Salz-Sauerteig.

Dies ist ein Sauerteig wovon die Yankie-Ansiedler häufig Gebrauch machen; allein obgleich das damit bereitete Brod entschieden weißer, und von besserem Aussehn ist, als das auf andre Weise gesäuerte. So macht es doch der eigenthümliche Geschmack, den es dadurch erhält, manchen Leuten äußerst widrig. Ein andrer Nachtheil ist, daß es während des Winters äußerst schwer hält, diesen Sauerteig zum Gehen (Gähren) zu bringen, da er eine Temperatur erfordert, die man an einem canadischen Wintertage nicht leicht erhalten kann, dazu kommt noch, daß der fragliche Sauerteig, nachdem er einmal seine Höhe erreicht hat, wofern man nicht sogleich davon Gebrauch macht, wieder fällt, und dann nicht wieder steigt; eine sorgsame Hausfrau, welche diesen Umstand kennt, giebt daher sorgfältig Acht, da sie andernfalls schweres schliffiges Gebäck erhalten oder gar kein Brod sondern eine Art Gebäcke wie Haferkuchen im Hause haben würde.

So viel als ich mich erinnern kann, wird der Salz-Sauer auf folgende Weise gemacht: — Zu einem kleinen Gebäcke, also etwa zwei oder drei Broden oder einem großen Backkessel-Brode (ungefähr so groß wie ein englisches Metzen-Brod) nimmt man eine Pinte mäßig warmen Wassers, (es muß der hineingesteckten Hand angenehm sein) und rührt in den Krug oder Topf, der es enthält, so viel Mehl, als zur Bildung eines guten Teiges nöthig ist, der aber nicht zu dick sein darf; hierzu füge man einen halben Theelöffel voll Salz und setze das Gefäß, in einer Schüssel mäßig warmen Wassers, in eine kleine Entfernung vom Feuer oder an die Sonne; das den Topf, worin der Sauer enthalten ist, umgebende Wasser darf sich nie viel über seine ursprüngliche Wärme abkühlen, daher man von Zeit zu Zeit etwas warmes Wasser zugießen muß, (nicht aber in den Sauer, sondern in die Schüssel,) bis das Ganze in einen lebhaften Zustand von Gährung geräth, was in Zeit von sechs bis acht Stunden geschieht, worauf man den Brodteig damit vermischen und, so viel als nöthig, warmes Wasser oder warme Milch zugießen muß. Hierauf knete man die Masse, bis sie hinreichend steif ist und nicht mehr am Troge hängen bleibt. Man wirke nun seine Brode auf, und decke sie in der Nähe des Feuers warm zu, bis sie gehen, wenn dieses zweite Anschwellen statt findet, müssen sie sogleich gebacken werden.

Diejenigen, welche Shanty-Brode, wie ich sie nenne, in eisernen, auf glühende Kohlen gestellten Back-Töpfen oder Kesseln backen, setzen den Teig zum Gehen über sehr wenige Kohlen, oder in die Nähe des heißen Herdes, und drehen, während das Brod steigt, den Topf oder die Pfanne von Zeit zu Zeit; sobald alles gleichförmig in die Höhe gegangen ist, legt man heiße Asche unter und auf den Deckel, wobei man Sorge tragen muß, daß die Hitze anfangs nicht zu heftig werde. Da diese Methode zu backen die allgemeinste und erste ist, welche ein Ansiedler ausüben sieht, so halte ich es für zweckmäßig, ihn im Voraus damit bekannt zu machen. Anfangs fühlte ich mich geneigt, gegen die Back-Schüsseln oder Back-Kessel zu eifern; allein da Koch-Oefen, eiserne Oefen, ja auch nur Ziegel- oder Lehm-Oefen nicht wie Pilze auf unser Geheiß im Busche aus der Erde aufschießen, so sind diese Substitute sehr schätzbar, und dienen vielen nützlichen Zwecken.

Ich habe vorzüglich lockeres Brod genossen, welches auf dem Emigranten-Herde in einem dergleichen Kessel gebacken war, ich habe Kartoffeln, gebacknes Fleisch, treffliches Geschmortes und gute Suppen gegessen, die alle zu verschiedner Zeit in diesem allgemein nützlichen Geräthe zubereitet waren. Es ist eins von jenen Dingen, die sich für die Umstände des Ansiedlers im Walde ganz vorzüglich eignen; denn es ist unmöglich, daß dieser gleich von Vornherein alle Bequemlichkeiten und Haushaltsartikel in und außer seiner Wohnstätte vereinigen kann, welche gleichsam der Lohn mehrjähriger und vielfältiger Anstrengung und Mühe sind.

Es giebt noch verschiedne Sorten Sauerteig, z. B. »Milch-Sauer,« der mit Milch, warm von der Kuh weg, und ungefähr einem Drittel warmen Wassers vermischt wird; und Kleien-Sauer, wozu man Kleien anstatt des Mehles nimmt, und den manche den zuvor erwähnten Arten vorziehen.