Byron sah jetzt, daß am Lande schon französische Flaggen wehten, er also zum Entsatz zu spät komme und vor allem an den Schutz des Konvois denken müsse. Er ließ seine übrigen Schiffe auf die Barringtons (B. c′) die Gefechtslinie regelrecht einrichten, um sich zwischen den Gegner und den Konvoi zu legen, und gab Befehl zum Nahgefecht. Die Linie wurde dadurch schneller gebildet, daß Rowley mit seinen drei Schiffen (oder nur mit zwei derselben?) nicht den voraussegelnden Kameraden folgte, sondern geradeswegs auf die französische Spitze zu hielt (a.-a′.) und diese angriff, wobei aber zwei Schiffe arg zusammengeschossen, das eine bei dem Versuch, sich vor die feindliche Spitze zu legen, fast zum Wrack wurde. Die in Lee stehenden englischen Schiffe hatten so gelitten, daß sie das Manöver nicht mitmachen konnten und beinahe bewegungsunfähig nach Süden trieben (b′.). (Plan B. zeigt die Lage gegen 1 Uhr nachm.) D'Estaing gab nun den Befehl, abzuhalten, um weiter in Lee die Linie besser zu ordnen, da einige Schiffe außerhalb dieser standen. Er erwartete dann einen neuen Angriff (C.-C.). Byron wagte einen solchen jedoch nicht, denn sieben oder acht seiner Schiffe hatten schwer gelitten (a′. b′. c′.), während die Franzosen in der Takelage kaum beschädigt waren, auch wollte er sich in der Nähe des Konvois halten, der sonst durch die feindlichen Fregatten gefährdet war; er blieb dicht am Winde liegen. So endete der Kampf um 1 Uhr nachm. und wurde auch nicht wieder aufgenommen.
Der Verlust der Franzosen bezifferte sich auf 166 Tote und 763 Verwundete, der der Engländer auf 183 Tote und 346 Verwundete; von diesen fielen zwei Drittel auf die 6 besonders betroffenen Schiffe (b. u. c.).
D'Estaing legte gegen 3 Uhr nachm. seine Flotte durch gleichzeitiges Wenden aller Schiffe über Steuerbordbug (Kurs nach Süden), um in der Nähe der Insel zu bleiben; Byron folgte dem Beispiel, um die im Süden treibenden Schiffe (b′.) zu decken. Aber die Franzosen ließen diese unbehelligt entkommen. Das eine rettete sich nach Jamaika, die beiden anderen steuerten, nochmals von der feindlichen Linie beschossen, nach Norden, wohin auch das beschädigte Spitzenschiff (a′.) entwich. Während der Nacht und am anderen Morgen ankerte d'Estaing wieder vor Georgetown, und Byron nahm Kurs nach St. Christoffer, wohin er den Konvoi schon früher beordert hatte. Nur ein oder zwei Transporter fielen am 7 Juli in die Hände der Franzosen.
Beurteilung der Schlacht bei Grenada. Es war ein Fehler, daß von der englischen Flotte drei Schiffe (b.) ausfielen. Bei der Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Zusammenstoßes mit dem Feinde mußte die Flotte geschlossen bleiben, und dies bot keine Schwierigkeit, da sie mit Rücksicht auf den langsamern Konvoi nur mit beschränkter Geschwindigkeit segeln konnte. Ferner brauchte Byron nicht anzugreifen, ehe die Ordnung hergestellt war. Er hatte frühmorgens die Luvstellung, konnte fest mit Auffrischen des Windes rechnen und der Feind mußte sich ihm stellen. Wollte d'Estaing einen Kampf unbedingt vermeiden, so hätte er seine Eroberung und voraussichtlich auch langsamere Schiffe im Stich lassen müssen. Endlich hat auch wohl Barrington den Befehl zur Jagd zu wörtlich aufgefaßt.
Auch d'Estaing werden Fehler nachgewiesen, die ihn um einen großen Erfolg gebracht haben. Schon gegen Ende des ersten Abschnitts der Schlacht, als er seine Linie gebildet hatte, konnte er durch Wenden im Kontremarsch und Durchbrechen der lockeren feindlichen Linie einen entscheidenden Sieg herbeiführen. In seinem Bericht führt er aus, er habe dies unterlassen, weil andernfalls mehrere seiner Schiffe in Lee hätten abgeschnitten werden können. Hierauf wurde erwidert, seine Linie hätte besser sein können, wenn er schon am 5. in See gegangen wäre. Um Mittag des 6. lag er dann mit 24 kampfbereiten Schiffen 17 oder 18 Engländern gegenüber, von denen einige so beschädigt waren (c′.), daß die übrigen in Manöver und Fahrt auf sie Rücksicht nehmen mußten; außerdem hatte Byron drei gefechtsunfähige Schiffe im Süden (b′.) und ein[279] oder zwei (a′.)′ im Norden zu schützen. Dies auszunutzen, standen dem französischen Admiral drei Wege offen. Er konnte vorwärts segeln, im Kontremarsch wenden, sich zwischen den Gegner und den Konvoi setzen und seine Fregatten auf letzteren werfen; dies fürchtete Byron, wie er berichtet hat. Er konnte ferner mit allen Schiffen zugleich wenden, angreifen und so einen Entscheidungskampf herbeiführen. Von beiden Maßregeln hat ihn wiederum die Rücksicht auf die in Lee stehenden Schiffe abgehalten. Endlich konnte er, als seine neue Linie (C.-C.) gebildet war, sofort nach Süden steuern, um die Engländer dort (b′.) abzuschneiden. Dieses Manöver bot den größten Vorteil. Es hätte den englischen General bewogen, wie er selbst zugibt, unter gewagten Umständen, nämlich ohne Rücksicht auf das Mitkommen der beschädigten Schiffe (c′.), anzugreifen, und die überlegene französische Flotte hätte leicht zu gleicher Zeit das bewegungslose Schiff im Norden (a′.), sowie den Konvoi durch die Fregatten angreifen können.
Suffren, der keineswegs ein persönlicher Gegner d'Estaings war, hat erklärt: „Wäre des Admirals Seemannschaft seinem Mute gleich gewesen, so würden wir nicht vier entmastete Schiffe haben entkommen lassen.“ Das Verhalten d'Estaings ist aber auch wohl durch die damals in der französischen Marine herrschende Ansicht über die Kriegführung zur See beeinflußt; ein Punkt, auf den wir sogleich und später noch öfter zurückkommen werden.
Die Schlacht bei Grenada war ein Sieg der Franzosen, denn die englische Flotte wurde durch die Beschädigung einiger Schiffe für längere Zeit lahmgelegt und die Eroberung Grenadas gesichert, aber ihr Erfolg wäre weit größer gewesen, wenn d'Estaing seine Überlegenheit und die Fehler des Gegners besser ausgenutzt hätte. In dieser Hinsicht ist sie von Bedeutung für die Seekriegsgeschichte. Sie zeigt deutlich die schon mehrfach erwähnte Neigung der Franzosen in jener Zeit für eine Defensivtaktik, selbst unter so günstigen Verhältnissen wie hier weichen sie nicht davon ab. Und gerade die Schlacht bei Grenada erweist den engen Zusammenhang zwischen diesem Verhalten und der Auffassung über die strategischen Aufgaben der Seestreitkräfte, wie sie damals bei der Regierung und bei den Seeoffizieren in Frankreich vorherrschte. Man begnügte sich mit Aufgaben und Erfolgen in beschränktem Maße, ließ aber das wichtigste und richtigste Ziel, die Vernichtung der feindlichen Marine, außer Augen. Bei Grenada sah d'Estaing seine Pflicht nur darin, die Eroberung der Insel sicherzustellen, schonte seine Flotte und unternahm nichts weiter, obgleich sich Gelegenheit bot, durch schwere Schädigung der englischen Flotte die Seeherrschaft in den westindischen Gewässern zu erringen. Ein ähnlich hervorragendes Beispiel gab uns die Schlacht bei Minorka (1756).
Ramatuelle, ein Seetaktiker (vgl. Quellenverzeichnis), der in diesem Kriege diente, zur Zeit Napoleons schrieb und wohl die herrschende Auffassung wiedergibt, sagt: „Die französische Marine hat stets den Ruhm, eine Eroberung zu sichern, dem vielleicht glänzenderen, aber in Wahrheit bedeutungsloseren vorgezogen, einige Schiffe zu nehmen, und damit hat sie sich mehr dem wahren Ziele genähert, das man sich in einem Kriege setzen soll. Was würde der Verlust einiger Schiffe den Engländern bedeutet haben? Der wesentliche Punkt war, sie in ihrem Besitze, der Quelle ihres Reichtums und ihrer Seemacht, anzugreifen!“ Ramatuelle führt als einen Beweis für seinen Ausspruch gerade die Schlacht von Grenada an. Nun können gewiß Fälle eintreten,[280] wo man einen augenblicklichen sicheren militärischen Erfolg zugunsten eines größeren aufgibt, aber wieder gerade bei Grenada trifft dies nicht zu. An der Erhaltung der kleinen Insel lag wenig, sie wäre mit Erringung der Seeherrschaft auch gesichert gewesen; diese hätte ferner die Eroberung weiterer Inseln, sowie die Lahmlegung des englischen Handels ermöglicht. Schon früher (204) ist eine Äußerung Mahans über diesen Ausspruch Ramatuelles angeführt.
Im übrigen hatte d'Estaing im Gegensatz zu La Gallissonnière bei Minorka gar nicht den Befehl, englische Inseln zu erobern, sondern er sollte ihnen nur den Wert als Stützpunkte der Gegner nehmen; aber ihm lag wohl viel an dem Besitze von Grenada, da diese Eroberung sein einziger Erfolg bisher war und auch bleiben sollte.
D'Estaing verläßt Westindien. Byron ging nach St. Christoffer zum Ausbessern. Dies machte große Schwierigkeiten, da die Admiralität wie überall auf den auswärtigen Stationen nicht vorgesorgt hatte. Trotz der Geschicklichkeit, mit der die englischen Seeoffiziere jener Zeit auch unter den ungünstigsten Umständen ihre Schiffe wieder seefähig zu machen verstanden, war die Flotte zu längerer Untätigkeit verdammt. D'Estaing zog hieraus nur geringen Nutzen. Anstatt dem Feinde zu folgen, um ihm noch mehr Abbruch zu tun und sich dann gegen andere Inseln zu wenden, begnügte er sich damit, die Grenadinen zu besetzen. Am 15. Juli ging er dann in See, lief am 19. Guadeloupe an und beorderte einen hier für die Reise nach Europa gesammelten Konvoi, ihm zu folgen. Er erschien auch vor St. Christoffer, wagte aber keinen Angriff, da er die Engländer in Verteidigungsstellung fand, gestützt auf Batterien am Lande, und machte selbst keinen Versuch, sich zweier Schiffe zu bemächtigen, die bei der holländischen Insel Saba lagen; in seinem Berichte sagte er: „Weil er im Gegensatze zu den Engländern eine neutrale Flagge achte.“ Er paradierte nur am 23. und 24. Juli in Gefechtslinie vor St. Christoffer und führte dann den Konvoi nach Haiti; am 31. traf er in Cap Français ein. Hier fand er den ausdrücklichen Befehl vor, mit den 1778 von Toulon ausgelaufenen Schiffen nach Brest zurückzukehren, die nachgekommenen Verstärkungen aber in Westindien zu belassen. Nun war ihm schon im Frühjahr eine Bitte des amerikanischen Generals Lincoln, unterstützt durch den französischen Konsul in Charleston, zugegangen, er möge nach Georgia kommen, um bei der Vertreibung der Engländer aus den Südstaaten mitzuwirken; er hatte damals geantwortet, daß er Westindien noch nicht verlassen könne. Jetzt wurde die Bitte in dringendster Form erneuert, auch hörte er, das amerikanische Volk murre über die Franzosen: diese hätten wohl die Hilfe Bostons zur Ausbesserung der Schiffe gern angenommen, nachher aber die amerikanische Sache im Stich gelassen. Er glaubte der allgemeinen Sache zu nützen, wenn er jetzt der Bitte Folge leiste, ja sogar, falls das Unternehmen in Georgia nicht lange dauere oder es sonst günstiger erschiene, mit Washington im Norden zu operieren versuche. Trotz seines Befehles ging er also mit 22 Linienschiffen am 25. August nach Savannah in See.
Hiermit fanden die größeren Ereignisse in Westindien für 1779 ihr Ende. Byron segelte im August nach England; Barrington, bei Grenada verwundet, war schon früher heimgekehrt. Kontreadmiral Hyde Parker übernahm das Kommando der Antillenstation bis zum März 1780; dann traf Admiral Rodney mit einer Flotte ein und der Kampf auf diesem Kriegsschauplatze begann wieder.
Einige kleinere Ereignisse in Westindien sind noch zu erwähnen. Schon im September 1778 hatten sich die Franzosen von Cap Français aus der nahegelegenen kleinen Turk-Inseln bemächtigt, die von Engländern besiedelt waren. — Durch die Abfahrt d'Estaings erlangten diese die Überlegenheit und behielten sie auch, als im November und Dezember ein Teil der französischen Flotte von Savannah zurückkehrte. Hyde Parker verfügte in Sta. Lucia über etwa 17 Linienschiffe, während de La Motte-Picquet Mitte Dezember in Martinique nur 6 oder 7 hatte, von denen sogar einige zeitweise außer Dienst gestellt waren. Hyde Parker überwachte Fort Royal, und es gelang ihm, am 18. Dezember vor diesem Hafen einen Konvoi von 26 Transportern und Handelsschiffen zu überraschen und auseinander zu sprengen, der im Oktober mit nur einer Fregatte von Marseille gesegelt war. Er würde alle Fahrzeuge genommen oder vernichtet haben, wenn ihm nicht La Motte mit drei in aller Eile seeklar gemachten Linienschiffen kühn entgegengetreten wäre. Durch einen vierstündigen Kampf in der Bucht von Fort Royal, in den auch die Befestigungen eingriffen, ermöglichte dieser 12 Fahrzeugen das Einlaufen, 10 wurden vom Feinde genommen, vier gerieten auf den Strand und wurden verbrannt, doch hatte man die Ladungen retten können. — Am 21. Dezember nahm Admiral Rowley mit einer Division Linienschiffe bei Guadeloupe drei französische Fregatten, die mit Truppen von Savannah zurückkamen.
Spanien hatte durch Entsendung von zwei Geschwadern zu 6 und 10 Linienschiffen nebst Transportern mit Truppen und Kriegsmaterial im Februar und März 1779 die Stationen in Westindien schon vor der Kriegserklärung verstärkt. Wenige Tage nach dieser begann von Portoriko, Kuba und dem Festlande aus der Kleine Krieg; die Befehle hierzu müssen also schon längere Zeit vorher ergangen sein. Ihm trat Admiral Sir Peter Parker von Jamaika aus entgegen, obgleich er nur ein Linienschiff, ein 50-Kanonenschiff und 8 Fregatten oder Sloops zur Verfügung hatte. Er ließ sogar im Oktober den stark befestigten Ort Omoa an der Hondurasküste, einen Stützpunkt der Spanier für den Kleinen Krieg, nehmen; zwei Silbergaleonen und verschiedene Kauffahrer mit einem Gesamtwert von drei Millionen Dollars wurden dabei erbeutet. Die Spanier bemächtigten sich dagegen der englischen Handelsniederlassungen am Mississippi.
(Näheres über diese kleineren Ereignisse vgl. Campbell Band V, Seite 453, 503, 514; Chevalier II, Seite 155; Lacour II, Seite 326.)
D'Estaing vor Savannah. Der Kampf in den Südstaaten Nordamerikas war im Mai 1779 zum Stillstande gekommen; die Engländer unter Prevost hatten sich auf Savannah und Umgegend zurückgezogen, die Amerikaner unter Lincoln lagen in Charleston. Am 31. August 1779 erschien nun d'Estaing mit 21 Linienschiffen, 8 Fregatten und 3 Korvetten vor Savannah; später stießen 6 kleine amerikanische Kriegsfahrzeuge (zu 14–20 Kanonen) und 7 Galeren zu ihm. Er trat mit Lincoln in Verbindung, wollte aber nur wenige Tage an der Küste bleiben und versprach zunächst noch keine Mitwirkung. Als jedoch ein Sturm am 2. September mehrere seiner Schiffe beschädigte, glaubte er, daß ihre Ausbesserung zu lange dauern würde, um dann noch nach den Nordstaaten segeln zu können, und erklärte sich nun zu einem gemeinsamen Angriff auf Savannah bereit.
Doch Lincoln hatte nicht mehr auf die Flotte gerechnet und traf erst Mitte September ein. Durch diese Verzögerung gewann Prevost Zeit, seine Kräfte sämtlich in Savannah zusammenzuziehen, die Stadt besser zu befestigen sowie Schiffe in der Einfahrt zu versenken. D'Estaing landete am 13. September Truppen nebst Belagerungsmaterial, sandte kleinere Fahrzeuge den Fluß hinauf und forderte am 16. die Stadt zur Übergabe auf. Prevost jedoch lehnte ab; er war überzeugt, daß sich die feindliche Flotte in dieser Jahreszeit nicht mehr lange an der Küste halten könne. Schon die Landung machte wegen Mangels an geeigneten Fahrzeugen und der Unwissenheit der amerikanischen Lotsen große Schwierigkeiten. So bewilligte man den Engländern zunächst einen Waffenstillstand, und erst am 23. begannen die Belagerungsarbeiten unter d'Estaings Leitung. Da aber die Witterung immer ungünstiger wurde, so schritt man schon am 9. Oktober, zu frühzeitig, zum Sturme. Auch hier führte der Admiral in eigener Person, wurde verwundet und mit einem Verluste von 1200 Mann, von denen 63 Offiziere sowie 580 Mann auf die Franzosen fielen, abgeschlagen. Am 18. hob d'Estaing die Belagerung auf, deckte noch den Rückzug der Amerikaner, und traf dann die Vorbereitungen zum Inseegehen; hierzu wurde die Flotte schon am 28. Oktober durch einen Sturm gezwungen.
Die Rückfahrt der französischen Flotte gestaltete sich sehr ungünstig. D'Estaing segelte mit den 12 Linienschiffen, die er 1778 aus Toulon geführt hatte, nach Brest. Der Sturm sprengte sie aber derart auseinander, daß der Admiral nur mit 2 Schiffen am 7. Dezember dort ankam; zwei trafen am 9. ein, vier gingen über Cadiz nach Toulon, zwei erreichten Rochefort und eins Lorient, ein Schiff endlich lief beschädigt in Havanna ein. De Grasse war mit 7 Schiffen nach Haiti bestimmt, sollte aber vorher die Chesapeakebucht behufs Verproviantierung anlaufen. Diese Schiffe gingen aber fast alle geradeswegs nach Westindien; vier erreichten vereinzelt Anfang Dezember Martinique, zwei trafen über Cap Français später dort ein. Nur eins war zur Chesapeakebucht gesegelt und kam dann im Januar in Fort Royal an; es wurde von der Höhe Haitis an durch Engländer gejagt. La Motte-Picquet war mit 3 Schiffen nach Martinique bestimmt gewesen; diese ankerten dort einzeln zwischen dem 20. und 27. November. Die nach Westindien bestimmten Geschwader hatten die von den Inseln mitgenommenen Truppen (2–3000 Mann) an Bord; 4 Fregatten mit Soldaten fielen, wie wir schon hörten, am 21. Dezember dem englischen Admiral Rowley in die Hände.
So endete auch das letzte Unternehmen d'Estaings kläglich; der einzige unmittelbare Erfolg war die Wegnahme einiger Kriegs- und Handelsfahrzeuge vor Savannah. Aber es brachte doch einen strategischen Vorteil: das Aufgeben der wichtigen Narragansettbucht seitens der Engländer. Auf die Nachricht hin, daß die französische Flotte von Westindien zur amerikanischen Küste unterwegs sei, räumte Clinton fluchtartig unter Zurücklassen von Geschützen und Material Rhode-Island; durch die Expedition nach Georgien geschwächt, fürchtete er, die Stellung nicht halten zu können. Schon 1780 landeten die Franzosen in diesem „besten Hafen und Flottenstützpunkt an der nordamerikanischen Küste“ (Ausspruch des Admirals Rodney) ein Hilfskorps.
Rückblick auf den Krieg in Westindien 1778/79. Beide Gegner waren auf diesem Schauplatz bei Ausbruch des Krieges kaum vorbereitet, aber beide hatten dort tüchtige Männer an der Spitze. Der französische Gouverneur der Kleinen Antillen, Bouillé, erhielt Befehl, sich der Insel Dominica bei günstiger Gelegenheit zu bemächtigen, und tat dies sofort im August 1778. Der englische Admiral Barrington machte den Verlust durch die Eroberung Sta. Lucias wett. Beide Inseln waren zwar gut befestigt, aber nur schwach besetzt gewesen. Bei Sta. Lucia fällt dies auf, denn die Franzosen hätten leicht die Garnison verstärken können, wenn sie von der Einnahme Dominicas absahen. So gab es nur einen Austausch, bei dem aber wohl die Engländer gewannen.
Eine gute französische Quelle (Chevalier) sagt: „Die französische Regierung habe besonderen Wert auf die Erwerbung Dominicas gelegt, weil diese Insel zwischen Martinique und Guadeloupe lag, so den französischen Besitz abrundete und auch leichter zu verteidigen war. Die Regierung sei ferner überzeugt gewesen, daß England beim Friedensschluß alles daran setzen würde, Sta. Lucia zu erhalten, und daß dann leicht eine Einigung erzielt werden könne, wenn man jetzt die eine Insel nähme, die andere dem Gegner überließe; jede Partei würde beim Friedensschlusse eben behalten, was sie schon besäße.“ Von großem Selbstbewußtsein zeugt diese Auffassung nicht, aber wir wissen, daß Frankreich im Anfange des Krieges noch nicht die Absicht hatte, in Westindien Eroberungen zu machen.
Durch die Ankunft d'Estaings wurden die Franzosen dann weit überlegen, und dieser Admiral hätte Sta. Lucia wieder gewinnen können. Der Versuch mißlang infolge seiner falschen und wechselnden Maßnahmen, die wiederum durch seine Neigung bedingt waren, den Wert der Seegeltung zu unterschätzen und das Hauptgewicht auf die Verwendung der Landstreitkräfte zu legen. Er hätte durch Vernichtung des schwachen englischen Geschwaders die Seeherrschaft erringen müssen, dann wäre auch die Insel gefallen. So machte er nur einen schwächlichen Versuch hierzu, und gab auch diesen auf, als er von der bevorstehenden Ankunft Byrons hörte. Es ist kennzeichnend für d'Estaing, daß er als Oberbefehlshaber einer großen Flotte die Operationen am Lande selber leitete und den Angriff hier wie bei späteren Gelegenheiten sogar in Person führte; er war eben in erster Linie Landsoldat, allerdings ein tüchtiger und wagemutiger.
Wir wissen, daß die Seeoffiziere bei der Bedrohung von New York und Newport 1778 nicht auf ein kräftigeres Einsetzen der Flotte drangen. Hier in Westindien war es anders. Kapitän Suffren stellte dem Admiral in einer mit großem militärischen Takte verfaßten Denkschrift (eingehend in Chevalier II, Seite 130, und Lacour II, Seite 187) vor, wie unrichtig und gefährlich die Landung sei. Mit der Vernichtung der englischen Schiffe erreiche man den Fall der Insel sicherer, so aber setze man die Flotte durch Entfernung des Chefs und Schwächung der Besatzungen einer großen Gefahr aus, falls die englischen Seestreitkräfte Verstärkung erhielten. — Diesen Rat, sowie den anderer erfahrener Seeoffiziere ließ d'Estaing außer acht, aber doch gab er wohl den Angriff am Lande nur aus Besorgnis um die Flotte so schnell wieder auf.
Mit dem Erscheinen Byrons (Januar 1779) wurden die Seestreitkräfte der Gegner nahezu gleich, und die Engländer konnten ihren Besitz von Sta. Lucia als gesichert ansehen. Bald aber wurde der englische Admiral durch die Deckung des nach Europa bestimmten Konvois in Anspruch genommen, eine Verpflichtung, die häufig an die Flottenchefs jener Zeit, besonders die englischen, herantrat und sie von ihren rein militärischen Aufgaben abzog; Byron mußte seine ganze Flotte dazu verwenden, denn bei der Stärke der feindlichen Seemacht würde die Abzweigung eines Teiles diesen oder den Rest gefährdet haben. Die günstige Gelegenheit benutzte d'Estaing zur Wegnahme St. Vincents und Grenadas, und Byrons Rückkehr zum Entsatz führte zur Schlacht bei Grenada, die für die Seeherrschaft hätte entscheidend werden können. Der englische Admiral verlor aber seine Aussichten auf Erfolg durch unvorsichtigen Angriff und der französische nutzte weder in der Schlacht die Fehler, noch nach derselben die erreichte Schwächung des Gegners aus. D'Estaing verließ dann Westindien. Hierbei folgte er allerdings teilweise einem Befehle, er verstieß jedoch gegen diesen dadurch, daß er mit der ganzen Flotte absegelte und so dem Feinde die See völlig freigab. Man sollte fast glauben, daß er sich zu dem Plane eines Zusammenwirkens mit Lincoln oder Washington in Nordamerika durch seine Vorliebe für Landunternehmungen bestimmen ließ, um so mehr, als er dort mit englischen Seestreitkräften kaum zu rechnen hatte. Vor Savannah erwies er sich zwar als mutiger Landsoldat, ließ aber bald die Sache aus Besorgnis um die Flotte fallen.
Frankreich hat für den Krieg in Westindien eine starke Macht aufgeboten, was um so bemerkenswerter ist, als es für das Jahr 1779 auch in den europäischen Gewässern ein großes Unternehmen, einen Einfall in England, plante. Aber der ganze Erfolg in Westindien bestand in der Eroberung einiger Inseln, die mit Ausnahme Dominicas von geringer Bedeutung waren; dafür hatte man das strategisch wichtige Sta. Lucia geopfert.
Der Vorwurf für den Mißerfolg der beiden Jahre in Nordamerika und Westindien trifft d'Estaing, der auch selber in Briefen und Berichten seinem Grame darüber Ausdruck gibt. Ältere französische Quellen behaupten, er sei von seinen Untergebenen nicht genügend unterstützt worden, neuere widersprechen dem und äußern sogar, dieser Grund sei in Frankreich bei Mißerfolgen stets angeführt; bekannt ist, wie man dort in ähnlichen Lagen häufig sogar die Anschuldigung des „Verrates“ findet. Hiergegen spricht auch, daß der Admiral stets günstig über Offiziere sowie Mannschaften berichtet und von den ersteren mehrere zur Auszeichnung oder Beförderung eingegeben hat. Richtiger ist wohl ein Ausspruch anderer Autoren: „Man hätte dem tüchtigen Soldaten eine große Laufbahn im Heere sichern, ihn aber nicht gleich mit einem hohen Range in der Marine anstellen sollen; für wichtige Aufgaben geeignete Seeoffiziere waren genügend vorhanden.“ Es wird versucht, den Fehler der Regierung dadurch zu entschuldigen, daß sie der öffentlichen Meinung zuliebe gehandelt habe; nach den Mißerfolgen des letzten Krieges seien Stimmen laut geworden, die eine Auffrischung des Seeoffizierkorps durch bewährte Landoffiziere befürworteten.
Ein wichtiger Erfolg, den d'Estaing durch seinen Zug nach Savannah und die Bedrohung der Engländer an der amerikanischen Küste errang, war die Räumung der Narragansettbucht durch diese; nach Rodney „der größte Fehler, den England begehen konnte“. Kapitän Mahan sagt (Clowes Band III, Seite 442) in Erweiterung seines Ausspruches (vgl. Seite 269) über den strategischen Fehler, den England durch die Eröffnung des Krieges in den Südstaaten gemacht habe, „der Fall von Savannah würde ein Glück für England gewesen sein, da man dann die Unternehmungen dort wohl aufgegeben hätte.“ So aber bestärkte die leichte Abwehr der Gefahr den General Clinton in seinen Plänen; sobald die Abfahrt der französischen Flotte sicher war, ging er im Dezember 1779 persönlich mit Admiral Arbuthnot zur Eroberung Charlestons von New York in See.
Westafrika. Im Zusammenhang mit Westindien muß ein französischer Vorstoß erwähnt werden, den der Marquis de Vaudreuil 1779 auf seiner Fahrt zu d'Estaing hier ausführte. Er verließ am 25. Dezember 1778 mit 2 Linienschiffen, 2 Fregatten und 3 Korvetten Frankreich; auf einigen Transportern waren Truppen unter dem Herzog von Lauzun, einem beliebten Hofmann, aber tüchtigen Soldaten, eingeschifft. Am 30. Januar 1779 wurde die englische Besitzung St. Louis am Senegal zur Übergabe gezwungen. Die Fregatten bemächtigten sich dann der Kontore am Gambia, an der Sierra-Leone — sowie an der Guineaküste bis zum Voltaflusse. Vaudreuil segelte mit dem Geschwader am 5. März nach Westindien weiter, Lauzun sicherte die Eroberungen und kehrte dann nach Frankreich zurück.
Im Jahre 1779 wurde die Lage Englands sehr ernst, denn am 12. April schlossen Frankreich und Spanien ein Bündnis ab. In diesem wurde eine gemeinsame Kriegführung für das laufende Jahr vereinbart, die eine unmittelbare Bedrohung Englands vorsah. Es ist bereits erwähnt (Seite 214), daß schon unter Choiseul eingehende Pläne für einen Einfall in England ausgearbeitet waren, und mit Ausbruch des neuen Krieges traten wiederum tüchtige Offiziere mit solchen hervor.
Ein Irländer, Graf de Wall, wollte in Irland landen und hier eine Revolution erregen. Oberst Dumouriez, Kommandant von Brest (der spätere Sieger von Jemappes), schlug vor, 12000 Mann auf einer Flotte von Kriegsschiffen, aber ohne Transporter von Cherbourg nach Wight hinüberzuwerfen. Ein ehemaliger englischer Seeoffizier und Anhänger der Stuarts, Hamilton, legte mehrere Pläne vor, die verschiedene Punkte der englischen Küste im Auge hatten. Der schon erwähnte Entwurf des Grafen Broglie und andere mehr wurden wieder erwogen. Hier soll nicht näher auf sie eingegangen werden. Genaueres findet man in Lacour II, Seite 233 ff., wo auch der jetzige Plan erörtert ist.
Die französische Regierung, die schon seit 1776 mit Spanien über ein gemeinsames Vorgehen gegen England verhandelte, prüfte all diese Vorschläge. Bemerkenswert ist, daß Broglie sowie anfangs auch Vergennes nicht für ein gemeinsames Wirken, sondern für gleichzeitiges, aber getrenntes Vorgehen eintraten; sie wollten damit die umständlichen Vorverhandlungen sowie die Schwierigkeiten vermeiden, die sich der Kommandoführung verbündeter Streitkräfte erfahrungsmäßig entgegenstellen. Sie drangen nicht durch, aber ihre Bedenken erwiesen sich später als richtig. Zunächst nahmen die Verhandlungen so viel Zeit in Anspruch, daß der Vertrag erst am 12. April zum Abschluß kam; Spanien, dem mehr an der Eroberung Gibraltars und Minorkas gelegen war, wollte anfangs überhaupt nur Geldmittel beitragen, stellte dann aber doch wenigstens die Hälfte der gemeinsamen Flotte; auch stimmte man in Madrid für den Angriff auf Irland. Schließlich einigte man sich dahin, daß eine den englischen Streitkräften in den europäischen Gewässern überlegene Flotte gemeinschaftlich versammelt werden sollte und daß Frankreich ein Heer aufzustellen habe, um es auf Wight oder bei Portsmouth zu landen. Frankreich trieb zur Eile, um die versäumte Zeit wieder einzubringen, und nun wurde in beiden Ländern lebhaft gerüstet; Spanien war darin noch so weit zurück, daß es seine Kriegserklärung bis zum 16. Juni hinausschieben mußte, aber auch Frankreich wurde erst spät fertig.
Die Rüstungen waren allerdings sehr umfangreich. Jeder Staat bestimmte für die gemeinsame Flotte etwa 36 Linienschiffe; dabei hatte Frankreich mit den kürzlich nachgesandten Verstärkungen über 25 solcher in Westindien sowie einige in Toulon, und auch von Spanien war im März eine größere Zahl (16?) nach den Antillen sowie Mittelamerika gesandt. Man nahm an, mit über 60 Schiffen der feindlichen Flotte sehr überlegen zu sein und schätzte diese ganz richtig auf etwa 40 Linienschiffe. Obgleich in England für 1779 reiche Geldmittel — 4½ Millionen Lstrl., einschließlich der Neubauten — sowie 70000 Mann (einschließlich 17500 Seesoldaten) für die Marine bewilligt waren, standen für die heimischen Gewässer nur 43 Linienschiffe zur Verfügung, denn auch von hier waren im Winter und Frühjahr Verstärkungen nach den auswärtigen Stationen abgegangen, und andere Schiffe befanden sich als Konvoibegleiter oder als vereinzelte Ablösungen unterwegs; insgesamt hatte England etwa 93 Linienschiffe im Dienst (vgl. Tabelle Seite 224).
Frankreich zog bei St. Malo und bei Havre je 20000 Mann sowie die nötigen Transporter zusammen. Das Heer stand unter dem General Graf de Vaux, der am 21. Juni seine Instruktion erhielt. Nach dieser sollten sich die beiden Transportflotten bei Cherbourg vereinigen und dann bei Gosport, Portsmouth gegenüber, die Truppen landen; wenn dies nicht ausführbar sei, solle die Insel Wight besetzt, hier ein befestigtes Lager für 10 000 Mann eingerichtet werden, das Gros des Heeres nach Übereinkunft mit dem Chef der Seemacht eine Landung an geeigneter Stelle der Küste zwischen Wight und Bristol versuchen. Den Oberbefehl über die gemeinsame Flotte erhielt Lieutenant-Général Comte d'Orvilliers und als Treffpunkt wurde die Insel Sisargas, westlich von Coruña bestimmt; schon bei Abschluß des Vertrages hatte Frankreich verlangt, die Vereinigung müsse so frühzeitig stattfinden, daß noch mindestens 14 Tage vor Beginn der Operationen zur Verfügung ständen, um die Ordre de Bataille aufzustellen sowie Übungen vorzunehmen. Ende Mai hielt man es in Versailles für die höchste Zeit, der eigenen Flotte den Befehl zum Auslaufen zu geben, damit sie nicht in Brest vom Gegner blockiert werde; da Spanien am 16. Juni den Krieg erklärte, durfte man annehmen, daß dieses gleichfalls bereit sei. So begannen im Juni die Bewegungen der großen Flotten, denn auch die englische zeigte sich in See; nach Keppels Rücktritt hatte Admiral Sir Charles Hardy den Oberbefehl erhalten.
In den ersten Monaten des Jahres fanden nur kleine Zusammenstöße zwischen einzelnen Schiffen oder kleineren Gruppen statt, wenn solche sich bei Ausübung des Handelskrieges oder bei Erkundungen begegneten. Hervorzuheben ist ein Versuch der Franzosen, sich der Kanalinseln zu bemächtigen. Am 21. April sollte eine Flottille kleinerer Kriegsschiffe Fischerfahrzeuge mit 1500 Mann von St. Malo nach Jersey führen. Stürmischer Wind trieb sie zurück und ein Landungsversuch am 1. Mai scheiterte gleichfalls an den Wetterverhältnissen sowie am Widerstande der Engländer. Am 11. erschienen die Franzosen nochmals; jetzt waren aber überlegene englische Seestreitkräfte herangekommen, die nicht nur den Angriff zurückwiesen, sondern sogar die französischen Schiffe in der Cancalebucht fast sämtlich vernichteten. — Über die in diese Zeit fallenden kühnen Unternehmen des amerikanischen Freibeuterführers Paul Jones soll beim „Kleinen Kriege“ berichtet werden.
Hervorzuheben ist, daß die französische Regierung an sämtliche Kriegsschiffe Befehl erließ, die unter Kapitän James Cook auf einer Entdeckungsfahrt befindlichen Schiffe als befreundet zu behandeln, da ihre Tätigkeit allen Völkern zum Nutzen gereiche.
Die französisch-spanische Flotte an der englischen Küste 1779[144]. D'Orvilliers ging am 4. Juni mit 28 Linienschiffen von Brest nach Sisargas in See, 2 folgten etwas später. Als der Befehl zum Auslaufen eintraf, fehlten der Flotte noch 4000 Seeleute, an deren Stelle der Admiral die Matrosen anderer Schiffe in Brest sowie 2000 Soldaten an Bord nahm. Am 11. Juni traf er an der verabredeten Stelle ein, aber erst gegen Ende des Monats stießen 8 Spanier von Coruña zu ihm. Um diese Zeit trat auf der französischen Flotte eine Epidemie auf, die schnell um sich griff. Mitte Juli zählte man 500 Kranke am Lande in Coruña und 2000 Dienstunbrauchbare an Bord. Am 23. Juli endlich traf der spanische Oberbefehlshaber Generalleutnant Don Luis de Cordoba mit 28 Linienschiffen ein, aber es stellte sich heraus, daß man diesem erst ganz kürzlich von Paris ein französisches Signalbuch nach Cadiz gesandt habe; zur Übersetzung war jetzt keine Zeit mehr, und man mußte notdürftig ein gemeinsames Signalsystem zusammenstellen. Hiermit sowie mit Anordnung der Ordre de Bataille gingen mehrere Tage hin. Erst am 30. Juli konnte die Flotte den Marsch nach dem Norden antreten; sieben günstige Sommerwochen waren seit der Ankunft der französischen Schiffe verloren und die Hälfte ihrer Wasser- und Proviantvorräte war verbraucht. D'Orvilliers suchte in Paris darum nach, ihm Ersatz hierfür sowie Reserveankergeschirr nachzusenden, da die Flotte voraussichtlich an der englischen Küste wegen des oft eintretenden Nebels und wegen der Strömungen häufig werde ankern müssen.
Die Ordre de Bataille. Das französische Kontingent zählte: 2 Schiffe zu 110 und 114 Kanonen, 4 zu 80, 14 zu 74, 10 zu 64; das spanische: 1 Schiff zu 120, 6 zu 80, 23 zu 74, 2 zu 70, 4 zu 60. Diese 66 Linienschiffe waren eingeteilt in: 1. Die Hauptflotte unter d'Orvilliers; 3 Geschwader zu je 9 französischen und 6 spanischen Schiffen. 2. Das Beobachtungsgeschwader, 16 spanische Schiffe unter Cordoba. 3. Das leichte Geschwader, 3 Franzosen und 2 Spanier unter Lieutenant-Général de Latouche. Etwa 14 Fregatten und Korvetten sowie 9 Brander und Mörserboote waren auf die Geschwader verteilt; ein Hospitalschiff und einige Flüten mit Material folgten der Flotte. Die Segelordnung findet man in Lacour II, Seite 261; die Namen der Schiffe, auch die der englischen, führt Campbell Band V, Seite 466 an.
Admiral Hardy[145] ging am 16. Juni von Portsmouth mit dem Befehle in See, zwischen 25 und 50 Seemeilen südwestlich der Scilly-Inseln zu kreuzen. Er führte 35 Linienschiffe der Kanalflotte — 9 zu 90–100 Kanonen, 22 zu 74, 4 zu 64 —, 7 Fregatten, 6 Brander und einige kleinere Fahrzeuge; der Rest der Kanalflotte, etwa 8 Linienschiffe, befand sich in den Haupthäfen oder kreuzte an der französischen Kanalküste.
Es ist unverständlich, weshalb England nicht rechtzeitig die französische Flotte in Brest blockiert und so die Vereinigung der Gegner verhindert hat, da doch Spaniens Eintreten in den Krieg seit Monaten vorauszusehen war. Es hätte selbst später noch die eigene Flotte hinter der französischen her zur spanischen Küste senden können; wie die Sache lag, würde sie dort wochenlang die Überlegenheit besessen haben. Dieser zweite Fehler ist allerdings verzeihlich, da die Regierung unter dem Druck der öffentlichen Meinung die englische Küste und den Kanaleingang nicht entblößen durfte; mit der Blockade von Brest wäre aber auch der Kanal gedeckt gewesen. England konnte von Glück sagen, daß die französische Flotte sich nicht vor den Kanal gelegt hatte, um die spanische zu erwarten, dort hätte sie wahrscheinlich große Handelsflotten abgefangen, die zurückerwartet wurden; so erreichten ein Konvoi von den Antillen, einer von Jamaika (gegen 200 Fahrzeuge) und 8 große Ostindienfahrer unbehelligt die Häfen Englands und Schottlands.
Die Furcht vor einer Invasion war in England wieder einmal sehr groß, doch diesmal wohl berechtigter als je zuvor. Am 9. Juli befahl die Regierung, beim Drohen einer feindlichen Landung alle Pferde und sämtliches Schlachtvieh ins Innere zu treiben; der Hafen von Plymouth ward durch eine Balkensperre geschützt und Schiffe zum Versenken bereit gehalten; große Besorgnis herrschte für die zurückerwarteten Konvois. Viele Einwohner flüchteten von der Küste; man erzählt, daß bei einem Gottesdienste in einem Küstenorte plötzlich eine Panik ausgebrochen sei und alle Teilnehmer bis auf den Pfarrer sowie den Bezirksgeneral nebst seinen Offizieren und Soldaten aus der Kirche geflohen seien. Die Militärs hielten die Lage indessen nicht für bedrohlich, und so konnte noch der später als Stratege berühmte Admiral Jervis, der beim Erscheinen[289] der Verbündeten ein Schiff der Kanalflotte befehligte, seiner Schwester schreiben: „Es sei demütigend für England, daß der Feind den Kanal beherrsche, aber über den Gedanken an eine Invasion müsse er lachen.“
Die Flotte der Verbündeten fand auf ihrer Fahrt das schönste Wetter und hätte südwestlich von Ouessant, wo sie mehrere Tage durch Gegenwind aufgehalten wurde, die erbetenen Vorräte übernehmen können; man sandte aber nur einige Fahrzeuge mit Reserverundhölzern und vertröstete sie sonst auf spätere Zeit im Kanal. Am 11. August passierte sie Ouessant, am 14. Lizard und erschien am 17. vor Plymouth, wo ihr ein englisches Linienschiff in die Hände fiel, das sie für Engländer gehalten hatte. Die beiden großen Flotten hatten sich nicht gesichtet und wußten auch nichts weiter voneinander.
Jetzt stand also die überlegene französisch-spanische Macht zwischen der englischen und deren Häfen. D'Orvilliers beabsichtigte dem Plane für die Landung entsprechend, den Kanal nach der englischen Flotte bis Wight abzusuchen, sich in Besitz der Rhede von St. Hellens an der Nordostküste dieser Insel zu setzen und dann Cordobas Geschwader nach Cherbourg zu senden, um die Überfahrt der Transportflotte zu decken. Er wollte mit der Hauptmacht den Gegner zur See im Schach halten, ihn schlagen oder in seine Häfen einschließen. Das französische Landungsheer stand um diese Zeit für die Einschiffung auf 100 Transportern bereit, während man in England zur Abwehr neben den Milizen nur über wenig reguläre Soldaten verfügte, da man eine ansehnliche Truppenzahl zur Unterdrückung von Unruhen in Irland halten mußte; zudem war die verbündete Flotte auch nach Abzweigung Cordobas noch der englischen weit überlegen. Diese Gelegenheit, so günstig wie nie zuvor, um endlich einmal die Invasion wirklich durchzuführen, blieb jedoch unbenutzt. Vor Plymouth erhielt nämlich d'Orvilliers die Weisung, nicht Wight, sondern die Umgegend von Falmouth als Landungsstelle zu benutzen. Mit Recht wandte der Admiral dagegen ein, daß die große Flotte dort keinen sichern Ankerplatz habe, um sich stets zur Deckung der Landung bereit zu halten, und ein solcher sei um so nötiger, als das günstige Sommerwetter zu Ende gehe. Während er eine Antwort auf diesen Einwurf erwartete, kam ein mehrtägiger Oststurm auf und trieb ihn aus dem Kanal. Am 22. August benutzte er ruhiges Wetter, die Bestände an Wasser und Proviant zwischen den Schiffen auszugleichen und erhielt so die Flotte in ihrer Gesamtheit bis zum 20. September verwendungsfähig. Am 25. traf die Nachricht ein, daß die englische Flotte bei den Scillys kreuze.
Ein Kriegsrat der Flaggoffiziere entschied einstimmig dahin, daß es bei dem schon fast unhaltbar gewordenen Gesundheitszustande sowie dem drohenden Proviant- und Wassermangel unmöglich sei, nochmals in den Kanal einzulaufen. Man beschloß, den Feind zu suchen und zur Schlacht zu zwingen; wäre dies bis zum 8. September nicht zu erreichen, so sollte das französische Kontingent nach Brest, das spanische nach Cadiz zurückkehren. Dementsprechend wurde gehandelt. Am 31. August (nach allen französischen Quellen, nach Clowes am 29.) sichtete man die englische Flotte, die auf der Rückfahrt nach dem Kanal begriffen war. D'Orvilliers versuchte heranzukommen, aber Hardy wich der fast doppelten Übermacht aus, wobei ihn die Windverhältnisse begünstigten. Am 1. November konnten die Engländer ihr Einlaufen in Plymouth als gesichert ansehen und am 3. ankerten sie vor Portsmouth. Noch einmal erschien d'Orvilliers die Aussicht auf einen Teilerfolg. Als er am 31. die Fruchtlosigkeit einer weiteren Verfolgung erkannte, kamen im Westen 15 Schiffe in Sicht; sofort jagte er sie, aber sie erwiesen sich als ein Konvoi holländischer Handelsfahrzeuge. Er kreuzte dann noch am Eingange des Kanals, bis er als Antwort auf seinen Bericht über den Beschluß des Kriegsrates Befehl erhielt, mit der Gesamtflotte nach Brest zu kommen. Am 14. September traf er dort ein und gab am 21. den Oberbefehl an Lieutenant-Général Du Chaffault ab.
Der Zustand der französischen Flotte war tatsächlich so traurig, daß die meisten Schiffe wegen Mangels an dienstbrauchbaren Leuten kaum noch manövrieren konnten. Schon Ende August und Anfang September mußten acht von ihnen nach Brest geschickt werden. Unter ihnen befand sich das Flaggschiff, das von 1100 Mann Besatzung 560 Dienstunfähige zählte; einem 80-Kanonenschiff fehlten von 800 Mann 500; ein Schiff zu 74 Kanonen hatte schon 70 Tote begraben und noch 529 Kranke. Auf vielen der Schiffe, die bis zuletzt die See hielten, war ein Krankenbestand von 2–300 Mann. (Nähere Angaben s. Chevalier II. Seite 171.)
Die Operationen der großen Flotte waren für 1779 beendet. Die französische Regierung hatte zwar die Absicht, die Flotte nach Auffüllung der Besatzungen sowie der Vorräte wieder auslaufen zu lassen, und auch an General de Vaux ergingen neue Erlasse für Unternehmungen, zu denen man die Flotte zu Anfang Oktober bereit glaubte. Aber ein Kriegsrat der französischen und spanischen Flaggoffiziere (3. Oktober) stellte fest, daß man wegen des augenblicklich großen Mannschaftsmangels, hauptsächlich bedingt durch die vielen Erkrankungen in der französischen Marine, sowie wegen notwendiger Ausbesserung der spanischen Schiffe nichts unternehmen könne.
Cordoba segelte am 9. November mit dem Beobachtungsgeschwader nach Spanien. Die übrigen spanischen Schiffe verblieben unter de Gaston bis Januar 1780 in ihren Verbänden der Gesamtflotte; für diese bestand die Ordre de Bataille weiter, damit sie im nächsten Frühjahr zeitig bereit wäre. Sie bezog Winterquartiere und die Lager des Landheeres wurden im November gleichfalls aufgelöst. Der ganze Erfolg der Kampagne, die von den Verbündeten mit Aufbietung aller Kräfte und ungeheuren Kosten ins Werk gesetzt war und die auch viele Menschenleben gefordert hatte, obgleich kaum ein Schuß gefallen war, bestand in der Erbeutung eines Linienschiffes, einiger zwanzig Kauffahrer und in etwa 1100 Gefangenen. Zwar hatte man England in Schrecken gesetzt und dessen Flotte gezwungen, das Feld zu räumen, aber von einer Beherrschung des Kanals, deren sich d'Orvilliers in einem seiner Berichte rühmte, kann keine Rede sein.
Dem greisen Admiral d'Orvilliers, der seinen einzigen Sohn, einen Leutnant, an der Epidemie verloren hatte, wurde natürlich von der öffentlichen Meinung die[291] Hauptschuld an den Mißerfolgen aufgebürdet, die doch in erster Linie durch andere Gründe bedingt waren. Schwer gebeugt zog er sich für den Rest seines Lebens in eine religiöse Anstalt zurück; bei seinem streng christlichen Charakter war ihm der Ausweg versagt, den Villeneuve nach Trafalgar im Selbstmord fand.
Das Jahr 1780 brachte in den europäischen Gewässern keine Unternehmungen der Hauptflotten gegeneinander. Es kam jetzt zur Geltung, daß die Verbündeten verschiedene Ziele im Auge hatten. Beide wollten zwar England erniedrigen, aber Frankreich erstrebte dies in Westindien und Nordamerika, während Spanien Gibraltar und Minorka besonders berücksichtigte. So kamen sie überein, den Einfall in England vorläufig aufzugeben, aber den Gegner in Nordamerika und Ostindien im Schach zu halten, in Westindien angriffsweise vorzugehen, sowie Gibraltar zu nehmen. Diesem Plane entsprechend gestalteten sie ihre Rüstungen für 1780[146].
Spanien hatte zu Beginn des Jahres 20 Schiffe in Cadiz unter Cordoba, 5 bei Algeciras, 11 kreuzten beim Kap St. Vincent; da man erfahren hatte, daß England Zufuhren nach Gibraltar senden wolle, rief man auch de Gaston mit seinen 21 Schiffen von Brest zurück. Er verlor hiervon am 16./17. Januar sieben bei St. Vincent und sandte Ende April zwölf unter Admiral Solano nach Westindien, wo sich schon einige Schiffe befanden; wahrscheinlich waren auch noch verschiedene in den Mittelmeerhäfen stationiert. Spanien wird somit im Anfang des Jahres etwas über 60 Linienschiffe und nach dem Verluste bei St. Vincent etwas unter dieser Zahl im Dienst gehabt haben.
Frankreich schloß den aus Brest absegelnden Spaniern 4 Linienschiffe an, sandte Anfang Februar 16 unter de Guichen nach Westindien, wo sich schon 10 oder 12 unter de Grasse und La Motte-Picquet befanden; im Mai führte de Ternay 7 nebst einer Hilfsarmee nach Nordamerika.
Da sich nun einige Schiffe (2?) in Toulon und schon im Januar von dieser Station 4 bei der spanischen Flotte in Cadiz befanden, 3 in Ostindien lagen, 2 nach dort abgingen und endlich 12 unter Du Chaffault das ganze Jahr über in Brest verblieben, während im Laufe des Sommers noch 9 von hier nach Cadiz segelten, so kann man die Gesamtindienststellung auf mindestens 70 Linienschiffe annehmen.
Selbstverständlich vermochte Frankreich infolge des großen Abganges an Toten und Schwererkrankten auf d'Orvilliers' Flotte noch weniger als im Vorjahre für diese Indienststellungen genügend Seeleute aufzubringen; man mußte noch mehr als früher mit Soldaten aushelfen und überwies zu diesem Zwecke zwei Regimenter des Heeres an die Marine.
England blieb auch 1780 seinem Grundsatz treu, auf allen fernen Kriegsschauplätzen einem Angriff gewachsen zu sein, in Europa seine Küsten zu decken und den Kanal im Interesse des Handels zu beherrschen. Für dieses Jahr waren 7½ Millionen Lstrl. (einschließlich Neubauten, sowie 1½ Millionen Überschreitung des Vorjahres) und 85000 Mann (einschließlich 18700 Seesoldaten) bewilligt. Im Sommer befanden sich 102 Linienschiffe im Dienst, deren Verteilung aus der Tabelle Seite 224 zu ersehen ist.
Im Mittelmeer waren in den Jahren 1778–1779 keine Kriegsereignisse vorgefallen, solange sich nur England und Frankreich gegenüberstanden. Letzteres war durch sein Vorgehen im Kanal, Nordamerika und Westindien so in Anspruch genommen, daß England sich in Minorka und Gibraltar nicht bedroht sah; beide Staaten hielten im Mittelmeere nur geringe Kräfte zum Schutz des Handels. Als aber Spanien in den Krieg eintrat, begann es bereits im Juli 1779 die Belagerung Gibraltars und ließ diesem Platze durch einige Linienschiffe, sowie zahlreiche Fregatten von Algeciras aus die Zufuhren abschneiden. Wie schon erwähnt, war 1780 die Eroberung Gibraltars die Hauptaufgabe der spanischen Marine und eine große Macht wurde dafür bestimmt: Cordoba hatte in Cadiz 31 spanische und 4 französische Linienschiffe, 5 lagen in Algeciras; Gaston sollte mit 21 spanischen und 4 französischen zu ihm stoßen. Aber dennoch glückte es England, die belagerte Stadt mit Vorräten zu versehen.
Rodney[147] siegt bei St. Vincent und versorgt Gibraltar. Januar 1780. Schon im Oktober 1779 hatte man in England beschlossen, den Admiral Sir George Rodney mit einigen Linienschiffen zur Übernahme des Kommandos nach Westindien zu senden; da die französische Flotte in Brest Winterquartiere bezogen hatte, nahm man nun die Gelegenheit wahr, mit der Ausreise dieses bewährten Führers die Versorgung Gibraltars und Minorkas zu verbinden. Der Admiral verließ am 29. Dezember mit 22 Linienschiffen, 14 Fregatten und einigen kleineren Fahrzeugen Plymouth. Nur fünf der ersteren hatte man für Westindien bestimmt, die übrigen gehörten der Kanalflotte an und waren Rodney nur unterstellt, um einen großen Konvoi zu decken. Dieser bestand aus Transportern mit Truppen, Kriegsmaterial sowie Proviant für Gibraltar und Minorka, und aus Handelsschiffen, die zur portugiesischen Küste oder nach Westindien segeln wollten; die letzteren zweigten sich am 7. Januar 1780 unter Deckung eines Linienschiffes nebst 4 Fregatten ab.
Die Flotte stieß am 8. auf ein spanisches Geschwader — ein Linienschiff, 4 Fregatten, 2 Korvetten — nebst 12 Transportern mit Proviant für die Cadizflotte und nahm nach kurzer Jagd alle Fahrzeuge; das Linienschiff wurde, mit Engländern bemannt, angewiesen, die genommenen Proviantfahrzeuge nach Gibraltar zu geleiten. Auf der Weiterreise erhielt Rodney von einem Kauffahrer die Nachricht, daß auf der Höhe von Kap St. Vincent ein spanisches Geschwader kreuze, und als am 16. das Kap passiert war, kamen um 1 Uhr nachmittags 13 Segel in Sicht; Rodney steuerte sofort in gut gehaltener Formation auf sie zu. Es waren 11 Linienschiffe und 2 Fregatten unter dem Admiral Don Juan de Langara, ein Teil der Cadizflotte, die mit spanischer Sorglosigkeit schlecht geschlossen fuhren. Ihr Führer verlor die Zeit damit, zu sammeln, die Gefechtslinie zu bilden, sowie durch Signale die Ansicht der Kommandanten über weiteres Verhalten einzuholen, und nahm dann erst Kurs auf Cadiz, wofür der Wind günstig war.
Rodney gab nun Befehl zur „Allgemeinen Jagd“ mit der Weisung, von Lee her anzugreifen, um sich so zwischen den Feind und die Küste zu setzen; das zuerst herankommende Schiff sollte das letzte feindliche angreifen, das zweite das vorletzte usw. Um 4 Uhr nachmittags schon waren die vier vordersten Engländer im Gefecht, um 4¾ Uhr flog ein spanisches Schiff von 74 Kanonen auf und um 6 Uhr strich ein zweites die Flagge. Jetzt wurde es schnell dunkel, aber der Kampf tobte weiter und um 2 Uhr morgens ergab sich der vorderste Spanier. Nur 4 Linienschiffe und die Fregatten entkamen; das Flaggschiff von 80 Kanonen, sowie 5 74-Kanonenschiffe wurden genommen. Auf einem der letzteren überwältigte später die Besatzung, die zur Bedienung herangezogen werden mußte, die wenigen Engländer, ein zweites strandete und fiel gleichfalls den Spaniern wieder zu. Es wehte nämlich während der Nacht bei hoher See so stark, daß selbst die größeren englischen Schiffe sich nur mit Mühe von den Klippen von San Lucar freihalten konnten.
Diese Schlacht, die den Siegern nur 39 Tote und 102 Verwundete kostete, zeigte die Tüchtigkeit Rodneys, der gerade an diesem Tage schwer unter der Gicht litt. Zwar war der Feind sehr unterlegen und wurde überrascht, aber dennoch blieb es eine kühne Tat, bei dem drohenden Wetter auf einer Leeküste kurz vor Einbruch der Nacht anzugreifen. Es war um so gewagter, als man wußte, daß Cordobas Streitkräfte in diesen Gewässern 35 Linienschiffe zählten. Dieser hatte auch tatsächlich mit den anderen 24 in Erwartung der Engländer gleichfalls vor der Straße von Gibraltar gekreuzt und war eben erst in Cadiz eingelaufen, um einige in einem Sturme beschädigte Schiffe auszubessern. Rodney wurde ferner dadurch vom Glück begünstigt, daß Gaston, der ihm von Brest aus entgegentreten sollte, zu lange im Hafen festgehalten und dann durch die Witterungsverhältnisse auf der Fahrt gehemmt wurde. Rodney erreichte unbelästigt Gibraltar, konnte aber widriger Winde halber erst am 26. Januar auf der Rhede ankern. Die fünf spanischen Blockadeschiffe zogen sich unter die Werke bei Algeciras zurück und die Engländer landeten ungestört Truppen sowie Vorräte. Die Transporter für Minorka waren schon vor dem Einlaufen in die Bucht unter Deckung von 3 Linienschiffen weitergesandt; sobald diese dann wieder eintrafen, ging Rodney am 13. Februar in den Atlantik zurück. Nach drei Tagen entließ er die Schiffe der Kanalflotte und steuerte selber mit 4 Linienschiffen nach Westindien. Gibraltar und Minorka waren auf ein Jahr versorgt.
Die unter Admiral Digby nach England segelnden Schiffe stießen am 23. Februar auf 15 französische Transporter, die unter Bedeckung durch 2 Linienschiffe und eine Fregatte nach Ostindien unterwegs waren. Drei Transporter sowie das Schiff des ältesten Kapitäns, der sich mutig opferte, wurden genommen, die anderen entkamen während der Nacht.
Cordoba rührte sich weder während des langen Aufenthalts der Engländer vor Gibraltar noch bei deren Rückfahrt durch die Straße. Er mochte wohl seinen, zur Zeit noch teilweise beschädigten Schiffen nicht allzuviel zutrauen. Nach der Vernichtung Langaras konnte er auch nicht mehr mit Überlegenheit auftreten, zumal das Geschwader Gastons erst am 23. Februar eintraf; es hatte schweres Wetter in der Biskaya gehabt und längere Zeit in Ferrol behufs notdürftiger Ausbesserung gelegen.
Der Befehlshaber der vier französischen Schiffe bei der spanischen Flotte äußerte sich sehr absprechend über diese. Die Besatzungen seien ungeschickt in der Bedienung der Schiffe und die Offiziere unerfahren, aber auch nachlässig im Segeln in großen Verbänden. Auch für Cordobas Tatkraft spricht nicht gerade die Erzählung eines spanischen Autors: Nach diesem traf die Meldung, daß die Engländer Gibraltar wieder verlassen hätten, den Admiral in der Kirche. Er sagte: „Es ist gut! Geduld. Gott will es. Diesmal haben die Engländer Glück, ein anderes Mal werden wir es haben.“ Ein Epigramm jener Zeit nannte ihn „el gran santulario“.
Rodneys Sieg erregte in England große Freude. Der Erste Lord schrieb ihm, er habe mehr Linienschiffe genommen als in irgendeiner Schlacht der beiden letzten Kriege erbeutet worden wären. Der Admiral schrieb seinen Erfolg dem Umstande zu, daß ein Teil seiner Schiffe gekupfert und dadurch imstande gewesen sei, den Gegner einzuholen und festzuhalten. Er legte deshalb der Admiralität ans Herz, diese Maßnahme schnell allgemein durchzuführen, und der Erste Lord antwortete ihm: „Ich höre Sie laut nach gekupferten Schiffen rufen und bin entschlossen, to stop your mouth; you shall have copper enough.“ Die Kupferung wurde dann auch beschleunigt.
Der weitere Verlauf des Krieges in Europa 1780. Die Versorgung Gibraltars blieb der einzige englische Vorstoß in diesem Jahre, ja das einzige hervortretende Ereignis überhaupt, obgleich es schon im Februar zu Ende war, also zu einer Zeit, in der sonst die großen Unternehmungen kaum begannen. England, seiner Sorge um Gibraltar ledig, hielt die schwachen Streitkräfte, 43 Linienschiffe, in den nördlichen Gewässern zurück und auch die Verbündeten unternahmen nichts Ernstes, obgleich sie in Cadiz über eine große Zahl von Schiffen verfügten, im Herbst sogar über eine ungeheure Macht. Die Bewegungen der Gegner seien hier kurz dargestellt.
Der englische Admiral Francis Geary, der im Mai für den verstorbenen Admiral Hardy die Kanalflotte übernommen hatte, trat am 8. Juni mit 30 Linienschiffen eine Kreuzfahrt zum Schutze des Handels im Kanal an. Anfang Juli stieß er auf einen französischen Konvoi von 30 nach Westindien bestimmten Kauffahrern, konnte aber wegen einbrechender Nacht und aufkommenden Nebels nur 12 von ihnen nehmen. Am 18. August war diese Fahrt beendet und bald darauf ging der Oberbefehl auf Vizeadmiral George Darby über, der ihn auch während des Jahres 1781 führte. Von nun an kreuzten einzelne Kriegsschiffe, kleinere Verbände, sowie zahlreiche Kaper im Kanal und hinunter bis zur portugiesischen Küste.
Die Verbündeten zogen stärkere Streitkräfte in Cadiz zusammen; Frankreich suchte Spanien zu einer entscheidenden Unternehmung zu bewegen, aber dieser Staat versteifte sich auf die Belagerung von Gibraltar. Das einzige, wozu er sich verstand, war die Entsendung des Admirals Don Josef de Solano mit 12 Linienschiffen, einigen Fregatten, sowie gegen 12000 Mann nebst starkem Artilleriematerial auf 83 Transportern Ende April nach Westindien. Auch dann blieb Cordoba noch 29 Linienschiffe stark und Gibraltar war von Algeciras aus durch 5 solcher unmittelbar blockiert. Da zu diesen noch 8 oder 9 französische zu rechnen sind und im Juli weitere 5 von Brest eintrafen, so verfügten die Verbündeten schon Mitte dieses Monates hier über eine große Flotte.
In Brest behielt Frankreich das ganze Jahr über 12–15 Linienschiffe unter Lieutenant-Général Du Chaffault als ein Beobachtungsgeschwader; dies ist jedoch niemals vereint in See gegangen, sondern ließ nur einzelne Schiffe kreuzen.
Cordobas Unternehmungen blieben aber ganz auf die südlichen Gewässer beschränkt. Erst im Juli erhielt er den Befehl, mit einer größeren Macht in See zu gehen; er sollte zwischen Kap St. Vincent und Vigo bis auf 150 Seemeilen von der Küste entfernt kreuzen, um dem Treiben englischer Kriegsschiffe und Freibeuter ein Ende zu machen, die zwischen Ferrol und Cadiz die Verbindung fast ganz unterbrochen hatten und den französisch-spanischen Handel störten. Am 31. Juli lief er mit 22 Schiffen aus und hatte das Glück, am 8. August auf 36° 40′ nördlicher Breite und 15° Westlänge (Greenwich) einen englischen Konvoi von 67 Fahrzeugen zu treffen, die nach Ost- und Westindien bestimmt und durch ein Linienschiff sowie zwei Fregatten gedeckt waren; nur die Kriegsschiffe und 12 Handelsschiffe entkamen, mit 55 Prisen im Werte von 1½ Millionen Lstrl. und 2865 Gefangenen lief Cordoba am 29. August wieder in Cadiz ein. Der Schlag traf England um so härter, da ein Teil der Schiffe mit Zufuhren für die Truppen und Schiffe in den Kolonien beladen waren. Dies blieb aber auch der einzige Erfolg der Verbündeten, obgleich Frankreich den Vizeadmiral d'Estaing nach Spanien sandte, um mehr Tatkraft in die Kriegführung zu bringen.
D'Estaings Mission in Spanien. Der Vizeadmiral traf im Juni 1780 in Madrid ein und versuchte mit Unterstützung des französischen Gesandten dahin zu wirken, daß man die große Flotte nicht nur im Dienste der Belagerung von Gibraltar belasse, in dem sie nach französischer Ansicht überhaupt nichts Ausschlaggebendes nützen könnte. Aber lange Verhandlungen hatten keinen Erfolg. D'Estaing traf dann am 26. September in Cadiz ein, begab sich von dort in das Lager von Gibraltar, fand die Aussicht auf eine erfolgreiche Berennung der durch ihre Lage fast uneinnehmbaren Stadt sehr gering und ward in seiner Ansicht noch bestärkt, daß die Flotte hier nichts nützen könne. Er trat lebhaft für deren anderweitige Verwendung ein, beispielsweise zu einem Angriff auf Minorka, aber wieder vergeblich. — Er hatte Befehl, nach Eintreffen der französischen Streitkräfte von Westindien, die für die zweite Hälfte des September nach Cadiz beordert waren, die Gesamtflotte Frankreichs nach Brest zu führen, falls Spanien bis dahin nicht einer anderen Verwendung zugestimmt habe.
Am 1. Oktober trafen noch einige Schiffe vor Brest in Cadiz ein und am 24. kamen das Geschwader de Guichens, sowie die selbständige Division de La Motte-Picquets von Westindien an; jetzt waren etwa 40 französische Linienschiffe dort vereint. Da es d'Estaing nicht gelang, Spanien zu entschlossenerem Handeln zu bewegen und er keinen Nutzen in einem längeren Aufenthalt der französischen Schiffe bei Cadiz sah, traf er Anstalt, diese gemäß der erhaltenen Weisung nach Frankreich zurückzuführen. Die Jahreszeit war schon weit vorgeschritten, denn die Schiffe aus Westindien waren über einen Monat später angekommen, als man erwartet hatte und die meisten hatten eine gründliche Ausbesserung nach ihrer fast zweijährigen Abwesenheit nötig. Unter de Guichen waren 95 Schiffe mit Zucker und Kaffee angekommen. D'Estaing ließ von diesen die ins Mittelmeer bestimmten durch Kapitän Suffren mit 5 Linienschiffen nach Toulon geleiten, während er mit dem Gros der Flotte am 7. November nach Norden segelte. Er kreuzte noch kurze Zeit beim Kap St. Vincent und traf am 5. Januar 1781 in Brest ein.
Bemerkungen zu dem Kriege in Europa 1779/80. Während sich 1779 in Westindien etwa gleichstarke Kräfte gegenüberstanden, befand sich England in den heimischen Gewässern in großer Bedrängnis, als die Flotte der Verbündeten auftrat; niemals seit Ruyters Zeit war die Gefahr eines Einfalles so groß gewesen wie jetzt. Zwei Fehler der Regierung hatten dies verschuldet. Erstens hatte man in den Friedensjahren versäumt, die Marine einem möglichen, ja wahrscheinlichen Zusammenwirken der beiden bourbonischen Königreiche gewachsen zu erhalten, zweitens mußte die Vereinigung der beiden feindlichen Flotten jetzt verhindert werden. Daß diese Unterlassungen sich nicht rächten, ist nur den Mißgriffen der Verbündeten zu danken; diese seien hier nochmals kurz zusammengefaßt.
Die französische Flotte ging mit unvollständiger Bemannung und Ausrüstung in See, um nicht vom Feinde in ihren Häfen blockiert zu werden. Die spanische brauchte sieben Wochen bis zur Vereinigung und dann verging noch eine Woche mit Maßnahmen, die man vorher hätte erledigen können. Französischerseits unterließ man ferner die[297] Ergänzung der während des langen Wartens aufgebrauchten Vorräte. Ein weiterer schwerer Fehler war der befohlene Wechsel des Angriffspunktes. Dadurch ging die günstige Gelegenheit zur Landung unwiederbringlich verloren, und Krankheit sowie Mangel auf der Flotte bereiteten schließlich dem Unternehmen ein unrühmliches Ende. Auch hier bestätigte sich wieder, daß es grundfalsch ist, eine vor dem Feinde stehende Macht, und ganz besonders eine Seestreitmacht, ganz von Hause her leiten zu wollen. Gerade im vorliegenden Falle war der Gegenbefehl durchaus verkehrt und somit d'Orvilliers' Einwendungen völlig berechtigt; die erhaltene Weisung einfach nicht zu beachten, lag nicht in seinem Charakter. Dies hätten auch wohl nur wenige Führer gewagt, ein Nelson oder Bonaparte würden es wahrscheinlich getan haben.
Die Führer der großen Flotte zeigten sich allerdings auch nicht ihrer Aufgabe gewachsen, doch fällt dies gleichfalls den Regierungen zur Last, die sie an die verantwortlichen Stellen setzten. D'Orvilliers war ein tüchtiger Offizier, aber 68 Jahre alt und kein Charakter, der die Jahre vergessen ließ; er nannte sich außerdem selber „einen gebrechlichen Greis“. Es fehlten ihm Entschlußfähigkeit und Kühnheit, die unter schwierigen Umständen vieles wagen, um alles zu gewinnen.
Bezeichnend sind die Aussprüche zweier anderer Autoren (Chevalier II, Seite 136 A. a. O.): „D'Orvilliers wollte 1778 bei westlichem Winde nicht in den Kanal einlaufen, da er dann bei schlechtem Wetter oder nach unglücklichem Kampfe nicht wieder herauskönne; 1779 hinderte ihn östlicher Wind am Einlaufen. Welch ein Wind war denn nun günstig?“ — (Lacour II, Seite 254): »Man sagt, daß sich d'Orvilliers während des Feldzuges 1779 stets gefragt habe: „Was geschieht, wenn ich besiegt werde“, aber niemals: „Was erfolgt, wenn ich siege.“
Nicht anders lag es mit Cordoba. Dieser war sogar 73 Jahre alt, und d'Estaing, der 1780 mit ihm verhandeln mußte, berichtete, er habe bisher nur gegen die Barbaresken gefochten und sei, selbst nach Ansicht spanischer Offiziere, eine Persönlichkeit ohne jede Bedeutung, ohne Tatkraft und Kühnheit. Beide Führer waren allerdings auch nicht vom Glück begünstigt, und die Wetterverhältnisse waren mehrfach gegen sie, aber es gilt als alte Erfahrung, daß dem Wagemutigen das Glück hold ist; denn wer auch unter ungünstigen Verhältnissen seine Absicht durchzusetzen strebt, kommt einem günstigen Umschwung gewissermaßen entgegen. — Infolge der Fehler der Verbündeten blieb das große Unternehmen 1779 ein Schlag ins Wasser; Lacour sagt von ihm: „Si le sujet n'était pas si triste, on penserait à la montagne en mal d'enfant, qui met au monde une souris.“
Die Kriegführung des Jahres 1779 zeigt deutlich eine der Schwächen der Allianzen[148]. Durch seine Nachlässigkeit in den Rüstungen lähmt der eine Verbündete den anderen. Im Jahre 1780 zeigt sich die Hauptgefahr für jedes Bündnis, die Verschiedenheit der Interessen und Ziele. Frankreich bindet sich noch stärker als vorher in Westindien, Spanien verbeißt sich in die Belagerung von Gibraltar. Der Oberbefehlshaber, Admiral Cordoba, löst in diesem Jahre aber nicht einmal die einfache Aufgabe, die belagerte Stadt von See her abzuschließen. Es gelingt Rodney mit weit schwächeren Kräften, Gibraltar zu versorgen; bei dieser Gelegenheit zeigt sich, daß dem Mutigen auch das Glück hold ist. Die Wetterverhältnisse legen die Seestreitkräfte des Gegners lahm und begünstigen ihn. Er trifft dann auf den Konvoi und einen Teil der spanischen Flotte, der ohne Unterstützung ist. Daß das englische Geschwader die Stürme überstand, während die Schiffe des Gegners arg beschädigt wurden, war allerdings der Überlegenheit der Engländer in Seemannschaft zu danken.
Ausbruch des Krieges zwischen England und Holland 1780. Am 20. Dezember erklärte England den Krieg an Holland. Schon weit früher war es zu Reibungen gekommen. Seit Ausbruch des Englisch-Amerikanischen Krieges wurde die holländische Schiffahrt durch die Untersuchungen seitens englischer Kriegsschiffe arg belästigt und noch mehr seit Beginn des Kriegs mit Frankreich. Am 31. Dezember 1779 ereignete sich bereits ein Vorfall ernster Art. Ein englisches Geschwader von 5 Linienschiffen und einigen Fregatten unter Kapitän Charles Feilding begegnete im Kanal einem großen holländischen Konvoi, geleitet durch 2 Linienschiffe und 2 Fregatten unter Kontreadmiral van Byland. Der englische Kommodore verlangte die Untersuchung der Schiffe. Der holländische Admiral verweigerte sie und ließ Gewehrfeuer auf die Boote richten, die trotzdem zu den Handelsschiffen fuhren. Nun eröffneten die englischen Schiffe das Feuer auf die holländischen und diese ergaben sich in ihr Schicksal; der Admiral strich sogar die Flagge. Davon machte Feilding nun zwar keinen Gebrauch, aber er führte 12 Kauffahrer nach Portsmouth, die dort kondemniert wurden, da sie nach englischer Angabe tatsächlich Kontrebande an Bord hatten.
Gleichzeitig mit der Kriegserklärung sandte England den Befehl nach Ost- und Westindien, die holländischen Schiffe sowie Besitzungen wegzunehmen; es soll sogar diese Weisung schon früher erlassen haben, da die englischen Kriegsschiffe überall so frühzeitig über den holländischen Handel herfielen, daß Ende Januar 1781 bereits 200 Kauffahrer im Werte von 15 Millionen Gulden aufgebracht waren. Am 30. Dezember 1781 ward das erste holländische Kriegsschiff von 54 Kanonen durch zwei englische 74-Kanonenschiffe im Kanal genommen. (Näheres über die Belästigungen des holländischen Handels, die dadurch hervorgerufenen Reibungen und die militärischen Maßnahmen Hollands findet man in de Jonge, Band 4, Seite 379 ff.)
Westindien. Im Beginn des Jahres 1780 lag der englische Admiral Hyde Parker mit etwa 16 Linienschiffen in Sta. Lucia, während sich die französischen Divisionen de Grasse und de La Motte-Picquet, 10 oder 11 Schiffe, in Martinique befanden; beide Parteien unternahmen Kreuzfahrten gegen Handelsschiffe und Transporter. De La Motte hatte von Haus Befehl erhalten, seine eigentliche Station bei St. Domingue gegen die Engländer in Jamaika einzunehmen, war aber von de Grasse und dem Gouverneur wegen der Überlegenheit des Gegners bisher auf der Antillenstation zurückgehalten; erst als die Nachricht vom Nahen der starken Flotte unter de Guichen eintraf, ließ man ihn absegeln. Auf der Reise hatte er einen Zusammenstoß mit einem englischen Geschwader, blieb aber sonst den großen Ereignissen des Jahres fern. Ebenso auch die schwache englische Jamaikastation unter Sir Peter Parker; beide fanden nur Verwendung zum Kleinen Kriege im nordwestlichen Teile der westindischen Gewässer.
Gefecht bei Monte Christi, 20. März 1780. La Motte-Picquet verließ am 13. März mit zwei Schiffen zu 74 Kanonen, einem zu 64, einem zu 50 und einer Fregatte Martinique nebst einem Konvoi für Cap Français. Am 20. März stieß er nicht weit von seinem Ziele bei Monte Christi (Nordküste von Haiti) auf den Kapitän Cornwallis, der sich mit drei schwachen Schiffen der Jamaikastation auf einer der üblichen Kreuzfahrten in den dortigen Gewässern befand. Es kam zu einem Gefechte, das von 5 Uhr nachmittags bis mitternacht und den ganzen nächsten Tag über dauerte. Dann brach La Motte ab, da drei andere Engländer in Sicht kamen, und segelte nach Cap Français, wohin sein Konvoi schon vorausgegangen war. Der Zusammenstoß ist bemerkenswert, weil man aus seinem Verlaufe wiederum ersehen kann, wie die französischen Führer jener Zeit fast immer nur die Lösung ihrer Aufgabe anstrebten, sonst aber ihre Schiffe schonten. De La Motte, ohne Zweifel ein mutiger Mann und tüchtiger Offizier, hatte nur den Schutz des Konvois im Auge; zu diesem Zwecke griff er zwar selber an, führte aber den Kampf nicht bis zur Entscheidung durch, obgleich er weit überlegen war. Cornwallis befehligte ein Schiff zu 64 Kanonen, eins zu 50 und eins zu 44, und die später in Sicht kommenden waren auch nur ein 64-Kanonenschiff, nebst 2 Fregatten. (Näheres über das Gefecht vgl. Clowes III, Seite 474; Troude II, Seite 66.)