In Mombasa sah ich einen abnormen Elfenbeinzahn (linker Zahn). Es ist zu bedauern, daß der Schädel zu diesem Zahn fehlt, der Zahn beginnt schon, wo er in der Knochenhöhlung des Oberkiefers sitzt, sich zu winden; der Schädel muß also ganz auffallende Spuren einer schweren Verletzung tragen.

Elefanten.

Am 18. Dezember 1905 schrieb ich in mein Tagebuch: „Es ist drei Uhr am Morgen; ich kann — nein, ich will nicht mehr schlafen.

Ein Elefant an meinem Zelt.

Ich bin geweckt worden; aber anders, als alle anderen Menschen heute geweckt werden: ein Elefant hat mich geweckt. Und dafür danke ich ihm; denn er hat recht, wenn er mir sagt: ‚Du Mensch, du kleiner, dürftiger — du, einer von denen, die die Welt verändern, die sie öde und leer machen — merk auf, wenn die Majestäten kommen; denn bald werden sie nicht mehr sein; bald wird nur das Gedächtnis noch an sie erinnern; ihre Herrlichkeit wird vergehen und du, du warst dann einer von denen, die noch berufen waren, von ihrem Glanze zu erzählen.‘“

Ich lag in tiefem Schlaf.

Da reißt jemand an den Stangen meines Zeltes.

Ich richte mich auf im Bett: wo bin ich?

Stockduster.

Ich taste nach dem Kopfende meines Feldbettes, wo die Büchse steht, und horche.

Da: „Kleng! — kleng! —“ Irgend jemand vergnügt sich hier mitten in der Nacht damit, eine Konservendose — ich hatte am Abend eine Dose Pflaumen öffnen lassen — in gleichmäßigen Zeitabständen auf den Boden zu werfen!

„Korrokón!“

„Tjarrr?!“

„Keléle?!“

„Ndófu!“[20]

Jetzt mußte ich einige Sekunden überlegen; denn mir war im ersten Augenblick nicht klar, ob ich recht gehört hatte. Dann knöpfte ich leise mein Zelt an der Rückseite auf und ging vorsichtig hinaus.

Da stand wirklich an einem großen Baume ein riesiger Elefant, und zwei lange Zähne leuchteten an seinem Kopfe. Der hatte also mit meiner Konservendose gespielt!

Der Askari kam heran.

„Weshalb jagst du ihn nicht weg?“

„Du hast es verboten!“ Da hatte er recht; aber das war mir denn doch zu viel! Ich bückte mich, hob einen Knüppel auf, ging dicht an den Elefanten hinan und warf ihm das Holz an den Kopf, daß es klappte. Er schnaubte und lief davon. —


Das ist vor einer Stunde geschehen und jetzt sitze ich vor dem Zelt, schreibe beim Schein einer Küchenlaterne und warte, daß es hell werde.

Eben brüllt ein Löwe. Von dem „Konzert“, von dem andere erzählen, habe ich eigentlich noch nie etwas gehört; auch was ich jetzt höre, klingt nur wie ein grimmiges, mißmutiges und faules Hineinknurren in eine leere Tonne. Hier am Rufiyi scheinen Löwen und Elefanten eingesehen zu haben, daß sie gegen die Stimme des Kiboko nicht ankommen können; auch das Trompeten des Elefanten, das „markerschütternde“, habe ich noch nicht gehört.

Elefant, Löwe und Büffel! Gibt es noch ein Revier auf dieser Erde, das wertvolleres Wild beherbergt?

Gibt es eine größere Wildnis, als die, die mich hier mit wundervollem Zauber umgibt?

Der größte der lebenden Dickhäuter; die starke und gewandte Katze; der wilde Stier: wo dies Kleeblatt noch zu finden ist, da sind paradiesische Zustände.

Ich weiß das; weiß, daß ich ein Glück genieße, wie es mir im Leben nicht reiner wieder begegnen wird.

Fern von den Menschen; fern von Neid, Haß und Habgier; von den Schmerzen und der Langeweile, die uns tagein, tagaus verfolgen und peinigen.

Alles, was in Städten und Dörfern lebt, was gegen Not und Elend kämpft, und mit ungestillter, unverstandener Sehnsucht ringt, liegt hinter den blauen Bergen dort unten.

Glücksgefühl.

Ich bin hereingekommen in ein Paradies, und will es im Innern festhalten und dem Geschick danken, das mir so hohes Glück beschert hat!

Ich will mir hier einen Schatz fürs Leben sammeln und nie vergessen, daß ich in dieser Zeit frei von allem Leiden war; jung und stark und gesund in einer Welt, die meinen Neigungen Nahrung gab.

An jedem Morgen empfinde ich das von neuem.

Wenn die Sonne aufgeht, kommt auch meine Freude wieder. Die Nacht ist ein Warten; Andacht die Morgenstunde; Erfüllung der Tag.

Und der Abend ist ein rechter Abend, mit Müdigkeit und Frieden, mit stillem Zurückschauen und ganz zarter Hoffnung auf eine neue Lebenswelle, die der neue Tag bringt.

Das nenne ich ein Leben! —


Eines Tages kam ich in ein Dorf, dessen Einwohner oft über Wildschaden geklagt hatten.

Flußpferde, Schweine und Elefanten seien Nacht für Nacht auf den Feldern, und die Männer müßten beim brennenden Feuer Wache halten, um ihre Felder zu schützen.

Als die Sonne unterging, lag ich auf der Uferböschung des Flusses, nahe bei dem Dorfe, und beobachtete ein großes Krokodil, das auf dem andern Ufer schlief.

Die rote Abendsonne schien dem Drachenvieh in den weit geöffneten Rachen.

Ich überlegte, ob ich das Raubtier durch einen wohlgezielten Schuß ins Jenseits befördern sollte.

Da wurde ich auf eine Flußpferdherde aufmerksam, die dicht am Ufer auf die Dunkelheit wartete, um zur Äsung an Land zu steigen; es waren wohl zwanzig Köpfe.

Als es dunkel wurde, hoben sich die ersten beiden plumpen Leiber auf das Ufer; dann folgte ein starker Bulle mit weit nach vorn gesenktem Kopfe.

Ich gab ihm eine Kugel in das Gehirn; er brach auf der Stelle zusammen. Die Herde drängte in das tiefere Wasser und warf eine hohe Welle vor sich auf; die beiden am Ufer stehenden Tiere stürzten sich von oben in den Fluß und folgten der Herde.

Ich band den erlegten Bullen mit Schilf am Ufer fest und ging zu meiner Hütte zurück.

Als ich beim Abendbrot saß, brüllte dicht neben mir im Wasser noch ein Flußpferd.

Das Dorf, dessen Bewohner mir hier eine kleine, saubere Rasthütte gebaut hatten, lag dicht am Strome. Die Leute waren dem Strome gefolgt, der sein Bett vor einigen Jahren hierher verlegt hatte, und wohnten noch nicht lange an dieser Stelle; noch keiner der angepflanzten Bäume war mehr als drei Jahre alt.

Die Neger in diesem Orte waren sehr freundlich zu mir. Sie hockten im Kreise um ein kleines Feuer mitten auf der Dorfstraße und erzählten sich etwas.

Ich setzte mich im langen Stuhl in ihre Nähe und hörte zu. Sie klagten, die Flußpferde ließen keinen Halm auf ihren Feldern wenn das Feuer bei den Wachthütten einmal ausgehe.

Nach einer Weile trennten sich einige Leute von der Gruppe und sagten, sie müßten in die Schamba gehen, um Wache zu halten.

Kurz entschlossen hängte ich meine Büchse um und ging mit ihnen.

Das war eine der eigenartigsten Nächte, die ich auf afrikanischem Boden erlebte! Die Klarheit des Himmels, die scheinbar unendliche Masse des hohen Schilfes, in die die Neger barfuß, mit vorsichtigen Tritten hineingingen; das schrille, ohrenbetäubende Zirpen der Zikaden die, wenn wir näher kamen, ganz plötzlich verstummten; die vielen kleinen Hütten auf hohen Pfählen, an denen wir vorbeikamen, und aus denen jedesmal eine Menschenstimme Antwort gab: Das machte auf mich einen so tiefen Eindruck; denn es war ein Stück von der Geschichte des Elefanten, des größten Wildes der Erde.

Hier durfte ich noch Zeuge sein, wie halbwilde Menschen um ihre Nahrung mit den Tieren der Vorwelt kämpften; wie die Lebensweise der Dickhäuter das Treiben der Menschen beeinflußte.

Und mir schien, als ob die Menschen reger, stärker und besser würden durch den dauernden Kampf. Das waren meine Gedanken, als ich den biegsamen Gestalten der Neger folgte, die mit ihren Sinnen ganz beschäftigt waren, den Weg zu suchen.

Der eine Neger ging abseits auf ein Feld. Ich folgte dem anderen und wir stiegen an schwachen Pfählen auf ein Gerüst hinauf, das eine kleine Hütte trug.

Nicht weit davon brannte zu ebener Erde ein Feuer und Brennholz lag daneben.

Der Schwarze brachte einen Arm voll trockenen Grases und legte es mir unter den Rücken. Ich machte es mir so bequem wie möglich.

Schädel eines Elefanten, den ich geschossen habe. Die Zähne sind 221 Zentimeter lang.


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Die Pfähle wackelten stark, als der Neger hinunterstieg, um neue Reiser auf das Feuer zu werfen.

In der kleinen Hütte war ein starker Negergeruch, den ich in Kauf nehmen mußte. Der Schwarze hockte dicht bei mir, nestelte an seinem Hüfttuch herum, holte Tabak heraus und schob ihn in den Mund und die Nase.

Im Schein des Feuers sah ich, daß er große Narben im Gesicht und auf dem Schädel hatte, und er erzählte mir, daß ihn ein Leopard vor mehreren Jahren in der Nacht auf einer Wachthütte besucht habe. Er habe geschlafen, sich plötzlich gepackt gefühlt, um sich gegriffen, den Leoparden mit aller Kraft gefaßt und geschrien; da sei seine Bibi mit Feuer gekommen und habe ihn befreit. Ob der Leopard mehr gebissen oder geschlagen hatte, konnte der Mann mir nicht sagen.

Die Zikaden zirpten ununterbrochen.

Eine Fledermaus besuchte unseren kleinen Raum und flatterte geisterhaft um das Strohdach.

Von Zeit zu Zeit ertönte das mächtige Brüllen der Flußpferde fern und nah; dann hörte man wieder Rufe, Scheuchen und Schlagen von Trommeln rundum in den Feldern.

Stunden vergingen — —. Wenn mir der Kopf niedersank, durchfuhr mich ein Gefühl des Ekels bei dem Geruch, der den Gegenständen in der Hütte anhaftete; ich sah wieder in die Dunkelheit hinaus.

Elefanten in den Feldern.

Stunden vergingen — —. Mit einmal war ich wieder ganz wach und mein Herz schlug schneller: „Elefanten,“ sagte der Neger leise. „Sie kommen in die Schamba.“

Ich hörte nur ein leises Streichen von Gräsern, ein Schurren, Kluppen, Schnaufen; dumpfe Stöße; aber alles dies so leise, daß nur die Phantasie sich die Nähe der großen Tiere dazu vorstellen konnte. Nichts von dem Trompeten, auf das ich gehofft hatte. Ich horchte lange hinaus in die Nacht und als ich genug gehört hatte, sang der Neger laut und schlug auf eine dumpfe Trommel.

Ich ging auf Umwegen zum Dorfe zurück und merkte dabei, daß es unverständig ist, in diesem Lande nachts allein zu gehen; man sieht und hört Gespenster.

Gerade der Pirschjäger, und besonders der Europäer, ist gewohnt, seine Augen zu gebrauchen, wenn er ein verdächtiges Geräusch gehört hat. Hier aber ist nachts ein lautes Treiben und hält die Sinne des Wanderers fortgesetzt in Anspannung, ohne daß er etwas sehen kann.

Steht da nicht ein Flußpferd?

Im Grase raschelt’s; ein fernes Brechen — — Elefanten?

Man steht und lauscht.

Das Geräusch der eigenen Tritte verbietet vorwärts zu gehen, weil man die anderen Geräusche, die man zu beachten gewohnt ist, zu übertönen fürchtet; wenn andere mitgehen, schreitet man aus, ohne Rücksicht auf den Lärm der Tritte, die sich mit denen der anderen verbinden.

Am Morgen kamen die Neger, weckten mich und meldeten, die Elefanten hätten die Schamben verlassen und seien nach dem Walde hingewechselt.

Eilig brach ich auf, um den Tieren den Weg abzuschneiden. Durch hohes Schilfgras kam ich auf Umwegen in Buschwald. Da fanden die Leute bald die ganz frische Fährte eines Elefanten, dem wir folgten.

Kurz darauf prallte der vor mir gehende Neger zurück und sagte. „Ndofu.“[21]

Ein großer Elefant stieg dicht vor uns aus einem kleinen Tal und verschwand schnaubend in den Büschen.

Er hatte uns gehört. Ich lief nach und sah ihn in ziemlich offenem Gelände stehen, als er sich zu mir umdrehte. Ohne zu zögern ging ich an den völlig freistehenden Riesen bis auf fünfundzwanzig Schritt hinan und schoß zwischen Auge und Ohr, während er seine großen Gehöre abgespreizt hielt, als wollte er mit den riesigen Schallfängern jeden Laut aus der Richtung seines Angreifers auffangen.

Der erste Elefant zur Strecke.

Auf den Schuß tat der Elefant mehrere Schritte vorwärts, brach vorne nieder, so daß die Zähne den Erdboden aufpflügten, legte sich langsam auf die Seite und verendete.

Der Eindruck, den dieser Vorgang auf mich machte, war überwältigend. Alles war so schnell gegangen: Das Wahrnehmen des Tieres, der Schuß und die verblüffende Wirkung, daß der große Elefant, der eben noch im Vollbesitz seiner ungeheuren Kräfte war, leblos zusammensank. — Das war der Tod?

Ein Schwarzer sprang auf den toten Elefant los, hielt seinen Vorderlader mit gestreckten Armen vor sich und feuerte ihm die Ladung in den Rücken.

Hinter den Büschen ertönte ein dumpfes Trompeten; es klang, als ob Schrecken darin läge.

Ich folgte dem Tone und sah drei Elefanten, die in schnellem Trab flüchteten und sich dabei dicht aneinander drängten.

Als ich zurückkehrte, warnten die Neger noch immer davor, dem Elefanten zu nahe zu kommen, man könne nicht wissen, ob er wirklich tot sei.

Am nächsten Morgen war ich mit der Kamera und neugefüllten Kassetten zur Stelle und photographierte meinen ersten Elefanten.

Auf den umstehenden Bäumen saßen Hunderte von Aasvögeln und warteten, bis irgend jemand die Decke des Dickhäuters durchschlagen würde. Der riesige Leib war in den vierundzwanzig Stunden mächtig aufgetrieben, und als er geöffnet wurde, schwoll der Magen wie ein Ballon heraus. Da näherte sich ein Witzbold vorsichtig von der Rückenseite und stach mit seinem Messer kurz in die gespannte Wand. Es gab einen lauten Knall, der Ballon platzte, und der Mageninhalt flog weit herum, zum großen Vergnügen der Zuschauer.

Merkwürdig war, daß das Hinterbein des auf der Seite liegenden Elefanten frei in der Luft schwebte und selbst das Gewicht mehrerer Menschen tragen konnte, ohne nach unten gedrückt zu werden.

An dem ersten Elefanten gab es noch vieles andere zu sehen: Die Proportionen des Tieres, die Beschaffenheit der Haut (die viel schwächer ist, als die des Flußpferdes), die Größe der Ohren, die Muskulatur des Rüssels und die Form des Greifers (des Rüsselendes, in das die Nasenkanäle münden).

Die Neger sprachen über den Elefanten und teilten sich mit, was sie von ihm wußten. „Der ißt keine Kürbisse mehr,“ sagte einer. „Aber sein Freund“ (ndugu), ein anderer. „Er schläft nie liegend,“ „er legt sich nie hin, weil er dann nicht wieder aufstehen kann.“ „Er legt die Zähne auf einen Baum, wenn er schlafen will; weil sie schwer sind.“

Sie betrachteten den Rüssel —, „damit greift er sich Mangos,“ „und trinkt Wasser,“ „und gräbt Löcher.“ Ich sah mir an, wie die Zähne herausgehauen wurden.

Der linke Zahn war kürzer als der rechte und trug an der Spitze Bruchstellen. Die Schwarzen nannten den linken Zahn „gumbiro“, den rechten „lugori“ und sagten, mit dem gumbiro arbeite der Elefant, den lugori hätte er bloß zum Schmuck; der sei sein Vermögen (mali).

Bei allen Elefanten, die ich geschossen und gesehen habe, war der linke Zahn kürzer als der rechte. Der linke war meist stärker und abgenutzt; der rechte endigte in einer langen, glatten Spitze. Oft war der linke Zahn sogar ganz abgebrochen.

Die Schwarzen schnitten mit ihren weichen, schlechten Messern die Haut und das Fleisch über den Knochenpartien ab, bis die großen Knochenwulste, in die die Zähne gebettet sind, zutage lagen. Dann wurde der Knochen mit Beilen abgesplittert. Die beiden Zähne saßen sehr fest; es forderte stundenlange Arbeit, sie zu lösen. Der obere Rand jedes Zahnes ist durch eine dünne Hautplatte abgeschlossen, unter der der große, rosarote Nerv liegt. Der ist gut anderthalb Fuß lang und geht nach unten spitz zu wie eine Rübe. Er füllt die Höhlung des Zahnes aus.


Eines morgens brach ich anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang mit wenigen, besonders zuverlässigen Leuten auf, um Elefanten zu suchen, in einer Gegend, in der ich frische Fährten gesehen hatte.

Es war noch völlig dunkel, als wir in der Ferne ein Brechen hörten.

Das Geräusch entfernte sich langsam. Ich mußte warten, bis es hell wurde. Dann gingen wir suchend an Wassertümpeln entlang, in denen sich hohe Bäume spiegelten. Das erste Licht fiel zwischen Blätter und Gräser hinein. Skarabäen schwirrten in der Luft — große Käfer, die dem Geruch der Elefantenlosung folgten. —

Plötzlich zeigte ein Neger seitwärts.

Sieben Elefanten.

Zwischen den Zweigen reckte sich der Rüssel eines Elefanten, einer mächtigen Schlange gleich, steil in die Luft.

Da kein Wind war, brauchte ich nicht lange zu überlegen, was ich tun sollte; ich ging einfach darauf los und erreichte eine Herde von sieben Elefanten, die zwischen den Büschen ästen und dabei langsam vorwärts gingen.

Die Elefanten gingen nur in schnellem Schritt. Trotzdem hatte ich Mühe, ihnen zu folgen.

Einmal waren links von mir vier, rechts zwei, und der stärkste, ein Bulle, blieb etwas zurück. Ich lief und wußte, da ich schießen wollte, keinen anderen Rat, als schräg von hinten an den stärksten Bullen hinanzulaufen und seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Es war ein Wagnis; denn ich kannte die Elefantenjagd noch kaum und hatte erst zum fünften Male Elefanten vor mir. Aber es war höchste Zeit, zu handeln; meine Kräfte ließen nach und ich fürchtete, durch das Laufen zu unruhig zu werden zu einem sichern Schuß.

Die Gräser wurden niedriger, die Büsche spärlicher und die Elefanten waren bis zu den Kniegelenken hinab zu sehen.

Nur noch dreißig Schritt trennten mich von dem Bullen, da wandte er sich zu mir um.

Sofort blieb ich stehen und schoß ihm zwei Schuß auf das Ohr; da beeilte sich der Elefant, der Herde zu folgen; er zeigte mir nur sein Hinterteil, so daß ich keinen wirksamen Schuß abgeben konnte, und ich schoß auf den linken Hinterfuß.

Die Herde verschwand schnell in dem hohen Grase.

Nun wartete ich auf meine Leute und nahm dann die Fährte auf. Ich hielt es für aussichtslos und war in recht gedrückter Stimmung; was nützten die kleinen Tropfen Schweiß, die hie und da an den Blättern gefunden wurden!

Wir kamen an einem hohen Baume vorbei und ich kletterte hinauf; da sah ich die Elefantenherde tausend Meter von mir entfernt im Schilf stehen.

In dem hohen Schilf hinanzugehen wäre ein bodenloser Leichtsinn gewesen, solange kein Wind wehte. Deshalb beschloß ich, auf den Nachmittagswind zu warten, der regelmäßig aus Osten wehte, und ging bis zu einem einzelnen, großen Baume, der in dem weiten Grasmeere stand, und von dem aus die Herde gut zu sehen war.

Die Jagd mit der Leiter.

Ich schickte Leute weg, die im Busch eine Leiter bauen sollten, und ließ mir Essen und die Kamera holen.

Mit der Leiter wollte ich im Schilf an die Herde hinangehen, weil es unmöglich und auch zu gefährlich war, sich der Herde zu ebener Erde zu nähern; man konnte in dem etwa drei Meter hohen, dichten Schilfgrase nicht fünf Schritt weit sehen.

Gegen drei Uhr am Nachmittag kam der Wind durch, auf den ich gewartet hatte.

Nun ging ich an die Herde hinan, um von der Leiter aus photographische Aufnahmen zu machen.

Zwei Neger hielten die Leiter, zwei andere lehnten starke Astgabeln dagegen; dann stieg ich hinauf und sah von oben über das Schilf hin nach den Elefanten aus.

Ich machte Aufnahmen auf hundertundzwanzig Meter. — Der erfahrene Photograph wird wissen, daß fast nichts auf der Platte zu sehen war; nur ein paar kleine Pünktchen; die Entfernung war für eine Kamera ohne Fernobjektiv zu groß! —

Mit vieler Mühe machte ich den angeschossenen Elefanten aus. Ich erkannte ihn daran, daß er sich mit dem Greifer seines Rüssels oft nach den Schußstellen am Kopfe faßte. Die Herde stand in heißem Sonnenlicht. Zweimal schienen die gesunden Tiere Anstalten zu machen, weiter zu gehen (um Schatten zu suchen) kehrten aber jedesmal wieder zu dem kranken Elefanten zurück.

Alle klappten mit den großen Ohren, und manchmal hob sich ein gekrümmter Rüssel in die Luft, um zu winden. Auch warfen die Tiere sich glitzernden Sand über den Rücken, so daß ich dachte, sie ständen am Wasser.

Endlich ging ich ganz nahe an die Elefanten hinan, um den krank geschossenen Bullen zur Strecke zu bringen. Als wir in hohem Schilfe näher kamen, wuchsen die Schwierigkeiten; denn meine Neger, die die Leiter halten sollten, hörten das Prusten der Elefanten, das Klappen der Gehöre und das Kollern (das bekannte Geräusch, das man bei ruhenden Elefanten so oft vernimmt). Die Schwarzen wurden ängstlich, wollten nicht weiter mitkommen und ich mußte darauf gefaßt sein, daß sie, während ich oben auf der Leiter stand, bei Zeichen von Gefahr loslassen würden, und ich dann mit dem Gewehr ins Schilf fiele.

Ich ließ einige Neger auf die Leiter steigen, damit sie sich davon überzeugten, daß die Elefanten ganz ruhig aussahen und keine Gefahr zu ahnen schienen.

Wenn ich unten im Schilf stand und die Elefanten nicht sah, hatte ich allerdings selbst ein Gefühl von Unsicherheit.

Der kranke Elefant stand günstig und zeigte mir, als ich gegen den Wind näher ging, schräg von vorne die Fläche seines Kopfes.

Aber nach welcher Seite würde die Herde nach dem Schuß ausbrechen? Würden die Tiere in Wut kommen und mich suchen? Möglich war das nach den Schauergeschichten, die hier und da erzählt werden.

Ich stellte mich oben auf die Leiter und schoß.

Der Elefant blieb stehen; die übrigen stürmten davon. Nur mit Mühe brachte ich die Neger dazu, zu bleiben und meine Leiter festzuhalten. Aber die Leiter wackelte jetzt so, daß ich keinen ganz sicheren Schuß abgeben konnte; ich wurde hitzig und schoß abwechselnd auf den Kopf und die Schulter, weil die Schulter ein größeres Ziel bot.

Der Elefant blieb wie verzaubert stehen.

Auf den zweiunddreißigsten Schuß, einen Kopfschuß, brach er in die Knie zusammen.

Ich atmete auf: das war ja wie eine Warnung für später; wenn dieser Elefant nicht den Schuß in den Fuß gehabt hätte, wäre er mir dreißigmal verloren gegangen!

Er lag so da, daß er von vorne wie lebend aussah, wenn ich die großen Gehöre nach vorne drücken ließ; ich hätte ein sehr imposantes Bild machen können, wenn meine Platten nicht alle gewesen wären. Am nächsten Tage war ich dabei, als die Zähne ausgeschlagen wurden, und studierte den Kopf des Elefanten und die Wirkung meiner Schüsse.

Das Aushauen der Zähne war eine langwierige Arbeit, viel mühsamer als ich gedacht hatte. Die Haut, das Fleisch und die Knochenmassen um die Zähne mußten entfernt werden, und da immer nur wenige Leute gleichzeitig arbeiten konnten, dauerte es über vier Stunden, bis die Zähne zum Transport fertig dalagen.

Wenn der Neger einen Elefanten schießt, wartet er so lange, bis die Knochenhaut, die den Zahn umgibt, fault und die Zähne in den Alveolen locker werden, so daß er sie mühelos herausziehen kann. Darauf muß er beinahe vierzehn Tage warten, und wird sich dazu wohl bei dem erlegten Elefanten eine Hütte bauen, um seine kostbare Beute zu bewachen.

Schlechte Schüsse; Enttäuschung.

Nach der Erfahrung mit dem Elefanten, der erst auf den zweiunddreißigsten Schuß fiel, beschloß ich, die Elefantenjagd fortan zu unterlassen; entweder war ich unfähig oder mein Gewehrkaliber reichte für Elefanten nicht aus. Ich hatte keine Lust, Elefanten krank zu schießen und noch weniger, den Vorwurf bodenlosen Leichtsinns zu verdienen; denn Leichtsinn, nicht Mut ist es, wenn jemand sich in Gefahr begibt, ohne sich und seiner Waffe trauen zu können.

Einen Monat hindurch fehlte mir auch jede Zeit zur Jagd, dann aber hatte ich eine ganz unerwartete Begegnung mit einem Elefanten und lernte an einem Tage, wie es zu machen sei, einen Elefanten mit einem einzigen Stahlmantelgeschoß zu töten.

Ich ging mit zwei Boys auf einem Negerpfad, der in Schlangenlinien durch dichten Busch führte. Hie und da standen üppige Dumpalmen, und hohes Gras neigte sich von beiden Seiten in den Weg. Als wir um einen Palmstrauch bogen, stand plötzlich ein Elefant dicht vor uns. Die Boys liefen weg und auch mir blieb nichts anderes übrig, als zurückzuspringen.

Der wilde Elefant, der mich wütend verfolgte, fiel nach dem zehnten Schuß.


GRÖSSERES BILD

Auch der Elefant war erschrocken, hob den Kopf, streckte den Rüssel geradeaus nach vorne und trottete in den Busch. Ich folgte ihm, stieg auf einen Baum, um nicht zuviel Zeit mit dem Suchen der Spur zu verlieren und sah den Elefanten, als er das jenseitige Ufer eines etwa vierhundert Meter breiten Sumpfes hinaufstieg und in die Büsche hineinging. Ohne Zögern sprang ich zu Boden und arbeitete mich durch den Sumpf, erreichte das jenseitige Ufer und stieg die Böschung hinauf: als der Elefant ganz unerwartet wieder vor mir stand. Der einzige Neger, der mit mir war, rief: „anakuja[22] und lief davon. Ich war in einer schwierigen Lage; hinter mir der Sumpf, zehn Schritt vor mir der Elefant.

Das Heraushauen der Elfenbeinzähne aus dem Schädel ist eine schwere, langwierige Arbeit. Bei diesem Elefanten wurde die Arbeit durch die Lage des Tieres erleichtert; es war zusammengebrochen ohne auf die Seite zu fallen, und so konnten die Schwarzen an beiden Zähnen gleichzeitig arbeiten. — An dem Elefanten steht die Leiter, die ich mir schnell hatte zusammenbinden lassen, um über das große Gras hinwegsehen zu können. —

Schnell riß ich das Gewehr hoch und schoß auf den Kopf des Elefanten, repetierte und schoß den zweiten Schuß auf den Rüsselansatz, als der Rüssel schon dicht vor mir war; dann sprang ich schräg nach links an dem Elefanten vorbei, weil ich wußte, daß ich in dem Sumpf verloren gewesen wäre.

Vom Elefanten verfolgt.

Der Elefant war hinter mir, ich hörte die Tritte, sprang völlig aufs Geratewohl zur Seite und schoß den dritten Schuß auf den Kopf des Elefanten.

Ich sah über dem Grase nur den Rücken und den Kopf mit den gewaltigen Gehören. Wieder stand der Elefant, hob den Rüssel und stieß einen lauten Ton aus, der so klang, als wenn eine Straßenbahn sich schrill in einer Kurve scheuert.

Noch zwei Schuß in fieberhafter Schnelligkeit auf den Gehöreingang!

Patronen: Die Taschen sind leer! „Ali!“ „Ali!“ „Risassi!“[23]

Der Elefant ist wieder hinter mir.

Ich laufe. An einem Busch pralle ich mit Ali zusammen; der wirft den Patronengürtel hin; ich hebe den Gürtel auf, laufe, springe, reiße zwei Ladestreifen aus der Ledertasche, lasse den Gürtel wieder fallen, lade. Ich sehe den Elefanten auf Alis Spur und schieße fünfmal; da bleibt der Elefant stehen, dreht sich im Kreise, schlägt mit dem Rüssel in die Luft, trompetet in wilder Wut und fällt langsam auf die rechte Seite. —

Es ist kein Zweifel, daß dieser Elefant mich angenommen hat. Ich hatte ihn zweimal überrascht, und darüber war er ärgerlich; er mußte mich als seinen Verfolger erkennen, er war gereizt. Er hatte nach meinen ersten Schüssen zweimal die Richtung geändert, muß also wohl andere Absichten gehabt haben, als nur davonzulaufen.

Obgleich mir nicht Zeit blieb, an die Gefahr zu denken oder gar Furcht zu empfinden, kann ich doch eins als etwas Unangenehmes schildern: fortlaufen zu müssen, dem Gegner den Rücken zu kehren und das Geräusch seiner Tritte hinter sich zu hören.

Erhöht wurde die unangenehme Lage noch dadurch, daß man in dem hohen Grase stellenweise nicht sehen konnte, wohin der Elefant lief.

Nach einer Weile erschienen beide Boys wieder auf der Bildfläche. Wenige Schritte von der Stelle, an der der Elefant gefallen war, lag ein alter Elefantenschädel, und ich kam auf den glücklichen Einfall, diesen Schädel neben den Elefanten legen zu lassen, genau zu vergleichen und zu messen, um zu lernen, wohin und wie ich schießen müsse, um das Gehirn zu treffen.

Wer sich nämlich auf der grauen Fläche am Kopfe des Elefanten zurechtfinden will, muß den Schädel unter der Decke erkennen und das große Gebilde wie mit Röntgenstrahlen durchschauen. Das lernte ich an diesem Tage und übte mich in den fünf Stunden, die ich bei dem Elefanten und dem Schädel zubrachte, durch dauerndes Vergleichen so, daß ich aus jeder Richtung wußte, wieviel Knochen und Fleischmasse mein Geschoß zu durchschlagen hatte.

Ich ließ mir mein Skizzenbuch und Bleistifte holen und machte Zeichnungen des Elefantenschädels in allen verschiedenen Stellungen. Diese Mühe — es war übrigens eine lehrreiche und nützliche Beschäftigung — machte sich belohnt, und selten bin ich mit mir selbst zufriedener gewesen als an dem Tage, an dem ich den nächsten Elefanten anpirschte und auf fünfzehn Schritt mit einem einzigen Schuß tötete.

Mittlerweile kamen meine Träger und zwei ganz alte Männer, deren Brust- und Rückenhaut in vielen Falten auf dem Körper lag. Sie bauten sich eine kleine Hütte und blieben tagelang bei dem Elefanten, um Fleisch zu essen.

Wenn ich eitel wäre, müßte ich aufzeichnen, was Ali im Lager über meinen Mut erzählte, wie ich geschossen hätte, bis der Elefant mich beinahe faßte, wie ich immer wieder stehen geblieben sei um zu schießen. Das „hakimbii“ („er läuft nicht weg“) ging von Mund zu Mund, und mir konnte es nur recht sein, wenn die Neger daran glaubten; denn mit einem Feigling gehen sie weder auf die Jagd noch ins Gefecht.

Übrigens gewann Alis Schilderung noch bedeutend, als er dagegen vormachte, wie ein anderer Europäer vor Jahren auf eine Riesenentfernung auf Elefanten geschossen habe. Ali markierte den Europäer, ein andrer den Boy des Europäers. Der Europäer legte die Mündung des Gewehres auf die Schulter seines Boy, um sicher zu zielen und ging dabei immer rückwärts, wobei er ängstlich um sich blickte und fragte: „Nipige? nipige?“ (Soll ich schießen?)

So gewann ich also auf Kosten eines Unbekannten, der mir, wenn er dies lesen sollte, verzeihen möge, daß ich die Schwarzen gewähren ließ und nichts tat, um sein Ansehen wiederherzustellen.


Elefanten durchqueren den Strom.

Eines Tages kamen Leute und meldeten, zwei Elefanten seien gegen Morgen durch den Fluß gegangen und ständen jetzt nahe bei einem Dorfe im Busch.

Ich ließ ein Maultier satteln und machte mich auf den Weg, um zu sehen, was daran wahr sei.

Nach zwei Stunden erreichte ich die Stelle, wo die Elefanten den Strom verlassen hatten. Die Fährten waren deutlich; ringsum sah man, wo das Wasser von den großen Tierleibern herabgetropft war.

Es war kein Zweifel, daß die Tiere durch den Strom gekommen waren. Aber wie? geschwommen?

„Nein, der Elefant ist (zu) schwer,“ sagten die Neger und behaupteten, er sei ganz unter Wasser gewesen; nur das Rüsselende habe herausgesehen.

Ich füge nichts hinzu; es ist in jedem Falle merkwürdig, auch wenn es eine Lüge der Neger sein sollte.

Da die Neger sagten, die Elefanten ständen ganz in der Nähe, folgte ich der Fährte. Nach kurzer Zeit — ich war noch gar nicht darauf gefaßt — standen plötzlich beide Elefanten vor mir.

Sie hatten schlanke, dünne Zähne; es waren Kühe und ich hatte nicht die Absicht sie zu schießen — wie ich überhaupt nie eine Elefantenkuh geschossen habe. —

Die Neger sagten mir in ihrer eigentümlichen Ausdrucksweise „shauri yako, lakini mali“. („Wie du willst; aber die Zähne sind sehr wertvoll!“)

Ich ging zum Strome zurück und ließ mir ein Boot holen, nahm eine Bastleine mit einem Stein, fuhr über den Fluß und lotete bis zu achtzehn Fuß Wassertiefe; der Wasserstand war in der Zeit schon ziemlich hoch.

Da die Elefanten etwa elf Fuß hoch waren, müssen sie entweder geschwommen sein oder, wie die Neger sagten, wirklich den Rüssel als Luftleitung hochgehalten haben. Leider habe ich selbst nie Elefanten im Strome gesehen.

Zu Fuß Elefanten zu folgen, ist eine anstrengende, oft vergebliche Mühe; (zu Pferde wäre es eine Kleinigkeit). Das merkte ich, als ich Elefanten photographieren wollte. Ich mußte dazu an die Plätze gehen, wo die Elefanten bestimmt nachts ästen. Dort blieben aber die Tiere bei Tage nicht, sondern zerstreuten sich in verschiedene, ganz unbestimmte Richtungen und ich mußte ihnen dann folgen, bis gutes Licht zum photographieren war.

Die ersten Aufnahmen — die ich für die allerbesten zu halten Grund hatte — mißlangen vollständig, weil ich noch nicht dreist genug war und jedesmal zu früh zur Büchse griff, wenn der Elefant mir gefährlich wurde.

So war ich eines Morgens einem Elefanten schon in der Dunkelheit gefolgt und ging hinter ihm her, um ihn zu photographieren, sobald es hell genug würde.

Allein mit dem Riesen.

Ich ging ganz alleine; hatte die Büchse in der Hand und die Kamera umgehängt.

Meine Leute hatten den Auftrag, mir erst nach Tagesanbruch zu folgen.

Ich wollte ganz alleine sein, weil ich dann von niemand gestört wurde und weil es für jemand, der seine Sinne zusammennimmt, bei Jagd auf gefährliches Wild wirklich das Sicherste ist, allein zu gehen; denn viele Leute, viele Fehler.

Damit aber die Neger meiner Fährte schnell und sicher folgen konnten, hatte ich mir die Taschen mit Papierschnitzel gefüllt, die ich von Zeit zu Zeit fallen ließ.[24] Diese Vorsichtsmaßregel war sehr wichtig, da ich auch die Gewohnheit hatte, Gegenstände, die mir lästig wurden, abzulegen und in der Fährte liegen zu lassen, damit meine Leute sie mitnähmen, und weil man einen Unfall haben kann, bei dem schnelle Hilfe nötig ist.

Der Elefant ging ganz langsam durch den Busch und kam in eine offene Ebene mit kurzem, saftigen Gras. Ich war meist nur vierzig Schritt hinter ihm.

Er blieb oft stehen und nahm mit dem Rüssel Gras auf. Dabei krümmte er das untere Ende des Rüssels wie eine Sichel, raffte die Halme zusammen, riß ein Bündel ab und steckte es in den Mund.

Über eine Stunde war es schon hell, da machte ich die erste Aufnahme (auf fünfzig Schritt, schräg von hinten).

Zum Glück ließ ich die Kassette auf der Erde liegen — ich band ein Taschentuch daran, deckte Gras über die Kassette um sie vor Sonnenlicht zu schützen und ließ das Taschentuch darunter hervorsehen, damit die Neger, die meiner Fährte folgten, darauf aufmerksam würden.

So wurde diese Aufnahme wenigstens gerettet.

Ich hatte jetzt nur noch eine Doppelkassette (zwei unbelichtete Platten). Als der Elefant einen ganz sanften Abhang hinanstieg, lief ich nach rechts und photographierte ihn von der Seite.

Da sah ich einen anderen Elefanten von links kommen und blieb stehen, um zu beobachten, wann sich die Tiere gegenseitig bemerken würden. Als sie etwa vierzig Schritt voneinander entfernt waren, blieb der Elefant, dem ich folgte, stehen und wartete, bis der andere dicht vor ihm vorübergegangen war. Dann aber drehte er sich ganz ohne Veranlassung plötzlich um, so daß ich genau vor ihm stand, und spreizte beide Ohren. Ich hatte die große Ruhe, jetzt die Kamera zu heben, zu zielen und zu knipsen. Der Schlitzverschluß rollte auffallend laut; der Elefant hob den Rüssel und schnaubte.

Er hatte mich bemerkt.

Ich stand fünfundzwanzig Schritt vor ihm; was tun?

Ich ließ die Kamera ins Gras fallen, hob schnell die Büchse und schoß. Der Elefant brach vorne zusammen und rollte tot auf die Seite.

War es ein Gegner? War dies Aug in Auge mit dem Riesen ein Moment, in dem es sich um Leben oder Tod handelte?

Der Elefant ging in kurzem Grase. Ich war fünfzig Schritt hinter ihm, als ich die erste Aufnahme machte.

Ich weiß es nicht; jedenfalls gehört es zu den seltensten Erlebnissen, auf Wurfweite in ganz freiem Terrain mit einem wilden Elefanten allein zu sein und von ihm bemerkt zu werden.

Leider ist die obenstehende Aufnahme die einzige von den dreien, die gelungen ist. Die beiden anderen, auf die ich mich monatelang freute, habe ich nie wieder gesehen und ich weiß nicht, wodurch die Platten verdorben sind; vielleicht wurden sie beschädigt, als ich die Kamera hinwarf.

Ein solcher Verlust ist sehr schwer zu vergessen; denn es gibt keine besseren Beweise für die Wahrheit von Jagderlebnissen, als Photographien, die in die Erlebnisse mitten hinein führen und einen Teil der Aufregung und Gefahr schildern. Photographien sind viel wertvollere Erinnerungen, als die Jagdtrophäen selber!

Leider fehlten mir oft Platten, so daß ich manche Gelegenheit, wertvolle Aufnahmen zu machen, vorübergehen lassen mußte.

Pirschzeichen und Fährtenfolge.

Eines Tages aber hatte ich sechs gefüllte Doppelkassetten und war in einer Gegend, in der Elefanten frisch zu spüren waren. Kurz vor Sonnenaufgang gingen zwei Elefanten nahe bei meinem Zelte vorbei. Schnell stand ich auf und bereitete alles vor, um zusammen mit Unteroffizier Lauer die Fährte aufzunehmen, sobald es hell würde.

Fünf Stunden lang folgten wir der Fährte in heißem Sonnenbrand, ohne auszuruhen. Je höher die Sonne stieg, um so schwieriger war es, das Alter der Fährte zu bestimmen, was notwendig war, weil oft andere, ältere Fährten dazwischen kamen, denen zu folgen natürlich zwecklos gewesen wäre.

Wenn ich zum Beispiel zwei Fährten vergleiche: Ich nehme an, die eine ist von gestern früh, die andere von heute nach Sonnenaufgang. Es ist Trockenzeit; kein Regen; aber nachts fällt Tau.

Dann ist die Fährte von gestern früh den ganzen Tag über von der Sonne beschienen worden; die Bruchstellen abgebrochener Blätter und Gräser sind dadurch getrocknet. Danach ist der Nachttau in die Fährte gefallen und hat alles gleichmäßig mit Feuchtigkeit benetzt.

Die Fährte von heute früh dagegen ist trocken, weil der Huf des Wildes die Tauschicht durchbrochen und den trockenen Sand von unten heraufgewühlt hat; abgerissene Blätter aber zeigen nasse, also frische Bruchstellen.

Ich ging bis auf acht Meter hinan. Der größere Elefant hatte sich hingeworfen und schnarchte.


GRÖSSERES BILD

Das sind die Unterschiede zwischen zwei Fährten von verschiedenem Alter. Je höher aber die Sonne steigt, um so feiner werden diese Unterschiede; denn auch die heute früh abgebrochenen Blattstengel fangen an zu trocknen und der Tau verdunstet. Das macht dann oft viel Kopfzerbrechen. Aber es gibt für den aufmerksamen Fährtensucher auch dann noch viele Merkmale, mit deren Beschreibung ich den deutschen Jäger langweilen würde — und meine übrigen Leser vielleicht noch mehr. —

(Bald findet man eine Schramme an einem Baum, an einer Stelle, die nach Westen liegt; ist diese Wunde an der Haut des Baumes so frisch, daß man annehmen kann, die Nachmittagssonne des vorigen Tages habe nicht darauf geschienen, so wird man sie mit den Elefanten von heute in Verbindung bringen.) Andere wichtige Merkmale sind: der Zustand der Losung; Wassertropfen und Schlamm an Stellen, wo der Elefant durch einen Sumpf gegangen ist. Aus alledem geht hervor, daß der Jäger, wenn er eine Fährte beurteilen will, an die Witterung der letzten Tage denken muß und daß er die Veränderungen kennen muß, denen eine Fährte unterworfen ist.

Wenn man einer Fährte schon meilenweit gefolgt ist, kennt man sie meist schon genau an der Größe und Form der Fußabdrücke, an dem Schrank und der Entfernung der Tritte voneinander, so daß es dadurch wieder etwas leichter wird, Fehler zu vermeiden.

Je länger man einer Fährte folgt, um so stärker wird der Wunsch, Erfolg zu haben; es ist so, als ob man viel Kapital in eine Sache gesteckt hat und es nicht ganz verlieren will. Deshalb ist es sehr ärgerlich, wenn man nach fünf Stunden an eine Stelle kommt, wo die Fährten so undeutlich kreuz und quer gehen, daß niemand aus noch ein weiß.

So ging es uns heute, und mein Begleiter, der mir sagte, er kenne solche Sachen, wie ich sie hier machte, nur aus dem Lederstrumpf, glaubte nicht an den Erfolg und hatte längst den Mut verloren.

Als die exakte Methode (von dem letzten mit Sicherheit beobachteten Fußabdruck den folgenden zu suchen und keinen zu überspringen) zu keinem Resultat führte, ließ ich in größerer Entfernung suchen und da fanden wir die Fährte wieder.

Wir kamen aus der Schilfebene in hohen Buschwald mit hartem Boden. Die Fährten der großen, schweren Tiere waren hier wirklich kaum zu sehen; die Schalen einer kleinen Antilope drücken sich im Boden deutlicher ab, als die breiten, weichen Kissen[25], die der Elefant unter den Füßen trägt, und er geht damit so leise, daß man ihn kaum hört.

Auf unserm Wege erlebten wir noch einen Zwischenfall: Ich sah auf einem Baume einen Geier sitzen und schickte einen Neger hin, der nachsehen sollte, ob ein Stück Wild dort gefallen sei. Der Neger kam entsetzt zurück und führte uns zu der Leiche eines Mannes, der offenbar erst in der letzten Nacht getötet worden war. Die linke Brust war häßlich zerfleischt. Deutliche Fährtenabdrücke im Staube verrieten den Täter: einen starken Löwen.

Später erfuhren wir den Zusammenhang:

Der Löwe hatte den Neger in der Nacht aus einer Hütte geholt, die vier Kilometer von dem Platz entfernt war, an dem wir den Toten fanden.

Ein Bote benachrichtigte die Neger des Dorfes, die schon, bis an die Zähne bewaffnet, der Fährte des Löwen gefolgt waren, die Verfolgung aber aus Feigheit aufgegeben hatten und sich statt dessen an Pombe betranken.