Im Hause verloschen allgemach die Lichter, und ganz Hohensteinberg versank in tiefe, nächtliche Stille, nur aus dem Fenster der Kammerherrin fiel noch lange ein heller Schein in die Nacht hinaus. Zum zweitenmal in ihrem Leben beklagte die alte Frau, daß sie zu hart, zu streng gewesen war, aber diesmal konnte sie noch sühnen, konnte gutmachen, was sie einst nicht mehr gekonnt hatte. Damals, als sie die Nachricht von dem Tode ihres Sohnes erhalten hatte und die Witwe und sein Kind unauffindbar gewesen waren, hatte sie es nicht mehr können. Nun lebte des Sohnes Sohn in ihrem Hause, und wie hatte sie bisher die seinem Vater erwiesene Härte gesühnt? Die stolze Frau litt namenlos in dieser Stunde, als sie sich wieder einmal sagen mußte: Du tatest unrecht! Aber doch klang es auch in ihrem Herzen hoffnungsvoll: »Morgen, morgen.«
»Morgen soll ein neues Leben für den armen Jungen beginnen,« hatte auch der Freiherr zu seiner Frau gesagt. »Wie konnte ich nur bisher so wenig erkennen, daß das Fremde in seiner Art gut ist! Eine Prachtfrau muß die Mutter gewesen sein.«
Morgen, morgen, dachte auch Joachim unablässig; er, der sonst einen Bärenschlaf hatte, warf sich in dieser Nacht unruhig auf seinem Lager hin und her. Er rang immer noch mit seinem Trotz, und dazu hatte sich die Eifersucht gesellt: nun würden auf einmal alle Raoul lieben, er würde beiseite geschoben werden von den andern, wie es schon Gottliebe mit ihm getan hatte.
Draußen hatte sich der Wind erhoben; er sauste und brauste um das Haus herum, es knisterte und raschelte in dem alten Gebälk, ganz unheimlich klang es. Einmal fuhr Joachim empor, es war ihm, als hätte er tastende Schritte gehört. Aber nein, es war doch wohl nur der Sturm gewesen. Die Wetterfahne auf dem Dache drehte sich gerade knarrend, und irgendwo klappte ein Fenster — oder war es eine Tür?
»Unsinn!« murmelte Joachim und grub den Kopf tief in die Kissen hinein. Da schlug draußen ein Hund an, kurz, und er verstummte gleich wieder, und wieder war allein das Brausen des Windes hörbar. Noch eine Weile lauschte der Knabe, aber nichts, gar nichts war zu hören, und doch preßte eine seltsame, beklemmende Angst ihm das Herz zusammen. Und wieder sagte er »Unsinn!« zu sich und versuchte zu schlafen, aber es dauerte noch lange, ehe ihn der Schlaf übermannte. Er schlief so fest, daß er das laute Klopfen, mit dem Jungfer Rosalie morgens die Kinder zu wecken pflegte, überhörte und weiter schlief. Erst der Jammerruf: »Joachim, Joachim!« den Gottliebe ausstieß, ermunterte ihn völlig. Die Schwester stand in der offenen Türe, ihr liebes Gesichtchen war ganz von Tränen überflutet. »Raoul ist fort,« schluchzte sie, »Raoul ist fort!«
»Raoul — fort?« stammelte Joachim, »wie denn fort?«
»Fort ist er, seine Sachen hat er mitgenommen, er — ach Raoul, Raoul!« jammerte das Mädel.
Hinter Gottliebe trat rasch Pfarrer Buschmann in das Zimmer. Er schob das Mädel sanft hinaus, ihr über die verwirrten Locken streichend. »Geh zu deiner Mutter, Kind, sie verlangt nach dir,« sagte er milde, und dann wandte er sich an Joachim: »Steh auf, eile dich und hilf deinem Vater suchen; oder — weißt du etwa um seine Flucht?«
Joachim schüttelte verstört den Kopf. »Warum — warum nur?« stammelte er.
»Das fragst du noch?«
»Ich — ich wollte ihm abbitten — heute!«
»Warum tatest du es nicht gestern, warum verschobst du es?« fragte der alte Mann und sah traurig seinen trotzigen Schüler an. »Es kommt oft ein Morgen, an dem ein gutes Wort zu spät kommt. Raoul muß in der Nacht geflohen sein, er hat nur ein kleines Bündel Sachen mitgenommen, nur — was er hergebracht hat. Dein Vater ist schon unterwegs. Nach Langenstein ist geschickt worden, wir hoffen alle, den armen, lieben Jungen zu finden.«
»Ich finde ihn, ich muß ihn finden,« rief Joachim heftig. Er zog sich in zitternder Eile an und wollte hinaus.
»Halt, sachte, nicht so stürmisch!« Pfarrer Buschmann hielt ihn fest. »Willst du ohne Sinn und Verstand drauf los rennen, Wege, die schon andere abgesucht haben? Das nützt wenig. Du sollst zu Berkows reiten und von dort aus nachforschen. Es ist nicht unmöglich, daß Raoul den Waldweg eingeschlagen hat und dann —« Der alte Mann vollendete nicht, aber Joachim wußte genau, was er meinte. Den Waldweg, der ein großes Stück nach der nächsten Poststation hinter Langenstein abkürzte, konnten nur Kundige gehen, namentlich im Schnee konnte man sich leicht verirren. War Raoul ihn gegangen in der Sturmnacht? Wer weiß, in welcher weglosen Einsamkeit er sich schon verirrt hatte.
Raoul mußte sich von seinem Fenster aus an der Kastanie herabgelassen haben, abgebrochene Zweige deuteten darauf hin. Sonst hatte der Schneesturm in dieser Nacht jede Fußspur verweht. Jungfer Rosalie klagte mit einem ihr sonst fremden Wortreichtum: »Daß ich's nicht gehört habe, immer nur gemeint, der Sturm sei's, und das Fenster hat doch geklappt!«
An die Knie der Großmutter geschmiegt, weinte Gottliebe in fassungslosem Schmerz, und jedes Aufschluchzen fand in der Ecke des Zimmers ein leises Echo. Dort saßen Gottlobe und Karoline, und beide zuckten immer wieder zusammen und fühlten jedes ihr Teilchen Schuld, wenn die Schwester klagte: »Wir waren nicht gut genug zu ihm.« Ihr, die dem Entflohenen am meisten Liebe von den Kindern erwiesen hatte, fiel immer wieder etwas ein, was sie hätte tun können, und alles sagte sie und ahnte nicht, daß jeder Vorwurf, den sie gegen sich selbst erhob, die Großmutter bitter traf. Die sagte mit einer seltsam schweren, weichen Stimme: »Sei ruhig, mein Kind, Raoul kommt schon wieder, heute abend ist er wieder da. Sicher, er kommt wieder.« Und mit diesem Trost versuchte die Kammerherrin sich selbst zu trösten, versuchte sie ihre schwere Sorge zu bannen.
»Wir werden ihn schon finden,« hatte der Freiherr, der über des Neffen Flucht tief betroffen war, die Seinen getröstet, »er ist doch nur zu Fuß gegangen, unsere Pferde holen ihn schon ein!« Aber als der Abend kam, war noch keine Spur von dem Vermißten gefunden. Niemand hatte ihn gesehen, durch kein Dorf schien er gekommen zu sein! Auf allen Wegen, die süd- und westwärts führten, waren die Boten weit ins Land hinein gefahren und geritten, denn alle nahmen an, der Knabe habe nach Leipzig zurückkehren wollen, um vielleicht von dort aus zu seinem Onkel nach Paris zu wandern.
»Ich muß ihn finden, ich muß ihn finden,« dachte Joachim verzweifelt, und nur die ernsten Ermahnungen seiner Eltern und des Pfarrers konnten ihn nach dem Tage vergeblichen Suchens abhalten, ins Blaue hinein dem Vetter nachzuziehen. Wie eine schwere Last lag die Schuld gegen den Vetter auf seiner Seele, und als der Vater näher forschte und fragte, um den wahren Grund zur Flucht zu erkennen, da erzählte Joachim selbst die Geschichte des Tugendbundes, und wie sie Raoul von allem ausgeschlossen hätten. Er verschwieg nicht dessen tapferes Eintreten für die Tugendbündler, und während der Knabe dies alles bekannte, wurde ihm sein Unrecht immer klarer. »Ich bin schuld,« murmelte er, »ich allein!«
Die Kammerherrin sah von ihrem Enkelsohn zu ihrem Sohn, und der Freiherr nickte ihr trübe zu. »Wir wollen nicht untersuchen und fragen, wo die meiste Schuld liegt,« sagte er mit schwerem Ernst. »Euer Tugendbund war freilich eine Torheit, eine Kinderei: ihr paar Jungen und Mädels werdet das Vaterland nicht aus seiner tiefen Not befreien. Kindereien sind nicht am Platz in einer so schweren Zeit, das merkt euch alle, wir brauchen den Ernst und die Tat. Aber euch allen sei diese Torheit nicht angerechnet, weil diese Torheit aus Liebe zum Vaterland erwachsen ist. Diese Liebe haltet fest und erstarket in ihr, damit ihr dereinst fähig seid, wenn die Stunde kommt, in der das Vaterland euch braucht, Opfer zu bringen. Einen Tugendbund dürft ihr untereinander schließen, aber dazu braucht es keiner geheimen Versammlungen und törichter Bücher, euer Tun soll Zeuge sein von eurer Liebe zum Vaterland und eurer Liebe untereinander.«
Bei dem letzten Wort des Vaters sahen sich Joachim und Gottliebe unwillkürlich an, und mit einem Schrei flog das lebhafte Mädel auf den Bruder zu, hing an seinem Hals und rief schluchzend: »Wir wollen uns wieder lieb haben, und wenn Raoul — wiederkommt, dann haben wir ihn alle, alle lieb!«
»Ich will ihn suchen,« murmelte Joachim, und nicht mehr, wie so manchmal in der letzten Zeit, stieß er die Schwester unwirsch fort. Er hielt ihre Hand fest, fest in der seinen, und Liebe verstand den Bruder auch ohne Worte.
Joachim hielt Wort. Er suchte fieberhaft nach einer Spur des Verlorenen, er fragte da und dort, aber keine Spur fand sich, auch die Nachforschungen des Freiherrn blieben erfolglos. Der schrieb an den Grafen Turaillon, schrieb, daß der Neffe entflohen sei; wie er vermute, habe er sich nach Paris gewandt. Auch an den Bäckermeister Käsmodel schrieb er, und dieser Brief wurde ihm herzlich schwer; aus Leipzig kam rasch Antwort, Raoul sei nicht dort eingetroffen, und nach Wochen kam die gleiche, in einem scharfen, beleidigenden Tone abgefaßte Antwort aus Paris. Der Graf nahm an, man hätte den Neffen absichtlich entfernt, um ihn vor seinen Nachforschungen zu verbergen.
»Das wußte ich,« frohlockte Gottliebe, »nach Paris ist Raoul nicht gegangen, er haßt den Bonaparte.« Sie wurde aber gleich wieder traurig. »Aber wo mag er sein?«
Ja, wo war der Knabe? War er gestorben und verdorben in dem großen Wirrsal, in der tiefen Not, die von neuem über das deutsche Vaterland hereinbrach?
Mit dem Frühling kam von Westen her das Unheil. Napoleon zog wirklich nach Rußland, des Zaren Macht wollte er brechen. Wie ein Märchenland lockte und lockte den Eroberer das unermeßliche Reich des Ostens mit seinen endlosen Steppen und weiten Wäldern. Aber Deutschland, Preußen, lag zwischen ihm und seinem Ziel, und so zwang er dem Könige von Preußen ein Bündnis auf, das das arme Land förmlich der Plünderung der großen Armee preisgab. Und manche deutsche Mutter sah weinend den Sohn in die Ferne ziehen, denn zu Tausenden mußten deutsche Söhne den französischen Fahnen folgen, und zu denen gesellten sich noch manche, die freiwillig mitzogen, weil sie den Glauben an des eigenen Vaterlandes Kraft verloren hatten.
Als von eines solchen freiwilligen Kämpfers Mitzug, der ein Sohn alter Freunde war, die Kunde nach Hohensteinberg kam, schrie Joachim aus vor Empörung: »Ein Vaterlandsverräter!«
»Ein Armer, ein Unseliger,« sagte die Kammerherrin; die alte Frau war sehr milde geworden in dem Leid der letzten Wochen. »Wehe ihm, wehe uns! Wehe dem, der den Glauben an sein Vaterland verliert, und wehe uns, daß wir nicht mehr stolz auf unseres Vaterlandes Stärke sein können!«
Da schwieg Joachim, er schwieg jetzt oft und sann stille den Worten der Erwachsenen nach. Er, der Trotzige, Ungebärdige war in der Zeit des werdenden Frühlings zu einem ernsten Jüngling herangereift. Die Schuld, die ihn quälte, des Vaterlandes Not wandelte sein Wesen und machte ihn über seine Jahre hinaus ernst.
Es war überhaupt keine rechte Zeit für Jugendlust und Jugendübermut, und wenn die Steinbergschen Kinder mit ihren Freunden und Freundinnen zusammenkamen, dann gab es oft gar ernste, nachdenkliche Gespräche. Sie nannten sich untereinander Tugendbündler, die Eltern wußten es und widerstrebten nicht, nur mußte der Name verschwiegen bleiben, auch durfte kein Wort niedergeschrieben werden. Wohl war ringsum alles gut preußisch gesinnt, aber es gab doch etliche solcher Kreaturen im Land, wie der Rentamtmann Meldeling, und in Pillau saß eine französische Besatzung wie in manchen andern Festungen des Landes. Napoleon bewachte auch seine Bundesgenossen gut, er ahnte, daß niedergehalten in der Tiefe der Haß schlummerte.
Nur Gottliebes unverwüstliche Fröhlichkeit brach immer wieder durch, und so sehr sie sich um Raoul grämte, es kamen doch immer wieder Stunden, in denen ihr Lachen das Haus durchschallte, und einen Widerschein auf allen Gesichtern fand. Selbst Jungfer Rosalies mürrische Miene hellte sich dann ein wenig auf. Gottlobe hatte sich auch verändert. Sie schwärmte nicht mehr so überschwenglich mit ihren Freundinnen, sie hielt sich jetzt mehr zu Bruder und Schwester, und als eines Tages Karoline heimgeholt wurde, denn die Eltern wollten ihr Kind lieber bei sich in der Stadt haben in dieser Zeit, da weinte sich Lobe nicht, wie Liebe prophezeit hatte, die Augen aus dem Kopf. Ja sie lehnte sogar das Anerbieten, mit nach Königsberg zu kommen, ab; die Eltern hatten es ihr freigestellt, weil es Lobe sich immer so sehnlichst gewünscht hatte, in Königsberg sein zu dürfen.
»Sie bleibt bei uns,« schrie Gottliebe begeistert, als die Schwester ihr »Nein« sagte, »Achim, hörst du?«
In Joachims Augen leuchtete es auch freudig auf, er rief halb zweifelnd: »Bleibst du wirklich?«
»Ich bin doch eine Steinberg und gehöre hierher,« sagte Gottlobe ein wenig gekränkt, daß die Geschwister ihren Entschluß gar so verwunderlich fanden. Die sichtbare Freude stimmte sie aber froh, und von dieser Stunde an gab es eine schöne Dreisamkeit unter den Geschwistern, und in allen Sorgen erstarkte die Geschwisterliebe mehr und mehr.
»Die Franzosen kommen!« Unzähligemal ertönte in dem Frühling und Sommer des Jahres 1812 dies Wort im preußischen Land. Erst war es nur ein Ruf der Angst, der bangen Ahnung, bis dann eines Tages von Ort zu Ort die unheilschwere Kunde flog: »Sie kommen wirklich.«
Sie kamen als Freunde, Bundesgenossen und hausten wie Feinde, sie leerten die Kornkammern, trieben das Vieh aus den Ställen und zerstampften die blühenden Saaten.
Eines Tages hieß es auch in Hohensteinberg: »Sie kommen!« Und wie überall mußten es die Bewohner vom Schloß und Dorf mit ansehen, wie die Abteilung, die hier durchkam, »ihre Vorräte ergänzte«, so nannte es der führende Offizier, ein sehr höflicher Italiener. Er nahm, was er nur irgend an Lebensmitteln erhalten konnte, aber er war doch so menschlich, nicht den ärmsten Dorfleuten das letzte Stück Vieh aus den Ställen zu treiben. »Glauben Sie mir, mein Err,« versicherte er dem Freiherrn, »mir mackt dies Krieg kein Spaß, und es mackt viele keine Spaß. Dies Land da,« und er deutete mit der Hand finster in die Ferne, »ist wie der Maul von eine große Tier, er verschlingt uns! Sicker — er verschlingt uns!«
Nach diesen kamen noch andere, und Jungfer Rosalie schloß diesen bereitwillig die Speisekammer auf, stemmte die Hände in die Seiten und sagte kaltblütig. »Da!« Eine einzige Wurst bammelte an einem Faden, und ein paar Brocken lagen auf dem Brotschrank, sonst war die Kammer leer.
Die Soldaten schimpften und drohten, aber Jungfer Rosalie wischte sich mit der Hand über den Mund und zeigte kläglich auf den Magen, als wollte sie den eigenen Hunger andeuten. Dabei hatte sie selbst alle Vorräte in einen gut verborgenen Keller geschafft, den nicht einmal alle Bewohner des Hauses kannten. In dem dunklen Keller lagerte auch mancher Notgroschen, manche Wurst und manches Mehlsäcklein, das die Dorfbewohner vertrauensvoll ihrem Gutsherrn gebracht hatten.
Und als zum drittenmal Soldaten kamen, bammelte wieder nur eine Wurst in der Speisekammer, und wieder gab es nur dürftige Reste, und wieder schalten und drohten die Soldaten, und wieder blieb Jungfer Rosalie ungerührt mit in die Seite gestemmten Armen stehen. Als es aber einer der Leute gar zu schlimm machte und ihr mit dem Gewehr vor der Nase herumfuchtelte, da ergriff sie kurz entschlossen den Mann und stülpte ihn kopfüber in das leere Mehlfaß. »Sucht selbst!« sagte sie mürrisch.
Die Sache hätte freilich für die tapfere Jungfer recht übel ablaufen können, wenn sich nicht ein Offizier ihrer angenommen hätte. Er beruhigte den Soldaten, der in einem fürchterlichen Kauderwälsch Bestrafung der Untäterin verlangte, als er endlich wieder Augen und Mund von dem Mehlstaub frei hatte. Dem Offizier, einem Rheinländer von Geburt, schien der Zug nach dem weiten Rußland auch wenig Spaß zu machen, desto besser gefiel ihm die tapfere Jungfer. Er sagte beim Abschied lachend zu ihr: »Schade, daß sie kein Mann ist, sie hätte einen guten Gardisten abgegeben und gewiß tapfer gefochten!«
»Ja, wenn's gegen die Franzosen ginge,« sagte Jungfer Rosalie gelassen. Da schwieg der Offizier und nickte nur noch einmal grüßend zurück, — vielleicht hätte er auch lieber sein Leben für des Vaterlandes Freiheit eingesetzt!
Und als die Durchzüge beendet waren, die letzten Nachzügler der großen Armee den Niemen überschritten hatten, da war es, als wäre ein verheerendes Unwetter mit Hagel und Sturmflut über die Gegenden dahingebraust, die an der großen Landstraße lagen, und dem Heere folgten die Flüche, folgte das Jammern des gequälten Volkes nach.