Wie einst Memnon’s Säule sanft ertönte
Bei Aurorens erstem Strahlenkusse:
So tönt mir auch dieses Jahres erster
Morgenstrahl Gefühle in die Brust,
Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen,
Wenn es sich an das der Eltern dränget.
Auf die Feder scheint die Morgensonne
Mir und ladet mich zum frohen Gruße.
Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten,
Die Minute, wo in Euren Armen
Inniger mein Herz dem Eurigen
Und der Zukunft ungewissen Tagen
Freudig wünschend dann entgegenschläget!
Nicht entweihen will ich durch die Feder,
Was die dankerfüllte Brust durchglühet,
Sagen nicht, wie Eure Elternliebe
Mich von meinem ersten bis zu diesem
Morgen mit des Dankes Hochgefühlen
Ewig an die treuen Herzen bindet;
Sagen nicht, was ich aufzählen weder,
Noch Euch je vergelten kann, – ach wenn ich
Mir dies denke, alle die Wohlthaten,
Mir zurück in meine Seele rufe:
Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele),
Einer Thräne gleich, mein frommer Dank
In dem Meer der elterlichen Liebe,
Und das Ziel von allem meinem Streben
Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen.
Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied
Auf den kleinen Knaben nieder – und der
Kinderjahre gold’nen Traum; – er wußte
Noch nicht, wem er seine Freuden dankte:
Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten,
Der Natur, der heit’re Frühlingshimmel
Andere, erhabene Gefühle
In die Jünglingsbrust; – es weiß der Jüngling
Nun für wen des Dankes Zähre fließt!
Der die Welten schuf und die Natur
Und den heitern Frühlingshimmel, der das
Leben seinen Menschen gibt und nimmt,
Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen
Ueber unserer Erde aufgeh’n ließ:
Er nur kennt der Herzen heil’ge Tiefen,
Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, – Beten!