Das Wirtshaus zum Goldenen Kreuz, — zwei hölzerne Seitengalerien im ersten Stock mit vorspringendem Balkon — Hauptgebäude im Hintergrunde — Café zu ebener Erde, Speisesaal, Billard; Türen und Fenster stehen offen.
Menge: Honoratioren, Leute aus dem Volke.
Bouvard: „Es handelt sich zunächst darum, die Nützlichkeit unseres Projektes zu zeigen, unsere Studien geben uns das Recht, das Wort zu nehmen.“
Rede Pécuchets, pedantisch.
Dummheiten der Regierung und der Verwaltung, — zu viel Steuern, Ersparnisse nach zwei Richtungen anstreben; Unterdrückung des Budgets des Kultus und desjenigen der Armee.
Man wirft ihm Gottlosigkeit vor.
„Das Gegenteil ist richtig; aber wir bedürfen einer religiösen Erneuerung.“
Foureau kommt dazu und will die Versammlung auflösen.
Bouvard erregt Heiterkeit auf Kosten des Bürgermeisters, indem er an dessen dumme Prämien für Eulen erinnert. — Entgegnung.
„Wenn man die Tiere töten soll, die den Pflanzen schaden, müßte man auch das Vieh töten, das Gras frißt.“
Foureau verläßt den Saal.
Rede Bouvards, — ungezwungen.
Vorurteile: Zölibat der Priester, Bedeutungslosigkeit des Ehebruchs, — Emanzipation der Frau:
„Ihre Ohrringe sind das Zeichen ihrer ehemaligen Knechtschaft.“
Menschengestüt.
Man hält Bouvard und Pécuchet den schlechten Wandel ihrer Zöglinge entgegen. — Wozu auch die Kinder eines Sträflings annehmen?
Theorie der Rehabilitierung. Sie würden sich mit Touache an denselben Tisch setzen.
Foureau, der zurückgekehrt ist, liest, um sich an Bouvard zu rächen, eine Eingabe von ihm an den Gemeinderat vor, worin er die Errichtung eines Bordells in Chavignolles verlangt. — (Gründe Robins.)
Der Vortrag wird inmitten des größten Tumultes abgebrochen.
Während Bouvard und Pécuchet nach Hause gehen, bemerken sie Foureaus Diener, der in gestrecktem Galopp auf der Straße nach Falaise davonreitet.
Sie legen sich sehr ermüdet nieder, ohne die Komplotte zu ahnen, die gesponnen werden; — die Motive darlegen, welche der Pfarrer, der Arzt, der Bürgermeister, Marescot, das Volk, alle Welt haben, ihnen feind zu sein.
Am folgenden Morgen sprechen sie beim Frühstück über ihren Vortrag.
Pécuchet sieht schwarz in die Zukunft der Menschheit.
Der moderne Mensch ist minderwertig und zur Maschine geworden.
Schließliche Anarchie des Menschengeschlechts (Büchner I und II).
Unmöglichkeit des Friedens (id.).
Barbarei infolge von übermäßigem Individualismus und dem Wahnsinn, in den die Wissenschaft verfallen ist.
Drei Hypothesen: erstens: der pantheistische Radikalismus wird jedes Band mit der Vergangenheit zerreißen, und ein unmenschlicher Despotismus wird daraus hervorgehen; zweitens: wenn der theistische Absolutismus triumphiert, so unterliegt der Liberalismus, der seit der Reformation die Menschheit durchdrungen hat, und es erfolgt ein allgemeiner Umsturz; drittens: wenn die Zuckungen, in denen seit 89 die menschliche Gesellschaft sich windet, endlos und, ohne die eine oder die andere Lösung zu finden, anhalten, so wird dieses Schwanken uns durch seine eigene Kraft ins Verderben reißen. Es wird kein Ideal, keine Religion, keine Moral mehr geben.
Amerika wird die Erde erobert haben.
Zukunft der Literatur.
Allgemeine Verlümmelung: überall wird es hergehen wie bei einem Arbeitersaufgelage.
Ende der Welt, weil der Wärmevorrat aufhört.
Bouvard sieht die Zukunft der Menschheit rosig. Der moderne Mensch ist auf dem Wege des Fortschritts.
Europa wird durch Asien verjüngt werden. Da es ein historisches Gesetz ist, daß die Zivilisation vom Orient zum Okzident kommt — Rolle Chinas —, so werden die beiden Menschheiten schließlich ineinander aufgehen.
Künftige Erfindungen: Arten zu reisen, Ballon. — Unterseeboote mit Scheiben, bei beständiger Ruhe, denn die Bewegtheit des Meeres ist nur auf der Oberfläche. — Man wird Fische und Landschaften auf dem Grunde des Ozeans vorbeiziehen sehen. — Gezähmte Tiere. — Alle Kulturen.
Zukunft der Literatur (Gegenteil der industriellen Literatur). Künftige Wissenschaften. — Die magnetische Kraft regulieren.
Paris wird ein Wintergarten werden. — Spaliere mit Früchten auf dem Boulevard! Die Seine filtriert und warm, — Unmenge von künstlichen Edelsteinen — verschwenderisch angebrachte Vergoldungen — Erleuchtung der Häuser, — man wird das Licht aufspeichern, denn es gibt Körper, die diese Eigenschaft besitzen, wie der Zucker, das Fleisch gewisser Mollusken und der Bologneser Phosphor. Man wird angehalten werden, die Vorderseite der Häuser mit einer phosphoreszierenden Masse anzustreichen, und ihre Strahlung wird die Straße erleuchten.
Verschwinden des Bösen infolge Verschwindens des Mangels. Die Philosophie wird zur Religion werden.
Geistesgemeinschaft aller Völker. Öffentliche Feste.
Man wird auf die Sterne gehen — und wenn die Erde verbraucht sein wird, wird die Menschheit nach den Sternen auswandern.
Kaum hat er geendet, da erscheinen die Gendarmen. — Ankunft der Gendarmen.
Bei ihrem Anblick Aufregung der Kinder, hervorgerufen durch ihre vagen Erinnerungen.
Trostlosigkeit Marcels.
Erregung Bouvards und Pécuchets. — Will man Viktor verhaften?
Die Gendarmen zeigen einen Verhaftungsbefehl vor.
Der Grund ist der Vortrag. Man beschuldigt sie, die Religion, die öffentliche Ordnung angegriffen, zum Widerstand gegen die Staatsgewalt aufgereizt zu haben, usw.
Plötzliche Ankunft von Herrn und Frau Dumouchel mit ihrem Gepäck; sie wollen ins Seebad. Dumouchel hat sich nicht verändert, die gnädige Frau trägt eine Brille und verfaßt Fabeln. — Ihre Verdutzung.
Der Bürgermeister, der weiß, daß die Gendarmen bei Bouvard und Pécuchet sind, kommt, durch ihre Gegenwart ermutigt.
Gorju, der sieht, daß die Obrigkeit und die öffentliche Meinung gegen sie sind, will daraus Gewinn schlagen und begleitet Foureau. Da er Bouvard für den reicheren der beiden hält, wirft er ihm vor, Mélie früher verführt zu haben.
„Ich, niemals!“
Und Pécuchet zittert.
„Und ihr sogar eine Krankheit gelassen zu haben.“
Bouvard protestiert.
„Wenn er ihr nicht wenigstens für das Kind, das sie erwartet, eine Rente zahlen will, denn sie ist schwanger.“
Dieser zweiten Beschuldigung liegt der vertrauliche Verkehr Bouvards im Café zugrunde.
Das Publikum nimmt allmählich das Haus ein.
Barberou, der durch eine geschäftliche Angelegenheit in die Gegend gerufen worden, hat soeben im Wirtshaus erfahren, was vor sich geht, und kommt dazu.
Er hält Bouvard für schuldig, nimmt ihn beiseite und redet ihm zu, nachzugeben, eine Rente zu zahlen.
Es kommen der Arzt, der Graf, Reine, Frau Bordin, Frau Marescot unter ihrem Sonnenschirm und andere Honoratioren. Die Bengel des Dorfes lärmen draußen vor dem Gitter, werfen Steine in den Garten. (Er ist jetzt gut gehalten, und die Bevölkerung ist darauf eifersüchtig.)
Foureau will Bouvard und Pécuchet ins Gefängnis stecken.
Barberou legt sich ins Mittel, und wie er verwenden sich Marescot, der Arzt und der Graf mit einem beleidigenden Mitleid für sie.
Den Verhaftungsbefehl motivieren. Bei Empfang von Foureaus Brief hat der Unterpräfekt ihnen einen Verhaftungsbefehl gesandt, um ihnen Angst zu machen, dazu einen Brief an Marescot und an Faverges geschrieben, worin er sagt, man solle sie in Ruhe lassen, wenn sie Reue zeigten.
Auch Vaucorbeil sucht sie zu verteidigen.
„Man müßte sie vielmehr ins Irrenhaus stecken; sie sind verrückt. — Ich werde deshalb an den Präfekten schreiben.“
Alle beruhigen sich.
Bouvard wird Mélie eine Rente aussetzen.
Man kann ihnen die Erziehung der Kinder nicht lassen. — Sie zeigen sich widerspenstig, doch da sie die Waisen nicht gesetzmäßig adoptiert haben, nimmt der Bürgermeister sie ihnen.
Die Kinder zeigen eine empörende Gefühllosigkeit. — Bouvard und Pécuchet weinen darüber.
Herr und Frau Dumouchel gehen.
So ist ihnen alles unter den Händen zerbrochen.
Sie haben kein Interesse mehr am Leben.
Guter Gedanke, den jeder von ihnen heimlich genährt hat. Sie verheimlichen ihn einer vor dem anderen. — Von Zeit zu Zeit lächeln sie, wenn er ihnen kommt, — dann sprechen sie ihn schließlich gleichzeitig aus:
Abschreiben wie einst.
Anfertigung eines Schreibtisches mit doppeltem Pult. — (Sie wenden sich deshalb an einen Tischler. Gorju, der von ihrer Erfindung gehört hat, erbietet sich, ihn anzufertigen. — An die Truhe erinnern.)
Einkauf von Eintragebüchern, Utensilien, Sandarak, Radiermessern, und so weiter.
Sie machen sich ans Werk.