Testament.

(November 1858.)

Wenn ich ausgelitten hab’

Und mich von euch wende,

Macht mir doch mit meinem Grab’

Nicht viel Complimente.

Setzt mir keinen Stein daher,

Der’s den Leuten sage:

Freut euch, daß ich keinen mehr

Auf dem Herzen trage.

Auch mit Rosen bleibt mir fort,

Kränzen oder Kronen,

Flechtet sie, wo hier und dort

Frohe Menschen wohnen.

Weder Schutt noch Blumenfeld,

Scherben oder Kräuter,

Machen mir die and’re Welt

Länger oder breiter.

Viel Poeten haben’s gern

Wenn sich Vöglein’s Flügel

Um die Zeit vom Abendstern

Senkt auf ihren Hügel,

Oder wenn vom nahen Baum

Nachtigallen pfeifen,

Während durch den stillen Raum

Laue Weste streifen.

Nichts begehr’ ich von dem All’n

Wollt’ auch eh’r erdolcht sein,

Als von Mond und Nachtigall’n

Bis in’s Grab verfolgt sein.

Im November jedes Jahr

Soll’t ihr mich besuchen,

Dort, wohin mich auf der Bahr

Fremde Schultern trugen.

Ob vielleicht schon Schnee und Frost

Mich bedeckt da draußen,

Ob die Stürm’ aus Nord und Ost

Durch die Felder brausen –

Grade wenn’s recht stürmisch ist,

Sollt ihr zu mir treten,

„Vater unser, der du bist“,

Herzhaft für mich beten.

So befohlen und gestift’t

Hier in dem Gedichte,

Auf daß Jeder, den’s betrifft,

Demgemäß sich richte.