NACHTRAG.
Die Wiederherstellung alter Einbände.

Schon bei einer früheren Gelegenheit (Seite 28) ist von der Behandlung alter Bücher die Rede gewesen, die mit einem neuen Einbande versehen und dabei womöglich in den Zustand versetzt werden sollen, in dem sie sich zur Zeit ihrer Entstehung befanden. Es wird nicht überflüssig sein, hier noch einige Bemerkungen über die Wiederherstellung, bez. Reinigung alter Einbände zu machen, da die Liebhaberei an alten Erzeugnissen des Kunstgewerbes immer mehr zunimmt und die Gemeinde der Sammler ebenso wie die Sammlungen täglich neuen Zuwachs erhalten.

Die Grundregel bei der Wiederherstellung beschädigter Einbände ist, daß man zu erhalten sucht, was eben noch zu erhalten ist. Es ist nicht gleichgültig, ob ein Stück des Einschlages einer alten Decke erhalten bleibt oder durch neues Leder ersetzt wird. Besonders wichtig ist es, etwaige sich vorfindende handschriftliche Bemerkungen zu erhalten, da sie mitunter Auskunft über die Geschichte des Bandes, seine Vorbesitzer u. s. w. geben. Wichtig ist auch die Bloßlegung der bei einer früher stattgefundenen Ausbesserung verklebten ersten Vorsätze, da sie häufig wertvolle alte Marmor- und Brokatpapiere zu Tage fördert.

Sind Bünde zu erneuern, so wählt man denselben Bundstoff, Leder, Pergament oder Schnur, der ursprünglich verwandt worden ist. Ist ein neuer Goldschnitt nicht zu umgehen, so wird dieser nach dem Trocknen nur unter Papier angeglättet; er erscheint dadurch alt. Alte Goldschnitte preßt man fest ein, bestreicht ein Stück weiches Leder mit einer erbsegroß Vaseline und reibt damit die Fläche einige Male recht fest ab. Aufgemalte Schnitte lassen sich erforderlichen Falles mit Aquarellfarben aufmuntern. Kapitale, die zu erneuern sind, werden mit Faden von blasser Färbung frisch umstochen.

Sind Fälze unter einer Decke zu ergänzen, so muß man die alten Decken ablösen; beim Wiederüberziehen sind die Bünde gut einzureiben, nach dem Einschlagen aber recht straff in den Rücken hereinzuziehen.

Bei Pergamentbänden müssen die Bünde durch den Falz gezogen werden, ebenso das verlängerte Kapital.

Überraschenden Erfolg hat häufig das Abwaschen der Deckenvergoldung. Laues Wasser und Schmierseife genügen in den meisten Fällen, um Jahrhunderte alten Schmutz zu entfernen. Die Ergänzung einzelner Fehlstellen in der Vergoldung bewirkt man am besten durch Einmalen von Muschelgold. Mit Rollen und Fileten erhält man ein zu blankes Gold, das man erst trüben muß, um es in Übereinstimmung mit der alten Vergoldung zu bringen.

Beschläge dürfen nur mit Sodawasser oder Seife ausgewaschen, nicht aber geputzt oder gar blank gebeizt werden. Sind die Knöpfe an den Ecken vom Gebrauch durchgerissen, so müssen sie unter Einlage eines abgepaßten und nachgetriebenen Stückchens Messing ausgelötet werden. Neu einzunietende Stifte läßt man vorher ausglühen, damit sie dunkel anlaufen.

Die erneuerten alten Decken mit Lack zu überstreichen, ist nicht ratsam, da der Glanz des Lackes unangenehm ins Auge fällt. Am besten ist es, die Fläche mit ein wenig Olivenöl einzufetten und mit einer Wachsbürste abzubürsten.

Eckstück von einer abgeriebenen Decke, Ende des 17. Jahrh. Kunstgewerbemuseum zu Leipzig.

Abgeriebene Decke. Ende des 17. Jahrh. Kunstgewerbemuseum zu Leipzig.