Was rauschet dort unter des Waldes Eichen?
Ein Gießbach ist’s mit geschwätzigem Mund,
Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen,
Die Mühl’ im blumigen Wiesengrund.
Da treibet des Wassers Stärke
Bei Tag und bei Nacht die Gewerke;
Es wälzt, von der tobenden Welle gefaßt,
Schwerfällig das Mühlrad seine Last.
Und kommt des Weges, bei nächtlicher Weile,
Der Wandrer gegangen, so hört er alsbald
Die Wasser schon rauschen in flüchtiger Eile,
Und höret der klopfenden Hämmer Gewalt,
Und sieht im Mondschein die Wogen
Zerstieben in glänzendem Bogen.
Doch kommt er näher, da faßt’s ihn an,
Ein leises Grauen den Wandersmann.
Denn, wo sich die tosenden Räder schwingen
Und wühlen im gährenden Wasserschlund,
Da hört’ er mit lieblicher Stimme singen,
Wie Geister tief unten im feuchten Grund.
Drauf sieht er mit eignen Augen
Einen Arm aus den Wellen tauchen.
Und ziehet heim, von Gedanken schwer,
Und erzählet Niemand die schaurige Mähr’.
Ein Töchterlein einst von wenig Jahren,
Das hatte der Müller mit Liebe gepflegt,
Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren,
Es war ihm vom Himmel an’s Herz gelegt.
Das spielt’ einst in friedlichen Träumen
Ganz nah, wo die Wogen schäumen,
Und pflückte sich duftende Blümchen ab
Am Rande vom tobenden Wellengrab.
Und wie es sich bückt, zieh’n fremde Gewalten
Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh’n,
Und die Himmlischen können’s nicht mehr halten,
Und es sinket hinab, und es ist gescheh’n!
Schon wälzet das Mühlrad die Speiche
Zermalmend über der Leiche,
Und siehe, des Kindes purpurnes Blut
Färbt röthlich die schneeweiße Wasserfluth.
Dort, wo sich die Räder brausend schwingen,
Und wühlen im gährenden Wasserschlund,
Wo’s der Wandrer höret so lieblich singen,
Wie Geister tief unten im feuchten Grund,
Ist des Waldmüllers Kind begraben,
Das die Räder zermalmet haben,
Und spät, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht,
Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht.
Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde:
„Lieb’ Vater, lieb’ Mutter, was weinst Du so sehr?
„Hier unten ist’s freundlich, ist kühler wie Erde,
„Lieb’ Vater, lieb’ Mutter, o weine nicht mehr!“
Den Müller faßt es mit Grausen,
Wenn er höret die Stimme draußen.
In nächtlicher Stunde, bei Wetter und Wind,
Da singt das ertrunkene Müllerkind.