Wie Robinson die Halme niedermäht.
Robinson macht sich einen Mörser und ein Sieb. – Ernte. – Brotbacken. – Vergebliche Anstrengungen wegen der Schaluppe. – Robinson baut ein Boot; vereitelte Hoffnungen. – Rückblicke auf das dreijährige Inselleben. – Trauriger Zustand der Kleider. – Robinson wird Schneider.
Von allen bekannten Handwerken war mir bis zu dieser Zeit meines Lebens keines so wildfremd geblieben, wie das eines Steinmetzen, und doch mußte ich darauf sinnen, mir einen Mörser oder ein andres geeignetes Werkzeug zu schaffen, um das Getreide in Mehl zu verwandeln. Lange Zeit suchte ich vergebens nach einem Steinblock, der sich mörserartig aushöhlen ließe; dann entschloß ich mich endlich, einen harten Holzblock aus meinem Forst zu holen.
Mit unsäglicher Anstrengung fällte ich einen dicken Baumstamm, hieb am unteren Ende ein amboßähnliches Stück ab, rundete es ringsum mit meiner Axt und höhlte es durch Feuer aus, wie es die wilden Eingebornen Brasiliens mit ihren kleinen Seefahrzeugen (Kanoes) thun. Als Stampfe diente mir eine wuchtige Keule aus demselben harten Holze.
Aber auch für ein Sieb mußte gesorgt werden, um das durch Stampfen gewonnene Mehl durchzuschütten und es von der Kleie zu sichten. Hier war guter Rat teuer, denn ich hatte weder Kanevas noch Bastgeflechte. Aber unter den Matrosensachen, die ich vom Wrack gerettet hatte, befanden sich etliche Halstücher von Kattun und Musselin; aus diesen verfertigte ich drei kleine Siebe, die ich auch ziemlich brauchbar fand.
Die Zeit der Ernte nahte heran. Mit meinen Körben schritt ich hinaus aufs Feld und überschaute den Früchtereichtum des Bodens. Dann schnitt ich die Ähren, sammelte sie in Garbenbüscheln in die Körbe und trug die segenschwere Last nach Hause. Hier ließ ich alles so stehen, wie ich es eingeheimst hatte, bis ich Zeit und Mittel finden konnte, das Getreide auszukörnen; denn ich hatte weder eine Tenne noch einen Dreschflegel.
Im ganzen brachte ich 20 Scheffel Gerste und ebensoviel Reis in mein Kornmagazin, weshalb es sich als notwendig herausstellte, das letztere besser einzurichten. Aus Erfahrung wußte ich jetzt, daß ich jährlich zweimal säen und ernten könne; die Entscheidung darüber, was in Zukunft für mich und meinen Hausstand am zweckmäßigsten sein würde, wollte ich von der Größe meines diesmaligen Verbrauchs abhängig sein lassen.
Zunächst nahm ich meine Ähren, rieb sie aus, stampfte die Körner in meinem Mörser und siebte sie durch die Matrosenhalstücher. Zum Brotbacken braucht man aber bekanntlich einen Ofen, und die Not macht erfinderisch. Ich baute mir große irdene Gefäße zusammen, die wohl breit, aber nicht zu tief waren; dann härtete ich diese mehr pfannenartigen Gefäße im Feuer. Wollte ich nun Brot backen, so zündete ich ein tüchtiges Feuer auf meinem Herde an, den ich mit rotgebrannten Steinen eigner Fabrik gepflastert hatte. Sobald das Holz hierauf zu glühender Kohle ausgebrannt war, breitete ich dieselbe derart auf dem Boden aus, daß die Steine gehörig durchhitzt wurden. Dann zog ich die Kohlen zurück, fegte die Asche weg, legte meine Brote oder vielmehr flachen Kuchen an deren Stelle, bedeckte dieselben mit den beiden irdenen Gefäßen und häufte ringsumher glühende Kohlen und Asche, um die Hitze noch zu verstärken. So bereitete ich meine Brote ebenso gut, als wären sie im besten Ofen der Welt gebacken worden; ja, ich versuchte mich sogar im Backen verschiedener Arten von Kuchen und Reispuddings, die in meinen einförmigen Speisezettel eine angenehme Abwechselung brachten.
Bei all dieser mich sehr in Anspruch nehmenden Arbeit beschäftigten sich doch meine Gedanken wiederholt mit jenem Küstenlande, welches ich auf meiner letzten Entdeckungsreise deutlich als dunklen Streifen am Horizont wahrgenommen hatte. Im Glauben, daß jenes Land zum amerikanischen Festlande gehöre, flogen meine Wünsche über die weite Meeresfläche und regten mit aller Gewalt in mir die Sehnsucht an, dorthin zu gelangen.
Indes empfand ich die Wahrheit des alten Spruches: »Das Wasser hat keine Balken.« Ich wünschte mir lebhaft meinen treuen Xury und das Boot mit den lateinischen Segeln zurück, mit dem ich eine so weite und gefahrvolle Reise längs der afrikanischen Küste zurückgelegt hatte; ohne Bedenken hätte ich mich dann von neuem dem unsicheren Elemente anvertraut.
Da fiel mir eines Tages die Schaluppe unsres Schiffes ein, welche weit auf die Küste geworfen worden war. Flugs machte ich mich auf, um zu untersuchen, in welcher Verfassung sie sich befände. Ich traf sie auch noch an der nämlichen Stelle, wo sie zuerst gelegen hatte, aber in umgekehrter Lage, denn die Gewalt der Fluten und der Stürme hatte sie auf eine sehr hohe Sandbank geworfen und aufs Trockene gesetzt. Es kam zunächst darauf an, die Schaluppe wieder umzukehren und flott zu machen. Nach vielen vergeblichen Mühen und Anstrengungen kam ich auf den Einfall, den Sand unter dem Boote wegzugraben, um es von selbst herabgleiten zu lassen und den Abrutsch durch untergeschobene Walzen und Stützen zu lenken. Aber auch hierdurch gelang es mir nicht, die Schaluppe vorwärts zu schieben und ins Wasser gelangen zu lassen, deshalb gab ich nach einer fruchtlosen Arbeit während drei bis vier Wochen die ganze Sache auf.
So sehr auch meine Hoffnungen vereitelt waren, so wurden doch meine Begierde und mein Mut nur verstärkt, und ich faßte den Entschluß, selbst ein Kanoe aus einem Baumstamm zu bauen. Ich hielt dies nicht nur für möglich, sondern sogar für leicht, zumal ich über viel mehr Hilfsmittel verfügte als die Neger oder Indianer. Freilich hätte ich auch überlegen sollen, daß ich Vereinsamter mit ganz andern Schwierigkeiten zu kämpfen haben würde als die Indianer, die einander beistehen. Was half es mir am Ende, falls ich auch das schönste Kanoe von ganz Amerika zustande brächte, wenn ich es nicht ins Meer zu schaffen vermöchte?
Man sollte denken, daß die Erfahrungen, die ich vordem mit der aufs Trockene gelegten Schaluppe gemacht hatte, mir hinsichtlich der Möglichkeit, das Boot in das Wasser zu bringen, einen handgreiflichen Wink gegeben hätten: nichts von alledem! Meine unstäten Gedanken verschmolzen sich schon so sehr mit der Meerfahrt, daß ich die Sache möglichst ungeschickt anfing. Aber stets beschwichtigte ich alle Befürchtungen mit der thörichten Tröstung: »Laß nur gut sein, Robinson! Erst das Boot fertig, das übrige wird sich finden!«
Kurz, mein Eigensinn siegte über den Verstand. Ich fand auch einen prächtigen Baum, der mir für meinen Zweck ganz wie geschaffen schien. Zwanzig Tage brachte ich dazu, den Riesen zu fällen, und vierzehn Tage mußte ich darauf verwenden, Äste und Krone abzuhauen. Dann kostete es fast einen ganzen Monat Zeit, dem Stamme jene bauchförmige äußere Gestalt des Bootes zu geben, damit er auf dem Wasser schwimmen könne, ohne sich zur Seite zu neigen. Weiterhin brauchte ich noch drei Monate, um das Innere auszuhöhlen, und zwar bediente ich mich dazu nicht des Feuers nach Art der Indianer, sondern nur des Beiles und des Meißels.
Als ich mit meiner Arbeit zu Ende war, empfand ich eine wahrhafte Freude an meiner Schöpfung, denn ich hatte in der That noch nie einen so großen, aus einem einzigen Baumstamm gehauenen Ruderkahn gesehen, groß genug, um mehr als zwanzig Mann zu fassen, und demzufolge auch mich samt meinen Habseligkeiten zu tragen. Das Boot hatte unzählige Axt- und Hammerschläge, manchen Schweißtropfen gekostet, und wäre es mir gelungen, dasselbe flott zu machen, wer weiß, ob ich nicht die unüberlegteste Reise gewagt hätte, wie sie nur je ein wagehalsiger Abenteurer unternehmen konnte.
Mein neues Fahrzeug lag zwar nicht weit vom Meere entfernt; aber das große Hindernis bestand darin, daß das Ufer zum Meere bergan lief. Ich ließ indes den Mut nicht sinken, sondern versuchte, die Anhöhe wegzuräumen und das Land nach der Küste zu abfällig zu machen. Als der Weg so ziemlich geebnet war, befand ich mich um nichts gefördert, denn das Kanoe rückte äußerst wenig von der Stelle, so wenig wie vordem die Schaluppe. Hierauf maß ich die Entfernung ab, welche zwischen meinem Boote und dem Meere lag, sowie die Tiefe des Bodens und die erforderliche Breite, um einen genügend breiten und tiefen Kanal bis zum Meere zu bauen und in diesem Bassin mein Boot hinabzuführen. Indem ich den Kraftaufwand hinsichtlich solch kolossaler Bauten veranschlagte – denn der Kanal hätte sehr viel Tiefe haben müssen – und damit die mir zu Gebote stehenden Arbeitsmittel, d. h. meine zwei rüstigen Arme, in Vergleich brachte, erlangte ich als Ergebnis meines Voranschlags die Überzeugung, daß recht gut zehn bis zwölf Jahre vergehen könnten, ehe ich ans Ziel meiner Wünsche kommen konnte.
Dieses erfüllte mich mit großer Betrübnis; ich sah jetzt, leider zu spät, ein, wie thöricht es ist, ein Werk zu beginnen, wenn man sich vorher nicht Klarheit darüber verschafft, ob der Größe des Unternehmens gemäß auch die zur Verfügung stehenden Mittel zur Ausführung hinreichen.
Mitten unter dieser Arbeit hatte ich mein viertes Jahr auf dem Eiland zurückgelegt. Ich feierte den Jahrestag meiner Ankunft, wie in früheren Jahren, durch ernste und gottergebene Betrachtungen, die mir reichen Trost einflößten.
An eben demselben Jahrestage, an welchem ich meinen Eltern entlief, um mich in Hull einzuschiffen, ward ich durch den Seeräuber von Saleh gefangen genommen und zu Sklavendiensten gezwungen. An dem nämlichen Tage, als ich aus dem Schiffbruch auf der Reede von Yarmouth gerettet ward, entfloh ich glücklich aus Saleh. Am 30. September 1659 endlich, an meinem 26. Geburtstage, wurde ich wunderbar gerettet und auf diese Insel verschlagen.
Der erste meiner Vorräte, welcher mir nach der Tinte ausging, war der Schiffszwieback, und obgleich ich mit demselben höchst haushälterisch umgegangen war, so hatte ich ihn dennoch schon ein Jahr vor meiner Kornernte gänzlich aufgezehrt, was mich allerdings etwas in Verlegenheit versetzte.
Mit meiner Kleidung sah es gleichfalls recht windig aus, denn seit längerer Zeit besaß ich nichts weiter als wenige Matrosenhemden, die meine Haut vor den stechenden Sonnenstrahlen schützten. Bei einer Durchsuchung meiner Kisten fand ich jedoch etliche taugliche Kleidungsstücke sowie ein paar große Überröcke. Fast mußte ich über den Fund dieser letzteren lächeln, denn ich hätte es in denselben vor Hitze nicht aushalten können, und doch wußte ich auch hieraus etwas Brauchbares zu schaffen. Da sich nämlich alle meine Jacken in einem Zustande bedenkenerregender Zerfahrenheit befanden, so lag es sehr nahe, mich auch einmal als ehrsamen Kleiderkünstler zu versuchen, und ich fertigte nun drei Jacken, die ich ziemlich lange tragen zu können hoffte. War aber schon das Fabrikat derjenigen Kleidungsstücke, die meinen Oberkörper bedecken sollten, in einer Weise ausgefallen, die selbst das Mitleid nachsichtiger Leute herausforderte, so legten meine Versuche hinsichtlich der Beinkleider ein noch glänzenderes Zeugnis bejammernswürdiger Unbeholfenheit ab.
Ich muß hier nachträglich erwähnen, daß ich die Häute aller getöteten vierfüßigen Tiere aufbewahrte und auf Stäben an der Sonne trocknen ließ. Einige derselben waren so hart geworden, daß sie zu nichts mehr taugten; andre aber, die nicht bis zu jener Steife zusammengedörrt waren, leisteten mir leidlich gute Dienste.
Das erste, was ich mir nun verfertigte, war eine neue große Kopfbedeckung aus Ziegenfell, an welchem ich die Haar außerhalb ließ, um mich so besser gegen den Regen zu schützen.
Noch etwas andres stellte sich mir als unentbehrlich heraus, nämlich ein Regen- oder Sonnenschirm. Denn da ich meist im Freien weilen mußte, so quälte mich die Hitze der tropischen Sonne äußerst empfindlich. Lange Zeit währte es, bis ich etwas Taugliches zustande brachte. Die Hauptschwierigkeit bestand darin, den Schirm so zu verfertigen, daß ich ihn zusammenlegen konnte; im andern Falle hätte ich ihn stets aufgespannt tragen müssen, was sicherlich die Bequemlichkeit nicht sehr vermehrt haben würde. Ich bedeckte dieses tragbare Wetterdach mit Ziegenfellen, deren Haare ich nach auswärts kehrte; so schützte ich mich, so gut es gehen wollte, gegen den Regen wie gegen die Sonnenstrahlen. Bedurfte ich seiner nicht mehr, so klappte ich den Schirm zusammen.
Vor der Hand hatte ich nun so ziemlich alle Bedürfnisse befriedigt, die sich in meiner Einsamkeit überhaupt einstellen konnten; aber nie schweigen die Wünsche des Menschen still. Ich wollte mit dem gewonnenen Nützlichen auch das Angenehme verbinden, und was konnte mir da wohl näher liegen als der Besitz – einer Tabakspfeife? Hatte ich mich doch in der Töpferei hinlänglich erprobt, daß mir die Fabrikation eines Pfeifenkopfes nur leichtes Spiel schien; auf künstlerische Verzierung dieses Thonstückes mußte ich freilich immer noch Verzicht leisten. Ein ausgehöhltes Rohr herzurichten, machte wenig Kopfzerbrechen, und so konnte ich nun mit meinem edlen Kraute das Inselreich durchdampfen.
Ich kann nicht sagen, daß mir in fünf Jahren etwas Ungewöhnliches begegnet sei, denn ich lebte in derselben Lage, an dem nämlichen Orte, auf die gleiche Weise wie früher. Ich baute mein Korn, buk Brot, erntete Trauben ein und sorgte immer für einen ausreichenden Vorrat hinsichtlich aller nötigen Nahrungsmittel; oft ging ich auf die Jagd, schoß Vögel und Ziegen, fing auch, um eine sehr schmackhafte Suppe zu haben, dann und wann eine Schildkröte und angelte Fische. Daß ich auch die ehrsamen Gewerke eines Zimmermanns, Töpfers, Korbflechters, selbst des Schneiders in Ehren hielt, habe ich bereits erwähnt.
Während dieser fünf Jahre richtete ich mein Hauptaugenmerk darauf, mir eine andre Barke zu bauen, diesmal aber die Sache klüger anzufangen als vorher. Zwar fand ich auch jetzt nicht näher am Strande einen für mein Vorhaben tauglichen Baum; denn die Baumregion begann erst eine ziemliche Strecke vom Ufer. Da schlenderte ich eines Tages ungefähr eine halbe Stunde landeinwärts, längs dem Ufer jenes Baches hin, wo ich mit den Flößen gelandet war. Dort fand ich endlich, etwa zehn Schritt vom Wasser, was ich suchte. Ich fällte den Baum, handhabte dann unablässig Beil und Meißel und hatte schließlich die Freude, meine Piroge fertig zu sehen. Nun grub ich einen Kanal, schaffte unter manchem Schweißtropfen mein Kanoe von der Werft auf das Wasser und flößte es nach dem Meere hinab in die Bucht.
Robinsons Tabakspfeife.
Obgleich ich nicht weniger als zwei Jahre mit meinen Schiffszimmerarbeiten zugebracht hatte, so entsprach doch die Größe der Barke nicht dem Zwecke, welchen ich bei Erbauung der ersteren verfolgte, nämlich dem, mit derselben das gegenüberliegende Festland zu erreichen, welches nach meiner Schätzung wohl vierzig englische Meilen entfernt lag. Dennoch empfand ich eine nicht zu beschreibende Freude, als ich mein selbsterbautes Fahrzeug so sicher und leicht auf den Wellen dahingleiten sah, und wenn ich auch auf den Wunsch verzichten mußte, jenes ferne Küstenland zu erreichen, so schien mir mein Boot doch hinlänglich fest, um in demselben eine Rundreise um mein Eiland unternehmen zu können. Zu diesem Zwecke pflanzte ich einen kleinen Mast auf meinen Ruderkahn und brachte ein Segel zustande, das ich aus mehreren Stück Leinwand zusammenschneiderte. Ebenso sorgte ich an beiden Seiten für Kästchen und sonstige Behältnisse, um darin Lebensmittel, Pulver und Blei aufzubewahren und so gegen den Regen und den Gischt des Meeres gesichert zu sein. Im Innern des Bootes machte ich der ganzen Länge nach eine Höhlung, legte meine Flinte hinein und nagelte zum Schutze gegen die Nässe Leinwand darüber. Außerdem befestigte ich noch meinen Schirm am Hinterteile der Barke, zum Schutze gegen die brennenden Sonnenstrahlen, setzte ein Steuerruder sowie einen Anker in Bereitschaft und versuchte mich zunächst in kleinen Lustfahrten in der Nähe meiner Besitzung.
Nachdem ich die Tauglichkeit meines Bootes durch solche Ausflüge auf dem Wasser erprobt hatte, konnte ich doch der Begierde, den ganzen Umfang meines kleinen Königreichs kennen zu lernen, nicht länger widerstehen. Ich brachte in mein Kanoe eine hinlängliche Menge Proviant, nämlich zwei Dutzend Brote oder vielmehr Gerstenkuchen, einen Topf mit Reis, eine Ziegenhälfte und ein Fläschchen Rum; auch nahm ich Pulver und Blei mit, sowie zwei Überröcke, die mir in kühlen Nächten teils als Matratzen, teils als Decke dienen sollten.
So ausgerüstet begab ich mich am 6. November des sechsten Jahres meines Insellebens an Bord und stach in See. Indessen sollte diese Seefahrt eine andre Wendung nehmen, als ich gedacht hatte. Nachdem ich eine Strecke hinausgefahren und an die östliche Küste gelangt war, bemerkte ich eine Kette von Felsen, die meilenweit ins Meer hinausragten und von denen einige Klippen über, andre unter der Wasserfläche vorschoben. Am Ende des Riffs breitete sich noch eine Sandbank von einer halben Stunde in derselben Richtung aus, so daß ich einen großen Umweg zu machen hatte, wenn ich die Spitze umsegeln wollte.
Diese Entdeckung kam mir sehr ungelegen, und da mir die Fahrt denn doch etwas gefährlich schien, steuerte ich in meine Bucht zurück und legte meine Barke vor Anker. Hierauf griff ich zur Flinte, stieg ans Land und erklomm einen Hügel, von wo ich das ganze Felsenriff überschauen konnte.
Ich bemerkte eine heftige Strömung, die in der Richtung nach Osten ganz nahe an der äußersten Spitze der Sandbank hinlief. Dieser Umstand konnte für mich sehr gefährlich werden; denn wenn mich der Strom packte und mit sich fortriß, so mußte ich der Insel vielleicht auf immer lebewohl sagen. Von der Südseite ließ sich ein ähnlicher Strom in der Richtung nach Ost-Nordost wahrnehmen, jedoch in einer größeren Entfernung vom Ufer. Dann sah ich eine ziemlich genau angedeutete Sandbank, die gegen die Küste verlief. Diesen Beobachtungen zufolge mußte ich meinen Kurs so nahe an der ersten Sandbank halten, als es ohne Gefahr, zu stranden, irgend anging.
Ein steifer Wind aus Ost-Südost sauste gerade dem nordöstlichsten Strom entgegen und drängte das Wasser in heftiger Brandung an das Riff und die Spitze der Landzunge. Deshalb konnte ich mich nicht auf das Meer wagen. Wegen der Brandung war es doch zu gefährlich, mich nahe am Lande zu halten, und die Strömung legte mir anderseits die Notwendigkeit auf, mich nicht weit vom Lande zu entfernen. Aus diesem Grunde blieb ich ruhig in meiner Bucht zwei Tage vor Anker liegen.