am 21. August 1853.
Verklungen sind die brausenden Accorde,
Die durch den glanzerfüllten Saal getönt;
Verhallt die Lieder, die gewalt’gen Worte,
Und all der Pomp, der dieses Fest verschönt.
Es schließt Athene ihres Tempels Pforte,
Heim zieht die junge Welt, von ihr gekrönt,
Und unter’m Jubel ist entzückter Wogen
Das hohe Fürstenpaar dahin gezogen.
Wir fragen, ist es Täuschung nur gewesen?
War’s nur ein Traum aus dem romant’schen Land?
Und haben wir ein Mährchen nur von Wesen,
Die uns die Zauberwelt der Feen gesandt,
Vom „Mädchen aus der Fremde“ nur gelesen,
Die den Geliebten ihres Herzens fand,
Und nun beglückend Alles, die Beglückte,
Mit Lorbern uns’rer Söhne Häupter schmückte?
Ach, so ist unser Dasein ein Entbehren,
Daß Aug’ und Herz sich selber nicht mehr trau’n,
Wenn ungetrübt mit seligem Verklären
Entzückungs-Stern’ in uns’re Thäler schau’n.
Wer uns besucht, war nicht ein Prinz der Mähren,
Nicht eine Königin der Elfenfrau’n –
Sie selber sind’s, und uns’re Herzen brennen,
Vor Freude, daß wir sie die unsern nennen.
Und konnten wir nicht fesseln die Sekunden,
Gebieten nicht dem Pendelschlag: halt ein!
Soll darum die Erscheinung ganz verschwunden
Und, wie ein Traumgebild, vergessen sein?
Herbei ihr Künste, die den flücht’gen Stunden
Unsterblich Leben bei der Nachwelt leih’n!
Ihr Maler mit der Dichtung um die Wette,
Herbei die Leinwand, Pinsel und Palette!
Malt mir ein Meisterbild – euch wird zum Lohne
Ein Ruhm, der durch’s Jahrhundert wiederhallt –
Malt mir auf sammtgeschmücktem Blumenthrone
Ein Wesen von ätherischer Gestalt,
Ein fürstlich Weib, und aller Frauen Krone.
Der Schönheit majestätische Gewalt
Laßt mit der Anmuth Grazie sich vereinen,
Und über sie der Jugend Frühling scheinen.
Malt ihr zur Seite, mit der bärt’gen Wange
Im kriegerischen Schmuck den Heldensohn,
Den Admiral von königlichem Range,
Der uns’re Flagge, wenn Gefahren droh’n,
Vertheidigt in der Stürme wildem Drange,
Zum Trotz den Wogen und dem Feind zum Hohn,
Dann laßt sich über beide Huldgestalten
Der Gattenliebe milden Glanz entfalten.
Malt mir das Paar von seinem Hof’ umgeben,
Und von der Würdenträger dichter Schaar –
Von Haus und Kirch’ und Staat ein buntes Leben –
Mischt Krieg und Frieden, Feder und Altar.
Laßt Sterne sich und Kreuze blitzend weben
In Seid’ und Sammt, auf Kriegskleid und Talar,
Und legt in all die Augen und Gesichter
Der patriotischen Begeist’rung Lichter.
Dann laßt die Wände beim Fanfarenschalle
Aus Blumenflor und Fahnen sich erbau’n.
Bevölkert mir die schön geschmückte Halle
Mit einem Meer von Jünglingen und Frau’n,
Mit tausend Köpfen, jung und frisch, die alle
Entzückt hinauf zum Fürstenpaare schau’n –
Und über’s Ganze laßt der Sonne Strahlen
Durch’s off’ne Fenster eine Glorie malen.
Doch jetzt – verstummt sind die Orchesterklänge –
Die Palme winkt, um die die Jugend stritt –
Und siehe, zagend aus der bunten Menge
Ein schmucker Jüngling nach dem andern tritt.
Sein Auge glänzt, die Brust wird ihm zu enge,
Zur Fürstin lenkt er ungewohnt den Schritt,
Und dem Erglüh’nden reichen ihre Hände
Mit Grazie der Athene Lorberspende.
Mag dir dies Alles, Maler, wohl gelingen –
Ein and’res Reich gehört dem Sänger zu,
Wo die Empfindung fleugt auf Adlerschwingen,
Und nicht des Raumes Schranken kennt, wie du.
Das Geisterreich, wo die Gefühle ringen,
Ist uns’rer Brust geheimnißvolle Truh.
Die Thräne kann kein Pinsel wiedergeben –
Was sie gebar, kann nur im Liede leben.
O diese Thrän’, ich sah sie blitzend scheinen
Aus deinem Auge, Jüngling, saphirblau;
Und schlecht verbarg ein Tuch sie in den deinen,
Als man ihn krönte, du glücksel’ge Frau.
Verhüll’ sie nicht, dich ehrt dein stilles Weinen –
Der stolzen Mutterliebe selt’ner Thau.
Mit solchen Perlen mag sich keine messen,
Die dir Tragödien durch die Wimper pressen.
Auch Vater du? o eine Manneszähre
Trifft wie ein Schwert das Herz, das sie verstand.
Zerdrück sie nicht, du würd’ger Greis, und wehre
Dich nicht gewaltsam, wenn’s dich übermannt,
Und vom Empfindungs-Sturmwind gleich dem Meere,
Das kein ohnmächtig Wort der Sitte bannt,
Dein altes Herz, im Fundament erschüttert,
Unter’m Ungestüm des Augenblicks erzittert.
Wie habt ihr, seit ihr an des Knaben Wiege
Mit ihm gespielt und kummervoll gewacht,
Um ihn gesorgt, gelitten, dann im Kriege
Mit seiner Leidenschaften wilder Macht
Ihn im Gebet begleitet bis zum Siege,
Und nun – nach all der Zweifel banger Nacht –
Die reiche Ernte mit den gold’nen Halmen,
Und solch ein Sonnentag mit seinen Palmen!
Und wenn ich Dir, erhab’ne Fürstin, heute,
Was uns’re Seele hat so tief bewegt,
In Deinen mütterlichen Klängen deute,
Kühn will ich’s sagen, was die mein’ge hegt:
Wird Dir einst eine Bürgschaft Deiner Freude,
Ein süßes Pfand der Lieb’ an’s Herz gelegt,
Dann wird’s darin mit Flötenstimmen tönen:
Nur Elternfreude mag die Welt verschönen.