[1] Im folgenden sind nur besonders wichtige und meist nur später im Druck
erschienene oder in unserer Zeit neu herausgegebene Schriften angeführt. Selbst bei
dieser Beschränkung soll auf Vollständigkeit kein Anspruch erhoben werden, namentlich
auch nicht hinsichtlich der Ausgaben.
[2] Erläuterung zu Guido Calvacantis bekanntem Gedicht über die Natur der
Liebe, beginnend mit den Worten: „Donna mi prega”.
[4] Guy de Chauliac (Tr. I, Doctr. I, cap. 1) sagt: Et ipsam (sc. anatomiam) administravit
multoties magister meus Bertrucius in hunc modum. Collocato corpore
mortuo in scamno, faciebat de ipso quatuor lectiones. In prima tractabantur membra
nutritoria, quia citius putrent. In secunda membra spiritualia. In tertia membra
animata. In quarta extremitates.
[5] Der Ruf der (angeblich aus Konstantinopel eingewanderten) Paduaner Aerztefamilie
Sophia reicht weit zurück. Besonderes Ansehen erlangte zuerst Nicolo
† 1315), der selbst schon von namhaften Aerzten abstammte. Söhne Nicolos waren
Giovanni († 1389), Professor in Padua und Bologna und der oben erwähnte Marsilio.
Auch deren Nachkommen wirkten in hervorragender Weise als Aerzte und
Professoren, so Galeazzo, Bartolommeo und Francesco, die Söhne des Giovanni,
und Guglielmo und Daniel, die Söhne des Marsilio.
[6] Möglicherweise rührt dieses Werk von Marsilio oder von Bartolommeo her.
[7] H. beschreibt eine von ihm erfundene Modifikation für Nadel- und Fadenhalter
(Ausgabe von Pagel, p. 167).
[8] H. gibt hier ein neues von ihm erfundenes Verfahren an, einen Armbrustpfeil
aus dem Kniegelenk auszuziehen (l. c. p. 154).
[9] Als sehr gefährlich oder tödlich gelten die (tieferen) Wunden des Herzens
und des Herzbeutels, die Wunden der großen Gefäße, der Trachea, des Oesophagus,
der Lungen, gewisse Verletzungen der Unterleibsorgane (l. c. p. 247); an gleicher
Stelle wird auf den glücklichen Ausgang mancher schweren Hirnverletzungen
(kasuistisch belegt) hingewiesen.
[10] Betrifft die Behandlung der übermäßigen Röte, Blässe des Gesichts, des Sonnenbrands,
die Enthaarungsmittel, Bartwuchsmittel, Toilettemittel für Frauen.
[11] Sehr wichtig ist der Hinweis, daß unter den Autoren keine Uebereinstimmung
über die Termini herrscht. „Sie differieren so sehr, daß sie das Gegenteil sagen.
Der eine nennt Serpigo, was der andere Impetigo, der dritte Pannus heißt” (l. c. p. 410).
[12] In der Einleitung wird eingehend begründet, weshalb H. ein Antidotarium
schrieb und weshalb er dasselbe vor Ausarbeitung der Traktate III und IV fertigstellte.
In erster Hinsicht wird bezeichnenderweise betont, daß auch über Galen
hinaus noch ein Fortschritt möglich sei: absurdum et quasi haereticum
videtur, credere quod Deus gloriosus et sublimis dedisset ita sublime ingenium Galeno
et sub tali pacto, quod nullus post ipsum posset aliquod novum invenire, immo jam
Deus de propria potentia aliquid defalcaret. Nonne Deus cuilibet nostrum
sicut Galeno dedit proprium ingenium naturale? Miserum autem esset
ingenium nostrum, si semper uteremur inventis et iterum moderni sunt
respectu antiquorum sicut nanus super humeros gigantis qui videt, quicquid videt
gigas et ulterius videt quidquam, quare licitum est nobis scire aliqua quae
non erant scita tempore Galeni et necessarium est ea scribi. Hinsichtlich
des zweiten Punktes weist er auf die Wichtigkeit des Gegenstandes, das Drängen
der Schüler und auf seinen schlechten Gesundheitszustand hin: quia asthmaticus sum,
tussiculosus, phtisicus et consumptus (l. c. p. 508). — Bemerkenswert ist die Stelle
(l. c. p. 509), wo vom Magneten gesagt wird, applicatus corpori extrabit ferrum infixum
(Extraktion von Pfeilspitzen mit dem Magneten [?]).
[13] Notandum, quod nunc est consuetudo omnium principum, praelatorum et
vulgalium, in omnibus regionibus occidentis, et forte in calidis regionibus non est
ita, quod de nullo medico (cyrurgico) scientifico confidunt, nisi parum dicentes, quod
cyrurgicus non debet esse clericus, quia interim quod clericus intrat scolas, laicus
addiscat modum manualiter operandi (l. c. p. 68).
[14] Vgl. z. B. die Ausgabe von L. Joubert, Lugd. 1585.
[16] Es gab überdies noch zwei Verfahren, nämlich 1. die Freilegung des Bruchsackes
durch Schnitt, Ergreifen und Erhebung desselben mit einer Zange und Kauterisieren
des Schambeines unter demselben, 2. Freilegung des Bruchsackes und Unterbindung
desselben mit Golddraht.
[17] Von Guy de Chauliac als „una fatua Rosa Anglicana” charakterisiert.
[19]moveri, laborare, jocundari, abstinentia summa medicinae — cavendo
a cavendis et bona diaeta praeservant homines a morbis.
[20] Großvater des berühmten Girolamo Savonarola, der 1498 als „Ketzer” verbrannt
wurde.
[21] Ein Heremias de Montagnana aus Padua (gegen Ende des 13. Jahrhunderts) verfaßte
ein Compendium de significatione vocabulorum medicorum. — Bartolommeo Montagnana
war Stammvater einer bis in das 17. Jahrhundert blühenden ärztlichen Familie.
[22] Er war artium et medicinae doctor und lehrte Logik, Astrologie, Medizin,
letztere nach Avicenna. Nach seinem Tode wurde ihm im anatomischen Amphitheater
zu Bologna ein Standbild errichtet.
[23] Ihm war es hauptsächlich zu danken, daß die Pariser medizinische Fakultät
endlich ein eigenes Heim in der Rue de la Bûcherie beziehen konnte.
[24] Hier sind nur Autoren berücksichtigt, die oben keine Erwähnung gefunden
haben. Von den Pestschriften wurde abgesehen.
[25] Vgl. oben die einschlägigen Schriften von Petr. de Tussignana, Jacob.
de Dondis, Gentilis Fulgineus, Mich. Savonarola, Montagnana,
Ant. Guainerius u. a.
[26] Uebersetzungen aus dem Lateinischen sind im folgenden zumeist nicht berücksichtigt,
da dieselben bereits oben angeführt wurden.
[27] Vgl. K. Sudhoff, Die gedruckten mittelalterlichen medizinischen Texte in germanischen
Sprachen, Archiv f. Gesch. d. Med. Bd. III, 1909 und Deutsche medizinische
Inkunabeln (Studien zur Gesch. der Medizin, Heft 2/3), Leipzig 1908.
[28] Verhalten des Urins und Pulses, der Zustand in den verschiedenen Tageszeiten,
die Farbe des Gesichtes und die Beschaffenheit der Träume kommt hierbei
in Betracht.
[29] Beginnend mit den Krankheiten des Kopfes: Vallendes Siechthumb (Epilepsie),
von dem gehen Tode (Apoplexia), von der Unsinne (Mania), Haubtschwindel, Fluß
des Haubtes u. s. w. In der Therapie überwiegen die vegetabilischen Drogen, die
Dreckapotheke ist reduziert. Chirurgische Eingriffe, meist nur als ultima ratio, werden
bei folgenden Affektionen empfohlen: Siechthumb der Nase ═ Polypen, pöse Drüsen
am Halse ═ Skrofeln, Fleisch in der Keln ═ Schwellung der Mandeln, Theielplattern
═ Hämorrhoiden (Kauterisation), Pyß eines tobenden Hundes, Verwundung
des Haubtes (Entfernung der Knochensplitter), Verwundung eines großen Darmes
oder des Magens (Naht) u. s. w.
[30] wie sich die schwangern frawen halten süllen vor der gepurt, in der gepurt
vnd nach der gepurd.
[31] Mitteldeutsche Traktate des Salernitaners „Meister Bartholomaeus” über
gebrannte Weine und Wässer liefen handschriftlich umher (vgl. die Veröffentlichung
von J. Haupt in Sitzungsber. d. Akad. Wiss. Wien, Philos.-histor. Klasse 71. Bd.,
Wien 1872, p. 542 ff.). Möglicherweise ist daher das Büchlein des Michael Puff nur
eine Kompilation — Ueber die lateinischen Schriften des Michael Puff aus Schrick
vgl. L. Senfelder, Oeffentliche Gesundheitspflege und Heilkunde, Separatabdr. aus
Bd. II der Geschichte der Stadt Wien, herausgeg. vom Altertumsvereine zu Wien 1904.
[32] Zitiert sind 25 Autoren, darunter am häufigsten von den antiken Galen,
von den arabischen Avicenna, von den abendländischen Lanfranchi. An letzteren,
der sein Lehrer war, schließt sich Y. am meisten an. Außer den bekannten kommen
unter den zitierten Autoren auch eine Anzahl von Namen zum ersten Male vor, z. B.
Wilhelm von Congeinna oder „Anceél van Geneven”, welcher im Gegensatz zu allen
übrigen Chirurgen bei Verwundeten kräftige Diät empfahl, Wilhelm van Medicke,
der eine Quecksilbersalbe angab u. s. w.
[33] Unter den Heilmitteln der Wassersucht nach Wechselfieber empfahl er den Bodensatz
in den Eimern der Schmiede, bei Strangurie Injektionen von Milch und Narkotika.
[34] Bezüglich der S. 274 erwähnten angelsächsischen Literatur wären nachzutragen,
die Neueditionen des Leech Book of Bald von Günther Leonhardi in der Bibliothek der
angelsächsischen Prosa VI. Bd., Hamburg 1905, p. 1-91, des anderen Leech Book
von demselben Herausgeber ibid. VI. Bd., 1905, p. 91-109, der angelsächs. Rezeptsammlung
Lacnunga, ibid. IV. Bd., 1905, p. 121-155.