Der Jünglingsverein an seinen Director,
bei dessen Abreise nach Rom,

am 10. April 1855.[15]

Großer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land

Bringen uns die frohe Kunde, daß der Herr vom Tod erstand.

Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur,

Wird’s lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur.

O das ist ein Tag, da läßt sich wohl verwinden manches Weh,

Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frühlingsschnee.

Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thräne hell und klar,

Das ist der verwund’ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war.

Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein,

Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih’n.

Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib’ uns nah!

Deiner Kinder hier im Lande denk’ im Land Italia!

Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn,

Schaukelst auf der Ströme Wellen, oder auf des Meeres Plan,

Wandelst auf dem welschen Boden, unter’m blauen Himmelszelt,

Oder durch die ew’gen Hallen in der großen Stadt der Welt: –

Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit,

Und die Heil’gen, die wir rufen, steh’n als Garde Dir zur Seit’.

Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus,

Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus.

Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfüllt ist Deine Pflicht,

Heim aus Roma’s Herrlichkeiten, heimzukehren zögre nicht.

Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst,

Dann vergiß nicht Deiner Durst’gen, daß Du ihnen Labung bringst.

O dann zählen wir die Stunden, wo das Boot die Räder schlägt,

Das, vom lauen Süd beflügelt, den Geliebten zu uns trägt.

Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer.

Zögre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her.

Segne uns noch, eh’ Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist,

Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil’gen Geist.

Dann leb’ wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand,

Daß sie aus der Fern’ uns leite, reich uns deine theure Hand.