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Fußnoten:

[36] Vgl. diese Punkte betreffend Band I, Seite 576, 598, 601.

[37] Zimmermann, Band II, Seite 192–205, schildert die englisch-spanischen Verhältnisse von 1713–1739 genauer.

[38] Der Schwedisch-Russische Krieg 1741–1743 wird später als „Nebenkrieg“ besonders besprochen.

[39] Seit dem Westfälischen Frieden war es stets ein Ziel der holländischen und der englischen Politik, die Sperrung der Schelde gegen freie Schiffahrt aufrecht zu erhalten und deshalb zu hindern, daß Antwerpen in französischen Besitz komme. Auch Englands Handel schien dadurch bedroht.

[40] Die innere Geschichte der Marinen Frankreichs und Englands ist schon im Kapitel II (Seite 24 ff.) behandelt; dort sind auch (Seite 33 ff.) die Marinen auf ihren inneren Wert — Material und Personal betreffend — gegeneinander abgewogen. So genügen hier die Angaben über den Schiffsbestand zur Zeit des zu besprechenden Krieges. Diese sind hauptsächlich nach Charnock, Teil III, zusammengestellt. Charnock gibt für den Anfang des Krieges nur summarische Mitteilungen, für die Verluste und den Bestand um 1748 Namen und Kanonenzahl der Schiffe. Ähnliche Zusammenstellungen über den Verlust von Schiffen wie in Charnock — englische, französische, spanische, auch mit den Schiffsnamen — sind in „Clowes“, Teil III, Seite 310, zu finden.

[41] Nach de Jonge, Teil IV, Seite 252 ff.; dort findet man die Fortsetzung der inneren Geschichte der holländischen Marine nach 1739.

[42] Besonders benutzte Quellen: Clowes Band III; Lacour I; Mahan Band I; Chab.-Arnault; Bonfils Band II; über die Angriffe auf Küstenstädte auch Colomb. — Die meisten englischen Quellen geben für diesen Krieg das Datum noch nach altem Stil, die französischen nach dem neuen. Bei unserer Schilderung ist die letztere Methode gewählt und nach bestem Wissen durchgeführt. Es sind jedoch Irrtümer, besonders bei weniger wichtigen Ereignissen, nicht ausgeschlossen, da die englischen Quellen anscheinend ihre Methode nicht immer genau durchgeführt haben.

[43] Warpen: Ein Schiff mit Hilfe von (Warp-) Ankern und Trossen fortbewegen.

[44] Näheres über diese beiden Fälle vgl. Clowes, Band III, Seite 64 und 270; Lacour, I, Seite 132 und 133.

[45] Eingehendere Schilderung vgl. Clowes, Band III, Seite 68, und Colomb, Seite 338.

[46] Eingehendere Schilderungen vgl. Clowes, Band III, Seite 78 und 85; Colomb, Seite 346 und 351.

[47] Lord George Anson, geboren 1697, machte als Leutnant die Operationen unter Norris und Byng in der Ostsee und im Mittelmeer mit, wurde 1723 Kapitän. 1740–1743 führte er seine Reise um die Welt aus, siegte als Vizeadmiral am 14. Mai 1747 bei Kap Finisterre über de la Jonquière, wofür er zum Peer erhoben wurde, war 1751 Erster Lord der Admiralität, kommandierte im Siebenjährigen Kriege längere Zeit die Flotte; wurde 1761 Admiral of the Fleet, starb 6. Juni 1762. — Eine eingehendere Schilderung obiger Reise z. B. in Clowes, Band III, Seite 320.

[48] Uns schon bekannt als Flottenführer zu Anfang des Jahrhunderts; vgl. Band I, Namenverzeichnis.

[49] Thomas Mathews, geb. 1676, Kapitän 1703, zeichnete sich im Spanischen Erbfolgekriege aus, wurde 1742 Vizeadmiral, 1743 Admiral; infolge der Schlacht vor Toulon durch kriegsgerichtlichen Spruch aus der Marine entlassen. Er war ein tüchtiger Offizier von vornehmem Charakter, gehorsam als Untergebener, fest, aber schroff als Vorgesetzter. Ehe er das Kommando übernahm, hatte er das Verlangen auf Abberufung Lestocks gestellt; das erfolgte Versprechen ward vergessen oder nicht beachtet.

[50] Richard Lestock, 1743 Kontre- und bald darauf Vizeadmiral, war sehr von sich eingenommen, hart als Vorgesetzter, schwierig als Untergebener, tapfer aber ohne weiten Blick; sehr unbeliebt in der Marine, hatte er sich auch gleich beim Eintreffen Mathews respektlos gegen diesen gezeigt. Nach der Schlacht vom Dienst suspendiert und in Untersuchung gezogen, wurde er freigesprochen und auch weiter verwendet und befördert.

[51] Labruyère de Court, geb. 1666, Gardemarine 1684, Leutnant 1689, Kapitän 1695, Chef d'Escadre 1715, Lieutenant-Général 1720, Vizeadmiral 1750, war ein tüchtiger Offizier, hatte unter Duquesne und Tourville gedient und in der Schlacht bei Malaga das Flaggschiff geführt; jetzt aber zählte er 78 Jahre und hatte im Laufe der letzten 34 Jahre nur ein Bordkommando gehabt.

[52] Schilderung nach: Mahan, Band I; Lacour, Band I; Clowes, Band III, in dem die genauesten Angaben und aus dem auch die Schiffsliste entnommen ist.

[53] Näheres über diese berühmten Kriegsgerichte, mit Angabe weiterer Quellen, vgl. Clowes, Band III, Seite 103.

[54] Vgl. Seite 59: Die Beteiligung der holländischen Marine an diesem Kriege, sowohl im Verein mit der englischen wie auch selbständig, war sehr unbedeutend; sie soll zu Ende dieser Schilderung des Krieges in den europäischen Gewässern kurz zusammengefaßt werden.

[55] Die zahlreichen kleinen Gefechte, die bei der Ausübung des Kleinen und Handelskrieges sowie auch bei der Beobachtung der französischen Häfen durch die Engländer vorfielen, übergehen wir. Man findet die bemerkenswertesten in den Spezialwerken, so z. B. in Clowes, Kapitel „Minor actions“, und in Troude.

[56] Nach Clowes, Band III; Troude, Band I; Bonfils, Band II; Lacour, Band I.

[57] Les Herbiers, Marquis de l'Etanduère, geb. 1682, Gardemarine 1697, Lieutenant 1705, Capitaine 1727, Chef d'Escadre 1745, gestorben 1750. Er hatte unter den tüchtigsten Führern gedient: Pointis, du Casse, Guay-Trouin (Zug nach Rio), 1741 in Westindien mit Auszeichnung, 1744 bei Toulon.

[58] Sir Edward Hawke, geb. 1705, Kapitän 1734, Kontreadmiral 1747, Vizeadmiral 1748, Admiral 1757, Admiral of the Fleet 1768, vom Dezember 1766 bis Januar 1771 Erster Lord der Admiralität, gestorben als Vizeadmiral von England 1781. Tat sich schon als Kommandant der „Berwick“ bei Toulon hervor und zeichnete sich später im Siebenjährigen Kriege als Flottenführer aus: Sieg bei Quiberon über de Conflans 1759. Vielfach kommandierte er die englische Hauptflotte vor der französischen Atlantikküste, und er hat wohl den Grund für die strikte Durchführung der Blockade gelegt, die in den napoleonischen Kriegen so großen Erfolg davontrug.

[59] Genaueres vgl. de Jonge, Band IV, Seite 182 ff. — Den traurigen Zustand der holländischen Marine um 1744 haben wir schon geschildert. Vgl. Seite 59 und Band I, Seite 500.

[60] Quellen vgl. Fußnote Seite 59; hierzu treten Zimmermann, Band II und IV. — Über die Stellung der kriegführenden Mächte in den Kolonien um 1740 vgl. Seite 7 ff.; die Geschichte der Kolonien bis 1740 vgl. Band I, Kapitel XII.

[61] In einigen seltenen Fällen führten die englischen Schiffe einige kleine Mörser — „Coehorns“ benannt nach ihrem Erfinder van Coehoorn, einem holländischen Ingenieuroffizier, geb. 1641, gest. 1704 — so hatte auch hier das Flaggschiff acht derselben an Bord.

[62] Siehe die Anmerkung Seite 93.

[63] Fort St. David deckte die Stadt Kudalur (englisch Cuddalore), zwischen Pondichery und der neuen französischen Besitzung Karikal gelegen; hier hatten die Engländer in einem der letzten Jahre eine neue Niederlassung gegründet.

[64] Genaueres über diesen Streit, der schon während der Belagerung begann und bis zum 18. Oktober dauerte, vgl. Zimmermann, Band II, Seite 303 ff., und Band IV, Seite 177 ff.

[65] Labourdonnaye wurde in die Bastille gesetzt, aber nach drei Jahren freigelassen. Die Bestechung konnte man ihm nicht nachweisen; in England ist sie später aktenmäßig festgestellt (40000 Lstrl.; vgl. Zimmermann, Band II, Seite 303). In einer Verteidigungsschrift regte L. noch die öffentliche Meinung gegen Dupleix auf. Er starb 1753.

[66] Auch Mahan, der (Band I, Seite 126, 188188 und 526) für seine Betrachtungen „über den Wert des Kreuzerkrieges“, die wir in unserem ersten Bande (Seite 304 und 471) teilweise wiedergegeben haben, die sämtlichen früheren sowie späteren Kriege benutzt, zieht hierbei den Österreichischen Erbfolgekrieg nicht heran.

[67] Im ersten Bande auf den Seiten 231, 300, 357, 484. Es ist dabei auf das sehr lesenswerte Werk des Admirals Colomb „Naval warfare“ verwiesen, in dem „der Kampf um die Seeherrschaft“ und „die Bedingungen, unter denen Angriffe auf Feindesland von See aus Erfolg haben“ an der Hand von Beispielen aus den großen Seekriegen kritisch beleuchtet worden. Auch nachstehenden Betrachtungen ist dieses Werk (Kapitel VII, Seite 131, sowie Kapitel XV und XVI) zugrunde gelegt.


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Viertes Kapitel.
Der Siebenjährige See- und Kolonial-Krieg zwischen England und Frankreich (Spanien) 1756–1763.

Die politischen Verhältnisse vor Ausbruch des Krieges.

Die Friedensschlüsse von Dresden (1745 zwischen Österreich und Preußen) und von Aachen (1748 zwischen den übrigen Gegnern im Österreichischen Erbfolgekriege) trugen den Keim zu neuen Kämpfen in sich.

Österreich wollte weder auf Schlesien verzichten noch Preußens Großmachtstellung anerkennen; von gleichen Gefühlen der Eifersucht war Rußland erfüllt. Besonders von ihm, wo seit der Thronbesteigung Elisabeths die altrussische Partei am Ruder war, ging der Anstoß zu einem neuen Kriege aus, schon 1749 versuchte man, Österreich, Sachsen, sowie England zum Angriff auf Preußen zu bestimmen. Standen diese Mächte auch seit 1748 im Bündnis unter sich und mit Rußland, so hatten sie doch zunächst noch keine Neigung, sich aufs neue in einen Krieg zu stürzen. Friedrich II. mußte in Frankreich seinen einzigen Bundesgenossen sehen, er blieb deshalb nach 1748 in enger Verbindung und schloß noch 1753 einen Handelsvertrag mit ihm.

England zu gewinnen, erschien für Friedrich aussichtslos. Georg II. blieb als Kurfürst von Hannover infolge der Machtentwicklung Preußens, sowie des Streites um Ostfriesland sein Gegner, aber auch mit der englischen Regierung bestanden Zwistigkeiten, da diese sich weigerte, Schadenersatz für im letzten Kriege unrechtmäßig aufgebrachte Handelsschiffe zu leisten. Das Verhältnis zwischen beiden Staaten spitzte sich so zu, daß sie 1750 ihre Gesandten abberiefen, auch verpflichtete sich England 1751, Sachsen auf vier Jahre Subsidien zu zahlen, wobei es hauptsächlich den Schutz Hannovers gegen Preußen im Auge hatte. Während nun aber der Bund zwischen Österreich, Rußland und Sachsen mit der ausgesprochenen Absicht, Preußen zu vernichten, immer festere Gestalt annahm, trat 1755 ein völliger Umschwung in der Politik Englands und Frankreichs und damit in ihrer Stellung zu Preußen ein.

Die Nebenbuhlerschaft dieser beiden Staaten um Seehandel und Kolonialbesitz war der Anlaß. Nach dem Frieden von Aachen hatten die Schiffahrt sowie die Kolonien Frankreichs wieder einen bedeutenden Aufschwung genommen. Der Einfluß der Franzosen in Indien wuchs in einer für England bedenklichen Weise; in Westindien versuchte Frankreich sich in den alleinigen Besitz der sogenannten neutralen Inseln (Seite 9) zu setzen; in Nordamerika wurden die gegenseitigen Beziehungen unhaltbar. Hier nahmen auf beiden Seiten die Kolonisten ihre Sache selber in die Hand; schon 1754 kam es zwischen ihnen zu Blutvergießen. Die englische Regierung hatte nun zwar keine Neigung, wegen der nordamerikanischen Fragen einen Krieg mit Frankreich zu beginnen[68], als aber dieses in den Verhandlungen unannehmbare Bedingungen stellte, kam es überraschend schnell zum Zusammenstoß. Im Frühjahr 1755 entbrannte zwischen den Kolonien der offene Krieg, beide Staaten sandten starke, schon länger vorbereitete, See- und Landstreitkräfte hinüber und England griff bereits im Sommer den französischen Handel in den europäischen Gewässern an. Wenn auch die Kriegserklärung erst im Frühjahr 1756 erfolgte, nachdem die Franzosen Port Mahon angegriffen hatten (April), so war doch der See- und Kolonialkrieg schon im Gange, ehe der Siebenjährige Krieg auf dem Festlande ausbrach.

England sah sich angesichts dieser Verhältnisse nach Bundesgenossen zum Schutze Hannovers um. Im September 1755 wurde ein Vertrag mit Rußland geschlossen, der England gegen Subsidien ein russisches Heer zur Verfügung stellte. Dagegen ging das alte Bündnis mit Österreich in die Brüche. Sein Hauptwert hatte für England stets darin gelegen, daß Belgien (insbesondere Antwerpen) in österreichischem Besitze bliebe; Österreich zeigte sich jetzt aber geneigt, diese Provinz an Frankreich abzutreten, um dessen Hilfe gegen Preußen zu gewinnen. Gleichzeitig lockerte sich auch das gute Verhältnis zwischen Preußen und Frankreich. Dieses fühlte, es könne in dem Kriege mit England nicht auf Preußens Unterstützung rechnen. Friedrich II. durfte sich nicht an einem Kampfe um Hannover beteiligen, da er dann den sofortigen Angriff Österreichs zu gewärtigen hatte, zudem erfuhr er von den Verhandlungen Österreichs mit Frankreich.

Unter diesen Verhältnissen machte nun England den Versuch, Preußen wenigstens bedingungsweise für sich zu gewinnen, und Friedrich ging darauf ein, als er von dem Abkommen zwischen England und Rußland Kenntnis erhielt. So schlossen England und Preußen den Neutralitätsvertrag von Westminster (Januar 1756), in dem beide Mächte sich Frieden und Freundschaft gelobten und sich verpflichteten, ihre bisherigen Verbündeten von Angriffen auf Gebiete des anderen — also Rußland von Preußen, Frankreich von Hannover — abzuhalten. Dieses Abkommen sollte mithin die letztgenannten Mächte einschränken, beförderte aber tatsächlich eine neue Gruppierung der Staaten, auf die Österreich unter Fürst Kaunitz schon lange hinarbeitete. Es gelang ihm, Rußland, Sachsen, Schweden, sowie die meisten deutschen Fürsten zu einem Angriffskriege gegen Preußen, auf dessen völlige Zerstücklung es abgesehen war, an sich zu ziehen und diesem Bunde die Unterstützung Frankreichs zu sichern. Es dauerte jedoch geraume Zeit, bis dies erreicht war; erst im Frühjahr 1757 kam die Koalition zustande und erst im Sommer waren die Rüstungen überall vollendet.

Frankreichs bisheriger Politik widersprach dieses Bündnis völlig, bezweckte es doch einen Krieg, der das österreichische Kaiserreich stärken sollte, für dessen Demütigung und Schwächung Frankreich bisher gekämpft hatte; es wurde auch nur durch die Hofpartei begünstigt. Als Preis versprach Österreich Belgien; ein Teil dieser Provinz sollte an Frankreich abgetreten werden, den Rest der in Parma regierende spanische Infant Philipp gegen Überlassung seines bisherigen Besitzes an Österreich erhalten. Noch mehr aber förderten persönliche Einflüsse das Zustandekommen dieses Vertrages. Man benutzte den religiösen Aberglauben Ludwigs XV., um ihn zu einem Kriege der beiden katholischen Großmächte gegen die neuentstehende protestantische zu begeistern, auch wurde die Pompadour, die durch den Spott Friedrichs II. gereizt war, für den Plan gewonnen. Im Mai 1756 schlossen Österreich und Frankreich zu Versailles ein Schutzbündnis als Antwort auf den englisch-preußischen Neutralitätsvertrag, und im Mai 1757 verpflichtete sich Frankreich, ein Heer nach Deutschland zu schicken, auch erklärte es gleichzeitig den Krieg an Preußen. — Bei der Teilung Preußens sollte Rußland Ostpreußen erhalten, an Schweden sollte Pommern, an Sachsen der Saalekreis sowie Magdeburg fallen, Österreich wollte natürlich Schlesien behalten. — Auch Rußland und Schweden erklärten erst im Sommer 1757 den Krieg, nur das Deutsche Reich hatte dies auf einen Notruf Sachsens schon im Januar getan und zwar an den „Kurfürsten von Brandenburg“.

Friedrich der Große hatte aber schon 1756 den als der Siebenjährige Krieg bekannten Kampf begonnen. Er war im Juli 1756 durch Holland von der ihm drohenden Gefahr unterrichtet und hoffte mittels eines schnellen Stoßes die Koalition zu sprengen, Österreich zu entmutigen, sowie dessen Bundesgenossen abzuschrecken; 1756 nahm er Sachsen in Besitz und drang im April 1757 in Böhmen ein. Ehe seine übrigen Gegner im Felde erschienen, hatte er auch mit England einen festeren Bund geschlossen (Januar 1757). Im Mai und Juni 1756 hatten England und Frankreich formelle Kriegserklärungen gewechselt; in dem neuen Vertrage mit Preußen verpflichtete sich England-Hannover, in Westfalen ein Heer aufzustellen, eine starke Flotte in die Ostsee zu senden und jährlich eine Million Lstrl. Subsidien zu zahlen; auch lieferte es Hilfsgelder an die wenigen deutschen Fürsten, die zu Preußen standen.

Dieser Vertrag war ein Verdienst des älteren Pitt, des späteren Grafen von Chatham, Staatssekretärs des Auswärtigen, des Leiters der englischen Politik vom November 1756 bis April 1757 und sodann vom Juni 1757 bis Oktober 1761. Er war trotz mancher Gegensätze ein begeisterter Verehrer Friedrichs II. und rechnete überdies ganz richtig, daß die im deutschen Kriege angelegten Gelder in Nordamerika, sowie in Ostindien Zinsen tragen würden. Mit dem Tode Georgs II. (Oktober 1760) schwand[119] sein Einfluß; Georg III. sah in ihm einen Feind der königlichen Rechte, bald wurde die Strömung gegen ihn so stark, daß er (5. Oktober 1761) sein Amt niederlegte, und damit hörten auch die Unterstützungen Englands an Preußen auf.

Durch dieses preußisch-englische Bündnis tritt der Seekrieg zwischen England und Frankreich in Verbindung mit dem Siebenjährigen Kriege. Der große König ward in seine gewaltigen Ringen durch englisches Geld sowie auch durch Truppen wesentlich unterstützt, und Frankreich war genötigt, neben dem Kampfe gegen Preußen einen See- und Kolonialkrieg zu führen und seine Küsten gegen englische Angriffe zu schützen. Englands Nutzen aus dieser Verbindung war jedoch noch größer, denn Frankreich verbrauchte im Landkriege so viel von seiner Kraft, daß es dem Gegner auf und über See nicht standhalten konnte. Die Truppen, die es zum Schutz seiner Küsten zurückbehalten mußte, sowie die Geldmittel, die es notgedrungen und nur widerwillig für den Seekrieg aufwandte, hätten in dem Kriege mit Preußen keine ausschlaggebende Rolle gespielt; dagegen muß man allerdings auch wohl anrechnen, daß Frankreich durch die Vernichtung seines Seehandels und durch den Verlust seiner Kolonien infolge des Seekrieges stark geschwächt und dadurch Preußen noch zur rechten Zeit von diesem gefährlichen Gegner befreit wurde, als es nach Pitts Rücktritt 1761 von England verlassen war.

In den See- und Kolonialkrieg trat auch Spanien ein, allerdings erst 1762. England sowohl wie Frankreich hatten lange versucht, diesen Staat zu einer engeren Verbindung zu bewegen; letzteres hatte ihm Minorka und Hilfe zur Rückeroberung Gibraltars angeboten, Pitt sogar die freiwillige Rückgabe dieses wichtigen Platzes, allerdings zu einer Zeit, 1757, als die Sache Englands in Nordamerika schlecht stand. Solange Ferdinand VI. regierte, war jedoch alles vergeblich, anfangs, weil der schwer gemütskranke König ganz unter dem Einfluß der einsichtigen Königin stand, dann, weil nach deren Tode alle Geschäfte ruhten. Erst als Karl III. den Thron bestiegen hatte (1759), gelang es Choiseul, ihn für Frankreich zu gewinnen und ihn zur Kriegserklärung an England am 1. Mai 1762 zu bestimmen; England kam dem jedoch durch die eigene Kriegserklärung schon im Januar zuvor.

Der Bourbonische Familienvertrag. Im ersten Bande ist (Seite 598) fälschlich ein Defensivbündnis zwischen Spanien und Frankreich schon mit diesem Namen belegt, während erst das jetzige vom 15. Oktober 1761, dem auch die spanischen Sekundogenituren Neapel und Parma beitraten, gewöhnlich so bezeichnet wird. In ihm garantierten sich sämtliche Herrscherhäuser bourbonischen Stammes ihren gegenseitigen Besitz; der Vertrag schuf ihnen die Grundlage für eine gemeinsame Politik bis zur französischen Revolution.

Karl III., bis 1759 König beider Sizilien, war ein Feind Englands, dem er die Demütigung im Österreichischen Erbfolgekriege (s. Seite 73) nicht vergessen konnte. Er gab die Neutralität auf, obgleich sie, wenn auch vielfach von England verletzt, Spaniens Finanzen und Handel zur Blüte gebracht hatte. Pitt erfuhr frühzeitig von den Verhandlungen und wollte sofort den Krieg erklären, aber sein Einfluß genügte nicht mehr, dies durchzusetzen. Als jedoch bald nach seinem Rücktritt die Silberflotte[120] des Jahres 1761 mit den für einen Krieg nötigen Mitteln unversehrt eingelaufen war, trat Spanien so anmaßend auf, daß England sich doch zur Kriegserklärung am 2. Januar 1762 genötigt sah.

Auch Portugal ward in den Krieg hineingezogen. Frankreich und Spanien forderten diesen Staat auf, ihrem Bunde gegen den „Tyrannen der See“ beizutreten und sich dadurch von England freizumachen, das ihm alles Geld aus dem Lande zöge (vgl. über den englisch-portugiesischen „Methuen-Vertrag“, Band I, Seite 490). Portugal ging aber nicht darauf ein in der richtigen Ansicht, daß ein gutes Einvernehmen mit England ihm nützlicher sei. Frankreich und Spanien fielen nun 1762 in das Land ein, wurden aber mit englischer Hilfe zurückgeschlagen.

Bei der alten Abneigung zwischen den beiden Staaten der Pyrenäischen Halbinsel hatte Portugal einen Verbündeten nötig, der zu jeder Zeit imstande und gewillt zu seinem Schutze, vor allem auch zu dem des so wichtigen brasilianischen Handels, war. Auf England konnte es sich verlassen, da für dessen Seemacht die Verfügung über die portugiesischen Häfen eine große Bedeutung hatte. So blieb Portugal dem bisherigen Verbündeten treu, obgleich es auch unter Verletzungen der Neutralität durch England litt. Man gab an, das Bündnis mit England sei rein defensiver Natur; Frankreich und Spanien erklärten es jedoch für offensiv, da Englands Flotte nur durch die Benutzung der portugiesischen Häfen imstande sei, zu allen Jahreszeiten die See zu halten und dadurch ihren Handel sowie die Bewegungen ihrer Flotten zu bedrohen.

Nur Holland blieb neutral im See- wie im Landkriege. Es war sich seiner Schwäche zu Wasser und zu Lande bewußt, auch sah es sich nicht bedroht, da infolge des Bündnisses zwischen Frankreich und Österreich in diesem Kriege Belgien nicht wie früher Streitobjekt war. Auf Einwirkung Frankreichs hin band es sich aber auch nicht an den alten Schutzvertrag mit England, was seinem Seehandel teuer zu stehen kam.

Der Verlauf des Siebenjährigen (Land-)Krieges.

Dieser Landkrieg steht mit unserem Seekriege in keiner näheren militärischen Beziehung. Wir wollen über seinen Verlauf jedoch soviel sagen, als nötig erscheint, um bei der Betrachtung des Seekrieges zu jedem Zeitpunkt den Stand des Landkriegs in Vergleich ziehen, sowie beurteilen zu können, welche Leistungen er von den Gegnern im Seekriege verlangte; auch ist dies notwendig für die Beteiligung der schwedischen und russischen Marinen am Landkriege, die wir später (Kapitel VI, „Nebenkriege“) behandeln werden.

1756. Friedrich II. wollte durch einen überraschenden Stoß in das Herz Österreichs hinein die ihn bedrohende Koalition sprengen. Er brach am 29. August in Sachsen ein, um sich dieses Land als Basis zu sichern. Am 10. September schloß er das sächsische Heer bei Pirna ein und schlug ein heranrückendes österreichisches am 1. Oktober bei Lobositz; ein zweites, das Schlesien bedrohte, wurde durch Graf Schwerin festgehalten. Die Sachsen ergaben sich am 14. Oktober, das ganze Land kam nun bald in Besitz des Königs, aber infolge des unerwartet langen Widerstandes war die Jahreszeit zu weit vorgeschritten, um den Stoß gegen den Hauptgegner noch unternehmen zu können; eine verhängnisvolle Verzögerung, denn im Winter wurden seine Gegner einig und sammelten ihre Kräfte.

1757. Unter Zurücklassung genügender Truppen zum Grenzschutz brach König Friedrich mit der Hauptmacht im April in Böhmen ein. Am 6. Mai wurde ein österreichisches Heer (Karl von Lothringen) geschlagen, in die Festung Prag geworfen und dort berannt, dann ging Friedrich dem unter Daun erscheinenden Entsatzheer entgegen, in der Hoffnung, durch einen zweiten Sieg dem Kriege ein Ende zu machen. Da er aber die Belagerung Prags aufrechterhielt, wurde er mit seinen unzureichenden Kräften am 18. Juni bei Kolin geschlagen. Dies war seine erste und zugleich seine folgenschwerste Niederlage, denn sie machte seinem Vorwärtsdringen ein Ende; von jetzt an bedrohte man ihn von allen Seiten, er konnte nur noch um den Bestand seines Staates kämpfen.

Friedrich II. war zu schwach, um allen Gegnern gleichzeitig und gleich kräftig entgegenzutreten, er strebte deshalb dahin, mit seiner Hauptmacht stets an der bedrohtesten Stelle zu erscheinen, dann errungene Vorteile durch die Grenzkorps festhalten zu lassen und sich selber gegen die nächste größte Gefahr zu wenden. Seine Feldherrnkunst, die Unterstützung durch tüchtige Generale, die Beherrschung der kürzeren inneren Linien sowie die erstaunliche Marschfähigkeit seiner Truppen ermöglichten ihm, die schwierigsten Lagen zu überwinden und die Gegner schließlich zu ermüden, obgleich auch er schwere Niederlagen erlitt. Zugute kam ihm, daß die Kräfte der Gegner nicht in einer Hand und daß ihre Führer oft uneinig waren, endlich auch deren Langsamkeit. Die Heere waren nach damaligem Brauch bei ihren Bewegungen an Magazine gebunden; der große König machte sich zuweilen durch unmittelbare Beitreibungen hiervon frei. Man sagt, er habe den Nutzen dieses Verfahrens voll gewürdigt, aber nur im äußersten Notfalle davon Gebrauch gemacht, um es nicht seine Gegner zu lehren, die ihn dann erdrückt haben würden.

1757 hatten Friedrichs Feinde 500000 Mann aufgebracht, denen dieser nur 250000 (einschließlich seiner Verbündeten und der Festungsbesatzungen) entgegenstellen konnte. Die Russen drangen in Preußen ein, zwangen mit Hilfe einer Flotte Memel zur Übergabe (5. Juli), siegten bei Groß-Jägersdorf (30. August) und bedrohten Königsberg; sie mußten aber im Herbst zurückgehen, da sie sich in dem verwüsteten Lande nicht halten konnten. Ein Vorstoß der Schweden in Pommern wurde zurückgeworfen. Die Franzosen griffen Westfalen an, schlugen die Hannoveraner (Herzog von Cumberland) bei Hastenbeck (26. Juli) und breiteten sich in Hannover und Braunschweig aus. Die Reichsarmee im Verein mit einem französischen Korps unter Prinz Soubise hatte durch einen Angriff über Thüringen auf Sachsen die Umklammerung Preußens schließen sollen; ihr galt der erste Stoß des Königs. Er kam von Kolin mit einem Teil des Heeres durch Sachsen heran — der andere Teil deckte Schlesien — und zerstreute die Verbündeten durch den Sieg bei Roßbach (5. November); dann befreite er durch die Schlacht bei Leuthen (5. Dezember) das schon fast ganz verlorene Schlesien bis auf Schweidnitz. Er hatte also in diesem Jahre seine Staaten sowie Sachsen behauptet. Das hannoversche Heer wurde im Winter, jetzt auch durch englische Truppen verstärkt, neu aufgestellt (Herzog Ferdinand von Braunschweig).

1758 stellten die Verbündeten 320000 Mann auf. Österreich sollte gegen Schlesien sowie Sachsen vorgehen, den Russen im Osten, den Franzosen im Westen die Hand reichen; Friedrich verfügte über 236000 Mann. Ferdinand von Braunschweig trieb im Februar die Franzosen über den Rhein und siegte am 22. Juni bei Krefeld; wenn er auch dann durch den Vormarsch eines französischen Korps von Hessen her zum Zurückgehen gezwungen wurde, so behauptete er sich doch das Jahr über in Westfalen. Ebenso wurden die Schweden, die fast schon Berlin erreicht hatten, bis Ende des Jahres nach Stralsund zurückgetrieben. Nur die Russen hatten im Januar Preußen besetzt und waren dann in Pommern bis Kolberg, in der Mark bis Küstrin vorgedrungen. Friedrich selber eröffnete den Feldzug mit der Eroberung von Schweidnitz, rückte in Mähren ein und belagerte Olmütz. Das seine Verbindungen bedrohende Vorgehen der Österreicher unter Daun zwang ihn, die Belagerung abzubrechen, doch gelang es ihm,[122] unbehindert Schlesien zu erreichen, um den Russen entgegenzutreten. Diese wurden durch den Sieg bei Zorndorf am 25. August aus der Mark sowie Pommern vertrieben und zogen sich bis hinter die Weichsel zurück. Der König eilte nach Sachsen, wo Prinz Heinrich von der Reichsarmee und Daun arg bedrängt war. Er zog diesen, dessen Verschanzungen unangreifbar waren, durch Bedrohung seiner Magazine nach der Lausitz, erlitt aber durch den Überfall bei Hochkirch (14. Oktober) eine schwere Niederlage. Trotzdem entsetzte er das belagerte Neiße und verhinderte Daun an einem zweiten Vorstoß auf Sachsen. Wieder hatte er seine Staaten bis auf die Provinz Preußen erhalten und Schwedisch-Pommern sowie Westdeutschland bis zum Rhein gewonnen.

1759 stellten die Verbündeten 392000 Mann, Preußen und England-Hannover 252000 auf. Die ersteren planten einen konzentrischen Stoß auf Berlin: Russen und Österreicher von der Oder her, Reichsheer und Franzosen über Sachsen, die Schweden von Norden, Franzosen über Hannover; ein zweites österreichisches Heer (Daun) sollte den König im Süden festhalten. Die vom Süden kommenden Franzosen besetzten schon am 2. Januar Frankfurt a. M. und schlugen Herzog Ferdinand bei Bergen (13. April). Dieser siegte jedoch bei Minden (1. August) über die von Westen heranrückenden Franzosen, sowie im November über die Württemberger; er behauptete das Jahr über Westfalen. Die Schweden breiteten sich in Schwedisch-Pommern aus. Für Friedrich wurde dies Jahr das unheilvollste. Er mußte abwarten, wo sein Eingreifen am nötigsten war oder wo die Gegner sich eine Blöße gäben. Die Russen unter Soltikof und die Österreicher unter Laudon vereinigten sich bei Frankfurt a. O.; der General Wedell wurde von den ersteren bei Key (23. Juli) geschlagen. Als der König dort hineilte, erlitt er die furchtbare Niederlage bei Kunersdorf (12. August). Dresden ging an das Reichsheer verloren. Da aber Daun und Soltikof nicht einig waren, versäumten sie die Gelegenheit, Friedrich zu erdrücken. Prinz Heinrich hielt Daun, der König Soltikof und Laudon fest, bis letztere im Oktober nach Polen abzogen; ein Versuch des Königs, Dresden wiederzugewinnen, gelang jedoch nicht. So blieben ein Teil Sachsens, Schwedisch-Pommern sowie Preußen in der Gegner Hände; der Feldzug 1759 hatte außerdem des Königs Heer stark gelichtet.

1760 konnte Friedrich II. sein Feldheer nur auf 90000 Mann, dazu 70000 unter Herzog Ferdinand, bringen, während die Verbündeten 430000 zählten; dennoch verlief das Jahr verhältnismäßig günstig. Herzog Ferdinand behauptete sich, wenn auch mit wechselndem Waffenglück, weiter, und die Schweden machten keine Fortschritte; die Russen in Pommern mußten eine Belagerung Kolbergs zu Wasser und zu Lande aufgeben. In Schlesien und in Sachsen stand es anfangs schlimm; hier standen Daun und das Reichsheer, dort strebten Russen und Laudon aufs neue nach Vereinigung. Laudon schlug Fouqué bei Landshut. Der König wandte sich von Sachsen nach Schlesien, Daun folgte ihm, kehrte dann aber plötzlich zur Eroberung Dresdens zurück. Da jedoch Laudon Glatz nahm, Breslau bedrohte, und die Russen gleichfalls im Anmarsch waren, mußte der König doch nach Schlesien gehen. Unmittelbar rechts vor und hinter ihm folgten zwei österreichische Korps (Daun und Lascy), während Laudon ihm entgegenkam; doch der große Feldherr zerriß dieses Netz durch den Sieg über Laudon bei Liegnitz am 15. August. Auch zu einer völligen Vereinigung der Österreicher mit den Russen kam es nicht. Nur eine abgezweigte russische Abteilung drang mit Lascy vereint bis Berlin vor (Einnahme am 9. Oktober), mußte aber wieder abziehen, als der König heranrückte; dieser trieb dann Daun, der inzwischen ganz Sachsen besetzt hatte, durch den Sieg bei Torgau (3. November) wieder auf Dresden zurück. Friedrich stand mithin nicht schlechter da als zu Ende 1761.

1761 waren die Streitkräfte der Gegner etwa die gleichen wie im Vorjahre und auch der Plan der Verbündeten war nahezu derselbe. Größere Ereignisse im Felde brachte das Jahr nicht. Der König konnte die Vereinigung der Russen unter Butturlin und der Österreicher unter Laudon in Schlesien nicht hindern, wich ihnen jedoch geschickt aus und bezog endlich eine sichere Stellung im Lager von Bunzelwitz; Uneinigkeit der[123] feindlichen Feldherren führte zum Abzug der Russen. Es gelang aber den Österreichern am 9. Oktober Schweidnitz, und den Russen am 16. Dezember Kolberg zu nehmen; damit hatten sie in Schlesien sowie Pommern festen Fuß gefaßt.

1762. Immer kleiner war das Gebiet geworden, das Friedrich noch behauptete, und jetzt fielen durch Pitts Rücktritt auch die englischen Hilfsgelder fort. Schon sahen die Gegner der Niederlage Preußens mit Zuversicht entgegen, da wandte sich das Blatt. Nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth am 2. Januar schloß ihr Nachfolger Peter III. von Rußland Frieden mit dem König (Petersburg, 6. Mai) und stellte ihm sogar ein Hilfskorps unter Czernitschew in Schlesien zur Verfügung. Friedrich griff Schweidnitz an, das Daun in einer festen Stellung auf den Höhen bei Reichenbach deckte. Nach der Entthronung Peters wurde Czernitschew zurückberufen, ließ sich aber bestimmen, unter Geheimhaltung der Order noch einige Tage zu bleiben, damit Daun mit ihm rechnen müsse. Der König siegte bei Burkersdorf am 21. Juli über diesen und wies dann noch einen weiteren Entsatzversuch Dauns bei Reichenbach am 16. August zurück. Am 9. Oktober fiel Schweidnitz, Schlesien war wiedergewonnen. Prinz Heinrich hatte im Sommer in Sachsen die Reichstruppen von den Österreichern getrennt und nach Franken vertrieben; als sich beide in Böhmen wieder vereinigt hatten, schlug er sie bei Freiburg (29. Oktober). Herzog Ferdinand erfocht über die von Kassel aus vordringenden Franzosen zweimal einen Sieg bei Wilhelmsthal am 24. Juni, bei Lutterberg am 23. Juli. Kaiserin Katharina von Rußland zog sich vom Kriege zurück, bestätigte den Frieden Peters und räumte Preußen.

Der Krieg war zu Ende! England und Frankreich schlossen am 2. November den Präliminarfrieden zu Fontainebleau. England gab dabei Preußen völlig preis, es zog seine Truppen zurück und gestattete Frankreich, Kleve, Wesel sowie Geldern besetzt zu halten. Nur der Umstand, daß dieser Staat auch des kostspieligen Landkrieges müde war, bewahrte Preußen vor den Folgen der englischen Treulosigkeit, denn Österreich verzagte daran, allein Friedrich II. niederzuwerfen, schloß Waffenstillstand und trat in Friedensverhandlungen ein.

Der Frieden zu Hubertusburg, 15. Februar 1763, stellte den Besitzstand vor dem Kriege wieder her: Österreich verzichtete auf Schlesien und Glatz, Preußen räumte Sachsen. Friedrich II. versprach außerdem seine Stimme für die Kaiserwahl des Erzherzogs Joseph. Des großen Königs überlegener Geist, sowie die opferwillige Hingabe seines tapferen Volkes hatten den preußischen Staat und mit ihm die Zukunft Deutschlands gerettet.

Der allgemeine Verlauf des See- und Kolonialkrieges.

Der Seekrieg spielte sich auf verschiedenen Schauplätzen — in den europäischen, den nordamerikanischen, den west- und ostindischen Gewässern — ab. Um aber stets über die ganze Kriegslage im klaren zu sein, sowie auch weil England von Anfang an nach einem alle Schauplätze umfassenden Plane vorging, erscheint es angebracht, zunächst den allgemeinen Verlauf dieses Seekrieges etwas eingehender zu schildern, als dies bisher bei anderen geschehen ist.

Kennzeichnung der Kriegführung seitens der Gegner. Der vorherzusehende Zusammenstoß zwischen England und Frankreich erfolgte nur wegen Streitfragen auf oder über der See; dies wies deutlich genug auf den wahren Kriegsschauplatz hin, und man hätte einen reinen Seekrieg zwischen den beiden Mächten erwarten müssen. Aber nur England besaß eine starke Flotte und erkannte das Richtige, Frankreich hatte Vorbereitungen für einen Seekrieg versäumt und ließ sich außerdem durch den Landkrieg vom Seekriege ablenken. Zu Anfang zeigten sich zwar Unternehmungslust und Tatkraft auf seiten der Franzosen und sie hatten schon wichtige Erfolge errungen, als sie 1757 in den Landkrieg eintraten. Durch die überraschende Einnahme von Port Mahon, durch die Gewinnung Korsikas (wo ihnen Genua zum eigenen Schutz gegen einen Aufstand die befestigten Plätze übergeben hatte) besaßen sie im Verein mit Toulon eine starke Stellung im Mittelmeer; in Nordamerika stand ihre Sache sehr günstig und in Indien war ihre Lage mittelbar dadurch gestärkt, daß die Engländer um ihren bengalischen Besitz mit den Eingeborenen in schwerem Kampfe lagen. Frankreich hätte nun ernstlich dahin streben müssen, durch Bündnisse seine Kraft zur See zu verstärken, Holland und Spanien zu gewinnen; dies geschah oder gelang aber nicht.

Englands rücksichtsloses Auftreten gegen die neutralen Staaten, das aus dem Gefühl seiner Macht zur See entsprang, gab hierzu Gelegenheit. Daß Holland den alten Bund nicht erneuert hatte, vergalt England mit harten Maßregeln gegen dessen Handel[69]. Es erklärte alle Häfen Frankreichs in Blockadezustand und ordnete an, daß sämtliche nach dort bestimmten Schiffe als gesetzliche Prisen zu nehmen wären. Ferner faßte es den Begriff der Kriegskontrebande weit schärfer als bisher und hielt sich nicht mehr an die mit Holland getroffene Abmachung „Frei Schiff“ — „Frei Gut«, sondern legte Beschlag auf holländische Schiffe mit französischer Ladung. Der holländische Handel mit französischen Kolonien, ja sogar der nach den holländischen wurde arg belästigt; Holland war genötigt, seine Kauffahrer durch starke Bedeckungen geleiten zu lassen. Auch andere Staaten, so insbesondere Spanien, litten unter Englands Vorgehen; der Versuch, Spanien zu gewinnen, scheint aber erst von Choiseul ernstlich gemacht zu sein.

Dagegen ließ sich Frankreich in den Siebenjährigen Landkrieg verwickeln, der seine Mittel stark in Anspruch nahm, da es nicht nur die eigenen Rüstungen, sondern auch die der deutschen Fürsten zahlen, sowie Österreich mit Geld unterstützen mußte. Deshalb vernachlässigte es nun trotz der ersten Erfolge seine schon an und für sich schwächere Marine schmählich, anstatt die für diese durch die Einnahme von Port Mahon im Lande hervorgerufene Begeisterung zu ihrer Hebung zu benutzen. So zeigen sich denn auch Frankreichs Flotten nur einmal, 1759, im Kampfe um die Seeherrschaft, und mit dem Verzicht auf diese gab es auch seine Kolonien auf. Spaniens Hilfe kam zu spät, seine Kolonien teilten nur das Schicksal der französischen.

Es mag sein, daß bei der geringen Bevölkerung der französischen Kolonien in Nordamerika gegenüber den englischen die Seemacht dort nichts am Ausgang des Kampfes geändert haben würde; bei der Lage der beiden Völker in Indien hing aber alles von der Beherrschung der See ab.

Ebenso ist es nicht sicher, ob Frankreich ohne den Landkrieg England hätte erfolgreich gegenübertreten können. Die Marine war vor 1755 noch nicht genügend vorbereitet, obgleich ein tüchtiger Marineminister für sie gearbeitet hatte. Die etwaigen Bundesgenossen waren gleichfalls schwach; Hollands Marine war unbedeutend, die spanische besaß zwar eine stattliche Zahl von Linienschiffen, nach den früheren Leistungen darf man aber zweifeln, ob ihr Wert der Zahl entsprach.

England nutzte wohl anfangs seine überlegene Seemacht nicht mit der nötigen Tatkraft und Umsicht aus, aber bald nach Pitts Amtsantritt im November 1756 trat hierin eine Änderung ein; dieser erkannte, wo Englands wahre Vorteile lagen. Auf dem Festlande führte er den Kampf gegen Frankreich fast nur mit Geld, die Hauptkraft verwandte er auf den Seekrieg. England beherrschte bald alle Gewässer, schnitt den Gegner von den Kolonien ab und vernichtete dessen Handel; der eigene wuchs infolgedessen. So wurde Frankreich die finanzielle Kraft zur Kriegführung genommen, während England die Kosten leichter tragen konnte.

Ein Ausblick auf den Verlauf des Seekrieges veranschaulicht Vorstehendes. Als 1755 in Nordamerika zwischen den Kolonien der offene Krieg ausgebrochen war, von den Mutterländern unterstützt, rüsteten beide Gegner, wenn auch die Unterhandlungen noch fortliefen; England ließ bereits im Sommer an den Küsten Frankreichs Kriegs- und Handelsschiffe abfangen. Es geschah vielleicht, um den Gegner noch zum Nachgeben zu bewegen, aber vor allem, um ihn in seinen Rüstungen zu stören; wurden doch 500 Schiffe mit 6000 Seeleuten, also den Besatzungen von acht bis zehn Linienschiffen entsprechend, genommen. Dagegen gelang es den Franzosen 1756, durch Vorbereitung eines Einfalls in England die Aufmerksamkeit des Gegners vom Mittelmeer abzulenken und dessen Schwäche dort zur Eroberung von Port Mahon zu benutzen; der Versuch Englands, die belagerte Stadt zu entsetzen, wurde durch die Schlacht von Minorka vereitelt. Jetzt erst erklärte England den Krieg, entfaltete aber bald seine Seemacht in durchgreifender Weise.

Der Plan für das Vorgehen der englischen Flotte gipfelte in folgenden Maßnahmen:

1. Unterstützung des Kolonialkrieges in Nordamerika;

2. die französischen Häfen am Atlantik, besonders Brest, wurden mit überlegenen Kräften blockiert, so daß sich auslaufende Flotten oder Geschwader schlagen mußten.

Eine vollständige Blockade von Brest wurde in diesem Kriege zum ersten Male planmäßig betrieben. Die Lage dieses Hafens erleichterte eine solche. Wenn die Blockierenden durch schwere Westwinde zu ihrer Unterbrechung gezwungen wurden, konnten auch die Blockierten nicht auslaufen; die Engländer gingen dann nach einem ihrer Kanalhäfen, waren aber sicher, mit östlichen Winden ihre Station wieder zu erreichen, ehe eine große und mangelhaft gehandhabte Flotte wesentlichen Vorsprung gewinnen konnte. Außer ihrem eigentlichen Zweck hatte nämlich eine strenge Blockade noch eine wichtige Folge: Die französische Marine wurde dauernd außerstand gesetzt, die Handhabung ihrer Schiffe und Schiffsverbände zu üben; in diesen wie in den Kriegen zu Ende des Jahrhunderts — dargestellt in unserem fünften Abschnitt —, in denen die Blockaden jahraus, jahrein meisterhaft durchgeführt wurden, waren daher die Franzosen, selbst bei gleicher Stärke, beim Zusammentreffen den Engländern nicht gewachsen, während diese gerade durch den schwierigen Blockadedienst zu vorzüglichen Seeleuten herangebildet wurden.

3. Fliegende Geschwader unternahmen Angriffe auf Frankreichs Küsten, bisweilen mit kleineren Landungen verbunden. Diese Vorstöße, deren Ziel der Gegner nicht voraussehen konnte, sollten ihn zwingen, an vielen Stellen Truppen bereit zu halten und damit dem Kriege in Deutschland zu entziehen.

4. In der Nähe von Gibraltar wurde eine Flotte gehalten, um die Seestreitkräfte von Toulon zu hindern, sich mit der Atlantikflotte zu vereinigen oder die auswärtigen Stationen zu verstärken. Dieser Teil der englischen Streitmacht war zwar selbständig, hatte aber etwaigen Anforderungen der Atlantikflotte Folge zu leisten.

Auf die Wiedereroberung des Hafens von Port Mahon, ja selbst auf eine Unterbindung des Verkehrs mit ihm, scheint man keinen Wert gelegt zu haben. Der Besitz der Seeherrschaft im Mittelmeer spielte nicht die Rolle wie in den früheren Kriegen, die Hauptinteressen lagen anderswo.

5. Es wurden Züge gegen die französischen Besitzungen in Westindien sowie Afrika unternommen und in Ostindien ein ständiges Geschwader unterhalten, um die Herrschaft in jenen Meeren zu sichern, den Franzosen die rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden und ihren Handel zu vernichten. Diese niemals ausgesetzte Tätigkeit nahm größeren Umfang an, als die französische Marine (1759) lahmgelegt war und als durch Spaniens Eintritt in den Krieg (1761) die Aussicht auf wertvolle Eroberungen sowie Beute größer wurde.

Frankreich versuchte in den ersten Jahren noch, seine auswärtigen Stationen zu verstärken, sowie die Kolonien zu unterstützen, und kleinere Geschwader schlüpften auch des öfteren, namentlich während der Wintermonate, durch die Blockade. Dem aber machte Englands Übermacht nach und nach ein Ende; selten nur noch gelang es, Kriegsschiffe oder Konvois nach den Kolonien abzusenden. In den europäischen Gewässern hatte man sich nach dem Vorstoß gegen Port Mahon auf den Kleinen Krieg mittels einzelner Kriegsschiffe und Kaper beschränkt. Erst als zu Ende des Jahres 1758 der feurige Choiseul ans Ruder gekommen war, raffte man sich auf. Herabgestimmt durch die Mißerfolge des Jahres im Landkriege, gereizt durch die englischen Küstenangriffe, faßte man den Entschluß, alle Kraft auf ein Ziel zu setzen und in Großbritannien zu landen; ein Plan, mit dem man sich vom Beginn des Krieges an getragen hatte. Gleichzeitig sollten Truppen nach Irland, England sowie Schottland geworfen und zu diesem Zwecke die gesamte Streitmacht zusammengezogen werden. Aber die Toulonflotte wurde auf dem Wege nach Brest von der englischen Gibraltarflotte vernichtend geschlagen (bei Lagos, August 1759). Trotzdem gab Choiseul den Plan nicht auf. Die Brestflotte lief aus, als die Blockade durch stürmisches Wetter unterbrochen war, aber auch sie wurde von dem rechtzeitig zurückkehrenden Gegner gestellt und aufgerieben. (Schlacht in der Quiberonbucht, November 1759.)

England errang inzwischen große Erfolge, da durch das Sammeln der französischen Seestreitkräfte die anderen Kriegsschauplätze für das Jahr 1759 ganz ohne Unterstützung geblieben waren. Schon 1758 war die wichtige Festung Louisbourg in Nordamerika gefallen; 1759 eroberte England auch Quebec, in Westindien Guadeloupe, in Afrika Gorée und in Indien räumte das französische Geschwader, nach mehreren nicht unbedingt verlorenen Gefechten, das Feld, worauf bis Januar 1761 (Übergabe von Pondicherry) ganz Französisch-Indien verloren ging. Die Streitkräfte Frankreichs draußen mußten sich eben aufzehren. Die beiden großen Niederlagen 1759 nahmen nun der französischen Marine jegliche Kraft, während England infolge der geringen Beanspruchung daheim in den fernen Gewässern noch tatkräftiger auftreten konnte. Spaniens Hilfe für Frankreich kam zu spät, und auch das sonst erfolgreiche Streben Choiseuls, der 1761 das Marineministerium mit übernahm, die Marine zu heben, konnte für diesen Krieg keine Früchte mehr tragen. Nicht imstande, zur See etwas zu unternehmen, griffen die Verbündeten (1762) Portugal zu Land an, wurden jedoch mit Englands Unterstützung zurückgeschlagen. England dagegen nahm im Jahre 1762 Frankreich noch Martinique, die Perle der Antillen und ein wichtiger Stützpunkt für Freibeuterei, den Spaniern Havanna und die Philippinen ab. Frankreich hatte alle Kolonien bis auf seinen Anteil an Haiti verloren.

Der Kleine Krieg gegen den Handel in allen Meeren spielte auch im Siebenjährigen Kriege eine bemerkenswerte Rolle; er zeigte fast dieselbe Eigenart wie in den früheren englisch-französischen Kämpfen. Obgleich er wiederum von Frankreich mit großer Kühnheit und Ausdauer geführt wurde, um so tatkräftiger, je mehr die Marine zurückging, brachte er schließlich doch wie im österreichischen Erbfolgekriege den Niedergang des französischen Handels bis zur Vernichtung, dagegen ein Aufblühen der englischen Schiffahrt und Industrie. Damit wurde für Frankreich eine wichtige Hilfsquelle verstopft, die für England desto reichlicher floß.

Der Friede zu Paris. 10. Februar 1763.

Die Eroberung der Philippinen[70] war das letzte Ereignis dieses Krieges. Neun Monate hatten genügt, um Spanien niederzuwerfen; es bat um Frieden, und Frankreichs letzte Hoffnung war damit zertrümmert. Choiseul hatte schon 1761 Friedensvorschläge gemacht; es war ihm aber wahrscheinlich kaum Ernst damit und er wollte wohl nur England über seine Verhandlungen mit Spanien täuschen. Pitt durchschaute jedoch diese Absicht und war auch nicht gewillt, auf das Verlangen Frankreichs einzugehen, Preußen ganz fallen zu lassen; er rechnete im Gegenteil weiter damit, durch die Fortsetzung des Land- und Seekrieges Frankreich als See- und Kolonialmacht völlig zu vernichten. 1762 waren nun beide Gegner des Krieges müde, Frankreich war erschöpft und die englische Regierung glaubte, gegen Pitts und seiner Anhänger Ansicht, mit der augenblicklichen Vernichtung der feindlichen Flotten und Wegnahme der Kolonien genügend erreicht zu haben. Die Friedensverhandlungen gingen nach Pitts Rücktritt sogar von der schwachen englischen Regierung aus und wurden trotz der glänzenden Erfolge mit unwürdiger Hast zu Ende geführt. Georg III. und der nunmehrige Leiter der Politik, Lord Bute, wünschten den Frieden aus anderen Gründen: Mangel an politischer Einsicht, Abneigung gegen Friedrich II., Verlangen nach Frieden von außen, um sich gegen Widersacher der Regierung im Lande wenden zu können. Sie schlossen schon am 3. November 1762 einen Präliminarfrieden zu Fontainebleau mit Frankreich und Spanien unter weit bescheideneren Bedingungen[71] ab, als die Gegner erwarteten und England nötig gehabt hätte; der Vertrag wurde am 10. Februar 1763 zu Paris bestätigt.

Die Friedensbedingungen. Frankreich gab alle Ansprüche auf Kanada, Neuschottland und Neubraunschweig — mit Kap Breton sowie den anderen Inseln im St. Lorenzstrom — auf; es trat das Ohiotal und das ganze Gebiet östlich vom Mississippi an England ab. Es gab auch Minorka zurück, und da es die Insel Spanien versprochen hatte, entschädigte es diesen Staat durch die Gebiete Louisianas, westlich vom Mississippi, einschließlich der Stadt New Orleans. Es war aus Nordamerika vertrieben. — In Westindien erhielt Frankreich sämtliche Inseln bis auf Grenada zurück. Die neutralen Inseln wurden geteilt: St. Lucia fiel an Frankreich, St. Vincent, Tabago, Dominica an England. — In Ostindien bekam Frankreich Pondicherry nebst den Besitzungen an der Koromandelküste wieder, die es 1749 besessen hatte, es mußte aber auf die seitdem hier sowie in Orissa gemachten Erwerbungen und auf das Recht verzichten, in Bengalen Befestigungen anzulegen und Truppen zu halten. Es konnte in Indien wohl in beschränktem Maße Handel treiben, aber sein politischer Einfluß — der Traum eines großen Reiches hier — war zu Ende. — In Afrika wurden die Niederlassungen im Senegal (mit Ausnahme von Gorée) an England abgetreten. — Das Recht, an den Küsten Neufundlands, sowie in einigen Teilen des Lorenzgolfes zu fischen, ward Frankreich zugestanden und ihm zu diesem Zweck die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon als Fischerstationen belassen. — Dünkirchen, der gefährliche Stützpunkt der Freibeuterei, mußte, wie nach dem Aachener Frieden, wieder entfestigt werden.

Spanien bekam Havanna sowie die Philippinen zurück, trat aber Florida an England ab und erhielt die französischen Teile von Louisiana. Von dem beanspruchten Rechte der Fischerei bei Neufundland wurde es ausgeschlossen. Es gestand zu, daß England in Honduras Holz holen dürfe, und erklärte sich mit der Aburteilung der Prisenfälle in England einverstanden.

England kam mithin durch den Frieden in den Besitz eines nordamerikanischen Reiches, das Kanada sowie die sämtlichen jetzigen Vereinigten Staaten östlich des Mississippi umfaßte. Es gewann einige westindische Inseln und Senegal. In Ostindien wurden der englischen Kompagnie alle Eroberungen stillschweigend zugestanden; England war hier unbedingt die Vormacht geworden. Fast noch wichtiger als diese Gebietserweiterungen waren das Übergewicht zur See und das Ansehen, das England durch den Krieg erlangt hatte. Aber England hätte weit bedeutendere Forderungen durchsetzen können: solche, wie sie Pitt und seine Anhänger wünschten, um Frankreich aus der Reihe der Kolonialmächte zu streichen. Diese versuchten denn auch, die übereilten Friedensvorschläge rückgängig zu machen, das Parlament war jedoch größtenteils in der Hand der Regierung und bestätigte sie[72].

Captain Mahan äußert sich hierzu (Band I, Seite 309; hier gekürzt wiedergegeben): Pitt sagte: Frankreich ist uns hauptsächlich als See- und Kolonialmacht gefährlich. Was wir in dieser Hinsicht gewinnen, ist uns durch den Schaden wertvoll, den Frankreich davon bat. Jetzt läßt man ihm die Möglichkeit, seine Marine wieder ins Leben zu rufen. Die Zurückgabe der Kolonien in West- und Ostindien sowie des Rechtes der Fischerei in Nordamerika gaben Frankreich die Möglichkeit und den Antrieb, Schiffahrt, Handel und Marine wieder herzustellen, und waren geeignet, es von dem Pfade des Ehrgeizes auf dem Festlande, der so günstig für das Wachsen der Macht Englands auf den Ozeanen gewesen war, abzulenken. Die Opposition in England war auch der Ansicht, daß das noch öde Florida ein schlechter Ersatz für das wichtige Havanna sei; Portoriko war als solcher vorgeschlagen, Florida wurde angenommen.

Das Ministerium rechtfertigte seine Nachgiebigkeit mit dem ungeheuren Wachsen der Staatsschuld durch den Krieg (von 78 Millionen Lstrl. im Jahre 1748 auf 122); aber gerade weil dieser Wechsel auf die Zukunft gezogen war und sich dies durch die Erfolge im Kriege bewährt hatte, mußte man beim Friedensschluß alles nehmen, was man erhalten konnte. Auch brauchte England in dieser Hinsicht nicht in Sorge zu sein. Der zunehmende Handel und die wachsende Industrie, für die der große Kolonialbesitz ihm den Absatz sicherte, während im übrigen Europa Seehandel und Industrie daniederlagen, boten ihm genügende Garantie. Aber das Volk hatte keine Vertretung in der Regierung; der einzige Mann, der der Ausnutzung der günstigen Lage gewachsen war, Pitt, stand in Ungnade bei Hofe.“

Frankreich war über die geringen Forderungen erstaunt. Man hätte hier das reiche Martinique, Guadeloupe sowie das handelspolitisch und strategisch wichtig gelegene St. Lucia[73] geopfert; Guadeloupe gab aber Lord Bute sogar über den Kopf des Premierministers hin fort. Die ostindische Kompagnie war empört, daß sie die fast nur auf ihre Kosten eroberten Philippinen nicht behalten durfte; nicht einmal der volle Betrag der auferlegten Kontribution wurde ihr von Spanien gezahlt. Die Entrüstung auf Bute wuchs so rasch im Lande, daß er schon im April 1763 zurücktrat; man sagte ihm sogar nach, er sei von Frankreich bestochen worden.

Die Streitmittel.[74]

Frankreich trat dank den Bemühungen der Minister Maurepas und Rouillé mit einer größeren Zahl von Schiffen in den Siebenjährigen Krieg ein als in den vorigen.

Der Schiffsbestand betrug 1756: 6 Schiffe zu 84 Kanonen, 29 zu 74, 3 zu 70, 29 zu 64, 5 zu 60, mithin 72 Linienschiffe; ferner 10 Schiffe zu 50 sowie 6 zu 36–46 Kanonen, gewöhnlich Fregatten genannt, und an richtigen Fregatten 17 zu 32 sowie 24 zu 22–26 Kanonen, endlich 12 Korvetten zu 10–16 Kanonen und etwa 100 kleinere Fahrzeuge. Fast alle diese Schiffe, besonders aber die Linienschiffe, waren seit 1748 neu erbaut.

Zu den Linienschiffen zählen von dieser Zeit an nur solche, die über 50 Kanonen führen, doch stellte Frankreich noch manchmal 50-Kanonenschiffe in die Linie ein (England nur sehr selten). Frankreich scheint auch in diesem Kriege noch keine Dreidecker gehabt zu haben, dagegen die neuen, sehr starken Zweidecker zu 84 Kanonen (vgl. Seite 12 und 14). Mehrere Quellen geben für 1756 nur 60–70 Linienschiffe an.

Auch die Zahl der Seeoffiziere war von 660 um 1740 wieder auf 900 gewachsen, aber wie bei Beginn des vorigen Krieges fehlte ihnen die Übung, und bei den Mannschaften war dies noch mehr der Fall. Die traurigen Verhältnisse unter den späteren Ministern machten eine Stärkung der Marine während des Krieges unmöglich; der Aufschwung unter Choiseul (1761) kam zu spät. Im Siebenjährigen Kriege erhielt die königliche Marine noch Unterstützung durch die Ostindische Kompagnie, deren Schiffe und Offiziere jedoch nicht vollwertig waren (vgl. Seite 57).

Der Verlust an Schiffen betrug 20 Linienschiffe und 34 Fregatten, vom Feinde genommen, 14 und 22 Schiffe dieser Arten vernichtet oder sonst verunglückt; eine Anzahl kleinerer Fahrzeuge trat hinzu. Die Marine war also um 1763 wieder bis auf 40 Linienschiffe und, trotz einiger Neubauten, auf vielleicht 10 Fregatten zurückgegangen, wozu dann die 15 Linienschiffe im Bau, die die Nation der Regierung schenkte, traten.

Spanien hatte gleichfalls seine Marine seit 1748 sehr verstärkt. 1759 besaß es 49 Linienschiffe, nämlich: 2 zu 80 Kanonen, 6 zu 70, 30 zu 68, 8 zu 60, 3 zu 58. Hinzu kamen 2 Schiffe zu 50 Kanonen, 22 Fregatten zu 22–30 und 14 Korvetten. Die Schiffe waren fast sämtlich neu, jedenfalls die Linienschiffe erst nach 1750 erbaut. Es liegen aber keinerlei Andeutungen vor, die darauf hinweisen, daß die Schiffe besser imstande gehalten wären, noch daß das Personal auf einer höheren Stufe gestanden habe, als bisher. Spanien verlor in dem Kriege 9 Linienschiffe sowie 5 Fregatten, vom Feinde genommen, und beim Angriff auf Havanna (1762) waren 3 Linienschiffe zur Sperrung der Einfahrt versenkt.

In England war der Schiffsbestand um 1756: 5 Schiffe zu 100 Kanonen, 10 zu 90, 6 zu 74, 27 zu 70, 5 zu 64, 36 zu 60, mithin 89 Linienschiffe; 30 Schiffe zu 50 Kanonen sowie 38 zu 40–44 (die letzteren oft Fregatten genannt); 59 Fregatten zu 20–24 Kanonen und viele kleinere Fahrzeuge. Insgesamt 274 Segel. Der Verlust betrug 15 Linienschiffe (aber nur eins vom Feinde genommen), 4 50-Kanonenschiffe, 3 zu 40 und 14 zu 20–28 Kanonen. Trotz dieses Verlustes und obgleich während des Krieges eine ziemlich große Zahl als abgenutzt aus den Listen gestrichen wurde, war doch durch Neubau oder Einstellung genommener Schiffe der Gesamtbestand um 1763 auf 340 Segel gewachsen. Die schon früher gegebene Tabelle (Seite 18) weist für 1762 an Linienschiffen 141 nach; aus ihr ist ferner zu ersehen, daß besonders Schiffe der dritten Klasse (zu 74 und 64 Kanonen) sowie Fregatten zu 28–38 Kanonen erbaut oder eingestellt sind, während man die verlorenen 50- oder 44-Kanonenschiffe nicht ersetzt hat. Auch begann man gegen Ende des Krieges in England nach dem Muster genommener französischer großer Zweidecker solche zu 80 Kanonen zu erbauen.

Im Gegensatz zum vorhergegangenen Kriege würde die englische Marine nicht überlegen gewesen sein, wenn das Bündnis zwischen Frankreich und Spanien sofort in Kraft getreten wäre. Auch nach den niedrigsten Angaben hätten diese Staaten über 100 Linienschiffe den englischen 89 (oder mit Einschluß der 50-Kanonenschiffe 120) entgegenstellen können. Gegen Frankreich allein trat England allerdings überlegen auf, und als Spanien (1761) den Krieg erklärte, hatte die französische Marine schon die angegebenen ungeheuren Verluste erlitten, die englische war dagegen bedeutend gewachsen.

Der Verlauf des See- und Kolonialkrieges.[75]

Die Ereignisse vor der Kriegserklärung.

Die Reibungen in den Kolonien begannen schon unmittelbar nach dem Frieden von Aachen. In Westindien besetzte der Gouverneur von Martinique 1749 die neutrale Insel Tabago und räumte sie erst wieder, als England sehr ernstlich Einsprache erhob; ein ähnlicher Fall ereignete sich an der Westküste von Afrika. In Ostindien aber hatten die Kompagnien und in Nordamerika die Kolonisten der beiden Länder den Kampf trotz des Friedensschlusses eigentlich ununterbrochen fortgesetzt, wie sich später bei der Schilderung des Krieges in den Kolonien ergeben wird. Um 1755 war der Kampf, in Amerika schon beträchtlich von den Mutterländern unterstützt, zu einem derartigen Umfange gediehen, daß die Regierungen daheim Maßregeln ergriffen, die einen großen Krieg unabwendbar erscheinen ließen. Frankreich bereitete in Brest sowie Rochefort eine starke Expedition nach Kanada vor, und England rüstete daraufhin gegen 35 Linienschiffe aus, warb oder preßte Seeleute und ordnete die Aufstellung von 50 Kompagnien Seesoldaten an.

Am 3. Mai 1755 verließ Lieutenant-Général Comte de Macnemara Brest mit einer Flotte von 20 Linienschiffen und 6 Fregatten. Von den Linienschiffen waren jedoch nur 9 vollständig armiert, nämlich 6, die, zu einem Geschwader vereint, dem genannten Admiral unmittelbar unterstellt waren, und 3 zum Geschwader des Chef d'Escadre Dubois de la Motte gehörige. Dieser Flaggoffizier war der Führer der eigentlichen Expedition nach Kanada, und die ihm weiter unterstellten 11 Linienschiffe, die 12 Bataillone Infanterie (unter Baron Dieskau) sowie Kriegsmaterial in die Kolonie überführen sollten, waren nur als Flüten[76] armiert. Macnemara ging mit seinen Linienschiffen sowie 3 Fregatten nach Brest zurück, sobald er seine Aufgabe gelöst hatte und die Expedition sicher auf hoher See wußte. Nun sollte er an den Küsten Frankreichs kreuzen. Er legte aber krankheitshalber sein Kommando nieder und starb bald darauf, 65 Jahre alt; das Geschwader kreuzte dann unter dem Befehle des Comte Du Guay. Dubois segelte nach Nordamerika, zweigte bei Annäherung an die Küste 4 Linienschiffe nach Louisbourg ab und führte den Rest nach Quebec; 3 Schiffe waren im Nebel von ihm abgekommen, und nur diese stießen mit den Engländern zusammen.

In England war man nur oberflächlich von der französischen Expedition unterrichtet gewesen, hatte aber doch schon am 27. April den Vizeadmiral Edward Boscawen mit 11 Linienschiffen, einer Fregatte sowie einigen Transportern, die 2 Regimenter an Bord führten, nach Amerika gesandt. Als die Stärke der Franzosen bekannt wurde, folgte am 11. Mai ein Nachschub von 6 Linienschiffen unter Kontreadmiral Francis Holburne, die am 21. Juni auf den Neufundlandbänken zu Boscawen stießen. Dieser war zwar mit Dubois nicht zusammengetroffen, jedoch am 6. Juni den drei versprengten Franzosen begegnet, hatte sie mit dem ganzen Geschwader gejagt und am 8. zwei von ihnen, ein voll- und ein en flûte-armiertes Schiff, genommen; dem dritten, einem guten Segler, gelang es, im Nebel nach Louisbourg zu entkommen. Als Boscawen dann erfuhr, daß Dubois wohlbehalten Quebec erreicht habe, ging er nach Halifax, da seine Mannschaft sehr unter Krankheit litt; nur ein kleineres Geschwader unter Holburne blockierte Louisbourg. Nach Ausschiffung der Truppen begab sich Dubois auf die Rückreise und langte am 21. September in Brest an; auch den Schiffen in Louisbourg gelang es, während eines Sturmes zu entschlüpfen und sich ihm anzuschließen. Nun ging auch Boscawen, dessen Bleiben in den nordamerikanischen Gewässern nicht mehr nötig erschien und der gegen 2000 Mann an Krankheiten verloren hatte, mit Holburne nach England und traf am 4. November in Spithead ein; nur wenige Schiffe unter Kommodore Spry überwinterten in Halifax.

Dubois wäre ohne Zweifel zu schwach gewesen, um gegen Boscawen aufzutreten, aber auch seine Instruktion verbot es ihm. Bemerkenswert ist hier die Verschiedenheit der Befehle für die Führer. Die französischen schrieben vor, jeden Zusammenstoß zu vermeiden, solange es die Ehre der Flagge zuließe; Boscawen hatte Order, die Kolonie zu schützen und das feindliche Geschwader anzugreifen, wo er es fände. Der Erlaß dieses Befehls war sogar dem französischen Gesandten bekannt gegeben.

Die Wegnahme der beiden französischen Schiffe erregte in Frankreich große Entrüstung, blieb aber nicht die einzige Gewalttat Englands vor der Kriegserklärung. Im Sommer 1755 erhielt der Kontreadmiral Sir Edward Hawke den Auftrag, mit einem starken Geschwader in der Biscaya zu kreuzen und jedes französische Linienschiff zu nehmen; im August wurde der Befehl auf alle feindlichen Kriegsschiffe, Kaper und Handelsschiffe ausgedehnt. Der gleiche Befehl erging an das Mittelmeergeschwader. Bis Ende des Jahres nahmen Hawke, später die Admirale Byng und Temple-West 500 Handelsschiffe im Wert von über einer Million Lstrl., sowie einige Kriegsschiffe; auf ihnen befanden sich 6000 französische Seeleute und 1500 Soldaten, einschließlich der Besatzungen der in Nordamerika genommenen Schiffe, in englischer Gefangenschaft. Diese entsprachen den Besatzungen von wohl 10 Linienschiffen, bedingten also einen schweren Verlust für Frankreich vor Eintritt in den Krieg.