Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande,
Großherzogs von Luxemburg.

1840.

Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter,

Verblüht sind längst die Wälder und die Flur,

Und eingesammelt hat die welken Blätter

Und schlafen geht die liebende Natur.

Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen,

Da weht ein Frühling, still und ungeschaut,

Der, statt im Blüthenwalde der Ardennen,

In unsern Herzen seine Tempel baut.

Und dieser Frühling da ist uns’re Liebe,

Mit der das Land stolz seinen König nennt,

Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe,

Die’s jetzt und ewig seinem Herrn bekennt.

Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten

Jung, grün und herrlich in dem Lande steht,

Und die Er jüngst mit königlichen Worten,

Mir reicher Huld in unser Herz gesä’t.

Du altes Land, das nach so bitterm Harme

Sich zu des Thrones Füßen treu gelegt;

Du stolze Mutter, die auf Riesenarme

Die Wiege seines Königshauses trägt;

Du tapf’res Land, das einst so groß gestritten,

Du schönes Land, wo Reb’ und Aehre blüh’n;

Du treues Land, das einst so viel gelitten,

Was sind die Wünsche, die Dein Herz durchglüh’n?

Du Herr der Welten, wollst dem König geben

Den mächt’gen Segen Deiner Vaterhand!

Du woll’st bekleiden Sein geliebtes Leben

Mit Deiner Gnade köstlichem Gewand,

Und Sein Gemüth durch Kraft und Weisheit segnen,

Damit Sein Ruhm erblühe weit und breit,

Damit Sein Heil und uns’res sich begegnen,

Und wir Dich loben bis in Ewigkeit!

Was sonst noch unser Herz bedrängt, wir sprachen’s

Noch jüngst an Seiner Thronen Stufen aus.

Frag’ Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen’s

Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus.

Es thut uns Noth ein kräftiges Beschirmen

Der alten Halle, die uns einst gebar,

Des heil’gen Hauses, das in mächt’gen Stürmen

Die Wohnung Luxemburger Treue war.

Dies Haus sind uns’re Bräuche, uns’re Sitten,

Und jene Einheit, die daraus ersteht;

Das ist der Dom, für den wir oft gestritten,

Von dem die Fahne uns’res Volkes weht.

Daß Gott den Blitz von diesem Hanse leite,

Und daß der schlaue Feind es nie entweiht!

Denn eines Volkes köstlichstes Geschmeide,

Das ist des Volkes Eigenthümlichkeit.

Und steht es fest in seinen guten Fugen,

Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein,

Dann kümmern nicht uns jene Wunderklugen,

Die uns verbieten, was wir sind, zu sein.

Doch, was wir lieben und was uns erkannte,

Das komm’ herein, dem sei der Weg gebahnt.

Willkommen d’rum, erhab’ner Fürst, im Lande,

Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt!