Der Lehrer an seine Schüler.

Es ist ein heilig Band, das um die Herzen

Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar

Die Wissenschaften und die Künste winden –

Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergänglich,

Wenn die Gemüther sich einander finden.

Dies Band zu weben, sind geheime Geister

Mit raschen Händen früh und spät geschäftig.

Bald kommen sie auf Sternenhöh’n des Glaubens,

Die nicht des Menschen Auge schauen kann;

Bald aus den Räumen der geschaffenen

Naturwelt, die sein kühner Blick durchdringet;

Bald aus den Tiefen der Philosophie;

Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen,

Die der Verstand zur Harmonie gezwungen:

Bald aus des Alterthums entleg’nen Welten,

Von denen Weise jener Tage melden;

Bald aus den Wäldern weit entfernter Zonen,

Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen.

So kommen sie, mit alt’ und neuem Leben,

Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen,

Aus allen Elementen, um zu helfen,

Geheimnißvoll der Liebe Band zu weben.

Doch kenn’ ich zwei von jenen kleinen Webern,

Gar sehr geschäftig, mächtig, flink Geschwister.

Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge,

Von reichem und harmonischem Gemüthe, –

Die Schwester, eine schöne Himmelsblüthe,

Die einst als Mädchen aus der Fremde kam,

Mit einem Füllhorn überird’scher Gaben.

Die erste trägt die Tafeln der Gesetze,

Wonach die Muttersprache tönt und klingt;

Die and’re mit dem Amaltheahorne,

Sie trägt die gold’nen Schlüssel zu dem Borne,

Aus welchem in melod’schen Wellen

Die Lieder uns’rer Dichter quellen.

Was hab’ ich diesen Schwestern zu verdanken,

Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen

Die Früchte und die Lieb’ umranken,

Die sich so schön in diesem Strauße zeigen?

Dann bin ich glücklich, denn, wie jene Schwestern,

Zu allen Zeiten, heut’ wie gestern,

Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt:

So wird auch immer leben, was sie schufen,

Und oft den Freund, der ferne von euch geht,

Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht,

In euer liebendes Gedächtniß rufen.

Lebt wohl, ich dank euch für die schönen Stunden,

Wo ihr der Muttersprache Melodien

Ein freundlich und empfänglich Ohr geliehen, –

Wo ich für kurze Zeit das Glück gefunden,

Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen,

In der wir manchen schönen Strauß gebunden.

Lebt wohl, und laßt der Welt ihr eitles Treiben!

Was uns verknüpft, muß ewig bleiben!