Der Sommer rüstete sich bereits zum Abschiednehmen, weil er schon überall an Hecken und Hängen, im Garten, auf den Feldern und im Walde den Boten seines Bruders Herbst begegnete. Und weil die Sonne in Freundschaft von dem ihr so lieben Sommer scheiden wollte und auch dem Herbst einen guten Willkomm zu bereiten trachtete, strahlte sie in allerbester Laune auf die Erde herab, und es gab warme, schöne Tage. Am späten Nachmittag eines solchen sonnenhellen Tages rasselte über den Marktplatz der kleinen ostpreußischen Stadt Langenstein eine herrschaftliche Kutsche. Ein paar Kinder, die auf der Straße spielten, starrten mit offenem Munde dem Wagen nach, und die Postmeisterin Lebrecht schob neugierig das Schiebefensterchen in ihrer Wohnstube hoch und sah hinaus.
»Minettchen, sieh nur, die Frau Kammerherrin ist's wahrhaftig, die da gefahren kommt. Rasch, Mariell, sieh nach, ob meine Haube sitzt, ich muß dero doch meine Reverenz machen!«
Die kleine, rundliche Frau eilte aus dem Zimmer, noch ehe Minettchen, das blonde Postmeistertöchterlein, Zeit gefunden hatte, ihr Urteil über den Sitz der mütterlichen Haube abzugeben. Draußen hielt auch schon das Gefährt, neben seiner Gattin erschien der Herr Postmeister, und ehrerbietig verneigte sich das Ehepaar vor den Insassen des Wagens. Drinnen im Zimmer drückte Minettchen ihr Stumpfnäschen an die Fensterscheiben und blickte voll Bewunderung auf die gnädigen Fräuleins, die mit der Kammerherrin von Steinberg fuhren. Diese selbst, eine große, stattliche Frau, saß kerzengrade aufrecht auf dem Vordersitze des Wagens; ihr braunes Taftkleid, das, entgegen der herrschenden Mode, noch von recht beträchtlicher Weite war, bedeckte den ganzen Sitz. Der Großmutter gegenüber saßen schlank und jung, eng aneinander geschmiegt, ihre drei Enkelinnen. Es wäre gegen alle Schicklichkeit gewesen, hätte eines der jungen Mädchen neben der Großmutter auf dem Vordersitz gesessen. Die Schwestern Gottliebe und Gottlobe von Steinberg hatten ihre Base Karoline von Prillwitz zärtlich in die Mitte genommen, denn das Bäslein war Gast und genoß alle Vorteile eines gern gesehenen Besuches.
»Hat er Postsachen für mich?« fragte die Kammerherrin den Postmeister mit herablassender Freundlichkeit, der sich von der alten Dame noch das »Er« gefallen ließ, das er so leicht keinem andern verziehen hätte.
»Ei gewiß, Ihro Gnaden, aus Leipzig ist ein Päckchen gekommen, spekuliere, es wird ein Buch sein,« gab der Postmeister zur Antwort und begab sich eilfertig in die Schreibstube, das Gewünschte zu holen.
Bei dem Wort »aus Leipzig« schauten die drei Mädels neugierig auf, und über das Gesicht der alten Dame lief ein Schatten. Ihre Hände, die auf dem Schoß gefaltet lagen, zitterten leise, aber sie beherrschte sich, und die Postmeisterin bekam eine gnädige Nachfrage, wie es ihr gehe, und ob ihr der Tee, den sie jüngst vom Gute geholt, auch gegen den Brustkrampf geholfen habe.
Die Auskunft lautete befriedigend, die dicke Frau Postmeisterin sah auch blühend und gesund aus, trotzdem seufzte sie herzbrechend, als die Kammerherrin sie fragte, wie es sonst noch gehe.
»Unsereins kann ja nicht klagen,« sagte sie mit ehrlicher Betrübnis, »bisher hat's immer noch in unserem Hause zugelangt, aber bei den armen Leuten und draußen auf dem Lande, wie es da im Winter werden soll, das weiß unser lieber Herrgott!«
Ihr Mann, der wieder aus dem Hause trat, hatte die letzten Worte gehört, und sein sonst so freundliches Gesicht verdüsterte sich. »Der gnädigen Frau Kammerherrin braucht man nichts zu klagen, sie weiß, wie groß die Not im Lande ist,« sagte er bitter, »und ehe wir nicht die Franzosenwirtschaft los werden, gibt's keine Besserung.«
»Mann,« schrie seine Frau erschrocken, »du redest dich noch um Kopf und Amt.«
Frau von Steinberg aber reichte dem Postmeister die Hand. »Wie er, denkt heute jeder ehrliche deutsche Mann, ob er es sagt oder bei sich behält.«
Das Schelmenlächeln auf den Gesichtern der drei Basen, die mit dem Minettchen Blicke getauscht hatten, erstarb jäh bei diesem ernsten Gespräch, und alle drei schauten den Postmeister ehrfürchtig an: ein Lob aus Großmutters Munde, das bedeutete noch etwas.
Der Postmeister hatte die Blicke der jungen Mädchen bemerkt; er räusperte sich ein wenig verlegen und reichte mit einer abermaligen Verbeugung das vielfach versiegelte Päckchen in den Wagen hinein.
»Vielleicht ist es ein Almanach, der etliche neue Modekupfer bringt, an denen die gnädigen Demoiselles die neuen Moden, die man jetzo trägt, adorieren können,« sagte er mit verschnörkelter, altmodischer Höflichkeit. Er meinte, diese Art sei gar fein den vornehmen Damen gegenüber, aber grob schnitt ihm die Kammerherrin die Rede ab: »Halt er den Mund! Red er doch Deutsch, wie sein Schnabel gewachsen ist, und setz' er den drei Gänsen, meinen Enkeltöchtern, nicht Flausen in die Köpfe; sie sind schon eitel genug und denken mehr an Putz und Tand, als es sich für die heutige Zeit gebührt. Und sie, Frau Postmeisterin, lebe sie wohl; wenn sie Wurstgewürze braucht, dann kann sie sich welches holen lassen. Schick' sie mir ihr Minettchen, sie soll sich aber ja nicht wieder so aufputzen wie das vorige Mal; sie sah aus, als ginge sie zum Erntekranz. Putz und Tanz sind unserer Zeit unwürdig. Und nun Gott befohlen!«
Die Pferde zogen an, und der Wagen rasselte davon; etwas verdutzt sahen die Eheleute ihm nach. »Ja, ja, so ist sie einmal, immer rasch und streng; aber gut ist sie doch dabei, und in der Not kann man sich immer an die Steinbergs wenden, das ist was wert. Das Minettchen aber soll mir nicht mehr mit den vielen Firlefanzbändern herumlaufen, ich leid's nicht,« brummte der Herr Postmeister und ging wieder in seine Schreibstube. Seine Frau kehrte in das Wohnzimmer zurück, und das ahnungslose Minettchen bekam dort brühwarm die Schelte der Frau Kammerherrin zu hören. Sehr beschämt beugte es sich über seine Näharbeit und schickte dem verbotenen Putz manch heimlichen Seufzer nach.
Der Wagen rollte unterdessen auf dem Landwege dahin, der das Rittergut Hohensteinberg mit dem Städtchen Langenstein verband. Hell strahlte die Sonne auf kahle Felder herab, und der links an der Straße sich hinziehende Laubwald schillerte in lichtem Goldgelb.
In dem Wagen herrschte Schweigen, und die Großmutter sah düster auf die Stoppelfelder am Wegrand; ach, sie hatten nur spärliche Frucht in diesem Jahre getragen, so spärlich, daß das Gespenst des Hungers schon vor vielen Türen stand, um sich mit dem Winter zugleich einzuschleichen. Die drei Enkelinnen aber kämpften noch mit ihrem Ärger über die großmütterlichen »Gänse«.
Karoline von Prillwitz, deren Eltern in Königsberg lebten, — ihre Mutter war die einzige Tochter der Kammerherrin, — verstand weniger die Gedanken, die die Großmutter bewegten, als Gottliebe und Gottlobe, die tagtäglich all das bittere Klagen um den ausgebliebenen Erntesegen angehört hatten. Sie fand darum das tiefe Schweigen auch recht langweilig. Sie seufzte einigemal, nicht zu sehr, damit es die Großmutter nicht hörte, und spähte eifrig die Straße entlang. Kam denn nichts und niemand des Weges daher? Als ein Bauer ankam und ehrfurchtsvoll grüßte, schaute sich die neugierige kleine Städterin so lange nach ihm um, als sie seine Gestalt noch verfolgen konnte: dabei übersah sie fast einen schlanken, blassen Jungen, der an einer Wegbiegung stand und träumend in die Weite blickte.
»Heda,« rief der Kutscher, »aus dem Wege!«
Der Knabe sprang zur Seite, er grüßte höflich, und in dem Blick seiner Augen lag eine Frage: es war, als wollte er vortreten und sprechen.
Die alte Frau von Steinberg war durch den Zuruf des Kutschers aus ihren Gedanken aufgeschreckt. Auch sie sah nun den Knaben und verstand seine stumme Frage. Da sie auch fast jedes Gesicht in der Gegend kannte, fiel ihr ein Fremder sofort aus. Sie rief dem Kutscher ein Halt zu und winkte gebieterisch den Knaben zu sich heran.
Der folgte der Aufforderung. Unerschrocken sah er zu der alten Dame auf, die ihn fragte: »Wohin will er?«
»Nach Hohensteinberg.«
Ein scharfer, prüfender Blick ans den hellen, klugen Augen überflog das Gesicht des Knaben, und eine leise Unruhe trat in die Züge der Kammerherrin. Etwas zögernd fast fragte sie weiter: »Zu wem will er da?«
»Zu dem Freiherrn von Steinberg.«
Sechs Mädchenaugen schauten neugierig, erwartungsvoll den kleinen Fremdling an, und Gottliebes Lippen öffneten sich; aber das vorschnelle Wort blieb ungesprochen, denn die Großmutter sprach wieder, und ihre sonst so herbe Stimme schwankte ein wenig: »Wie heißt er?«
Der Knabe wurde rot. Diesmal kam seine Antwort nicht so rasch, er zögerte, aber dann sagte er doch so freimütig wie vorher: »Ich heiße Raoul von Steinberg!«
Ein dreifacher Aufschrei erfolgte, die blonden Mädels hopsten auf ihrem schmalen Sitz hoch, und der Kutscher vergaß allen sonstigen Respekt vor seiner Herrin. Er drehte sich um und rief mit breitem Grinsen: »Ne—in, is doch nich meechlich, das Jungchen will —«
»Halt er den Mund,« wies ihn die Kammerherrin zurecht, und zu dem Knaben gewandt, sagte sie: »Steig er ein, er kann mitfahren. Rückt zusammen, Mariellen, er hat noch Platz zwischen euch. Das Bündel nimmt Heinrich auf den Bock.«
Aber Raoul folgte der Aufforderung nicht, so verlockend es für ihn war, seine müden Füße ausruhen zu können; die hochmütige Art verdroß ihn. So verneigte er sich nur mit dem feinen, zierlichen Anstand, den er der Erziehung seiner Mutter verdankte, und sagte höflich: »Ich danke sehr, gnädige Frau, aber ich kann noch gehen!« Und ohne Besinnen nahm er wieder sein Bündel über die Schulter und trabte die Landstraße entlang.
Die Augen der alten Frau blitzten. Wie ein Wetterleuchten zog es über das alte, herbe Gesicht, und ohne sich noch weiter um den Knaben zu kümmern, rief sie: »Fahr er zu, rasch, laß er die Pferde laufen!«
Heinrich folgte dem Befehl, und eine Minute später rollte das Gefährt an Raoul vorbei. Eine Staubwolke umhüllte den Jungen, der noch einmal stehen blieb und wartete, bis der Wagen einen weiten Vorsprung hatte, dann schritt er weiter, nicht schnell, denn das Wandern fiel ihm schwer, es war ihm ungewohnt, und ein Fuß war schon wund gelaufen. —
Raoul von Steinberg war glücklich mit Meister Koch nach Halle gekommen und von da in tagelanger Postfahrt über Berlin bis nach Thorn. Von hier aus war das Vorwärtskommen beschwerlicher gewesen. Er selbst wußte nicht die rechte Richtung, die Posten gingen seltener und waren besetzt, auch war seine Barschaft sehr zusammengeschmolzen. Meister Käsmodel hatte selbst noch nie eine so weite Reise gemacht und hatte gemeint, gar gut und reichlich für seinen Schützling gesorgt zu haben, und es wäre ihm selbst wohl bitter leid gewesen, wenn er gewußt hätte, wie mühselig dessen Reise war. Aber Raoul hatte sich schon in seiner Jugend in mancherlei Widerwärtigkeiten schicken müssen, er kam durch, lebte einfach, schlief in Scheunen und sah sich endlich dem Ziel seiner Reise nahe. Etlichemal hatten Bauern ihn ein Stück des Weges für einen freundlichen Dank mitgenommen, und er war gern gefahren; die stattliche Dame aber in dem wohlhäbigen Wagen hatte ihm das Mitfahren doch zu sehr als ein Almosen angeboten, und eine solche Behandlung wollte er sich nicht gefallen lassen.
»Ich komme schon hin,« dachte der Knabe mutig und schritt weiter, »lang kann's nicht sein!« Und wieder wie in all den vergangenen Reisetagen suchte er sich seine neue Heimat vorzustellen, und wie man ihn wohl empfangen würde, und ob der Oheim dem Vater ähnlich sah.
Endlich sah er das Gutshaus am Ende einer langen, schattigen Lindenallee auftauchen: ein schlichtes, zweistöckiges, aber umfangreiches Gebäude, an das sich links der Gutshof mit Scheunen und Stallungen anschloß, rechts dehnte sich weit, von einer niedrigen Lehmmauer umgeben, ein großer Park aus. An der Haustüre standen der Freiherr von Steinberg, neben ihm seine Frau Maria, und beide umdrängten die drei blonden Bäslein, die seit der Begegnung auf der Landstraße es vor Neugier einfach nicht mehr aushielten, sich den neuen Vetter näher anzuschauen. Joachim, der noch nicht ganz fünfzehnjährige Sohn des Hauses, stand etwas zurück in dem weiten Hausflur. Er wollte es nicht zeigen, daß auch ihn der unbekannte Vetter lebhaft beschäftigte, denn er hatte es den beiden Schwestern und der Base mehr als einmal gesagt, daß es ihm lieber wäre, wenn der Halbfranzose gar nicht käme; eine rechte Sache würde das doch nicht mit ihm.
»Die Großmutter tat recht, daß sie ihn auf der Landstraße stehen ließ,« hatte er erklärt, als die Mädels sehr lebhaft ihre Begegnung schilderten.
Darüber waren die Schwestern tief entrüstet gewesen, denn sie empfanden inniges Mitleid mit dem blassen Knaben. »Die Großmutter hätte ihn doch mitnehmen sollen, ihm sagen, wer wir waren,« grollte Gottliebe. Sie ahnte nicht, daß der alten Frau selbst schon ihr rasches Davonfahren leid tat.
»Wäre er doch endlich da, der arme Junge!« sagte die Hausfrau gerade leise, als Raoul am Anfang der Allee auftauchte.
»Dort kommt er,« riefen die Mädels, und als sie sahen, daß Vater und Mutter schnell dem Ankommenden entgegengingen, taten sie es ihnen nach, und so sah sich Raoul auf einmal von den neuen Verwandten umringt: man hatte ihn erwartet, wußte von seinem Kommen. Er sah die Bäschen an und errötete heiß, denn er erkannte sie gleich wieder, und zugleich wußte er auch, ohne daß es ihm jemand sagte, daß die alte Dame seine Großmutter gewesen war. Seines Vater Mutter! Er senkte stumm den Kopf, und in die tiefe Freude, die ihn erfüllt hatte, als er endlich das Heimatshaus seines Vaters erblickte, endlich am Ziel war, fiel der erste bittere Tropfen.
»Willkommen, mein Junge!« sagte der Oheim herzlich und hob das Gesicht des Knaben zu sich empor. Ernst, traurig sah dieser ihn an, und das gleiche Gefühl der Reue, das ihn ergriffen hatte, als Meister Käsmodels Brief eingetroffen war, bewegte wieder des Freiherrn Herz. Er zog den Knaben an seine Brust und sagte warm: »Gott segne deinen Eingang.«
Frau Maria empfing den Neffen mit gleicher Herzlichkeit. Auch die blonden Bäslein grüßten ihn froh, und schon wollte ein Gefühl der Befreiung über Raoul kommen, als Joachim hinzutrat. Dieser, der ihn ein beträchtliches Stück überragte, sah hochmütig, ja fast verächtlich auf den in abgetragenen, verstaubten Kleidern steckenden Vetter herab. Wie ein Betteljunge sieht er aus, dachte er, und dieser Gedanke stand so deutlich auf seinem Gesicht, daß Raoul rasch die schon ausgestreckte Hand sinken ließ. Vor ihm tauchte das derbe, gutmütige Gesicht seines Freundes Gottlieb Käsmodel auf, und eine heiße Sehnsucht nach dem Bäckerhaus wallte in ihm empor.
»Nun, da ist ja der Wanderbursch, der das Fußlaufen angenehmer findet als das Wagenfahren,« rief die Kammerherrin durch den Flur. Vor innerer Bewegung klang die Stimme der alten Frau härter und herber als sonst; sie mußte an sich halten, um das Kind ihres Sohnes, dieses Sohnes, um den sie zahllose Tränen geweint und tausend Schmerzen gelitten hatte, nicht weinend an ihr Herz zu ziehen. Raoul hörte nur die Härte, die Herbheit heraus; er dachte nur daran, daß es die Großmutter gewesen war, die ihn auf der Landstraße hatte stehen lassen. Unwillkürlich raffte er sich zusammen und verbeugte sich dann höflich und küßte die Hand der alten Frau, aber seine Lippen blieben fest geschlossen, und in seine sonnenverbrannte Stirn zog sich eine tiefe, senkrechte Falte, die seinem Gesicht etwas unendlich Hochmütiges, Trotziges gab.
Genau so hatte sein Vater einst die Stirn gezogen, und in diesem Augenblick glich er trotz den dunklen Augen und den dunklen Locken dem Vater so auffallend, daß die Kammerherrin diesen zu sehen vermeinte. Fast entsetzt starrte sie den Enkelsohn an, dann wandte sie sich stumm ab und verließ wortlos, nicht so aufrecht als sonst die Halle, — die alten Wunden waren von neuem aufgebrochen.
Frau Maria tat der arme, blasse Knabe leid. Sie zog ihn mütterlich liebevoll an sich und sagte herzlich: »Nun komm aber erst in deine Kammer, mein Kind, du wirst müde und hungrig sein. Heute sollst du Ruhe haben, morgen erzählst du uns dann von deiner Reise und siehst dich in deiner neuen Heimat um!«
»Morgen soll er erst erzählen?« rief Gottliebe namenlos enttäuscht, die schon immer vor Ungeduld von einem Bein auf das andere getreten war, »ich platze ja vor Neugier!«
»Dann wirst du wieder zusammengenäht, Mariell,« tröstete der Vater, und das heitere Lachen, in das alle einstimmten, fand nun selbst auf Raouls Gesicht einen schwachen Widerschein. Zum Erzählen war er aber doch zu müde, und er war froh, als er im Bett lag und schlafen durfte. Er schaute sich auch kaum noch in der freundlichen Stube um, in die ihn Frau Maria führte, und deren sanfte Stimme sowie Gottliebes zwitscherndes Lachen draußen aus dem Flur waren das letzte, was er noch mit wachen Sinnen hörte, dann schlief er ein. Tief und fest schlief er einem neuen Tage, einem neuen Leben entgegen.