2. Kapitel
SEINE JUGENDZEIT – DIE SELTSAME LEGENDE

Und da saß der seltsame Mann am Wegrand – traurig, still weinend – als wollte sein Herz brechen. Seine Sorge hatte keine geringe Ursache. Es war nicht augenblicklicher Mangel an Nahrung, Unterkunft oder Kleidung, aber sein Herz war voll und seine Quellen flossen über. Die Welt hatte ihn ein Genie genannt und ihn als solches verzärtelt, gepriesen, bewundert und dabei hungern lassen; kein Funken Mitgefühl die ganze lange Zeit über, keine Spur von uneigennütziger Freundschaft. Die große Menge hatte sich um ihn gedrängt, wie die Gaffer der Großstädte sich um die letzte Neuheit im Panoptikum drängen, um dann, zufriedengestellt von der Besichtigung, sich abzuwenden und ihn seiner ganzen grenzenlosen Einsamkeit und seinem Elend zu überlassen.

Im Alter von acht Jahren war er in der römisch-katholischen Kirche auf den Namen Beverly getauft worden. Von seinem Vater erbte er wenig, außer dem hochfliegenden Geist und der ehrgeizigen rastlosen Natur sowie einer Empfänglichkeit für leidenschaftliche Erregungen, so groß, daß sie auf sein ganzes Leben dauernd und stark einwirkte. Nur ein Jahr lang genoß er regelrechten Schulunterricht, alle späteren geistigen Errungenschaften verdankte er nur seiner eigenen Anstrengung. Sein Vater liebte ihn wenig, um so mehr aber seine Mutter. Er war mit allen seinen Zähnen geboren worden und alte Klatschbasen weissagten ihm daraus eine außergewöhnlich erfolgreiche Laufbahn; außerdem bestärkten gewisse merkwürdige Geisterbesuche vor und kurz nach seiner Geburt seine Mutter in der Einbildung, daß er zu keinem gewöhnlichen Schicksal bestimmt sei.

Zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig Jahre vor dem Beginn dieser Erzählung wohnte in der New York City, da, wo damals die Canal Street lag, in dem Hause Nr. 70 eine Frau, deren Gesichtsfarbe die einer Mississippiquarterone[1] war. Sie stammte aus Vermont und genoß den Ruf, das schönste Weib in dem Staate und vielleicht auf der ganzen Welt zu sein. Ihr Geist war ebenso vielseitig wie ihr Äußeres reizvoll. Ihr Leben verlief bis zu jener Zeit sehr bewegt und im Grunde tief unglücklich. Ihr Feinsinn, ihre Natur und Erziehung, ihr Charakter und ihre Fähigkeiten verlangten nach einer höheren gesellschaftlichen Stellung als die, die sie aus pekuniären Gründen einnehmen mußte. Ein anderer Grund für ihre Unrast war eine unglückliche Ehe. Ihr Gatte war nach langjähriger Abwesenheit zurückgekehrt, während welcher sie ihn für tot gehalten und eine zweite Ehe mit dem Vater ihres Söhnchens geschlossen hatte, und seit jenem Augenblick empfand sie niemals mehr auch nur einen kleinen Teil dessen, wonach sie sich jahrelang gesehnt, jene Liebe und Zuneigung, die als Tugend der Mütter gerühmt wird und die allein das Leben zu einem Segen machen und den rauhen, dornigen Pfad ebnen kann.

Flora Beverly war unmittelbar verwandt mit den rothäutigen Söhnen der nördlichen Prärien, aber dieses Blut vermischte sich mit dem edleren Safte aus den Adern ihres Vorfahren, des Cid. Als sie heiratete, dachte sie sich als den Mittelpunkt eines Königreiches von ungetrübten Freuden und Wonnen zu sehen, darin sie als unbestrittene Herrscherin regieren wollte. Der Mann, den sie gewählt, nahm sie wegen ihrer Schönheit. Er glaubte mit ihrem Besitz den Himmel auf Erden zu erlangen. Beide wurden bitter enttäuscht. Ihr Gatte wußte nur die äußeren, oberflächlichen Eigenschaften und Vorzüge seiner Frau zu würdigen, während ihr inneres, höheres, besseres Ich – ihre Seele – ihm eine terra incognita war, die zu erforschen ihm, wie es bei so vielen anderen Ehemännern der Fall ist, nicht im entferntesten einfiel.

Und so erwachten die beiden, nachdem der erste Rausch der Sinnlichkeit vorüber war. Der Mann kam zur Erkenntnis, daß sein Weib für ihn ein »recht niedliches Püppchen«, die Frau, daß ihr Gatte ein Tier war, dessen Seele fest unter seinen Sinnen schlief, und sie selbst seine Sklavin und sein Opfer. Naturgemäß wurde sie bald ihres seichten Lebens müde und verlor den Geschmack daran. Da sie fühlte, daß sie von den vielen, die um sie her lebten, nicht verstanden und gewürdigt wurde, verschmähte sie jede Berührung mit ihnen und zog sich ganz in sich selbst zurück, um allmählich ihre Sehnsucht mit jeder Faser ihres Herzens auf die zahllosen Millionen der Toten zu richten. Sie rief sie zu Hilfe und glaubte mit religiöser Inbrunst, ihre Bitten seien erhört und indem sie sich ganz ihrer geheimnisvollen Fürsorge und Leitung überließ, führte sie fortan ein doppeltes Leben – ein Schattenleben in der Welt, ein wirkliches Leben im Lande der Geister. So wurde sie eine Seherin, eine Träumerin und in der für sie wenigstens wirklichen und tatsächlichen Verbindung mit den stolzen Geistern dahingegangener Völker, deren Häupter ihre Vorfahren in beiden Linien gewesen waren, suchte sie Mitgefühl für ihre Sorgen und für ihre seltsamen inneren Freuden. Und sie fand, was sie suchte, oder was für ihre impulsive Seele auf das gleiche heraus kam, sie glaubte es gefunden zu haben. Zuerst hatte sie einige Schwierigkeit, das, was sie für das leise Flüstern der ätherischen Bewohner des unsichtbaren Reiches Manitous hielt, in die verständliche menschliche Sprache des Herzens und der Worte zu übertragen. Sie sehnte sich glühend nach einem freieren Verkehr mit den Toten, und sie wurde befriedigt.

Die arme Flora, dieses merkwürdige Mischgebilde von Natur und Kunst, sollte ein Kind gebären, und dieses Kind – der Held dieses Buches – wurde unter den Umständen geboren, von denen hier berichtet wird.

Im Herzen dieser Frau schlummerte, wie ich schon sagte, ein Vulkan. Ihre überströmende Seele verkörperte sich wieder in dem Sohn, den sie geboren, und sie pflanzte dem Kinde ihre eigene brennende Sehnsucht nach Liebe und Gegenliebe ein, alle ihre mystischen Neigungen, ihre Vorliebe für das Geheimnisvolle, all ihr metaphysisches Streben nach unirdischen Beziehungen, ihre ganze entschlossene und doch fast verzweifelte, leidenschaftliche, impulsive, edle Natur, alles, alles fand in ihm Wohnung und Namen.

So trat er in die Welt, von der Geburt an zu seltsamen und bitteren Erfahrungen verurteilt – verurteilt, allein und ohne Freunde dem schneidenden Wehen der Winterstürme und der glühenden Hitze der Sommersonne zu trotzen; sich an die Hoffnung auf einen frühen Tod anzuklammern und dabei doch mit zehnfacher Zähigkeit am Leben zu hängen.

An dieser Stelle will ich den Inhalt eines Berichtes wiederholen, den er selbst über seine Kindheit und seine geheimnisvollen Erfahrungen mit den Geistern gab. Man hatte ihn einmal über gewisse ihm zugeschriebene außergewöhnliche Kräfte befragt und er entgegnete darauf:

»Als ich noch ein kleines Kind war, wohnte meine Mutter in einem großen, dunklen, düsteren, alten Steinhaus auf Manhattan Island. Damals war New York fast nur ein Viertel von dem, was es jetzt ist, und jenes Haus lag eine ziemliche Strecke außerhalb der Stadt. Es steht noch heute an der gleichen Stelle, aber die City ist meilenweit darüber hinaus gewachsen. Das Gebäude war in Zeiten, wo Pest, Fieber, Pocken oder Cholera wüteten, als Pesthaus oder Lazarett benützt worden und in ihm sind Tausende an jenen Krankheiten gestorben; von ihm aus nahm in meinem fünften Lebensjahre die Seele meiner Mutter ihren ewig dauernden Flug.

Viele waren bereit, einen Eid darauf zu schwören, daß das alte Haus von Geistern heimgesucht werde, die in schrecklichem Schweigen durch die feierlichen, stattlichen Säle des massigen Inselschlosses wandelten. Aber im allgemeinen hatten die Zeugen solcher Geisterbesuche weder Zeit noch Neigung, um die Bekanntschaft mit den Besuchern zu pflegen – ausgenommen einer, ein Apotheker namens Banker, der einmal einer jener Erscheinungen eine Verwünschung zurief, worauf diese ihm einen Schlag auf den Kopf versetzte und ihm zur Strafe für sein Majestätsverbrechen die Kinnlade vollständig zerschmetterte. Von dieser einen Ausnahme abgesehen, beeilten sich alle, die einem jener Geister begegneten, die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen, und es war erstaunlich, mit welch überraschender Schnelligkeit selbst Gichtbrüchige die Flucht ergriffen, wenn einer von denen, die mit einem Schafhäutchen über dem Gesicht geboren waren, und denen daher im Volksmund die Fähigkeit zugeschrieben wurde, Geister zu sehen, erklärte, es sei ein Gespenst in der Nähe; und da derartig Bevorzugte Geister sehen konnten, so wünschte ich mir oft, ich möchte einem begegnen, der mit zwei Schafhäutchen geboren war, so daß er sie nicht nur sehen, sondern auch mit ihnen sprechen könnte.

Viele glaubten nicht an Geister. Ich glaube an Geister der verschiedensten Arten, die ich im folgenden aufzählen möchte: 1. Es gibt Abbilder, die von den Seelen ausgesandt und irgendeinem andern weit Entfernten sichtbar werden. 2. Die Erzeugnisse einer erhitzten Phantasie – die Vorspiegelung der Geister – die Folgen von Gehirnfieber, Trunkenheit, Opium und andere Hirngespinste. 3. Die Geister toter Menschen. 4. Geistige Wesen von anderen Planeten. 5. Wesen von ursprünglichen Welten, die nicht gestorben, aber nichtsdestoweniger von so feiner Struktur sind, daß die Gesetze der Materie, denen wir unterworfen sind, für sie nicht gelten, und die, indem sie so unter die Wirksamkeit jener Gesetze fallen, die die entkörperten Menschen regieren, imstande sind, alles zu tun, was jene tun. 6. Ich glaube, daß menschliche Wesen aus Verzweiflung oder bösem Willen häufig geistige Harpyen ins Leben rufen, die furchtbare Verkörperung ihrer bösen Gedanken. Das sind quasi Dämonen, die so lange existieren, als ihre Schöpfer unter der Herrschaft des Bösen stehen. 7. Ich glaube an eine ähnliche, aber von den guten Gedanken guter Menschen ausgehende Schöpfungskraft, die lieblichen Emanationen sehnsüchtiger Seelen. Man beachte diese sieben Klassen wohl. Sie bilden eine genaue Darstellung der Lehre ›der Rosenkreuzer von der höheren Ordnung‹.

Als ich etwa fünf Jahre alt war, kam ich eines Tages von der Schule nach Hause und fand die irdische Hülle, die körperliche Gestalt der einzigen Freundin, die ich je besessen, meiner Mutter, kalt und zusammengesunken. Welch ein Schlag für mein Kinderherz! Sie war an jenem Morgen der Erde müde geworden, hatte heiter und vertrauensvoll ihre liebevollen Augen geschlossen; und ich blieb allein zurück, um gegen vier mächtige Feinde zu kämpfen: Vorurteil, Armut und meine eigene Natur. Der vierte ist fast zu schrecklich und zu phantastisch, als daß man ihn für möglich halten könnte, aber ich will erzählen:

DIE LEGENDE

Vor vielen, vielen Jahrhunderten lebte in dem Lande, wo in späteren Zeiten Babylon und Ninive standen, ein mächtiger König, dessen Macht groß und unbestritten war. Weise, wohlgebildet, aber exzentrisch, hatte er eine Tochter, die über alle Beschreibung lieblich und klug und schön war. Könige und Fürsten bewarben sich vergebens um ihre Hand, denn ihr Vater hatte geschworen, er werde sie keinem anderen Mann geben als dem, der ihm ein Rätsel lösen könnte, das er, der König selbst, ihm aufgeben würde; wüßte er aber die Lösung nicht, so müsse er sterben. Das Rätsel lautete: »Welches sind die drei wünschenswertesten Dinge unter der Sonne, die nicht die Sonne sind, die aber in der Sonne wohnen?« Tausende von heiteren und ernsten, weisen und ehrgeizigen Männern versuchten die Lösung, fanden sie nicht, ließen ihr Leben und bestiegen das fahle Roß des Todes.

Inzwischen war weit und breit verkündet worden, daß Purpurgewänder, goldene Ketten, der höchste Rang im Reiche und die Hand der Prinzessin die Belohnung des Glücklichen sein würden.

Eines Tages nun kam eine glänzende Gesandtschaft von dem König des Südens an den Hof, die ein Bündnis schließen wollte, und neue Verträge vorschlug. In ihrem Gefolge befand sich ein junger Dichter, der der Gesandtschaft als Dolmetsch diente. Dieser Jüngling hörte von der merkwürdigen Angelegenheit, erkundigte sich nach den Bedingungen und prägte sich das Rätsel ein. Vier lange Monate hindurch brütete er darüber und dachte nach, indem er alle möglichen Antworten in seinem Geist erwog, aber ohne eine zu finden, die allen drei Erfordernissen gerecht wurde.

Um ungestört nachdenken zu können, pflegte sich der junge Mann in eine Grotte hinter dem Palast zurückzuziehen und sich dort das Rätsel und alle möglichen Lösungen durch den Kopf gehen zu lassen. Als die Prinzessin davon hörte, beschloß sie, ihn zu beobachten und führte diesen Entschluß auch aus. So sah sie ihn täglich, ohne daß sie von ihm bemerkt wurde, und bald wurde sie von Liebe zu ihm so entflammt, daß sie ihn mehr liebte als ihr Leben.

Eines Tages nun schlief der Jüngling in der Grotte ein und sein Haupt lag dabei gerade über einer Felsspalte, aus der ein sehr feiner, leichter Dampf hervorströmte, der ihn bald in einen Traumzustand versetzte, in dem er die Prinzessin selbst zu sehen glaubte, unverschleiert und lieblicher als die Blumen, die in des Königs Garten blühten. Er glaubte sodann eine Inschrift zu sehen, die ihn aufforderte, nicht zu verzweifeln, und zu gleicher Zeit stand vor seinem Geiste der Satz, der später die Losung jener mystischen Brüderschaft wurde, die einige Jahrhunderte lang unter dem Namen der Rosenkreuzer bekannt war: ›Es gibt keine Schwierigkeit für den, der ernstlich will.‹ Und mit diesem Satz kam ihm die Lösung von des Königs Rätsel, an die er sich erinnerte, als er erwachte. Sogleich erklärte er, er sei bereit, das zu versuchen, was so vielen Abenteurern das Leben gekostet hatte. Es wurden umständliche Vorbereitungen getroffen, wobei der Henker nicht vergessen wurde, der mit einem blanken Schwert bereit stehen mußte, um den Dichter um einen Kopf kürzer zu machen, wenn er die Lösung nicht fände. Zur bestimmten Stunde versammelte sich der ganze Hof, darunter auch die Prinzessinnen in dem größten Saale des Palastes. Der Dichter näherte sich den Stufen des Thrones, kniete nieder und sprach: »O König, mögest du ewig leben! Welche drei Dinge sind wünschenswerter als Leben, Licht und Liebe? Welche drei sind untrennbarer? Und was kommt mehr von der Sonne und ist doch nicht die Sonne? O König! Ist dem Rätsel gelöst?« »Ja,« sagte der König, »du hast es gelöst, und ich werde mein Wort halten.« Und er gab sogleich Befehl, die Hochzeit mit königlichem Pomp zu feiern, obwohl er, durch einen hohen Hofbeamten beeinflußt, die Dichter im allgemeinen nicht leiden konnte, und diesen einen gerade deswegen nicht, weil er glaubte, der junge Mann habe ihn bei einem der soeben abgeschlossenen diplomatischen Verträge übervorteilt. Nun geschah es, daß der Großwesir gehofft hatte, irgendwie eine Lösung des Rätsels zu finden und so den großen Preis für einen seiner eigenen Söhne zu gewinnen; und sobald nun an jenem Tage der Diwan zu Ende war, eilte er in das Privatkabinett des Königs und bemühte sich, seinen Herrn noch mehr gegen den Sieger zu stimmen, indem er ihm vorspiegelte, jener habe nur durch Zauberei gesiegt. Dies erzürnte den König so sehr, daß er seine Einwilligung gab, den jungen Bräutigam noch in derselben Nacht durch einen schnellen, heimlichen, grausamen Tod beiseite schaffen zu lassen. Zu diesem Zweck wurde bei dem abendlichen Festmahl dem Dichter ein Schlaftrunk gegeben und, als dieser seine Wirkung getan hatte, legte man ihn auf ein Ruhebett und brachte ihn dann in den Raum, der für widerspenstiges Gesinde des Hofes bestimmt war. Dieser Raum lag unter der Erde und als der Jüngling dort mit roher Gewalt auf den Boden geworfen wurde, erwachte er und sah mit Bestürzung, daß er an Händen und Füßen gefesselt war; vor ihm stand der König, der Wesir und einige Soldaten und – der Tod; denn er sah an den Blicken seiner Feinde, daß seine Tage gezählt waren. Vergebens verteidigte er sich gegen die Anschuldigung der Zauberei. Er wurde zum Tode verurteilt und der König gab sogleich Befehl zum Vollzug des Urteils. Gerade in dem Augenblick, als der tödliche Streich fallen sollte, erschien eine riesige Hand, die offenbar die erhobene Klinge aufhalten wollte. Aber zu spät, das Schwert fiel. Als es den Nacken des Dichters berührte, stieß dieser die schrecklichen Worte aus: »Ich verfluche euch alle, die ihr –« der Rest des Satzes wurde im Jenseits gesprochen; aber gleichzeitig erhob sich ein Lärm und ein Geschrei wie von tausend anklagenden Geisterstimmen, und eine von ihnen rief unter Donnergetöse: »Dieser Jüngling hat durch seine Willenskraft die Tore zu dieser Welt und zur Welt des Geheimnisses entriegelt. Er war der erste seines und deines Geschlechts, der jemals so hohen Ruhm erreichte. Und ihr habt ihn erschlagen, und er hat dich verflucht, und darum hast du, o König, und du, o Wesir, wie auch der Tote die menschliche Natur mit einer andern vertauscht. Der König wird durch die Jahrhunderte hindurch von einer Gestalt in die andere wandern. Du aber, o Wesir, wirst leben, bis dir vergeben ist; – Dhoula Bel soll dein Name sein und du sollst den König versuchen durch Menschenalter hindurch und dein Streben soll zunichte werden, so oft immer der Jüngling – der der ›Fremde‹ genannt werden wird – es so will, um der Liebe willen, die er im Herzen trug. Dieses Drama soll dauern, bis ein Sohn Adams eine Tochter Ichs heiraten wird oder bis du, o König, in einer der Gestalten deines Daseins lieben und wirklich und treu wieder geliebt werden wirst, und zwar nur um deiner selbst willen. Möge eine Ewigkeit vergehen, bis dies geschieht.««


»Fragt mich nicht,« sagte der junge Beverly, »warum, sondern glaubt mir, wenn ich sage, daß ich weiß, daß ich vor unvordenklicher Zeit jener König war; daß der Fremde meiner Mutter erschien, daß Dhoula Bel mich noch immer wegen der alten Sünde heimsucht und quält. Ich kenne das Schicksal, das über mich verhängt ist, und ich weiß, daß ich in dieser gegenwärtigen Gestalt ein neutrales Wesen bin, für das es keine Hoffnung gibt, außer der Vereinigung von mir, einem Sohne aus Adams Geschlecht mit einer Tochter Ichs, einer, die nicht aus Adams Geschlecht stammt … Das also ist das tragische Geschick, dem ich so erbarmungslos an jenem Morgen, da meine Mutter auf Manhattan Island starb, ausgeliefert wurde – verurteilt, für ein Verbrechen zu sühnen, das vor Jahrtausenden begangen worden war.«