Letzten Sommer gab es auf dem Felde sehr viele Maulwürfe. Das ganze Feld war mit Maulwurfshaufen bedeckt. Endlich schickte Pauls Vater nach dem Maulwurfsfänger. Er stellte Fallen in den Gängen und brachte viele tote Maulwürfe mit nach Hause.
Ein Maulwurf ist ein sonderbares Geschöpf. Er hat einen langen, plumpen Körper und einen kurzen, dicken Schwanz. Sein dunkles Fell ist so weich und dicht wie Samt. Er hat eine lange spitze Schnauze, die an der Spitze sehr hart ist, und der Mund ist voll von starken, scharfen Zähnen.
Die Füße des Maulwurfs sind sehr sonderbar. Sie sind nicht mit Fell bedeckt, sondern nackt und rosenrot. Die Vorderpfoten gleichen breiten flachen Händen mit sehr starken Klauen. Sie sind vom Körper abgewandt und sehen zu groß aus für ein so kleines weiches Geschöpf.
Maulwurf, einen Wurm fressend.
Diese Pfoten sind, wie Paul sagt, die Schaufeln des Maulwurfs. Er lebt unter der Erde und frißt Würmer. Mit seiner harten Schnauze bohrt er ein Loch und dann schaufelt er die Erde mit seinen starken Pfoten fort. Auf diese Weise gräbt er eine Röhre, und wenn er die lose Erde fortschaffen will, stößt er sie mit der Schnauze nach oben. So entstehen die Maulwurfshaufen.
Aber die Maulwürfe bleiben nicht immer unter der Erde. Manchmal an warmen Sommerabenden sieht man sie in Hecken herumstöbern und nach Larven und Schnecken suchen. Es gibt mehr männliche als weibliche Maulwürfe.
Wir hätten so gern den Bau eines Maulwurfs gesehen. Wir gruben tief in einen Maulwurfshügel hinein und hofften einen zu finden, aber wir trafen nur auf eine Röhre. Der Maulwurfsfänger lachte uns aus, als er uns dort graben sah. Er fragte uns, ob wir dächten, daß der Maulwurf einen Haufen loser Erde über seinen Bau aufhäufen werde, um seinen Feinden zu zeigen, wo er zu finden wäre.
Endlich kam eines Tages ein Herr zu Pauls Vater und bat ihn, einen Maulwurfsbau für ihn öffnen zu lassen. Er wünschte zu sehen, wie er aussähe. Dies war gerade das, was wir wollten, und so gingen wir mit.
Der Maulwurfsfänger führte uns eine Strecke weit über das Feld. An der Ecke in der Nähe des Waldes fanden wir unter den Bäumen einen großen mit Gras bewachsenen Erdhügel.
Er begann dann die Seite dieses Hügels abzugraben. Als er ungefähr in der Mitte angekommen war, hielt er inne und räumte die Erde sehr vorsichtig mit den Händen fort. Und da war, dicht unter dem Erdboden, ein großes rundes Loch mit einem sehr festen Dache, das aus harter Erde bestand. Wir konnten von der Seite aus hineinsehen. Das Loch war mit trockenem Grase ausgepolstert, und vier winzige Maulwürfe lagen darin. Wir füllten es sorgfältig wieder zu und ließen die kleinen Maulwürfe in Ruhe.
An den Seiten des Baues waren vier Löcher. Diese führten zu den Gängen, durch die die alten Maulwürfe aus- und eingingen. Wir fürchteten, daß sie durch unser Graben ziemlich mit Erde angefüllt wurden, aber der Maulwurfsfänger sagte, sie würden bald wieder von den alten Maulwürfen in Ordnung gebracht werden.
Er erzählte uns, daß der alte männliche Maulwurf im Winter ganz allein in einem solchen Bau lebt und sich von Würmern nährt. Manchmal kommt er aus der Erde hervor, und wenn der Frost sehr streng ist, stirbt er vor Kälte. Im Frühjahr sucht er sich ein Weibchen.
Thüringer Kunstanstalt G. m. b. H., Gera-Untermhaus
Anmerkungen des Bearbeiters
Das Inhaltsverzeichnis stand im Original hinter dem Vorwort, wurde aber zur besseren Orientierung im E-Book nach vorne verlegt. Die Vollbilder wurden jeweils an das Ende des zugehörigen Kapitels verschoben.
Offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt.
In den Lektionen 6, 7, 9 und 10 fehlten unterhalb der Überschrift Hinweise auf Vollbilder. Diese wurden vom Bearbeiter ergänzt.