(Achtes Vollbild.)
Peters Katze geht sehr gern in den Wald. Wir fürchten, daß sie eines schönen Tages totgeschossen wird. Denn Gretes Vater erschießt alle Katzen, die er im Walde antrifft, weil sie Kaninchen und Fasanen fressen.
Aber Peter kann sie nicht zu Hause halten. Sobald es dämmerig wird, schleicht sie sich hinaus und kommt oft die ganze Nacht nicht nach Hause. Sie geht in der Dämmerung, weil dann alle Tiere fressen. So kann sie Mäuse und junge Kaninchen fangen, ebenso Rebhühner, die auf dem Boden, und andere Vögel, die auf den Bäumen schlafen.
Sie ist ein sehr schlauer Jäger. Ihr Körper ist wie gemacht zum Erfassen der Beute. Sie ist schlank, aber sehr kräftig. Sie kann außerordentlich weit springen und zwar so schnell, daß nur wenige Mäuse oder Vögel ihr entwischen können.
Dann hat sie auch weiche Polster unter den Füßen, so daß sie geräuschlos einherschleichen kann. Auch kann sie von einer hohen Mauer hinunterspringen, weil die weichen Polster ihre Füße vor Verletzungen schützen, wenn sie den Boden erreicht.
Ballen und Klauen am Fuß der Katze.
Wir alle wissen, was für scharfe Krallen sie an ihren Zehen hat. Aber wenn sie mit ihren Kleinen oder mit Peter spielt, ist ihre Pfote so weich, daß man gar nicht glauben kann, sie könne kratzen. Dies kommt daher, weil sie eine Rinne in jedem Zeh unter der Haut hat, und wenn sie ihre Krallen nicht braucht, zieht sie dieselben in jene Scheide zurück.
Aber wenn sie auf eine Maus oder einen Vogel springt, schlägt sie mit der Pfote zu, und sowie sich die Zehe biegt, kommt die Kralle hervor und dringt in das Fleisch ihrer Beute.
Aber wie kann sie bei Nacht Ratten und Mäuse sehen? Paul zeigte uns, daß sie die Mitte des Auges sehr weit im Dunkeln öffnen kann. Wir brachten Miezchen nahe an die Lampe und sahen, daß die Pupille ihres Auges nur ein kleiner schmaler Schlitz war. Darauf schlossen wir sie einige Minuten lang in einem dunkeln Zimmer ein, holten sie dann heraus und betrachteten ihre Augen bei Mondenschein. Jetzt war der kleine Schlitz ein großes, rundes, schwarzes Loch geworden.
Der Schlitz läßt genug Licht hinein, daß Mieze bei Tage sehen kann, und wenn sie nachts ausgeht, wird er zu einer großen runden Öffnung, die alles Licht, das von Mond und Sternen kommt, hineinläßt.
Das Auge der Katze.
a. Im Licht.
b. Im Dunkeln.
Aber wenn es außergewöhnlich dunkel ist, tastet sie sich mit ihren Spürhaaren zurecht. Paul sagt, daß es sehr grausam ist, einer Katze diese Haare abzuschneiden, denn sie sind ihr eine große Hilfe im Dunkeln.
Mieze hat eine sehr rauhe Zunge. Wenn man sich von ihr die Hand lecken läßt, so fühlt man, wie sie von unserer eigenen Zunge oder von der eines Hundes verschieden ist. Sie ist so rauh, daß sie damit die letzten Stückchen Fleisch von einem Knochen abraspeln kann, nachdem sie die großen Stücke mit ihren langen spitzen Vorderzähnen abgerissen hat.
Mieze ist sehr schlau, wenn es sich darum handelt, ihren Lebensunterhalt zu erwerben, und wenn man ihren Kopf ansieht, so weiß man auch warum. Denn sie hat eine breite Stirn, in der viel Platz für ein großes Gehirn ist. Neulich hielten wir den Kopf eines Kaninchens neben den ihrigen. Er war so klein und hatte so wenig Raum für ein Gehirn, daß wir gar nicht erstaunt waren, daß die Katze viel schlauer als das Kaninchen ist.
Wer würde denken, daß Mieze, die mit ihren Kleinen am Feuer sitzt und schnurrt, im Walde so wild ist. Aber, wie Paul sagt, gibt es wilde Katzen in den Wäldern, die so wild wie Tiger sind. Tiger und Katzen sind sich sehr ähnlich. Auch Tiger können liebevoll sein. Wir hörten einmal eine Tigerin in einer Menagerie schnurren, als sie ihr Junges liebkoste.
Katze, ein Kaninchen beschleichend.