Lektion 6.
Nüsse und Nußfresser.

(Fünftes Vollbild.)

Auf unserem Wege zur Schule kommen wir durch ein kleines Haselnußgehölz. Im Winter, wenn die Bäume unbelaubt sind, sehen wir die grauen Büschel, die wir „Schäfchen“ nennen, an den Sträuchern hängen; Paul sagt, ihr wirklicher Name sei „Kätzchen“. Wir sehen oft nach, um zu beobachten, wie sie wachsen. Zuerst sitzen nur kleine graue Knospen auf den Zweigen. Dann werden sie größer und hängen herab. Allmählich werden sie sehr locker, wie Troddeln, und unter den grauen Schuppen erscheinen kleine Beutel mit gelbem Staube.

Dann im März, noch ehe die Bäume belaubt sind, schüttelt der Wind den Baum und weht den gelben Staub umher.

Um diese Zeit finden wir an den Zweigen mit Kätzchen kleine Blüten. Man muß scharf hinsehen, wenn man sie finden will. Aber sie sind sehr hübsch. Jede Blüte hat zwei zierliche Hörner, und es stehen mehrere Blüten in einer grünen Hülle.

Wir wissen, daß sich aus diesen roten Blüten die Nüsse bilden, denn im September finden wir die Nüsse gerade an ihrer Stelle. Wenn der Wind den gelben Staub aus den Kätzchen weht, so fällt etwas davon auf die roten Hörner der Blüten, und dies bewirkt, daß sich Nüsse entwickeln.

Im Herbste passen wir gut auf, um zu sehen, wann die Nüsse reif sind. Wir wollen gern einige haben, ehe die Eichhörnchen und die Vögel, die Nußhacker oder Eichelhäher heißen, sie alle forttragen.

Grete hat es so eilig, daß sie oft die Nüsse pflückt, bevor sie reif sind. Dies ist töricht, denn man findet dann nur einen sehr kleinen wässerigen Kern im Innern. Der übrige Teil der Schale ist mit einem weichen, weißen Stoff ausgefüllt.

Paul sagt, dieser weiße Stoff sei die Nahrung, die die Nuß gebraucht, um groß und fest zu werden. Wenn die Nüsse reif sind, fallen sie ganz leicht aus dem braunen, blätterigen Kelch, in dem sie sitzen.

Manchmal, wenn wir die Nüsse pflücken, finden wir eine, die ein kleines Loch in der Schale hat. Dann wissen wir, daß die Nuß schlecht ist, und wir werden meistens eine Made darin finden.

Haselnußbohrer und Larve.
a. Der Rüsselkäfer vergrößert; der Strich daneben gibt die wirkliche Größe an.

Ist es nicht seltsam? Paul sagt uns, daß diese Made ein junger Käfer sei. Sie sieht gar nicht aus wie ein solcher. Aber viele Käfer haben, wenn sie jung sind, keine Beine und sind nur Larven.

Dieser Käfer heißt Haselnußbohrer. Wenn die Nuß noch ganz jung und weich ist, kommt der weibliche Käfer und legt ein Ei hinein. Es ist ein sehr kleiner Käfer mit einem langen Rüssel. Mit diesem macht er ein Loch in die weiche grüne Nußschale und legt dann ein Ei in das Loch. Aus dem Ei kommt eine Larve. Sie wird dadurch fett, daß sie von der Nuß frißt. Und wenn man die Nuß dann pflückt und öffnet, ist sie halb aufgefressen, und die Larve liegt zusammengerollt im Innern.

Wenn wir die Nuß noch nicht gepflückt hätten, so würde die Larve mit ihrem hornigen Maul ein Loch in die Nußschale gefressen haben und dann aus ihrer Larvenhaut als kleiner geflügelter Rüsselkäfer herausgekrochen sein.

Angestochene Nüsse.

Wie wir sahen, entstehen aus dem gelben Staube und den roten Blüten Nüsse. Einige dieser Nüsse bekommen wir, einige erhalten die Eichhörnchen, einige die Eichelhäher. Einige fallen auf den Boden und wachsen zu jungen Bäumen empor, und einige frißt die Larve des Rüsselkäfers, ehe sie reif sind.

Drei Arten wilder Nüsse. Männliche und weibliche Blüten an einem Zweig (oben).

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