und was er tut und anwendet, das tut er meistens nur zur Abkürzung seines Lebens. Ich bemerke all dieses zur Warnung, solche Zustände, die unter dem Namen „Katarrh“ die ganze Welt erfüllen, nicht zu vernachlässigen. In Fällen, in denen die Schwindsucht vorangeschritten ist, einen höheren Grad erreicht hat, versuche ich (erkläre dieses auch von vornherein jedem Patienten) mit Wasser nichts mehr anzufangen;[45] denn die Natur vermag den Kampf mit dem frischen Wasser nicht mehr aufzunehmen. Das wäre ebenso töricht, wie wenn ein Schwächling es versuchen wollte, einen robusten, kräftigen Mann zu meistern. Die fortgeschrittene Schwindsucht erkennt man daran, daß der Kranke ziemlich häufig hustet, mit dem Husten sehr viel Auswurf abgeht; ferner, daß derselbe schwer atmet, der Appetit nachgelassen hat usf. Solange der Auswurf noch oben auf dem Wasser schwimmt (man stelle die Probe an), braucht man nicht alle Hoffnung aufzugeben. Sinkt er zu Boden, dann ist’s meistens bei Matthäus am Letzten, zu Ende mit aller Hoffnung und Hilfe. Der Kranke soll sich in Gottes Willen ergeben und sich ruhig auf das letzte Stündlein vorbereiten.

Dagegen behaupte ich — und ich könnte dafür eine Reihe von Beispielen anführen —, daß beim Beginne der Schwindsucht das Wasser als das erste und sicherste Heilmittel sich bewährt. Es erfrischt und belebt den welk werdenden Körper, wirkend wie Öl, das man in das Räderwerk der Maschine gießt; es bringt einen lebendigen Blutumlauf hervor und weckt so in dem schlaff gewordenen untätigen Organismus neues Leben. Dann rüttelt es, wie ein Sieb die Mohnkörnchen, die faulenden Säfte auf und scheidet sie aus. Man beachte indessen wohl: es dürfen gar nie stark auflösende und stark ausleitende Anwendungen vorgenommen werden. Man muß vorherrschend auf Stärkung des Organismus abzielen, auf daß die wieder kräftig gewordene Natur selbst die faulen Stoffe ausscheide. Vor allem erheischt die Vorsicht, daß die Naturwärme nicht geschwächt, erschöpft, vollends ausgesogen werde. Das hieße der Krankheit in die Hände arbeiten. Nur ganz kurz dauernde Anwendungen sind hier am Platze; sie sollen, wie gesagt, anregen, stärken, beleben. Ich möchte es nicht wagen, mehrere totale Anwendungen, die auf den ganzen Körper sich erstrecken, vorzunehmen, falls die Zeichen ein Fortschreiten der Schwindsucht andeuten.

Hat das Leiden im oberen Teile des Körpers seinen Sitz, so ist der Oberguß eine vorzügliche Anwendung, verbunden mit dem Knieguß, letzterer höchstens eine halbe Minute lang. Bei günstiger Jahreszeit wird kaum eine Anwendung und Übung übertroffen von dem Barfußgehen im nassen Grase. Das kräftigt den Körper am meisten, und nie darf man Furcht hegen, sich in irgendeiner Weise zu schaden. Auch das Gehen auf nassen Steinen ist gut; es leitet das Blut nach unten und fördert den rascheren Blutumlauf und so die Blutbildung überhaupt. Noch sei hier ein Wort gesprochen über die Kost solcher Kranken, die mehr als andere und zum Widerwillen stets den Refrain hören müssen: „Nur gut essen und trinken.“ Die einfachste Kost ist die beste; nichts Hitziges, Gewürzhaltiges, keine Säuren; jene Kost, welche das Kind am leichtesten ertragen kann und bei der es im Wachstum am besten gedeiht. Eine merkwürdige Erfahrung möchte ich nicht für mich behalten. Das sicherste und oftmals für das Vorhandensein der Schwindsucht den Ausschlag gebende Zeichen war mir, wenn der Kranke recht gern Gesalzenes aß, Salz auf Brot streute, Fleisch in Salz tauchte, mit Vorliebe nach Saurem, nach Gewürz haschte. Ein sehr gutes Nahrungsmittel ist die Milch, die vor allem empfohlen werden soll, aber ja nicht Milch allein: sie würde dem Kranken bald widerstehen. Auch die Kraftsuppen sind sehr zu empfehlen, wieder im Wechsel, selbst wenn die eine oder andere dem Kranken besonders zusagt. Nicht zuletzt verdienen genannt zu werden recht einfache bürgerliche Mehlspeisen ohne alle komplizierte, gekünstelte Zubereitung. Das natürlichste und am wenigsten Widerwillen erzeugende Getränk bleibt stets das Wasser, vielleicht untermischt mit etwas Wein. Auch Milch, gestockte Milch, dient gut. Für Bier und Wein trete ich nicht ein. Noch eine Bemerkung möge hier Platz finden. In den höheren und höchsten Stadien dieser Krankheit treten heftige Fieber ein mit stärkerem Schweiße und darauffolgendem Frost. Es läßt sich mit Erfolg nichts dagegen tun. Dem Kranken indessen geschieht Erleichterung, wenn man nach dem Schweiße ihm Rücken, Brust und Unterleib mit frischem Wasser kräftig abwäscht.