Der Verlust betrug englischerseits 32 Tote, darunter die Kommandanten des Flaggschiffes „Superb“ und des „Exeter“, und 83 Verwundete, französischerseits 30 und 100. Die französischen Schiffe hatten wenig gelitten, von den englischen waren die beiden ebengenannten stark beschädigt.
Suffren war sehr unzufrieden mit seinen Kommandanten; diese hätten näher an den Feind herangehen müssen, wenn der Admiral auch nicht das Beispiel gab. Den größten Fehler machte der zweitälteste Offizier, Kapitän de Tromelin, der das fünfte Schiff befehligte. Er wiederholte zwar die Signale des Admirals, sorgte aber nicht für deren Ausführung. Ferner war sein Schiff unter den nach Lee befohlenen und er kannte den Plan Suffrens. Dieser hatte ihm[387] zehn Tage vor der Schlacht geschrieben, er beabsichtige, die Nachhut des Feindes mit den überschießenden Schiffen zu dublieren, wenn er die Luvstellung habe. Falls dann Tromelin die eigene Nachhut führe, solle er die nötigen Maßregeln ergreifen, da er am besten übersehen könne, wie viel Schiffe für den Angriff von Lee verfügbar seien. Zum Zweck der Eroberung von Trincomali und Negapatam sei eine Entscheidungsschlacht erwünscht. Ganz ohne Schuld ist jedoch auch Suffren nicht. Er nahm die Spitze, da sein Schiff das schnellste war und weil es bei der vorgeschrittenen Tageszeit wichtig erschien, den Feind bald anzugreifen. Diese Stellungnahme wirkte zwar nicht notwendig, aber doch sehr natürlicherweise als Beispiel, und so verleitete sie die nachfolgenden Schiffe zum Fernbleiben. Für ein derartiges Abweichen vom damaligen Brauche wären genauere Anweisungen nötig gewesen; Ungeduld und Kampfeslust haben Suffren wohl fortgerissen, wie sich noch mehrfach zeigen wird.
Admiral Hughes durfte sich nicht der Gefahr aussetzen, von Luward angegriffen zu werden. Daß er hier in diese Lage kam, ist aber zu entschuldigen. Er hatte über Nacht nach SO gesteuert, weil im Februar die Seebrise von SO gegen 11 Uhr vormittags einzusetzen pflegt.
Die Schlacht brachte für Suffren nicht die erhoffte Entscheidung. Am Morgen des 18. Februar waren die Flotten einander aus Sicht. Dies hätte der Admiral vermeiden können, falls er wieder angreifen wollte, wie französische Quellen sagen; es ist aber anzunehmen, daß er infolge des mangelhaften Verhaltens seiner Kommandanten eine sofortige Erneuerung des Kampfes nicht wünschte. Er segelte zum Schutz seines Konvois und um Wasser zu nehmen nach Pondichery, wo er am 19. neben letzterem ankerte. Hughes ging zum Ausbessern der beiden beschädigten Schiffe nach Trincomali.
Die Schlacht bei Sadras war aber doch ein Erfolg Suffrens, er konnte mit Haidar Ali in Verbindung treten und dessen Tatkraft wieder beleben. Schon am 19. Februar traf der französische Agent beim Sultan mit der Nachricht in Pondichery ein, daß die englische Kompagnie sehr günstige Friedensbedingungen geboten habe, Haidar würde aber nicht darauf eingehen, falls er die lange erwartete Hilfe Frankreichs jetzt erhielte. Im Lauf der Verhandlungen versprach der Sultan, dem französischen Geschwader Nahrungsmittel, Geld und andere Bedürfnisse zu liefern, sobald es sich in seinem Machtbereiche zeige, nach dem Kriege wollte er Land an Frankreich abtreten. Suffren, der am 21. Februar der leichteren Verbindung mit Haidar halber nach Porto Novo gesegelt war, schiffte nun am 10. März die Landungstruppen aus. Sie marschierten nach Cuddalore, wo Tippu Sahib, der Sohn Haidars, stand, der soeben bei Tanjore eine englische Abteilung vernichtet hatte. Am 4. April kapitulierte Cuddalore.
Die Schlacht bei Providien am 12. April 1782. Suffren bat von Porto Novo aus sowohl den Marineminister wie den Gouverneur der Maskarenen dringend um Truppen, diesen ferner um Seeleute. Wenn sich das Geschwader an der Küste halten und man den Sultan mit Soldaten unterstützen könne, so würde dieser die Engländer mit Erfolg bekämpfen. Am 23. März ging er aufs neue in See, um den Feind zu suchen; er hoffte, zwei Linienschiffe abzuschneiden, die aus England erwartet wurden; dies gelang jedoch nicht. Hughes hatte vierzehn Tage ausgebessert und war dann nach Madras gesegelt, um von dort Truppen und Material für Trincomali zu holen. Auf seiner Rückfahrt stießen am 30. März die beiden Schiffe zu ihm. Am 8. April sichtete er das französische Geschwader, das ebenfalls südlich steuerte, er setzte jedoch seine Reise fort, um vor allem Trincomali zu verstärken. Am 10. nahmen die Franzosen ihm zwei zurückgebliebene Transporter ab und am 12., nicht weit von seinem Ziele, erkannte er, daß die schnellsten feindlichen Schiffe seine langsamsten einholen würden. Er mußte sich somit zur Schlacht entschließen. Die Flotten befanden sich auf der Höhe der kleinen Felseninsel Providien, etwas südlich von Trincomali[180].
Die Schlacht bei Providien. Die Flotten waren die gleichen wie bei Sadras, die englische jedoch um 1 74- und 1 64-Kanonenschiff verstärkt. Es standen also 12 Franzosen gegen 11 Engländer, erstere etwa 6 Seemeilen zu Luward der letzteren bei nördlichem Winde. Um 9 Uhr vormittags bildete Hughes die Gefechtslinie über Backbordbug, Kurs WNW, Suffren tat das gleiche und befahl dann um 11 Uhr, als die Schiffe gut ausgerüstet waren, zugleich auf Kurs WSW abzuhalten (Plan A, a); Hughes erwartete den Angriff unter kleinen Segeln; Suffren beabsichtigte, seine Linie Schiff gegen Schiff an die feindliche heranzuführen, nur das überschießende zwölfte sollte das letzte englische von Lee her dublieren. Es war also ein Angriff nach altem englischen Brauch und hatte die übliche Folge, daß die Vorhut der Franzosen, in der außerdem die schnellsten Schiffe standen, früher an den Feind herankam als die Mitte oder gar die Nachhut, sowie daß sämtliche Schiffe, sobald sie in Schußweite anlangten, dem Breitseitfeuer der Gegner ausgesetzt waren, ohne es erwidern zu können. Die drei vordersten Franzosen gingen nun schon an den Wind, als sie gegen 1 Uhr die ersten Schüsse erhielten, und nahmen das Feuer auf; sie blieben auch in diesem Abstande vom Feinde, obgleich der Admiral befahl, näher heranzugehen.
Suffren dagegen segelte ohne zu feuern mit dem Flaggschiff („Héros“, 74) bis auf Pistolenschußweite an das englische („Superb“, 74) heran, heißte das Signal für[389] „Nahgefecht“ (1½ Uhr) und drehte auf. Sein Vordermann, sowie 3 Hinterleute nahmen nach und nach ihre richtigen Plätze ein, während die zurückgebliebenen vier letzten Schiffe weit vom Feinde abblieben, da sie gleichzeitig mit dem Flaggschiff an den Wind gegangen waren; sie hatten den Auftrag nur dem Buchstaben, nicht dem Sinne nach befolgt, auch sie kamen trotz späterer Befehle nicht näher. Die französische Flotte bildete so eine Kurve, von der nur 5 Schiffe ernstlich in den Kampf eintraten (Plan A, b). Das Hauptgefecht entspann sich beim englischen Flaggschiff. „Héros“ hatte wegen Beschädigungen in der Takelage nicht gleich querab von „Superb“ zum Stehen gebracht werden können, sondern war vorgeschossen und lag neben dessen Vordermann („Monmouth“, 64); sein Hintermann „L'Orient“ nahm den Platz neben „Superb“ ein. „Monmouth“ wurde entmastet und trieb aus der Linie; da „Héros“ unwillkürlich nachdrängte, kam er vor „Superb“ zu liegen. So wurde dieses Schiff durch „Héros“ mit den Heckgeschützen von vorn beschossen, während es mit „L'Orient“ und dessen Hintermann, der auf des Admirals Befehl aufgesegelt war, im Breitseitkampfe lag (Plan B); es litt schwer. Gegen 3½ Uhr gab Hughes den Befehl, zugleich zu halsen und die Linie über Steuerbordbug zu bilden, weil man sich der Küste mit ihren Korallenriffen zu sehr näherte. Suffren folgte dem Beispiele und erneute den Befehl zum Angriff mit der besonderen Weisung an ein Schiff, den „Monmouth“ zu nehmen, der hilflos zwischen den beiden Linien lag. Das Manöver des Halsens wurde von der englischen Flotte schneller ausgeführt als von der französischen, sie gewann Vorsprung, und es gelang einem ihrer Schiffe, den „Monmouth“ in Schlepp zu nehmen und in Lee der englischen Linie zu tauen. Zum Nahkampf kam es nicht wieder. Schwere Gewitterböen gaben den Schiffen genug mit sich selbst zu tun, namentlich den französischen, die in Unordnung geraten waren, weil einige das Halsen ungeschickt ausgeführt, andere sogar gewendet hatten. Suffren, der um 5½ Uhr von seinem beschädigten Flaggschiffe auf ein anderes übergegangen war, gab um 6½ Uhr den Befehl, das Gefecht abzubrechen.
Nach dem Gewitter wurde es flau und die Nacht brach schnell herein. Beide Admirale sahen sich wegen der Nähe der Korallenriffe, sowie mit Rücksicht auf die Beschädigungen der Schiffe zwischen 7 und 8 Uhr genötigt zu ankern, wo sie waren. „Héros“ kam, nach Lee getrieben, dicht neben die englische Flotte zu liegen; der Versuch einer Fregatte, ihn wegzuschleppen, mißlang, jedoch entzog er sich in der Nacht bei umspringendem Winde der gefährlichen Lage.
Die Verluste betrugen auf französischer Seite 137 Tote und 357 Verwundete, auf englischer 137 und 430. Von den letzteren kamen allein 104 bzw. 198 auf „Monmouth“ und „Superb“, während sich der französische Verlust gleichmäßiger auf alle Schiffe verteilte. Auf den fünf hauptsächlich beteiligten war er natürlich etwas stärker, aber auch die Schiffe der Vorhut und der Nachhut hatten gelitten; dies ist wohl ein Zeichen, daß das englische Feuer auf weitere Entfernung wirksamer gewesen war als das französische[181].
Die Schlacht blieb unentschieden; beide Parteien ankerten darauf etwa 2 Seemeilen voneinander entfernt an der Küste und blieben hier 6 Tage liegen, mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Am 19. April lichtete Suffren Anker und bot dem Gegner den Kampf an, Hughes nahm ihn mit Rücksicht auf ein stark beschädigtes Schiff („Monmouth“) nicht an; ihn anzugreifen, wagte aber Suffren nicht. Hierfür gab er in seinem Berichte verschiedene Gründe an, von denen aber wohl nur der für ihn ausschlaggebend war, daß er sich nicht auf die Fähigkeit und Tatkraft all seiner Kommandanten verlassen konnte[182]. Am 20. April segelte er nach Batticaloa, etwa 60 Seemeilen südlich von Trincomali. Dieses war noch in holländischem Besitze, und von hier aus konnte er von Europa kommende französische Zufuhren decken, sowie englische abfangen. Hughes lief am 28. April in Trincomali ein.
Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782. Suffren fand in Batticaloa Befehl vor, nach Isle de France zurückzukehren, wo ihm 2 Linienschiffe einen Transport von Frankreich zuführen würden. Obwohl ihm Mannschaften, Material zum Ausbessern der Schiffe, Tauwerk sowie Rundhölzer fehlten, und er nur noch für eine größere Schlacht Munition hatte, obschon ein großer Teil seiner Offiziere Indien gern verlassen haben würde, nahm er die Verantwortung auf sich, zu bleiben. Zu seinen Offizieren äußerte er, er wolle lieber seine Schiffe vor den Mauern von Madras untergehen lassen, als das Feld räumen. Dem Gouverneur der Maskarenen schrieb er, die Reise nach Isle de France, das Ausrüsten dort und die Rückfahrt nach Indien würden 6 Monate in Anspruch nehmen, die bei der Lage der Dinge in Indien für die französische Sache verhängnisvoll werden würden; er könne an Ort und Stelle die Verhältnisse besser beurteilen als der Minister in Versailles.
Mit Eifer betrieb er die Instandsetzung der Flotte. Einige Bedarfsgegenstände erhielt er in Batticaloa, andere beschaffte er von der dänischen Niederlassung Tranquebar. Während dieser Zeit ließ er beständig Fregatten kreuzen und hielt eine Division Linienschiffe zum Auslaufen bereit; fast wäre es dieser am 13. Mai geglückt, einen von Bombay nach Madras bestimmten englischen Konvoi abzufangen, sie mußte jedoch die Verfolgung abbrechen, um nicht die englische Flotte in Trincomali zwischen sich und Batticaloa kommen zu lassen. Am 16. Mai traf auch ein französischer Transport ein und am 3. Juni war die Flotte wieder seeklar. Suffren segelte nun nach Tranquebar, wo er holländische Schiffe mit Lebensmitteln vorfand. Von hier aus störte er die Verbindung zwischen Madras und Trincomali; es glückte ihm, einige englische Transporter aufzubringen.
Am 20. Juni ging Suffren nach Cuddalore, um mit dem französischen General und Haidar-Ali in Verbindung zu treten. Der Sultan äußerte sich sehr mißbilligend über die schwächliche Unterstützung seitens des Generals Du Chemin; Vorteile, die er den Engländern gegenüber errungen, seien dadurch wieder hinfällig geworden. Von Suffren dagegen hielt Haidar viel und wünschte deshalb, mit ihm persönlich in Verbindung zu treten, sobald er von der beabsichtigten Expedition zurück sei. Der Admiral hatte nämlich erfahren, daß die englische Flotte sich wieder an der Küste aufhalte, und beschlossen, vor allem den Kampf um die Seeherrschaft zum Austrag zu bringen; wenn er einen Erfolg erzielt habe, wollte er Negapatam angreifen. Zu diesem Unternehmen schiffte er 700 Soldaten, sowie 800 Sepoys ein und Haidar zog gleichfalls Truppen zusammen, aber der Kampf zur See blieb in Suffrens Augen die Hauptsache; die eingeschifften Truppen sollten gleichzeitig zur Auffüllung der Schiffsbesatzungen dienen.
Beachtenswert ist, wie es der Umsicht des Admirals gelungen war, die Flotte schlagfertig zu machen. Während er Ende März fast von allem entblößt war, und obgleich er seitdem eine große Schlacht geschlagen hatte, konnte er jetzt berichten, daß die Schiffe ohne weitere Zufuhren sechs Monate lang die See halten könnten; er wies darauf hin, daß das Aufbringen von Prisen viel hierzu beigetragen habe, und bat deshalb um größere gekupferte Fregatten für diesen Zweck, falls der Krieg noch länger dauern würde.
Hughes hatte acht Wochen zur Ausbesserung des „Monmouth“ gebraucht; Trincomali war noch nicht lange genug in englischem Besitz, um schon als vollwertiger Ausrüstungshafen zu gelten. Am 23. Juni segelte er nach Negapatam. Suffren verließ Cuddalore am 3. Juli und sichtete am 5. um 1 Uhr nachmittags den vor Anker liegenden Feind. Dieser ging um 3 Uhr in See und steuerte südlich, um sich die Luvstellung zu sichern; es war die Zeit der SW-Monsuns. Am Abend ankerten die Franzosen wegen Windstille, gingen aber am anderen Tage mit Hellwerden wieder unter Segel, und es kam zur Schlacht.
Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782. Ein französisches 64-Kanonenschiff hatte am 5. nachmittags in einer Bö die Groß- sowie die Kreuzmarsstänge verloren und war am 6. noch nicht wieder kampfbereit; es blieb unter dem Schutz zweier Fregatten in Lee der Flotte. Es standen so auf jeder Seite 11 Schiffe in der Linie. Beide Gegner steuerten bei SW-Wind über Backbordbug SO, die Engländer zu Luward. Um 10½ Uhr vormittags hielt Hughes in üblicher Weise zum Angriff ab und um 11 Uhr lagen die beiden Flotten in parallelen Linien Schiff gegen Schiff im Gefecht, nur die englische Nachhut war, wie so häufig bei dieser Angriffsart, etwas weiter vom Feinde entfernt (Plan, Stellung I). Bald nach Beginn des Kampfes verlor auf französischer Seite das vierte Schiff von vorn („Brillant“, 64) den Großmast, mußte sich in Lee seiner Linie bergen (a) und blieb dann zurück (a′); auf englischer Seite wurde das Spitzenschiff „Hero“, 64, b) so beschädigt, daß es sich gleichfalls aus dem Gefecht zog; es segelte nach Negapatam. Der Kampf war heiß bei Vorhut und Mitte.
Um 1 Uhr nachmittags sprang der Wind plötzlich auf SSO; die meisten Schiffe beider Flotten fielen nach der dem Feinde abgewendeten Seite ab, die Engländer nach Steuerbord, die Franzosen nach Backbord; von ersteren blieben jedoch das 4. und 5. („Burford“, 70 und „Sultan“, 74), sowie das 8. und 10. („Worcester“, 64 und „Eagle“, 64) über Backbordbug liegen, und von letzteren drehten das 3. („Sévère“, 64) und der beschädigt zurückgebliebene „Brillant“ nach Steuerbord. Diese 6 Schiffe lagen also zwischen den beiden Flotten (Stellung II), und es kam zu Teilgefechten. „Sultan“ griff „Sévère“ an, woran sich „Burford“ auf weitere Entfernung beteiligte, und das französische Schiff strich auf Befehl des Kommandanten dem überlegenen Feinde gegenüber bald die Flagge. Als dann aber „Sultan“ und auch „Burford“ das Feuer einstellten und abhielten, heißte der Franzose die Flagge wieder und enfilierte den „Sultan“ von hinten.[392] Offiziere und Mannschaften hatten die feige Ergebung nicht anerkannt, der erste Offizier übernahm das Kommando; das Schiff vereinigte sich dann mit seiner Flotte (Stellung III, a). „Brillant“ kam ins Gefecht mit den beiden anderen Engländern, wurde aber von Suffren selber („Héros“, 74) und „Annibal“ (50) befreit (b). Der französische Admiral hatte bald nach dem Abfallen seine Schiffe durch Halsen über Steuerbordbug legen lassen, um die Bedrängten zu unterstützen; wenn die dem „Brillant“ am nächsten stehenden „Artésien“ und „Vengeur“ (c) rechtzeitig Segel gemehrt hätten, so hätten sie voraussichtlich den „Eagle“ nehmen können. Hughes hatte nach dem Abfallen den Befehl zum Halsen und den zur „Allgemeinen Jagd“ gegeben, da sich aber zwei Schiffe manövrierunfähig meldeten, widerrief er ihn, sammelte seine Schiffe über Steuerbordbug und führte sie nach Westen. Suffren tat ein gleiches, erreichte aber den Feind nicht mehr; die letzten Schüsse fielen gegen 3 Uhr. Abends ankerten die Engländer vor Negapatam, die Franzosen etwa 10 Seemeilen nördlicher.
Die Verluste betrugen auf französischer Seite 178 Tote und 601 Verwundete, auf englischer 77 und 223; die englischen Schiffe hatten wie gewöhnlich mehr in der Takelage gelitten. Der auffallend größere Verlust der Franzosen ist wohl der Überfüllung ihrer Schiffe mit Soldaten zuzuschreiben.
Die Schlacht bei Negapatam war ein Mißerfolg Suffrens. Er hatte die größeren Verluste, ohne den Gegner vernichtet oder wenigstens von Negapatam vertrieben zu haben. Wieder traf zum Teil einige seiner Kommandanten die Schuld, und seine Geduld war jetzt erschöpft; er entfernte drei von ihrem Kommando. Am 7. Juli verlangte Hughes durch einen Parlamentär die Übergabe des „Sévère“, weil er die Flagge gestrichen habe. Suffren hatte sie wohl eine Zeitlang vermißt, dies aber mit Abschießen der Flaggleine erklärt. Erst jetzt erfuhr er die Feigheit des Kommandanten und den dadurch verursachten Bruch des Kriegsrechts. Er gab indessen dem Verlangen des englischen Admirals nicht Folge, schickte aber den Kommandanten sofort nach Frankreich, wo ihn der König kassierte. Er entsetzte aber auch die Kommandanten des „Artésien“ und des „Vengeur“, der beiden Spitzenschiffe, am 12. von ihrem Kommando; der eine hatte schon bei Porto Praya, der andere am 16. Februar versagt. Der Kommandant des „Ajax“, der vor der letzten Schlacht sein Schiff nicht schnell genug instandgesetzt, legte sein Kommando freiwillig (?) aus Gesundheitsrücksichten nieder.
Suffren entschuldigte sich in seinem Berichte, daß er nicht schon früher habe Strenge walten lassen, aber selbst als Admiral sei er nicht berechtigt, Kommandanten abzusetzen, und er sei nicht Flaggoffizier (wenigstens wußte er es noch nicht). Der König billigte seine Maßnahmen und ging durch Dienstentlassung von drei anderen Kapitänen sogar noch weiter.
Suffren hat aber doch wohl zuweilen unter dem augenblicklichen Eindruck eines Mißerfolges seine Untergebenen zu schroff beurteilt. Mehrere der Angegriffenen hatten sich während ihrer früheren Dienstzeit als tüchtig bewiesen, und er selber lobt bei einer Gelegenheit solche, die er bei einer anderen scharf verurteilt hat und umgekehrt. Wenn sie seine Absichten nicht durchführten, so lag dies zum Teil wohl daran, daß sie als Anhänger des alten Brauches kein Verständnis dafür hatten.
Suffren erobert Trincomali. Suffren segelte am 8. Juli nach Cuddalore und stellte hier seine Schiffe mit bewundernswertem Geschick wieder her. Es fehlten allein 19 Marsstängen, außerdem Untermasten, Raaen, Tauwerk sowie Segel, und in Cuddalore war kein Material vorhanden. Aber mit den Rundhölzern der Fregatten und kleineren Schiffen setzte man die Linienschiffe, mit solchen englischer Prisen die Fregatten instand; andere Spieren wurden von der Straße von Malakka geholt. Ferner riß man Häuser nieder, um das Holz zum Ausbessern der Schiffsrümpfe zu verwenden. Die Arbeiten mußten auf offener Rhede mit häufig schwerer See ausgeführt werden, aber sie wurden gefördert unter dem Auge des Oberbefehlshabers, der „trotz seiner Körperfülle“ ohne Rast zu angestrengter Tätigkeit ermunterte. Schon am 18. Juli war die Flotte wieder see- und gefechtsklar.
Der Admiral hatte erfahren, daß von Isle de France 2 Linienschiffe, 1 Fregatte, sowie Transporter mit Lebensmitteln, Munition und 600 Soldaten unterwegs seien und daß zwei große Konvois mit 5000 Mann unter General de Bussy, dem Mitstreiter des Gouverneurs Dupleix im Siebenjährigen Kriege, von Frankreich erwartet würden[183]. Vom Angriff auf Negapatam sah er wegen der Nähe der englischen Flotte vorläufig ab, beschloß den Verstärkungen entgegenzugehen und sich Trincomalis zu bemächtigen. Vorher jedoch fand die beabsichtigte Besprechung mit Haidar Ali statt, der mit einem großen Teile seines Heeres bis in die Nähe von Cuddalore herangerückt war.
Die Verhältnisse im Landkriege gestalteten sich zugunsten Englands. Die Mahratten hatten im Mai 1782 Frieden geschlossen, der allerdings erst im Dezember ratifiziert wurde. Infolgedessen drangen die Engländer von Bombay aus an der Westküste vor und Haidar glaubte sich genötigt, entweder auf den auch ihm angebotenen Frieden einzugehen oder sein Heer zur Verteidigung des eigenen Landes aus dem Carnatic zurückzuziehen; von den französischen Truppen konnte er Unterstützung nicht erwarten, da sie kaum genügten, Cuddalore zu halten. Bei Zusammenkünften am 26. und 29. Juli, bei denen Haidar dem von ihm hochgeschätzten Admiral große Ehren erwies, gelang es nun Suffren, den Sultan durch Hinweis auf die Ankunft de Bussys zur Fortsetzung des Krieges zu bewegen. Haidar schickte seinen Sohn Tippu Sahib zur Malabarküste und blieb mit der Hauptmacht im Carnatic.
Suffren ging dann am 1. August in See und erreichte am 9. Batticaloa; von Cuddalore hatte er 600 Mann Infanterie, sowie eine Kompagnie Artillerie mitgenommen. Am 21. stieß die erstgenannte Verstärkung zu ihm, am 24. segelte er nach Trincomali, in der Nacht vom 26./27. wurden 2300 Mann gelandet, am 27. und 28. Batterien von Schiffsgeschützen errichtet und am 29. das Feuer gegen die beiden Forts eröffnet, die die Stadt verteidigten. Schon am 30. August begannen Verhandlungen. Suffren, der die Ankunft Hughes' erwarten mußte, bewilligte der etwa 1000 Engländer und 600 Sepoys starken Besatzung Abzug mit allen Ehren, worauf die Forts am 31. übergeben und die Abziehenden nach Madras geschickt wurden. Suffren schiffte sofort die von den Schiffen entnommenen Mannschaften und Geschütze wieder ein, ließ jedoch eine starke Garnison zurück, so daß er aller Sorge um den Platz enthoben war.
Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782. Hughes hatte nach der letzten Schlacht in Negapatam mit dem Ausbessern begonnen, war aber am 20. Juli nach Madras gegangen, um mit dem dort vorrätigen Material die Arbeiten besser auszuführen. Am 12. August waren sie nahezu beendet, es unterliegt aber keinem Zweifel, daß dies bei der Übung der Engländer früher der Fall gewesen wäre, wenn der Admiral den gleichen Eifer entfaltet hätte wie sein Gegner; so ging er auch erst am 20. in See, obgleich er um die Abfahrt der Franzosen nach dem Süden wußte, und traf dann am 2. September vor Trincomali ein, um wenige Tage zu spät zur Rettung dieses Platzes durch eine, wenn auch vielleicht nur unentschiedene Schlacht. Diese kurze Zeit hätte er sicher erübrigen können; jetzt gab ihm nicht einmal ein voller Sieg die Gewißheit, Trincomali wiederzunehmen.
Als die englische Flotte erschien, ging Suffren ihr entgegen: zum Kampfe um die Seeherrschaft, zumal, da er wußte, daß dem Gegner bald eine ansehnliche Verstärkung in Aussicht stehe.
Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782. Die französische Flotte zählte jetzt 14 Linienschiffe, außerdem hatte Suffren eine schwere 36-Kanonenfregatte, einen genommenen englischen Ostindienfahrer, eingestellt. Die englische bestand aus 12 Linienschiffen; in Madras war ein Schiff der unter Kapitän Bickerton erwarteten Verstärkung zu ihr gestoßen, das in einem Sturme von den anderen abgekommen war.
Am 2. September nachmittags wurde das Nahen der Engländer in Trincomali gemeldet; Suffren ging am 3. in aller Frühe in See. Die englische Flotte kam um[395] diese Zeit bei frischem SW-Winde SSO auf den Hafen zusteuernd in Sicht, drehte aber ab, als sie die französische Flagge am Lande wehen und die feindliche Flotte aus dem Hafen kommen sah. Hughes hatte keineswegs die Absicht, den Kampf zu vermeiden, obgleich der Gegner zu Luvard stand, aber er wollte diesen vorher möglichst weit von dem Hafen abziehen, um etwa in der Schlacht beschädigten Schiffen die Rückkehr dorthin zu erschweren. Er scheint aber auch darauf gerechnet zu haben, daß der Feind bei längerem Folgen in Unordnung geraten und dann übereilt angreifen würde, wenn er ihm erst am Nachmittage den Kampf anböte; er kannte die ungleiche Segelfähigkeit der feindlichen Schiffe, von denen nur die Hälfte gekupfert war, sowie deren Kommandanten, die an Geschicklichkeit den seinigen nicht gleichstanden.
Sein Plan gelang durch vorzügliches Manövrieren. Er zog sich unter häufiger Kursänderung nach NO zurück, richtete dabei die Fahrt nach den langsamsten Schiffen ein und benutzte seinen Vorsprung, von Zeit zu Zeit die Ordnung zu verbessern. Die Franzosen folgten mit vollen Segeln und kamen tatsächlich bald in Unordnung, obgleich auch Suffren durch zeitweises Anluven dem entgegenzuwirken versuchte. Die lange, mühsame Verfolgung erregte endlich den hitzigen Admiral, er verlor seine Ruhe. „Signal folgte auf Signal. Bald luvten die Schiffe an, bald hielten sie ab, als ob sie unentschlossen wären, was zu tun sei,“ berichtete Hughes. Als Suffren um 2 Uhr nachmittags endlich etwa 25 Seemeilen von Trincomali entfernt auf Gefechtsweite an den Gegner heran war, der ihn jetzt gut geschlossen und ausgerichtet über Backbordbug mit halbem Winde erwartete, gab er das Signal, an den Wind zu gehen, um nochmals die Linie zu verbessern (Plan A). Langsame Ausführung des Befehles und Fehler dabei machten die Sache jedoch eher schlimmer, und der Admiral, dem die Geduld ausging, gab um 2½ Uhr Befehl, zum Herangehen auf Pistolenschußweite wieder abzuhalten.
Suffren hoffte, daß trotz der Unordnung jedes Schiff seinen Gegner in der feindlichen Linie finden würde und ordnete an, daß zwei der überschießenden Schiffe seiner Linie, ein Linienschiff und die Fregatte, die beiden letzten Engländer von Lee her[396] dublieren sollten. Aber es kam anders. Um seinem Befehle zum Angriff Nachdruck zu geben, hatte Suffren einen Schuß feuern lassen. Hierin erblickte die Besatzung seines Flaggschiffes, das auf die anderen wartete und noch nicht zum Nahangriff abgehalten hatte, das Signal zur Eröffnung des Kampfes. Es gab seine Breitseite ab, und diesem Beispiele folgten die anderen Schiffe, obgleich sie noch auf halbe Kanonenschußweite vom Feinde entfernt waren; in dem Pulverrauche ward es ihnen nun noch schwerer, die richtigen Posten einzunehmen. Die 7 vordersten Schiffe hielten bei dem Versuche, auf ihre Gegner zu stoßen, zu weit voraus, einige drehten auch wohl zu früh auf, und so bildete sich eine ungeregelte Gruppe vor der englischen Vorhut, die kaum ins Gefecht eingreifen konnte (Plan B, a).
Eine ähnliche Gruppe entstand in der Mitte, so daß sich hier die Schiffe gegenseitig maskierten (b). Die beiden Schiffe, die von Lee her angreifen sollten, unterließen dies, weil die englische Nachhut von Luward gar nicht angegriffen wurde; sie nahmen den Kampf mit den beiden letzten Engländern von Luward her auf (c), mußten jedoch bald abbrechen, weil die Takelage des Linienschiffes in Brand geriet und die Fregatte allein zu schwach war. So hatte das Flaggschiff (Héros, 74) und nur 2 andere des Kampf mit 7 Engländern zu führen, die nach und nach einen Halbkreis um sie bildeten, dessen vorderste und hinterste Schiffe mittels Abhaltens oder Anluvens auch ihre Breitseiten abgaben. Sie litten schwer. Nach zwei Stunden hingen die Segel des „Héros“ in Fetzen, das ganze laufende Gut war zerschossen und das Schiff steuerlos[184], später, um 6 Uhr, ging der Großmast über Bord; ein anderes Schiff hatte Besansmast und Großstänge verloren, das dritte war ähnlich beschädigt. Die übrigen kamen nicht zu ernstem Kampfe. Nur teilweise sind sie damit zu entschuldigen, daß der Wind einschlief; zu Anfang wäre es wohl möglich gewesen, die Gruppen zu entwirren.
Um ½6 Uhr setzte Brise von SO ein. Die Engländer halsten, alle Schiffe zugleich, und fuhren im Kampfe fort. Nach Ansicht des französischen Stabschefs wären die 3 bedrängten Schiffe verloren gewesen, wenn die Engländer gewendet und sie dadurch von der übrigen Flotte abgeschnitten hätten; es ist aber wohl anzunehmen, daß den doch auch beschädigten Feinden bei dem schwachen Winde das Wenden nicht möglich war. Da die Franzosen nun auch halsten, vergrößerte sich der Abstand zwischen den Flotten, und die französische Vorhut, die jetzt zu Luward stand, bekam die Möglichkeit, sich zwischen die Kämpfenden zu schieben, bei dem flauen Winde allerdings nur langsam (C). Hughes hielt deshalb gegen Sonnenuntergang nach Norden ab; Suffren ließ die beschädigten Schiffe in Schlepp nehmen und steuerte auf Ceylon zu.
Die Verluste der Engländer betrugen 46 Tote, darunter 4 Kommandanten, und 259 Verwundete, die der Franzosen 82 bzw. 255, von denen 64 Tote und 178 Verwundete allein auf die drei Schiffe kamen, die hauptsächlich im Kampf gestanden hatten. Auf beiden Seiten waren 3–4 Schiffe schwer beschädigt.
Suffren war wieder entrüstet über seine Kommandanten. In seinem Berichte warf er ihnen Unfähigkeit und, „um nichts Schlimmeres zu sagen“, den Wunsch vor, die Kreuztour in Indien beendet zu sehen. Dieses Mal traf jedoch auch ihn ein Teil der Schuld, seine übertriebene Eile. Er hatte eben als Mann von großen Fähigkeiten auch seine Fehler, und diese kamen seinem bedächtigeren Gegner zugute. Aber hätte er nicht so schnell angegriffen, so wäre es an dem Tage nicht mehr zum Kampfe gekommen, und ihm lag an einer Entscheidung, ehe der Feind verstärkt wurde.
Vier der französischen Kommandanten baten nach der Schlacht, nach Isle de France zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit beurlaubt zu werden, und der Admiral bewilligte es, wie er berichtete, „mit Freuden“.
Die Schlacht brachte nicht die Entscheidung, die Suffren mit Hinblick auf seine Überlegenheit erhofft hatte; beide Flotten mußten längere Zeit ausbessern. Hughes ging hierzu nach Madras, wo er am 9. September eintraf; Suffren suchte Trincomali auf. Beim Ansteuern des Hafens strandete am 7. September eins seiner größten Schiffe („Lorient“, 74) infolge nachlässiger Navigation und konnte trotz aller Bemühungen nicht wieder abgebracht werden. Der Admiral ließ sorgfältig alles Material, besonders die Masten und Rundhölzer, bergen und lief dann am 17. mit der Flotte ein.
Die Bewegungen der Flotten, ihre Verstärkungen und der Landkrieg bis zur Schlacht bei Cuddalore, Juni 1783. Suffren erhielt in Trincomali die Nachricht vom Tode des Generals Du Chemin. Dessen Nachfolger, Oberst d'Hoffelize, schrieb dabei, daß sich das kleine Heer bei Cuddalore kaum noch halten könne, weil Haidar Ali aus Mangel an Lebensmitteln in dem völlig verwüsteten Carnatic ihm keine Unterstützung zu bringen vermöge; eine Berennung der Stadt durch Eyre Coote stünde bevor.
Wie nach der Schlacht bei Negapatam, so stellte der Admiral auch diesmal wieder seine Schiffe seefähig her, ging schon am 1. Oktober in See und erreichte am 4. Cuddalore; beim Ankern strandete hier infolge eines ungeschickten Manövers ein zweites Linienschiff („Bizarre“, 64). Die Verhältnisse fand man nicht so schlecht vor; Eyre Coote hatte sich auf die Nachricht von der Schlacht vor Trincomali zurückgezogen, weil er das Erscheinen der französischen Flotte voraussah — gewissermaßen ein Erfolg der Franzosen durch die Schlacht.
Im Oktober schlägt der Monsun von Südwest nach Nordost um und steht auf die Koromandelküste zu, die keinen einzigen guten Hafen hat. Die schwere See macht dann häufig den Verkehr der Schiffe mit dem Lande, also auch die Unterstützung der Landmacht durch die Flotte unmöglich. Außerdem ist der Monsunwechsel häufig von Stürmen begleitet; die beiden gegnerischen Admirale mußten also eine Gegend verlassen, in der ihr Aufenthalt ebenso gefährlich wie nutzlos erschien. Da Trincomali verloren war, sah sich Hughes genötigt, zum Überwintern nach Bombay zu gehen, um sich dort mit der erwarteten Verstärkung zu vereinigen. Am 17. Oktober wurde er durch einen schweren Sturm gezwungen, in See zu gehen, und segelte dann gleich nach Bombay ab. Vier Tage später traf Kommodore Sir Richard Bickerton mit fünf Linienschiffen vor Madras ein. Er hatte England am 6. Februar verlassen, war schon in Bombay gewesen, ging jetzt sofort dorthin zurück und langte am 28. November an, während die Schiffe Hughes' erst eins nach dem andern, teilweise schwer durch den Sturm beschädigt, eintrafen. Die englische Flotte blieb dann bis zum Frühjahr in diesem Hafen.
Suffren hielt Trincomali nicht zum Winterlager geeignet, weil es in dieser Jahreszeit ungesund war und auch nicht genügende Hilfsquellen bot. Er wählte Atchin auf Sumatra. Dieser Hafen war gesund, bot alle Bedarfsgegenstände, und von hier war die Koromandelküste leichter zu erreichen als von Bombay und auch von Trincomali, sobald bei dem gegen Ende des Winters weniger stürmischen Nordostmonsum ein Landen dort leichter würde; auch hatte Suffren die Nachricht erhalten, daß die Verstärkung unter General de Bussy ihn hier treffen wolle, ein bestimmter Zeitpunkt war jedoch nicht angegeben. Für Trincomali brauchte der Admiral keine Besorgnis zu hegen, denn die Besatzung zählte 900 Franzosen und Holländer, 600 Sepoys, so wie 600 Malaien und Kriegsvorräte waren genügend vorhanden.
Die Verzögerung der französischen Verstärkung. Während England auf die Nachricht von der Schlacht vor Porto Praya ein Geschwader von 6 Linienschiffen unter Bickerton entsandte, machte Frankreich verschiedene Versuche, kleinere Verstärkungen, besonders an Truppen, nach Indien zu schicken. General Bussy verließ heimlich im November 1781 mit 2 Linienschiffen Cadiz, um sich in Teneriffa mit den Transportern zu vereinigen, die von Brest im Dezember mit dem großen Konvoi unter de Guichen ausliefen. Dieser Konvoi wurde bekanntlich von den Engländern zersprengt und nur zwei Transporter gelangten nach Teneriffa. Einen Teil der von ihnen mitgeführten Soldaten ließ Bussy im Kapland zum Schutz gegen Bickerton, um dessen Kommen er wußte. Er erreichte am 31. Mai 1782 Isle de France und sandte von dort die Linienschiffe mit allen auf den Maskarenen zusammenzubringenden Mannschaften zu Suffren, der mit ihrer Hilfe Trincomali eroberte; er selber erwartete weitere Verstärkungen in Port Louis. Eine von ihnen blieb ganz aus; der Konvoi war am 20. April 1782 in der Biskaya vom Admiral Barrington abgefangen. Eine zweite, 4 Linienschiffe unter Kapitän de Peynier, die schon im Februar mit der Flotte de Guichens Brest verlassen hatte, erreichte zwar nach langer Reise im Mai das Kapland, ward aber dort drei Monate durch eine Epidemie festgehalten. Die Krankheit herrschte auch noch nach der Ankunft in Isle de France, und obgleich sie Anfang November erloschen war, ging Bussy doch erst am 26. Dezember 1782 nach Indien ab, wahrscheinlich um vorher noch ein Schiff auszubessern. Er war selber krank gewesen und überhaupt nicht mehr der schneidige Führer wie im vorigen Kriege.
Das lange Ausbleiben Bussys einerseits und die Ankunft Bickertons anderseits hatten auf Haidar Ali einen ungünstigen Eindruck gemacht; nur mit Mühe gelang es Suffren, ihn nochmals zur Weiterführung des Krieges zu bewegen. Der Admiral hatte dann am 15. Oktober die Küste verlassen und war am 2. November in Atchin eingetroffen. Am 24. erhielt er die Nachricht, daß Bussy wegen der erwähnten Epidemie seine Abfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben habe. In der berechtigten Furcht, daß der Sultan nun wieder schwankend werden könne, beschloß er baldigste Rückkehr nach der indischen Küste, um so mehr, weil er erfahren hatte, daß die englische Flotte nach Bombay gesegelt sei. Er ging am 20. Dezember in See und traf am 8. Januar 1783 vor Ganjam an der Orissaküste ein. Hier, 500 Seemeilen nördlich von Cuddalore, hatte er günstigen Wind zur Fahrt nach dem Süden. Er beabsichtigte, von hier aus die englischen Küstenfahrer und Niederlassungen anzugreifen, er sandte sogar ein Linienschiff und eine Fregatte zur Gangesmündung; tatsächlich wurden auch viele Prisen aufgebracht. Wäre Bussy jetzt gekommen — es wäre möglich gewesen, da die Epidemie Anfang November erloschen war —, so hätte er bei voller Beherrschung der See durch Suffren im Carnatic mit starker Überlegenheit auftreten können; wahrscheinlich wäre im Verein mit den Indern Madras genommen worden, ehe Hughes erschien.
Statt dessen hatte inzwischen die französische Sache einen schweren Schlag erlitten; Haidar Ali war am 7. Dezember gestorben. Sobald Suffren dies erfuhr, segelte er am 11. Januar 1783 nach dem Süden, um mit Tippu Sahib in Verbindung zu treten, und erreichte am 6. Februar Cuddalore. Der neue Sultan hatte seit August den Kampf gegen die Engländer an der Malabarküste mit Erfolg geführt, eilte aber nach dem Tode seines Vaters zum Hauptheere im Osten, um seine Herrschaft gegen etwa untreu werdende Vasallen oder gegen Angriffe der Engländer zu behaupten; am 27. Dezember übernahm er den Oberbefehl. Der Oberst d'Hoffelize war inzwischen mit französischen Truppen näher an das Lager Haidars herangerückt, um erforderlichenfalls für Tippu einzutreten; die Engländer konnten glücklicherweise die Lage nicht zu ihrem Vorteile ausnutzen, weil Mangel an Proviant sie in Madras zurückhielt. Dagegen griffen sie von Westen her unter General Mathews wieder mit Erfolg an. Als Tippu sich nun dorthin wenden wollte, gelang es Suffren wiederum, durch die Versicherung baldigen Eintreffens der großen Verstärkung ihn zum Bleiben zu bewegen. Der Admiral segelte dann, auch hier wie vor der Gangesmündung ein Linienschiff nebst einer Fregatte zum Kreuzen gegen Handelsschiffe zurücklassend, nach Trincomali, um seine Flotte nochmals instand zu setzen, ehe die englische zurückkam. Am 23. Februar angelangt, fand er holländische Schiffe mit Vorräten vor, bald darauf stießen die abgezweigten Schiffe mit zahlreichen Prisen, wieder zu ihm, und am 9. März kam endlich de Bussy an. Er brachte 3 Linienschiffe, 1 Fregatte und 35 Transporter mit, auf denen Kriegsmaterial, sowie 2500 Soldaten eingeschifft waren; er war bereits in Atchin gewesen, denn er hatte die Abfahrt der Flotte von dort nicht erfahren, weil eine zur Erkundung vorausgesandte Korvette vom Feinde abgefangen war.
Bussy übernahm nun den Oberbefehl zu Lande und zu Wasser. Es war die höchste Zeit für die Ankunft der Verstärkung gewesen, da die Engländer weitere Fortschritte im Westen machten und Tippu sich schon dorthin in Marsch gesetzt hatte. D'Hoffelize, der ihm auf dringende Bitten ein Bataillon Infanterie und eine Kompagnie Artillerie mitgegeben, mußte sich in die Stadt Cuddalore zurückziehen, und es kam nun darauf an, ihn so schnell wie möglich zu verstärken. Da Hughes täglich mit 18 Linienschiffen zu erwarten war, Suffren augenblicklich aber nur über 13 verfügte, weil 2 zum Ausbessern gekielholt waren, machte dieser den Vorschlag, mit seinen 7 gekupferten Linienschiffen, 5 Fregatten, sowie den schnellsten Transportern die Truppen und so viel Vorräte wie möglich nach Cuddalore zu bringen. Er ging am 14. März in See, landete die Soldaten am 16. in Porto Novo, am 17. die Vorräte in Cuddalore und trat am 4. April die Rückfahrt nach Trincomali an, um die Schiffe weiter instand zu setzen und um sich bei dem jetzt bald eintretenden Südwestmonsun zu Luward der englischen Flotte zu halten, wenn diese anlangte. Er ließ 2 Linienschiffe und 2 Fregatten unter Kapitän Peynier an der Koromandelküste zum Kreuzen gegen einen erwarteten englischen Konvoi zurück.
Beim Einlaufen in Trincomali, am 10. April, sichtete Suffren die englische Flotte. Es kam jedoch nicht zum Zusammenstoß, weil Hughes nach Norden weitersegelte in der Hoffnung, die Division Peynier abzufangen; dies gelang ihm aber nicht, und sie erreichte am 20. unbehelligt Trincomali. Am 12. Mai war hier der Befehl Bussys eingetroffen, ihm mit der ganzen Flotte den Rest der Vorräte zu bringen. Diese war jedoch in ihrer Gesamtheit noch nicht seeklar, und Suffren wagte nicht, nur einen Teil der Schiffe einzusetzen. Er hatte recht damit, denn am 24. Mai passierte die englische Flotte Trincomali mit Südkurs und am 31. wieder nach Norden steuernd; wahrscheinlich beabsichtigte sie, den Platz anzugreifen, falls die französische ihn verlassen hätte. Suffren rührte sich auch jetzt noch nicht, obgleich er nun seeklar war. Er hatte aber am 26. Mai ein Linienschiff und 2 Fregatten mit einigen Transportern nach Cuddalore abgesandt, die ihm Nachrichten über die Lage dort bringen sollten; sie kehrten am 10. Juni zurück.
Die Schlacht bei Cuddalore am 20. Juni 1788. Die Verhältnisse am Lande standen trotz Bussys Ankunft für Frankreich nicht günstig. Sultan Tippu war es zwar gelungen, das Heer des Generals Mathews im April zur Ergebung zu zwingen und bis zur Malabarküste vorzudringen, aber er war nicht imstande, schnell genug wieder im Carnatic zu erscheinen, um hier der Gefahr entgegenzutreten, die den Franzosen drohte. Bussy hatte sich wenig tätig gezeigt und wurde nun sowohl von den englischen Truppen, die vor Cuddalore gestanden hatten und dann durch Hughes verstärkt waren, wie auch durch andere bedroht, die von Madras heranrückten. Der General sandte nun durch die zurückkehrenden Schiffe einen Befehl, der die ganze Verantwortung auf den Admiral abwälzte; er schrieb nämlich, Suffren solle Trincomali nicht früher verlassen, ehe er nicht davon Kenntnis habe, daß der General in Cuddalore eingeschlossen und von der englischen Flotte blockiert sei. Konnte der Admiral mit Sicherheit darauf rechnen, diese Nachricht rechtzeitig zu erhalten? Suffren aber zögerte nicht, die Verantwortung auf sich zu nehmen. Er ging schon am 11. Juni unter Segel und seine Fregatten sichteten am 13. die englische Flotte, die 20 Seemeilen südlich von Cuddalore vor Anker lag. Ihre leichten Schiffe und Transporter befanden sich dicht unter der Küste in der Nähe des englischen Heeres, von dem Bussy am gleichen Tage in einem, allerdings sehr verlustreichen, Gefechte in die Stadt zurückgeworfen war. Alles hing jetzt von dem Kampfe der Flotten ab, und es folgte die fünfte und letzte Schlacht zwischen Suffren und Hughes, vor der es ersterem noch gelang, die Besatzungen seiner Schiffe durch Soldaten vom Lande aufzufüllen.
Die Schlacht bei Cuddalore, 20. Juni 1783. Die englische Flotte zählte 18 Schiffe in der Linie: 1 zu 80 Kanonen, 5 zu 74, 1 zu 68, 9 zu 64, 2 zu 50; die französische 15: 5 zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 1 zu 60, 2 zu 50.
Beim Erscheinen Suffrens verlegte Hughes seinen Ankerplatz auf etwa 5 Seemeilen an die Stadt heran und der französische Admiral ankerte südlich von ihm. Am 14. Juli ging Suffren wieder unter Segel, kam aber infolge flauer und umspringender Winde erst am 16. auf etwa 10 Seemeilen dem Gegner nahe. Jetzt lichtete auch Hughes Anker und steuerte bei südlichem Winde in die offene See hinaus; ihm lag mehr daran, zur Schlacht die Luvstellung zu gewinnen, als die Verbindung des Feindes mit der Stadt zu hindern. Der folgende Tag ging mit Manövrieren der Flotten bei westlichem Winde hin, aber Suffren ließ sich hierbei nicht weit von der Küste abziehen. Er bat den General Bussy um Mannschaften zur Auffüllung seiner Besatzungen — diese zählten meist nur drei Viertel des Etats und bestanden außerdem noch zur Hälfte aus Soldaten oder Sepoys — ankerte am Abend dicht vor Cuddalore und nahm während der Nacht 600 Soldaten und 600 Sepoys an Bord. Am 18. begann das Manövrieren um den Wind aufs neue; in guter Ordnung zum Angriff heranzukommen, gelang der französischen Flotte trotz ihrer Luvstellung nicht, weil die sämtlich gekupferten englischen Schiffe besser segelten. Da der Wind wider Erwarten westlich blieb, entschloß sich Hughes endlich am 20. Juli die Schlacht in der Leestellung anzunehmen; er erwartete den Angriff über Steuerbordbug mit nördlichem Kurse. Suffren führte seine Schiffe in gleicher Lage heran und ließ um 3½ Uhr nachmittags zum Nahgefecht abhalten. Um 4 Uhr begann der Kampf auf der ganzen Linie, wie gewöhnlich bei dieser Art des Angriffes war er zwischen der beiderseitigen Vorhut und Mitte schärfer als zwischen der Nachhut. Eine französische Quelle (Troude, Band II, Seite 232) schreibt, daß die Engländer während des Gefechtes beständig abgehalten hätten, um den Feind immer weiter vom Lande abzuziehen, die Franzosen jedoch auf Signal ihres Admirals stets gefolgt wären, bis es um 6½ Uhr dunkel wurde und die Schlacht endete.
Die Verluste betrugen auf englischer Seite 103 Tote und 434 Verwundete, auf französischer 102 bzw. 386; die Schiffe scheinen bei beiden Parteien keine besonders großen Beschädigungen erlitten zu haben.
Es ist bemerkenswert, daß Suffren den Kampf von einer Fregatte aus leitete. Er hatte vor wenigen Monaten Befehl erhalten, dies der besseren Übersicht wegen zu tun, sobald er mehr als 9 Schiffe befehlige; die gleiche Weisung war auch an andere französische Admirale ergangen. Er schrieb zurück, er würde danach handeln, falls er es für nützlich hielte. Wenn er aber annehmen müsse, vom Flaggschiff aus ebensogut leiten zu können, werde er es nicht aus der Hand geben, auch durch sein Beispiel im Gefechte zu nützen[185].
Suffren wich in dieser Schlacht auch vom französischen Brauch dadurch ab, daß er angriff, aber er wählte dazu die alte englische Form. Er hatte zwar in Trincomali verschiedene Gefechtspläne bekannt gegeben, deren einer empfahl, die 5 74-Kanonenschiffe die Nachhut bilden und mit ihnen die feindliche Linie hinten dublieren zu lassen, während die übrigen 10 mit weiteren Entfernungen untereinander den Feind von Luvard aus auf der ganzen Linie beschäftigen sollten. In dieser Formation segelte die Flotte auch am 14. und 15. Juli, aber später nicht mehr; Suffren hat doch wohl nach den bisherigen Erfahrungen mit seinen Kommandanten nicht gewagt, ein derartig außergewöhnliches Manöver durchzuführen. Übrigens klagte er nach dieser Schlacht nicht über seine Untergebenen.
Die Schlacht bei Cuddalore war ein voller Erfolg Suffrens. Hughes lag während der kommenden Nacht bei, ging aber dann nach Madras; als Gründe hierfür gab er die große Zahl seiner Kranken, Wassermangel und die Beschädigungen der Schiffe an. Er schrieb, ihm fehlten 1100 Mann, also fast genau die Zahl, die sein Gegner vor der Schlacht eingeschifft hatte, weil er ihn ohne Kampf mit dem Lande in Verbindung treten ließ. Er stand mithin nicht schlechter da als sein Gegner, und es ist wahrscheinlicher, daß er den Kampf aufgab, weil sein Selbstvertrauen dem tatkräftigen Feinde gegenüber stark erschüttert war. Suffren hatte am 21. Juni morgens 25 Seemeilen nördlich von Cuddalore geankert und ging am 22. nach der Stadt zurück, als die englische Flotte nach Norden absegelte. Er hatte mit geringeren Kräften den Feind zur Aufgabe der Blockade gezwungen und dann durch die Schlacht ganz vertrieben.
Das Ende des Krieges. Cuddalore war entsetzt und die Aussichten der belagernden Engländer trostlos. Ihre Transporter, die bei Annäherung der französischen Flotte das Weite gesucht hatten, konnten nicht wieder zurückkommen, und die Kavallerie des Sultans bedrohte ihre Verbindungen am Lande. Am 25. Juni schrieb der kommandierende General: „Ich bin ratlos seit dem Weggang unserer Flotte, wenn ich den Charakter Suffrens und die Überlegenheit der Franzosen am Lande bedenke.“ Aus dieser Verlegenheit wurde er aber erlöst, als am 29. eine englische Fregatte von Madras die Nachricht des Friedensschlusses brachte. Diese beruhte zwar nur auf nichtamtlichen Briefen, lautete aber so bestimmt, daß die obersten Behörden beider Völker in Indien schon am 8. Juli vereinbarten, die Feindseligkeiten einzustellen.
Den Engländern lag viel daran, baldigst die Hände gegen Tippu frei zu bekommen. Die Franzosen versuchten zwar bei den Verhandlungen, für ihren Verbündeten einzutreten; und die Engländer erklärten sich auch bereit, mit diesem gleichfalls Friedensverhandlungen anzuknüpfen, lehnten aber jedes Versprechen betreffs der Bedingungen ab. Bussy zog nach Eintritt des Waffenstillstandes seine Truppen vom Heere des Sultans zurück, Tippu räumte darauf das Carnatic und begann Unterhandlungen. In einem im März 1784 geschlossenen Vertrage gaben sich beide Teile die gemachten Eroberungen zurück. Die Herrschaft Englands in Indien war gesichert.
Suffrens Rückreise nach Frankreich glich einem Triumphzuge. Er trat sie am 9. Oktober 1783 an Bord seines Flaggschiffes „Héros“ von Trincomali aus an. In Isle de France ward er von der französischen Bevölkerung, in Kapstadt von der holländischen auf das höchste geehrt, besonders aber erfreute ihn die Anerkennung, die ihm die Engländer zollten. In Kapstadt lagen 9 Schiffe der Flotte Hughes', deren Kommandanten sich mit dem Kommodore King an der Spitze beeilten, ihm ihren Besuch abzustatten. Am 20. März 1784 erreichte er Toulon nach einer Abwesenheit von 3 Jahren und 4 Tagen. In der Provence, in Paris sowie am Hofe ward er durch Feste gefeiert; er hatte Frankreich als Kapitän verlassen, war nach Porto Praya zum Chef d'Escadre, nach der dritten Schlacht in Indien zum Lieutenant-Général befördert, und am 4. April 1784 schuf der König für ihn eine vierte Vizeadmiralstelle, die nach seinem Tode wieder eingehen sollte. Die Provence überreichte ihm eine Medaille mit der Inschrift: „Das Kapland beschützt; Trincomali genommen; Cuddalore gerettet; Indien verteidigt; 6 glorreiche Schlachten.“ Holland ließ ihm durch eine Deputation einen Ehrendegen überreichen.
Ein kurzer Rückblick auf den Seekrieg in Indien erscheint als Pflicht gegen den Admiral Suffren, dessen Tätigkeit man als die bemerkenswerteste und verdienstvollste maritime Leistung des ganzen großen Krieges bezeichnen muß. Es ist darauf hingewiesen, daß sich für Frankreich in Indien eine besonders gute Gelegenheit bot, England anzugreifen. Hierzu hätte man aber rechtzeitig eine Flotte hinaussenden müssen, die imstande war, die Seeherrschaft zu erringen, wodurch dann auch die indischen Gegner Englands in ihrem Kampfe unterstützt und ermutigt worden wären, sowie durch Lagern von Vorräten in Isle de France und rechtzeitige Nachschübe dafür sorgen müssen, daß die Flotte in den indischen Gewässern stets leistungsfähig blieb.
Dies geschah nicht. Obgleich die Verbündeten von 1779 an in den europäischen Gewässern den Engländern stets überlegen und in den westindischen mindestens gewachsen waren, hatte man von Ende 1779 bis zum Oktober 1781 nur 6 Linienschiffe in Isle de France, die noch dazu an allem Mangel litten. Der Oberbefehlshaber, Graf d'Orves, war nicht der Mann, unter solchen Umständen den etwa gleich starken Engländern tatkräftig entgegenzutreten; er machte zwar Anfang 1781 einen schwachen Versuch dazu, blieb aber dann untätig. Erst nach der Ankunft Suffrens verfügte Frankreich von 1782 an über Kräfte, die der Wichtigkeit des Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen, und dieser Admiral verstand es, sie zu verwenden. In dem Bewußtsein, daß alles auf die Beherrschung der See ankomme, brach er mit der bisherigen französischen Strategie zur See und schlug mit der Bekämpfung der feindlichen Seestreitkräfte den einzig richtigen Weg zur Lösung seiner anderen Aufgaben ein. Überzeugt von der Notwendigkeit, das Geschwader ununterbrochen auf der Station zu halten, ließ er nicht nur den schlechten Zustand seiner Schiffe, die Unzufriedenheit seiner Offiziere, sondern sogar den ausdrücklichen Befehl der Regierung unberücksichtigt, nach Isle de France zu gehen. Trotz Mangel an Personal und Material hielt er durch außergewöhnliche Maßregeln die Flotte schlagfertig, schuf sich in Trincomali einen Stützpunkt und verstand es, die anderen Gegner Englands stets wieder zu ermutigen. Er hätte es verdient, mehr zu erreichen. Aber er wurde von der Heimat zu wenig unterstützt, obgleich er nicht einmal um Schlachtschiffe, sondern nur um Mannschafts- und Materialersatz, sowie um leichte, schnelle Schiffe bat, mit denen er den Kreuzerkrieg zur Versorgung seines Geschwaders unterhalten wollte. Ferner führten die französischen Generale den Landkrieg nicht mit gleicher Tatkraft; Bussy machte den Ruhm zuschanden, den er sich im vorangegangenen Kriege erworben hatte. Endlich fand der Admiral keine Unterstützung durch seine Kommandanten. Wären diese Männer gewesen, wie sie später Nelson oder auch nur wie sie jetzt Hughes besaß, so würde er voraussichtlich das englische Geschwader vernichtet haben, solange es noch schwächer war. Ob die allgemeinen Verhältnisse des ganzen Krieges es zugelassen hätten, die englische Macht in Ostindien zu überwältigen, dürfte zweifelhaft sein; Suffrens Hoffnung aber war, durch Herstellung eines Übergewichtes auf diesem Kriegsschauplatze einen günstigen Frieden herbeizuführen.
Der englische Admiral Hughes hat in dem langen Ringen stets die Geschicklichkeit, Überlegung und Voraussicht eines tüchtigen Seemannes gezeigt, gepaart mit hohem Mute sowie der Entschlossenheit, nicht zu weichen; er war ein vorzüglicher Vertreter des englischen Durchschnittsseeoffiziers im 18. Jahrhundert. Als höherer selbständiger Führer war er aber dem Gegner nicht gewachsen; dessen Genie und richtige Beurteilung der militärischen Lage fehlten ihm. So ist ihm schon von der zeitgenössischen Kritik vorgeworfen, auf seiner Fahrt nach Trincomali in den Tagen vor der Schlacht bei Providien, die französische Flotte nicht angegriffen zu haben, trotzdem sie stets in Lee gestanden hätte und in so lockerer Ordnung gesegelt sei, daß er die Schiffe einzeln hätte überwältigen können. Tatsache ist, daß durch sein Zaudern nach der Schlacht bei Negapatam Trincomali verloren ging, und daß er nach der Schlacht vor Cuddalore die Deckung der Stadt aufgab, obgleich sich die französische Flotte in nicht besserer Verfassung befand als die seine. Diese Kurzsichtigkeit würde verhängnisvoll geworden sein, wenn der Krieg fortgeführt wäre. Suffren sah das Vertreiben des stärkeren Gegners von diesem Platze als seine höchste Leistung in Indien an.
In den früheren englisch-französischen Kriegen errang England schließlich stets die Seeherrschaft und konnte dann seine ganze Kraft zur Vernichtung des feindlichen Handels einsetzen; selbst wenn Frankreich den Kampf mit der Flotte freiwillig aufgegeben und seine Seestreitkräfte ganz in den Dienst des Kreuzerkrieges gestellt hatte, endete dieser doch immer mit dem völligen Brachliegen des Seehandels für die schwächere Macht. Im Kriege 1775–1783 behaupteten aber beide Parteien bis zum Ende die See, und der Handelskrieg spielte infolgedessen keine so hervortretende und einflußreiche Rolle. Vernachlässigt wurde er aber keineswegs. Die Schläge gegen größere Konvois traten als militärische Unternehmungen von Bedeutung hervor, daneben aber bedrohten Kreuzer sowie Freibeuter beider Parteien die Schiffahrt der Gegner in allen Meeren, und es kam zu zahlreichen Gefechten zwischen diesen[186]. Leider bringen unsere Quellen nicht wie bei den früheren Kriegen genauere Angaben über die Zahl der Schiffe, die sich die Gegner fortnahmen, aber Andeutungen in französischen wie englischen Werken lassen schließen, daß die Verluste beider Nationen sehr bedeutend gewesen sind und sich etwa die Wage gehalten haben; von seiten Hollands wird ausdrücklich zugegeben[187], daß sein Schaden ungeheuer gewesen sei, und sich die schon im Verfall begriffene ostindische Kompagnie von ihm nicht wieder erholt habe. Es wird zwar nirgend ausgesprochen, ist aber wohl sicher anzunehmen, daß die Störung des Handels mit ihren mittelbaren und unmittelbaren Verlusten zur Beendigung auch dieses Krieges beigetragen habe.
Nur Laird Clowes bringt (Band III, Seite 396) eine für sein Werk von der berühmten Seeversicherungsgesellschaft „Lloyd“ — schon zu jener Zeit eine Art Börse der englischen Kaufleute, Rheder, Seeversicherer usw. — aufgestellte Tabelle über die Verluste Englands und seiner Gegner in den einzelnen Kriegsjahren. Nach dieser haben die Engländer in den Jahren 1776–1783 2200 Handelsschiffe sowie 75 Freibeuter eingebüßt und 1100 bzw. 215 der Feinde genommen. — Wie in den früheren Kriegen erklärt die Übermacht des englischen Seehandels den größeren Verlust, dieser war aber eben deshalb auch leichter zu tragen.
Der Kreuzerkrieg der Amerikaner[188] verdient noch eine kurze Betrachtung, weil sie trotz ihrer geringen Seemacht darin Hervorragendes geleistet haben. Bekanntlich ließen die einzelnen Kolonien schon von 1775 an kleinere Fahrzeuge an ihren Küsten kreuzen, um dem englischen Heere die Zufuhren an Kriegsmaterial wegzufangen und diese eigenen Truppen zuzuführen; aus diesen Anfängen entstand die kleine Marine. Diese ward dann auch weiter fast ausschließlich im Kleinen Kriege verwendet, zu ihr traten zahlreiche Freibeuter. Einzeln und in kleinen Verbänden taten die Schiffe den Engländern an der amerikanischen Küste, aber besonders auch in den westindischen Gewässern großen Abbruch, wobei sie sich auf französische, spanische und holländische Häfen stützten.
Nach amerikanischen Angaben (Spears, Band I, Seite 217) sind in den westindischen Gewässern sowie an der westafrikanischen Küste bis Ende 1777 173 amerikanische Freibeuter mit 2550 Kanonen und 13 800 Seeleuten tätig gewesen und haben 559 englische Handelsschiffe im Werte von 2½ Millionen Lstrl. aufgebracht; 34 derselben wurden weggefangen.
Schon im Herbst 1776 trat auch der erste amerikanische Kreuzer in den europäischen Gewässern auf. Eine Brigg mit 16 Kanonen brachte Franklin nach Frankreich und kreuzte dann in der Biskaya. In den folgenden Jahren waren mehrere Kriegsschiffe tätig, teils von Amerika herübergekommen, teils in französischen Häfen beschafft; auch Freibeuter traten auf. Es ist bemerkenswert, wie sich diese Fahrzeuge auszurüsten und ihre Prisen zu verwerten wußten, trotzdem Frankreich noch mit England im Frieden war, wie sie ihre Ausrüstung auf See an Bord nahmen und ihre Prisen vor den französischen Häfen verkauften. Es waren nur kleine Schiffe, und der Schaden blieb gering, den sie dem englischen Handel zufügten, aber sie beunruhigten ihn und bedrohten sogar offene Küstenplätze Schottlands und Irlands, eine ungeheure Keckheit der großen Seemacht Englands gegenüber. Am berühmtesten sind die Taten des Kapitäns Paul Jones, der durch sie ein Nationalheld Amerikas geworden ist.