[60] Daher die Namen: arme, irre, leichte, schwache, wandelbare, wilde, freie Weiber, Fräulein, liebe Tochter, gute Tochter u. s. w. Vgl. Weinhold a. a. O.

[61] Die unerschöpfliche Skandalchronik der Klöster hier aufzurollen ist wohl nicht nötig. Der Kürze halber sei auf die Zimmersche Chronik verwiesen, aus der allein sich ein erschütterndes Bild der geschlechtlichen Verwilderung des ausgehenden Mittelalters zusammenstellen liesse.

[62] Vgl. C. Schmidt in der Alsatia 1858–1861, S. 202 ff., und über das Folgende Kriegk a. a. O., S. 331 ff. Maurer a. a. O., S. 114.

[63] Vgl. Biedenfeld, Ursprung sämtlicher Mönchs- und Klosterfrauen-Orden, I., S. 140 ff.

[64] Wie noch heute die Nonnenklöster in Italien und Spanien die Frauenerwerbsfrage viel weniger hervortreten lassen als in England und Deutschland, zeigt treffend v. Holtzendorff, Die Verbesserungen in der gesellsch. und wirtsch. Stellung der Frauen (Virchow-Holtzendorffsche Sammlung II., Heft 40), S. 25.

[65] Sprüche Salomons Kap. 31.

[66] Vgl. die schönen Ausführungen von Schäffle, Bau und Leben des sozialen Körpers, I, S. 192 und Gesellsch. System, § 46.

[67] Vgl. meine »Wohnungs-Enquête in der Stadt Basel«, S. 179 f.

[68] Die Zahl ergibt sich, wenn man die Berufsgruppen A–E zusammenfasst und dazu die Dienstboten addiert. Es waren dann 1907 vorhanden.

 
erwerbstätige
Zunahme seit 1895
männliche Personen
18599236
19.8
weibliche Personen
 9492881
44.1
zusammen
28092117
27.0

Fasst man dagegen die Hauptergebnisse nach der Statistik des Deutschen Reichs Bd. 202, I, S. 4 f. für die gesamte Berufsbevölkerung einschliesslich der Berufslosen für 1907 zusammen, und stellt ihnen die entsprechenden Zahlen der beiden früheren Berufszählungen gegenüber, so erhält man folgendes Bild.

Die Bevölkerung nach dem Hauptberuf der Erwerbstätigen.

Berufs-
und
Betriebs-
zählung
Erwerbstätige
Personen
Dienst-
boten für
häusliche
Dienste
Angehörige
ohne
Haupt-
beruf
Erwerbs-
tätige, Dienst-
boten und
Angehörige
zus.
überhaupt
darunter
weibliche
1882
18986494
 4961228
1324924
24910695
45222113
1895
22913683
 6379942
1339316
27517285
51770284
1907
30232345
10035705
1264755
30223429
61720529
Zunahme
%
%
%
%
%
1882–1895
20.7
 28.6 
 1.1
10.5
14.5
1895–1907
31.9
 57.3 
–5.6
 9.8
19.2
1882–1907
59.2
102.03
–4.8
21.3
36.5

Natürlich verteilt sich die enorme Zunahme der Erwerbstätigen weiblichen Geschlechts nicht gleichmässig auf alle Berufsgruppen und Berufsstellungen. Es ist darum nötig, hier auf die Gliederung der Berufsstatistik etwas näher einzugehen, wobei der Vergleich der Einfachheit wegen auf die beiden letzten Berufszählungen beschränkt bleiben muss.

Die Zunahme, bez. Abnahme (–) der Erwerbstätigen zwischen 1895 und 1907 betrug:

Berufsgruppen und Berufsstellungen
männliche
weibliche
Erwerbs-
tätige
überhaupt
Erwerbstätige
A.  Land- u. Forstwirtschaft,
Gärtnerei, Tierzucht,
Fischerei
  16.4
  67.1
  19.2
a) Selbständige und Betriebsleiter
 – 2.2
 – 5.4
 – 2.6
b) Verwaltungs- u. Aufsichtspersonal
   5.7
 –10.2
   2.7
c) Gehilfen, Lehrlinge (Arbeiter)
 – 6.5
  78.1
  11.7
B.  Industrie einschliessl. des
Bergbaus
  35.4
  38.3
  35.9
a) Selbständige und Betriebsleiter
   0.1
 –11.9
 – 2.5
afr) Hausindustrielle
 –39.9
 –12.9
 –27.7
b) Verwaltungs- u. Aufsichtspersonal
 144.5
 585.7
 160.1
c) Gehilfen, Lehrlinge (Arbeiter)
  42.6
  61.4
  45.9
C.  Handel, Verkehr,
Gastwirtschaft
  44.8
  60.7
  48.7
a) Selbständige und Betriebsleiter
  19.4
  21.2
  20.0
b) Verwaltungs- u. Aufsichtspersonal
  70.5
 564.8
  93.2
c) Gehilfen, Lehrlinge
  56.0
  65.8
  58.9
D.  Häusliche Dienste und
wechselnde Lohnarbeit
 –24.1
  37.2
   9.1
E.  Oeffentlicher Dienst und
freie Berufsarten
  16.1
  63.2
  21.9
Zusammen A–E 
  19.8
  56.6
  29.2

Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen gehört der Berufsgruppe A an (1907: 4598986), in der die in der Landwirtschaft helfenden Familienangehörigen des Betriebsleiters sehr stark ins Gewicht fallen; auf die Berufsgruppe B kommen 2103924, C: 931373, D: 320904 und E: 288311.

[69] Das Einküchenhaus scheint schon bei dem ersten Versuche Fiasko erlitten zu haben. Dennoch hat ihm die »Neudeutsche Bauzeitung« vor kurzem eine Spezialnummer gewidmet, in welcher namhafte Architekten und Kunstschriftsteller sich über die »wirtschaftlichen und künstlerischen Möglichkeiten des Einküchenhauses« aussprechen. Von dem, was van der Velde darüber schreibt, sei folgendes wiedergegeben: »Man muss sich für die soziale und kulturelle Seite des Problems begeistern, und für diejenigen, die sich aufregen und leiden, wenn sie sehen, wieviele Frauen unter der Last tausend kleiner Haushaltungssorgen ihre besten Eigenschaften einbüssen, ist die Idee direkt erlösend. Ausserdem trägt sie den Keim zu einer noch vollständigeren Gemeinschaft zwischen in demselben Hause lebenden Menschen in sich. Denn wir werden uns nicht lange mit dem Haus begnügen, in dem nur die Küche gemeinschaftlich ist, wir werden auch bald den gemeinsamen Raum verlangen, wo für alle die Stiefel geputzt und die Kleider gebürstet werden, wo das Geschirr abgewaschen und alle grobe Hausarbeit von Angestellten einer Zentralorganisation verrichtet wird, die wir weder sehen noch hören werden und die wir nur für ihre Dienste entlohnen müssen. Alles drängt uns zu dieser Entwicklung, der Mangel an Dienstboten und der Wunsch, sie so wenig wie möglich um uns zu sehen.« Die Frauen haben, wie man sieht, alle Ursache zu dem Wunsche: Gott schütze uns vor unsern Freunden! Grenzt es nicht fast an Wahnwitz, wenn die Zeitungen im Anschluss an obige Ausführungen folgende Expektoration einer Amerikanerin beifällig wiederholen: »Fünfzig Feuer da, wo ein einziges genügen würde. Sie können ja an ihrem Tisch im Familienkreis mit ihren Kindern essen, wenn sie wollen, aber warum sollen fünfzig Frauen ihre Morgenstunde verlieren, um ein paar Tassen Kaffee zu machen und das so einfache Frühstück zu bereiten? Warum fünfzig Feuer, wenn zwei Personen und ein einziges Feuer genügen würden, um all das Fleisch und Gemüse zu kochen? Warum ist der Wert der Frauenarbeit niemals anerkannt worden? Warum sind die Frauen in jeder Familie, wo oft drei bis vier Dienstboten gehalten werden, gezwungen, ihre ganze Zeit (!) den Küchenangelegenheiten zu widmen? Weil selbst diejenigen, die die Befreiung der Menschheit wollen, nicht die Frau in ihrem Befreiungstraum verstanden haben — und weil sie es von ihrer hohen männlichen Würde herab für unwürdig halten, an diese »Küchenangelegenheiten« zu denken, die sie von sich abgewältzt haben auf die Schultern der grossen Dulderin Frau!«

[70] Die im Oktober 1909 in Berlin abgehaltene Generalversammlung des Verbands fortschrittlicher Frauenvereine meinte den Schrecken über die Ergebnisse der Berufszählung von 1907 dadurch überwinden zu können, dass sie einem »Verband für handwerksmässige und fachgewerbliche Ausbildung der Frau« das Wort redete. Sie ging dabei von der durch nichts beweisbaren Annahme aus, dass der Zuwachs erwerbstätiger Frauen seit 1895 durchweg aus »ungelernter Arbeit« bestehe. Die Frauen leisteten in der neuen deutschen Volkswirtschaft in überwiegendem Masse nichts anderes als »Kuli-Arbeit«. Dem soll nun abgeholfen werden durch fachgewerbliche Ausbildung. (Vgl. »Soziale Praxis« XIX, S. 55 f.) Ganz abgesehen von der Frage, ob hier von einer richtigen Annahme ausgegangen ist, wird man ernste Zweifel hegen dürfen, ob damit an der Tatsache etwas geändert werden kann, dass auch bei gleicher Leistung die Frauenlöhne niedriger sind als die Männerlöhne und dass die Erwerbsarbeit der Frauen — einerlei, ob sie »gelernte« oder »ungelernte« Arbeit ist — unter der heutigen Wirtschaftsorganisation in der Hauptsache nur abhängige Arbeit sein kann. — Uebrigens scheinen die Fälle, in denen eine ordnungsmässige Ausbildung weiblicher Handwerkslehrlinge Platz greift, schon jetzt ziemlich häufig zu sein, wie die Ergebnisse einer von dem erwähnten Verbande veranstalteten Erhebung vermuten lassen. Vgl. darüber Volkswirtsch. Blätter VIII (1909) S. 397.